Mutter, Mutter, Kind

Mutter, Mutter, Kind

Yuki und ich sind nun schon einige Jahre liiert. Als verheiratet gelten wir nur in Deutschland und den USA. In Japan ignoriert man außerhalb der Familie unsere Beziehung, was zumindest mir schon immer herzlich egal gewesen ist. Ansatzweise störend war es, als wir Aiko im Waisenhaus fanden. Aber obwohl sie lediglich meine Adoptivtochter ist, spielt das für Yuki keine Rolle.

Mütter

Zwei Mütter zu haben mag merkwürdig für manche Kinder sein. Aiko, die ihren Vater nie kannte und nur bei ihrer verstorbenen Mutter aufgewachsen ist, hat kein Problem damit. Allerdings waren wir lange Tante Yuki und Tante Yumi, das Wort Mama blieb für ihre tote Mutter reserviert. Vor einigen Wochen hat sich das geändert und sie hat (zaghaft) Mama Yuki und Mama Yumi zu uns gesagt. Danach musste Yuki dringend nach einem Taschentuch suchen. Keine Ahnung was die immer hat.

„Bist du sicher, dass du ein Mensch bist?“, will Yuki später wissen. „Oder habe ich einen Frosch als Frau?“ Ihre Anspielung zielt auf die Redewendung „Froschblut in den Adern haben“ ab, was so viel bedeutet wie „keine Gefühle zu zeigen.“ Natürlich ist das blanker Unsinn, bekanntlich bin ich (k)ein emotionales Nervenbündel. Yukis (frecher) Kommentar zum Titelbild: „Passt!“ 

Väter

Cousin Ken ist eine Art Ersatzvater für Aiko. Vielleicht auch nur ein großer Spielkamerad. Aber die Kleine liebt ihn, also spielt das keine Rolle. Vor meinem Vater hat sie Respekt, aber wagt trotzdem charmant gewählte Widerworte. Das macht sie gut und Papa schmunzelt. Von der Uniform meines Polizisten-Onkels ist sie stets fasziniert. So sehr, dass sie später auch Verbrecher jagen will. Männer gibt es in ihrem Leben also mehr als genug.

Yukis Vater, hat sie den Mann mit den vielen Autos genannt. Schließlich „zwingt“ er uns (nicht!) ständig neue zu testen. Aktuell haben wir einen Nissan GT-R vor der Tür. Leider hat sich Nissan für einen Hybrid entschieden, der Nachfolger des aktuellen Modells wird also kein Wasserstoffauto sein. Den Testwagen dürfen wir also (vorerst) behalten. Auf zum Tokyo Drift!

Gewinner

Die Verlegung der deutschen Tuning-Firma nach Schweden hat Arbeitsplätze gerettet, was uns zu „Gewinnern“ der Corona-Krise macht. Yukis Blick ist sehenswert. „Soll ich packen, wann geht es los?“, will sie wissen. Prompt klatscht Aiko in die Hände und ruft „Reise, Reise, ja!“ Typisch! Dabei gelte doch eigentlich ich als Reisetante.

Zugegeben hat Schweden einen gewissen Reiz. Die Menschen sind freundlich und doch wieder anders, als ich es von Deutschland kenne. Wer sich nun die Frage stellt, wie Aiko in Schweden zur Schule gehen soll, den kann ich beruhigen. Aiko wird von uns zu Hause unterrichtet. Trotzdem hat sie Kontakt zu Nachbarkindern.

Kinder

Einige Kinder fanden es seltsam, dass Aiko nicht zur Schule geht. Einem Jungen, der sie dafür hänselte, hat sie eine Ohrfeige verpasst. „Typisch deine Tochter!“, hat Yuki gesagt und ein Schmunzeln unterdrückt. Nicht erwartet hätten wir, dass die beiden nun dicke Freunde sind. Der Kleine steht fast täglich vor unserer Tür. Aber Aiko ist kein prügelndes Monster. Sie wehrt sich nur wann immer sie kann.

Aikos Talent für Karate ist wirklich sensationell. Mein Vater ist begeistert von ihr und würde sie gern Tag und Nacht unterrichten. Natürlich ist das nur Spaß, aber aktuell bringt er ihr außer Karate auch schon erste Kanji bei. Ohnehin wechseln wir uns in der Familie beim Unterricht ab, Aikos Leistungen sind trotzdem gut. Zu Beginn war es schwierig sie aufmerksam zu halten, aber niemand kann gegen eine freundliche Ansprache von Sensei Mayumi bestehen.

Sensei

Keine Männer zu unterrichten, hat nur zum Teil etwas mit Abneigung zu tun. Für mich ist wichtiger, dass Frau sich verteidigen kann. Die Ausnahme ist Cousin Ken, den ich (nicht!) regelmäßig verprügele. Unsere (Show!)Zweikämpfe sehen so realistisch aus, dass wir damit Unerfahrene täuschen können. Selbst Yuki zuckt manchmal noch zusammen, wenn wir uns mit „bösen Blicken“ gegenüber stehen.

„Onkel Ken macht Spaß“, war Aikos Kommentar, als sie uns zusehen durfte. Lustig wurde es, als sie mitmachen wollte und Ken lachend zu Boden ging. Ihre Siegespose hätte Rocky Balboa stolz gemacht.

Olympia

Mein Vater hatte mich vor einigen Monaten gefragt, ob ich bei den nationalen Karate-Ausscheidungen mitmachen möchte. Papa liebt solche Scherze. „Nee, Väterchen“, habe ich mit todernstem Gesichtsausdruck gesagt, „das wäre unfair den anderen Mädels gegenüber.“ Humor ist, wenn zwei Japaner lachen.

