Little China Girls

Japan zu Besuch in China, auch das könnte die Überschrift dieses Beitrags sein. Aber eigentlich war alles ganz anders. Ein kurzer Bericht folgt nun davon.

Alles begann mit einem Anruf vor einigen Monaten. Am Telefon Lia, auch bekannt als „Girl of Tai-Chi.“ Über Landesgrenzen und Zeitverschiebung haben wir stets Kontakt gehalten. Oft kamen Bilder ihrer beiden adoptierten Töchter, im Hintergrund Peter ihr schwuler (Schein)Ehemann.

Was Lia mir zu erzählen hat lässt mich die kleinen Fäuste ballen. „Peter“, sagt sie, „hat mich wegen einem anderen Mann verlassen.“ Dass Peter einen Freund hatte war Teil der Ehe, nicht aber dass er das gemeinsame Konto plündert und mit dem Geld untertaucht. „Tante Betty hat ihn dann gestellt.“

Was ich niemals für möglich gehalten hätte, die herzensgute Betty Wu hat Ohrfeigen verteilt. Sie war es, die Peter aufgestöbert und zur Rede gestellt hat. Mit Konsequenzen. Niemand greift ungestraft eine Tai-Chi-Meisterin an! „Das meiste Geld habe ich wieder“, fährt Lia fort, aber Peter will ich nicht mehr als Freund. Er hat mich tief enttäuscht und mein Vertrauen missbraucht, nie hätte ich das gedacht!“

Lia erzählt mir, dass sie England verlassen wird. „Das ist kein sicherer Ort mehr für Frauen. Wir werden zurück nach Taiwan gehen, dann wohne ich praktisch um die Ecke.“ Wir müssen beide lachen, die Flugzeit beträgt wirklich nur etwas mehr als 2 Stunden.

Sifu Wu hat noch immer ein Haus in Taiwan, um das sich eine Cousine gekümmert hat. Es bietet genügend Platz für die vier Frauen, von denen zwei noch immer Mädchen sind. Lea und Mia nehmen die Trennung von Peter schwer, sie haben ihn wirklich gern gemocht. Aber das Leben ist nun mal Veränderung.

Eine schwere Erkrankung Lias hat uns vor zwei Wochen Hals über Kopf nach Taiwan geholt. Niemals lasse ich meine Freunde im Stich. Sifu Wu vertraut keinen normalen Ärzten, das hat sie noch nie gemacht. Sie kennt einen guten, aber privaten Spezialisten, der Lia wieder auf die Beine bringt. Bei der Rechnung haben wir geholfen. Geld ist kein Thema, wenn man ein Leben retten kann.

Lia ist noch immer schwach, aber auf dem Weg der Besserung. Ein Magendurchbruch ist nun mal kein Pappenstiel. „Du wirst das Geld natürlich wieder bekommen“, verspricht sie mir, während Tränen über ihrer Wangen laufen. „Bist du doof?“, wollen Yuki und ich gemeinsam wissen und alles hat gelacht.

Wer nun einen Reisebericht und Bilder von Sehenswürdigkeiten erwartet, den muss ich enttäuschen. Außer dem Dojo haben wir kaum etwas von Taiwan gesehen. Sifu Wu ist es auch, die mir von Wudangshan abgeraten hat. Durch die Blume hat sie mir erklärt, der dortige Kung Fu-Stil sei etwas für ruhigere Persönlichkeiten. Yukis frecher Kommentar war „Schade, ich hätte dich so gern ruhig gestellt gesehen.“ Mein Konter war „Ich liebe dich auch“, und vier Frauen und zwei Mädchen haben herzlich gelacht.

Advertisements

Familie ist wichtig, Freundschaft auch

Teile dieses Beitrags bilden einen Zeitraum vor unserem Abflug nach Deutschland ab.

„Familie ist wichtig“, diese Aussage bestimmt mein Leben und das vieler JapanerInnen. Auf das Land bezogen bedeutet dieser Satz, dass der Tenno der Vater ist und die BürgerInnen seine Familie. Und wieder lüfte ich ein Geheimnis wenn ich sage, dass ich die Institution des Kaisers mag. De facto hat er keine Macht. Aber äußert er sich, was selten geschieht, wird seinem Wunsch entsprochen.

China ging seine schon 1992 gemachte Entschuldigung zu den japanischen Kriegsverbrechen nicht weit genug. Die Kommunisten wollten das von der japanischen Regierung hören und haben offenbar nie verstanden, wie Japan funktioniert. Hätten die Chinesen mal besser ihren Kaiser behalten.

Mütter und Töchter

Bekanntlich kümmern wir uns seit Monaten um meine Cousine und ihre beiden Töchter. Yuki und ich haben oft die Ersatzmütter gespielt. Das hat uns einen Vorgeschmack darauf gegeben, wie sich ein Eheleben ändern kann. Ist das Kritik an der Mutterrolle, ist das Experiment gescheitert?

Nach der Trennung von ihrem Mann war meine Cousine am Boden. Wir haben sie nach Deutschland geholt und später in die USA mitgenommen. Auch in Japan waren wir oft für sie da, die Mädchen lieben uns sowieso innig. Nun die für uns schlechte Nachricht, Cousinchen geht es besser. Aber eigentlich ist das gut.

Therapie und Sport (Karate), haben, zusammen mit den neu erwachten Willen meiner Cousine, ein kleines Wunder bewirkt. Die Mädchen sind total begeistert, wenn nun auch ihre geliebte Mama mit ihnen kicken geht. Sie hat mittlerweile den ersten Gürtel bekommen und freut sich auf ihre ganz besondere Art.

