Und Macheath, der hat ein Messer …

Dieser Beitrag stellt keinen Aufruf zur Gewalt dar. Er richtet sich an interessierte LeserInnen, die mehr über Selbstverteidigung erfahren möchten und vielleicht einen kleinen Einblick in meine Welt gewinnen wollen. Entstanden ist er bereits vor meinem Urlaub. Ein Grund war mein blankes Entsetzen darüber, was von angeblichen „Experten“ in Sachen Selbstverteidigung angeboten und gelehrt wird. 

Juli 2017. Der Ort: Das Dojo eines Karate-Clubs. Das Land: Deutschland. Der Anlass: Ein Seminar für Selbstverteidigung. Die Zielgruppe: Frauen. SeminarleiterIn: Ich

In Deutschland ist das Interesse an Selbstverteidigung neu erwacht. Seit „Köln I“ haben Frauen meine Kurse überrannt. Aber kann ich ihnen wirklich Sicherheit bieten?

Zusammen mit meiner Freundin Linda, gebe ich Kurse in verschiedenen Städten. Die folgenden Szenen sind wirklich so passiert und ähneln sich immer wieder. Der Inhalt des Artikels bildet lediglich jene Ausschnitte ab, die zum besseren Verständnis der Thematik beitragen sollen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Mir geht es nicht darum, bestimmte Kampfkünste oder -techniken schlecht zu reden. Aber die Abwehr gegen ein Messer funktioniert meist nur im Dojo.

Der Grund ist einfach: Angreifer führen keine starre Technik aus. Abwehrtechniken dienen als Grundgerüst, um sich zu verteidigen. Das muss der Schüler wissen. Und der Lehrer auch.

Der (Dis)Kurs

Mehr als ein Dutzend Mädchen und Frauen stehen vor mir, die meisten sind völlig unerfahren und haben noch nie Selbstverteidigung praktiziert. Aber alle vereint sie der Wunsch nach Hilfe und wie Frau sich besser schützen kann.

Frauen müssen lernen, die eigene Angst zu kontrollieren. Hilflos kreischende Mäuschen braucht in diesen Tagen niemand. Selbst ist die Frau. Viele deutsche Männer kämpfen nur am Tresen. Hoch die Tassen, Prost!

Ich spreche allgemeine Dinge an, die Praxis kommt später. „Selbstverteidigung beginnt primär im Kopf“, beginne ich. „Ein aufrechter Gang, Blickkontakt mit einem möglichen Aggressor, vor allem die Vermeidung einer gefährlichen Situation sind nur einige Regeln, um sich als Frau zu schützen.“

„Aber bedeutet das nicht, auf liebgewordene Freiheiten zu verzichten?“, will eine Teilnehmerin wissen. „Ich gehe nun mal gern Party machen und ich habe keinen Freund.“ „Wo ist das Problem mit mehreren Frauen zu gehen, von denen eine fährt und nüchtern bleibt?“, ist meine Gegenfrage. „Man wechselt sich dabei ab, so hat jede ihren Spaß.“

„Und wenn uns wer mit der Waffe bedroht?“, kommt schon die nächste Frage, die typisch für das klischeehafte Denken mancher Menschen ist. „Die Chancen in Deutschland auf einen Bewaffneten zu treffen sind eher gering“, erwidere ich. „Eventuell wird ein Messer benutzt, aber meist damit nur gedroht. Die wenigsten Kriminellen haben Waffen.“

„Ja, aber was wenn doch?“, wird nachgehakt. „Wie schützt Frau sich dann?“ „Gegen einen Messerstecher gibt es fast keinen Schutz“, erwidere ich wahrheitsgemäß. „Gebt ihm was er verlangt, es ist in den meisten Fällen nur Geld!“ Aber die Frau will es wissen. „Und wenn er mehr will, also vergewaltigen und so?“, fragt sie.

Und Macheath, der hat ein Messer …

„Ich habe Dinge gesehen, die Ihr Menschen niemals glauben würdet … (Teilzitat aus dem Film „Blade Runner“)

Auch ich habe auf youtube Dinge gesehen, die mir die Tränen in die Augen trieben. Ich spreche von Abwehrtechniken gegen Messerstecher, die blanker Unsinn sind. Keine Kampfkunst, weder Karate noch Wushu (Kung Fu) oder Krav Maga, kann gegen ein Messer bestehen. Gibt es daran Zweifel? Dann bitte weiter lesen.

Schlimm dabei, der Messerstecher muss über keinerlei (Kampfkunst)Erfahrung verfügen. Ein Messer ist und bleibt tödlich. Wer etwas anderes verkauft, der lügt. Es mag es auf der Welt eine Handvoll Menschen geben, die gegen einen Messerstecher bestehen können. Ein reiner Kampfsportler kann das meist nicht.

Und damit könnte ich diesen Beitrag schließen und zur Tagesordnung übergehen. Aber es geht natürlich weiter. Ich hole ein Plastikmesser, stelle mich hinter Yuki und halte es an ihren hübschen Hals. „Was macht man dagegen?“, frage ich und schaue in die Runde. Hilflose Blicke. Es herrscht Ratlosigkeit, keine weiß ein Gegenmittel.

Wehrlos

„Yuki?“, frage ich, „weißt du etwas?“ „Ja“, erwidert Elfchen, „ich mache nichts! Bewege ich mich jetzt, ende ich mit durchschnittener Halsschlagader und verblute in weniger als zwei Minuten.“

„Aber wozu sind wir dann hier, wenn es keine Abwehr gibt?“, will die Frau wissen, die es noch immer nicht verstanden hat. „Du bist hier um zu lernen, wie du diese Situationen vermeidest,“ erwidere ich. „Und was du doch tun kannst, wenn jemand wirklich etwas Böses von dir will. Mit und ohne Messer.“

Ich löse mich von Yuki und trete einen Schritt zurück. „Spielen wir die Szene real durch. Das hier ist eine dunkle Straße, ich bin ein Finsterling und sie auf dem Weg nach Hause. Ich komme ihr entgegen, sie sieht mich und handelt.“

Wir gehen aufeinander zu, Yuki hält Blickkontakt mit mir und lässt mich keinen Moment aus den Augen. „Hey Süße“, sage ich und bleibe stehen. „Was machst du hier so allein?“ „Lass mich in Ruhe!“, erwidert Yuki mit lauter Stimme. Sie hält Blickkontakt und beobachtet dabei kurz die Umgebung, aber ich bin allein.

„Ach jetzt hab dich doch nicht so, Schätzchen“, gebe ich den Bösewicht. „Ich will doch nur etwas Spaß mit dir!“ Yuki läuft los, die Mädels schauen perplex. „Weglaufen, meine Damen!“, sage ich, „immer weglaufen, wenn das möglich ist!“

„Und wenn ich meine hohen Schuhe trage?“, will eine andere Frau wissen. „Dann ziehst du sie aus“, sage ich. „Und zur Not kannst du sie noch als Waffe benutzen.“ Die Frauen sind nicht überzeugt. Die Angst vor einem Vergewaltiger sitzt tief. Leider auch die Hemmungen sich wirklich zu wehren.

Gestochen scharf

Ich reiche das Plastikmesser in die Runde. „Schaut euch das genau an“, sage ich. „Im Gegensatz zu den meisten Küchenmessern, hat dieses hier zwei Schneiden und wäre real noch gefährlicher. Angeblich funktionierende Abwehrtechniken sehen meist nur im Dojo gut aus und bringen dem Anbieter eines Kurses viel Geld. Aber sie sind so gut wie immer nutzlos, wie ich euch zeigen werde.“

Linda, die einen schwarzen Pullover trägt, stellt sich in Positur. Ich hole ein mit einem Kreidestück präpariertes Plastikmesser und gebe erneut den Bösewicht. Aggressiv „steche“ ich auf Linda ein, die weder meine Angriffe abwehren noch ihnen ausweichen kann. Schnell füllt sich der Pullover mit weißen Strichen.

