Eine Liebe in Fukuoka

Was macht(e) Frau in Japan, werden sich einige LeserInnen fragen. Fröne ich dem Nichtstun oder ist Arbeit angesagt? Wie schon erwähnt, habe ich meinem Vater assistiert und einige vielversprechende Karate-Talente gesehen.

Auch mein eigenes Training habe ich forciert und hilfreiche Kommentare meines Vaters bekommen. Cousin Ken, der mittlerweile den 2. Dan im Kyokushin Kaikan hält, will es (spaßeshalber) wissen und fordert mich zum Kumite auf. Mit Zustimmung seines Sensei, der darüber auf seine Art lacht.

Ken hat wirklich geübt und ist viel schneller als noch vor einem Jahr. Genau so schnell liegt er wieder auf den Hosenboden. Alle lachen und er gleich mit. „Du bist so gemein, Cousinchen!“, lässt er mich wissen und verbeugt sich vor mir. Wer mir zu nahe kommt, der (f)liegt.

Noch während des Trainings ist mir ein Europäer aufgefallen, den ich sofort als Deutschen erkenne. Ich spreche ihn an und wirklich kommt Peter aus Magdeburg. Vor einem Jahr ist er nach Japan ausgewandert.

„Es war im Urlaub vor zwei Jahren“, verrät er schmunzelnd, „als ich die Frau meines Lebens traf.“ Er stellt sie uns vor, sie holt ihn nach dem Training ab. Momoka ist 45 und Peter 53 Jahre alt. Aber beide sehen viel jünger aus.

Spontan laden sie uns zu sich nach Hause ein. Dass Yuki und ich ein Paar sind, wird von beiden lächelnd zur Kenntnis genommen. Ken muss leider gehen, sein Freund wartet zu Hause. „Morgen gibt’s Revanche, Cousinchen!“, ruft er mir zum Abschied zu und reibt sich demonstrativ den Hintern.

Momoka arbeitet als Tourguide und hat auf diese Weise Peter getroffen. Sie lächelt sehr japanisch, als ich sie frage „War es Liebe auf den ersten Blick?“ Für Peter war das so, Momoka brauchte deutlich länger, um diesen durchaus interessanten Gaijin in ihr Leben zu lassen.

Wer der Chef im Hause ist weiß ich sofort. Peter ist lammfromm neben seiner Ehefrau. Und das sehr gern, obwohl der Mann sich durchsetzen kann. „Ich war mehr als 30 Jahre Polizist“, erzählt er uns. „Aber in Deutschland ist das ein Kampf gegen die Politik.

Ich habe gekündigt und unterrichte in Japan Deutsch und Englisch. Mein Haus in Deutschland habe ich gut vermietet, das Geld reicht also locker. Und Momoka verdient auch sehr gut.“

Wie gut zeigen die beiden uns, als wir ihr Haus betreten. Peter hat es gekauft und ist mittlerweile auch Familienvater. „Bin ich schon länger“, sagt er und grinst, als er uns Bilder seiner beiden erwachsenen Kinder zeigt. „Meine Frau hat sich scheiden lassen, da ich nie zu Hause war. Aber so ist das nun mal so als Polizist.“

Auch Momoka, die mit ihren 1 Meter 59 noch kleiner ist als ich, war schon verheiratet. „Ich habe mich mit 18 Jahren verliebt und ein Jahr später waren wir verheiratet“, erzählt sie uns. „Als ich keine Kinder bekam, hat er mich wieder verlassen.“ Ein Schatten legt sich über ihr Gesicht.

Momoka war tief verletzt und hat lange Jahre keinen Mann mehr angeschaut. Bis Peter kam. „Er ist ein Barbar“, sagt sie und lacht, als es an der Tür klingelt und er kurz den Raum verlässt, „aber ich habe ihn mir gut erzogen!“

Diese für Japanerinnen eher ungewöhnliche Offenheit, ist auf ihren langjährigen Kontakt mit Ausländern zurückzuführen. „Ich war in Frankreich, Italien und den USA“, sagt sie. „Dort habe ich viel über andere Kulturen gelernt.“

Momoka spricht ein fast perfektes Englisch, wenn auch mit typisch japanischem Akzent. „Ich war überrascht, dass dieser Deutsche sich für mich interessierte“, gibt sie freimütig zu. „Wo bin ich denn interessant? Aber ich mag große Männer.“ Peter ist locker über 1 Meter 80.

Auch mit ihren 45 Jahren ist Momoka noch attraktiv. „Wunderbar kochen kann sie!“, schwärmt Peter, der mit einem kleinen Mädchen auf dem Arm den Raum betritt. Hinter ihm geht eine Japanerin, die Momoka sehr ähnlich sieht. „Meine Schwester Riko“, erklärt uns Momoka. „Sie passt auf Hina auf, wenn wir beide arbeiten.“

Hina ist vier Jahre alt und adoptiert. Die Kleine ist zuckersüß und verbeugt sich artig vor uns Gästen. „Ich habe Peter vor die Wahl gestellt entweder ein Kind mit mir zu haben, oder wieder abzureisen“, sagt Momoka. Aber das ist japanischer Humor, den Europäer nur schwer verstehen.

In Wirklichkeit wollten sie beide einem kleinen Mädchen die Familie geben, die sie sonst vielleicht nie gefunden hätte. Hinas leibliche Mutter leidet unter schweren Panikattacken und kann sich nicht mehr um die Kleine kümmern. Ihren Vater kennt sie nicht.

Peter war Schieß- und Einsatztrainer bei der Polizei. „Karate und Jujutsu mache ich seit fast 40 Jahren. Nur ein Meister werde ich nie“, fügt er nach einer kurzen Pause hinzu. „Im Schießen bin ich viel besser.“ Liebevoll schaut er Momoka und Hina an. „Diese beiden sind meine Meisterinnen.“

Wie für viele Menschen, ist Karate für Peter nur Ausgleichssport. „Es hält mich fit“, sagt er. Uns wird die Ehre zuteil, die Kleine ins Bett zu bringen, das von allerlei Kuscheltieren bevölkert wird. Sie hat allen Namen gegeben, wie sie uns munter erzählt. Dann gähnt sie herzhaft und ist einfach eingeschlafen. Kleine Kinder können so einfach sein.

Momoka hat unsere Blicke gesehen. „Möchten Sie Kinder?“, fragt sie leise. Wir nicken beide und sie schmunzelt. „Einen Moment bitte“, sagt sie und schwebt aus dem Raum, um kurz darauf mit einem Zettel wiederzukommen. „Schauen Sie doch einmal in dieses Waisenhaus. Vielleicht werden Sie dort von einem Kind gefunden.“

Gefunden haben wir dann etwas anderes, worüber ich vielleicht im nächsten Beitrag schreibe. Wir sind wieder in Los Angeles, die USA haben uns wieder. Vorübergehend zumindest, der Flug nach Deutschland steht bereits fest. 

Wenn Engel reisen

Statt 80 brauchen wir nur knappe 2 Tage, um die (halbe) Welt zu umfliegen. Das ist (m)eine persönliche olympische Disziplin. Die wir natürlich mit der Goldmedaille beschließen. Los Angeles – Hongkong – Fukuoka. Japan ist immer das Ziel. Aber 15 Stunden Flugzeit nach Hongkong werden lang.

Immerhin habe ich gleich mehrere Artikel für den Blog geschrieben. Ob ihr sie lesen dürft? Das werden wir noch sehen. Die Reise hat mehrere Gründe, olympisches Karate ist nur einer davon. Auch ich muss Geld verdienen, auf zum „New Japan Deal.“

In Hongkong waren wir auch des lieben Geldes wegen. Asien hat davon viel zu bieten, das ist nun mal so. Ich bin gespannt und habe einige (wenige) Bilder gemacht. Die Einreise ist als Japanerin problemlos möglich. Offiziell sind wir Touristinnen. Der Beamte lächelt und alles ist gut.

Hongkong ist ein Meer aus Farben und schwüler Hitze, mit viel zu vielen Menschen, die alle „komisch reden.“ Meine paar Worte Mandarin helfen kaum weiter, hier ist Kantonesisch angesagt. Wer sich nun fragt wie Chinesen sich verständigen, den verweise ich auf die Schriftzeichen. Genau so. Die haben in ganz China die gleiche Bedeutung.

„JapanerInnen können doch auch Kanji lesen“, werden sich nun einige LeserInnen denken. Klar können wir, wenn es die japanischen sind. Dass es zum Teil erhebliche Unterschiede gibt, habe ich bereits mehrfach erklärt. Aber ich bin ehrlich, wir kamen gut klar. Nur bei langen Texten wären wir überfordert.

In Hongkong spricht man ein sehr gutes Englisch, die Verständigung ist also kein Problem. Natürlich habe ich alle Kung Fu Meister der Stadt herausgefordert und locker besiegt. Ihr wisst doch nur zu gut, dass ich unschlagbar … lustig bin. Um in Form zu bleiben, habe ich die arme Yuki (mit einem Lächeln) umgehauen. Oder sie mich?

Auf den Besuch eines Dojos mussten wir leider verzichten. Der Zeitplan war eng, schon am Dienstag ging es weiter. Aber vorher war ein Treffen mit mehreren Geschäftsleuten angesagt, die alle Meister des Buisiness sind.

Wobei man das durchaus als Kampf der Nationen bezeichnen kann. Chinesen sind schon zähe Verhandlungspartner und können mindestens so gut lächeln wie wir. Der Erfolg gab uns allen recht. Mehr muss niemand wissen.

Von Hong Kong nach Fukuoka sind es noch einmal knapp dreieinhalb Stunden Flugzeit. Heimat Japan, ich grüße dich! Aber die Reise hat Spuren hinterlassen, unsere Energie schwindet schnell. Eine Gruppe Europäer fällt mir auf. Ich höre spanische und französische Worte.

Cousin Ken holt uns vom Flughafen ab und freut sich uns zu sehen. Er hat tausend Neuigkeiten zu erzählen. Das Highlight kommt mit „Ich besuche euch in den USA!“

„Und wer sagt dir, dass wir dort noch länger leben?“, will ich von ihm wissen. „Eigentlich hatten wir einen Umzug nach Japan geplant.“ Warum Yuki und Ken dann im Chor „Du bist so doof!“, zu mir sagen hätte ich wirklich gern gewusst.

Die Zeitumstellung besiegen wir mit Grünem Tee. Gefühlt trinken wir den nun literweise. Mein Vater hat sein Elternhaus als neue Residenz gewählt. Bisher stand es meist leer. Einige Jahre haben Verwandte dort gewohnt. Aber er hat sich den Luxus gegönnt es zu behalten und ein Hausmeister Service hat sich monatlich darum gekümmert.

Meine Mutter schließt uns in die Arme. Ihre Augenwinkel zucken verräterisch. Nur ich bin natürlich vollkommen cool. „Das Biest“ hat noch niemand zum weinen gebracht. Aber warum klopft mein Herz nun schneller? Das muss am Tee liegen, ist doch klar.

Mein Vater ist in Sachen Karate unterwegs. Also besichtigen wir das Haus. Es ist groß genug für uns alle und Ken will aus Spaß gleich mit einziehen. „Als Dummy für meine Kicks?“, will ich wissen und er schnauft empört. „Ich bin viel besser geworden!“, behauptet er. „Ja klar“, erwidere ich trocken, „vor allem im Fußboden küssen.“ Sogar meine Mutter hat darüber gelacht.

Leider können wir nur einige Tage in Japan bleiben. Immerhin Zeit genug, um mir ein Bild von der Arbeit meines Vaters zu machen. Er bleibt skeptisch und das bin ich auch. Aber es ist eine Ehre für Japan tätig zu sein.

Für einen Abend, habe ich die Assistentin gegeben und durfte Teenager trainieren. Der Unterschied zu Deutschland ist gewaltig. In japanischen Dojos herrscht eiserne Disziplin. Das muss auch ich mir für diesen Tag auf die Fahne schreiben und nur Yuki hat darüber zu Hause gelacht.

Auf vielfachen Wunsch einer einzelnen Leserin, habe ich einige (schlechte) Bilder in den Beitrag eingefügt. Ich habe nun wirklich einige Talente, Bilder mit einem Smartphone zu machen gehört nicht dazu. Dabei gäbe es eine Menge über meine Heimatstadt zu berichten. Dort leben schließlich nette Menschen, aber das habt ihr bestimmt gewusst.

In der Reihenfolge zeigen sie den Flughafen und die Innenstadt von Hongkong. Die Bilder von Fukuoka sind selbsterklärend. Wobei es eine Menge über meine Heimatstadt zu erzählen gäbe. Aber vielleicht mache ich das ein andermal.

Wie es weitergehen wird? Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich gezögert und noch keine Entscheidung getroffen. Deutschland, die USA oder Japan, haben alle ihre speziellen Reize. Leben kann ich überall. Aber nur mit meiner Elfe, was habt ihr denn nun gedacht.

Nach Deutschland müssen wir auf jeden Fall im Sommer, wir haben uns um einige Dinge zu kümmern. Und auch nach Los Angeles führt unser Weg zurück. Dort haben wir noch eine Menge persönlicher Sachen. Ohnehin sind wir nur mit leichtem Gepäck unterwegs. Kleidung und Unterwäsche lagern immer bei meiner Tante.

Eigentlich wäre am Wochenende schon der Rückflug in die USA gewesen, aber ich kann und will zur Zeit nicht aus Japan weg. Das hat auch mit Müdigkeit zu tun. Fliegt ihr mal einen solchen Marathon. Immerhin leiht Ken uns seinen Wagen. Bekanntlich hat er zwei davon und ist gern mit dem alten Turbo unterwegs.

Ich werde (vermutlich) für eine weitere Woche in Japan bleiben, aber in dieser Zeit keinen weiteren Beitrag schreiben. Das ist auch dem Fakt geschuldet, dass wir kaum zu Hause sind und ich eine kleine Auszeit brauche. Wir lesen uns dann Mitte Juni wieder. Bleibt gesund und auf Wiedersehen.