Völlig untypisch für sie, unser Verhältnis war nie sehr innig, hat sich mich voller Dankbarkeit umarmt, ist fürchterlich verlegen geworden und wir alle haben dann sehr japanisch gelacht. Arzt und Psychologe sprechen vorsichtig von Heilung. Yuki und ich sind also wieder kinderlos.

„Schade“, sagt Elfchen mit lachendem Unterton, „ich hatte mich so an die Kleinen gewöhnt.“ „Vielweiberei liegt dir also“, kommentiere ich trocken und ernte Yukis berüchtigtes „Du bist doof!“ Ich weiß wie sie es meint. Aber um etwas zu trauern war nie mein Ding, ich blicke stets nach vorn.

Yuki sieht das ähnlich, ich habe sie mehrfach gefragt. Sie mag Kinder sehr, aber sie erkennt auch die Probleme. Sobald wir ein eigenes Zuhause haben, das  Land wird noch nicht verraten, werden wir das Projekt „Kinder“ in Angriff nehmen.

Ausgeflogen

„Wir könnten am Mittwoch nach Deutschland fliegen“, sage ich wie nebenbei und blättere scheinbar gelangweilt in einem Buch. Elfchen schnellt wie von der Tarantel gestochen hoch. „Bist du verrückt? Wir müssen doch erst packen! Wann hast du dir das nun wieder ausgedacht?“

Meine Spontanität mache sie regelmäßig wahnsinnig, wie sie gern erklärt. Und doch will sie keine Minute missen. Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert. (Das hat sie gelesen und mir die Zunge rausgestreckt.)

Auch Ken geht es längst schon wieder besser. Die Rippen sind ebenso verheilt, wie seine verletzte Seele. Ganz der Alte flirtet er aus Spaß mit Yuki und bietet an, der Vater ihrer Kinder zu werden. Wir haben ihn so lange gekitzelt, bis er um Gnade gebettelt hat.

Deutschland wir kommen! Tante Helga freut sich schon. Die beste Freundin meiner Mutter, hat auf unser Haus aufgepasst. Wir haben einiges in Deutschland zu regeln, privat und geschäftlich, das wird gut. Auch die Leipziger Buchmesse steht auf dem Programm. Ob wir es wirklich zeitlich dahin schaffen, werden wir noch sehen.

Automäßig sind wir mit dem Wagen meines Vaters versorgt, der zum Glück noch angesprungen ist. Aber heute wird es keine Reise geben, meine beste Freundin Karin ist zu Besuch. Später werden noch ihre Frau und Kinder kommen. Und während ich den letzten Satz eintippe, steht schon die nächste Freundin vor dem Haus.

Fremde Heimat

Es fühlt sich komisch an wieder in Deutschland zu sein. Und doch ist es richtig. Zwar ist unsere innere Uhr total durcheinander, aber Grüner Tee weckt die Lebensgeister.

Morgen wird es in Richtung Stuttgart gehen, Wolf und die Tuningschmiede warten schon. Und auch Linda und der Rest der Truppe, die uns unbedingt wiedersehen möchten. Ja, auch Freundschaft ist wichtig. Ich habe diese Mädels wirklich vermisst.

Meine LeserInnen müssen nun einige Stunden (Tage) ohne mich auskommen. Ich melde mich am oder nach dem Wochenende wieder.

Manga, Miezen und Karossen

Unser Leben in Japan ist anders. Die Zeitumstellung haben wir schon längst vergessen. Nur mein Laptop läuft noch immer auf deutscher Zeit, eine letzte Erinnerung an gestern. Wir knüpfen Kontakte mit japanischen Firmen, die mit Deutschland handeln wollen. Unser großer Vorteil, wir sprechen beide Sprachen.

Meine Cousine erlebt einen Höhenflug, die Depression scheint wie weggeblasen. Aber bleibt das auch so? Tapfer übt sie Karate, die Mädchen freuen sich. Ohnehin sind sie der absolute Mittelpunkt unserer Familie. Überall nur Tanten und Onkel, die sie auf Händen tragen.

Wir machen Pläne für die Zukunft und verwerfen sie wieder. „Du machst Pläne!“, sagt Yuki frech, „und mich damit wahnsinnig!“ Ken hat sich verändert, die letzte Trennung war ein harter Schlag. Wir sehen ihn kaum, er arbeitet Tag und Nacht. Übermüdet fällt er von einer Leiter, nun liegt er mit Rippenbruch im Krankenhaus.

Wir besuchen den Kindskopf, der schon wieder lachen kann. „Barbie Cousinchen“, begrüßt er mich, „bitte hol mich ganz schnell wieder raus!“ Den jungen Arzt zu überreden ist einfach, er ist Kens Freund seit Kindertagen. Mit Leidensmiene steigt Ken ins Auto, zu Hause steckt ihn die Tante wieder ins Bett.

Am 12. Januar 2018 ruft der Auto Salon in Tokio. Prompt machen wir uns auf den Weg. Zwei Stunden Flugzeit trennen uns von den Edelkarossen. Wir fliegen im Auftrag, aber Spaß werden wir trotzdem haben. Unsere Mission, die Trends aus Japan kritisch zu betrachten. Aber werden in Japan Trends gemacht?

Die Antwort ist kompliziert und irgendwie japanisch, wir veredeln Trends, wir machen sie besser. Das Maß aller Dinge in der Autobranche bleiben immer noch die USA. Aber für die SEMA Show in Las Vegas hatten wir leider keine Zeit. Das wird sich vielleicht 2018 ändern, Los Angeles ist noch immer eine Option.

Tokio ist immer eine Reise wert. Wir waren schon öfter hier. Aber an diesem Wochenende werden wir keine Zeit für das bunte Treiben haben, wir sind zu einer noch bunteren Welt unterwegs. Diese Welt besteht aus in Stahl gepresste Leidenschaft, Auto Salon wir kommen!