Wir zählen nach und kommen auf 17 Treffer, die Frauen schweigen betroffen. „Der Fehler, der in solchen Kursen gemacht wird, es wird davon ausgegangen, dass der Angreifer den Arm stehen lässt. Aber selbst ein ungeübter Messerstecher wird genau so nicht handeln und mehrfach zustechen oder schneiden. Das Ergebnis könnt ihr bei Linda sehen.“

„Und es gibt wirklich überhaupt keine Möglichkeit der Abwehr?“, will eine Frau wissen, die sichtlich verängstigt wirkt. „Doch“, erwidere ich, „aber die wirst du als Ungeübte nicht überleben. Ich zeige euch etwas anderes. Linda?“

Linda nickt und gibt nun die Angreiferin. Ich habe ein Handtuch gegriffen, dass (m)eine Jacke darstellen soll und werfe es ihr ins Gesicht. Während sie abgelenkt ist laufe ich weg. Gefahr gebannt. Punkt.

„Auf Distanz bleiben, ist die oberste Regel,“, sage ich. „Werft etwas nach ihm. Ein Feuerzeug vielleicht eine Zigarette, eine Jacke die ihr auf den Arm tragt oder greift in einem Raum nach egal was! Es spielt keine Rolle, ob es ein Aschenbecher, eine Flasche oder ein Teller ist. Werfen und dann weg!“

Komm mir (nicht!) zu nahe!

„Im Fernsehen habe ich mal gesehen, wie ein Experte einen Messerstecher entwaffnet hat“, meldet sich eine Frau zu Wort. „Er hat gesagt, man solle in den Angreifer gehen. Ist das denn falsch?“

„Vielleicht ist er ein Ausnahmetalent“, erwidere ich, „oder er kann Gedanken lesen. Man kann die Distanz verkürzen, wenn man eine Chance sieht. Aber im Normalfall bist du dann tot oder schwer verletzt. Also lass es.“

Ich warne an dieser Stelle ausdrücklich davor, mit bloßen Händen gegen Messerstecher vorzugehen. Und ich warne eindringlich vor sogenannten „youtube-Meistern,“ die diesen Schwachsinn verkaufen. Es gibt mehrere Beispiele, die ich auf keinen Fall bewerben will. Diese Menschen handeln grob fahrlässig.

Ihnen geht es vermutlich um „Klicks“, sprich Geld, das sie mit Werbung auf ihrem Kanal oder mit ihren Kursen verdienen. Noch unsinniger ist übrigens die Abwehr gegen eine Pistole. Auch die funktioniert meist nur im Film.

Es gibt Ausnahmen im militärischen Bereich. Aber dann muss ich wissen was ich mache, wie ich einen Aggressor ablenken kann, um eine eigene Aktion zu starten. Für die meisten Menschen gilt: Finger weg von solchen Abwehrtechniken.

Hol das Stöckchen!

In vielen Kursen wird gelehrt, wie man sich gegen Messer mit einem (Teleskop)Schlagstock verteidigt. Das funktioniert schon, aber …! Wer hat in der Realität einen Stock dabei? Wo liegt in einer U-Bahn oder dunklen Seitenstraße ein abgebrochener Ast?

Davon abgesehen gilt ein Teleskopschlagstock als Waffe und darf in der Öffentlichkeit von Privatpersonen nicht mitgeführt werden. Im Dojo sieht das anders aus. Hier darf ich ihn zu sportlichen Zwecken benutzen.

Ich zeige meinen staunenden Teilnehmerinnen, wie einfach Frau sich mit einem  Teleskopschlagstock wehren kann. „Aber das“, füge ich hinzu, „erfordert Übung. Und von euch hat keine einen solchen Stock dabei. Das ist sicher.“ Die Verwirrung bei den Frauen wächst, bin ich zu weit gegangen?

„Vielleicht habt ihr einen Regenschirm“, sage ich und Elfchen stellt sich in Positur. „Mit einem Regenschirm kann man einen Gegner auf Distanz halten, ihn entwaffnen und auch zu Fall bringen. 

Wichtig dabei, schnell und effektiv zu handeln. Ein Schlag auf die Finger, den Oberschenkel oder zwischen die Beine, ein Stich in den Bauch, all das wirkt wahre Wunder. Wir üben das jetzt.“

Die Frauen sind erleichtert und das Seminar nimmt seinen Lauf. Einige beweisen Talent, andere Hemmungen. Wie kann ich ihnen helfen? „Alltägliche Gebrauchsgegenstände sind effektive Mittel zur Selbstverteidigung“, gebe ich den Frauen mit. „Und was ist, wenn wer den Schirm greift?“, kommt die ebenfalls erwartete Frage.

„Dann lässt du los“, erwidere ich. „Schaut her.“ Yuki greift nach meinem Schirm, den ich zur Abwehr nutzen will. Ich lasse ihn einfach los und sie kassiert zwei (angedeutete) Ohrfeigen. Dann laufe ich weg. So einfach kann das sein. Möglichkeiten gibt es immer.

„Greift er den Schirm, sind seine Hände blockiert und ich kann gegen sein Knie oder Schienbein treten“, fügt Yuki hinzu. „Ein Angreifer hat dann schlechte Karten und ich erneut die Kontrolle.“ Elfchen hat viel gelernt. Ich bin stolz auf sie.

Es geht eine Träne auf Reisen

„Und was ist mit Pfefferspray?“, kommt eine ebenfalls erwartete Frage, die mir in allen Seminaren begegnet. „Grundsätzlich müssen wir zwischen Pfefferspray und CS-Gas unterscheiden“, erwidere ich. „Zum Einsatz gegen Menschen ist in Deutschland nur CS-Verteidigungs-Spray zugelassen.

CS-Gas ist relativ harmlos und kann bei falscher Anwendung mehr Probleme verursachen als lösen. Pfefferspray ist in Deutschland für die Tierabwehr gedacht und darf nur in einer wirklichen Notsituation gegen einen Aggressor eingesetzt werden.“ 

Ich demonstriere das mit einer leeren Dose, die Yuki in einer Handtasche hat. Als ich sie belästige versucht sie danach zu greifen, was ihr aber nicht gelingt.

„Solche Sprays sind in der Handtasche völlig nutzlos“, sage ich. „Wenn es mitgeführt wird, sollte die Dose stets in der Hand gehalten werden, wenn Frau sich vielleicht in einer dunklen Tiefgarage aufhält.

Beim Einsatz im Freien ist auf den Wind zu achten. Weht der von vorn, werde ich auf keinen Fall sprühen. Sonst gehen meine eigenen Tränen auf Reisen.“ Alles lacht, der Spruch war gut.

Und es geht doch

„Ich möchte euch zeigen, wie ein Messerkampf aussieht“, sage ich. „Das heißt, wenn beide ein Messer haben und es auch zu benutzen wissen.“ Weder Linda noch Yuki können mir dabei helfen. Für diese Demonstration habe ich Anna mitgebracht, die uns mit Ehefrau Meli auf der Tour begleitet.

Anna, die Krav Maga unterrichtet, versteht sich auch auf Messerkampf. Und prompt gehen wir mit Plastikmessern aufeinander los. Nun wäre es eine Illusion zu glauben, dass Frau hier unverletzt bliebe. Ein Messerkampf läuft anders ab. Hinterher weisen unsere Unterarme rote Streifen auf und im Ernstfall wären wir nun übelst verletzt.

Zusammen mit Anna demonstriere ich danach Abwehrtechniken, die funktionieren können. Aber selbst mir ist klar, dass ich im Ernstfall die eine oder andere Schramme abbekomme. Nachahmung nicht empfohlen. Mein Rat bleibt: „Lauft weg, vermeidet den Kampf!“

Falls weglaufen unmöglich ist, die Jacke um den Arm wickeln, die Handtasche als Schutz benutzen und zur Not den eigenen Unterarm vor den Körper halten. Mit der Außenseite natürlich! Ein paar zerschnittene Muskeln heilen, die Pulsader(n) nicht.

Kampfsport

„Und was ist, wenn wir auf wen treffen, der vielleicht Karate kann?“, wird die Frage gestellt. Dafür habe ich den Kickboxer Robert dabei, der sich meist dezent im Hintergrund hält.

Robert hilft oft aus, wenn ich Seminare gebe. „Ich stehe auf Schmerzen“, hat er augenzwinkernd gesagt. Aber es macht ihm Spaß. Und er hat so einiges von mir gelernt. Außerdem mag er Frauen und das kann ich gut verstehen.