 

Lichter der Großstadt – Teil 9: Sehnsucht

Der penetrante Summton des Handys beendet die Nacht. Während sich Yuki demonstrativ die Decke über das hübsche Köpfchen zieht, schaue ich wer der Anrufer ist. Meine Mutter, das muss wichtig sein!

Die Neuigkeiten sind wenig überraschend. Meine Eltern werden Deutschland auf unbestimmte Zeit verlassen. Der Grund heißt olympisches Karate, mein Vater hat auf Probe als Trainer zugesagt. Wer mehr darüber wissen möchte, der klickt bitte HIER. 

Meine Mutter hat Bedenken. 30 Jahre Deutschland wiegen schwer. Können meine Eltern wieder in Japan heimisch werden? Für Yuki und mich bedeutet das ein Haus (auf Zeit) zu haben, wenn wir wieder in Deutschland sind.

Elfchen wirkt nachdenklich, als ich ihr davon erzähle. Wollen wir wirklich wieder zurück? Mein Vater hätte mich gern an seiner Seite gewusst, um die Jugendlichen zu unterrichten. Das hatte ich bisher, bei aller Liebe für ihn, Japan und Karate, abgelehnt. Aber seit einiger Zeit, ist die Sehnsucht nach Japan in mir erwacht.

Wir frühstücken, der CD-Spieler verbreitet japanische Klänge. „An was denkst du?“, fragt Yuki und stupst mich an. Dann lacht sie, als ich ihre Zehen kitzele. „Ich habe einen Blick ins Morgen gewagt“, antworte ich wahrheitsgemäß. „Was machen wir, wo werden wir sein?“

„Wo willst du sein?“, hakt Yuki nach und übernimmt spontan die Führungsrolle. Wir tauschen gern die Charaktere. Aus Spaß haben wir das schon mit den Namen gemacht. Wer uns nur flüchtig kennt, wird uns sowieso für Schwestern halten.

Für Yuki ist es schwieriger zu dominieren, während ich problemlos die scheue Japanerin spielen kann. Zumindest so lange bis ich vor Lachen platze. Aber heute will ich Mäuschen sein.

Wir albern herum und mixen die Sprachen. Aber wie redet man bei uns? Immer so, wie wir denken. In Deutschland überwiegend deutsch und in Japan japanisch, mit eingeschobenen deutschen Worten. Nur auf Englisch verzichten wir.

„Die Frage sollte lauten, wo wir sein wollen“, greife ich das Thema wieder auf. „Was hältst du davon für immer in den USA zu bleiben?“ Yuki versucht die Stirn in Falten zu legen, was natürlich kläglich scheitert. Elfen haben eine glatte Haut.

Los Angeles, die große LGBT-Community, hat Vorteile zu bieten. Zwar zittert die Erde, aber wir sind vor Homophobie und Terror sicher. Dafür gibt es hier mehr Gewalt, die durchaus erschreckend ist.

Weniger für mich, ich kann mich wehren. Aber werden (adoptierte) Kinder hier sicher sein? Warum die USA, werden sich nun einige fragen, ist Deutschland nicht der bessere Platz?

Diese Frage hätte ich noch vor einigen Jahren mit einem dicken JA beantwortet. Zur Zeit ist Deutschland kein sicherer Ort. Multikulti ist ebenso gescheitert, wie Frau Merkels Flüchtlingspolitik. Ich habe keine Lust mehr auf ständige Kämpfe, die ich mit wem auch immer führen soll.

Kinder sollten in einem Umfeld aufwachsen, das nicht von Hass und Gewalt zerfressen ist. Lieber lebe ich im noch immer weitgehend homophoben Japan, als „Angst“ vor offenen Grenzen, Terror und schleichender Islamisierung zu haben.

Es war Yukis Idee längere Zeit in Los Angeles zu verbringen. Sie hat den Virus der Sonne geleckt. Und mir geht es kaum anders, das Leben hat viele Vorteile hier. Aber in Japan könnte ich (Jugendliche) unterrichten.

Elfchen schaut mich an und ist plötzlich ganz still. Wir brauchen keine Worte, um die andere zu verstehen. „Ich gehe packen“, sagt sie leise. Und in Gedanken flüstert die Inari mir „Gute Reise“ zu.

 

 

And Emily plays

Based on a True Story. Der Titel ist dem Lied „And Emily plays“ von Pink Floyd geschuldet. 

Es waren nur vier kurze Worte, die Emilys Welt auf den Kopf stellten. „Vero ist tot!“, stand auf dem Display des Handys. Eine zweite SMS, abgehackte Worte, die von purer Verzweiflung zeugten. Emily las. Plötzlich war dort wo ihr Herz sein sollte nur noch ein Schwarzes Loch. Ein Laut entwich Emilys Kehle, wie ihn sonst nur waidwunde Tiere ausstoßen. „Vero ist tot!“, hämmerte es in ihrem Kopf.

„Was ist passiert?“, wollte ihre Freundin wissen, die sofort Unheil ahnte. Wortlos reichte ihr Emily das Handy und ging ins Schlafzimmer. Ohne nachzudenken, aber doch mit einem klaren Ziel, wühlte sie im Kleiderschrank. Als sie den Teleskopschlagstock fand lächelte sie. „Time to play“, murmelte sie und ihre Augen blickten kalt.

Ihre Freundin weinte. Auch sie hatte Vero gut gekannt. „Was … was ist denn passiert? Warum nur …? Emilys Lächeln war eisig, als sie den Schlagstock durch die Finger wirbeln ließ. „Lass uns fahren“, sagte sie. „Ich muss etwas tun.“

Etwas zu tun war normal für Emily. Sie mischte sich stets ein, wenn es Probleme gab. Meist für Frauen, vor denen sie schützend stand. Der Schwarze Gürtel in Karate war durchaus hilfreich dabei. Mit Emily war nicht zu spaßen, wenn sie der Zorn überkam. Und zornig war sie oft, wenn auch stets eiskalt kontrolliert.

Einige Menschen hatten das nicht ernst genommen und ihren Fehler bitter bereut. Einem Mann hatte sie die Finger gebrochen, als er ihr an den Hintern fasste. Und eine stadtbekannte Lesbe ging ihr auch nach Jahren noch aus dem Weg. Die Ohrfeigen hatte sie nie vergessen.

Emilys Clique wartete schon. Ein halbes Dutzend Frauen und alle hatten Vero gut gekannt. Trauer lag in der Luft. Eine Stadt weint, wenn ein Engel geht. Emily schaute in die Runde. Ihr kaltes Lächeln verwirrte alle. „Klärt mich vielleicht mal jemand auf?“, fragte sie.

„Sie hatte wieder Streit mit ihrem Lover“, meldete sich Kim. „Und ich hatte ihr noch gestern gesagt, dass sie Abstand braucht. Einfach eine Auszeit, um den Kopf klar zu bekommen.“ Zustimmendes Gemurmel folgte ihren Worten. Auch Emily nickte. Sie wusste, Kim hatte recht.

„Ich hätte ihr die Beziehung ausreden müssen“, sagte Emily leise. „Oder vielleicht besser ihm!“ Kim schüttelte die rote Wuschelmähne. „Du hast es doch versucht, wir alle haben das! Du weißt doch selbst, was für ein Dickkopf Vero sein konnte. Vero …“

Kims Tränen flossen und alle Frauen weinten mit. Nur Emily nicht. Sie saß einfach nur da und lächelte. Ihre Freundin nahm vorsichtig ihre Hand. Sie kannte dieses Lächeln gut. „Mach keine Dummheiten!“, bettelte sie. „Das bringt Vero nicht zurück.“

Veronika, von allen Vero genannt, war Emilys älteste und beste Freundin. Die beiden waren zusammen aufgewachsen und hatten alles geteilt. Nur nicht die Liebe, Emily liebte Frauen. Vero hatte immer nur gelacht, wenn Emily sie aus Spaß mit anderen Mädels verkuppeln wollte.

Vero mochte nur Männer und war unsterblich in Kevin verliebt. Gemeinsam bezogen sie schon früh eine Wohnung. Aber Kevins Eifersucht, sein krankhafter Zwang Menschen zu kontrollieren, hatte viel Unglück über die Beziehung gebracht. Und doch blieb Vero ihm treu, er war die Liebe ihres Lebens.

Emily hatte sie fast angefleht Kevin zu verlassen. Aber Worte sind machtlos, wenn Liebe den Verstand übernimmt. Es gab oft Streit. In letzter Zeit noch mehr. Und gestern war Vero in die Nacht geflohen. Durch den Schleier der Tränen sah sie den Wagen nicht. Ein Schlag, ein stummer Schrei und wieder hatte das Schicksal einen Engel umgebracht.

„Wo ist er?“, fragte Emily mit kalter Stimme. „Er wird bereuen, dass er geboren worden ist!“ Wahnsinn tobte durch die Nacht, der brennende Wunsch nach Rache. „Kommt ihr?“, fragte sie zu Kim und ihrer Freundin gewandt. „Lasst uns spielen gehen.“ Ohne sich umzudrehen marschierte sie zu ihrem Wagen.

Kim, Vero und Emily waren als Trio legendär. Beste Freundinnen seit Kindertagen. Und bei diesen Drei war keine zu viel. Auf dem Weg zu Veros Wohnung sprach niemand. Die Frauen wussten, dass niemand Emily stoppen konnte.

Emily klingelte. Ein Unbekannter öffnete, Emily hatte ihn noch nie gesehen. „Geh mir aus dem Weg“, sagte sie und trat dem Mann brutal zwischen die Beine, als der einen Moment zu lange zögerte. Noch während er ächzend zu Boden ging, war Emily mit einem schnellen Schritt in der Wohnung.

„Kevin!“, rief sie. „Zeig dich du Held!“ Zwei Männer versperrten ihr den Weg und die Mädels machten Front. „Verschwindet ihr Affen“, sage Emily. „Oder ihr könnt im Krankenhaus Runden drehen.“ Der Schlagstock pfiff durch die Luft. Die Männer wichen zurück, die Drohung wirkte.

Emilys Zorn kannte keine Grenzen, die Schleusen des Hasses öffneten sich. Emily war dazu in der Lage, die Flut aus Emotionen in die richtige Bahn zu lenken. Aber sie würden Kevin überrollen, das stand fest.

Ein Gespenst schwebte auf Emily zu. Sie erkannte Kevin, um dessen Augen dunkle Ränder lagen. Er wankte, die beiden Männer mussten ihn stützen. Als er Emilys Gesichtsausdruck sah, begann er zu zittern. „Ich …, es tut mir so leid!“, stammelte er. „Vero …, ich habe sie doch geliebt!“

Emily musterte die traurige Gestalt, dieses armselige Zerrbild eines Menschen. „Liebe? Du?“ Sie spuckte ihm ins Gesicht. „Du hast sie auf dem Gewissen! Deine Eifersucht, dein krankes Ego! Dafür zahlst du hier und jetzt!“ Einer der Männer griff nach ihr und wollte sie zur Seite drängen. Der Schlagstock traf und knackend brach sein Unterarm.

Emily kickte den Schreienden zu Boden. „Ruf wer die Polizei, die ist ja nicht normal!“, hörte sie und war mit einem Schritt bei dem Sprecher. „Normal?“, fauchte sie und riss das Knie nach oben. „Nein, normal ist wirklich anders. „Der da, hat meine beste Freundin umgebracht!“

Kevin nutzte den Moment und lief los. Hinter ihm schrien Menschen. Und ein Rachedämon folgte ihm. Auf der Straße holte Emily Kevin ein. „Time to play“, sagte sie. Kevin sah die Tritte nicht kommen, sie explodierten an Unterleib und Kinn. Wie vom Blitz gefällt ging er zu Boden und krümmte sich vor Schmerz.

Emily lächelte, ein gezielter Schlag zur Kehle und alles wäre aus. Ein plötzlicher Windstoß trieb ihr Sand in die Augen. Sie blinzelte und glaubte für einen Moment ihre tote Freundin zu sehen. Die Erscheinung weinte und Emily ließ Kevin los. Sie wischte sich übers Gesicht. „Vero?“, murmelte sie. Aber niemand antwortete, das Bild war fort.

„Bi … bitte“, schluchzte Kevin, „lass mich doch. Ich habe …“ „Halt den Mund!“, fauchte Emily und brach ihm mit einem gezielten Schlag die Nase. Mitleidlos sah sie zu, wie das Blut zu Boden floss. „Geh mir aus dem Augen du Stück Dreck“, sagte sie. „Aber wage es zur Beerdigung zu kommen und du bist tot!“

Emilys Freundin zitterte am ganzen Leib und war doch mächtig stolz auf sie. Emily war es nicht. Aber Rache ist manchmal der einzige Weg. Kevin blieb der Beerdigung fern. Er lag mit einem Nervenzusammenbruch im Krankenhaus. Sagte er. Die Wahrheit hat viele Gesichter.

Lichter der Großstadt – Teil 8: Life in the USA

Schon mehrfach hat man (Frau) mir die Frage gestellt, wie es sich in den USA so lebe, ob sich „die Amis“ wirklich nur für Sport und Lokalklatsch interessieren. Außerdem gab es die Frage, was ich denn bitteschön so den ganzen Tag über mache.

Natürlich kann und will ich diese Fragen gern beantworten und habe aktuell (10. Mai 2017) in die Zeitung geschaut. Die Los Angeles Times hat die Schlagzeile „Trump urged Comey to go after Clinton — and then fired him for it.“ Gemeint ist damit die Entlassung des FBI-Direktors James B. Comey, die völlig überraschend kam.

„Why we took a stand on Trump“, lautet die nächste Schlagzeile, die unter der Rubrik „Editorial Series“ zu finden ist. Erst 14 mehr oder weniger lokale Meldungen später, eine lautet immerhin „Turkey: U.S. decision to provide arms to Syrian Kurds is ‚unacceptable‚“, und steht unter der Überschrift „World“, gibt es eine Eishockey News.

