Manga, Miezen und Karossen

Unser Leben in Japan ist anders. Die Zeitumstellung haben wir schon längst vergessen. Nur mein Laptop läuft noch immer auf deutscher Zeit, eine letzte Erinnerung an gestern. Wir knüpfen Kontakte mit japanischen Firmen, die mit Deutschland handeln wollen. Unser großer Vorteil, wir sprechen beide Sprachen.

Meine Cousine erlebt einen Höhenflug, die Depression scheint wie weggeblasen. Aber bleibt das auch so? Tapfer übt sie Karate, die Mädchen freuen sich. Ohnehin sind sie der absolute Mittelpunkt unserer Familie. Überall nur Tanten und Onkel, die sie auf Händen tragen.

Wir machen Pläne für die Zukunft und verwerfen sie wieder. „Du machst Pläne!“, sagt Yuki frech, „und mich damit wahnsinnig!“ Ken hat sich verändert, die letzte Trennung war ein harter Schlag. Wir sehen ihn kaum, er arbeitet Tag und Nacht. Übermüdet fällt er von einer Leiter, nun liegt er mit Rippenbruch im Krankenhaus.

Wir besuchen den Kindskopf, der schon wieder lachen kann. „Barbie Cousinchen“, begrüßt er mich, „bitte hol mich ganz schnell wieder raus!“ Den jungen Arzt zu überreden ist einfach, er ist Kens Freund seit Kindertagen. Mit Leidensmiene steigt Ken ins Auto, zu Hause steckt ihn die Tante wieder ins Bett.

Am 12. Januar 2018 ruft der Auto Salon in Tokio. Prompt machen wir uns auf den Weg. Zwei Stunden Flugzeit trennen uns von den Edelkarossen. Wir fliegen im Auftrag, aber Spaß werden wir trotzdem haben. Unsere Mission, die Trends aus Japan kritisch zu betrachten. Aber werden in Japan Trends gemacht?

Die Antwort ist kompliziert und irgendwie japanisch, wir veredeln Trends, wir machen sie besser. Das Maß aller Dinge in der Autobranche bleiben immer noch die USA. Aber für die SEMA Show in Las Vegas hatten wir leider keine Zeit. Das wird sich vielleicht 2018 ändern, Los Angeles ist noch immer eine Option.

Tokio ist immer eine Reise wert. Wir waren schon öfter hier. Aber an diesem Wochenende werden wir keine Zeit für das bunte Treiben haben, wir sind zu einer noch bunteren Welt unterwegs. Diese Welt besteht aus in Stahl gepresste Leidenschaft, Auto Salon wir kommen!

Während ich in einem Manga blättere schaut sich Yuki die neuste Mode an. Dann tauschen wir die Hefte. Elfchen schnauft. „Was du auch immer liest!“ Dabei ist die Geschichte völlig harmlos. Also fast. Was kann ich dafür, wenn die Heldin alle niedermetzelt? Aber die neuen Modetrends finden wir dann beide gut.

Am Flughafen Tokio angekommen genießen wir die Fahrt mit dem Zug. Keiner spricht, einige Fahrgäste tragen Mundschutz. Das werden wir auf der Messe noch öfter sehen. Ob das wirklich vor Erkältung schützt? Elfchen und ich sind gegen Grippe geimpft, das machen immer so. 11 Hallen mit 880 Autos erwarten uns. Gegen dieses Virus hilft keine Spritze.

Alles was Rang und Namen hat tummelt sich auf der Messe. Deutsche Klänge hören wir ebenso, wie Französisch und Englisch. Ein bekannter Youtuber hastet vorbei, ich höre vertraute Klänge. „Die Welt ist klein geworden“, sage ich auf Japanisch. Yuki schaut und nickt. Aber Werbung werde ich keine für ihn machen.

Ich schieße Bilder, die für Wolf gedacht sind. Noch von der Messe maile ich sie ihm zu. Es geht vornehmlich um Folgen und Body Kits, die Tuning Schmiede geht mit der Zeit. Wir nehmen Prospekte mit und Visitenkarten, mein Rucksack ist zum Glück fast leer.

Wir treffen Herrn Yamasaki. Einige LeserInnen erinnern sich bestimmt, wir haben ihn bereits in Detroit gesehen. Knapp dreißig Minuten ziehespäter haben wir seine Unterschrift in der Tasche. Niemand verhandelt so gut wie wir. „Wie du!“, diktiert mir Yuki, sie hat neben mir gesessen.

Die Eindrücke erschlagen uns fast. Ein Nissan GT-R Umbau zieht mich magisch an. Und ist das nicht der Honda NSX? Wie eine Katze schleiche ich um den Wagen. Der ist toll, das Mädchen davor fast noch besser. Prompt schießt Yuki böse Blicke auf sie ab und ich fotografiere nur den Honda. Wirklich tummeln sich viele schöne Frauen auf der Messe. Sie werten auf, was kaum noch aufzuwerten ist.

Wir bleiben zwei Tage und fliegen am Sonntag wieder zurück. Aber wir haben uns nicht nur Autos angesehen. Tokio ist immer eine Reise wert. Ich kann die Stadt nur wärmstens empfehlen. Yuki gibt die Eifersüchtige, als wir im Flieger sitzen. „Ich lasse mir jetzt die Fingernägel wachsen“, sagt sie zum Spaß, „dann kratze ich jeder Mieze die Augen aus.“ Prompt habe ich „Miau!“ gesagt und bin nun vor Liebe blind.

 

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Gegen jede Regel

Schon mehrfach habe ich über das (gute) Verhältnis zu meinem Vater geschrieben. Von ihm habe ich die eiserne Disziplin geerbt. Dafür redet er weniger und ich umso mehr. Darin bin ich ihm überlegen. Aber das habt ihr bestimmt gewusst.

Dezember 2017. Wir sind im Dojo und trainieren, als mein Vater erwähnt, dass im Januar 2018 ein kleines Karate-Turnier auf dem Programm stehe und er mich gern als Teilnehmerin sähe.

„Das wäre unfair“, wehre ich auf Deutsch ab und sehe ihn schmunzeln. „Was hast du vor?“, will ich sofort wissen, „deine eigene Tochter als Fallobst präsentieren?“

Jedem anderen wäre mein Vater nun vermutlich böse, aber ich konnte schon immer mit ihm machen was ich will. Was sich auch beim Training äußert. Alle tragen den klassischen Karate-Gi nur Yuki und ich sind bunt.

Unsere farbigen Kampfsportjackem stammen aus dem Taekwon-Do und sind sogenannte Schlupfjacken mit V-Auschnitt. Der Vorteil beim Training oder Kumite, sie können sich nicht öffnen.

Väterchens Mundwinkel zucken verräterisch, nur Yuki und er haben mich verstanden. Ich analysiere die Lage und schaue mir die TeilnehmerInnen an. Wir haben einige riesige Talente, die deutlich jünger als meine Biestigkeit sind. Können die mich schlagen?

Mit Ausdauer

Wer die Vorbereitung auf einen Boxkampf kennt weiß, wie hart ein Sportler dafür trainieren muss. Ohne Ausdauer hat man keine Chance. Das gilt auch für Sportkarate, Kickboxen oder Taekwon-Do.

Drei bis vier Trainingseinheiten pro Woche, jeden Tag dehnen, ab und zu Fitness Studio oder Kendo (Schwertkampf), vielleicht auch leichtes Joggen, ist unser Normalprogramm. Aber das ist noch immer zu wenig für ein wirkliches Turnier.

Hinzu kommt der Faktor Zeit,  der Berufstätigen oft als Hindernis im Wege steht. Nicht umsonst sind oft StudentInnen die besten SportlerInnen der Welt.

„Macht dich das Alter langsamer?“, höre ich die Frage kommen. Anfälliger für Verletzungen, wäre eine mögliche Antwort. Wobei ich in dieser Hinsicht keine Probleme habe. Aufwärmen ist bei mir Pflicht.

Alter schützt vor Torheit nicht

Bin ich schon zu alt für Turniere? Für die Olympischen Spiele auf jeden Fall, aber das sehe ich ganz gelassen. Sportkarate war lediglich eine kurze Phase in meinem Leben.

Verloren habe ich nie. Lediglich eine Disqualifikation habe ich zu vermelden. Was darf ich, wie weit kann ich gehen innerhalb der Regeln. Genau da liegt nun auch aktuell mein Problem.

Ich lasse mich überreden und auch Yuki macht mit. Das wird spannend! „Wehe du verhaust mich!“, sagt sie im Scherz, „das wäre Gewalt in der Ehe.“ „Ist klar“, erwidere ich trocken, „wie war das noch mit deiner Hand auf meinem Po?“

Elfchen und ich necken uns bekanntlich gern, aber keine schlägt die andere wirklich. Nur Außenstehende könnten eine Balgerei zwischen uns wirklich falsch verstehen. Noch echter wirkt allerdings ein (gespielter!) Fight mit Cousin Ken, der regelmäßig in Lachanfällen endet.

Kunst gegen Sport

Nun bin ich seit mehr als 10 Jahren ohne Praxis, was sportliche Wettkämpfe betrifft. Wird meine Kunst helfen, wenn es um punktgenaue Treffer geht? Aber ich habe einen Plan und der hat noch immer funktioniert.

Zum besseren Verständnis erkläre ich noch einmal den Unterschied  von Kampfkunst und -sport. Klassisches Karate kennt keinen Erstangriff und dient ausschließlich der Selbstverteidigung. Block, Schlag / Tritt, Gegner tot (besiegt!), um es salopp auszudrücken.

Im Sportkarate werden Treffer gesetzt, die unterschiedlich gewertet werden. SportlerInnen müssen also angreifen lernen. Ich habe meist abgewartet und meine GegnerInnen ausgekontert. Das hat immer funktioniert.