„Die Chance auf einen bösartigen Kampfsportler zu treffen sind gering“, sage ich.  „Aber falls ihr nun auf so einen Verrückten trefft, müsst ihr einfach unfair werden. Ich zeige euch, wie das geht.“

Robert gibt nun den Finsterling und belästigt mich verbal. Er packt mich am Arm und kassiert eine (angedeutete!) Ohrfeige dafür. Gespielt wütend will er mir einen Kick verpassen, den ich mit einem Tritt zwischen seine Beine kontere.

Theatralisch geht er zu Boden. Dabei habe ich den Kick nur angedeutet. „Das“, sage ich, „dient nur der Demonstration, ist aber eine effektive Methode, um sich zu wehren. Und eigentlich gegen jeden Aggressor“, füge ich hinzu und muss an die unschöne Szene in Fukuoka mit der Koreanerin denken. „Jeder Mensch hat Schwachpunkte“, erkläre ich, „niemand ist unbesiegbar.“

Notwehr

Yuki und ich spielen weiter. Ich bedrohe sie mit dem Plastikmesser in einer neuen Szene. „Geld her, los mach!“, sage ich und fuchtele ungeschickt mit dem Messer. Brav händigt sie mir ihren Geldbeutel aus. „Klug zu sein, ist ebenfalls Selbstverteidigung“, sage ich.

In der nächsten Szene soll Yuki mir das Messer aus der Hand kicken und bekommt dafür einen angedeuteten Stich ins Bein. „Und bevor ich den wegen einiger Euro riskiere, werde ich lieber das Geld hergeben. Das ist ersetzbar, mein Leben nicht.“

Auch ein scheinbar harmlos wirkender Stich ins Bein kann tödlich enden. Wird die Schlagader getroffen war es das mit diesem Leben. Erneut spielen wir die Szene mit dem Messer am Hals von Yuki. „Du machst mich total an“, sage ich. „Los, da ans Auto, wir haben jetzt gleich Spaß!“ Ein kleiner Tisch soll das Auto simulieren.

Ich dränge Yuki nach vorn und fummelte an ihrer und meiner Hose. Dabei muss ich aber das Messer von ihrem Hals nehmen. Yukis Reaktion kommt sofort, wobei ich nicht näher darauf eingehen möchte. Der Lerneffekt soll sein, dass wenn Frau sich in einer derart bedrohlichen Situation befindet, sie trotzdem einen kühlen Kopf bewahren soll. Ein harter Tritt auf den Fuß soll nur als ein mögliches Beispiel gelten.

Ein Angreifer wird immer Fehler machen, die es zu erkennen und auszunutzen gilt. Er kann weder eine Pistole noch ein Messer permanent am Kopf des Opfers halten, wenn er wirklich böse Absichten hat. Mit allen Mitteln zu reagieren, die Frau zur Verfügung stehen, ist dabei durch den Notwehrparagraph gedeckt.

§32 StGB: Notwehr ist diejenige Verteidigung welche erforderlich ist, einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwehren. Eine versuchte Vergewaltigung in Tateinheit mit einem Messer durch einen Tritt in den Unterleib abzuwehren, ist in meinen Augen legitim. Wobei das eine eher harmlose Abwehr ist. Ich kenne härtere Methoden.

Härte

„Und was, wenn zwei Männer kommen?“, kommt die nächste Frage. „Einer hält mich vielleicht fest und der andere …“ Schweigen befällt die Runde, die Frauen schauen bedrückt. „Im Endeffekt gilt das Gleiche wie bisher. Nie allein durch dunkle Straßen gehen, Distanz zu einem möglichen Aggressor halten, laut und bestimmt mit Worten sein und alle, wirklich alle Maßnahmen treffen, um einer Vergewaltigung zu entgehen.“

„Fast jede hat ein Handy“, füge ich hinzu. „Frau kann das auch als Waffe nutzen. Auch einen Kugelschreiber oder eine Haarbürste. Ihr habt mehr Möglichkeiten in der Handtasche, als ihr vielleicht glaubt.“

„Ja, aber ist das denn legal?“, fragt eine Frau, „damit kann ich doch wen böse verletzen!“ Ich gehe einen Schritt auf sie zu und prompt weicht sie zurück. „Mäuschen“, sage ich zu der deutlich größeren und älteren Frau, „wir sprechen von einem Mann, der dich vergewaltigen will! Warum also willst du Rücksicht nehmen?“

Keine Rücksicht

Ich schaue in die verunsicherte Runde. „Mädels“, sage ich, „trennt euch von euren rosa Filterblasen! Wer glaubt einen Angreifer schützen zu müssen, wer falsche Rücksicht auf dessen Wohlbefinden nimmt, wer einen Vergewaltiger noch entschuldigt, der sollte jetzt nach Hause gehen!“

Ich winke Yuki und Linda zu mir. Sie sollen die Angreifer spielen. „Los,“ sage ich, „ihr beiden Süßen seit jetzt die Bösen und ich wehre mich. Fangt an.“ Wir spielen „dunkle Straße“ und „Wortgefecht.“

„Stopp, bleibt zurück!“, rufe ich und weiche nach hinten aus. Aber dort ist die Wand, Endstation für mich. Linda und Yuki haben mir den Weg versperrt, ich kann nicht weg.

Linda, die deutlich größer und kräftiger ist als ich, packt überraschend zu und schlingt die Arme um mich. Ich kann mich nicht bewegen, meine Arme sind blockiert. Lindas Kinn schwebt über meinem Kopf den ich angedeutet nach oben ziehe.

Egal ob ich richtig treffe, der Schock wird den Griff automatisch lösen. Treffe ich richtig, ist der Bösewicht KO. Aber vermutlich beißt er sich auf die Zunge, löst den Griff, weicht zurück und schafft damit den nötigen Platz für den finalen Kick in die Kronjuwelen. Spiel, Satz, Sieg! Will jemand mehr?

Was ist mit Bösewicht Zwei? In den meisten Fällen wird der das Weite suchen, wenn er harten Widerstand bemerkt. Fall er doch angreift, was Yuki demonstriert, benutze ich vielleicht mein Handy, den Auto- oder Haustürschlüssel als Waffe. Egal wo ich damit treffe, das tut höllisch weh.

Absichtlich habe ich auf Aikido und Karate-Techniken verzichtet. Die kann ich perfekt, aber diese Mädels nicht. „Tritte auf den Fuß, in die Hoden, durchs Gesicht kratzen, beißen, Kniestöße, alles ist erlaubt, wenn es um unser Leben geht!“, gebe ich der Gruppe mit.

„Auch zum Schein nachgeben, den Täter in Sicherheit wiegen und dann so hart wie möglich zuschlagen. Danach weglaufen und die Polizei bzw. Passanten, Autofahrer zu Hilfe rufen.“

Noch ein Hinweis an meine LeserInnen, die vielleicht selbst Kampfsport betreiben und an Abwehrtechniken gegen ein Messer glauben: Nehmt einen Filzstift oder ein mit Kreide präpariertes Plastikmesser und testet es selbst. Dann reden wir weiter.

 

Werbeanzeigen

All about Anna – Teil 2

Als ich vor fast einem Jahr über Anna schrieb – KLICK MICH, ODER LASS ES  -, war das Mitgefühl groß. Wird Anna es schaffen, werden sie und Corinna wieder ein Paar? Es hat nicht sein sollen, die beiden sehen sich nicht mehr.

Was passiert ist, warum kein Funke mehr übersprang, wird nur Anna wissen. Sie war vermutlich viel zu tief verletzt. Aber manche Menschen bekommen ihre zweite Chance. Und das ganz ohne (Ver)Kupplerin.

Als das Telefon am Freitag klingelt, ist Anna total aufgeregt! „Yumi, Yumi, ich muss dir was erzählen!“ Wir reden mehr als eine halbe Stunde und ich erfahre Neuigkeiten, die ich kaum vermutet hätte. „Das war so“, erzählt Anna. „Also ich gehe zu diesem Konzert und neben mir steht das süßeste Lachen, das die ich je gesehen habe.“

„Anna!“, unterbreche ich, „du kannst doch ein Mädel nicht Lachen nennen.“ „Und ob ich kann!“, bekomme ich zu hören. „Warte, ich schicke dir ein Bild, du wirst schon sehen.“ Als das Bild auf dem Handy erscheint, höre ich neben mir einen Pfiff. „Heiße Braut“, lästert Yuki, als wir Meli sehen. Meli, das ist Melanie im richtigen Leben. Nun der Hammer, sie ist Lehrerin! Wie Corinna, Annas Ex.