Als Teenager habe ich Sportkarate kurz getestet und außer meinem ersten Kampf alle anderen gewonnen. Wobei in meinen Augen die Disqualifikation keine Niederlage war. Was kann ich dafür, wenn meine Gegnerin so empfindlich ist. Im Gegensatz zu ihr, hatte ich klassisches Karate und Aikijujutsu gelernt und auch genutzt.

Geister

Sportkarate trägt viel zur Verbreitung von Karate bei, hat aber mit der Grundidee herzlich wenig zu tun. Klassisches Karate kennt nun mal keinen Erstangriff. Salopp ausgedrückt geht dort der „Geist“  verloren. Schlecht ist Sportkarate auf keinen Fall! Wer wirklich möchte, kann und wird es lernen.

Meine Geister, besser gesagt meine beiden Elfen, rufen nun nach mir. Bekanntlich darf man solche entzückenden Wesen auf keinen Fall warten lassen, sonst wird ihre „Rache“ ganz fürchterlich sein. Außerdem muss ich meine neue Rolle als Mama Yumi genießen, das könnt ihr doch bestimmt verstehen.

 

 

China Nights

China Nights

Der Humor meines Vaters ist weitaus schräger, als ich ihn auf diesem Blog wiedergeben kann. Nach dem Nagasaki-Zwischenspiel, hat er einige Tage später noch weitere Oldies ausgegraben. Aikos Reaktion war sich die Ohren zuzuhalten oder laut zu lachen. Bei dem Titel „China Nights“ hat sie allerdings getanzt. Da vermutlich die wenigsten Japanisch sprechen, habe ich neben der Originalaufnahme auch eine Version mit Englischen Untertiteln herausgesucht.

Gemeinsamkeiten

Ohnehin haben China und Japan mehr gemeinsam, als man gegenseitig zugeben will. Zwar halte ich Taiwan für das bessere China, aber das liegt am politischen System. Über Skype rede ich am Abend oft mit meiner chinesischen Freundin Lia, die nun in Taiwan lebt. Ihr Tai Chi hat sich weiter verbessert, auch sie ist nun eine Lehrerin.

Ihre Tante hat ihr ein neues Jian-Schwert zum Geburtstag geschenkt, das sie mir stolz per Webcam zeigt. Dass Lia perfekt damit umgehen kann weiß ich. Wir philosophieren über chinesische und japanische Schwertkunst und machen uns über die Koreaner lustig. Die, da sind wir uns auf humorvolle Weise einig, können weder Karate noch Kung Fu.

Sieger

Was so abwertend klingt ist reiner Spaß. Ich habe lange und oft Taekwondo trainiert und weiß um die Fähigkeiten koreanischer Meister. Die vermutlich vielen auf der Zunge brennende Frage, welche Schwerttechnik nun besser ist, hat sich mir nie gestellt. Allein der Anblick Japanischer Samurai hat in China und Korea Angst und Schrecken verbreitet. Allerdings gehe ich davon aus, dass selbst ein durchschnittlicher Samurai einem chinesischen oder koreanischen Gegner überlegen war.

Koreaner und Chinesen sehen das vermutlich anders. Daher arbeiten sie seit vielen Jahren ihre Niederlagen mit Filmen auf. Dort siegen durch die Lüfte fliegende Helden. Die Wahrheit sieht ein wenig aus. Es ist schwer zu sagen, inwieweit der Hass zwischen den Nationen noch ein Thema ist. Mit Chinesen hatte ich noch nie Probleme. Dass ich vor einigen Jahren eine angetrunkene Koreanerin in die Schranken weisen musste, ist unerheblich. (Süd)Korea ist für mich kein feindliches Land.

China Nights

Ohne Corona, wäre ich schon letztes Jahr in Taiwan gewesen. Auch Lia möchte uns gern in Japan besuchen. Zur Zeit arbeiten wir daran, das ohne Probleme zu realisieren. (Fake)Meldungen diverser Nachrichtenagenturen, dass sich zwei asiatische Kampfkünstlerinnen duellierten, bitte ich in diesem Fall zu ignorieren.

Aiko, die gute Fortschritte bei Hiragana und Kanji macht, schaut mir beim bloggen gern über die Schulter. Sie will stets wissen was ich schreibe und wann sie diese „komischen Zeichen“ auch erlernen darf. In einem Anfall von Humor habe ich ihr das Wort „Frechdachs“ beigebracht. Yuki hat nur den Kopf geschüttelt. Keine Ahnung, was das nun wieder bedeuten soll.

Elfen, Business und Karate – Mein japanischer Alltag

Elfen, Business und Karate – Mein japanischer Alltag

WordPress ist mir fremd geworden, die neue Unübersichtlichkeit lehne ich ab. Was einfach war, ist nun kompliziert. Nur über einen Direktlink kann ich noch das alte Dashboard und / oder den klassischen Editor aufrufen. Vermutlich wird man auch diesen Link bald blocken, um uns zur Nutzung des Block-Editors zu zwingen. Dessen Classic-Look ist nur ein Schatten dessen, was der alte Editor einst war. Mir fehlt die Übersichtlichkeit.

Business as usual

In Fukuoka geht das Leben seinen normalen Gang. Wir testen Wasserstoff-Autos, unterrichten unsere Tochter und bilden Frauen als Bodyguard aus. Wer nun glaubt das sein schon alles, kennt mich wenig. Aber wie ich mein Geld verdiene bleibt privat. Allerdings habe ich immer weniger Zeit für längere Artikel, die ich oft viele Stunden recherchieren muss. Noch bin ich nämlich keine Millionärin, aber ich arbeite daran. An dieser Stelle darf sich bitte jeder einen Smiley denken.

Man, eigentlich Frau, hat mich gefragt, warum ich so viele Haiku schreibe. Die Antwort steht weiter oben. Außerdem kann wer genau hinschaut erkennen, was ich zur Zeit denke oder mache. Haiku sind für mich die komprimierte Form längerer Artikel. Aber das hat der eine oder andere bestimmt schon bemerkt. Auch, dass ich nach wie vor Karate praktiziere und gespannt bin, wie es bei den Olympischen Spielen ankommen wird.

Die Zeit der Elfen

Aus zwei sind bekanntlich drei Elfen geworden, die meist ein Herz und eine Seele sind. Aiko hat sich positiv entwickelt. Ihre Wildheit haben wir mit allerlei liebenswerten Tricks ins Karate-Training kanalisiert. Das ist kein elterlicher Zwang, wie nun vielleicht manche glauben. Sie liebt uns und will daher ein braves Mädchen sein. Außer Mann ärgert sie. Einige Jungs in ihrem Alter durften bereits den Boden genauer betrachten.

Wer nun glaubt, dass ich eine Schlägerin erziehe, hat wenig von ihrer Persönlichkeit verstanden. Wie mein Vater mich, werde ich Aiko so lange in Selbstverteidigung unterrichten, wie sie das selbst möchte. Allerdings glaube ich kaum, dass sie jemals mit Karate aufhören wird. Schon jetzt ist ihre Leidenschaft offensichtlich.

Respekt

Vor meinem Vater hat sie großen Respekt. Er ist begeistert von ihrer Auffassungsgabe und sagt ihr eine große Zukunft voraus. „Sie wird einmal besser sein als du“, neckt er mich. „Klar, Väterchen“, erwidere ich trocken. „Du wirst ihr erstes Opfer werden, wirst schon sehen.“ Sein Schmunzeln zeigt, wie egal ihm das ist. Aber niemals würde ich meinen Vater zu Boden werfen! Oder etwa doch? Wer meine Texte kennt weiß, dass wir oft und gern gemeinsam trainieren. Verlierer gibt es dabei nicht.

Aiko beim Training zuzuschauen, ihre Energie zu spüren, lässt unsere Herzen höher schlagen. Hinterher gibt es elfische Schmuseeinheiten. An der deutschen Sprache ist sie brennend interessiert. Es ist zu drollig ihr zuzuhören. Auslachen dürfen wir sie allerdings nicht. Was schwierig ist bei all den liebenswerten Fehlern. Ich könnte darauf wetten, dass sie in Deutschland die Sprache in einem Jahr erlernen würde.

Sprachlos

Was mir zunehmend auffällt, dass Yuki und ich ab und zu nach deutschen Worten suchen. Wir sprechen zu wenig und meine Texte helfen kaum dabei. Beruflich bin ich meist auf Japanisch oder Englisch unterwegs, was mein Deutsch kaum besser macht. Ab und zu versuche ich das wenige Kantonesisch oder Mandarin, wenn ich mit Chinesen spreche. Die Antwort kommt dann in Englisch oder gebrochenem Japanisch. Völkerverständigung kann so einfach sein.

Ohnehin ist das Verhältnis zwischen Japanern, Chinesen und Koreanern wesentlich entspannter, als uns die Presse dies glauben macht. Politisch sieht das wieder anders aus. Aber Politik spielt bei Geschäften kaum, bei Freundschaften überhaupt keine Rolle. So sollte das auch in Deutschland sein.

Girls, Girls, Girls

Unser Aufenthalt in Taiwan muss noch warten. Die Corona-Krise hat es uns leider vorerst unmöglich gemacht, mit meiner Freundin Lia gemeinsam den Kranich-Stil zu üben. Aber vielleicht klappt es doch noch dieses Jahr. Die California-Girls Ally und Heather leiden. „In den USA sind alle verrückt“, lässt mich Ally am Telefon wissen. „Mein Vater war bei Bidens Amtsantritt dabei. Man hat ihn und seine Soldaten sehr schlecht behandelt. Vielleicht hast du die Szene gesehen, als einige Soldaten demonstrativ ihren Rücken präsentierten. Biden hat wenig Freunde in der Armee.“

Ich habe versucht den Colonel zu interviewen, leider hat er abgelehnt. Aber was hinter den Kulissen in den USA geschieht bleibt spannend und interessant. Ebenso die Tuning-Schmiede in Schweden. Die Firma brummt, um es salopp auszudrücken. Die Entwicklungen kommen gut voran. Wolf berichtet mir fast täglich. „Ohne mich fliegst du aber nicht nach Schweden!“, sagt Yuki schmunzelnd und erinnert mich an die hübsche Buchhalterin.

Kamikaze

Die Corona-Krise scheint kein Ende zu nehmen. Aber Kamikaze, der „Göttliche Wind“ lässt scheinbar auf sich warten. Viele glauben nämlich, dass nur ein (göttliches) Wunder die Normalität wieder herstellen kann. Sie wollen oder können nicht begreifen, dass sie selbst für dieses Wunder verantwortlich sind.

Yuki und Aiko, meine beiden Wunder, warten nun auf mich. Daher möchte ich an dieser Stelle nur „Frohe Ostern!“ wünschen. Kommt zur Ruhe und genießt die freien Tage. Wer will oder kann geht auf die Straße oder klärt vielleicht mit sanften Argumenten Freunde und Familie darüber auf, dass die Welt weit mehr als nur „Corona“ zu bieten hat.

Gedanken einer Ausländerin: Es gibt ein Recht auf Weihnachten!

Gedanken einer Ausländerin: Es gibt ein Recht auf Weihnachten!