Scrollt Frau weiter nach unten, stehen dort Entertainment und Klatsch, sowie weitere „Local California“ Meldungen. Wer gut aufgepasst hat und den deutschen Medienwald kennt, wird sofort Unterschiede entdecken, die ich mit der FAZ abbilden will.

10. Mai 2017, Meldung 1: „Entlassung des FBI-Chefs Warum Trumps Manöver an Watergate erinnert.“ Daneben Meldung 2: „Entlassung von FBI-Chef Comey Kam er Trump zu nahe?“ Nun frage ich mich (nicht!) ernsthaft, warum eine deutsche Zeitung als Schlagzeile über die USA berichtet, wenn es genug Probleme im eigenen Land gibt.

Immerhin ist der FAZ das Geständnis des „Bochumer Vergewaltigers“ einen kleinen Artikel wert. Der FOCUS hatte darüber schon längst als „Eilmeldung“ berichtet. Deutsche Politik sucht man bei der FAZ vergebens, sieht man von Videos mit Ursula von der Leyen und Patrick Lindner ab.

Während sich also die Los Angeles Times auffällig mit Innenpolitik beschäftigt, die Welt quasi ausblendet, stellt sich mir die Frage, ob die FAZ deshalb nichts schreibt, da es keine Meldungen aus Deutschland gibt, oder ob deutsche JournalistInnen wirklich nur, wie ich schon berichtet habe, am Tropf der großen Nachrichtenagenturen hängen und Meldungen über Herrn Trump wichtiger sind, als deutsche Innenpolitik.

Was mich zu meinem Innenleben bringt, das natürlich aus geldprotziger Dekadenz und Dauerparty besteht. Wirklich? Aktuell schaffe ich den Balanceakt, deutsch-japanische Firmeninteressen aus Los Angeles zu betreuen, mich um die Geschäfte meines Vaters zu kümmern, eine mögliche Kooperation mit einer kleinen Tuning Werkstatt im Großraum Los Angeles anzuleiern und Karate zu trainieren.

Lustig ist anders, die Zeitverschiebung kann ziemlich nervig sein. Der Verkehr in Los Angeles ebenfalls und auch die Gespräche mit dem Inhaber der Werkstatt, auf dessen Diskretion ich bauen muss. Offiziell darf ich in den USA nicht arbeiten. Daher werden wir uns die Greencard besorgen. Hilfe wird es dabei von Onkel Jiro geben. Und vermutlich (bestimmt), werden wir sie noch im Sommer bekommen. Dann aber in Deutschland, bevor es nach Japan geht.

Hilfreich zur Genehmigung der Greencard wird sein, dass die Stuttgarter Tuningschmiede quasi nach Kalifornien expandiert. Wolf wird in den nächsten Tagen hier erwartet. Wenn alles klappt, wovon ich ausgehen kann, habe ich bald wieder einen offiziellen (Neben)Job und darf getunte Autos testen. Ich hätte da schon die eine oder andere Idee.

Privat, das möchte ich noch kurz erwähnen, ist alles in Ordnung bei uns. Yuki war die eigentliche Auslöserin unseres Greencard Experiments. Ihr gefällt es gut in Los Angeles, auch wenn das Leben etwas teurer ist.

Nun habe ich natürlich meinen eigenen Kopf, der aber zunehmend weltbürgerlicher wird. Eigentlich, da bin ich ehrlich, war ich das immer schon und habe mich nie exklusiv als „nur“ Deutsche oder „nur“ Japanerin gesehen. Und doch liebe ich beide Länder.

Hinzu kommt die Offenheit der Menschen in Los Angeles, die zwar oft nur gespielt und oberflächlich ist, aber auch positive Seiten hat. Wo sonst trifft man mal eben so nebenbei Filmstars und Sternchen, die auch noch einige Worte im Golds Gym mit dir wechseln.

Ja, wir haben den legendären Fitness Tempel besucht und versuchen uns in etwas mehr Gewichtstraining. Aber Arnold (Schwarzenegger) haben wir noch nicht gesehen. Wenn der trainiert schlafen wir vermutlich noch. (Super)Ellen wäre mir ohnehin lieber.

Girls, Girls, Girls! – The Dinah Shore Weekend

Mayumi: „It’s 106 miles to the Dinah, we got a full tank of gas, it’s not really dark … and we’re wearing sunglasses.“

Yuki, Ally and Heather: „Hit it!“  

(Sehr frei zitiert aus dem Film Blues Brothers)

Dieses Zitat ist recht passend, da es von Los Angeles nach Palm Springs wirklich diese berühmt gewordenen 106 Meilen sind. Also fast. Wir haben nicht nur die Bikinis eingepackt, auch unsere amerikanischen Freundinnen sind mit dabei. Sie haben lange gespart, das Leben in den USA kann teuer sein. Und auch beim Dinah Shore Event regiert der Kommerz.

Wer noch nie etwas von diesem einzigartigen Festival gehört hat, dem will ich kurz auf die Sprünge helfen: The Dinah Shore Weekend in Palm Springs, ist die größte lesbische Party der Welt. Punkt. Noch Fragen? Keine? Gut, dann will ich in Verbindung mit einigen Bildern meine Eindrücke schildern. Wer die nicht lesen möchte, der klickt an genau dieser Stelle weg.

Freundinnen von Ally waren bereits dort und haben uns vor einer gewissen Zügellosigkeit gewarnt. „Da laufen auch Jägerinnen durch die Gegend“, hat uns Keira gesagt, „die suchen gezielt nach Beute und schleppen sie in die Hotels ab.“ Sie schmunzelt und gibt zu, dass sie auch ein „Opfer“ war. „Na ja, nicht wirklich“, schränkt sie ein, „ich bin ja gern mit und hatte jede Menge Spaß.“

Hände am Po, anzügliche Kommentare, aber alles im Rahmen von ungezwungener Fröhlichkeit, sind beim Dinah Shore Weekend normal. „Wer hier empfindlich ist, hat keinen Spaß“, sagt Keira und zwinkert mir zu. „So?“, fragt Yuki und haut mir auf den Hintern. „Darauf stehst du doch“, sagt sie frech und bekommt prompt einen Kuss dafür.

Das Gepäck ist im Kofferraum, natürlich haben wir viel zu viel dabei. Vier Frauen auf der Reise, da kommt einfach Freude auf. Lippenstift, Deo und Slip-Einlagen, die Frau von Welt muss immer gut gerüstet sein. Und wo ist noch der Nagellack?

Der BMW schnurrt die Meilen ab, Palm Springs erwartet uns mit 30 Grad. Sonne pur und gute Laune, das Hotelzimmer ist auch für 4 Personen groß genug. Dinah Shore wir kommen!

Wir haben uns VIP-Tickets besorgt. Die sind nur scheinbar teuer, aber gewähren ungehinderten Zugang zu allen Events. Warum ist einfach erklärt, ich habe keine Lust ewig Schlange zu stehen.

Die Bilder vermitteln nur einen Teil jener Atmosphäre, die uns fast erschlagen hat. Ausgelassenheit, Lachen und ein unbeschreibliches Lebensgefühl. Das alles und noch mehr ist „The Dinah.“ Wir treffen Frauen, die fröhlich und total aus dem Häuschen sind. Nur wenige sehen wie Models aus. Aber die richtig!

Die Eröffnungsfeier findet am 29. März ab 21 Uhr in Zelda’s Nightclub statt. Ally und Heather trinken Alkohol in Maßen, bei noch immer 25 Grad und einer aufgeheizten Stimmung, wäre alles andere ein KO-Kriterium.  Wir treffen Anke aus Hamburg, die uns mit ihren 175 Zentimetern deutlich überragt. „Ich bin extra für das Event in die USA geflogen“, erzählt sie uns, „und ich bin hin und weg!“

Wir tauchen in eine Welt, die fremd und doch so vertraut für uns ist. Musik und gute Laune pur, Normalität war gestern. Prominente gehen vermutlich im Meer der Frauen unter. Ich habe niemand erkannt. Am Ende wird es in der Presse stehen.

Gefühlte 100 Unterhaltungen später sprechen uns zwei Mexikanerinnen an. Recht schnell wird klar, dass sie mehr als nur ein Lächeln wollen. Höflich lehnen wir ab und ernten enttäuschte Blicke. Auch das ist Dinah Shore. Noch mehr Gesichter und Namen ziehen vorbei, das Stimmengewirr raubt uns die Sinne.

Ally und Heather suchen meine Nähe. Sie sind überwältigt, aber weniger selbstbewusst. Stunden später taucht Anke wieder aus der Menge auf und strahlt über das ganze Gesicht. Ihre Kurzhaarfrisur ist zerzaust und sie wirkt ziemlich ausgelaugt. „Ich kann nicht mehr“, sagt sie lachend, „ich habe die ganze Zeit nur getanzt.“

Gegen 1 Uhr verlassen wir die Party und fahren zu unserem Hotel. Anke nehmen wir mit, ihr Quartier liegt auf dem Weg. „Eigentlich wollte ich mit meiner Freundin zum Dinah“, erzählt sie uns, „aber wir haben uns gestritten. Sie lebt noch im Schrank, wenn du verstehst?“ Ich verstehe gut. „Habt ihr euch getrennt?“, frage ich nach. „Ich mich“, sagt Anke. „Wir leben im 21. Jahrhundert, da muss keine Frau mehr Angst vor ihren Eltern haben.“

Wir schlafen gut und frühstücken noch besser. Danach erkunden wir Palm Springs. Noch von Los Angeles aus habe ich ein Dojo gefunden, das wir um 15 Uhr betreten. Der Sensei freut sich ehrlich uns zu sehen. Er ist aus Puerto Rico und seit mehr als 15 Jahren im „Geschäft.“

Wir absolvieren ein leichtes Training, ohne Sport fehlt mir einfach was. Ich zeige meine Kunst und wirbele einige Schüler über die Matte. Aikijujutsu hat hier noch keiner gesehen. Und meine Kicks lösen staunende Gesichter aus.

Nach dem Abendessen holen wir Anke wieder ab, die froh ist uns zu sehen. „Mir ist voll die Decke auf den Kopf gefallen“, gibt sie zu. „Dankeschön, dass ich mit euch kommen darf!“ Wir sehen sie nicht wieder, sie reist am nächsten Morgen überraschend ab. Ihre „Ex“ habe angerufen, lässt sie uns per SMS wissen.

Die Tage verschwimmen, Pink Pussy Party, Wet – Wild Pool Party, Dinah Comedy House, Hollywood Party, Sunday Funday Party ziehen wie im Rausch an uns vorbei. Die meisten Gespräche bleiben oberflächlich. „Hallo, wie geht es euch, wo kommt ihr her?“

Jegliches Zeitgefühl geht verloren. Tanzen, schlafen und alles geht von vorne los. Irgendwann sehen wir irgendwo Mariah Hanson, die Veranstalterin des Dinah Shore. Sie rauscht vorbei und ist auch schon wieder weg. Lass diese Party nie zu Ende gehen!

Die Comedy ist super, die Mädels machen richtig gute Witze. Plötzlich steht Keira mit ihrer neuen Freundin neben uns. „Wir können nur einen Tag bleiben“, sagt sie und begrüßt uns herzlich. „Ihr habt mich doch bestimmt vermisst!“

Später werfen wir sie in den Pool, was in einer allgemeinen Wasserschlacht endet. Sonntags erreicht uns eine SMS von Anke. „Meine Freundin hatte ihr Coming Out!“ Die Worte lassen mich lächeln. Vielleicht hat sich wieder gefunden, was zusammen gehört.

„The Dinah“ zu beschreiben, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Hier wird mit der Legende aufgeräumt, dass für Frauen Partys weniger wichtig seien. Angeblich suchen Lesben viel öfter den Aufenthalt in der Natur, als schwule Männer. Das mag zutreffend sein, auch wir sind keine absoluten Party Girls.

Mit dem Dinah Shore Weekend, haben wir uns einen Traum erfüllt. Eifersüchtig sind nur die anderen. Wir schauen interessiert und es gibt wirklich viel zu sehen. Hier tummelt sich alles, vom stylischen Tomboy mit Kurzhaarfrisur, bis hin zu grell geschminkten Lipstick Lesben. Dazwischen wir. Aber das habt ihr bestimmt gewusst.

Natürlich haben wir nicht permanent Party gemacht. Selbst meine Kondition hat Grenzen. Und auch der Speicher meines Handys. Ich habe so einige neckische Bilder gemacht. Aber die werde ich auf keinen Fall mit euch teilen, ihr bekommt nur die normalen zu sehen.

Es wäre bestimmt unanständig, eine klatschnasse Mayumi im Bikini zu zeigen! Was habt ihr denn nun gedacht? „Hey Laydeeeees!“, schallt es über das Gelände, die DJane sorgt für Stimmung pur. „Das ist Wahnsinn!“, lässt mich Yuki mehrfach wissen. „Wehe du gehst mir fremd!“

Sie lacht bei diesen Worten, auch das gehört zu unserem Ritual. Wir lieben uns, da besteht keine Gefahr. Plötzlich spricht uns eine Japanerin an. Riko ist in den USA geboren, aber ihr japanisch ist perfekt. „Ich freue mich euch zu treffen“, sagt sie. Vertraute Klänge, ist das Osaka Dialekt?

Riko und ihre Freundin Madison kommen aus Kentucky. „Wir wollen nach Kalifornien ziehen“, verraten sie uns. Die beiden sind ein schönes Paar. Riko ist eindeutig der „Boss“. Kaum größer als ich, mit langen Haaren, zieht sie die blonde Madison hinter sich her.