Während ich in einem Manga blättere schaut sich Yuki die neuste Mode an. Dann tauschen wir die Hefte. Elfchen schnauft. „Was du auch immer liest!“ Dabei ist die Geschichte völlig harmlos. Also fast. Was kann ich dafür, wenn die Heldin alle niedermetzelt? Aber die neuen Modetrends finden wir dann beide gut.

Am Flughafen Tokio angekommen genießen wir die Fahrt mit dem Zug. Keiner spricht, einige Fahrgäste tragen Mundschutz. Das werden wir auf der Messe noch öfter sehen. Ob das wirklich vor Erkältung schützt? Elfchen und ich sind gegen Grippe geimpft, das machen immer so. 11 Hallen mit 880 Autos erwarten uns. Gegen dieses Virus hilft keine Spritze.

Alles was Rang und Namen hat tummelt sich auf der Messe. Deutsche Klänge hören wir ebenso, wie Französisch und Englisch. Ein bekannter Youtuber hastet vorbei, ich höre vertraute Klänge. „Die Welt ist klein geworden“, sage ich auf Japanisch. Yuki schaut und nickt. Aber Werbung werde ich keine für ihn machen.

Ich schieße Bilder, die für Wolf gedacht sind. Noch von der Messe maile ich sie ihm zu. Es geht vornehmlich um Folgen und Body Kits, die Tuning Schmiede geht mit der Zeit. Wir nehmen Prospekte mit und Visitenkarten, mein Rucksack ist zum Glück fast leer.

Wir treffen Herrn Yamasaki. Einige LeserInnen erinnern sich bestimmt, wir haben ihn bereits in Detroit gesehen. Knapp dreißig Minuten ziehespäter haben wir seine Unterschrift in der Tasche. Niemand verhandelt so gut wie wir. „Wie du!“, diktiert mir Yuki, sie hat neben mir gesessen.

Die Eindrücke erschlagen uns fast. Ein Nissan GT-R Umbau zieht mich magisch an. Und ist das nicht der Honda NSX? Wie eine Katze schleiche ich um den Wagen. Der ist toll, das Mädchen davor fast noch besser. Prompt schießt Yuki böse Blicke auf sie ab und ich fotografiere nur den Honda. Wirklich tummeln sich viele schöne Frauen auf der Messe. Sie werten auf, was kaum noch aufzuwerten ist.

Wir bleiben zwei Tage und fliegen am Sonntag wieder zurück. Aber wir haben uns nicht nur Autos angesehen. Tokio ist immer eine Reise wert. Ich kann die Stadt nur wärmstens empfehlen. Yuki gibt die Eifersüchtige, als wir im Flieger sitzen. „Ich lasse mir jetzt die Fingernägel wachsen“, sagt sie zum Spaß, „dann kratze ich jeder Mieze die Augen aus.“ Prompt habe ich „Miau!“ gesagt und bin nun vor Liebe blind.

 

Karate als Therapie

Dieser Beitrag ist noch vor unserer Abreise nach Los Angeles entstanden und hat es erst jetzt auf meinen Blog geschafft. 

Bekanntlich hatte ich meine Cousine nach Deutschland geholt, um sie auf andere Gedanken zu bringen. Ihre Töchter waren begeistert und haben unsere Herzen im Sturm erobert. „Tante Yumi mach mal Spaß!“, war noch die harmlose Variante ihrer Begeisterung.

Karate ist ein Fremdwort in der Familie meiner Mutter. Diese Tradition hat sich über meinen Vater an mich vererbt. Nur mein Onkel ist als Polizist damit vertraut. Die Mädchen trainieren tapfer mit, als wir sie mit ins Training nehmen. Sie haben das schon öfter gemacht und ihre Mutter schaut immer dabei zu. Meine Cousine ist etwas älter als ich, wir hatten nie sehr innigen Kontakt. Vermutlich war ich ihr zu wild, ich habe immer nur mit Cousin Ken gespielt.

Trotzdem ist unser Verhältnis gut, in unserer Familie gibt es keinen Streit. Unsportlich war meine Cousine nie, sie hat in der Schule Leichtathletik gemacht. Aber das ist nun schon eine Weile her. Seit der Geburt der Kinder ist sie Hausfrau gewesen.

Die Mädchen zeigen uns stolz ihr Können, meine Cousine lächelt und freut sich für sie. „Was wäre, wenn du es auch versuchst?“, stelle ich die entscheidende Frage. Yuki schaut mich an, sie weiß was jetzt passiert.

Cousinchen reagiert auf typisch japanische Art, sie lächelt verlegen und hält sich die Hand schnell vor den Mund. „Ja, ja, ja, Mama!“, rufen die Mädchen im Chor und auch die anderen Frauen nicken. Die Trainerin macht sowieso was ich sage, sie war früher meine Schülerin.

Es macht nun keinen Sinn im Einzelnen auf das Training einzugehen. Geholfen hat es, was nicht immer selbstverständlich ist. Die Depression meiner Cousine ist durch den Schock des Betruges ausgelöst worden, auch wenn es schon vorher in der Ehe kriselte.

In langen Gesprächen haben wir die Wahrheit erfahren. Schon als sie 2015 zu Besuch in Deutschland war gab es kleinere Probleme. Die Details bleiben privat. Wer länger verheiratet ist, wer vielleicht selbst schon eine Scheidung hinter sich hat, wird wissend nicken. Ehekrisen sind weltweit immer gleich.

Während meine Cousine auf ihre Art um die Beziehung kämpfte, hat ihr Mann schon damals andere Frauen gehabt. Er hat es ihr gestanden, was mich in Rage brachte. Prompt habe ich gehandelt. Wie, das wisst ihr bereits.