„Eine Kopie von Corinna?“, kann ich mir nicht verkneifen und Anna schnauft empört. Yuki schüttelt den Kopf und nennt mich wieder Baka. Frechheit, dabei bin ich so nett! „Halt mal die Luft an“, sagt Anna. „Hör gefälligst zu!“ Auch Yuki lauscht gebannt, wie sich Anna und Meli trafen. Und dass Anna den ersten Schritt gemacht hat, was positiv ist.

Wer Annas Augen gesehen hat, die eisige Kälte, wird verstehen wovon ich schreibe. Anna war emotional tot, ihre Seele gefroren, das Herz erstarrt zu Eis. Wir haben öfter telefoniert, aber es gab nie Neuigkeiten. Noch nicht einmal den bei Trennungen oft üblichen One Night Stand.

„Es hat total gefunkt bei mir“, sprudeln Annas Worte. „Und ich glaube bei ihr auch.“ „Wie, du glaubst das nur?“, hake ich nach. „Hallo, das musst du doch wissen!“ „Ach du bist voll doof!“, sagt sie, was mich nur lachen lässt. Ich bin das Biest. Aber das habt ihr und Anna schon gewusst.

„Ja, also wir haben uns total gut unterhalten“, erzählt Anna weiter. „Und nach dem Konzert waren wir noch tanzen.“ Als Anna schweigt hole ich tief Luft und prompt hält Yuki mir die Hand vor den Mund. „Sei lieb!“, flüstert sie und ich beiße ihr spielerisch in die Finger. Prompt haut sie mir auf den Hintern. Gewalt in der Ehe, das schreit nach … Küssen!

„Gibt es da noch etwas, was du mir erzählen möchtest meine Süße?“, flöte ich honigsüß ins Mikrofon. „Ja gibt es“, erwidert Anna. „Ich, also wir … ja wir waren danach noch im Bett.“ „Na geht doch“, sage ich trocken. „Ich vermute mal, dass es super war. Aber was bitte lässt dich nun schon wieder zweifeln? Oder war es nur die eine Nacht?“

„Nee Keule, dit waren schon mehr“, berlinert Anna frech, was mich schon wieder grinsen lässt. „Details!“, verlange ich aus Spaß. Aber nun ist es Anna die lacht. „Dit kannste knicken“, höre ich. „Habt ihr vielleicht Lust uns zu besuchen?“ „Uns?“, kommt die Frage aus Yukis und meinem Mund synchron. „Jetzt wird es aber wirklich interessant!“

Wir verabreden uns spontan fürs Wochenende und fahren gut gelaunt ins Training. Am nächsten Morgen faucht der Z. Frankfurt ist nur ein Katzensprung. Aber der Verkehr nervt und für manche Fahrer scheint Autofahren schwer. Eine strahlende Anna empfängt uns an der Tür. „Kommt rein ihr zwei Süßen“, begrüßt sie uns. „Meli ist auch schon da.“

Ich bezweifle, dass Meli je weg gewesen ist. Zumindest nicht besonders lange. Etwas verlegen und doch sichtlich aufgeregt tritt sie uns entgegen. „Ich bin die Meli“, sagt sie. „Anna hat mir schon viel von euch erzählt.“ „Nur Gutes hoffe ich“, und zwinkere Anna zu, die mir prompt den Mittelfinger zeigt. Das ist die alte Anna live!

Melis Herzlichkeit, ihr Lachen, die kurzen, braunen Wuschelhaare und ihr verliebter Blick, machen sie mir sofort sympathisch. Ich schaue Yuki an, die fast unmerklich nickt. Hier haben sich zwei Menschen gefunden. Und Meli wirkt authentisch auf mich.

Anna und Meli tragen fast identische Kleidung. Nur die Socken unterscheiden sie. Regenbogen bei Meli, Schwarz bei Anna. Aber die Cargohosen und T-Shirts sind fast gleich. „Wie lange kennt ihr euch jetzt?“, frage ich. „Fast 2 Monate“, erwidert Anna.“ „Genau 56 Tage“, präzisiert Meli und Anna nickt. „Sie weiß das einfach besser.“

„Anna hat mir erzählt, dass ihr Karate macht“, sagt Meli. „Ich finde das total spannend! Sie hat mich schon mit ins Training genommen. Wir wollen später noch hin, ihr kommt doch mit?“ Ich nicke, das war so abgemacht mit Anna. Krav Maga habe ich schon lange vermisst.

Anna als Trainerin zu sehen ist beeindruckend. Sie hat die Gruppe total im Griff. Wir fallen auf mit unseren bunten Karate Gi. Mein 3. Dan wird argwöhnisch betrachtet. „Das sind meine Freundinnen Mayumi und Yuki“, stellt sie uns vor. „Yumi hat Schwarze Gürtel in Aikijujutsu und Karate. Sie wird uns einige Sachen zeigen, die wir so nicht kennen.“

Meli ist die Schwächste in der Gruppe. Aber sie hat sichtlich Spaß und trainiert tapfer mit. Leider muss beim abschließenden Sparring, der einzige Mann der Gruppe den Macho spielen. Er will unbedingt mit mir kämpfen und Anna schaut mich warnend an.

„Ich habe mal Kung Fu gemacht“, erklärt er mir und geht in eine absurd tiefe Stellung. Die, so weiß ich, hat ihm kein Meister beigebracht. Mein eher harmloser Kick bringt ihn bereits aus dem Gleichgewicht. Als er nach mir schlagen will beende ich die Show mit einem Wurf.

„Weniger reden und mehr trainieren sage ich“, und schaue mitleidlos zu, wie er sich am Boden krümmt. Kreidebleich kommt er wieder auf die Beine. „Was … was war das?“, stammelt er. „Einfaches Aikido“, erwidere ich. „Aber wenn du es härter magst?“ Thema durch, will noch einer was?

Annas breites Grinsen belohnt mich für die Show. Und Yukis gespielt theatralischer Blick. Meli steht mit offenem Mund daneben. „Das habe ich noch nie gesehen!“, sagt sie. „Gewöhn dich dran“, sagt Anna leise und legt den Arm um sie. „Yumi haut sie alle um. Nur mich nicht … weil ich schneller laufen kann!“ All about Anna, wir haben herzlich gelacht.

Wenn die Monster zur Japanerin kommen – Suchbegriffe im Juni

Man(n) sucht gern im Internet. Und oft wird man(n) auch fündig. Hier nun 14 Fragen, die die Welt nicht braucht. Und auch keine Antworten von mir. Wer sie trotzdem lesen mag, wird nachfolgend fündig. Habt Spaß und tragt es mit Humor. Meiner ist immer hintergründig.

1. – lesben fragen – (S)Experten antworten. Zumindest hat man(n) sich das so gedacht.

2. – cindy allemann lesbisch – Alle, aber auch wirklich alle Frauen sind lesbisch. Nur nicht Mutti Merkel. Die steht auf Ball ..acks. Oder so.

3. – lesbisch spielen männer anmachen – Es gibt (heterosexuelle) Frauen, die heftigst miteinander knutschen, um so Mannes Interesse zu wecken. Das kann gewaltig schief gehen. Auch, der angeblich so tolle Dreier.

4. – in eine frau verliebt sich als lesbisch outen – Frauen stehen ihren Gefühlen anders gegenüber, als Männer. Wir sind emotionaler, was sich oft in spontanen Liebesbeweisen zeigt. Sehr junge Frauen / Mädchen, mit wenig sexueller Erfahrung, haben daher schon ihre „erste Liebe“ mit einer Frau gehabt. Lesbisch ist das meist nicht. Wenn dann Bisexuell. Wenn aber das wirkliche Verlangen, die permanente Sehnsucht nach einem anderen weiblichen Körper erwacht, hat das eine andere Qualität. Dann sollten Frauen auch den letzten Schritt wagen und sich als lesbisch outen. Für die Liebe, für die (mögliche) Partnerin.