Die lacht nur. „So macht sie das immer“, ruft sie, „wir sind gleich wieder da!“ Wenig später stehen sie wieder neben uns. Madison ist Schriftstellerin. „Na ja, ich will es werden“, schränkt sie ein. „Aber ich habe schon für einige TV-Produktionen das Drehbuch korrigiert.“

Riko schaut verliebt und ist stolz auf sie. „Ich bin leider nur Anwältin“, sagt sie lächelnd. „Und was für eine!“, protestiert Madison sofort. „Sie gewinnt jeden Fall!“ Die Chemie zwischen uns stimmt, das bestätigen später auch Ally und Heather.

„Wir ziehen im Juni um“, sagt Riko und nennt uns die Adresse. „Ich habe schon einen Job in einer kleinen Kanzlei und Madi darf dann die Hausfrau machen.“ Die schnauft gespielt empört und grinst dann doch. So einfach kann Liebe sein.

Zum Abschied tauschen wir Handynummern aus. „Danke!“, sagen beide und meinen das auch. Ich tausche einen Blick mit Yuki. Wortlose Zustimmung, wir bleiben vorerst in den USA. Aber dass, so weiß ich, wird ein Kraftakt werden.

Trotzdem habe ich auf das Armdrücken mit den beiden Mädels auf den Foto verzichtet, die sind deutlich stärker als ich. Was das Bild nicht zeigt sind die Lacher der beiden. Und wir haben mitgelacht.

Als wir uns Montags von Palm Springs verabschieden, sind wir alle ziemlich geschafft. Jetzt steht wieder Normalität auf dem Programm. Wobei Kalifornien eigentlich immer eine Art von Urlaub ist.

Mayumi: „It’s 106 miles to Los Angeles, we got a full tank of gas, it’s not really dark … and we’re wearing sunglasses.“

Yuki, Ally and Heather: „Hit it!“  

Und das habe ich gemacht.

Das Interview – Teil 2: Quo vadis, Mayumi?

Düsseldorf, im Juli 2015. Ein Interview erschüttert die Welt. KLICK MICH Meine beste Freundin hat es mit mir geführt. Unterstützung kam von (m)einer frechen Elfe. Heute nun der zweite Teil. Aus den Zeilen gehen kaum die Lacher hervor, die es dabei gab. Im Gegensatz zum letzten Interview, haben wir eine andere Form gewählt, um die einzelnen Personen hervorzuheben. Und nun viel Spaß beim lesen.

Düsseldorf, im Februar 2017. Ich (Karin) bin unterwegs zu Mayumis Elternhaus, aber leider ganz allein. Meine drei Süßen liegen stark erkältet im Bett, mir geht es schon viel besser. Aber warum kribbelt plötzlich mein Bauch?

Wie immer wenn ich an Yumi denke, erscheint ein Lächeln auf meinem Gesicht. Dabei war unsere erste Begegnung fast ein Schock für mich. Heute, viele Jahre später, ist sie die beste Freundin der Welt. Auch wenn das Wort „Biest“ bei ihr noch untertrieben ist. Lässt man sie, teilt sie nach allen Seiten aus.

Kritische Fragen zu stellen ist Yumis Weg, um eingefahrene Denkmuster aufzubrechen. Die wenigsten können damit und fühlen sich sofort provoziert. Selbst mich lockt sie damit noch aus der Reserve und ich sollte es eigentlich besser wissen.

Als ich ankomme steht der rote Flitzer vor der Tür. Sie war also schon in Stuttgart und hat ihn abgeholt. Ich schmunzele, sie kann es nicht lassen! Ihre Mutter öffnet und begrüßt mich lächelnd. Ich mag diese Frau, die wie eine ältere Ausgabe einer gemäßigten Mayumi wirkt. Die Ähnlichkeit ist offensichtlich.

„Karin“, sagt sie mit deutlichem Akzent, „wie schön dich zu sehen.“ Yuki flitzt aus der Küche und winkt mir mit mehlverstaubten Händen zu. „Wir sind am kochen!“, lässt sie mich wissen und Yumis Mutter nickt dazu. „Sie übt unten mit ihrem Vater“, sagt sie leise und schaut mich wissend an. Im Geist sehe ich einen zur Unkenntlichkeit verknoteten Mann, der hilflos auf der Matte liegt.

Ich habe die beiden schon trainieren sehen und war einfach fasziniert! Das sah so echt aus, mir wurde Angst und bange! Yumi kann ihren Vater mit reiner Kraft nicht schlagen. Aber ich habe nie zuvor jemand gesehen, der solche Reflexe hat und eine derartige Körperbeherrschung. Niemand kann ihren Kicks widerstehen.

Ich erschrecke, als eine Stimme „Buh!“ sagt und Yumi im Karate-Gi lachend neben mir steht. „Ich gehe schnell duschen“, sagt sie und ist schon wieder weg. Ihr Vater hat das Nachsehen, sie war immer schon zu schnell für ihn. Aber er lächelt und sagt ebenfalls „Hallo“ zu mir.

Yumis Mutter bringt Tee und setzt sich mit Yuki neben mich. Wir unterhalten uns, bis „das Biest“ wiederkommt. Statt Karate-Gi trägt sie ein ärmelloses T-Shirt und eine kurze Hose. Wieder fallen mir ihre fast schon muskulösen Oberschenkel auf. Sie sind der Grund warum Yuki immer „Dicke“ zu ihr sagt. Yumi ist gertenschlank!

Vielleicht werden sich nun LeserInnen wundern, warum ich „Yumi“ und nicht „Mayumi“ schreibe. Als einer der wenigen Menschen darf ich die Kose- bzw. Kurzform ihres Namens nutzen. Normalerweise sage ich „Miststück“ zu ihr. (Für diese Bemerkung habe ich den Mittelfinger gesehen.)

Ja, es gibt Menschen, die sofort der Mittelpunkt sind, wenn sie einen Raum betreten. Yumi ist ein solcher Mensch. Schon in der Schule war sie der Star. Das ist noch heute so. Sie bestimmt und alle machen mit. Nun gibt es Menschen, die das mit lauter Stimme machen. Yumi laut? Das habe ich selten erlebt.

Yumis Vater, ist ein liebenswerter und sehr gebildeter Mann, mit dem ich mich schon oft unterhalten habe. Wie Yumi ist er eine natürliche Respektsperson, aber sie hat ihn locker im Griff. Zwar hört sie ihm zu, aber vertritt auch vehement ihre Meinung. Und es ist keine Lüge wenn ich sage, er ist furchtbar stolz auf sie.

„Du riechst lecker“, sagt sie zu Yuki, die nur die Augen verdreht und leise „Baka“ murmelt. Aber so kenne ich die beiden. Unzertrennlich und doch mit eigenem Kopf. Wir tauschen Neuigkeiten aus bis Yumis Vater wiederkommt. Es folgt ein typisch japanisches Mittagessen, das unbeschreiblich köstlich ist.

„Wehe du steckst uns an!“, sagt Yumi, als ich mir nach dem Essen das Näschen putze und zieht uns lachend in ihr Jugendzimmer. Als wir es uns auf ihrem Bett gemütlich machen, muss ich fast automatisch an Natalie denken. Wie oft haben wir drei hier gesessen!

Wir reden über tausend Dinge, als mich eine plötzliche Idee anspringt. Was auch daran liegt, dass ich in Yumis Blog gestöbert habe und das alte Interview fand. „Du suchst doch immer nach Beiträgen“, beginne ich und schaue Yuki an. „Wollen wir einen zweiten Teil des Interviews machen?“

Als Yuki strahlt und nickt, weiß ich die Antwort schon. „Wenn ihr wollt“, gibt Yumi scheinbar gelangweilt zurück. Aber ich kenne sie, die Idee gefällt ihr gut. Handys werden gezückt und plötzlich heißt es „Vorsicht Kamera“ oder „Aufnahme läuft.“

Karin: „Schön, dass du wieder in Deutschland bist, du Reisetante. Bleibst du uns nun eine Weile erhalten?“

Mayumi: „Hast du mich vermisst?“

Karin: „Du bist …“

Mayumi: „Doof, ich weiß. Ich habe dich auch lieb.“

Karin: „Wie war Amerika, haben sich eure Erwartungen erfüllt?“

Mayumi: „Etwas zu erwarten bedeutet, dass man enttäuscht werden kann.“

Karin: (lachend) „Könntest du bitte konkreter werden? Sonst macht das Interview doch keinen Sinn!“

Mayumi: „Das Leben in den USA ist anders. Schneller, wenn du so willst. Hinzu kommt, dass in Los Angeles eine ganze eigene Art von Menschen leben. Ich spreche weniger von der LGBT-Community, sondern meine das allgemein. Düsseldorf oder Stuttgart sind tiefste Provinz, wenn man die Städte vergleicht.“

Karin: „Hast du dort berufliche Kontakte gefunden?“

Mayumi: „Ja und nein. Wir waren für die Tuning Firma in Detroit, aber neue Kontakte im Sinn neuer Aufträge gab es keine. Das würde aus mehreren Gründen nicht funktionieren. Was weniger an der Sprache, als an den amerikanischen Gesetzen liegt.“

Karin: „Wie war das Wetter dort? Angeblich scheint dort immer die Sonne.“

Mayumi: „Wer hat dir diesen Unsinn erzählt? Es war recht kühl, man könnte das herbstliche Temperaturen nennen. Nur mit dem Schnee war Fehlanzeige. Den hatten wir dann in Schweden.“

Karin: „Du machst mich total neidisch! Aber ich finde es toll, dass du um die halbe Welt geflogen bist, um der Firma zu helfen. Hat sich das ausgezahlt?“

Mayumi: „Wir haben dafür kein Geld bekommen. Nur Flug und Unterkunft waren umsonst. Ich bin schon dabei ein Konzept zu erstellen, das die Firma vor dem Konkurs retten wird.“

Karin: „So schlimm ist es?“

Yuki: „Sie übertreibt, aber die Sache ist schon ernst.“

Mayumi: „Der Kunstgriff wird sein auf Wachstum zu setzen, aber keine böse BWL zu nutzen. Gib mir noch eine Woche und alles ist wasserfest.“

Karin: „Darf ich das dann sehen? Bitte?“

Mayumi: (Feixend) „Um mich zu kopieren? Klar darfst du. Als Gegenleistung erwarte ich einen Nachmittag mit deinen Kindern. (Yuki strahlt und nickt)

Karin: „Abgemacht. Die beiden sind sowieso verrückt nach euch. Aber lass uns über deinen Blog sprechen, wenn du magst. Ich habe viele deiner Texte gelesen und eine Veränderung festgestellt. Du bist politischer geworden. Kann das sein?“

Mayumi: „Wie du am besten weißt, war ich früher mehr der unpolitische Typ. Zwar GRÜNE, aber sonst wenig an Politik interessiert.“

Karin: „Du glaubst doch überhaupt nicht an Politik!?“

Mayumi: „Wen fragst du, die rationale oder emotionale Komponente meines Seins?

Karin: „Na dich!“

Mayumi: „Komme ich authentisch rüber?“

Karin: „Ja und nein. Ich kann schon erkennen wer da schreibt, aber du wirkst oft so anders.“

Mayumi: „Wie wirke ich denn auf …(Yuki hält ihr den Mund zu. Dazu muss ich erklären, dass Yumi im Blog oft flapsig und dann wieder regelrecht eisig wirkt. Ich kenne sie besser. Ihr Humor ist echt, aber in Wirklichkeit ist sie wesentlich japanischer, als sich das in Worten liest. Kühle Logik gepaart mit fernöstlicher Freundlichkeit.)

Karin: „Danke! Also zur Politik, was hat sich für dich geändert und warum erst jetzt?“

Mayumi (kitzelt Yuki): „Man hat mich darauf angesprochen, dass dieses neue Interesse an Politik erst 2015 erwacht sei. Das ist falsch. Ich beschäftige mich lediglich viel intensiver damit. Vor allem, um bei einer Partei zu bleiben, mit dem seit Jahren vorhandenen Unwohlsein über die GRÜNEN.

Das lag mit am Parteiprogramm, aber maßgeblich an gewissen Personen, die ich weltfremde FundamentalistInnen nenne. Die Namen sind euch gut bekannt. Als unsere Kanzlerin ihre Grenzentscheidung traf, als ganz schnell klar geworden ist, dass primär junge Männer und keine Familien über die Grenze kommen, habe ich das kritisiert.“

Karin: „Hattest du Angst?“

Mayumi: „Warum sollte ich Angst haben? Ich kann lediglich besser rechnen und habe vor allem die kommenden Probleme gesehen. Es wird nicht mehr lange dauern und der letzte Fahnenschwenker wird begriffen haben, dass es auch an seine Ersparnisse geht. Dann werden wir das wahre Gesicht der Pseudolinken sehen!

Hilfe ist eine Sache, aber jedem ohne Kontrolle den Zugang in die Sozialsysteme zu gewähren, hat eine andere Qualität. Ein Großteil dieser Menschen wird den Staat auf Jahrzehnte belasten, einige sogar für immer.“

Karin: „Das klingt im ersten Moment sehr ablehnend, ja kalt.“

 Mayumi: „Dürfen sich Ökonomen von Gefühlen leiten lassen? Gezielte Entwicklungshilfe für afrikanische und arabische Staaten, hätte einen Teil des Problems abgefedert. Statt einem Menschen in Deutschland 1.000 Euro pro Monat zu geben und damit in der Summe die Sozialsysteme zu sprengen, hätte er in seiner Heimat mit viel weniger auskommen können. Diese 1.000 Euro können in Afrika zwischen zehn und zwanzig Leben retten, das weißt du sehr gut.“

Yuki: „Hast du Widerstand gespürt, also von anderen Bloggern?“

Mayumi: „Ja. Es gab immer wieder subtile Versuche, um meine Aussagen unglaubhaft zu machen. Auch Hasskommentare, die ich nie veröffentlicht habe. Ich kann mich an mehrere Leser erinnern, die eine Statistik als Beleg meiner Aussagen forderten. Solche Stimmen sind mittlerweile verstummt, die Zahlen stehen fest.“

Karin: „Worin siehst du den wahren Grund der Flüchtlingskrise?“

Mayumi: „Im Neoliberalismus, der grenzenlosen Gier der Eliten, die Afrika und die arabischen Länder ausbeuten. Aber auch ganz klar in der amerikanischen Geopolitik. Schau dir genau an was passiert ist, man hat die Staaten destabilisiert.