Die Tage vergehen, in jedem Training wird nun fleißig Kumite geübt. Ich zeige wenig und weiche meist nur aus. Tai Chi gegen Karate, das macht mir Spaß. Oder ich überrasche mit hohen Taekwon-Do Kicks, die unerfahrene Karateka oft vor Probleme stellen.

Siebzehn Jahr, dunkles Haar …

Ein siebzehnjähriges Mädchen, das ich Yuna nennen möchte, ist der heimliche Star der kleinen Truppe. Sie stammt aus Okinawa und hat dort Shitō-Ryū Karate trainiert. Ihren Wunsch an Turnieren teilzunehmen, haben ihre Eltern respektiert. Nun trainiert sie bei meinem Vater.

Schnelligkeit und Aggressivität zeichnen Yuna aus, sie ist wirklich gut! Meist trainiert sie mit einem Jungen, der ihr hoffnungslos verfallen ist. Mein Kennerblick kann das sofort sehen. Auch der Teenager ist gut, hat aber keine Chance (bei ihr). Ob ich ihm helfen soll?

„Untersteh dich!“, flüstert Yuki, „die beiden machen das schon.“ „Na gut“, erwidere ich, „dann lege ich eben beide flach.“ Rein sportlich versteht sich! Yuki zuliebe und um niemand zu blamieren, habe ich darauf verzichtet. Bis zum Turnier.

Gegen jede Regel

Yuki schlägt sich tapfer, aber ihr fehlt jede sportliche Kampferfahrung. Daher scheidet sie schon in der ersten Runde aus. „Zum Glück!“, gesteht sie mir später, „Sportkarate ist überhaupt nicht mein Ding!“

Mein Blick über den Tellerrand von Karate, hat mir den Weg zu einem Stil geöffnet, der intuitiv, blitzschnell und hochdynamisch ist. Gegen Kicker gehe ich in den Nahkampf oder hole reine Faustkämpfer von den Beinen.

Auch Yuna gewinnt und kickt im letzten Kampf ihren Verehrer von der Matte. Das Mädel ist wirklich gut! Wer wird die neue Königin?

Yuna hat zwar den 1. Dan, aber keinerlei Wettkampferfahrung. Zwar ist ihr Shitō-Ryū ein guter Stil, aber Zweikämpfe werden von Menschen entschieden.

Mein selbstbewusstes Lächeln ist der erste Punkt (m)ein nicht regelkonformer Wurf das frühe Aus für mich. Aber so ist das Leben, manchmal muss Frau gegen jede Regel sein.

Mein Vater verdreht die Augen und Yuna verbeugt sich noch vor der Siegerehrung vor mir. Keine Ahnung, was das nun wieder bedeuten soll.

Starke Frauen: Rika Usami und Kiyou Shimizu

Freundinnen, die seit Jahren meinen Blog verfolgen, haben mir zum 5. Dan gratuliert. Leider konnte ich bisher keine dazu bewegen, auch einen Kommentar zu schreiben. Haben die etwa Angst?

„Ich erstelle mir doch keinen Blog!“, ist der einhellige Tenor, „es reicht doch, wenn ich dir eine Mail / SMS schicke!“ Das sehe ich natürlich anders und drohe scherzhaft Konsequenzen an. Aber die Mädels fühlen sich sicher, schließlich lebe ich weit entfernt.

Linda, mit der ich lange in Stuttgart Kurse gab, erinnert mich in einem Telefongespräch an zwei Videos, die ich schon lange mit meinen LeserInnen teilen wollte. Die beiden Filme zeigen die Japanerinnen Rika Usami und Kiyou Shimizu, die eine Kata in Reinkultur vorführen.

Eine Kata im Karate ist eine Übungsform, die aus stilisierten Kämpfen besteht, welche jedoch im Karate meist gegen imaginäre Gegner geführt werden. Ich kenne viele davon und kann sie auch gut laufen. Aber gegen die beiden Mädels aus dem Video, hat auch eine Mayumi keine Chance. Schon sehe ich Unverständnis auf den Gesichtern meiner LeserInnen und höre die Frage „Warum ist das so?“

Die Antwort ist einfach, Kata zu laufen ist für die beiden ein Beruf. Während ich mich auf reine Kampfkunst und Selbstverteidigung konzentriere, die Kata nur als Pflicht im Training zeige, ist sie für diese beiden die Kür.

Wer sich nun vielleicht die Frage stellt, ob ich die beiden bei einem Zweikampf – Kumite – schlagen könnte, der hat Karate noch immer nicht verstanden. Sportkarate hat Regeln, ich lehre pure Selbstverteidigung.

Ich bin stolz auf die Leistungen der beiden jungen Frauen, die fast wie Schwestern wirken. Niemand präsentiert eine Kata besser als sie. Das erste Video zeigt Rika Usami, die 2013 ihre Goldmedaille gewann und danach (fast!) Tränen zeigte. Dieser emotionale Ausbruch, hat ihr damals die Herzen zufliegen lassen.

Auch das Herz einer Kiyou Shimizu, die nun ihre Nachfolgerin ist. “I wish that my Kata will impress many people“, hat sie vor einigen Jahren in einem Interview gesagt. Und dann ist ihre Zeit angebrochen, nachdem Rika ihren Rücktritt erklärte. Nun ist sie die Königin.

 

Über Lindas Frage „Bist du bei den Spielen in Japan dabei?“ musste ich schmunzeln. Selbstverständlich werde ich dann in Japan sein und mir so viel wie möglich von Olympia und seinen starken Frauen ansehen.

 

Kuro-obi – Black Belt

Auf besonderen Wunsch einer Leserin, aber eigentlich weil ich es so möchte, wird es nun doch diesen Beitrag über meine (unsere!) Dan-Prüfung(en) geben. Er bildet die Ankunft in Japan und die jüngere Vergangenheit ab. Viel Spaß beim lesen.

Japan, Fukuoka, Heimat. Nie zuvor, habe ich das derart intensiv empfunden. Bin ich keine Deutsche mehr? Deutschland hat mich tief geprägt. Dafür werde ich auf ewig dankbar sein. Aber ich bin und bleibe Japanerin. Und so ist es gut.

Die Tante, der Onkel und meine Eltern erwarten uns in Fukuoka. Die Begrüßung ist für japanische Verhältnisse herzlich. „Hallo mein kleines Mädchen“, höre ich meine Mutter sagen. Hat sie etwa Tränen im Gesicht? Mein Papa schmunzelt, als ich „Hast du mich vermisst, Väterchen?“, frage.

Yuki freut sich ebenfalls. Familie ist nun mal wichtig, das habe ich schon immer gesagt. Und Yuki gehört ganz selbstverständlich dazu. Meine Cousine wird sofort von allen bemuttert. Die verlorene Tochter ist heimgekehrt. Wird die Therapie halten? Alle hoffen es.

Die Mädchen sind müde aber glücklich, so viele bekannte Menschen zu sehen. Ken wirkt traurig. Sein Freund hat sich feige per SMS getrennt. Manche Menschen sind einfach nur Idioten. Aber Ken schüttelt den Kopf, als ich meine Hilfe anbiete.

Glück und Tränen

Yuki vermisst ihre Eltern. Das war schon in Santa Barbara so. Was sie nicht weiß, die beiden sind längst in Japan angekommen. Kurz darauf fließen bei Elfchen die Tränen vor Glück und ihre Mutter weint gleich mit. Was die nur immer haben! Ich bin natürlich völlig cool.

Es fühlt sich ungewohnt und doch richtig an, um diese Jahreszeit in Japan zu sein. Ich mache einige schlechte Bilder der vorweihnachtlichen Hakata Station. Die spinnen meine Japaner! Aber so sind wir, traditionsbewusst und doch Neuerungen aufgeschlossen. Und auch Santa Claus habe wir natürlich adoptiert.

Es gibt viel zu erzählen, die Zeit vergeht wie im Flug. Nach einer kleinen Ewigkeit landen wir todmüde im Bett. Ich träume klar und laufe über verschneite Wiesen. Neben mir freut sich die Inari. Auch sie werde ich besuchen. „Du bist zu Hause, Mayumi“, sagt sie leise. „Ich freue mich auf dich.“

Dojo

Die Tage vergehen, im Dojo assistiere ich meinem Vater, der plötzlich die höheren Kata von mir sehen will. Was hat er nun schon wieder vor? Ich tue ihm den Gefallen und laufe sie perfekt. Nur die amtierende Weltmeisterin kann das noch besser.

Aber die, um einen Vergleich mit Autorennen zu ziehen, fährt in der Formel 1. Ich nur in der Oberliga. Die SchülerInnen schauen fast ehrfürchtig zu. „Das ist doch keine Meisterschaft!“, liegt mir auf der Zunge, aber ich verkneife mir den Satz. Manchmal kann auch ich ein Engel sein.

Es macht Spaß in Japan zu trainieren. Alles ist vertraut und doch ganz anders. Disziplin wird hier bewusst gelebt. Im Ausland wird Karate oft mit Kickboxen gleichgesetzt. Ein Fehler, der fatale Folgen haben kann.

Traditionelles Karate kennt keinen Erstangriff, aber die Verteidigung ist effektiv. Der aus dem Karate entstandene Sport lässt den spirituellen Hintergrund vermissen. Salopp ausgedrückt prügelt man sich dort nur.

Der Test

Bekanntlich ist mir ein Teil der Wartezeit zum 4. Dan erlassen worden. Alles ist möglich, wenn man das von offizieller Seite will. Yuki wird für den 1. Dan geprüft. Sie ist ein wenig aufgeregt, aber guter Dinge. Und dann ist es endlich soweit.

Ich verzichte auf die Einzelheiten der Prüfung, die wären nur für wirkliche Kenner interessant. Yuki besteht mit Bravour. Ich habe die Ehre ihr den Schwarzen Gürtel umzubinden. Sie war schon immer (m)eine Meisterin. Nur auf den Kuss muss ich verzichten. Manche Regeln gelten auch für mich.

Dann bin ich an der Reihe. Unter kritischen Blicke zeige ich mein Können, beantworte Fragen und erkämpfe mir den Weg im Kumite. Wie immer muss ich mich zügeln und darf keine fremden Techniken nutzen. Normalerweise mache ich das instinktiv.

Hochkonzentriert beende ich den letzten Prüfungsteil. Plötzlich gibt es eine unerwartete Pause. Ist irgendwas passiert? Man bittet mich um einen Augenblick Geduld, die Prüfer beraten sich.

Kein Zweifel

Ich habe keinen Zweifel, dass ich bestanden habe. Aber etwas geht hier vor, das ich nicht auf der Rechnung habe. Ein älterer Sensei mit freundlichen Augen winkt mich herbei. Neben ihm sitzt mein Vater und der Rest der Kommission.

Japaner haben die Fähigkeit völlig ausdruckslos zu blicken. Das kann ich besser und schaue ungerührt zurück. Bei meinem Vater hat das noch immer in einem Schmunzeln resultiert. Man(n) teilt mir mit, dass ich die Prüfung bestanden habe. Plötzlich kommt ein „Aber …“

„Ihre Leistungen sind außerordentlich“, beginnt der alte Mann. „Wir haben das sehr ausführlich geprüft und auch wenn Sie normalerweise aufgrund ihres noch jungen Alters und der soeben erst bestandenen Prüfung zum 4. Dan, die Voraussetzungen für den 5. Dan nicht erfüllen, wird es, auf Antrag ihres Lehrers, eine Ausnahme geben. Sind Sie bereit?“

Yukis fassungsloses Gesicht werde ich nie vergessen. Für einen Moment spüre ich einen kleinen Stich im Bauch. Dann blicke ich in die Augen meines Vaters. „Du verdienst es!“, lese ich dort und er nickt mir aufmunternd zu. Einige Stunden später erhebt er mich in die Meisterklasse.

Meisterlich

Dan-Grade zu überspringen ist eine absolute Ausnahme und war lange verpönt. In meinem Fall und das erklärt man mir auch, ist es die lange Trainingszeit, meine überzeugende Darstellung der Techniken und mein Wissen, die diesen Schritt erst möglich machen.

Vermutlich liegt es auch daran, dass man Nachwuchs braucht und daher fördert. Und so ein wenig ist es Respekt vor meinem Vater, der immerhin einer Berufung folgte und die Jugendauswahl für Olympia trainiert.

Auch zahlt sich aus, dass ich bei meinen zahlreichen Seminaren immer „Gōjū-Ryū Karate“ unterrichtet habe. Zumindest auf dem Papier. Jetzt verstehe ich endlich, warum Schlitzohr Papa Kopien davon wollte. Diese Seminare werden als außerordentliche Leistung gewertet.

Ich brauche keinen Dan, als Aushängeschild, aber diese Ehrung erfüllt mich mit Stolz. Wer nun glaubt man habe mir diesen Gürtel geschenkt, der hat keine Ahnung von Karate! Die Prüfung war ultrahart, jeder Schritt, jede Antwort musste stimmen.

Eigentlich, das sagt man mir auch, hätte es keiner Prüfung bedurft. Wieder war es mein Vater, der genau darauf bestand. „Um Vorteilnahme auszuschließen“, erklärt er mir später. Das finde ich gut, er hätte mir den Gürtel auch schenken können, Dan Grade können in Ausnahmefällen ohne technische Prüfung vergeben werden.

„Und was erwartest du dafür?“, will ich von meinen Vater wissen, als wir wieder zu Hause sind. „Dass du eine gehorsame Tochter bist“, kommt seine Antwort wie aus der Pistole geschossen. Er flüchtet, als er meine Blicke sieht und meine Mutter lacht. Das ist japanischer Humor, wie ich ihn gern mag.

Der 5. Dan bedeutet für mich, dass ich nicht länger Schülerin bin. Ab dieser Stufe zähle ich zur Meisterklasse, wo mein Vater schon lange zu Hause ist. Er ist mächtig stolz, das kann er kaum verbergen. Auch auf Yuki, die er wie eine zweite Tochter liebt.

Japan, Fukuoka, Heimat. Nie zuvor, habe ich das derart intensiv empfunden. Ich bin zu Hause angekommen. Frohe Weihnachten euch allen. Wir lesen uns, das ist doch klar.

Fremde Heimat – Rückblicke und Ausblicke 2017

2017 hat endgültig eine Weltreisende aus mir gemacht. Japan, Schweden, China, USA, die Meilen schienen endlos zu sein. Aber ich bin schon lange in meiner Heimat angekommen.

Angekommen sind 2017 wieder sogenannte Flüchtlinge in Deutschland. Zumindest wird das noch immer gern von diversen Medien propagiert. Dass es sich bei 43 Prozent der unbegleiteten Jugendlichen um Erwachsene handelt, wird gern verschwiegen. KLICK MICH

Die CDU/CSU hat sich auf eine flexible Obergrenze von 200.000 verständigt, die schon lange überschritten ist. Aktuell müssten eine halbe Million Menschen Deutschland wieder verlassen. Bleiben sie, ist das Wasser auf die Mühlen der Populisten.

Die vorherrschende Diskussion um Bleiberecht und Asyl verschleiert, dass viele keine Flüchtlinge sind. Ganze Clans haben sich schon vor 2015 auf den Weg gemacht und sind vorübergehend in anderen arabischen Staaten untergekommen. Frau Merkels „Grenzöffnung“ bot ihnen die Chance, ins gelobte Land zu kommen.

Familie(nnachzug) ist wichtig

Deutschlands linke Parteien sind sich ausnahmsweise einig, der Familiennachzug ist wichtig! Ohne Sinn und Verstand wollen sie weiter Hunderttausende ins Sozialparadies holen. Vielleicht um im Austausch in deren Länder auszuwandern.

Warnende Stimmen werden als Außenseiter diffamiert. Die „Nazi-Keule“ droht noch immer. KLICK MICH Von den Medien Verblödete klatschen selbst dann noch im Takt, wenn die eigene Haustür aufgebrochen wird.

Die Ausländerkriminalität in Deutschland ist explodiert. Das BKA hat berichtet. Täglich lesen wir von Übergriffen. Allein der Deutsche schweigt verschämt. „Ach das passiert doch alles  nur anderswo!“ „Mit dem Terror leben lernen“, hat der Bundesinnenminister propagiert. Dümmer geht es nimmer.

JapanerInnen und die anderen

Man hat mir vorgeworfen, dass auch JapanerInnen in Deutschland nie wirklich angekommen sind. „Ihr lebt doch wie auf einer Insel!“ Ihren Fehler sehen diese Menschen nicht. JapanerInnen sind eine Bereicherung und sie arbeiten hier.

Als Kind zweier Welten, habe ich stets die Schwierigkeiten erkannt. Während ich perfekt integriert bin, haben sich andere nie darum gekümmert. Sie pflegen Bräuche, die schon im europäischen Mittelalter einer kulturellen Steinzeit zuzuordnen waren.

Holt man nun weiter solche Menschen ins Land, wird es noch mehr Parallelgesellschaften geben. Schon brennen israelische Flaggen in Berlin. Fanatische Muslime haben sie angezündet. Wann brennen (wieder) die Synagogen?

Es hilft wenig, wenn nun PolitikerInnen ihr Bedauern und ihre Solidarität ausdrücken. Dieser Akt ist ein Fall für die Justiz. Aber Muslime genießen in Deutschland Sonderrechte. Man duckt sich vor dem politischen Islam.

Daher sage ich klar: Hilfe für wirklich Verfolgte ja, aber nicht mit unbegrenzten Mitteln. Reine WirtschaftsmigrantInnen sind keine Bereicherung für ein Land. Wer das leugnet sollte den Blick auf Schweden richten, das massive Probleme mit Migranten hat.

Deutschland muss sich endlich für ein Einwanderungsgesetz entscheiden, das diesen Namen auch verdient. Alles andere ist Selbstmord auf Raten und gibt denjenigen recht, die davor seit Jahren warnen.

Religion(en)

Japan ist zum größten Teil buddhistisch. Augenzwinkernd werden aber auch Elemente anderer Religionen übernommen. Wir mögen christliche Bräuche und Feiertage. Selbst Weihnachten hat es nach Japan geschafft.

Aber niemand in Japan versteht, warum Europa von Menschen eines Kulturkreises geflutet wird, die eine altvordere Lebensweise mit sich bringen. „Warum gibt man in Deutschland die Freiheit auf?“, hat mich mein Onkel gefragt.

Er meinte damit die Diskussion(en) um Scharia und andere islamische Bräuche, die in krassem Gegensatz zur Aufklärung und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung Europas stehen. Das wäre undenkbar in Japan. Wir geben uns niemals auf.

Aber der Islam war niemals eine Religion. Er ist und bleibt eine politisch motivierte Ideologie mit dem Ziel der Weltherrschaft. Die Schriften des Islam sind von Menschen geschrieben. Kein Gott hat deren Hand geführt.

Politik

„The Show must go on!“, heißt es in der Politik. Und diese Show erleben wir seit Wochen. Aber während die AfD immer mehr punkten kann, bauen die anderen Parteien weiter ab. Vieles mag inszeniert oder persönlichen Befindlichkeiten geschuldet sein. Und was interessiert PolitdarstellerInnen schon das Geschwätz von gestern.

Wie ich wirklich über Politik denke, habe ich bereits ausführlich geschrieben. Daher nur kurz: Bezahlte Schafhirten führen die Lämmer. Die Eigentümer der Herde bleiben unsichtbar.

Deutsche  Medien haben noch immer Donald Trump im Visier, der im Gegensatz zu anderen US-Präsidenten, viele seiner Wahlversprechen hält. Dass sich an der amerikanischen (Außen)Politik wenig ändert, bleibt den meisten verborgen. „America first!“, war schon immer die Devise der USA.