5. – krav magna kämpferin aus usa – Hier haben wir schon wieder ein Verständnisproblem. Krav Maga heißt zwar Kontaktkampf, aber KämpferInnen, wie etwa beim Sport-Karate, gibt es dort nicht. Krav Maga ist reine Selbstverteidigung, die sehr gut auch von Frauen erlernt werden kann. Leider kenne ich persönlich keine Amerikanerin, die Krav Maga trainiert.

6. – wie ist sex mit japanerin – Das ist so: du musst sie natürlich fesseln, weil sie ja so total schüchtern ist. Dann rufst du schleimige Tentakelmonster, die sie so richtig … du weißt schon! Dann, aber erst wirklich dann ist sie willig und du kannst ganz geilen Sex mit ihr haben.

7. – warum werde ich oft von lesben angemacht – Weil du (vermutlich) hübsch bist und Lesben nun mal auf Frauen stehen. Oder du ihnen (un)bewusst Signale gibst. Ja, Heten flirten gern, um dann zu kneifen. Weil sie ja Gott Penis regiert.

8. – hetero frau liebt lesbe – Gibt es. Aber eher selten. Die Frage ist auch welche Art von Liebe das ist und ob Sex dabei eine Rolle spielt. Ich kenne solche Fälle. Wobei ich da keine reine Hete sehe.

9. – als lesbe sex mit mann – Wenn du als Frau fragst bist du keine Lesbe sondern Bisexuell. Lesben haben keinen Sex mit Mann. Punkt.

10. – tokio ausländer bar japanerin – Diese Bars gibt es. Und als Gaijin kann man dort auch Japanerinnen kennenlernen. Auch hier stellt sich die Frage, welche Absicht dahinter steckt. Seine Japanischkenntnisse vertieft man(n) nicht mit Sex.

11. – leben lesben mit schein mann – Gab und gibt es immer noch. Vor allem in Asien wurde das oft praktiziert. Schwule Männer und lesbische Frauen gründeten dort Familien und haben sogar Kinder. Ohne Sex versteht sich. Es gibt auch Frauen, die mit einem Hetero-Mann leben und verschweigen, was sie wirklich sind. Aus Angst, Scham.

12. – yuki omura düsseldorf – Die mag es dort geben. Meine Yuki ist das aber nicht.

13. – typische lesben verhalten – Also das ist so: Lesben laufen natürlich immer krass tätowiert, unrasierten Achseln und Bierflasche in der Hand durch die Gegend. Jedes Mädel wird sofort von ihnen angebaggert und in die Büsche gezerrt. Ist klar, oder?

14. – wer hat schon mit einer japanerien geschlafen – Ich. Details? Das ist so: wir gehen ins Bett und … schlafen. Geil, oder? Für ’nen Fuffi gebe ich dann noch die (Schlaf)Positionen bekannt.

Es gab noch weitere Suchbegriffe, die ich unveröffentlicht lasse. Besser ist das.

All about Anna

„All about Anna“, ist ein Film, den ich vor einigen Jahren sah. All about Anna, ist aber noch viel mehr. Dabei geht es weniger um den Film, als um eine Frau, deren Name Annalena ist. Ich habe Anna vor fast 15 Jahren auf einem Karate-Turnier getroffen, das sie in ihrer Gewichtsklasse locker gewann. Dabei kann sie überhaupt kein Karate. Aber Krav Maga und das richtig gut.

Anna ist lesbisch, das war sie immer schon. Geboren und aufgewachsen in Berlin, hat sie ihr Weg quer durch Deutschland geführt. Ein Weg, den wenige Frauen gehen. Ein Weg, den ich gut nachvollziehen kann. Anna ist Jüdin und kam schon als junges Mädchen zum Krav Maga. Wie ich lebt sie für ihren Sport, mit dem sie tief verwurzelt ist.

Anna hat meine Kämpfe damals ebenfalls gesehen und war tief beeindruckt.
„Du bist echt gut für so ne Kleene“, hat sie mich gelobt. Und ich habe nur gelacht.
Wir haben uns sofort als Schwestern erkannt, aber es gab niemals mehr als reines Interesse am anderen Mensch. Zu verschieden waren unsere Persönlichkeiten. Während Anna eher grüblerisch und in sich gekehrt durchs Leben geht bin ich Miss Extrovertiert.

Aus dieser kurzen Begegnung, ist eine Freundschaft entstanden, die die Jahre überdauert hat. Anna hat sogar eine Weile in Düsseldorf gelebt und dort als Security gearbeitet. Ich musste immer frech grinsen, wenn sie Männern den Einlass in Clubs verwehrte und uns Mädels nicht.

Vor 5 Jahren traf sie die Liebe ihres Lebens. Eine bisexuelle Frau aus Frankfurt, eine sehr hübsche Lehrerin. Corinna hat die rotesten Haare, die ich jemals gesehen habe auf dieser Welt. Eine Haut, so zart und weiß wie Alabaster. Und im Gegensatz zur burschikosen Anna, ist sie fast zu feminin. Eine Göttin unter Butches.

Corinna hat Anna wieder auf die Uni gebracht. Dort hat sie zu Ende studiert, was sie damals in Berlin begann. Aus der Wildkatze Anna, ist über die Jahre eine wundervolle Frau geworden, die ihre Corinna glühend liebt. Aber es gibt Menschen, die haben wenig Glück im Leben. Und irgendwie gehört Anna mit dazu. Corinna will Kinder, Anna ist noch nicht bereit. Die beiden streiten sich, es kommt zum Eklat. Eine Trennung scheint unvermeidlich. Corinna lernt Gerd kennen und verliebt sich Hals über Kopf. Zumindest wird sie das so Anna sagen. Zwei Monate später ist sie schwanger und Anna am Boden zerstört
Und das Schicksal geht eigene Wege.

Der Anruf erreicht mich gegen 23 Uhr. Ich bin schon im Bett und auch Yuki schläft. Eine leise Stimme flüstert mir Worte ins Ohr, die jede Müdigkeit vergessen machen.
„Ich … kann nicht mehr.“
Mein Gedächtnis für Stimmen war schon immer gut. Und auch Anna erkenne ich prompt.
„Anna, was ist los?“, will ich wissen. „Geht’s dir nicht gut?“
„Pillen“, lallt Anna. „30 Stück … schlafen …“ Dann bricht die Verbindung ab.
Ich rufe zurück, aber Anna meldet sich nicht. Sofort informiere ich die Polizei. Man verspricht mir in Frankfurt anzurufen und dort die Kollegen zu informieren.
„Machen Sie sich keine Sorgen, das kriegen wir schon hin“, höre ich nur.
Aber warum warten?

Ich wecke Yuki und erzähle ihr von Anna. Elfchen nickt und wir ziehen uns an.
Der Z erwacht zum Leben, brüllend, laut und ungestüm. Nach Frankfurt sind es 200 Kilometer und zum Glück ist Nachts wenig Verkehr. Aber wir brauchen trotzdem mehr als eine Stunde. Wie schnell ich war bleibt mein Geheimnis. Aber langsam ist anders. Noch auf der Autobahn informiere ich Corinna.
Eine geschockte Corinna mit Babybauch wartet in Anna Wohnung. Notarzt und Polizei sind ebenfalls vor Ort.
Anna kotzt sich die Seele aus dem Leib, aber es geht ihr schon wieder besser. Bleibende Schäden – Fehlanzeige. Glück im Unglück, alles wird gut.

„Das …, das wollte ich doch alles nicht!“, stammelt Corinna und schaut uns flehend an. „Ich habe sie doch immer noch lieb!“
„Vielleicht hättest du ihr das sagen sollen“, sage ich. „Aber es ist ja offensichtlich, auf wen du wirklich stehst.“
Yuki schüttelt fast unmerklich den Kopf, aber noch bin ich mit Corinna nicht fertig. Einmal in Rage stoppt mich niemand mehr.
„Du kennst sie doch besser und weißt, wie sensibel sie in Wirklichkeit ist. Hat sich der Suizid nicht angedeutet?“
„Sie hat immer wieder angerufen“, murmelt Corinna. „Aber ich habe mich so geschämt! Was soll ich denn machen? Ich wollte doch ein Kind! Und Gerd, der perfekte Spender.“ Tränen sagen oft mehr als Worte. Und davon hat Corinna viel.

Ich muss nicht Mayumi Holmes und Yuki nicht Frau Dr. Watson sein, wir haben Corinnas Botschaft klar verstanden. Aber für die Wahrheit ist es noch zu früh.
Eine bleiche, zitternde Anna liegt in unseren Armen. Auch sie fängt an zu weinen, als sie Corinna sieht.
Der Notarzt hat ihr eine Spritze gegeben. Mit ins Krankenhaus will Anna nicht. Aber sie muss. Wir fahren mit, die Nacht weicht bald dem Morgen.
Auch Corinna ist dabei, der es prompt übel wird. Wir kümmern uns um sie, bis eine Schwester kommt.
Aber hier sind wir vorerst fehl am Platz, die Pflicht ruft uns nach Stuttgart zurück. Diesemal fahre ich gemäßigt. Ich muss nicht immer Erste sein.

Das alles ist vor einigen Monaten geschehen und Anna geht es wieder gut. Wir haben sie vor einigen Tagen besucht. Noch immer ist sie bleich und jetzt ohne ihre langen Haare. Die sind einer Kurzhaarfrisur gewichen. Die Augen sind dunkel geschminkt und blicken kalt. Die Liebe scheint erloschen.
„Corinna hat mich gestern angerufen“, sagt sie leise. „Sie hat sich von diesem Gerd getrennt. Und …“, ihre Stimme bricht ab und sie schluckt. „Sie hat gesagt, dass sie Gerd nur benutzt hat. Aus Wut und als Samenspender. Glaubst du das stimmt?“
„Ja“, erwidere ich. „Das habe ich schon seit einer Weile vermutet. Aber okay war das nicht.“
Wer soll Frauen je verstehen. Gerd ist nämlich schwul.

„Und wie geht’s weiter?“, will ich wissen. „Kommt Corinna zu dir zurück? Und willst du sie überhaupt noch?“
Anna steht auf und tigert wie eine Raubkatze im Käfig durch die Wohnung.
„Damit sie mich wieder verlässt? Ich ertrage das kein zweites Mal!“
Anna bricht erneut in Tränen aus, als ich den Arm um sie lege. Mit ihren 1,76 Meter ist sie fast eine Riesin gegen mich.
Harte Schale, weicher Kern.

„Los, wir fahren hin!“, bestimme ich, als ich das ganze Elend sehe. „Du fährst selbst, im Z haben nicht alle Platz.“
Eine überraschte Corinna öffnet uns die Tür. Auf ihrem Arm kräht fröhlich ein Kind.
„Das ist Annalena“, murmelt sie und schaut Anna dabei fast flehend an. „Magst du sie mal halten?“
Und genau das hat die große Anna dann getan.

Ich weiß nicht, ob es ein Happy End geben wird. Anna ist noch immer tief und schwer verletzt. Aber die kleine Anna hat ihr Herz bereits im Sturm gewonnen.
Die Frauen wollen sich wiedersehen, soviel steht fest. Ob sie es schaffen wird die Zukunft zeigen und wie groß ihr beider Herz wirklich ist.
„Verlässt du mich auch wegen einer blonden Mieze wenn ich schwanger bin?“, will Yuki auf dem Weg nach Hause wissen.
„Nein“, erwidere ich. „Die halten wir uns nur zum putzen. Aber das hast du bestimmt gewusst.“
Der Spruch war „All about Mayumi.“ Mag noch wer was ergänzen, hat jemand Lust?

Titel, Thesen, Temperamente

Immer wieder treffe ich auf Menschen, die sich „Experten“ nennen und ihre Kunst als Maß aller Dinge sehen. So wieder vor einigen Tagen geschehen. Ich darf kurz Handlung und Personen benennen, bevor es zum Showdown kommt. Der Ort ist das Aikido-Dojo. Die Beteiligten sind ein Jiu-Jitsu Sensei und ich.

Was nun hat das Eine mit dem Anderen zu tun, werden sich viele LeserInnen fragen. Alles! Unser Aikido-Sensei schaut oft und gern über den Tellerrand seiner Kunst. So hatten wir bereits mehrfach Judoka zu Gast und auch mit Ringern haben wir trainiert. Das bringt Vorteile für alle Beteiligten und macht einen Riesenspaß. Vor allem mir, wenn ich Männer werfen darf. Aber das habt ihr bestimmt gewusst.

Menschen schmücken sich gern mit Titeln, das ist nicht nur bei der Kampfkunst so. Menschen verneigen sich auch oft vor Titeln und nennen das Respekt. Aber was genau ist Respekt und hat ihn jeder „Meister“ auch verdient? Von mir kommt an dieser Stelle ein klares NEIN! Und das hat (s)einen Grund.

Mein Vater ist ein wahrer (Groß)Meister seiner Kunst und hat das über die Jahrzehnte bewiesen. Nicht immer auf die reine Physis bezogen, auch intellektuell ist er ein As. Er weiß viel mehr über Buddha, Zen und Karate, als meine Wenigkeit. Respekt verdient er nicht nur weil er mein Vater und Sensei ist. Es ist seine außergewöhnliche Persönlichkeit, die ihn zum (Groß)Meister macht.

Dem gegenüber stehen nun jene selbstgestrickten Experten, die Ahnungslosen ihr System verkaufen wollen. Ja, verkaufen! Denn bei Selbstverteidigungskursen geht es viel zu oft nur um sehr viel Geld. Ganz gezielt spreche ich dabei die tolle EWTO (Europäische Wing-Tsun-Organisation) mit ihrem adeligen „Großmeister“ an, die kein Wing Chun lehrt sondern Mist. Oder Leute, die ein „System without System“ lehren, das dann doch nur auf alten Hüten basiert.

„Ihr Budoromantiker habt doch alle keine Ahnung“, hat mir ein Selbstgestrickter offenbart. „Niemand lässt im Straßenkampf Bein, oder Arm stehen, so dass ihr eure Techniken zeigen könnt! Im Gegenteil greife ich hochaggressiv an und keine eurer Sachen funktioniert.“

Er durfte mir dann zeigen, was er meinte, ist aber prompt auf dem Hintern gelandet. Mehrfach. Dumm halt, wenn man(n) überheblich ist und seine Zeit im Solarium, oder der Disco verbringt. Echtes Training schaut anders aus. Aber das wissen die meisten Leute nicht und zahlen Pseudo-Experten viel Geld.

Zurück zum Dojo und zu Jochen, dem Experten. Er hat klassisches Jiu-Jitsu gelernt und zeigt Würfe, die ich alle kenne. Mein Aiki-jūjutsu ist mit dem Jiu-Jitsu verwandt.
Kurz zur Erklärung für Nicht-Kampfkünstler: Das heutige Aikido ging aus dem Aiki-jūjutsu hervor. Im normalen Aikido gibt es keine Angriffe, weder Schläge noch Kicks. Im Aiki-jūjutsu-Stil hebeln wir nicht nur aus, wir lassen auch Aktionen folgen. Ich beherrsche beide Arten und habe den 1. Dan. Aiki-jūjutsu ist (für mich) die perfekte Ergänzug zu Gōjū-Ryū Karate. Aber manche Titel sind nichts wert, wie die nächsten Minuten klar beweisen.

Und es kommt nun keine Prügelei. Auch ein Biest hat andere Methoden.
Jochen erzählt von seinem Werdegang, wie und wo er Jiu-Jitsu lernte. Turniere hat er gewonnen und Pokale. Und eine Menge Schüler in der Stadt. Die Aufzählung seiner Erfolge will nicht enden, peinlich berührt schaut mich unser Sensei an. Ist das die Bitte um Hilfe?
„Entschuldigung, wenn ich unterbreche“, sage ich ungewohnt höflich. „Aber darf ich eine Frage stellen?“
„Nur zu!“, ermuntert mich Jochen und stellt sich in Pose.
Und fast wird mir wieder schlecht.
„Welche Erfahrung hast du im Straßenkampf?“, will ich wissen. „Im Clinch Mann gegen Mann.“
Es folgt das Schweigen, das jeder Peinlichkeit voranschreiten wird.