Mit dem Kampf gegen den Terror hatte das nichts zu tun. Der ist sowieso frei erfunden. Der Gag dabei, diese Länder waren keine Gottesstaaten, sie waren säkular. Es geht um Macht, Einfluss und die schwindenden Ressourcen. Und wo liegt weltweit das meiste Öl?“

Karin: „Ich weiß was du meinst. Aber du kritisiert vor allem den Islam massiv. Hast du keine Angst dadurch in die rechte Ecke gedrückt zu werden?“ (Mayumi lacht, als ich sie das frage.)

Mayumi: „Ich bezeichne mich als liberal-konservativ mit linken Anleihen. Eigentlich war ich das immer schon. GRÜN passt mir nur besser wegen dem LGBT Ansatz. Und was ist rechts? Die CDU/CSU ist rechts. Und es ist in Deutschland noch immer ein gern gespieltes Foul, Kritiker zu diskreditieren und die Nazi-Keule auszupacken.

Zum Teil unbewusst, ein Großteil der deutschen Bevölkerung ist wenig politisch interessiert und hängt gläubig an den Lippen der Journalisten, die angeblich immer die Wahrheit sagen. Getreu dem Motto: Es war im Fernsehen, also muss es richtig sein. In einem Schnappatmer Reflex (sie imitiert einen nach Luft ringenden Fisch), wird dann blind um sich geschlagen, wenn irgendwer konträr zur politisch korrekten Meinung ist, die man den Menschen eingetrichtert hat.“

Karin: „Wirklich konservativ sieht aber anders aus. Du bist alles andere, als von gestern. Einerseits bist du weltoffen und dann verteidigst du vehement deutsche und japanische Traditionen. Wie passt das zusammen?“

Mayumi: „Sehr gut sogar. Ich finde Halt in Kultur und Sprache, in Traditionen und arbeite trotzdem an progressiv-innovativen Ideen mit.“

Karin: „Warum kritisierst du den Islam so heftig? Wir haben doch auch türkische Freundinnen.“

Mayumi: „Welche unserer Freundinnen sind radikale Islamistinnen? Der Islam ist keine Religion, er ist und bleibt eine Ideologie, die sich auf einen unbeweisbaren Schöpfergott beruft und den Anspruch auf absolute Herrschaft hat. Diese Herrschaft bezieht sich auch auf das Privatleben der Menschen. Die Scharia schreibt vor, wie sie zu leben, zu denken und zu handeln haben.

Diese steinzeitliche Denkweise, ist eine Gefahr für den aufgeklärten Westen und beschneidet freiheitlich denkende Menschen in ihren Grundrechten. Anders formuliert muss sich für den Muslim der Westen, also Deutschland derart ändern, dass er für ihn als neue Heimat passt. Er aber wird sich nicht ändern, das verbietet ihm sein Allah.

Von einer Freundin weiß ich, dass ein türkischer Vater vehement ein Verbot von Schweinefleisch für alle Kinder im Kindergarten forderte und das Kreuz im Büro der Leiterin nicht sehen wollte. Und das geht viel zu weit. Nicht „wir“ müssen uns an ihn, er hat sich an dieses Land anzupassen.

Muslime können ihren Islam gern privat leben. Öffentliche Forderungen, speziell von diesem sogenannten Zentralrat, sind politische Forderungen und der Versuch Einfluss auf deutsche oder europäische Politik und damit die westliche Lebensweise zu nehmen.“

Karin: „Gibt es Anfeindungen von Muslimen?“

Mayumi: „Warum sollte es die geben? Glaubst du wirklich, dass die so verbohrt sind und nun gleich das Messer zücken?“

Yuki: „Hasst du Muslime?“

Mayumi: „Warum sollte ich andere Menschen hassen? Ich wehre mich nur gegen Bevormundung und Übergriffe, die, nach meiner Erfahrung, überwiegend aus dieser Gruppe kommen. Schau dir an was 2016 alles geschehen ist und wer, neben der Politik, die Verantwortlichen sind. Für die meisten dieser Typen sind westliche Frauen nur Huren, die sie benutzen dürfen.“

Yuki: „Aber du bist Japanerin!“

Mayumi: „Wie du auch, mein Schatz. Es spielt für viele keine Rolle, woher wir kommen oder wie wir aussehen. Für sie sind alle Frauen benutzbar, die sich westlich, offen kleiden. Medien und Politik unterdrücken viel zu oft Meldungen, wenn es um Übergriffe gegen Frauen geht. Aber sie nehmen zu, wie du weißt.“

Karin: „Was wäre, wenn wir vielleicht mehr und intensivere Hilfe oder Aufklärung für diese Menschen leisten?“

Mayumi: „NLP-Technik als Frage getarnt? Netter Versuch. (Sie lacht.) Niemand versagt wirklich Hilfsbedürftigen die Hilfe. Aber viele Migranten verschwinden sofort in Parallelgesellschaften und leben dort für immer. Sie wollen Geld, aber keine deutschen Werte teilen. Das bestätigen auch immer mehr voll integrierte Muslime, die wenig mit den altvorderen Worten des Korans anfangen können.

Und wir sollten endlich damit aufhören, alle die nach Deutschland kommen als Flüchtlinge zu bezeichnen. Genau das sind sie nämlich nicht! Wer einen florierenden Handel im Libanon aufgibt, sich als Syrer tarnt, um hier von Sozialhilfe zu leben, der ist grundverkehrt in diesem Land.“

Karin: „Du hast schon mehrfach erwähnt, dass es einen Krieg der Religionen oder Ideologien gäbe und man Muslime gezielt gegen Christen aufhetze. Wer macht das? Magst du dazu noch etwas sagen?“

Mayumi: „Das ist ein sehr komplexes Thema. Jeder der sich damit beschäftigt, bewegt sich am Rand der Verschwörungstheorie. Meiner Meinung nach, die aber auf den Studien anderer Wissenschaftler basiert, wird die Auseinandersetzung gesteuert und alte Vorurteile neu belebt.

Pauschal zu sagen, die USA steckten dahinter, ist falsch. Es sind nicht die USA allein, es ist das Großkapital, das zusammen mit der Politik eine Art Kartell bildet, quasi eine unheilige Allianz. Hinzu kommen in Deutschland noch die durch die GEZ finanzierten Medien. Der Gag schlechthin, wir zahlen für staatliche Propaganda.“

Karin: „Das klingt sehr vage!?“

Mayumi: „Es ist vage. Warum? Weil es eben keine feste Gruppe gibt, die sich in Kapuzen gehüllt trifft und als Geheimzirkel die Welt regiert. Wenn, so ist es eine Kooperation verschiedener Großkonzerne, Lobbyisten, PolitikerInnen, allerdings primär aus den USA, die ihren Reichtum auf Kosten der Bevölkerung mehren.

Jeder vernünftige Mensch kann und wird die Anzeichen erkennen, wenn er sich damit beschäftigt. Problematisch sind die vielen Spinner, die schnelles Geld mit der Angst von Menschen machen und von Geheimbünden reden, die aus Außerirdischen bestehen. Du verstehst, was ich damit meine?

Was wir (er)leben, ist eine Art Scheindemokratie, die uns manipuliert. Das muss kein Nachteil sein, wenn alle genug zu essen haben. Leider ist das nicht der Fall, was an der Gier und dem Neid innerhalb der Eliten liegt.“

Karin: „Noch ein Worte zur Presse. Gibt es noch guten Journalismus in Deutschland?“

Mayumi: „Für JournalistInnen wird es zunehmend schwieriger sich gegen den Einfluss von Politik und Kapital, also Werbung, durchzusetzen. Wenn der Chefredakteur ein bestimmtes Parteibuch hat, ist das so gut wie unmöglich.

Hinzu kommt noch, dass viele junge JournalistInnen nur Zeitverträge haben. Sie werden also vorsichtiger mit ihren Artikeln sein, um eine Verlängerung ihres Vertrages nicht zu gefährden. Darüber spricht natürlich niemand. Leider ist es traurige Wahrheit.“

Karin: „Ein spannendes Thema, aber da bin ich ganz bei dir! Glaubt man dir, wenn du das schreibst?“

Mayumi: „Es geht weniger darum mir zu glauben, sondern darum, die Dinge kritischer zu sehen. Die Menschen müssen wieder lernen nicht gleich jedem Wort der Politdarsteller blind zu vertrauen. Anhören, analysieren, eine zweite oder dritte Meinung einholen und sich selbst ein Bild machen. So funktioniert das wesentlich besser. Aber dieser kritiklose, blinde Gehorsam in Deutschland, ist wirklich erschreckend.

Viele werden von der herrschenden Klasse automatisiert, ihres Verstandes beraubt und auf Kurs gebracht. Bei Beamten ist das ganz schlimm. Schon wieder höre ich oft, dass „man“ ja lediglich den Vorgaben der Regierung folge.

Das haben die Kriegsverbrecher auch gesagt, als man sie mit den Bildern der Konzentrationslager konfrontierte. Ohne Sinn und Verstand, nur auf den eigenen kleinen Vorteil bedacht, werden Dinge ausgeführt, die langfristig für noch mehr sozialen Sprengstoff sorgen.“

Karin: Deine Kritik an den USA, den Herrschenden, wirkt sehr linkslastig auf mich!?“

Mayumi: „Die Kritik an der Demokratie, hat wenig mit politischen Überzeugungen zu tun. Eine echte Demokratie lebt von der Kritik, der Auseinandersetzung zwischen  BürgerInnen und PolitikerInnen.

Aber wenn man es genau nimmt, so stimme ich zumindest in einigen Punkten mit Frau Wagenknecht überein, die ich für sehr sympathisch und durchaus ehrlich halte. Zumindest im vorgegeben Rahmen, den auch sie nicht verlassen kann.“

Yuki: „Apropos Kritik! Du hattest einige Auseinandersetzungen mit anderen Bloggern, die ziemlich heftig wirkten. Bereust du das?“

Mayumi: „Heftig für wen? Ich streite mich nie im Internet, das ist und bleibt verlorene Lebenszeit. Richtig ist, dass es einige Versuche gab, die aber gescheitert sind.

Ich lese das durch, analysiere die möglichen Motive der Person und antworte vielleicht. Im Grunde genommen tun mir diese Menschen leid. Einige sind nur verblendet, wieder andere haben psychische Probleme.“

Karin: „Kannst du das präzisieren?“

Mayumi: „Für psychisch Kranke ist das Internet oft die einzige Möglichkeit um Dampf abzulassen. Ich bin dann sozusagen das Ventil für sie. Warum also soll ich ihnen schaden? Ich lasse sie vielleicht auflaufen, beweise ihnen das Gegenteil oder lösche den Kommentar. Danach herrscht meist Funkstille. Unabhängig davon finde ich es mehr als schwierig mich mit Menschen zu streiten, die mehr Achselhaare als Bildung und politischen Sachverstand haben.“

Karin: (Muss schallend lachen) „Wie kommst du nur immer auf solche Vergleiche! Aber ich habe den Eindruck, dass einige LeserInnen weder deine Intention noch deine Antworten verstehen.“

Mayumi: (schmunzelnd) „Was war jetzt die Frage? Schau, ich freue mich, wenn ich LeserInnen vielleicht ein Lächeln auf die Lippen zaubern kann oder ihnen dabei helfe ein Problem zu lösen. Oft reicht eine gezielte Frage aus, um ihren Blickwinkel zu ändern. Und die stelle ich.“

Yuki: „Was oft für Unverständnis sorgt. Ist das Absicht?“

Mayumi: „Es geht darum anderen zu zeigen, wie sehr man sie manipuliert hat. Leider fällt ihnen das umdenken schwer. Es ist nicht so, dass ich keine andere Meinung gelten lasse, aber wenn ich Dinge besser weiß, hört man mir besser zu.“

Yuki: „Deine Texte wirken oft so, als ob nur du die absolute Wahrheit kennst.“

Mayumi: (lacht) „Ich bin keine ausgebildete Journalistin und schreibe Texte auf meine eigene Weise. Dass ich mich dabei einiger literarischer Stilmittel bediene, sollte jeder wissen. Und wenn ich gut ankomme, habe ich doch etwas richtig gemacht.

Ich bin nun mal von mir und meiner Meinung überzeugt und bringe das auch zum Ausdruck. Und manchmal will ich provozieren, um den Denkprozess in Gang zu setzen. Vernünftiger Kritik bin ich immer zugänglich! Persönliche Attacken kontere ich aus.“

Yuki: „Immer?

Mayumi: „Nein. Wie ich schon sagte, was bringt es, wenn ich Depressiven die Leviten lese? Das dringt kaum durch den Tablettennebel. Ich lösche sie und gut. Und linke Hetze besteht meist nur aus persönlichen Beleidigungen. Mehr als dumpfe Parolen können die kaum. Wer keine eigenen Fakten hat, für den ist jeder ein Feind.“

Karin: „Und doch wirkst du oft sehr radikal in deinen Texten. Ich kenne dich gut und weiß damit umzugehen. Aber warum schreibst du keine Gedichte oder Kurzgeschichten mehr?“

Mayumi: „Mein Tag hat nur 24 Stunden. In einem Gedicht kann ich nicht immer das ausdrücken, was ich mit einem längeren Beitrag kann. Um Zeit zu sparen, wäre ein Haiku besser. Aber ich mag einfach die Themenvielfalt.“

Yuki: „Du hast dich an Weihnachten 2016 von fast zwanzig Blogs getrennt. Warum? Macht dir das nichts aus?“

Mayumi: „Viele waren verwaist. Wer mehr als sechs Monate keine Artikel schreibt, hat andere Interessen. Bei einigen Blogs habe ich bemerkt, dass ich diejenige bin, die kein Interesse mehr an den Inhalten hat. Also warum den Reader damit weiter belasten?“

Karin: „Das klingt sehr rational.“

Mayumi: „Ist es und nie persönlich.“

Yuki: „Apropos persönlich! Belasten dich Anfeindungen? Ich finde es immer eklig, wenn man dich gezielt angreift.“

Mayumi: „Warum sollten die mich belasten? Ich diskutiere mit jedem, der halbwegs sachlich bleibt. Wer mir dumm kommt, wer nur provozieren will, ist keiner Antwort wert.“

Karin: „Ich kann mich da an einige Diskussionen auf der Uni erinnern, also da sind wirklich die Fetzen geflogen!“

Mayumi: „Du meinst diese arroganten Brüder? Also da war ich wirklich zahm!“

Karin: „Ist klar! Warum waren die plötzlich so still?“

Mayumi: „Weil ich sie kognitiv suboptimiert nannte?“

Karin: (fällt fast vom Bett vor Lachen) „Jetzt erinnere ich mich wieder! Hast du weniger LeserInnen seit du politisierst?“

Mayumi: „Das Gegenteil ist der Fall. Allerdings werden politische Artikel von deutlich weniger Menschen kommentiert, als zum Beispiel meine Reiseberichte. Interessant dabei, die, die mir angeblich nicht mehr folgen, lesen noch immer heimlich mit. WordPress zeigt das sehr genau.“

Yuki: „Warum denkst du machen sie das, gibt es dafür einen Grund?“

Mayumi: „Neugier oder der Versuch Munition gegen mich zu finden. Besonders gern mag ich die Fraktion der „Statistiker“, die sich regelmäßig blamiert. Richtig armselig sind Anonyme, die zu feige sind um mit ihrem richtigen Account zu schreiben. Vielleicht sollte ich ein <<Best of>>, der Beleidigungen schreiben.“

Karin: „Warum äußern sich Menschen weniger zur Politik? Aus Unkenntnis oder haben sie Angst?“

Mayumi: „Beides. Viele wählen eine Partei nicht aus politischer Überzeugung, sondern machen eine Personenwahl. Wer ihnen sympathisch ist, der bekommt die Stimme. Klar spielt bei der schweigenden Mehrheit meiner LeserInnen der Faktor Angst eine Rolle.

Manche wollen sich auch nicht blamieren oder ihre wahre politische Überzeugung verbergen. Ein anderer Grund, ist eine befürchtete soziale Ächtung, wenn sie sich zum Beispiel als CDU WählerInnen outen.

Karin: „Bald sind Wahlen. Wie stehst du zur AfD? Siehst du sie auch als reine Populisten und Volksverhetzer, die zum Teil verkappte Nazis sind?“

Mayumi (schüttelt lachend den Kopf): „Das, meine Süße, ist eine Suggestivfrage. Aber gut. Der AfD stehe ich sehr kritisch gegenüber! Einzelnen Personen in dieser Partei noch mehr. Mit Frau Dr. Alice Weidel dagegen, würde ich mich gern länger und rein fachlich unterhalten. Auch mit Professor Jörg Meuthen. Vielleicht ergibt sich das noch.

Spannend daran, wir sind mehr oder weniger vom gleichen Fach. Eine Diskussion wäre also auf einem hohen Niveau zu Sachfragen möglich und jenseits von jeglichem Populismus. Bisherige Versuche einer Diskussion mit Leuten der AfD waren eher bescheiden.

Fairerweise muss ich dazu sagen, dass das auch bei GRÜNEN, SPD oder CDU-Anhängern kaum besser war. Die blubbern ihre leeren Parolen und bewegen sich dabei knapp über Stammtischniveau.“

Karin: „Treibt die AfD die CDU vor sich her?“

Mayumi: „Ja. Salopp ausgedrückt, wird sie den konservativen Flügel der CDU wieder auf Kurs bringen, davon gehe ich ganz stark aus. Nüchtern betrachtet, ist die AfD also eine Bereicherung der verkrusteten Parteienlandschaft.

Dabei sollte niemand vergessen, dass auch sie nur Teil des politischen Systems ist. Entweder gesteuert oder einfach nur mit anderen Ideen. Das wird die Zukunft zeigen.“

Karin: „Was genau meinst du mit gesteuert?“

Mayumi: „Ich habe es schon mehrfach zum Ausdruck gebracht, dass Deutschland fest in der Hand linker Kräfte ist. Die CDU/CSU hat sich diesem Zeitgeist angepasst, was wir Frau Merkel zu verdanken haben.

Aber es rumort tief in den Eingeweiden der Konservativen. Daher suchen sie händeringend nach dem geeigneten Mittel, um das Land wieder gerade zu rücken. Die AfD könnte dieses Mittel sein.

Man kann also hinterher sagen „Schaut nur, wir haben das Land vor den Rechten gerettet und jetzt bricht eine neue (konservative!) Zeit für Deutschland an. Die Linken sind dann auch nur noch Schnee von gestern, die werden mit der AfD entsorgt.“

Karin: „Man stigmatisiert die AfD also nur als Nazi-Partei, um eigene Fehler zu verschleiern? Und was meinst du mit hinterher?“

Mayumi: „So könnte man das durchaus sagen, ja. Wir erleben zur Zeit wieder einen Kampf der Eliten, die gegeneinander und gegen das Volk ins Feld ziehen. Mit hinterher meinte ich, dass ultrakonservative Kräfte innerhalb der Eliten versuchen werden, die Führung zu übernehmen.

Die Linken, die das Spiel entweder noch nicht begriffen haben oder einfach nur ideologisch verblendet sind, reagieren mit dem Schnappatmer-Reflex und sehen lediglich die AfD als Feindbild, die sie mundtot machen wollen. Aber noch leben wir in einer Gesellschaft, die andere Meinungen erlaubt, auch wenn es zunehmend schwieriger wird.

Karin: „Du hast die Meinungsfreiheit angesprochen. Siehst du die in Gefahr?“

Mayumi: „Ja! Schau dich nur um, rede mit anderen. Wo sind die großen Geister, die Philosophen? Wir leben in einer Generation, die kaum noch große Denker hat. Nimm Theodor W. Adorno, Max Horkheimer, von mir aus auch noch den umstrittenen Martin Heidegger. Wo sind solche Menschen heute?“

Yuki: „Basiert die Studentenrevolte und ihre Folgen denn nicht genau auf Adorno und Horkheimer?“

Mayumi: „Auch, ja. Aber vergiss Horkheimer, der eigentlich führende Kopf dieser Zeit war meiner Meinung nach Adorno. Auch wenn das ein Herbert Marcuse vermutlich anders sehen würde.“

Karin: „Bewunderst du Adorno?“

Mayumi: „Er war ein großer Denker, der andere zum denken anregen konnte. Selbst heute noch, viele Jahre nach seinem Tod. Wer denkt, der sei nicht wütend, hat er einmal gesagt. Diesen Spruch hat die Antifa nie verstanden.

Wenn ich jemanden in Teilbereichen bewundere, falls man das Wort in seiner ganzen Tiefe ausschöpfen möchte, so ist das, neben Doris Lessing, die großartige Hannah Arendt! Vermutlich haben die meisten Jugendlichen den Namen noch nie gehört. Und das finde ich erschreckend.

Unsere Philosophen heute heißen Daniela Katzenberger und Kollegah! Vollverblödete Automaten, die sich Menschen nennen, stieren in die Glotze oder vegetieren bis zu ihrem Tod dahin. Hinterfragt wird fast nichts mehr, selbst nachzudenken ist aus der Mode gekommen.“

Yuki: „Hat die Bildung in Deutschland gelitten? Wenn ja, warum?“

Mayumi: „Ja. Das hat auch viel mit den neuen Medien zu tun. Schau dir nur an, wie lange selbst wir oft vor den Rechnern sitzen. Jugendliche wachsen mittlerweile mit dem Handy auf, der Playstation und dem Internet. Spaß steht an erster Stelle. Sie werden zu einer Gesellschaft von Robotern gemacht, die nach dem Willen der Eliten funktionieren.

Die <<Erziehung zur Mündigkeit>> nach Adorno, wird von Spieleherstellern übernommen. Ziviler Ungehorsam war gestern. Schuld daran tragen aber auch die Linken, die andere Ideen und Meinungen mit faschistischen Methoden unterdrücken.“

Karin: (schmunzelnd) „Du bist eine Kämpferin und hast schon vielen Menschen geholfen, so kenne ich dich. Und du machst seit Ewigkeiten Karate. Ich bewundere dich dafür. Musstest du dich jemals wirklich verteidigen?“

Mayumi: „Du meinst, ob es um mein Leben ging. Ja, damals in Dortmund und auch schon in Düsseldorf. Ohne Karate wäre das übel ausgegangen.“

Karin: „Provozierst du nicht oft den Streit? Und einmal hast du mir Angst gemacht. Du erinnerst dich bestimmt.“ (Mayumi schaut mich mit ihren dunklen Augen an und auch als ihre beste Freundin, wird mir flau im Magen.)

Mayumi: „Buddha lehrt uns, dass uns niemand beleidigen kann und es daher auch keiner Vergebung bedarf. Ich habe einen ganz eigenen Sinn für Gerechtigkeit. In den meisten Fällen prallen die Worte an mir ab und verletzen den, der sie geworfen hat.

Aber wer meine Familie bedroht, wer die Hand gegen mich hebt, wer für den Tod eines mir nahestehenden Menschen mit verantwortlich ist, auch wenn es nur passiv war, der wird ein Problem mit mir bekommen.“

Karin: (Muss schlucken, als die Erinnerung an Natalies Tod wiederkommt.) „Vermisst du Nati sehr?“

Mayumi: „Ich habe keinen Zugang zu westlicher Trauerkultur. Ich erinnere mich und weiß, dass ich Nati irgendwann wiedersehen werde.“

Yuki: „Hasst du Tom immer noch?“ (Tom war Natalies Ehemann und trägt eine Mitschuld an ihrem Tod.)

Mayumi: „Ich hasse niemand. Aber er geht mir besser aus dem Weg.“ (Die letzten Worte klingen eisig.)

Karin: „Du bist Buddhistin. Könntest du trotzdem jemand umbringen, also nur so theoretisch, wenn dein Leben in Gefahr ist?“

Mayumi: „Du bist Christin. Könntest du trotzdem jemand umbringen, also nur so theoretisch, wenn dein Leben oder das deiner Familie in Gefahr ist?“

Karin: „…“

Yuki: „Was bedeutet Buddhismus für dich?“

Mayumi: „Primär eine andere Sicht der Dinge zu haben. Ich habe es mal so ausgedrückt, dass ich zwar auf den Papier Buddhistin bin, aber stets meinen eigenen Weg gehe. Durch meinen Vater kenne ich den Zen-Buddhismus sehr gut, aber ich bin keine vergeistigte Gläubige.“

Karin: „Du überrascht mich oft mit Aussagen, wenn ich das genaue Gegenteil von dir erwarte.  Oder du handelst einfach wenig buddhistisch. Warum?“

Mayumi: „Ich bin Feuer und Wasser, der See mit glatter Oberfläche, die den Vulkan verbirgt. Reicht dir das als Antwort?“

Yuki: „Wie stehst du zu Gewalt?“

Mayumi: „Gewalt von wem und gegen wen? Krieg ist die größte Sprachlosigkeit von Menschen. Auch wenn ich Karate lehre, bin ich keine sprachlose Kriegerin.“

Karin: „Aber du benutzt Gewalt doch selbst!“

Mayumi: „Wo habe ich jemals jemand ohne Grund angegriffen? Ich gehöre zu den Menschen, die sich zu wehren wissen und keine Hemmungen haben, das Erlernte einzusetzen. Aber Gutmenschen, mit rosa Brille, haben selbst damit ein Problem.“

Karin: „Warum benutzt du das Wort Gutmensch so oft? Du kennst doch bestimmt seine Herkunft.“

Mayumi: „Natürlich. Ich attackiere damit bewusst links-grüne Gesinnungsfanatiker, die in einer rosa Filterblase leben.“

Karin: „Du bist wirklich eine Samurai-Prinzessin!“

Mayumi: „Danke!“ (Sie lacht)

Yuki: „Themawechsel bitte. Könntest du dir vorstellen Deutschland für immer zu verlassen und in einem anderen Land zu leben?“

Mayumi: „Das liegt auch an dir. Ich kann mir alles, auch Japan vorstellen, wenn du bei mir bist.“

Yuki: „Japan und LGBT sind wie Feuer und Wasser. Es wird noch viele Jahre dauern bis Normalität einkehrt.“ (Mayumi lächelt und nickt.)

Mayumi: „Vielleich sollten wir die Szene dort aufmischen, was denkst du?“

Yuki: „Dass du Fieber hast!“ (Was folgt ist die typische Rauferei der beiden, bei der Yumi absichtlich verliert.)

Karin: (Fünf Minuten und unzählige Lacher später.) „Was sind deine Pläne bezüglich Kindern? Du … ihr wolltet doch welche adoptieren?“

Mayumi: „Das wollen wir immer noch. Aber unser Lebensstil gibt das zur Zeit nicht her.“

Karin: „Wer etwas will, der findet Wege. Wer etwas nicht will, der findet Gründe.“

Mayumi: „Korrekt. Aber wir können keine kleinen Mädchen mit in die USA, Schweden, zurück nach Deutschland und dann wieder Japan bringen.“

Karin: „Du und deine Mädchen!“

Mayumi: „Sagt die Mama, die selbst zwei Töchter hat.“

Karin (schnauft): „Lass uns noch mal über Politik sprechen. Wie siehst du die Chancen, dass die aktuelle Krise gelöst werden kann? Also Flüchtlinge, EU und Parteienkrise.“

Mayumi: „Die sogenannte Flüchtlingskrise ist hausgemacht und wird meiner Meinung nach gesteuert. Zum Teil zumindest. Die in Syrien geborene Österreicherin Laila Mirzo hat in einer Diskussion im österreichischen Fernsehen erzählt, dass ihr, bei ihrer Tätigkeit als Flüchtlingshelferin, immer wieder junge Männer aufgefallen seien, die schon nach wenigen Tagen zurück in ihre Heimat wollten. Gefragt warum, hätten sie die Aussage verweigert, bzw. das ginge sie nichts an gesagt.

Frau Mirzo hat dann irgendwann begriffen, dass sie Schleppern gegenüber stand, die mit den Flüchtlingen kamen und auf Staatskosten zurück wohin auch immer flogen. Und dort haben sie das Spiel erneut begonnen. Es gilt genau dem einen Riegel vorzuschieben, Schleppern vor Ort das Handwerk zu legen und sie drastisch zu bestrafen.

Es gilt auch dafür zu sorgen, dass sich die Lebensbedingungen von Menschen in arabischen und afrikanischen Staaten verbessern. Deutschland, Europa, kann nicht die ganze Welt aufnehmen. Das funktioniert finanziell auf Dauer nicht. Menschen in Not sollte man weiter helfen. Aber nur im Ausnahmefall in Deutschland selbst. Wie ich schon sagte, die Hilfe muss vor Ort erfolgen.“

Yuki (schmunzelnd): „Du sprichst wie Thilo Sarrazin.“

Mayumi: „Viel mehr Menschen sollten den Mann lesen. Was er vor Jahren schrieb, wird momentan Realität. Wir haben in Deutschland schon jetzt eine seltsame Mischkultur, die deutsche Traditionen und Werte verachtet und eine Art Neusprech, also dieses typische „was guckst du“ Gefasel geschaffen hat. Die Frage ist, ob wir das wollen. Ich will das nicht.“

Karin: „Ich auch nicht. Die Veränderungen in Deutschland machen mir Sorgen. Glaubst du wir schaffen das, wie Frau Merkel es formuliert?“

Mayumi: „Merkels Durchhalteparolen sind fast schon mit den letzten Tagen des Hitler-Regimes vergleichbar. Die Frau hat einen großen Fehler gemacht, zu dem sie öffentlich nicht steht. In Wirklichkeit hat sie ihre Position, wie so oft zuvor, schon wieder völlig geändert und betreibt eine Art Anti-Flüchtlingspolitik. Die Medien verschweigen das geschickt oder liefern nur nebulöse Bilder, aus denen sich fast niemand die Wahrheit ziehen kann.

Noch ein Wort zur Parteienkrise, der Vertrauensverlust der BürgerInnen und zur EU. Deutschland hat keinen Euro gebraucht und Deutschland braucht auch keine übermächtige EU-Bürokratie. Brüssels Macht muss in der jetzigen Form weg. Die alte EWG reicht völlig aus.

Was nun die deutschen Parteien betrifft, die brauchen von Grund auf eine Reform. Wir brauchen keine ParteisoldatInnen, denen man auf dem Weg ins Parlament das Rückgrat bricht und die dann dort angekommen nur noch Marionetten ohne eigenen Willen sind.

Ich möchte gern ehrliche Menschen im Parlament sehen, die sich um die Interessen der BürgerInnen kümmern und sie auch stets zu Wort kommen lassen, Stichwort Volksbefragung. Mehr direkte Demokratie und vor allem weg vom Neoliberalismus, das muss ein erklärtes Ziel für eine kommende Generation von PolitikerInnen sein.“

Karin: „Wirst du weiterhin politische Beiträge schreiben? Und um das zu erweitern, glaubst du, dass dein Blog die richtige Plattform ist? Du erreichst doch damit nur wenige Menschen.“

Mayumi: „Den Blog hatte ich vor vier Jahren als Spaßprojekt gestartet, um mich mit anderen lesbischen Frauen auszutauschen, vielleicht den ein oder anderen Tipp zum Coming Out zu geben. Über Facebook hätte ich natürlich eine Masse an LeserInnen mehr, aber müsste auch die Zensurkeule fürchten.

Das ist eine Sache und hat nichts mit Angst zu tun. Die andere, der Faktor Zeit und Geld. Ich kann mir den Blog nur leisten, da ich mehr oder weniger auf einem guten Fundament stehe, also finanziell abgesichert bin. Jede Stunde, die ich für den Blog investiere, kostet Geld.

Nicht im wörtlichen Sinn! Aber wenn ich blogge, wenn ich für Artikel recherchiere, mir Videos anschaue oder Bücher lese, so ist das mit einem immensen Zeitaufwand verbunden, den ich gegenfinanzieren muss. Auf Dauer gesehen werde ich kürzer treten müssen, so leid mir das auch tut.“

Karin: „Glaubst du, dass du mit deinem Blog Dinge ändern kannst?“

Mayumi: „Was passiert mit einem Schneeball, der vom Abhang eines Berges nach unten rollt? Unten angekommen ist er entweder größer oder zu einer Lawine geworden.“

Yuki: „Ein Wort zu Martin Schulz?“

Mayumi: „Ein Blender.“

Karin: „Warum gehst du nicht selbst in die Politik? Ich würde dich sofort wählen!“

Mayumi: „Du bist meine beste Freundin, also voreingenommen. Und in welche Partei soll ich gehen?“

Yuki: „Hast du nicht in deinen Beiträgen davon gesprochen, dass Parteien nur von den Eliten geschaffen worden sind, um dem Volk eine scheinbare Wahl zu präsentieren?“

Mayumi: „Ja. Aber ich möchte mich nicht immer auf der Metaebene bewegen. Gegen die Finanzeliten kann ich als Einzelne kaum etwas unternehmen. Aber ich kann ihre Handlanger kritisieren, ausbremsen und „gute BWL“ verkaufen. Und dann hoffe ich auf den schon angesprochenen Schneeballeffekt.“

Karin: „Wen wählst du?“

Mayumi: „Schauen wir uns die Parteien genauer an, ohne auf die Metaebene abzugleiten. Die SPD ist völlig aus dem Ruder gelaufen. Schröder hat die Sozialdemokratie verkauft und kommt nun, da Merkels Ende naht, aus der Deckung, um ihr noch einen finalen Tritt zu geben. Gabriel ist gescheitert. Schon wieder.

Schulz ist ein Linkspopulist und Karrieresüchtiger, ein ambitiöser Macho, der nur an die Fleischtöpfe will. Mit ihm als Kanzler, ist Deutschland verloren. Der Mann ist ein Eurokrat mit neoliberaler Gesinnung. Der SPD fehlen echte Sozialdemokraten, die diesen Namen auch verdienen.“

FDP: Was soll man zu dieser mittlerweile profillosen Partei noch sagen? Seit Jahren stolpern sie als Wendehälse ohne Plan durch die Welt. Sie versuchen zur Zeit einen Spagat und besetzen auch AfD-Positionen. Aber ihnen fehlten immer schon die richtigen Ideen. Außer einigen wenigen guten PolitikerInnen, hatten sie nie viel zu bieten.

CSU: Seehofer ist ein Papiertiger. Die ganze Münchner Riege auch. Die CSU im Land ist anders. Konservativer, aber niemand hört auf sie. Ich kann Seehofers Taktik zwar verstehen, aber er ist und bleibt zu zögerlich. Irgendwann muss er sich klar bekennen. Der CSU als bundesweit auftretender Partei, wäre vermutlich ein größerer Erfolg beschieden, als sie sich das selbst vorstellen könnte.“

CDU: Ist zur Merkel Union geworden. Mutti befiehlt und alle folgen. Konservativ war gestern. Heute sind sie linker als die SPD. Klar ist das Absicht, aber mit Merkels dogmatischer Haltung, wird sie auf Dauer scheitern. Leider ziehen sie uns bis dahin mit in den Abgrund.

Die GRÜNEN: Die vermutlich größte Enttäuschung seit Jahren. Wenn dort die Realos übernehmen, wenn Künast, Roth, Peter, Göring-Eckhardt und einige andere verschwinden, wenn sie endlich wieder vernünftige Ideen haben, dann kann man die erneut auf Bundesebene wählen. Lokal geht das zum Teil noch.

Die LINKE: Hat mit Frau Wagenknecht und Herrn Gysi genau zwei Leute, die Dinge klar beim Namen nennen. Ansonsten ist die Partei irgendwie seltsam und wird den SED-Geruch in diesem Leben nicht mehr los. Bewusst habe ich Herrn Lafontaine ausgeklammert. Der gehört eigentlich in die SPD. Da hätte er bleiben sollen und Schröder stürzen.

AfD: Zu neu, zu unerfahren, mit teilweise den falschen Leuten im Kader. Auf dem Papier gute Ansätze, aber auch realitätsfern. Wie ich schon sagte, ich stehe der Partei sehr kritisch gegenüber. Aber ich verteufele sie nicht, wie das pseudolinke Schnappatmer gern tun. Es ist wichtig auch mit dieser Partei zu reden. Das ist Demokratie.“

Als Fazit kann ich nur sagen, dass ich als Selbstständige mit wirklich Liberalen mehr anfangen könnte, als mit allen heutigen Parteien. Als LGBT-Aktivistin und Feministin wären mir die GRÜNEN lieber, aber leider in der Summe nicht mehr.

Sogar mit rein marxistischen Ideen kann ich mich zum Teil anfreunden. Weniger mit diesem Staatsterror, auch Kommunismus genannt. Wen ich wähle, wird sich noch zeigen. Vielleicht vermeide ich das und geben meinen deutschen Pass zurück.“

Karin: (Fassungslos, als Mayumi diese Worte sagt.) „Das meinst du jetzt wirklich? Du willst die deutsche Staatsbürgerschaft ablegen?“

Mayumi: „Ja. Wir haben darüber nachgedacht. Seit 2015 haben wir wieder gültige japanische Pässe. Damit können wir nach Japan, aber auch in die USA.“

Karin: (kommen die Tränen) …

Yuki: „Du bist mal wieder unmöglich, jetzt heult Karin wegen dir! Wir wollten ihr das doch schonend sagen.“

Mayumi: „Was nichts am Ergebnis geändert hätte.“

Karin: (Beruhigt sich wieder und holt tief Luft.) „Du wirkst immer so kalt und kontrolliert. Warum bist du so?“

Mayumi: „Glaubst du das wirklich? Schau, jeder Mensch hat Gefühle. Ich habe meine nur besser im Griff.“

Yuki: „Ich bewundere dich dafür. Gegen dich bin ich die reinste Heulsuse!“

Karin: (Schüttelt vehement den Kopf.) „Ihr habt beide eine Selbstdisziplin, die mir immer fremd bleiben wird.“

Mayumi: „Sollen wir dich mit nach Japan nehmen?“

Mitgenommen habe ich (Karin) etwas von Yumis Ausstrahlung und Energie. Wer sie als Freundin hat, braucht keine Feinde mehr. Den Satz habe ich mir lachend erkämpft. Vielen Dank fürs lesen und bis zum nächsten Mal, sagen Karin, Yuki und das Biest.


Elfe und Biest machen einige Tage Pause und besuchen das Dinah Shore Event. Kommentare kann und werde ich erst wieder nächste Woche freischalten.

Los Angeles reloaded

Urpsrünglich sollte an dieser Stelle (m)ein Reisebericht nach Los Angeles stehen. Dort sind wir nach mehr als 14 Stunden Flugzeit angekommen. Aber worüber soll ich schreiben, wenn der Flug normal bis langweilig ist? Alles schon gesehen. Wirklich?

In Gedanken bin ich noch in Düsseldorf und Herne. Deutschland 2017, die Morde werden mehr am Horizont. Da schlachtet ein 19 Jahre alter Deutscher ein Kind und (s)einen Kumpel und wird nun genüsslich von der Presse fertig gemacht.

„Der Staatsanwalt kündigte bereits an, Marcel Heße psychiatrisch begutachten zu lassen“, schreibt SPON. Komisch, von dem Düsseldorfer Axttäter wusste die Polizei sofort, dass er gestört ist. Vermutlich hat man dort hellseherische Qualitäten.

Endlich, ja endlich war es ein Deutscher, der eine böse Tat begangen hat. Es jubelt der SPIEGEL, die linke Presse geifert im Chor. Wie lange der junge Mann das überleben wird steht in den Sternen. Die Bandidos haben bereits Front gemacht.

Kaum ein Wort in der Presse über Düsseldorf. Klar, der Täter war Asylbewerber. Das entschuldigt die Tat und auch das Maß der Berichterstattung. Hat jeder den Sarkasmus bemerkt?

Ein verblödeter Facebook User stellt ein Video vom blutverschmierten Bahnsteig ein und bezeichnet sich als „Augenzeugen.“ Vielleicht sollte er in die Türkei ausreisen, dort sind „Schlachtfeste“ die Normalität.

Kurz Aufregung im Flugzeug, als über die Festnahme in Essen geredet wird. Ein deutscher IS-Kämpfer soll der Drahtzieher sein. Aber ein Pass ist noch kein Garant für die friedliche Gesinnung. Ein alter Mann schüttelt immer nur den Kopf. „Das ist doch nicht mehr Deutschland“, höre ich ihn sagen, „wohin soll das alles noch führen?“

Vorgeführt wird Europa zur Zeit aus der Türkei. Der Sultan schimpft und wettert, wenn seine MinisterInnen nicht mehr für ihn werben dürfen. Deutschland sucht den diplomatischen Weg, hat sich Frau Merkel doch erpressbar gemacht.

Wovor hat man in Berlin Angst hat, ist Thema einer kleinen Runde. „Die haben doch alle keine Eier in der Hose“, sagt ein junger Mann. „Was soll passieren, will der uns etwa den Krieg erklären?“ Die Worte gefallen mir, aber Diplomaten denken anders.

„Hoffentlich lassen die uns einreisen“, sagt Yuki zum wiederholten Mal. Sie macht sich Sorgen, dass Trumps Präsidentschaft unsere Pläne durchkreuzt. „Mach dir keinen Kopf“, beruhige ich sie. „Zur Not rufe ich Onkel Jiro an.“

Der Blick meiner Mutter hängt mir nach. Für einen kurzen Augenblick habe ich Traurigkeit bemerkt. Und auch Papa Sensei hätte mich gern länger gesehen. Zumindest habe ich versprochen fleißig Karate zu üben, damit der 4. Dan kein Reinfall wird.

Aber bis dahin werden noch einige Monate vergehen und wir die USA unsicher machen. Ally und Heather freuen sich auf uns und ich werde den armen Feng erneut zum Spaß „verprügeln.“ Deutschland werde ich weiterhin im Fokus haben und mich zu Wort melden, wenn mir danach ist.

In Los Angeles angekommen, ist die Einreise kein Problem. Uns erwarten zwei sonnige Gemüter und wunderbare 27 Grad! Sommer, wir kommen! Müde, aber glücklich, tauschen wir Neuigkeiten aus. Die nächsten Tage werden wir in unserem Apartment verbringen.

Los Angeles reloaded trifft es gut. Wir sind wieder im Land der nahezu unbegrenzten Möglichkeiten. Frau Merkel ist auch fast auf dem Weg. Es sei denn, dass auch ihr die Einreise verweigert wird und Präsident Trump nun Deutschland zu keinem sicheren Herkunftsland erklärt. Hat man alles schon gesehen. Wirklich.

Wing Chun – Der ewige Frühling

Viele Mythen und Legenden ranken sich um die fernöstlichen Kampfkünste. Von unbesiegbaren HeldInnen und wundersamen Techniken ist die Rede, die jeden Gegner lässig niederstrecken.

Das ist so dumm wie falsch und schon allein das Wort Gegner ist dabei der falsche Begriff. Ursprünglich hat man Wushu / Kung Fu zur körperlichen und geistigen Fitness erschaffen. Erst viel später haben die Shaolin Mönche daraus die Kunst der Selbstverteidigung gemacht.

Die kämpfende Kunst

Vor einigen Monaten hatte ich am Beispiel Karate über den Unterschied zwischen Kampfkunst und Kampfsport geschrieben und warum die reine Kampfkunst in einem Wettkampf unbrauchbar ist.

Wer diese Artikel noch nicht kennt, der darf gern HIER und HIER klicken.

Bei meinem Aufenthalt in den USA, habe ich mehrfach mit Sifu Feng über dieses Thema gesprochen. Auch sein Wettkampf Tai Chi ist nur die abgewandelte Form jener Kunst, die in Konkurrenz zu den aus dem Shaolin „Kung Fu“ entwickelten Stilen steht.

Für Feng überraschend, dass ich als Karateka, die „Klebenden Hände“ beherrsche. Einerseits gibt es die auch im Goju Ryu Karate und andererseits im Wing Chun. Und auch das habe ich gelernt.

Wing Chun, das man mit „Ewiger Frühling“ übersetzen kann, ist ein vermutlich im frühen neunzehnten Jahrhundert entstandener südchinesischer Kung Fu Stil, der seit den 1970er Jahren auch Furore im Westen macht. Leider haben Geschäftemacher viel kaputt gemacht, aber das soll heute kein Thema sein.

Kurz vor meiner Abreise hatte Feng Besuch von einem befreundeten Sifu, der als Kind und Jugendlicher zehn Jahre lang Wing Chun trainierte und vor fast zwanzig Jahren zum Tai Chi gewechselt ist. Gemeinsam haben wir die beiden Systeme analysiert und die Unterschiede herausgestellt. Und das war auch für mich hochinteressant.

The men of Tai Chi

Sifu Dan ist Amerikaner und knapp vierzig Jahre jung. Sein Stiefvater habe bei Hawkins Cheung in Los Angeles trainiert und ihn zum Training mitgenommen, erzählt er uns. „Als Kind hat mir Wing Chun geholfen“, sagt er. „Ich war ein schmächtiges Kerlchen und immer Opfer der älteren Schüler. Als ich mich erstmals wehrte, haben sie mich in Ruhe gelassen.“

Fast automatisch erscheinen die Bilder in meinem Kopf, die mich als siebenjähriges Mädchen auf dem Pausenhof der Schule zeigen und als „Opfer“ eines üblen Streichs. Ein Mitschüler hatte mich ohne Vorwarnung zu Boden gestoßen, beleidigt und dabei noch gelacht. Mein Karate hat ihm dann Manieren beigebracht.

„That’s life in the USA“, stichelt Feng und lacht. Die Männer nicken wissend, als ich meine Geschichte erzähle. „Ich glaube das haben wir alle durchgemacht“, sagt Dan. „Aber im Gegensatz zu anderen sind wir wieder auf die Füße gekommen.“

„Warum und wann hast du mit Wing Chun aufgehört?“, will ich wissen. Seine Antwort ist überraschend. „Nicht aufgehört“, lässt er mich wissen, „in meiner Schule wird auch Wing Chun unterrichtet. Nur unser Schwerpunkt ist Tai Chi.

Ich bin als junger Bursche zu den Marines. Wing Chun hat mir zu Beginn meiner Ausbildung geholfen, aber als wir Bodenkampf und Boxen übten, stand ich auf verlorenem Posten.“

Ich ahne warum, aber will es genauer von ihm wissen. „Woran genau lag es deiner Meinung nach?“ „Wir haben bei Hawkins zu wenig Sparring gemacht und nie mit fremden Stilen geübt. Alles war sehr theoretisch. Und ich kann schlecht einem Trainingspartner die Knochen brechen.“

Gegen jede Regel

Dan spricht ein Problem an, das viele Kampfkünstler haben, wenn sie in einem Ring nach Regeln kämpfen sollen. Schläge zum Kehlkopf oder Tritte in den Unterleib gehören zur Selbstverteidigung, im Sport sind sie aus gutem Grund verboten.

Auf der anderen Seite gibt es aber diese Arroganz scheinbarer Überlegenheit im Lager der Wing Chun Verfechter. Und das ist, bei aller Sympathie für diesen Stil, eine glatte Lüge. Dan sieht das ebenso. „Hawkins Cheng ist ein netter Kerl. Aber er hat auch den 3. Dan im Karate.

Viele, die sich jetzt Sifu nennen und wirklich gute Wing Chunler sind, haben noch einen zweiten oder dritten Hintergrund. Sie mixen diverse Stile und erst das macht sie gut. Oder sie schummeln, wie Sifu Moore.“

Dan zeigt uns ein Video, das ich ebenfalls kenne. Ein beleibter Mann, wird von einem schmächtigen Karateka „angegriffen“ (Sparring) und schiebt diesen dann quasi vor sich her. Das hat wenig mit Wing Chun, aber viel mit physikalischen Gesetzen zu tun. Der Mann ist einfach schwerer. Punkt.

„Ein großer Nachteil diverser Stile, ist der Fokus auf Hände und / oder Füße“, sagt Dan. „Wir können Tritte und Schläge, aber am Boden verlieren wir.“ „Das klingt wie Werbung für Brasilian Jiu-Jitsu (BJJ)“, stichele ich. „the most effective Martial Arts on the Planet.“

And the winner is …!

Herzliches Lachen folgt meinen Worten, die beiden verstehen den Gag. „BJJ ist in erster Linie Sport“, sagt Dan und auf der Straße völlig unbrauchbar. Das gilt für alle ringenden Sportarten. Kein Mensch wälzt sich auf dem Asphalt.

Die scheinbare Überlegenheit von BJJ basiert auf dem Überraschungseffekt, den auch Wing Chun kennt und auf deren Regeln. Bei Vergleichskämpfen mit BJJ scheuen sich andere Sportler sehr oft, die wirklich effektiven Kicks oder Schläge zu landen.“

„Oder sie dürfen nicht“, füge ich hinzu. „Bei Judoka oder Ringern sieht das ganz anders aus. Kein BJJ-Sportler steht lange gegen einen guten Freistil Ringer. Man kann solche Sportarten ganz schlecht vergleichen.“

„Ich sehe Wing Chun als eine Sonderform unter den Kampfkünsten“, sagt Dan und nickt zustimmend. „Es ist reine Selbstverteidigung und eine Art Straßenkampf. Relativ einfach aufgebaut gibt es dort keine Geheimnisse. Die werden nur von diesen selbsternannten Großmeistern Leung Ting und Keith Kernspecht propagiert. Jeder kann Wing Chun erlernen. Dafür braucht es keine Ewigkeit.“

„Mit erlernen meinst du die Formen oder die Techniken inklusive Schmetterlingsmesser und Langstock?“, frage ich. „Wenn du Wing Chun als reine Kunst siehst und wirklich jede Handbewegung akribisch und auf den Millimeter genau lernen möchtest, wirst du vermutlich ewig brauchen“, erwidert Dan. „Und du wirst im Ernstfall die Prügel deines Lebens beziehen. Die meisten Wing Chunler können nicht kämpfen.“

Dans Worte sprechen das Problem an, das ich am Beispiel Aikido verdeutlichen will. Aikido ist als Wettkampfsport völlig ungeeignet und nur die kultivierte Form des Aikijujutsu. Bei Wing Chun ist das ähnlich. Nur gibt es dort keine offizielle sportliche Form. Eventuelle Wettkämpfer sind einfach nur Kickboxer.

Die Analyse

Dan holt einen Schnellhefter aus der Tasche und zeigt uns auf mehr als fünfzig Seiten seine Analyse von Wing Chun und Tai Chi. Grob gesagt ist sein Fazit, dass Tai Chi das wesentlich komplettere System ist, schwieriger zu lernen, aber im Endeffekt effektiver.

„Wing Chun ist nicht komplett“, erklärt Dan. „Man hat dort Elemente aus dem Tai Chi und vermutlich dem Shaolin Kung Fu sozusagen extrahiert und um ein imaginäres Dreieck herum modifiziert. Ich spreche von den kurzen, schnellen Bewegungen, die immer die eigene Mitte schützen und gleichzeitig zum Zentrum des Gegners gehen.

Der Erfolg, den einige wirklich gute Wing Chunler mit dieser Methode haben, basiert lediglich auf dem Überraschungseffekt. Aber mit einem Kettenfauststoß gewinnt man keinen ernsthaften Kampf. Mit einem Tritt in den Unterleib schon.“

„Das ist mein Spruch!“, protestiere ich lachend. „Ich glaube ich weiß, was du meinst. Auch Karate kommt ursprünglich aus China und ist vermutlich aus dem Weißen Kranich Stil entstanden. Aber Japaner sind Puristen und haben überflüssige Bewegungen eliminiert, was sehr gut im Shotokan Karate zu sehen ist. Mein Stil, das Goju Ryu, ist noch näher am Original.“

„Tai Chi basiert auf einem Kreis“, fährt Dan fort und Feng stimmt zu. „Greift ein Gegner an, wird der Wing Chunler der Kraft ausweichen oder um sie herum arbeiten und gleichzeitig attackieren. Tai Chi wird die Kraft, den Schlag oder Tritt quasi aufnehmen und absorbieren, um erst dann zu attackieren.

Dreieck und Kreis

Die Bewegungen beim Tai Chi sind kreisförmig, um es einfach auszudrücken. Beim Wing Chun dagegen eckiger (Dreieck Prinzip). Ein weiterer Unterschied liegt im sogenannten Trapping, dem immobilisieren der Arme oder Beine.

Das funktioniert im Training für Wing Chunler wunderbar. Im realen Leben habe ich so meine Zweifel. Steht mir ein muskulöser Kraftmensch gegenüber, so geht das in den meisten Fällen gewaltig schief.

Tai Chi macht das besser, indem man einen Gegner aus der Balance bringt. Greift jemand nach mir, gebe ich nach und leiste keinen Widerstand. Bis zu diesem Punkt kann man sich darüber streiten, ob beide Systeme nicht teilweise das Gleiche machen, wenn auch mit anderen Methoden.

Der größte Unterschied liegt aber meiner Meinung nach in der Sensitivität. Wing Chuns klebende Hände sollen hier das Maß aller Dinge sein, was nur zum Teil richtig ist. Nicht nur Wing Chun kennt diese Form, wie Mayumi schon angesprochen hat, gibt es die auch im Okinawa Karate und anderen Kung Fu Stilen.

Mit dem Unterschied, dass im Wing Chun leider wirklich nur die Arme sensibilisiert werden, im Tai Chi aber der ganze Körper. Wing Chun gilt als reiner „Close Range Combat.“ Und das macht das System recht gut. Bis man, rein theoretisch, auf den Weltmeister im Kyokushin-Karate trifft.“

Kick it

Wir müssen alle lachen. Dan spricht von den blitzartig aus nächster Nähe nach oben gezogenen oder gesprungenen (Dreh)Kicks zum Kopf, mit denen ich Feng im Sparring überraschte. „Wing Chun übt Druck nach vorn (auf den Angreifer) aus“, fährt Dan fort, „aber es geht immer nur um die Mitte, das Zentrum.

Tai Chi ist ein 360 Grad System, das sich wie ein junger Baum verhält. Zieht man daran oder drückt und lässt dann los, geht der Baum in seine ursprüngliche Position zurück. Tai Chi attackiert den ganzen Körper und ist das wesentlich komplettere System. Falls man es bis zum hohen Level schafft.“

„Der Blick über den Tellerrand ist wichtig“, ergänze ich. „Unbedingt!“, stimmt mir Dan zu. „Es geht mir nicht darum einen Stil zu verteufeln und die Überlegenheit eines anderen anzusprechen, aber viele meiner Schüler haben vorher etwas anderes gemacht und sind nun wesentlich zufriedener mit ihren Erfolgen.“

„Könnte man Wing Chun als Einstieg in die Welt der Kampfkunst sehen?“, will ich wissen und Dan nickt. „Das hast du gut formuliert“, erwidert er, „aber ich sehe das komplexer.

Wie ich schon sagte ist Wing Chun ein einfaches System, das vor allem für körperlich schwächere Menschen interessant ist. Vor allem für Frauen.“ Er grinst, als er meinen Mittelfinger sieht. