Lesbisch und Karriere – Ein Widerspruch?

Für Frauen ist es schwer genug Karriere zu machen. Und das besonders, wenn sie lesbisch sind. Wer das nicht glaubt, der stellt sich bitte einen Montag in der Firma vor. Hetero-Menschen berichten dort vom Wochenende und was sie erlebt haben. Alle Augen richten sich nun auf die noch nicht geoutete lesbische Frau. Und die hat nun genau zwei Möglichkeiten. 1. die Lüge und einen Freund zu erfinden. Aber Lügen sind keine Alternativen, die kommen immer raus. 2. Die Wahrheit. „Ich war mit meiner Frau auf einem Konzert.“

Während Mann nun vermutlich die Kinnlade nach unten fällt, reagiert die Kollegin vielleicht toleranter. Vieleicht aber auch nicht. Und schon ist „die Lesbe“ unten durch und das Mobbing beginnt.
„Ich wusste ja nicht, dass du auf Frauen stehst“, wird mit falschem Lächeln geflötet. „Aber ich habe damit ja kein Problem.“
Hat sie doch, die Worte zeigen das schon. Hinterrücks wird dann getuschelt und die Karriere ist versaut. Ende, aus, vorbei.
Und das ist noch immer viel zu oft deutsche Realität.

Als ich vor knapp vier Jahren in den Beruf einstieg, habe ich mir den genau ausgesucht. Und auch das Team, die Chefin. Auch habe ich vom ersten Tag an klargestellt, was und wer ich bin. 1,62 Meter Selbstbewusstsein pur. Es hat gewirkt. Aber den Beruf habe ich gekündigt. Er war kein Weg auf Dauer.
„Wenn ich mich oute, muss ich doppelt stark sein, als Frau und als Lesbe. Das will ich nicht“, sagt Frau sehr oft und schweigt.
Auch, wenn der Regenbogen immer heller leuchtet, ist das für manche die bessere Idee.
Ich könnte das nicht. Noch weniger angestellt arbeiten. Dazu in Kürze mehr.

Lesbisch zu sein, wird von der Gesellschaft zwar eher toleriert, als der schwule Mann. Dafür steht der aber mehr im Vordergrund. Lesbische Frauen werden oft als „süß“ und „niedlich“ belächelt. Besonders vom Voyeur Mann, der gern von einem Dreier träumt. Aber er selbst mit einem anderen Mann?
„No way, mein Hintern gehört mir!“
Genau das hat Mann gesagt und nichts verstanden.
Liebe beginnt nie am A … llerwertesten.

In der Welt der Patriarchen wird auch die öffentliche Diskussion vom schwulen Mann geprägt. Lesbische Frauen werden kaum wahrgenommen.
Gut, da gibt es eine Hella von Sinnen, Anne Will, oder Bettina Bottinger. Aber das sind „nur“ Künstlerinnen, die machen sowas gern. Sagt Mann. Und Frau.
Oder Ulrike Folkerts, die Schauspielerin. Auch nur eine Nebenrolle.
Guido Westerwelle war immerhin im Außenamt. Dort zwar außen vor und abgeschrieben, aber öfter im Gespräch.
Aber Mutti Merkel hat immerhin die Macht. Nur ist die nicht lesbisch sondern bei der CDU.

Es wird noch eine Weile dauern bis die Montagsgespräche anders ablaufen. Wenn Karl von seinem Date mit Frank erzählt und Inge von dem Kuss mit Melanie.
Bis dahin wird eisern geschwiegen. Offen lesbisch sind nur die anderen.
Und meine Elfe und ich. Aber das wusstet ihr schon.
Wir machen auch Karriere. Auf unsere Weise, auf unserem Weg. Zu stoppen sind wir nicht.

Mach dein Ding!

Es gibt Frauen die neigen dazu anderen Menschen gegenüber stets gefällig zu sein. Peinlichst achten sie darauf immer zu gefallen. Alles was sie tun, ihr ganzes Leben, steht unter diesem Stern. In frühester Jugend sind es Eltern, Verwandte und Geschwister, später kommen Freunde hinzu. Mit einem Lächeln auf dem Barbie-Gesicht wird alles schön und süß geredet. Und damit kann ich nicht.Süß sehe ich nur aus, mein Lächeln ist oft Maske. Weniger zum Selbstschutz, damit habe ich kein Problem. Ich schütze damit andere Menschen vor meinem radikalen Selbst, vor meinem „Ding.“

„Ich kümmere mich um meine eigenen Angelegenheiten, aber vergiss nicht: Wenn es etwas gibt, was die Welt hasst so ist es eine Frau, die sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmert“, hat Calamitiy Jane (1852-1903), Wild West-Heldin, Wirtin, Reiterin und Kunstschützin einst gesagt.

Der Name dieser Frau ist Legende. Und die hat sie geschickt aufgebaut. Meist in Männerkleidung, trinkend, rauchend, fluchend. Und schießen konnte sie besser, als jeder Mann. Heute würde man sie einen „Tomboy“ nennen. Aber eine Lesbe war sie vermutlich nicht. Gerüchte darüber gibt es. Aber es ist wenig bekannt über diese außergewöhnliche Frau, die sich meisterhaft in Szene setzte. Als moralisch verkommen sehe ich sie nicht. Immerhin beschützte sie schon als junges Mädchen ihre Geschwister vor dem Hungertod.

Leider ist aus dieser Phase wenig bekannt und ihr Buch fehlt in meiner Sammlung. Historiker gehen ohnehin davon aus, dass sie viele Erlebnisse erfunden hat. Ihre Beziehung zu Wild Bill Hickock etwa. Und auch die gemeinsame Tochter. Was aber ihr Lebenswerk nicht schmälert. Geflunkert haben viele dieser alten „Helden.“ Am eigenen Mythos zu arbeiten macht vermutlich Spaß.

Frauen von heute stellen ihren Mythos meist in den Dienst von Familie, Kindern und Mann. Die eigenen Wünsche werden schöngeredet und irgendwann vergessen. Dann sind Frühstück, Stinkesocken und Abendessen wichtiger, als ein Leben wie das der „Calamity Jane.“ Zugegeben muss es für Jane ein hartes Leben gewesen sein, an dem sie letztlich starb. Und ob sie immer glücklich war, das mag ich bezweifeln.

Jane war ein Kind ihrer Zeit, eine Frau im rauen Westen. Vielleicht wäre sie einige Jahre später Feministin geworden. Und zwar richtig radikal. Aber fängt das „Ding“ von Frau Wirklich auf dem Sofa des Psychiaters an, der Frau nach Kindern, Trennung, oder Depressionen, zu ihrem Seelenheil behandeln darf? Welche Frau mag ihren Finger heben, um ihr so anderes Leben zu erklären?

Und hat die Welt wirklich Angst vor starken Frauen? Vor Frauen wie Jane und mir? Vor einer Alice Schwarzer, Boudicca, Queen Victoria und Frau Merkel? Sie alle machten, oder machen ihr „Ding.“ Nicht immer zum Wohle aller, nicht immer mit viel Sinn. Und doch sind diese Frauen anders und zum Teil wenig angepasst.

Auch mit meinem Leben versuche ich ein Beispiel für andere Frauen zu sein. Ich möchte zeigen, dass Ausbildung, Karriere und „Kind“ keine Widersprüche sind. Dumm nur, dass keine Bio-Uhr in mir tickt. Mein „Ding“ ist Vorbild und Lehrerin zu sein. Für Mädchen und für Frauen. Ich bin und bleibe anders. Was ist dein „Ding“?