Schwarz wird stets gemalt der Teufel

Schwarz wird stets gemalt der Teufel

Die Arbeit an meinem neuen Buch „Einmal Hölle und zurück“ sind fast abgeschlossen. Nach genau 66 Tagen ist damit Schluss. Zufrieden blicke ich auf mein Werk und lasse die Kapitel noch einmal Revue passieren. Zugegeben hatte ich einige Berater, die mir diverse Details einflüsterten. Unter anderem den Araber Abdul Alhazred, der das Necronomicon geschrieben hat. Zwar sollte Abdul längst tot sein, aber für mich sah er ziemlich lebendig aus. Allerdings wollte er mir keine Kopie des Buches überlassen. Das sei zu gefährlich, hat er gesagt.

Nun habe ich alles, aber keine Angst vor irgendwelchen finsteren Mächten. Bekanntlich werde ich von Buddha und Eva Gott beschützt. Aber in der Mythologie vieler Völker spielt „Das Böse“ eine zentrale Rolle. Das hat mich schon immer interessiert. Geister und rachsüchtige Dämonen wollen die Menschen angeblich in Angst versetzen. Über allen steht oft ein gewisser Herr Teufel, den ich nur allzu gut kenne. Unsere diversen Abenteuer stehen bekanntlich auf jeder Bestseller-Liste.

Sein neuester Streich, er hat die Führung des Konzerns Astra-Lumenica übernommen, wie das Magazin WILD berichtet hat. „Enemy at the Gates“, murmele ich, als ich die Nachricht lese. „Will er etwa zu den Sternen fliegen?“ Noch bevor ich weiter darüber nachdenken kann, klingelt mein Hellphone Sturm. „Der nun wieder!“, höre ich mich sagen, als Teufelchens Konterfei auf dem Display erscheint.

Ich ahne bereits was der Kleine will, noch bevor seine Stimmer erklingt. „Du Frau Landar“, flötet er mir ins japanische Ohr, „ob du mir vielleicht bei der Leitung meiner neuen Firma helfen könntest?“ Nun habe ich alles, aber keine Zeit und von teuflischen Führern sowieso das Näschen voll. „Kannst du voll vergessen“, lehne ich daher seine Bitte ab. „Aber frag doch mal bei Donald Trump nach, der hat wieder Kapazitäten frei.“

Aber mein Kumpel erweist sich als geschickter Verhandlungspartner und schickt mir per Zeitreise ein dickes Astra-Lumenica Aktienpaket ins Haus. „Damit bis du Millionärin“, verkündet er und feixt, als ich ihm den Mittelfinger zeige. „Ach jetzt hab dich nicht so und gib deinem hübschen Hintern einen Ruck, ich brauche doch nur ein klitzekleines Konzept von dir und einige unbedeutende Zahlen.“

„Mit malen nach Zahlen kennt sich meine Tochter bestens aus“, erwidere ich. „Ich habe ihr bereits einige beigebracht. Was also willst du wirklich?“ „Na die Menschen erleuchten, was denn sonst?“, antwortet Teufelchen. „Du weißt doch bestimmt was Astra-Lumenica produziert?“ „Ja, Leuchtreklamen und ….“ Mir verschlägt es den Atem, als ich auf der Webseite die erweiterte Produktpalette sehe. „… Impfstoffe? Bist du von allen guten Geistern verlassen?“

Teufelchens schallendes Lachen muss bis in die bayerischen Alpen zu hören gewesen sein. Aber statt Erdbeben gibt es dort seit Jahren nur ein dumpfes Grollen. „Mit Geistern habe ich nix am Hut“, empört sich Teufelchen. „Die zu verfolgen überlasse ich den Zauberlehrlingen Spahn und Wieler. Allerdings haben die beiden mich auf die Idee gebracht ins Impfgeschäft einzusteigen.“ „Um Menschen umzubringen?“, will ich wissen. „Du solltest doch wissen, wie gefährlich so ein experimenteller Cocktail ist!“

„Häh, wie jetzt?“, gibt sich Teufelchen verwirrt. „Ich habe noch keinen einzigen Menschen umgebracht!“ „Ist klar“, sage ich, „du leistest höchstens Sterbehilfe.“ „Papperlapapp!“, empört sich der Höllische. „Ich will den Menschen doch nur Gutes tun! Meine Impfung ist total anders und hat nix mit einem doofen Virus zu tun.“ Er macht eine kurze Pause und lacht verschmitzt. „In einem höllisch kreativen Moment haben meine Unterteufel die RGB-Impfung erfunden. Die Idee kam auf, als wir Fall off Beauty an unseren neuen Computern zockten. Die Geimpften werden hinterher in 16 Millionen möglichen Farben schillern.“

„Wozu soll das gut sein?“, will ich wissen. „Erstens ist Schiller tot und die Welt bereits bunt genug.“ „Du und deine Witze“, mault Teufelchen. „Jetzt stell dir das doch mal vor. Alle werden gleich sein, damit ist endlich das leidige Thema Rassismus vom Tisch. Das wolltet ihr doch immer! Wir bieten aber auch als Premiumpaket eine individuelle Zusatzimpfung an. Für schlappe 666 Euro kann man sich dann seine eigenen Farbe aussuchen. Wie klingt das für dich?“ 

„Du bist doof!“, benutze ich die Worte meiner Elfe, die sie oft bei unseren fingierten Streitgesprächen benutzt. „Denk doch mal nach, die Roten werden dann wieder gegen die Grünen und die wieder gegen die Blauen sein und die wieder gegen die Gelben opponieren. Also alles wie gehabt!“ „Nö“, erwidert mein alter Kumpel und reibt sich die Hände. „Du hast eine Farbe übersehen, die über allen anderen steht.“

„Welche soll das bitte sein?“, will ich wissen. „Die Welt hat doch schon alle Farben durch!“ Der Kleine schaut mich merkwürdig an, bevor ein diabolisches Lächeln sein Gesicht verziert. „Du irrst dich“, erwidert er leise, als der Mantel der Nacht über die Erde sinkt. „Schau doch mal auf deine ehemalige Heimat Deutschland. Welche Farbe hat dort seit Jahren die Hosen an?“ „Großer Buddha!“, rufe ich, werde aber vom Höllenfürst unterbrochen. „Na endlich fällt der Groschen“, sagt er. Denn Schwarz, liebe Freundin, Schwarz wird stets gemalt der Teufel.“