Politisch (un)korrekt

Politische Diskussionen in Deutschland sind von Hass und Populismus geprägt. Die alten Feinde „Links“ und „Rechts“, erleben eine Wiedergeburt. Aber woran liegt das?

Mitte der 1960er Jahre hat es einen „linken Aufbruch“ gegeben, der Deutschland und Europa überrollte. Langsam aber stetig hat er die Macht übernommen und Land und Leute tief geprägt.

Aber die Linken haben fertig, ihre Zeit ist um. Unfähig sich an die Neuerungen anzupassen, hat sich eine SPD unter Schröder an die Wirtschaft verkauft. Diesen Fehler zu korrigieren schaffen die millionenschweren GenossInnen nicht und halten eisern an den lieb gewonnenen Fleischtöpfen fest.

Ebenso wie an ihren alten Zielen, die „Freiheit“ und „soziale Gleichheit“ für den einfachen Arbeiter wollen. Aber das sind die Thesen von gestern. Der Blick nach vorn ist angesagt.

Das Kernproblem der Linken ist einfach zu erkennen, ihre eigentliche Klientel bricht immer weiter weg. Die Globalisierung hat dafür gesorgt, dass viele „ArbeiterInnen“ ihren Job verloren haben oder von Lohndumping und Kurzarbeit betroffen sind. Und der Mittelstand existiert bald nur noch auf dem Papier.

SPD und GRÜNE haben dagegen noch kein Konzept gefunden. Und die LINKEN sind auch nur als trauriges Zerrbild eigener Ideologien anzusehen. Gleichzeitig hat sich die CDU unter Merkel von Mitte-Rechts nach Links verschoben und so den Neo-Konservativen Platz gemacht.

Mit dem Wegfall der politischen Mitte erstarken naturgemäß die Ränder. Aber während die linksgrünen Antifaschisten nur Steine werfen und Parolen brüllen, hat es die Alternative für Deutschland in den Bundestag geschafft.

Die bürgerliche Mehrheit

Zwar haben CDU/CSU massiv verloren, aber FDP und AfD dadurch gestärkt. Nur wenige wagen die Tatsache auszusprechen, dass das bürgerliche, liberal-konservative Lager seit der Bundestagswahl 2017 eine Mehrheit hat, diese aber aus persönlichen Befindlichkeiten (noch) nicht nutzen will.

Ob und wie lange die AfD in der jetzigen Form (noch) existiert, hängt von mehreren Faktoren ab, über die ich bereits mehrfach geschrieben habe. Merke, „die AfD“ gibt es nicht. Die Partei besteht aus mehreren Flügeln, die miteinander um die Macht ringen.

Dass dies, anders als von den Medien dargestellt, durchaus im normalen Rahmen geschieht, wird gern übersehen. Ebenso wie der „Rechtsruck“ der FDP, die der österreichischen FPÖ auf den politischen Fersen ist.

Wem gehört die Welt

Die momentanen Ereignisse in der Welt sind alles andere als positiv zu sehen. Der Kampf um die Ressourcen nimmt groteske Züge an, dem ganze Länder zum Opfer fallen. Die Brandspur zieht sich durch den Nahen Osten und hat nun Nordkorea im Ziel.

„Arabien“, der Nahe Osten, schwimmt in zig Milliarden Petro-Dollar. Trotzdem gibt es dort noch immer Armut und Krieg. Das Geld landet nur bei der Elite. Europa liefert Waffen und zahlt nun einen hohen Preis.

Dahinter steckt ein System, das schwer zu durchschauen ist. Falsche Informationen werden oft gezielt gestreut, um die Wahrheit zu verdecken. Da hilft es auch wenig, wenn man diplomatische Kontakte hat. Die reden um den heißen Brei oder werden selbst für dumm verkauft.

Fakt ist, dass hinter vielen Aktionen das vom Großkapital angetriebene Imperium USA steckt. Diese unheilige Symbiose strebt nach absoluter Weltherrschaft, um alles und jeden zu kontrollieren.

Vielleicht sollten sich die Unterdrückten der Dritten Welt und die medial Verblödeten der Industrienationen endlich besinnen und die herrschende Klasse zum Teufel jagen, um es salopp und wenig damenhaft auszudrücken. Zeit wäre noch.

Blog

Mein Blog hat turbulente Zeiten durchgemacht. Ohne mit der Wimper zu zucken, habe ich mich auch 2017 von diversen LeserInnen getrennt. Machos, Schlangen und Xanthippen sind und bleiben unerwünscht. Und an einigen (Blogs), habe ich das Interesse verloren.

„Mehr Politik!“, hat man von mir gefordert, andere haben das feine Näschen gerümpft und mich prompt für kritische Beiträge geächtet. Nun kümmert mich wenig, was andere denken. Das ist mein Blog, hier gelten meine Regeln. Wer nur provozieren will, der fliegt.

Ich erwarte, dass sich LeserInnen an die Grundregeln der Höflichkeit halten. Attacken sind daher verpönt und landen sofort im Abfalleimer. Inklusive der VerfasserIn. Da hilft es auch wenig, den Namen (des Blogs) zu ändern.

Zukunft

Deutschland ist mir fremd geworden. Ich schließe momentan aus, in absehbarer Zeit wieder dort zu leben. Ob Los Angeles (Santa Barbara) oder Fukuoka, wird sich noch entscheiden.

Entschieden haben wir uns im Frühjahr 2018 in die Wudang-Berge (China) zu gehen. Im Gegensatz zu vielen anderen, wird das keine Suche für mich sein. Ich sehe Tai Chi als Bereicherung und Erweiterung meiner Kunst.

Noch ist unklar, ob es sich lediglich um einen Kurztrip oder doch um einen längeren Aufenthalt handeln wird. Auch wenn ich natürlich (k)eine Millionenerbin bin, das Geld wächst niemals auf den Bäumen. Hat jeder den Spaß erkannt?

Beruf(ung)

Ich sei „Sponsored bei Papa“, habe ich mir angehört und darüber herzlich gelacht. Eher das Gegenteil ist momentan der Fall. Meine Biestigkeit führt seit einer Weile alle Geschäfte meines Vaters. Die aber und auch das sage ich ganz selbstbewusst, mit Erfolg.

Väterchen kann sich daher ausschließlich seiner Berufung (Karate) widmen. Ich regiere so nebenbei die familiär-finanzielle Welt und ärgere Manager und Firmeninhaber, wenn ich bei der Sanierung von Firmen zuerst ihre Gehälter kürze.

Auch in der Autobranche bin ich weiter tätig und habe mir schon im Sommer und just for fun, einen Mitsubishi Lancer Evolution angeschafft. Der Wagen gehörte einem älteren Japaner, der ihn kaum gefahren ist.

Herr Nagase ist ein alter Freund der Familie, schon 89 Jahre alt und hat mir den Wagen unter der Bedingung überlassen, ihn niemals zu verkaufen. Das habe ich versprochen.

Familie

Meine beiden Nichten sind mir ans Herz gewachsen. Ich sehe den Wunsch auch in Yukis Augen, sie weiter zu bemuttern. Wir beide schaffen das, da bin ich mir völlig sicher.

Meine Cousine wird auf unabsehbare Zeit nicht in der Lage sein zu arbeiten oder sich in Vollzeit um die Mädchen zu kümmern. Die Depression hat sie noch immer im Würgegriff.

Noch gibt es keinen konkreten Plan, aber Yuki und ich haben nach einer kurzen Diskussion unsere Hilfe angeboten. Auch Ken wäre involviert, er wird seine Schwester weiter unterstützen.

Im Klartext könnte das bedeuten, dass wir das Sorgerecht oder die Vormundschaft übernehmen. Inklusive der Betreuung meiner Cousine. Und den Ersatzvater spielt dann Ken. Familie ist wichtig. Aber das habt ihr schon gewusst.

Die einzige Frage wäre der Ort. Aber Los Angeles hat allen gefallen. Wir entscheiden das, wenn wir zurück aus China sind. Leider können die Mädchen nicht dorthin mit.

Karate

Mein Vater versucht mich noch immer sanft zu überreden, doch eine gehorsame Tochter zu sein. Augenzwinkernd versteht sich! Warum er das sagt ist eine ganz andere Geschichte und hat mit Karate und meiner Dan-Prüfung zu tun.

Ich habe auf einen Bericht verzichtet, worüber hätte ich schreiben sollen? Die Fachbegriffe sind nur für Kenner interessant. Dan-Grade sind unwichtig für mich. Aber auch ich musste erkennen, dass sie mir einen gewissen Vorteil bringen, wenn es um Training und die eventuelle Eröffnung eines eigenen Dojo geht.

„Den nächsten (Schwarzen) Gürtel mache ich im Taekwon-Do“, necke ich meinen Vater, als er mir den Gürtel überreicht. „Ich kann sowieso viel höher kicken als du.“ Habe ich schon erwähnt, dass nur ich meinen Vater zum Lachen bringen kann?

(Wochen)Ende

Aus Japan zu bloggen ist schwerer, als ich angenommen hatte. Plus 8 Stunden Zeitunterschied machen spontane Antworten oft unmöglich. Außerdem sind wir viel unterwegs.

Japan im Winter zu sehen ist Pflicht! Daher werden wir uns am Freitag auf die Reise nach Sapporo und dem Onuma Park machen. Der Flug ist gebucht, die Reise dauert 2 Stunden.

Ich melde mich dann wieder nächste Woche, wenn wir nicht erfroren sind. Wobei wir die japanische Unsitte mit Miniröckchen durch den Schnee zu stapfen, den verrückten Mädels aus Tokio überlassen.

Karate heute – Zurück zu den Wurzeln

Vor mehr als einem Jahr, habe ich den Beitrag „Das ist Karate!“ verfasst. Dort habe ich auf die Unterschiede zwischen der Kampfkunst und dem daraus entstandenen Sport hingewiesen.