„Ähm … also die Straße ist jetzt nicht so mein Revier“, erwidert Jochen mit gequältem Lächeln. „Das ist auch völlig irrelevant für den heutigen Kurs …“
„Da bin ich anderer Meinung“, unterbreche ich. „Die sportliche Seite von Jiu-Jitsu ist mir bekannt. Ich habe mir so ziemlich alle Kampfsportarten angeschaut und kenne auch die Schwächen. Auf der Straße gelten andere Gesetze. Da gibt es keine Regeln.“
Jochen beißt sich auf die Unterlippe, sichtbares Zeichen seiner Nervosität. Ich habe den wunden Punkt des Mannes getroffen. Er ist reiner Sportler, der vom Straßenkampf keine Ahnung hat. Und das macht ihn untauglich als Lehrer.
Nicht jeder hat mein Talent.

Ich lasse Jochen weiter reden, aber mein Widerwille wächst. Er verkauft sein Jiu-Jitsu als Maß aller Dinge und dass man damit so gut wie unschlagbar ist.
„Jiu-Jitsu ist jedem anderen System überlegen“, erklärt Jochen überzeugt. „Meine Hebel funktionieren besser. Andere rollen die Leute doch nur ab. Und 95 Prozeent aller Kämpfe enden auf dem Boden! Heute muss man also zwigend Jiu-Jitsu können!“
„Einspruch!“, sage ich und fühle mich fast als Advocatus Diaboli.
„Die angesprochenen 95 Prozent Bodenkampf sind lediglich eine Erfindung. Wenn überhaupt, so mögen sie für den sportlichen Wettkampf gelten. Du zeigst mir nun bitte den Straßenkämpfer, der dich auf hartem Asphalt zu Boden zieht. Das wäre Dummheit pur, er würde sich ebenfalls verletzen.“
Meine Wahrheit, deine Wahrheit.

Jochen schüttelt energisch den Kopf und bläst zum Marsch nach vorn. Er argumentiert und demonstriert. In meinen Augen ohne Sinn.
„Weißt du lieber Sensei“, sage ich, „woran es bei der Selbstverteidigung mangelt, sind für diesen Bereich ausgebildete Fachleute. Schau dir als Beispiel Krav Maga an. Das kommt der Realität sehr nahe. Zwar bin ich auch nicht mit allem dort einverstanden, aber die Mädels und Jungs haben was drauf! Jiu-Jitsu, wie wir es heute kennen, ist für den reinen sportlichen Wettkampf gemacht. Besonders deutlich wird das beim brasilianischen Stil. Die machen dort keine Kicks. Selbstverteidigung ist erst einmal Konfliktvermeidungsstrategien zu lernen. Wie verhalte ich mich wo. Vor allem geht es darum den Leuten zu zeigen, wie sie sich mit einfachsten Mitteln wehren können. Und da sind Leute von der Straße prädestiniert. Reine Wettkämpfer völlig fehl am Platz.“
Nach Punkten führe ich. Kommt nun der Konter?

Jochen bleibt vage und ist völlig auf die sportliche Seite von Jiu-Jitsu fixiert. Ich erkenne aber an, dass er etwas von seinem Fach versteht. Nur in realer Selbstverteidigung ist er eine reine Niete. Und das sage ich ihm ins Gesicht.
„Viele Techniken, die von sogenannten Experten gelehrt werden, sind unrealistisch. Ich gehe noch weiter und sage, dass es purer Selbstmord wäre, die auf der Straße anzuwenden. Als Frau deeskaliere ich, rufe um Hilfe und laufe wenn möglich weg. Nur im Notfall wehre ich mich gezielt. Dann durchaus härter. Vermutlich steht meine Unversehrtheit auf dem Spiel. Trainer ohne praktische Erfahrung nehme ich nicht ernst. Im Gegensatz dazu habe ich die und kannn mich auf der Straße wehren. Du gehst dort mit Sicherheit unter.“
Was ich beweisen kann. Aber Jochen kneift.

„Vielleicht magst du dir einen anderen Gesprächspartner suchen“, füge ich milde gestimmt hinzu. „Ich bin auf keinen Fall die Richtige für dich.“
Das ist und bleibt Yuki. Mit dem Titel Elfe und ihrem sanftem Temperament hat sie mindestens den 10. Dan. Und das ist keine These.

Karate, Kids und Disziplin

Kinder lernen Dinge spielerisch. Das war schon immer so. Und Kinder lernen auch Karate. Vor allem, wenn sie Japaner sind. Auch Japaner haben einen Kindergarten. Und klein Mayumi war natürlich dort. Eine Erinnerung daran habe ich keine, aber ich soll schon damals wild gewesen sein. Gelehrt hat man dort Shotokan-Karate und das war klein Mayumis Ding.

Nun sehe ich schon besorgte Eltern die Stirn in Falten legen und voller Abscheu auf Japan blicken. „Gewalt schon im Kindergarten? Da geht mein Kind nicht hin!“ Und genau da liegt der Fehler. Karate dient nicht der Gewalt. Es ist Sport, Philosophie und eiserne Disziplin. Karate kennt keinen ersten Angriff, das haben uns nur schlechte Filme gelehrt. Und dumme Menschen, die diesen Sport verachten. „Karate beginnt mit Respekt und endet mit Respekt.“ Das ist die erste Regel und sie bedeutet viel. Respekt dem Sensei, den Eltern und anderen Menschen gegenüber. Respekt auch vor sich selbst.

Regel zwei habe ich bereits genannt: „Im Karate gibt es keinen ersten Angriff.“ Karate ist immer Selbstverteidigung. Schutz für das eigene Leben und das Leben anderer. Das aber effektiv. „Karate ist ein Helfer der Gerechtigkeit.“ Der Satz ist selbsterklärend.  „Die Kunst des Geistes kommt vor der Kunst der Technik.“ Und genau hier liegt der Fehler, den Europäer und Amerikaner machen. Sie sehen nur den Kampf, den physischen Aspekt. In einem guten Dojo ist das anders, was mich zu den nächsten Regeln bringt.

„Denke nicht, das Karate nur im Dojo stattfindet. Verbinde dein alltägliches Leben mit Karate, dann wirst du geistige Reife erlangen.“ Im deutschen Kindergarten gab es 1987 kein Karate. Aber Privatstunden von meinem Papa für mich. Ohne Karate, Aikido und Meditation wäre ich vermutlich ein noch schwierigeres Kind gewesen. Aber statt Ritalin bekam ich Liebe und lernte Disziplin. Und das tat ich richtig gut. Meine Wut war kanalisiert und ich habe den Sandsack drangsaliert. Mit Inbrunst und Leidenschaft. Gewalt ist anders.

Das lebenslange Training macht den Unterschied zwischen Hobbysportler und Profi aus. Und das möchte ich heute gern als Video zeigen. Leider gibt es keine von mir, youtube war noch nicht erfunden. Aber ich soll gut gewesen sein. Und das bin ich heute noch, was mich zur nächsten Regel bringt. „Karate ist wie heißes Wasser, das abkühlt, wenn du es nicht ständig warm hältst.“

Auch, wenn ich heute meist Aikido, Wing Chun und Krav Maga trainiere, so ist Karate ein Teil von mir und wird es immer sein. Es ist mein Leben, wie auch das Buch von Japans größtem Samurai. „Denke nicht an das Gewinnen, doch denke darüber nach, wie man nicht verliert“, hat Gichin Funakoshi, der Begründer des Shotokan-Karate gesagt. Wer das verinnerlicht und fleißig übt, der braucht keinen Gegner mehr zu fürchten.

„Wandle dich abhängig vom Gegner.“ Ein Gegner kann auch der Alltag sein. Wobei ich den mehr als Herausforderung sehe. Vor allem für hyperaktive Kinder kann Karate also ein Segen sein. Ich kenne so einige Fälle, die das positiv belegen. Und damit ihr besser versteht, was Kindern Karate bedeutet, schaut euch folgendes Video an. Klein Mayumi war übrigens doppelt so dynamisch. Und das bin ich heute noch. Sayonara!