Seit unserer Rückkehr nach Deutschland trainiert meine Cousine bei uns mit und beweist einiges Talent. Zumindest was die weiche Abwehr von Angriffen betrifft. Nur selbst zuzuschlagen fällt ihr schwer. Dabei ist die Idee fernöstliche Kampfkünste als Therapie einzusetzen nicht neu. In einer Studie hat man bereits an Parkinson Erkrankte ins Karate geholt.

Als ich meine Tante und Ken informiere, zeigen sie sich begeistert. „Barbie-Cousinchen, du bist die absolute Wucht!“, ruft er ins Telefon. „Ja klar“, erwidere ich trocken, „jetzt kann dich auch deine Schwester endlich verhauen.“

Der Psychologe in Los Angeles hat mittlerweile bestätigt, dass die Idee Früchte trägt. Meine Cousine ist auf dem Weg der Besserung. Karate als Therapie! Ich liebe es, wenn (m)ein Plan funktioniert. 

Living in America

„Living in America“, hat der Sänger James Brown einst gesungen. Living in America, das gilt auch für mich. Wir haben uns am Wochenende auf die lange Reise gemacht und sind ohne Komplikationen angekommen. Andere hatten weniger Glück.

Im Gefolge haben wir meine Cousine samt Töchtern und auch Ken ist mit dabei. Geld ist unwichtig, wenn es um Hilfe geht. Und die braucht meine Cousine dringend. Tante Makiko hat bereits alles arrangiert und einem guten Psychologen konsultiert. Er ist Japaner und lebt schon sein halbes Leben in den USA. Beste Voraussetzungen also. Das wäre geschafft.

„Und was ist mit den Kindern?“, werden sich einige LeserInnen fragen, „was ist mit ihrem Vater?“ Trennungen laufen in Japan anders ab. Dort gilt die Schuldfrage immer noch. Der Vater hat so gut wie keine Chance, das Sorgerecht für Kinder zu erhalten und meist auch keinerlei Interesse daran. Aber er zahlt sehr oft auch keinen Unterhalt. Stattdessen wird bei der Scheidung eine Einmalzahlung geleistet.

Mit einem Typen wie Ken, ist jede Reise lustig. Abwechselnd bespaßen wir die Mädchen. Die sind total aufgeregt. „Was ist Amerika, wie lange dauert es noch?“ Selbst meine Cousine freut sich. Schon die Reise nach Deutschland tat ihr gut.

Tante Makiko holt uns vom Flughafen ab, wir haben uns viel zu erzählen. In Los Angeles ist noch Sommer, die Sonne lächelt auf uns herab. Der Nissan wartet ungeduldig, endlich kann ich wieder „oben ohne fahren“. Wir werden Ken den BMW überlassen, ab sofort darf er seine große Schwester kutschieren. Das macht er gern, auch für ihn ist die Familie wichtig.

Er freut sich auf Los Angeles und hat viele Ideen, was er dort fotografieren will. Nur von Tai Chi hält er wenig. „Ich werde mir ein richtiges Dojo suchen!“, hat er im Scherz gesagt,„ihr könnt dann weiter euer komisches Ballett tanzen.“ Prompt geht er in Deckung, als ich „Willst du sterben?“, frage. „Gewalt gegen Männer sollte strafbar sein“, sagt er und lacht. Wie auf Kommando kitzeln wir ihn alle.

Wir sind müde, aber glücklich. Deutschland wird zur Erinnerung, Wahlkampf und Dieselgipfel zu Fremdworten reduziert. Die USA kennen andere Probleme. Ally und Heather freuen sich und haben eine kleine Party organisiert. Auch Fan Fan und Feng sind eingeladen.

Neun Stunden Zeitunterschied werfen erneut die Frage auf, wie es mit meinem Blog weitergehen wird. Was werde ich beruflich machen, wie sieht meine Zukunft aus? Auf all das und noch mehr, wird es Antworten geben. Aber das habt ihr bestimmt gewusst.

„Living in America“, hat der Sänger James Brown einst gesungen. Living in America, das gilt auch wieder für mich. Wir haben uns am Wochenende auf die lange Reise gemacht und sind ohne Komplikationen angekommen. Deutschland, es war schön mit dir.

 

Kein schöner Land in dieser Zeit

Deutschland im September 2017. Kein schöner Land in dieser Zeit. Wir sind zurück aus Frankfurt, die IAA (Internationale Automobilausstellung) ist für uns Geschichte. Kurz habe ich darüber nachgedacht einen Bericht über diese bunte Glitzerwelt zu schreiben, aber der Besuch ist nur in Teilbereichen interessant.

Wolf, der Chefingenieur von Yukis Vater, hat uns begleitet. Durch seine Kontakte haben wir eine ganz andere IAA gesehen. Außerdem hat er uns einen Audi TT mitgebracht, der 370 Z ist schon in den USA. Wie immer mahnt er „Mach ihn nicht kaputt!“, was prompt meinen Mittelfinger zur Folge hat. Wann habe ich jemals einen Motor zerstört!

Während Audi gern mit dem Slogan „Vorsprung durch Technik wirbt“, versucht sich auch die Politik mit tollen Sprüchen. Alle wollen es besser machen, jede Partei hat ein eigenes Konzept. Davon zu halten ist wenig. Die meisten sind am Folgetag der Wahl vergessen.

Hand aufs Herz liebe LeserInnen, wer kennt alle Wahlprogramme? Wer hat sich die Mühe gemacht und sie miteinander verglichen? Wie wählen Deutsche überhaupt? Spielt Sympathie die entscheidende Rolle oder nur der reine Protest?