Aber noch immer herrscht großes Unverständnis darüber, was Karate wirklich ist. Kickboxer und muskelbepackte Mixed Martial Arts (MMA) Fighter rühmen sich, die besten auf der Welt zu sein.

Aussagen wie diese zeigen nur wieder, dass man(n) wie so oft nichts versteht. MMA ist ein Sport, bei dem es feste Regeln gibt. Traditionelles (Okinawa) Karate dient nur der Selbstverteidigung.

Wieder sind es die beiden Sensei aus dem damaligen Video, die „Karate für die Straße“ zeigen. Und das wie ich finde richtig gut! Vermutlich werden nun einige LeserInnen verblüfft die Köpfe schütteln und sagen „Das habe ich schon anderswo gesehen!“

Ja, das haben sie wirklich, andere Kampfsportarten haben sich nämlich kräftig beim Original bedient. Auch und ganz besonders, das angeblich so tolle MMA, das lediglich die niederen Instinkte der Massen anspricht.

Aber bis auf das damals noch unbekannte Boxen, hat man so schon vor Jahrhunderten auf Okinawa trainiert. Mit allerdings erheblichen Konsequenzen für Angreifer, wenn es den Ernstfall gab.

Immer mehr Sensei besinnen sich auf die Wurzeln des Karate und wollen diese entweder selbst lernen, oder an ihre Schüler weitergeben. Vielleicht hat dieses neue Interesse an (m)einer Kunst etwas mit den Olympischen Spielen in Japan zu tun und bietet die einmalige Chance, den Wettkampfsport Taekwon-Do abzulösen.

 

 

Leben und andere Kleinigkeiten

Unser Leben in den USA ist anders. Hektischer. Was auch mit meiner Cousine zu tun hat, wir pendeln oft zwischen Santa Barbara und Los Angeles. Es geht ihr besser. Sie ist aktiver und nimmt am Leben teil.

Unsere Freundschaften halten, das Wetter auch. Und mein 4. Dan rückt in greifbare Nähe. Die Techniken sitzen, die Prüfung werde ich bald in Japan machen. Unter Papas strengen Augen, ist doch klar.

Ich übe mit einem Experten, der auch MMA unterrichtet. Seiner ältesten Tochter habe ich dafür mein Karate beigebracht. Nachdem ich ihr zeigte, wie der Ringboden aussah. Mehrfach versteht sich. Heute sind wir dicke Freunde.

Ken wird mit seiner Schwester ebenfalls zurück nach Japan fliegen. Heimat wir kommen. Schon wieder! „Wie finanziert die Japanerin das?“, werden sich Neugierige fragen. Ich arbeite hart für mein Geld. Mehr muss niemand wissen.

Mein Blog verwaist, mir fehlt die Zeit täglich Beiträge zu lesen. Auch meine Sprache leidet. In meinem Kopf ist ein bunter Mix aus Deutsch, Englisch, Japanisch und Mandarin (chinesisch), das ich unbedingt besser kennenlernen will.

Warum Mandarin? Wir planen einen Aufenthalt in China, genauer den Wudang-Bergen. Feng und Fan Fan werden uns begleiten. Die Reise wird im Frühling 2018 sein. Der Plan ist einerseits unser Tai Chi zu verbessern, aber auch Neugier auf China insgesamt.

Ein kurzer Rückblick. Santa Barbara, 25.10.2017. Der Ort, das Haus von Ally und Heather. Yuki macht Frühstück und ich helfe natürlich mit. Während ich Tee koche kommt mir eine Szene in den Sinn. Und biestig wie ich bin, werde ich sie mit euch teilen.

„Willst du, Mayumi, die hier anwesende Yuki zur Frau nehmen, so antworte mit Ja.“ So oder ähnlich wird es später klingen, wenn wir zum zweiten Mal heiraten werden. Wobei das eigentlich die erste Heirat ist, bisher leben wir nur in einer „eingetragenen Lebenspartnerschaft.“

„Aber eine Heirat in den USA zählt doch in Deutschland nicht automatisch!“, höre ich bereits die berechtigte Kritik. Das ist richtig. Aber wer sagt, dass wir zurück nach Deutschland gehen? Falls doch ist es lediglich ein Federstrich.

„Aber zwei Frauen können doch nicht heiraten!“, werden sich auch einige Homophobe empören. Für die gibt es wie immer meinen wunderschönen Mittelfinger.

„Glaubst du wirklich, dass ich dich heirate?“, will Elfchen wissen und lacht über das ganze Gesicht. „Neun Jahre halte ich dich jetzt schon aus, vielleicht sollte ich mir eine Neue suchen.“

„Mach doch“, erwidere ich ungerührt, „ich schnappe mir dann ein nettes Blondchen.“ „Und wer kocht dir dein Essen?“, kontert Yuki frech. „Du wärst doch längst verhungert ohne mich.“

„Soll das heißen, dass ich dich jetzt vernaschen darf?“, frage ich gut gelaunt und gehe auf sie zu. „Geh weg!“, kreischt Yuki, „ich habe schmutzige Hände!“ Ungerührt werfe ich ihr ein Handtuch zu, das sie sofort als Waffe gegen mich benutzt.

„Willst du mich heiraten?“, frage ich aus sicherer Entfernung und höre etwas, das wie „Baka“ klingt. „Also ja“, sage ich und gebe ihr einen Kuss. „Und jetzt trödle nicht rum du Elfenmaus. Wir haben später noch die Welt zu retten.“ Frech wie Yuki ist hat sie: „Und wer rettet mich vor dir?“ gefragt.

 

 

Karate als Therapie

Dieser Beitrag ist noch vor unserer Abreise nach Los Angeles entstanden und hat es erst jetzt auf meinen Blog geschafft. 

Bekanntlich hatte ich meine Cousine nach Deutschland geholt, um sie auf andere Gedanken zu bringen. Ihre Töchter waren begeistert und haben unsere Herzen im Sturm erobert. „Tante Yumi mach mal Spaß!“, war noch die harmlose Variante ihrer Begeisterung.

Karate ist ein Fremdwort in der Familie meiner Mutter. Diese Tradition hat sich über meinen Vater an mich vererbt. Nur mein Onkel ist als Polizist damit vertraut. Die Mädchen trainieren tapfer mit, als wir sie mit ins Training nehmen. Sie haben das schon öfter gemacht und ihre Mutter schaut immer dabei zu. Meine Cousine ist etwas älter als ich, wir hatten nie sehr innigen Kontakt. Vermutlich war ich ihr zu wild, ich habe immer nur mit Cousin Ken gespielt.

Trotzdem ist unser Verhältnis gut, in unserer Familie gibt es keinen Streit. Unsportlich war meine Cousine nie, sie hat in der Schule Leichtathletik gemacht. Aber das ist nun schon eine Weile her. Seit der Geburt der Kinder ist sie Hausfrau gewesen.

Die Mädchen zeigen uns stolz ihr Können, meine Cousine lächelt und freut sich für sie. „Was wäre, wenn du es auch versuchst?“, stelle ich die entscheidende Frage. Yuki schaut mich an, sie weiß was jetzt passiert.

Cousinchen reagiert auf typisch japanische Art, sie lächelt verlegen und hält sich die Hand schnell vor den Mund. „Ja, ja, ja, Mama!“, rufen die Mädchen im Chor und auch die anderen Frauen nicken. Die Trainerin macht sowieso was ich sage, sie war früher meine Schülerin.

Es macht nun keinen Sinn im Einzelnen auf das Training einzugehen. Geholfen hat es, was nicht immer selbstverständlich ist. Die Depression meiner Cousine ist durch den Schock des Betruges ausgelöst worden, auch wenn es schon vorher in der Ehe kriselte.

In langen Gesprächen haben wir die Wahrheit erfahren. Schon als sie 2015 zu Besuch in Deutschland war gab es kleinere Probleme. Die Details bleiben privat. Wer länger verheiratet ist, wer vielleicht selbst schon eine Scheidung hinter sich hat, wird wissend nicken. Ehekrisen sind weltweit immer gleich.

Während meine Cousine auf ihre Art um die Beziehung kämpfte, hat ihr Mann schon damals andere Frauen gehabt. Er hat es ihr gestanden, was mich in Rage brachte. Prompt habe ich gehandelt. Wie, das wisst ihr bereits.

Seit unserer Rückkehr nach Deutschland trainiert meine Cousine bei uns mit und beweist einiges Talent. Zumindest was die weiche Abwehr von Angriffen betrifft. Nur selbst zuzuschlagen fällt ihr schwer. Dabei ist die Idee fernöstliche Kampfkünste als Therapie einzusetzen nicht neu. In einer Studie hat man bereits an Parkinson Erkrankte ins Karate geholt.

Als ich meine Tante und Ken informiere, zeigen sie sich begeistert. „Barbie-Cousinchen, du bist die absolute Wucht!“, ruft er ins Telefon. „Ja klar“, erwidere ich trocken, „jetzt kann dich auch deine Schwester endlich verhauen.“

Der Psychologe in Los Angeles hat mittlerweile bestätigt, dass die Idee Früchte trägt. Meine Cousine ist auf dem Weg der Besserung. Karate als Therapie! Ich liebe es, wenn (m)ein Plan funktioniert. 

Und Macheath, der hat ein Messer …

Dieser Beitrag stellt keinen Aufruf zur Gewalt dar. Er richtet sich an interessierte LeserInnen, die mehr über Selbstverteidigung erfahren möchten und vielleicht einen kleinen Einblick in meine Welt gewinnen wollen. Entstanden ist er bereits vor meinem Urlaub. Ein Grund war mein blankes Entsetzen darüber, was von angeblichen „Experten“ in Sachen Selbstverteidigung angeboten und gelehrt wird. 

Juli 2017. Der Ort: Das Dojo eines Karate-Clubs. Das Land: Deutschland. Der Anlass: Ein Seminar für Selbstverteidigung. Die Zielgruppe: Frauen. SeminarleiterIn: Ich

In Deutschland ist das Interesse an Selbstverteidigung neu erwacht. Seit „Köln I“ haben Frauen meine Kurse überrannt. Aber kann ich ihnen wirklich Sicherheit bieten?

Zusammen mit meiner Freundin Linda, gebe ich Kurse in verschiedenen Städten. Die folgenden Szenen sind wirklich so passiert und ähneln sich immer wieder. Der Inhalt des Artikels bildet lediglich jene Ausschnitte ab, die zum besseren Verständnis der Thematik beitragen sollen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Mir geht es nicht darum, bestimmte Kampfkünste oder -techniken schlecht zu reden. Aber die Abwehr gegen ein Messer funktioniert meist nur im Dojo.

Der Grund ist einfach: Angreifer führen keine starre Technik aus. Abwehrtechniken dienen als Grundgerüst, um sich zu verteidigen. Das muss der Schüler wissen. Und der Lehrer auch.

Der (Dis)Kurs

Mehr als ein Dutzend Mädchen und Frauen stehen vor mir, die meisten sind völlig unerfahren und haben noch nie Selbstverteidigung praktiziert. Aber alle vereint sie der Wunsch nach Hilfe und wie Frau sich besser schützen kann.

Frauen müssen lernen, die eigene Angst zu kontrollieren. Hilflos kreischende Mäuschen braucht in diesen Tagen niemand. Selbst ist die Frau. Viele deutsche Männer kämpfen nur am Tresen. Hoch die Tassen, Prost!

Ich spreche allgemeine Dinge an, die Praxis kommt später. „Selbstverteidigung beginnt primär im Kopf“, beginne ich. „Ein aufrechter Gang, Blickkontakt mit einem möglichen Aggressor, vor allem die Vermeidung einer gefährlichen Situation sind nur einige Regeln, um sich als Frau zu schützen.“

„Aber bedeutet das nicht, auf liebgewordene Freiheiten zu verzichten?“, will eine Teilnehmerin wissen. „Ich gehe nun mal gern Party machen und ich habe keinen Freund.“ „Wo ist das Problem mit mehreren Frauen zu gehen, von denen eine fährt und nüchtern bleibt?“, ist meine Gegenfrage. „Man wechselt sich dabei ab, so hat jede ihren Spaß.“

„Und wenn uns wer mit der Waffe bedroht?“, kommt schon die nächste Frage, die typisch für das klischeehafte Denken mancher Menschen ist. „Die Chancen in Deutschland auf einen Bewaffneten zu treffen sind eher gering“, erwidere ich. „Eventuell wird ein Messer benutzt, aber meist damit nur gedroht. Die wenigsten Kriminellen haben Waffen.“

„Ja, aber was wenn doch?“, wird nachgehakt. „Wie schützt Frau sich dann?“ „Gegen einen Messerstecher gibt es fast keinen Schutz“, erwidere ich wahrheitsgemäß. „Gebt ihm was er verlangt, es ist in den meisten Fällen nur Geld!“ Aber die Frau will es wissen. „Und wenn er mehr will, also vergewaltigen und so?“, fragt sie.

Und Macheath, der hat ein Messer …

„Ich habe Dinge gesehen, die Ihr Menschen niemals glauben würdet … (Teilzitat aus dem Film „Blade Runner“)

Auch ich habe auf youtube Dinge gesehen, die mir die Tränen in die Augen trieben. Ich spreche von Abwehrtechniken gegen Messerstecher, die blanker Unsinn sind. Keine Kampfkunst, weder Karate noch Wushu (Kung Fu) oder Krav Maga, kann gegen ein Messer bestehen. Gibt es daran Zweifel? Dann bitte weiter lesen.

Schlimm dabei, der Messerstecher muss über keinerlei (Kampfkunst)Erfahrung verfügen. Ein Messer ist und bleibt tödlich. Wer etwas anderes verkauft, der lügt. Es mag es auf der Welt eine Handvoll Menschen geben, die gegen einen Messerstecher bestehen können. Ein reiner Kampfsportler kann das meist nicht.

Und damit könnte ich diesen Beitrag schließen und zur Tagesordnung übergehen. Aber es geht natürlich weiter. Ich hole ein Plastikmesser, stelle mich hinter Yuki und halte es an ihren hübschen Hals. „Was macht man dagegen?“, frage ich und schaue in die Runde. Hilflose Blicke. Es herrscht Ratlosigkeit, keine weiß ein Gegenmittel.

Wehrlos

„Yuki?“, frage ich, „weißt du etwas?“ „Ja“, erwidert Elfchen, „ich mache nichts! Bewege ich mich jetzt, ende ich mit durchschnittener Halsschlagader und verblute in weniger als zwei Minuten.“

„Aber wozu sind wir dann hier, wenn es keine Abwehr gibt?“, will die Frau wissen, die es noch immer nicht verstanden hat. „Du bist hier um zu lernen, wie du diese Situationen vermeidest,“ erwidere ich. „Und was du doch tun kannst, wenn jemand wirklich etwas Böses von dir will. Mit und ohne Messer.“

Ich löse mich von Yuki und trete einen Schritt zurück. „Spielen wir die Szene real durch. Das hier ist eine dunkle Straße, ich bin ein Finsterling und sie auf dem Weg nach Hause. Ich komme ihr entgegen, sie sieht mich und handelt.“

Wir gehen aufeinander zu, Yuki hält Blickkontakt mit mir und lässt mich keinen Moment aus den Augen. „Hey Süße“, sage ich und bleibe stehen. „Was machst du hier so allein?“ „Lass mich in Ruhe!“, erwidert Yuki mit lauter Stimme. Sie hält Blickkontakt und beobachtet dabei kurz die Umgebung, aber ich bin allein.

„Ach jetzt hab dich doch nicht so, Schätzchen“, gebe ich den Bösewicht. „Ich will doch nur etwas Spaß mit dir!“ Yuki läuft los, die Mädels schauen perplex. „Weglaufen, meine Damen!“, sage ich, „immer weglaufen, wenn das möglich ist!“

„Und wenn ich meine hohen Schuhe trage?“, will eine andere Frau wissen. „Dann ziehst du sie aus“, sage ich. „Und zur Not kannst du sie noch als Waffe benutzen.“ Die Frauen sind nicht überzeugt. Die Angst vor einem Vergewaltiger sitzt tief. Leider auch die Hemmungen sich wirklich zu wehren.

Gestochen scharf

Ich reiche das Plastikmesser in die Runde. „Schaut euch das genau an“, sage ich. „Im Gegensatz zu den meisten Küchenmessern, hat dieses hier zwei Schneiden und wäre real noch gefährlicher. Angeblich funktionierende Abwehrtechniken sehen meist nur im Dojo gut aus und bringen dem Anbieter eines Kurses viel Geld. Aber sie sind so gut wie immer nutzlos, wie ich euch zeigen werde.“

Linda, die einen schwarzen Pullover trägt, stellt sich in Positur. Ich hole ein mit einem Kreidestück präpariertes Plastikmesser und gebe erneut den Bösewicht. Aggressiv „steche“ ich auf Linda ein, die weder meine Angriffe abwehren noch ihnen ausweichen kann. Schnell füllt sich der Pullover mit weißen Strichen.

Wir zählen nach und kommen auf 17 Treffer, die Frauen schweigen betroffen. „Der Fehler, der in solchen Kursen gemacht wird, es wird davon ausgegangen, dass der Angreifer den Arm stehen lässt. Aber selbst ein ungeübter Messerstecher wird genau so nicht handeln und mehrfach zustechen oder schneiden. Das Ergebnis könnt ihr bei Linda sehen.“

„Und es gibt wirklich überhaupt keine Möglichkeit der Abwehr?“, will eine Frau wissen, die sichtlich verängstigt wirkt. „Doch“, erwidere ich, „aber die wirst du als Ungeübte nicht überleben. Ich zeige euch etwas anderes. Linda?“

Linda nickt und gibt nun die Angreiferin. Ich habe ein Handtuch gegriffen, dass (m)eine Jacke darstellen soll und werfe es ihr ins Gesicht. Während sie abgelenkt ist laufe ich weg. Gefahr gebannt. Punkt.

„Auf Distanz bleiben, ist die oberste Regel,“, sage ich. „Werft etwas nach ihm. Ein Feuerzeug vielleicht eine Zigarette, eine Jacke die ihr auf den Arm tragt oder greift in einem Raum nach egal was! Es spielt keine Rolle, ob es ein Aschenbecher, eine Flasche oder ein Teller ist. Werfen und dann weg!“

Komm mir (nicht!) zu nahe!

„Im Fernsehen habe ich mal gesehen, wie ein Experte einen Messerstecher entwaffnet hat“, meldet sich eine Frau zu Wort. „Er hat gesagt, man solle in den Angreifer gehen. Ist das denn falsch?“

„Vielleicht ist er ein Ausnahmetalent“, erwidere ich, „oder er kann Gedanken lesen. Man kann die Distanz verkürzen, wenn man eine Chance sieht. Aber im Normalfall bist du dann tot oder schwer verletzt. Also lass es.“

Ich warne an dieser Stelle ausdrücklich davor, mit bloßen Händen gegen Messerstecher vorzugehen. Und ich warne eindringlich vor sogenannten „youtube-Meistern,“ die diesen Schwachsinn verkaufen. Es gibt mehrere Beispiele, die ich auf keinen Fall bewerben will. Diese Menschen handeln grob fahrlässig.

Ihnen geht es vermutlich um „Klicks“, sprich Geld, das sie mit Werbung auf ihrem Kanal oder mit ihren Kursen verdienen. Noch unsinniger ist übrigens die Abwehr gegen eine Pistole. Auch die funktioniert meist nur im Film.

Es gibt Ausnahmen im militärischen Bereich. Aber dann muss ich wissen was ich mache, wie ich einen Aggressor ablenken kann, um eine eigene Aktion zu starten. Für die meisten Menschen gilt: Finger weg von solchen Abwehrtechniken.

Hol das Stöckchen!

In vielen Kursen wird gelehrt, wie man sich gegen Messer mit einem (Teleskop)Schlagstock verteidigt. Das funktioniert schon, aber …! Wer hat in der Realität einen Stock dabei? Wo liegt in einer U-Bahn oder dunklen Seitenstraße ein abgebrochener Ast?

Davon abgesehen gilt ein Teleskopschlagstock als Waffe und darf in der Öffentlichkeit von Privatpersonen nicht mitgeführt werden. Im Dojo sieht das anders aus. Hier darf ich ihn zu sportlichen Zwecken benutzen.

Ich zeige meinen staunenden Teilnehmerinnen, wie einfach Frau sich mit einem  Teleskopschlagstock wehren kann. „Aber das“, füge ich hinzu, „erfordert Übung. Und von euch hat keine einen solchen Stock dabei. Das ist sicher.“ Die Verwirrung bei den Frauen wächst, bin ich zu weit gegangen?

„Vielleicht habt ihr einen Regenschirm“, sage ich und Elfchen stellt sich in Positur. „Mit einem Regenschirm kann man einen Gegner auf Distanz halten, ihn entwaffnen und auch zu Fall bringen. 

Wichtig dabei, schnell und effektiv zu handeln. Ein Schlag auf die Finger, den Oberschenkel oder zwischen die Beine, ein Stich in den Bauch, all das wirkt wahre Wunder. Wir üben das jetzt.“

Die Frauen sind erleichtert und das Seminar nimmt seinen Lauf. Einige beweisen Talent, andere Hemmungen. Wie kann ich ihnen helfen? „Alltägliche Gebrauchsgegenstände sind effektive Mittel zur Selbstverteidigung“, gebe ich den Frauen mit. „Und was ist, wenn wer den Schirm greift?“, kommt die ebenfalls erwartete Frage.

„Dann lässt du los“, erwidere ich. „Schaut her.“ Yuki greift nach meinem Schirm, den ich zur Abwehr nutzen will. Ich lasse ihn einfach los und sie kassiert zwei (angedeutete) Ohrfeigen. Dann laufe ich weg. So einfach kann das sein. Möglichkeiten gibt es immer.

„Greift er den Schirm, sind seine Hände blockiert und ich kann gegen sein Knie oder Schienbein treten“, fügt Yuki hinzu. „Ein Angreifer hat dann schlechte Karten und ich erneut die Kontrolle.“ Elfchen hat viel gelernt. Ich bin stolz auf sie.

Es geht eine Träne auf Reisen

„Und was ist mit Pfefferspray?“, kommt eine ebenfalls erwartete Frage, die mir in allen Seminaren begegnet. „Grundsätzlich müssen wir zwischen Pfefferspray und CS-Gas unterscheiden“, erwidere ich. „Zum Einsatz gegen Menschen ist in Deutschland nur CS-Verteidigungs-Spray zugelassen.

CS-Gas ist relativ harmlos und kann bei falscher Anwendung mehr Probleme verursachen als lösen. Pfefferspray ist in Deutschland für die Tierabwehr gedacht und darf nur in einer wirklichen Notsituation gegen einen Aggressor eingesetzt werden.“ 

Ich demonstriere das mit einer leeren Dose, die Yuki in einer Handtasche hat. Als ich sie belästige versucht sie danach zu greifen, was ihr aber nicht gelingt.

„Solche Sprays sind in der Handtasche völlig nutzlos“, sage ich. „Wenn es mitgeführt wird, sollte die Dose stets in der Hand gehalten werden, wenn Frau sich vielleicht in einer dunklen Tiefgarage aufhält.

Beim Einsatz im Freien ist auf den Wind zu achten. Weht der von vorn, werde ich auf keinen Fall sprühen. Sonst gehen meine eigenen Tränen auf Reisen.“ Alles lacht, der Spruch war gut.

Und es geht doch

„Ich möchte euch zeigen, wie ein Messerkampf aussieht“, sage ich. „Das heißt, wenn beide ein Messer haben und es auch zu benutzen wissen.“ Weder Linda noch Yuki können mir dabei helfen. Für diese Demonstration habe ich Anna mitgebracht, die uns mit Ehefrau Meli auf der Tour begleitet.

Anna, die Krav Maga unterrichtet, versteht sich auch auf Messerkampf. Und prompt gehen wir mit Plastikmessern aufeinander los. Nun wäre es eine Illusion zu glauben, dass Frau hier unverletzt bliebe. Ein Messerkampf läuft anders ab. Hinterher weisen unsere Unterarme rote Streifen auf und im Ernstfall wären wir nun übelst verletzt.

Zusammen mit Anna demonstriere ich danach Abwehrtechniken, die funktionieren können. Aber selbst mir ist klar, dass ich im Ernstfall die eine oder andere Schramme abbekomme. Nachahmung nicht empfohlen. Mein Rat bleibt: „Lauft weg, vermeidet den Kampf!“

Falls weglaufen unmöglich ist, die Jacke um den Arm wickeln, die Handtasche als Schutz benutzen und zur Not den eigenen Unterarm vor den Körper halten. Mit der Außenseite natürlich! Ein paar zerschnittene Muskeln heilen, die Pulsader(n) nicht.

Kampfsport

„Und was ist, wenn wir auf wen treffen, der vielleicht Karate kann?“, wird die Frage gestellt. Dafür habe ich den Kickboxer Robert dabei, der sich meist dezent im Hintergrund hält.

Robert hilft oft aus, wenn ich Seminare gebe. „Ich stehe auf Schmerzen“, hat er augenzwinkernd gesagt. Aber es macht ihm Spaß. Und er hat so einiges von mir gelernt. Außerdem mag er Frauen und das kann ich gut verstehen.

„Die Chance auf einen bösartigen Kampfsportler zu treffen sind gering“, sage ich.  „Aber falls ihr nun auf so einen Verrückten trefft, müsst ihr einfach unfair werden. Ich zeige euch, wie das geht.“

Robert gibt nun den Finsterling und belästigt mich verbal. Er packt mich am Arm und kassiert eine (angedeutete!) Ohrfeige dafür. Gespielt wütend will er mir einen Kick verpassen, den ich mit einem Tritt zwischen seine Beine kontere.

Theatralisch geht er zu Boden. Dabei habe ich den Kick nur angedeutet. „Das“, sage ich, „dient nur der Demonstration, ist aber eine effektive Methode, um sich zu wehren. Und eigentlich gegen jeden Aggressor“, füge ich hinzu und muss an die unschöne Szene in Fukuoka mit der Koreanerin denken. „Jeder Mensch hat Schwachpunkte“, erkläre ich, „niemand ist unbesiegbar.“

Notwehr

Yuki und ich spielen weiter. Ich bedrohe sie mit dem Plastikmesser in einer neuen Szene. „Geld her, los mach!“, sage ich und fuchtele ungeschickt mit dem Messer. Brav händigt sie mir ihren Geldbeutel aus. „Klug zu sein, ist ebenfalls Selbstverteidigung“, sage ich.

In der nächsten Szene soll Yuki mir das Messer aus der Hand kicken und bekommt dafür einen angedeuteten Stich ins Bein. „Und bevor ich den wegen einiger Euro riskiere, werde ich lieber das Geld hergeben. Das ist ersetzbar, mein Leben nicht.“

Auch ein scheinbar harmlos wirkender Stich ins Bein kann tödlich enden. Wird die Schlagader getroffen war es das mit diesem Leben. Erneut spielen wir die Szene mit dem Messer am Hals von Yuki. „Du machst mich total an“, sage ich. „Los, da ans Auto, wir haben jetzt gleich Spaß!“ Ein kleiner Tisch soll das Auto simulieren.

Ich dränge Yuki nach vorn und fummelte an ihrer und meiner Hose. Dabei muss ich aber das Messer von ihrem Hals nehmen. Yukis Reaktion kommt sofort, wobei ich nicht näher darauf eingehen möchte. Der Lerneffekt soll sein, dass wenn Frau sich in einer derart bedrohlichen Situation befindet, sie trotzdem einen kühlen Kopf bewahren soll. Ein harter Tritt auf den Fuß soll nur als ein mögliches Beispiel gelten.

Ein Angreifer wird immer Fehler machen, die es zu erkennen und auszunutzen gilt. Er kann weder eine Pistole noch ein Messer permanent am Kopf des Opfers halten, wenn er wirklich böse Absichten hat. Mit allen Mitteln zu reagieren, die Frau zur Verfügung stehen, ist dabei durch den Notwehrparagraph gedeckt.

§32 StGB: Notwehr ist diejenige Verteidigung welche erforderlich ist, einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwehren. Eine versuchte Vergewaltigung in Tateinheit mit einem Messer durch einen Tritt in den Unterleib abzuwehren, ist in meinen Augen legitim. Wobei das eine eher harmlose Abwehr ist. Ich kenne härtere Methoden.

Härte

„Und was, wenn zwei Männer kommen?“, kommt die nächste Frage. „Einer hält mich vielleicht fest und der andere …“ Schweigen befällt die Runde, die Frauen schauen bedrückt. „Im Endeffekt gilt das Gleiche wie bisher. Nie allein durch dunkle Straßen gehen, Distanz zu einem möglichen Aggressor halten, laut und bestimmt mit Worten sein und alle, wirklich alle Maßnahmen treffen, um einer Vergewaltigung zu entgehen.“

„Fast jede hat ein Handy“, füge ich hinzu. „Frau kann das auch als Waffe nutzen. Auch einen Kugelschreiber oder eine Haarbürste. Ihr habt mehr Möglichkeiten in der Handtasche, als ihr vielleicht glaubt.“

„Ja, aber ist das denn legal?“, fragt eine Frau, „damit kann ich doch wen böse verletzen!“ Ich gehe einen Schritt auf sie zu und prompt weicht sie zurück. „Mäuschen“, sage ich zu der deutlich größeren und älteren Frau, „wir sprechen von einem Mann, der dich vergewaltigen will! Warum also willst du Rücksicht nehmen?“

Keine Rücksicht

Ich schaue in die verunsicherte Runde. „Mädels“, sage ich, „trennt euch von euren rosa Filterblasen! Wer glaubt einen Angreifer schützen zu müssen, wer falsche Rücksicht auf dessen Wohlbefinden nimmt, wer einen Vergewaltiger noch entschuldigt, der sollte jetzt nach Hause gehen!“

Ich winke Yuki und Linda zu mir. Sie sollen die Angreifer spielen. „Los,“ sage ich, „ihr beiden Süßen seit jetzt die Bösen und ich wehre mich. Fangt an.“ Wir spielen „dunkle Straße“ und „Wortgefecht.“

„Stopp, bleibt zurück!“, rufe ich und weiche nach hinten aus. Aber dort ist die Wand, Endstation für mich. Linda und Yuki haben mir den Weg versperrt, ich kann nicht weg.

Linda, die deutlich größer und kräftiger ist als ich, packt überraschend zu und schlingt die Arme um mich. Ich kann mich nicht bewegen, meine Arme sind blockiert. Lindas Kinn schwebt über meinem Kopf den ich angedeutet nach oben ziehe.

Egal ob ich richtig treffe, der Schock wird den Griff automatisch lösen. Treffe ich richtig, ist der Bösewicht KO. Aber vermutlich beißt er sich auf die Zunge, löst den Griff, weicht zurück und schafft damit den nötigen Platz für den finalen Kick in die Kronjuwelen. Spiel, Satz, Sieg! Will jemand mehr?

Was ist mit Bösewicht Zwei? In den meisten Fällen wird der das Weite suchen, wenn er harten Widerstand bemerkt. Fall er doch angreift, was Yuki demonstriert, benutze ich vielleicht mein Handy, den Auto- oder Haustürschlüssel als Waffe. Egal wo ich damit treffe, das tut höllisch weh.

Absichtlich habe ich auf Aikido und Karate-Techniken verzichtet. Die kann ich perfekt, aber diese Mädels nicht. „Tritte auf den Fuß, in die Hoden, durchs Gesicht kratzen, beißen, Kniestöße, alles ist erlaubt, wenn es um unser Leben geht!“, gebe ich der Gruppe mit.

„Auch zum Schein nachgeben, den Täter in Sicherheit wiegen und dann so hart wie möglich zuschlagen. Danach weglaufen und die Polizei bzw. Passanten, Autofahrer zu Hilfe rufen.“

Noch ein Hinweis an meine LeserInnen, die vielleicht selbst Kampfsport betreiben und an Abwehrtechniken gegen ein Messer glauben: Nehmt einen Filzstift oder ein mit Kreide präpariertes Plastikmesser und testet es selbst. Dann reden wir weiter.

 

Eine Liebe in Fukuoka

Was macht(e) Frau in Japan, werden sich einige LeserInnen fragen. Fröne ich dem Nichtstun oder ist Arbeit angesagt? Wie schon erwähnt, habe ich meinem Vater assistiert und einige vielversprechende Karate-Talente gesehen.

Auch mein eigenes Training habe ich forciert und hilfreiche Kommentare meines Vaters bekommen. Cousin Ken, der mittlerweile den 2. Dan im Kyokushin Kaikan hält, will es (spaßeshalber) wissen und fordert mich zum Kumite auf. Mit Zustimmung seines Sensei, der darüber auf seine Art lacht.

Ken hat wirklich geübt und ist viel schneller als noch vor einem Jahr. Genau so schnell liegt er wieder auf den Hosenboden. Alle lachen und er gleich mit. „Du bist so gemein, Cousinchen!“, lässt er mich wissen und verbeugt sich vor mir. Wer mir zu nahe kommt, der (f)liegt.

Noch während des Trainings ist mir ein Europäer aufgefallen, den ich sofort als Deutschen erkenne. Ich spreche ihn an und wirklich kommt Peter aus Magdeburg. Vor einem Jahr ist er nach Japan ausgewandert.

„Es war im Urlaub vor zwei Jahren“, verrät er schmunzelnd, „als ich die Frau meines Lebens traf.“ Er stellt sie uns vor, sie holt ihn nach dem Training ab. Momoka ist 45 und Peter 53 Jahre alt. Aber beide sehen viel jünger aus.

Spontan laden sie uns zu sich nach Hause ein. Dass Yuki und ich ein Paar sind, wird von beiden lächelnd zur Kenntnis genommen. Ken muss leider gehen, sein Freund wartet zu Hause. „Morgen gibt’s Revanche, Cousinchen!“, ruft er mir zum Abschied zu und reibt sich demonstrativ den Hintern.

Momoka arbeitet als Tourguide und hat auf diese Weise Peter getroffen. Sie lächelt sehr japanisch, als ich sie frage „War es Liebe auf den ersten Blick?“ Für Peter war das so, Momoka brauchte deutlich länger, um diesen durchaus interessanten Gaijin in ihr Leben zu lassen.

Wer der Chef im Hause ist weiß ich sofort. Peter ist lammfromm neben seiner Ehefrau. Und das sehr gern, obwohl der Mann sich durchsetzen kann. „Ich war mehr als 30 Jahre Polizist“, erzählt er uns. „Aber in Deutschland ist das ein Kampf gegen die Politik.

Ich habe gekündigt und unterrichte in Japan Deutsch und Englisch. Mein Haus in Deutschland habe ich gut vermietet, das Geld reicht also locker. Und Momoka verdient auch sehr gut.“

Wie gut zeigen die beiden uns, als wir ihr Haus betreten. Peter hat es gekauft und ist mittlerweile auch Familienvater. „Bin ich schon länger“, sagt er und grinst, als er uns Bilder seiner beiden erwachsenen Kinder zeigt. „Meine Frau hat sich scheiden lassen, da ich nie zu Hause war. Aber so ist das nun mal so als Polizist.“

Auch Momoka, die mit ihren 1 Meter 59 noch kleiner ist als ich, war schon verheiratet. „Ich habe mich mit 18 Jahren verliebt und ein Jahr später waren wir verheiratet“, erzählt sie uns. „Als ich keine Kinder bekam, hat er mich wieder verlassen.“ Ein Schatten legt sich über ihr Gesicht.

Momoka war tief verletzt und hat lange Jahre keinen Mann mehr angeschaut. Bis Peter kam. „Er ist ein Barbar“, sagt sie und lacht, als es an der Tür klingelt und er kurz den Raum verlässt, „aber ich habe ihn mir gut erzogen!“

Diese für Japanerinnen eher ungewöhnliche Offenheit, ist auf ihren langjährigen Kontakt mit Ausländern zurückzuführen. „Ich war in Frankreich, Italien und den USA“, sagt sie. „Dort habe ich viel über andere Kulturen gelernt.“

Momoka spricht ein fast perfektes Englisch, wenn auch mit typisch japanischem Akzent. „Ich war überrascht, dass dieser Deutsche sich für mich interessierte“, gibt sie freimütig zu. „Wo bin ich denn interessant? Aber ich mag große Männer.“ Peter ist locker über 1 Meter 80.

Auch mit ihren 45 Jahren ist Momoka noch attraktiv. „Wunderbar kochen kann sie!“, schwärmt Peter, der mit einem kleinen Mädchen auf dem Arm den Raum betritt. Hinter ihm geht eine Japanerin, die Momoka sehr ähnlich sieht. „Meine Schwester Riko“, erklärt uns Momoka. „Sie passt auf Hina auf, wenn wir beide arbeiten.“

Hina ist vier Jahre alt und adoptiert. Die Kleine ist zuckersüß und verbeugt sich artig vor uns Gästen. „Ich habe Peter vor die Wahl gestellt entweder ein Kind mit mir zu haben, oder wieder abzureisen“, sagt Momoka. Aber das ist japanischer Humor, den Europäer nur schwer verstehen.

In Wirklichkeit wollten sie beide einem kleinen Mädchen die Familie geben, die sie sonst vielleicht nie gefunden hätte. Hinas leibliche Mutter leidet unter schweren Panikattacken und kann sich nicht mehr um die Kleine kümmern. Ihren Vater kennt sie nicht.

Peter war Schieß- und Einsatztrainer bei der Polizei. „Karate und Jujutsu mache ich seit fast 40 Jahren. Nur ein Meister werde ich nie“, fügt er nach einer kurzen Pause hinzu. „Im Schießen bin ich viel besser.“ Liebevoll schaut er Momoka und Hina an. „Diese beiden sind meine Meisterinnen.“

Wie für viele Menschen, ist Karate für Peter nur Ausgleichssport. „Es hält mich fit“, sagt er. Uns wird die Ehre zuteil, die Kleine ins Bett zu bringen, das von allerlei Kuscheltieren bevölkert wird. Sie hat allen Namen gegeben, wie sie uns munter erzählt. Dann gähnt sie herzhaft und ist einfach eingeschlafen. Kleine Kinder können so einfach sein.

Momoka hat unsere Blicke gesehen. „Möchten Sie Kinder?“, fragt sie leise. Wir nicken beide und sie schmunzelt. „Einen Moment bitte“, sagt sie und schwebt aus dem Raum, um kurz darauf mit einem Zettel wiederzukommen. „Schauen Sie doch einmal in dieses Waisenhaus. Vielleicht werden Sie dort von einem Kind gefunden.“

Gefunden haben wir dann etwas anderes, worüber ich vielleicht im nächsten Beitrag schreibe. Wir sind wieder in Los Angeles, die USA haben uns wieder. Vorübergehend zumindest, der Flug nach Deutschland steht bereits fest.