Starke Frauen braucht das Land

Meine Freundin Linda hat gerufen und alle sind gekommen. Ein Lehrgang mit einem Krav Maga Experten soll es sein. Der Name Krav Maga bedeutet „Kontaktkampf“, ist also wie für mich gemacht. Krav Maga ist ein israelisches, modernes, eklektisches Selbstverteidigungssystem, das Schlag- und Tritttechniken präferiert, aber auch Grifftechniken, Hebel und Bodenkampf beinhaltet. (Quelle Wikipedia)

Der Q3 ist guter Dinge und schnurrt die Kilometer ab. Ilka und Amelie begleiten uns, wir haben viel zu erzählen. Linda mit Frau fährt voraus. Uns folgen noch ein Dutzend weitere Frauen. Das wird den Experten sicher freuen. Aber er weiß wer und was wir sind. Keine Gefahr.

Ein Fitness Center mit Dojo ist unser Ziel. Erwartungsvoll parken wir die Wagen.
Yuki ist aufgeregt.
„Krav Maga ist so anders“, hat sie gesagt. „Hoffentlich blamieren wir uns nicht.“
Ich muss schmunzeln.
„Wir wollen lernen“, sage ich. „Egal, was wir bereits können, wie gut wir auch sind, bei Krav Maga werden wir Anfänger sein. Wie bei so vielen Dingen im Leben.“
Linda schaut mich skeptisch an.
„Aber du hältst dich zurück?“, will sie wissen. „Nicht, dass du dich mit dem Trainer prügelst.“
Ich schenke ihr meinen unschuldigsten Blick und alle müssen lachen.

Der Trainer ist nett. Polizist, um die fünfzig, graue Haare, aber superfit.
„Ich trainiere Krav Maga schon fast dreißig Jahre“, sagt er.
Der Satz wirkt bescheiden, beiläufig. Das mag ich. Angeber sind mir zuwider.
So einer ist er nicht.
Eine nach der anderen erzählt ihm ihren Werdegang. Die Hälfte der Mädels gehört zu Linda, die haben alle was los.
Der Rest sind Freundinnen. Aber Krav Maga ist für alle neu.
Ilka ist die einzig Unsportliche, Amelie ist in Jiu-Jitsu fit.
Der Trainer nickt und wendet sich Yuki zu.
„Ich kann nicht viel“, sagt sie. Nur, was mir Mayumi so beigebracht hat.“
Kann sie nicht herrlich lügen?

„Und was genau ist das?“, will der Trainer wissen. Ich mag ihn Daniel nennen, aber so heißt er nicht.
„Ach etwas Karate, Aikdio und Kung Fu“, antworte ich. „Wobei ich im Wing Chun auch noch Anfängerin bin.“
„Die den Trainer auf die Matte legt, wenn sie nur will“, sagt Linda. „Nimm dich bloß vor der Süßen da in Acht, die ist schneller, als die Polizei erlaubt.“
Linda kennt Daniel von der Polizeiausbildung. Sie war einst seine Schülerin.
Und Schülerin bin ich an diesem Wochenende auch, das mache ich sofort klar.
„Ich mag lernen“, sage ich. „Sehen, was an Krav Maga so anders ist. Wobei ich es ja schon etwas kenne.“
Der Trainer nickt und findet das gut.

Der Freitag Abend dient nicht nur zum kennenlernen. Wir trainieren aber nur eine Stunde lang. Viel Theorie, etwas Geschichte, Taktik.
Ich finde das gut. Der Mann versteht seine Kunst.
Wir essen gemeinsam zu Abend und gehen früh zu Bett. Das Training wird zeitig beginnen.
Insgesamt 8 volle Stunden plus Pausen üben wir am nächsten Tag. Einige Mädels machen fast schlapp. Linda, Yuki und ich halten besser durch. Und doch fordert uns das unbekannte System. Spaß steht im Vordergrund. Der Trainer beweist viel Humor. Wir wirbeln uns gegenseitig über die Matte.
Der Samstag endet mit viel Lachen, Massagen durch Frau und einem heißem Bad. Danach gibt es Abendessen.

Daniel erzählt von der Polizei und warum er Trainer ist.
„Ich gebe gern mein Wissen weiter“, sagt er und schaut Linda an. „Sie war übrigens meine beste Schülerin. Zu schade, dass sie den Dienst quittiert hat.“
„Du solltest Trainerin werden“, sagt er mir. „Du hast ein riesiges Talent.“
„Kann man damit viel Geld verdienen?“, frage ich im Scherz. „Geld, um eine Familie zu gründen, mit Kindern und Haus?“
„Nein“, erwidert er. „Dazu braucht es einen anderen Beruf. Aber als Nebenjob in der Freizeit ist es gut. Und es muss ja kein Krav Maga sein.“
„Du bist von deinem System nicht felsenfest überzeugt?“, will ich wissen.
Daniel lacht und erkennt die Ironie.
„Schon, aber das werden wir morgen testen.“
Ich habe Prüfungen schon immer gemocht.

Ein halbes Dutzend Polizistinnen verstärkt uns am nächsten Tag. Frauen seiner Schülergruppe.
Die Mädels sind gut drauf und freuen sich auf uns. Zu sechst gehen sie am Nachmittag auf jede von uns los.
Das ist abgesprochen und gehört beim Krav Maga dazu.
Linda wirbelt und zaubert, muss sich aber kurz vor Ende der Runde der Übermacht beugen.
Lachend ergibt sie sich.
Auch dem Rest geht es nicht viel besser.
Die arme Ilka liegt schon nach Sekunden am Boden und dann in Amelies Armen.
Liebe, die ich meine.

Yuki ist an der Reihe und genießerisch sehe ich meine Elfe tanzen.
Die Mädels fliegen, Krav Maga ist das nicht.
„Du schummelst“, wirft Daniel prompt ein und ich muss feixen. „Diese Würfe gibt es im Krav Maga nicht.“
Yuki lacht und winkt mich auf die Matte.
„Lass die Dicke da ran“, neckt sie mich. „Die hat sowieso zu viel Schokolade auf den Rippen.“
Ich analysiere die mit Handschuhen und Kopfschutz vermummten Polizistinnen und habe einen Plan.
Sie greifen an und Sekunden später liegen sie japsend auf dem Rücken.
Maikäfer flieg.

Ich gebe mich unschuldig und schaue gespielt verlegen auf meine Hände.
„Danke für die Lektion“, sagt eine Beamtin. „Wir waren ja gewarnt. Würdst du es uns noch einmal zeigen?“
Es ist kein Krav Maga, was ich da mache. Nur wenig ist umsetzbar für mich. Mein Aikido ist schneller.
Und doch habe ich eine Menge Spaß und nehme neue Erkenntnisse mit. Vor allem aber neue Freunde.
Die Mädels sind keine Schwestern. Nur eine outet sich als bisexuell. Etwas verschämt zwar, aber tapfer.
Der Regenbogen leuchtet.

Linda lädt die Beamtinnen und Daniel zu einem Gegenbesuch ein. Sie nehmen dankend an.
Und ich soll dann Aikido unterrichten.
Wir fahren noch am Sonntagabend zurück. Und kommen mit viel Verspätung an.
Der Grund ist so einfach, wie blamabel: Es liegt am Motor des Q3. Der geht nämlich auf der Rückfahrt kaputt.
Es raucht und knallt, dann ist es still.
Wolf mit Team muss uns holen.

Er kommt in einem neuen SUV, den wir zum Test behalten dürfen.
Leider ist er nicht Rot und mehr darf ich vorerst nicht darüber sagen. Der Wagen kommt erst auf den Markt.
Aber ich darf ans Steuer. Wolf fährt im Abschlepper zurück.
Weit mehr als 400 PS beschleunigen auf über 250 km/h. Und das mit vier Personen.
Freiheit, die ich meine! Ich berichte dann davon.

Zu Hause angekommen kann ich nicht schlafen. Der Laptop blinkt und flinke Finger tippen.
Erst nach 1 Uhr gehe ich endlich zu Bett.
Neben mir liegt meine Elfe und sanft fällt der Vorhang der Nacht.
Auch starke Frauen müssen schlafen. Und morgen ist ein neuer Tag.