Auch ich habe mir meine Gedanken gemacht. Wen soll ich wählen und warum? Zum Glück kann Frau die Wahlprogramme lesen, aber um jeden Satz zu verstehen müsste man Juristin sein. Ich habe es trotzdem getan und werde zu SPD und CDU eigene Beiträge bringen. Mehr geht nicht, mir fehlt die Zeit.

Glücklicherweise gibt es Kurzversionen, die ich auch benutzen kann. Ähnlichkeiten in der Wortwahl und bei gewissen Themen lassen sich bei der SPD und den GRÜNEN finden. SPD und CDU haben die Polizei im Visier, bei der sie 15.000 neue Stellen schaffen wollen.

Das verwundert wenig, die CDU gibt sich unter Merkel linker als die SPD. Die Ein-Mann-Partei FDP scheint noch im Selbstfindungsprozess zu stecken. Wirkliche Akzente setzt sie kaum. Einiges wirkt wie „schon mal gesehen“ und findet sich in ähnlicher Form auch beim Rest der Blockparteien wieder.

Die AfD hat ihre Hausaufgaben gemacht und auf 74 Seiten 16.000 Worte untergebracht. Damit bleibt die junge Partei deutlich hinter den Etablierten zurück, die ihre Absichtserklärungen wesentlich ausführlicher präsentieren. Was davon zu halten ist wird man bald sehen.

Die LINKEN als Gesamtpaket bleiben mir suspekt, auch wenn ich Sahra Wagenknecht für kompetent und sympathisch halte. Ihr Wahlprogramm ist in Teilen absurd. Wer die Geheimdienste abschaffen will, öffnet Spionen Tür und Tor. Auch aus Russland, das müssen die WählerInnen wissen.

Was ich (noch) von den GRÜNEN halte, habe ich bereits mehrfach geschrieben. Ich hoffe wirklich, dass sie eine herbe Schlappe erleiden, die dann endlich personelle Konsequenzen hat. Was auch für die SPD gilt. Gabriel, Schulz & Co. haben fertig. Neue Sozis braucht das Land.

Dass die CDU/CSU die Wahl gewinnt, sollte niemand wirklich wundern. Gäbe es keine Angela Merkel, ich hätte weniger Probleme damit. Aber diese Frau ist die eigentliche Gefahr für Deutschland. Daher braucht es eine starke Opposition, die „Mutti“ auf die Finger schaut.

Auch wenn ich keine Hellseherin bin, die Fortsetzung der GroKo scheint unausweichlich zu sein. Aber Rot-Rot-GRÜN wäre die noch schlimmere Alternative. Was bleibt ist Schwarz-GRÜN oder Schwarz-Gelb. Vielleicht auch ein neues Dreigestirn.

Ein Trio in meinem Bett sorgt für Heiterkeit, Yuki hat meine Nichten als Verstärkung geholt. Die Mädchen jauchzen, wenn „Tante Yumi“ wach gekitzelt wird. Nur halb bei Verstand ist meine Cousine. Eine schwere Depression hat sie im Griff. Ob das auch für Deutschland gilt?

Der Zusammenbruch kam durch den Seitensprung ihres Mannes, schon in Japan haben wir uns um die Mädchen gekümmert. Was keine wusste, die Ehe kriselte vorher schon. Nun hat sich der Betrug offenbart. Ihr Mann hat ein Verhältnis mit seiner Sekretärin, die (s)ein Kind erwartet.

Auch in Deutschland kriselt es seit Jahren. Hier geht man mit unheilvollen Ideen schwanger. Kommt der Austausch der Bevölkerung? So zumindest tönt es von den Dächern. Die Menschen haben Angst, die Politik hat einmal mehr versagt.

Niemand stoppt mich, wenn meiner Familie Unrecht geschieht. In Japan fange ich den Seitenspringer nach der Arbeit ab und nur seine schwangere Freundin verhindert einen Eklat. Wie ein begossener Pudel steht er da, als ich ihm lautstark einige weniger nette Worte sage.

Lautstark sollten alle mündigen BürgerInnen gegen die Halbwahrheiten der Blockparteien protestieren. Gegen gesteuerte Berichterstattung der durch die Zwangsabgabe finanzierten Medien. Oder hat Deutschland wirklich schon den Herbst der Existenz erreicht und bereitet sich nun auf sein Ende vor?

Die Geliebte des Seitenspringers schämt sich, Arbeitskollegen schauen konsterniert. Der Auftritt ist Absicht. Ich weiß genau, wie Mann sein Gesicht verliert. Meiner Cousine hilft das wenig, aber ihr Mann muss sie finanziell unterstützen. Außerdem ist sein Ruf nun ruiniert.

Meiner ist natürlich ungebrochen, alle Kinder lieben mich. Aber kann man zwei kleine Mädchen so einfach von ihrem Vater trennen? Die Antwort ist einfach. Ich habe „Du willst keinen Ärger mit mir!“ zu ihm gesagt. Das hat er verstanden.

Ein Leben lang auf Reise

Unser Leben ist zur Zeit eine große Reise. Waren wir letzte Woche noch in Fukuoka, ist nun Deutschland angesagt. Aber vorher haben wir Zeit in Los Angeles verbracht und einige wichtige Dinge geregelt.

Wie zum Beispiel die Zukunft unseres Apartments, das wir vorübergehend an ein Frauenpaar vermietet haben. Nicht ganz überraschend, haben sich Riko und Madison bei uns gemeldet, die beiden Mädels vom Dina Shore. Sie sind seid Juni in Los Angeles und haben Probleme mit ihrer Wohnung bekommen.