Viele sagen, 2020 habe sich die Welt verändert. Corona habe die Welt verändert, fügen andere hinzu. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Während sich die Lämmer hinter Masken verbergen, haben die Hirten ihre abgelegt. Die Fratze der Machtbesessenheit lacht uns nun entgegen. Wehren wir uns, werden wir eingesperrt. Geschickt wird das Volk in mehrere Lager gespalten, der Feind ist wahlweise „der Nazi von nebenan“ oder einfach „der alte weiße Mann.“

Alte weiße Männer

Ein alter weißer Mann kämpft um den Machterhalt im Weißen Haus. So zumindest scheint es. In Wahrheit tobt ein „Krieg“ hinter den Kulissen, die Mitglieder amerikanischen Machteliten packen die „Boxhandschuhe“ aus. Nationalisten vs. Globalisten, die allerdings beide im Council on Foreign Affairs zu Hause sind. Die amerikanische Bevölkerung wird durch den Trumpschen Personenkult getäuscht. Aus meiner Sicht sind die Nationalisten die bessere Wahl. Zwar stehen auch sie für „America first!“, aber sie wollen keine Kriege führen. Wer sich durchsetzt, wird man im Januar 2021 sehen.

Die USA haben China einmal mehr zum globalen Bösewicht erklärt. Alternativ noch Russland und den Iran. Das macht man so in den USA, um von den eigenen Fehlern abzulenken. Dass es weltweit Cyber-Angriffe gegen Firmen und Behörden gab, ist allerdings Fakt. Auch in Deutschland hat man vor der SolarWinds-Software gewarnt. Weltweit werden täglich unzählige Versuche aus Russland und China aufgezeichnet, um auf für beide Länder wichtige Server zu gelangen. Dezent verschwiegen wird natürlich, dass die USA das ebenso machen.

Rosige Zeiten?

Der Ausblick auf 2021 ist auf keinen Fall rosig. Die Corona-P(l)andemie und die (Zwangs)Impfung, werden uns noch eine Weile begleiten. Für mich bedeutet dass eine vorerst eingeschränkte Reisefreiheit, wenn eine Fluggesellschaft eine Impfung fordert. Meine Familie hat sich informiert, keiner wird sich mit dem mRNA-Impfstoff verseuchen lassen. Wir warten ab, ob es einen klassischen Impfstoff geben wird. Erst dann werden wir uns entscheiden. Aber wer weiß, ob „Corona“ dann noch existiert.

Weihnachten zumindest gibt es noch. Aber das Fest wird dieses Jahr quasi ins Wasser fallen. Zumindest dann, wenn man auf die Volksvertreter hört. Die fordern von ihren Wählern Abstand und Hygiene und sitzen später ohne Maske dicht an dicht in der Kantine. Vermutlich haben sie sich bei Wodka, Wein und Bier, die mutierte Corona-Variante ausgedacht. Wer es noch immer nicht begriffen hat, Viren mutieren immer! Das ist keine Neuigkeit, sondern ein alter Hut. Aber die Angst vor einer Mikrobe lähmt das Denkvermögen.

Die Grippe (Krippe) ist weg

Ich habe mit einer befreundeten Ärztin über die Grippe gesprochen, als wir mit Aiko im Krankenhaus waren. Die Kleine hatte Bauchweh, es gab für kurze Zeit den Verdacht auf eine Blinddarmentzündung. Die Heilung kam durch Liebe, Wärme und Kräutertee. Danach wollte sie wieder Karate trainieren. Was wir natürlich immer noch machen. Ohne Karate fehlt mir was. In Deutschland, so habe ich mir zumindest sagen lassen, hat man Krippen abgebaut. Bzw. nicht auf. Sind nun auch die Geistlichen der politischen Korrektheit zum Opfer gefallen?

Angeblich ist die auch die böse Grippe ein Opfer der Maskenpflicht, was besagter Ärztin ein Schmunzeln entlockte. Die Grippe ist immer noch bzw. wieder da. Allerdings heißt sie nun Corona. Nachdenken hilft. Wenn Masken gegen Grippeviren helfen, wieso sind die Menschen dann trotz Maske an Covid-19 erkrankt? Vielleicht sollten sich diverse „Experten“ vorher informieren, bevor sie solchen Unsinn verzapfen.

Traditionen

Japaner mögen Weihnachten. Mir war das Fest der Christen stets willkommen, als ich noch in Deutschland lebte. Aber auch in Japan, obwohl wir überwiegend Buddhisten und Shintoisten sind, gibt es diese Tradition. Vielleicht allzu kommerzialisiert, aber das spielt keine Rolle.

Augenzwinkernd erkennen wir Jesus als Sohn eines Gottes an. Ein Prophet zumindest war er. Clevere Menschen haben dann aus seinem Schicksal eine Religion gemacht. Auferstanden ist er dann auf dem Papier, vermutlich war das die allererste Fantasy-Geschichte.

Toleranz

Ich habe kein Problem mit Christen. Selbst normale Muslime sind stets willkommen. Normalität bedeutet für mich, dass Glaube niemals an erster Stelle steht, dass Gläubige keine gewaltbereiten Fanatiker sind. Die können mir gestohlen bleiben. Die Legende der Geburt Christi bringt die Menschen seit vielen Jahren zusammen. Vielleicht kann Glaube dabei helfen, die Dunkelheit zu überwinden.

Meine Toleranz ist dort zu Ende, wo Globalisten meine Freiheit, mein Menschsein einengen und verleugnen. Zwar spiele ich durchaus mit beim weltweiten Geld-Geschacher, aber ich baue mir keinen Elfenbeinturm. Menschen in Not zu helfen, war und ist für mich schon immer selbstverständlich.

Es gibt ein Recht auf Weihnachten!

Unverständlich bleiben die Äußerungen einer offensichtlich verwirrten Frau, die den Deutschen Weihnachten nehmen will. Margot Käßmann, die ehemalige Frontfrau der EKD, hat sich gegen Weihnachten ausgesprochen. Nachzulesen hier:

Tichys Einblick: Es gibt kein Recht auf das Weihnachtsfest

Wie die Vertreterin einer Religionsgemeinschaft einen solchen Unsinn verzapfen kann, ist mir unbegreiflich. Sollte sie nicht ganz im Gegenteil für die Menschen einstehen? Allerdings versagen die Lenker der christlichen Kirchen schon seit Jahren, wenn es um die Seelsorge ihrer Mitglieder geht. Aber so ist das mit den Wölfen, die für die Hirten eine Herde leiten. Frau Käßmann ist ein gutes Beispiel dafür.

In meinen Augen hat sie längst kein Recht mehr für Christen zu sprechen. Die sollten vielleicht zu einer Kirche gehen, die ihren Gott noch als wichtig ansieht. Wir zumindest lassen uns in Japan das Recht auf Weihnachten nicht von einer Frau vermiesen, deren Verwirrtheit sich vermutlich um den Pegel ihres Alkoholspiegels dreht.

SPIEGEL Online 2010: Bischöfin Käßmann tritt zurück

Frohe Weihnachten

2020 war für viele ein schweres Jahr. Vielleicht konnten meine Beiträge etwas Hoffnung schenken. Wenn es meine Zeit erlaubt, wird das das 2021 genau so sein. Für heute „habe ich fertig.“ Wir lesen uns! Frohe Weihnachten wünschen Yuki, Aiko und Mayumi.

Von Großmeistern und Geschäften – Teil 2

Von Großmeistern und Geschäften – Teil 2

Vor mehr als 6 Jahren, am 07. Mai 2014, habe ich den Beitrag „Von Großmeistern und Geschäften“ geschrieben. Darin ging es um Wing Chun, das Verfechter dieser simplen Kampfkunst für das Nonplusultra halten. Immer wieder ist in diversen Foren zu lesen, wie überlegen sie anderen Stilen ist. Auch Videos haben Sifu (Lehrer) darüber gemacht. Seitdem ist viel Zeit vergangen. Wie sieht heute meine Meinung aus?

Bevor ich diese Frage beantworte, möchte ich einen Blick auf die Zugriffe dieses Beitrags werfen. Er rangiert seit Jahren ganz oben auf meiner Liste. Offensichtlich ist das Interesse an Wing Chun noch immer hoch. Auf keinen Fall ist das ein Fehler, Wing Chun ist ein durchaus brauchbares System zur Selbstverteidigung. Wer aber Wettkämpfe bestreiten möchte, ist dort fehl am Platz. Jede Form von (Sport!)Karate, Thai- oder Kickboxen ist dafür besser geeignet. Auch das koreanische Taekwondo.

Meine Kritik, die ich bereits 2014 gegenüber den beiden Verbänden EWTO und EVTF äußerte, bleibt weiter bestehen. Nachzulesen im 1. Teil. Wer sich für reine Selbstverteidigung interessiert, ist mit Krav Maga, dem israelischen „Kontaktkampf“, auf der wesentlich besseren Seite. Krav Maga ist schnell und einfach zu erlernen. Dazu noch sehr effektiv. Wing Chun, das ich (nur für mich persönlich) für einfach halte, braucht bis zur „Meisterklasse“ viel mehr Zeit. Das gilt auch für Karate. Bis zum 5. Dan gilt man dort als besserer Schüler.

Kritiker, die es immer geben wird und soll, sehen das vielleicht anders. Aber aus einer Fliege wird nun mal kein Elefant. Hinzu kommt noch, dass diese Kritiker den Fokus stets auf die körperliche Auseinandersetzung richten. Was sie vergessen: Das ursprüngliche Karate kennt keinen Erstangriff. Man hat sich damit auf Okinawa verteidigt und den Angreifer „umgebracht.“ Auch heute kämpfen Karateka auf Okinawa kaum auf Turnieren. Ursprüngliches Karate ist für viele eine Lebenseinstellung und Philosophie. Sportkarate hat damit nichts zu tun.

2014 schrieb ich: „Ein System kämpft nicht, wenn man in einer dunklen Gasse angegriffen wird. Das macht einzig und allein der Mensch. Wing Chun wird kein magischer Helfer in der Not sein und auch keinen Notarztwagen rufen.“ Genau das ist der Fehler den viele machen, wenn sie ihren Sport, ihre Kampfkunst, als das Maß aller Dinge sehen.

Noch einmal: Es gibt kein „bestes System!“ Den Beweis dafür kann man ab und an in den Nachrichten sehen, wenn Weltmeister von normalen Menschen auf die Mütze bekommen. Es wird immer jemand geben, der einem anderen in irgendetwas überlegen ist. Das ist auch in Ordnung so. Dazu kann ich gern eine kleine Anekdote erzählen, bei der ich in Deutschland zugegen war.

Vor etwas mehr als 20 Jahren war ich mit meinem Vater in einem Dojo zu Gast. Soweit ich mich erinnere, war das kurz vor dem Ende meiner ohnehin nur kurzen Wettkampfkarriere. Der (deutsche) Sensei hatte den 2. Dan im Shotokan-Karate, unterrichtete aber auch Kickboxen. Einer seiner Schüler war ein aufstrebendes Talent. Sehr beweglich, dynamisch, kurz gesagt ein guter Sportler. Während ich mit einigen Mädels trainierte, mein Vater sich mit dem Sensei unterhielt, gab es zum Abschluss des Trainings das unvermeidliche Kumite (Sparring).

Der Sportler, nennen wir ihn Tom, wurde einem Jungen mit dem (von mir geänderten) Namen Mike zugewiesen, der offenbar ein Neuling war. Ein Braungurt stand also einem Weißgurt gegenüber. Der Ausgang des Sparrings schien klar, war doch Tom ein erfahrener Wettkämpfer, der schon Turniere für sich entschieden hatte. Entsprechend arrogant trat er auf.

Als sein erster Tritt mit einem Konter abgefangen wurde und Mikes Fuß klatschend an seinem Kopf landete, herrschte plötzlich Totenstille Entsetzte oder belustigte Blicke waren zu sehen. Tom murmelte etwas wie „… nicht aufgepasst …“ Er riss sich zusammen, ging in Kampfstellung und kassierte den gleichen Tritt, der blitzschnell über seine Deckung ging. Sein Gesicht rötete sich. Vor Wut und durch die Treffer. Ich wusste in diesem Moment, dass er verloren hatte und tauschte einen Blick mit meinem Vater aus.

Papa und ich verstehen uns in Sachen Karate blind. Das war schon damals so. Toms nächster Angriff ging ins Leere, Mike verpasste ihm zum dritten Mal den gleichen Tritt. Diesmal ging Tom zu Boden. Aber mehr aus Schock, wirklich hart durchgezogen werden solche Treffer nicht. „Ich bin heute nicht so gut drauf“, hörte ich. Dann stand Tom auf und verzog sich in eine Ecke.

Mike blieb ziemlich verlegen zurück. Weder triumphierte er, noch hatte er das gewollt. „Was habe ich denn falsch gemacht?“, fragte er den Trainer, der ihm aufmunternd auf die Schulter schlug. „Alles in Ordnung“, sagte er. „Wie wäre es, wenn du mit jemand anderem weiter trainierst?“ Das hat Tom dann gemacht. Ich habe ihn beobachtet. Er konnte, woher auch immer, nur diesen einen Tritt und hatte nie zuvor etwas mit Karate zu tun. Vielleicht hatte er sich die sogenannten „China Filme“ angeschaut.

Was aus den beiden Kontrahenten wurde weiß ich nicht. Vielleicht war Mike ein unentdecktes Talent, vielleicht auch nur eine Eintagsfliege. Dieser kleine Vorfall zeigt aber, dass ein System niemals überlegen ist. Es ist immer der entsprechende Mensch. Das sollte sich jeder auf die Fahne schreiben, der seinen Sport, seine Kunst, für unschlagbar hält. Unschlagbar gut ist ohnehin nur meine Yuki. Aber einen Gewinner oder einen Verlierer gibt es bei uns nicht. Nur Gemeinsamkeit macht stark.

Karate, Kicks und Kumite

Karate, Kicks und Kumite

Dieser Beitrag ist zum größten Teil zwischen dem Herbst 2019 und Frühling 2020 entstanden. Durch „Corona“ und unseren Aufenthalt in Schweden, hatte sich die Fertigstellung verzögert. Aktuell trainiere ich natürlich wieder mit meinem Vater. Ohne Maske versteht sich, um unsere finsteren Blicke zu sehen. Das war natürlich Spaß. Aber Papa behauptet stets, dass ich unlautere Mittel anwende und ihn zum Schmunzeln bringen kann. Meine Schilderung mag scheinbar disziplinlos sein, das Gegenteil ist der Fall. Karate ist Disziplin in Vollendung.

Mein Vater war sieben Jahre alt, als sein Vater begann ihn in Gōjū-Ryū-Karate zu unterrichten. Gōjū-Ryū ist ein Karate-Stil mit lang zurückreichender Tradition, der besonders viele Elemente des ursprünglichen chinesischen Boxens des 17. bis 19. Jahrhunderts enthält und auf den sogenannten Kranich-Stil aus China zurückgeht. (Daitō-ryū) Aikijūjutsu, die Urform des Aikido, lernte er einige Jahre später. Ebenso Kenjutsu, den Schwertkampf. Wie mein Vater mich, hat auch mein Großvater ihn in Zen unterrichtet. Aber still zu sitzen und zu meditieren, war schwierig für mich. Musik half. Papa hatte mich unruhigen Geist „besiegt.“ Zumindest für einige Minuten. Danach soll ich ihm angeblich wieder Löcher in den Bauch gefragt haben.

Aikijūjutsu diente als waffenlose Selbstverteidigung der Samurai und war für das Schlachtfeld gedacht. Entsprechend hart sind seine Techniken. Verlor der Samurai sein Katana, wurde er durch einen Schlag entwaffnet, hat er sich natürlich zu verteidigen versucht. Dafür war Aikijūjutsu gedacht. Wie sinnvoll oder effektiv es ist sich unbewaffnet gegen einen Schwertkämpfer zu stellen, steht auf einem anderen Blatt. In Filmen geht das, in der Realität verliert man mindestens die Finger oder Hand.

Mein Vater hat mir viel von meinem Großvater erzählt, der leider viel zu früh gestorben ist. Das Schicksal geht oft eigene Wege, aber vermutlich hätte ich den Mann gemocht. „Dich nicht zu mögen ist schwer“, hat mein Vater mir einmal gesagt. „Auch wenn du alles dafür tust.“ Meine Antwort ist wenig druckreif, aber Papa hat auf sehr japanische Art gelacht. Für Japaner ist Karate viel mehr als „Prügel“ und „Gewalt.“ Leider scheint man das im Westen kaum zu verstehen. Viele verschwenden ihr Leben mit einer Suche, um die allerletzte Weisheit im (Stil der eigenen Wahl einsetzen) zu erlangen. Sie suchen den Zweikampf, die Auseinandersetzung und glauben, dass der „Sieg“ über einen Kontrahenten Ruhm und Ehre bringt.

Das Gegenteil ist der Fall. Ich lehne Gewalt ab und wollte mich als Kind niemals prügeln. Und doch habe ich die eine oder andere Auseinandersetzung gehabt. Eine ist mir ganz besonders in Erinnerung geblieben, der ich den Titel „Wer die Nachtigall stört“ gab. Vielleicht zeigt diese Szene ansatzweise, wie ich wirklich bin. Teenager zu sein, hat mich zum Agent Provocateur werden lassen. Ich habe keinen Streit gesucht, aber auch keinen vermieden. Heiße Ohren hatte ich stets im Sonderangebot. Meist blieb es bei scharfen Worten, die auch heute noch hilfreich sein.

Mein Vater hat mich in einer Mischform aus Karate und Aikido unterrichtet hat. Anfangs spielerisch sind die Techniken im Lauf der Zeit härter und komplexer geworden. Aus dem eher sanften Aikido, das lediglich freundschaftliche Partnerübungen kennt, ging es nahtlos in die zum Teil schmerzhaften Techniken des Aikijūjutsu über. Wer nun glaubt mein Vater habe mir Schmerzen zugefügt, der kennt ihn schlecht. Andererseits bin ich wenig empfindlich, wenn es im Training zu Kontakten kommt. Schon als Kind habe ich dadurch meinen Körper abgehärtet. Mein Vater ist ein Vertreter des klassischen Karate. Er lebt und atmet diese Kunst. Trotzdem wagt er den Blick über den Tellerrand, hat aber, im Gegensatz zu mir, keine anderen Kampfkünste aktiv trainiert. Überrascht bin ich immer, wenn er doch Antworten auf Techniken anderer Stile kennt. Auch mit fast Sechzig, ist er immer noch sehr gut und ein ausgezeichneter Lehrer.

Leider erinnere ich mich nicht mehr an die unzähligen Stunden in Keller-Dojo. Lediglich Einzelheiten tauchen aus dem Nebel der Erinnerung auf. Ab und zu waren auch andere Kinder zu Besuch, dann wurden wir gemeinsam unterrichtet. Es muss wohl durchaus spaßig gewesen sein, wenn wir mit einem Schaumstoff-Katana aufeinander losgegangen sind. Eine Szene ist mir im Gedächtnis geblieben, als wir Kinder meinen Vater „verprügeln“ durften. Wir haben so laut gelacht, dass auch meine Mutter in den Keller kam und ihn vor uns „gerettet“ hat. Hinterher gab es leckeren Kuchen. Läuft das eigentlich unter Bestechung?

Im Normalfall wird Aikido erst ab dem 14. Lebensjahr gelehrt, was durchaus sinnvoll ist. Mein Karate kennt Nah- und Bodenkampf. Das habe ich mit Aikijūjutsu kombiniert und meinen eigenen Stil entwickelt. Kyokushin-Karate, Taekwondo, Tai Chi, Hung Gar und Wing Chun, habe ich später gelernt. Ein Ausflug in den Kranich-Stil wird folgen. Um jedem Missverständnis vorzubeugen und die Frage zu beantworten, ob es einen „besten Stil“ gibt, werde ich es noch einmal erklären. Jeder Stil ist gut. In jedem Stil wird es hervorragende Kampfkünstler oder -sportler geben.

Im Schwertkampf ist mir mein Vater ab und zu noch überlegen. Als Kind hatte ich so meine Probleme damit. Ich erinnere mich an eine Szene, als wir die Zweischwert-Techniken übten. Ich hatte zwei Plastikschwerter, auf die ich mächtig stolz gewesen bin. Aber mein Vater schlug sie mir stets aus der Hand. Mayumi „wütend“ ist kein Spaß. Mit einem lauten Schrei habe ich das kürzere Schwert nach ihm geworfen. Miyamoto Musashi, Japans größter Samurai, hat das bei einem seiner legendären Zweikämpfe ebenfalls gemacht. Papa war überrascht und mir tat es sofort wieder leid. Ich habe mich danach doppelt angestrengt.

Aikijujutsu kennt kein Sparring. Wie in dem daraus entstandenen Aikido, werden dort lediglich Partnerübungen ausgeführt. Alles andere wäre viel zu gefährlich. Statt der weit ausholenden Aikido-Bewegung, wird eine Aktion im Aikijujutsu „kurz“ ausgeführt, was im Ernstfall zu Verletzungen bei einem Angreifer führt. Spaßig wird es, wenn wir eine Mischung aus Judo und JiuJitsu trainieren. Dabei geht es nie darum wer gewinnt oder verliert. Allerdings ärgert er mich gern, was meine Gegenreaktion provoziert. Aber egal wer zum Schluss am Boden liegt, im Endeffekt gewinnen wir beide.

Außenstehende verwechseln oft Kampfkunst und -sport. Im Sport geht es um Punkte, um den Sieg, um Preisgelder und Medaillen. Ein Sieg in der Auseinandersetzung zweier Kampfkünstler wäre eine Niederlage für beide. Der Gewinner würde sein Gesicht verlieren, der Verlierer wäre „tot.“ Sich aber auf freundschaftlicher Ebene auszutauschen, dem anderen Respekt zu zollen, ist legitim. Es sollte niemals so enden, wie das Erlebnis mit einem Karateka aus Okinawa zeigt.

Dazu noch ein Hinweis. Wer ursprüngliches Karate lernen möchte, der geht ohnehin nach Okinawa. Die dortigen Meister sind eine Klasse für sich, haben aber manchmal auch verschrobene Ideen. Wir hatten ein solches Exemplar vor einigen Monaten zu Gast. Der Mann ist über 70 Jahre alt und lehrt seinen eigenen Stil, den er vermutlich mit ins Grab nehmen wird. „Karate sollte man erst mit zwanzig Jahren lernen“, sagt er im Brustton der Überzeugung, als er uns mit Aiko trainieren sieht. „Sollten nicht schon Kinder Disziplin und Ausdauer lernen?“, kontere ich. „Genau dafür bietet sich Karate an.“

Der Meister, den ich Sensei Masada nennen möchte, schaut mich mit ausdruckslosen Augen an. In Aikos Gesicht lese ich Widerwillen. Tapfer bringt sie das Training zu Ende und geht dann mit Yuki nach Hause. Europäische Kinder hätten dem Sensei zum Abschied vielleicht die Zunge gezeigt, Aiko belässt es bei ihrem finstersten Blick. Mein Vater erzählt Sensei Masada stolz von meinen sportlichen Erfolgen und warum ich den 5. Dan bekommen habe. „Sportkarate verwässert die Tradition“, meint der alte Mann. Er deutet auf ein Bild von mir, das mich bei einem gesprungenen Drehkick zeigt.

„Ohne Kickboxen und Sportkarate, wäre das klassische Karate längst tot“, erwidere ich. „Vielleicht nicht ausgestorben, aber es hätte sich nie weltweit verbreitet.“ „Ist es erstrebenswert, dass die ganze Welt nun falsches Karate kann?“, will der Sensei wissen. „Sportkarate hat doch erst die Neugier auf die Tradition geweckt“, gebe ich zu bedenken. Japan, die ganze Karate-Welt besinnt sich zurück, der alte Weg wird wiederkommen. Ich stimme jedoch zu, dass klassisches Karate einer gewissen geistigen Reife bedarf. Wenn es an der Zeit ist, werden wir Aiko auch in Zen unterrichten.“

„Karate ist für Kinder zu gefährlich“, widerspricht der Sensei. „Sie haben noch keine Kontrolle über sich, wie leicht könnten sie andere verletzen. Ihnen fehlt der eiserne Wille, der zur Meisterung von Karate wichtig ist. Die Gefahr, dass sie das Erlernte falsch einsetzen ist groß.“ „Was wäre die Alternative?“, frage ich.Judo wäre für Kinder die bessere Wahl“, höre ich. Womit Sensei Masada durchaus recht hat. Was er nicht weiß, dass wir auch Würfe unterrichten. Noch weniger weiß er allerdings, dass unser Frechdachs jeden Wurf perfekt ausführen kann. Einige Jungs haben das schon am eigenen Leib erlebt.

Der Sensei hat einen Schüler mitgebracht, den ich Sasuke nennen möchte. Seine überhebliche Art weckt sofort meinen Widerwillen. Wir laufen einige Kata, es folgt das unvermeidliche Kumite. Sasuke ist größer und schwerer als ich. Ich ahne mehr als ich weiß, dass er seine körperliche Überlegenheit ausspielen will. Wir beginnen mit Sport Kumite. Dort werden Treffer lediglich angedeutet. Aber Sasuke will davon nichts wissen und sucht absichtlich den Kontakt.

Einen Zweikampf nur mit Worten zu beschreiben kann schwierig sein. Selbst im Video sieht er wesentlich schlechter aus, als in diversen Filmen. Dort wird ohnehin nur eine Art „Ballett“ gezeigt. Auf der Straße entscheiden etwa 9 Sekunden über „Leben und Tod“, um es salopp auszudrücken. Sasuke erweist sich als regelrechte Kampfmaschine. Unaufhörlich marschiert er nach vorn, es hagelt Tritte und Schläge, denen ich kaum ausweichen kann.

Als Frau bin ich gegenüber der Physis eines Mannes natürlich im Nachteil. Pure Kraft kann ich nur mit Schnelligkeit ausgleichen. Trifft mich ein harter Tritt, gehe ich zu Boden und / oder bin (schwer) verletzt. Hollywood- oder sogenannte „China-Filme“ zeigen nicht die Realität, wenn weibliche Hauptdarstellerinnen brutale Schläge von Männern verkraften können. Allerdings kann man durch Körperkontrolle, die Wucht eines Treffers abmildern.

Sasukes Grinsen verstärkt sich, als ein zu harter Tritt meine Bauchmuskeln trifft. Als Antwort kicke ich im Reflex ebenso hart in die Innenseite seines Oberschenkels, was ihm überhaupt nicht gefällt. Das versteinerte Gesicht meines Vaters spricht Bände. Ich sehe, wie sich seine Hände zu Fäusten ballen. Fast unmerklich schüttele ich den Kopf und provoziere Sasuke mit Worten. Seine Antwort ist ein sogenannter „Roundhouse-Kick“, der jedem anderen vermutlich die Rippen gebrochen hätte. Dieser Mann ist nicht reif für Karate, das beweise ich ihm sofort.

Ich bin im (Sport)Karate, was man beim Boxen eine Konterboxerin nennt. Meine Antwort auf Sasukes Tritt, ist ein gesprungener (Kyokoshin)Drehkick zu seinem Kopf, der das Duell abrupt beendet. Sasuke liegt benommen am Boden, Sensei Masadas Lippen werden schmal. Er ringt mit sich, der Vorfall ist ihm sichtlich unangenehm. „Das hätte auf keinen Fall geschehen dürfen“, sagt er. Wortlos geht er auf den noch immer benommenen Sasuke zu und hilft ihm auf die Beine zu kommen. Dann verlässt er mit ihm den Raum.

Sensei Masada hat meinem Vater später einen langen Brief geschrieben und sich in aller Form entschuldigt. Auch bei mir. „Geistige Reife“, schrieb er, „hat offensichtlich doch weniger mit dem Alter zu tun, als ich bisher angenommen habe. Das Verhalten meines ehemaligen Schülers fällt auf mich zurück, ich habe als Lehrer versagt.“ Soweit ich informiert bin, hat der Sensei sein Dojo mittlerweile geschlossen. Sasuke hat er noch am Tag des Vorfalls verstoßen.

Um ansatzweise deutlich zu machen wovon ich schrieb, habe ich ein Video aus dem Netz gesucht, das Kyokushin-Kicks in Vollendung zeigt. Diese Tritte habe ich vor Jahren beim Training mit meinem Cousin gelernt. Zarte Gemüter seien gewarnt. Solche Treffer können schmerzhaft für Leib und Seele sein.