Last Knights – Neue Ritter braucht das Land

Es gibt einige Gelegenheiten bei denen die Feministin in mir schweigt. Als großer Fan von Action-Filmen schaue ich diese Filme mit gewisser emotionaler Distanz. Und es dürfen auch gern Männer die Helden sein. Über die kann ich dann herzlich lachen. Und Artikel schreiben. Wie im Fall von „Last Knights.“

Schon zu Beginn war mir die Story klar, der japanische Regisseur hat sie um „Die 7 Samurai“ und „47 Ronin“ gebaut. Dies gespickt mit finsterstem Mittelalter und einigen durchaus hochkarätigen Stars, schlägt der Film das Machwerk mit Keanu Reeves um Längen. Was auch an König Artus liegt. Respektive Clive Owen, der in dieser Rolle einst brillierte.

Auch bei „Last Knights“ ist er der (finstere) Held. Kommandant Raiden, ein Mann von absoluter Ehre. Und von Ehre verstehen sowohl Japaner, wie auch Koreaner viel, die diesem Film als Statisten dienten. Die Story ist simpel und klar: Ein Lord wird von einem anderen in den Tod getrieben. Raiden ist der Todesengel, der ihn dann auf seine Weise rächt.

Das wars eigentlich schon, viel mehr gibt’s nicht zu sagen. Einige Dutzend Tote, starke Männer und kreischende Frauen. Leider blieben die Charaktere recht blass. Auch, wenn Filmblut gleich literweise über die verzerrten Gesichter spritzt. Und doch zeigt „Last Knights“ die besseren Ronin, was auch an einem Clive Owen liegt.

Der spielt seine Rolle perfekt. Während Keanu Reeves keinerlei Talent zur Mimik hat, könnte Herr Owen auch lachen. Verrmutlich lag es am Skript, das ihm solches verbot. Schließlich haben auch Männer Gefühle. In Form von Tränen werden sie zumindest gezeigt. Das wird in asiatischen Filmen gern gemacht.

Die Kampfszenen sind recht gut choreografiert. Klar, echt ist anders. Und vom Schwertkampf verstehe ich genug, um die Schwächen zu sehen. Immerhin trugen die Recken keine monströsen Schwerter. Die Klingen wirkten eher filigran. Asiatisch eben, wie der Regisseur.

Ich habe den Film gemocht. Er war düster, episch und bringt uns die alten Ritter ins Wohnzimmer zurück. Perfekt ist zwar anders, aber wer außer mir ist das schon? Wer also auf Action und (gefallene) Helden steht, darf den Film gern schauen. Immerhin hat das mit mir auch meine Elfe gemacnt. Tapfer, wie immer. Freche Kommentare inklusive.

 

Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?

Den „Schwarzen Mann“ kennen alle Kinder. Gern und oft haben Eltern auf der ganzen Welt mit ihm gedroht. Meine nicht. Und auch Schwarze Männer machen einer Mayumi keine Angst. Mit einer Ausnahme. Und davon mag ich heute erzählen.

Wir schreiben das Jahr 1999. Der Film „Matrix“ sprengt die Kinokassen. Ein junger Schauspieler steht plötzlich im Mittelpunkt des Interesses. Sein Name: Keanu Reeves. Nun sind mir Männer recht egal, aber ich kann durchaus einen Schauspieler mögen. Seine Leistung, sein Spiel. Und in „Matrix“ spielte Reeves perfekt. Vielleicht noch in „Constantine“ und „Das Haus am See.“

Nun hat jeder Mensch Höhen und Tiefen im Leben. Und privat ging es für Reeves steil bergab. Scheidung, Tod der Kinder. Und auch sein Freund River Phoenix starb schon vor mehr als 20 Jahren. Kritiker haben Reeves Screenplay von jeher das Attribut „hölzern“ verliehen. Eine Aussage, der ich mich nur erneut anschließen kann.

Reeves ist immer dann gut, wenn er wenig Mimik zeigen muss. Ein erstarrtes Gesicht beherrscht der Mann perfekt. Aber gut ist anders und Zuschauer erwarten von Akteuren mehr. „Man of Tai Chi“ und „47 Ronin“ waren keine Glanzpunkte auf Reeves Karriereleiter. Im Gegenteil haben sie seine Schwäche erneut bewusst gemacht. Aber der Mann macht einfach weiter. Und die Welt applaudiert.

„John Wick“, ist das neuste Verbrechen am Zuschauer. Aber scheinbar finden den Film viele Männer gut. Immerhin gibt es 78 Tote zu bewundern. Die meisten durch die Hand von John Wick, der von einem erneut emotionslos agierenden Keanu Reeves verkörpert wird. Ob der Mann unter Gesichtslähmung leidet?

Kurz zur Handlung: Der ehemalige Profikiller John Wick verliert seine Frau und auch noch seinen Wagen, der ihm von einem typisch-dümmlichen Russen gestohlen wird. Dumm dabei, dass er der Sohn von Wicks Ex-Chef ist. Dumm auch, dass Wick sich nun erneut zum Killer mausert. Wenig glaubhaft und ein einziges Klischee.