„Wir haben keine Nacht geschlafen, so laut war es dort“, erzählt Madison, als wir uns treffen. Der Vermieter macht Ärger und besteht auf dem Vertrag. Aber Riko ist Anwältin und weiß was sie machen muss. Sie sind schon auf der Suche nach einer neuen Bleibe und wohnen in einem günstigen Motel.

Mir kommt eine Idee, die ich mit Yuki per Augenkontakt abstimme. „Wir können euch unser Apartment überlassen“, biete ich den beiden an, wir werden einige Monate nicht in Los Angeles sein.“ „Vermutlich kommen wir erst im September wieder“, fügt Yuki hinzu, „aber das wissen wir noch nicht.“

Unsere beiden neuen Freundinnen sind total aus dem Häuschen vor Glück. Vor allem, als ich ihnen den Preis nenne und die Lage. Klar ist es teurer als ihr jetziges Motel, aber ich verlange keinen Wucherpreis. Und Sicherheiten haben beide.

Sicher im Flieger, hat uns unser Weg über Düsseldorf nach Stuttgart geführt. Wir waren auch in Hamburg, haben kurz Berlin unsicher gemacht und sind dann nach Frankfurt geeilt. Zur Zeit besuchen wir in Holland Freunde und fahren in Kürze wieder nach Düsseldorf. Und im August ruft wieder Japan.

Yuki nehmen die Reisen mehr mit, als sie eingestehen will. Ich bemerke es und spreche es an. „Alles gut“, sagt sie und strahlt mich an, „wenigstens ist mit dir das Leben nie öde. Die Mama deiner Kinder kann ich später noch spielen.“ Seht ihr nun das wahre Biest?

Eher milde gestimmt, rauscht das politische Leben scheinbar unbeachtet an mir vorbei. Ich verfolge die Neuigkeiten mit Interesse, aber nehme absichtlich Abstand davon. Habe ich aufgegeben?

Fast könnte man das glauben, haben wir doch immerhin unseren bisher größten Sieg errungen. „Wir“, das ist die deutsche LGBT-Community. Wahltaktisch klug von der SPD eingefädelt, wird sie kein Kapital aus der Eheöffnung für alle schlagen. Ohne Merkels Zustimmung, wäre die Sache geplatzt.

„Aber sie hat doch dagegen gestimmt!“, höre ich meine LeserInnen sagen. Ja, das hat sie. Aber sie hat die Abstimmung möglich gemacht. Und da sie das positive Endergebnis vorher kannte, hat sie dagegen gestimmt.

Dieser so einfach, wie geniale Schachzug, hätte auch von einer Japanerin kommen können. Auch wenn ich Merkel nicht mag, das hat sie klug gemacht. Reicht das schon zur erneuten Kanzlerschaft?

Ist das nun der endgültige Durchbruch für Homosexuelle oder doch nur ein weiterer Meilenstein? Ich rechne mit einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht und einer Grundgesetzänderung. Mich stört das wenig, Yuki war schon immer meine Frau.

Die Politik muss vorerst ohne meine Kommentare leben. Und auch  dieser Blog wird vorerst stiller werden. Momentan fehlen mir Zeit und Lust dafür.

Dabei gäbe es eine Menge zu erzählen. Etwa wie ich kurz im MMA unterwegs gewesen bin oder der unschöne Zwischenfall mit einer Koreanerin in Fukuoka.

Ich könnte auch von dem Waisenhaus berichten und wie uns dort die Kinderherzen zugeflogen sind. Aber wir haben entschieden in Zukunft weniger Privates zu zeigen. Auch davon wird der nächste Beitrag handeln. Bis dahin dürft ihr den Sommer genießen. Wir lesen uns. Bis bald!

 

 

 

 

Eine Liebe in Fukuoka

Was macht(e) Frau in Japan, werden sich einige LeserInnen fragen. Fröne ich dem Nichtstun oder ist Arbeit angesagt? Wie schon erwähnt, habe ich meinem Vater assistiert und einige vielversprechende Karate-Talente gesehen.

Auch mein eigenes Training habe ich forciert und hilfreiche Kommentare meines Vaters bekommen. Cousin Ken, der mittlerweile den 2. Dan im Kyokushin Kaikan hält, will es (spaßeshalber) wissen und fordert mich zum Kumite auf. Mit Zustimmung seines Sensei, der darüber auf seine Art lacht.

Ken hat wirklich geübt und ist viel schneller als noch vor einem Jahr. Genau so schnell liegt er wieder auf den Hosenboden. Alle lachen und er gleich mit. „Du bist so gemein, Cousinchen!“, lässt er mich wissen und verbeugt sich vor mir. Wer mir zu nahe kommt, der (f)liegt.

Noch während des Trainings ist mir ein Europäer aufgefallen, den ich sofort als Deutschen erkenne. Ich spreche ihn an und wirklich kommt Peter aus Magdeburg. Vor einem Jahr ist er nach Japan ausgewandert.

„Es war im Urlaub vor zwei Jahren“, verrät er schmunzelnd, „als ich die Frau meines Lebens traf.“ Er stellt sie uns vor, sie holt ihn nach dem Training ab. Momoka ist 45 und Peter 53 Jahre alt. Aber beide sehen viel jünger aus.

Spontan laden sie uns zu sich nach Hause ein. Dass Yuki und ich ein Paar sind, wird von beiden lächelnd zur Kenntnis genommen. Ken muss leider gehen, sein Freund wartet zu Hause. „Morgen gibt’s Revanche, Cousinchen!“, ruft er mir zum Abschied zu und reibt sich demonstrativ den Hintern.

Momoka arbeitet als Tourguide und hat auf diese Weise Peter getroffen. Sie lächelt sehr japanisch, als ich sie frage „War es Liebe auf den ersten Blick?“ Für Peter war das so, Momoka brauchte deutlich länger, um diesen durchaus interessanten Gaijin in ihr Leben zu lassen.

Wer der Chef im Hause ist weiß ich sofort. Peter ist lammfromm neben seiner Ehefrau. Und das sehr gern, obwohl der Mann sich durchsetzen kann. „Ich war mehr als 30 Jahre Polizist“, erzählt er uns. „Aber in Deutschland ist das ein Kampf gegen die Politik.

Ich habe gekündigt und unterrichte in Japan Deutsch und Englisch. Mein Haus in Deutschland habe ich gut vermietet, das Geld reicht also locker. Und Momoka verdient auch sehr gut.“

Wie gut zeigen die beiden uns, als wir ihr Haus betreten. Peter hat es gekauft und ist mittlerweile auch Familienvater. „Bin ich schon länger“, sagt er und grinst, als er uns Bilder seiner beiden erwachsenen Kinder zeigt. „Meine Frau hat sich scheiden lassen, da ich nie zu Hause war. Aber so ist das nun mal so als Polizist.“

Auch Momoka, die mit ihren 1 Meter 59 noch kleiner ist als ich, war schon verheiratet. „Ich habe mich mit 18 Jahren verliebt und ein Jahr später waren wir verheiratet“, erzählt sie uns. „Als ich keine Kinder bekam, hat er mich wieder verlassen.“ Ein Schatten legt sich über ihr Gesicht.

Momoka war tief verletzt und hat lange Jahre keinen Mann mehr angeschaut. Bis Peter kam. „Er ist ein Barbar“, sagt sie und lacht, als es an der Tür klingelt und er kurz den Raum verlässt, „aber ich habe ihn mir gut erzogen!“

Diese für Japanerinnen eher ungewöhnliche Offenheit, ist auf ihren langjährigen Kontakt mit Ausländern zurückzuführen. „Ich war in Frankreich, Italien und den USA“, sagt sie. „Dort habe ich viel über andere Kulturen gelernt.“

Momoka spricht ein fast perfektes Englisch, wenn auch mit typisch japanischem Akzent. „Ich war überrascht, dass dieser Deutsche sich für mich interessierte“, gibt sie freimütig zu. „Wo bin ich denn interessant? Aber ich mag große Männer.“ Peter ist locker über 1 Meter 80.

Auch mit ihren 45 Jahren ist Momoka noch attraktiv. „Wunderbar kochen kann sie!“, schwärmt Peter, der mit einem kleinen Mädchen auf dem Arm den Raum betritt. Hinter ihm geht eine Japanerin, die Momoka sehr ähnlich sieht. „Meine Schwester Riko“, erklärt uns Momoka. „Sie passt auf Hina auf, wenn wir beide arbeiten.“

Hina ist vier Jahre alt und adoptiert. Die Kleine ist zuckersüß und verbeugt sich artig vor uns Gästen. „Ich habe Peter vor die Wahl gestellt entweder ein Kind mit mir zu haben, oder wieder abzureisen“, sagt Momoka. Aber das ist japanischer Humor, den Europäer nur schwer verstehen.

In Wirklichkeit wollten sie beide einem kleinen Mädchen die Familie geben, die sie sonst vielleicht nie gefunden hätte. Hinas leibliche Mutter leidet unter schweren Panikattacken und kann sich nicht mehr um die Kleine kümmern. Ihren Vater kennt sie nicht.

Peter war Schieß- und Einsatztrainer bei der Polizei. „Karate und Jujutsu mache ich seit fast 40 Jahren. Nur ein Meister werde ich nie“, fügt er nach einer kurzen Pause hinzu. „Im Schießen bin ich viel besser.“ Liebevoll schaut er Momoka und Hina an. „Diese beiden sind meine Meisterinnen.“

Wie für viele Menschen, ist Karate für Peter nur Ausgleichssport. „Es hält mich fit“, sagt er. Uns wird die Ehre zuteil, die Kleine ins Bett zu bringen, das von allerlei Kuscheltieren bevölkert wird. Sie hat allen Namen gegeben, wie sie uns munter erzählt. Dann gähnt sie herzhaft und ist einfach eingeschlafen. Kleine Kinder können so einfach sein.

Momoka hat unsere Blicke gesehen. „Möchten Sie Kinder?“, fragt sie leise. Wir nicken beide und sie schmunzelt. „Einen Moment bitte“, sagt sie und schwebt aus dem Raum, um kurz darauf mit einem Zettel wiederzukommen. „Schauen Sie doch einmal in dieses Waisenhaus. Vielleicht werden Sie dort von einem Kind gefunden.“

Gefunden haben wir dann etwas anderes, worüber ich vielleicht im nächsten Beitrag schreibe. Wir sind wieder in Los Angeles, die USA haben uns wieder. Vorübergehend zumindest, der Flug nach Deutschland steht bereits fest. 

Die Neidgesellschaft

Neid, so heißt es, sei eine Mischung aus Minderwertigkeitsgefühlen, Feindseligkeit und Ärger. In einem Interview bin ich über das Wort gestolpert. Und das im buchstäblichen Sinn. Neid, so sagt der Prominente, habe Deutschland vergiftet. Aber ist Neid nur regional begrenzt?

Wer sich mit anderen vergleicht, wird stets das eigene Manko finden. Man ist zu dick, zu dünn, zu wenig tolerant und diese Schnepfe von nebenan, hat schon wieder einen anderen Freund! Aber wo ist das Problem? Den Satz „Ich bin was ich bin und das ist alles was ich bin“, sollte sich jeder verinnerlichen. Ich habe, ihr auch?