„John Wick ist derjenige den man schickt, um den Boogeyman zu töten“, gibt der Oberschurke seinem dämlichen Sohn mit auf den Weg. Und dann gibt’s viele Tote. Ich habe meine Emotionen ab- und den Zeigefinger eingeschaltet. Um die Toten zu zählen. Und Yuki hat lieber übers Abendbrot nachgedacht.

Reeves darf auch erneut (s)eine Kampfkunst zeigen. Irgend eine Art von Judo, mit der er die Bösewichte hüftsteif zu Boden wirft. Aber meist erschießt er sie sofort und schnell. Was auch besser ist, die Typen sind aus Hollywoods Komparsengarde.

Vermutlich ist der Nachname „Wick“ vom Wort „wicked“ abgeleitet. Und das heißt „böse, boshaft, schlimm, gefährlich.“ Den Hollywood-Schreibern fällt auch kaum Originelles ein. Was nun meine Angst betrifft, so war die nur ironisch gemeint. Ich habe wirklich Angst davor, dass Reeves weiter solche Filme macht. Was habt ihr denn nun gedacht?

Immerhin taugt der Film als Zeitvertreib. Und ja, er war wirklich besser als „47 Ronin.“ Aber Qualität sieht anders aus. Die zeigt einmal mehr Clint Eastwood mit „American Sniper.“ Vermutlich war das mein letzer Versuch, dem Schauspieler Reeves die Ehre zu erweisen. Die gebührt Leuten wie „The Rock“ und Vin Diesel, über die selbst ein Biest wie ich noch lachen kann.

 

Für Lesewillige: 47 Ronin – Die Ritter von der traurigen Gestalt

Filmkritik: 47 Ronin – Die Ritter von der traurigen Gestalt

Es gibt Legenden, die überdauern Zeit und Raum. Die der 47 Ronin gehört dazu. Jedes Kind in Japan kennt ihre Geschichte, die viel vom Geist des alten Japan zeigt. Nun ist es oft Sitte alte Legenden auf Zelluloid zu bannen, oder besser als digitale Kopie. So auch mit dieser alten Legende geschehen. Und davon mag ich nun erzählen.

Bekanntlich bin ich ein großer Fan solcher Filme, ich habe bestimmt hunderte gesehen. Wirklich gut waren nur wenige. Ein schlechtes Drehbuch, magere Kulissen, fehlendes Budget ist oft der Tod von großen Filmen. Und das hätte 47 Ronin werden können. Aber die allzu wirre Story hat das verhindert. Auch Keanu Reeves hat einmal mehr versagt. Mit ausdrucksloser Mine kämpft er sich durch den mit allerlei CGI-Effekten gespickten Film.

In dem werden munter alle Legenden bedient. Müde Kulissen, denen man das Studio ansah, falsch dargestellte Tengu, eine Kitsunehexe, schräge Monster und die üblichen magischen Schwerter. Alle sind sie da. Den Zuschauer lassen sie allein. Dem Film gelingt es nie in Fahrt zu kommen und irgendwelche Symppathie zu wecken. Chemie zwischen Keanu Reaves (dem Halb-Japaner Kai) und Kô Shibasaki (als Fürstentochter Miko)? Keine Spur. Fast hatte man das Gefühl, das Gegenteil sei der Fall.

Reeves war einmal mehr die absoluter Fehlbesetzung eines Films. Seit Matrix, Constantine und Haus am See, habe ich kaum brauchbares von dem Mann ohne Mimik gesehen. Mit dem Regiedebut „Man of Tai Chi“, lag er ebenfalls daneben. Wobei der dank des Hauptdarstellers Chen Lin-Hu zumindest in den Kampfszenen um Welten besser war. Das Swordplay in 47 Ronin ist lächerlich. Große Kampfkunst? Fehlanzeige! Den Fight Choreographen hätte ich sofort gefeuert.

Stimmung kommt bei der mageren Handlung niemals auf, die nie die Richtung beibehält. Sie schlingert zwischen Fantasy, flachem Humor und Drama. Dazwischen beschwört sie händeringend eine fast vergessene Welt. Ehre, um die soll es in dem Streifen gehen. Aber allenfalls Langeweile wird darin vermittelt. Wir haben den Film in Original gesehen, was nicht minder schrecklich ist. Viele der japanischen Darsteller sprechen ein furchtbares Englisch und sind schwer zu verstehen. Auch Hiroyuki Sanada kann da wenig retten. Was soll der Mann auch machen, wenn Drehbuch und Regisseur versagen?

Woher der Film die guten Kritiken bekommt ist mir nicht klar. Sehen Männer mit anderen Augen? Oder hat der Kritik-Verstand bereits rituellen Selbstmord begangen, wie so mancher Samurai im Film? Im Abspann wird noch einmal die alte Legende beschworen und wie unvergessen die 47 Ronin auch heute noch sind. Für mich sind diese 47 Ronin nur Ritter von der traurigen Gestalt und ich empfehle den Film sofort wieder aus dem Gedächtnis zu streichen, oder ihn sich niemals anzusehen. Allenfalls für absolute Fans mag er taugen. Dazu gehöre ich nicht. Ich warte dann lieber auf Filme mit Donnie Yen (Ip Man) aus China, der das alles tausendmal besser kann. Oder vielleicht auf weitere starke Frauen, die in solchen Filmen meist Mangelware sind.