Neider finden sich oft bei unzufriedenen Menschen, die vielleicht in einer (Lebens)Krise stecken. „Neidisch“ richtet sich der Blick der dreifachen Mutter auf die kinderlose Managerin, die noch immer eine schlanke Taille hat und einen Sportwagen fährt. Sie weiß nicht, dass diese keine Kinder bekommen kann.

„Neidisch“ blickt der Buchhalter auf seinen beruflich erfolgreicheren Kollegen. Er, der mit Frau und Tochter in einem Reihenhaus lebt, will auch in die Chefetage. Aber sein Reihenhaus ist bezahlt, der Kollege bezahlt den besseren Job mit nun schon zwei Herzinfarkten.

Weder besagte Mutter noch der angesprochene Buchhalter erkennen, wie erfolgreich sie in ihrem Leben sind. Vielleicht wäre die Managerin mit drei Kindern überfordert und die Frau des Buchhalters würde die Scheidung verlangen, wenn er zwölf Stunden und länger bei Besprechungen sitzt.

Neid kann durchaus negative Auswirkungen auf das Gefühlsleben und die Beziehungen zu Mitmenschen haben. Das kann von verbalen Attacken bis zur Gewaltanwendung gehen. Man hat vielleicht selbst nur ein altes Auto, also schlägt man den Wagen des Nachbarn heimlich kaputt.

Oft baden neidische Menschen in Selbstmitleid. „Wie ungerecht, dass der / die alles hat!“, heißt es schnell. „Ich habe nichts!“ Dass der Neider zu faul war, um die Universität zu besuchen, hat er bereits vergessen. Wer andere beneidet macht deren Glück zum eigenen Unglück. Jeder Mensch ist einzigartig, er muss es nur erkennen.

Die Mutter könnte nun also die Managerin für ihren Erfolg bewundern. So wie diese es heimlich macht, wenn sie deren Kinder sieht. Und der Buchhalter könnte einfach aufrichtig sein und den Führungsstil des erfolgreicheren Kollegen bewundern, der ihm ein guter Vorgesetzter ist.

Ich schaue zurück auf meine Jugend und wie ich aufgewachsen bin. Mir fehlte es an nichts, aber hohe Ansprüche hatten immer nur die anderen. Klein-Mayumi waren Bücher, Karate, saubere Jeans und Sweatshirts lange genug. Und mein erstes Auto war gebraucht.

Ich habe nie neidische Gefühle entwickelt. Einerseits bin ich so (auf sanfte Art) erzogen worden, andererseits ist das meine Natur. Trotzdem habe ich Erfahrung mit Neid und Missgunst gemacht. Was einerseits an meinem sozialen Status und andererseits an meinem Aussehen lag.

Meine Eltern haben bereits kurz nach ihrer Ankunft in Deutschland ein Haus gekauft, was damals ein hohes finanzielles Risiko war. Finanziert haben sie es mit harter Arbeit. Mehr muss niemand wissen. Aber es hat Neid ausgelöst, das haben sie mir später erzählt.

Ich bin etwa 10 Jahre alt, als „Arroganza Neureich“ mich verbal attackiert. Eigentlich heißt sie Saskia und ich habe HIER schon über sie geschrieben. Saskia mustert mich herablassend und plustert sich vor mir auf.

„Deine Eltern können dir wohl kein anständiges Kleid kaufen“, sagt sie, „oder warum trägst du sonst immer diese alten Hosen?“ Ihr Gefolge lacht und verstummt prompt, als mein Konter kommt. „Bis du neidisch?“, frage ich und schaue sie mitleidig an. „Bei dem Hintern würden dir Hosen auch kaum passen.“

Wortlos rauscht sie davon. Dabei habe ich bewusst übertrieben, bei Saskia stimmte alles. Von einer Freundin weiß ich, dass sie neidisch auf meine dunklen Haare ist. Sie hat „nur“ blonde Locken. Frauen waren oft neidisch auf mein Aussehen. Ich bin nun mal das komplette Gegenteil einer blonden Deutschen.

Dafür kann ich nichts, das sind die Gene meiner Eltern. Oder besser meiner Mutter, deren Kopie ich sozusagen bin. Weniger vom Charakter, der ist deutlich feuriger bei mir. Aber war ich wirklich niemals neidisch?

Ansatzweise unzufrieden, wobei ich das immer mit Humor gesehen habe, war ich auf meine geringe Körpergröße, die sich in einen gewissen Neid, aber stets spaßig formuliert, auf größere Mädchen bei Ballsportspielen definierte.

Im Basketball und Volleyball war ich niemals gut, dafür habe ich umso besser Handball gespielt. Ich sah meine Körpergröße nie als Manko und habe sie durch Schnelligkeit kompensiert. Den Ball konnte ich gut durch die Beine der Torfrau werfen. Meist war die zu langsam für mich.

Neid kann sich im positiven Sinn, als Ehrgeiz definieren. „Die“ hat eine gute Note? Das kann „ich“ besser! Im Sportkarate lediglich neidisch auf die „Meisterin“ zu sein bringt wenig. Ich habe sie mir angeschaut, den Stil analysiert und sie beim nächsten Turnier geschlagen.

Das brachte nun mir das typische Verhalten von „Neidern“ ein, besonders von anderen Frauen. Auf meinen beruflichen Erfolg sind die weniger gut zu sprechen. Deren kleines Ego bekam scheinbar Oberwasser, wenn ich eine Weile „arbeitslos“ war.

„Hättest du mal den Job bei (…) angenommen“, hieß es dann süffisant, um später über den 370 Z, meinen Urlaub und was auch immer zu lästern. Ich habe immer nur gelacht und gesagt: „Mitleid bekommt man gratis, aber Neid muss man sich verdienen.“

„Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung.“ – Wilhelm Busch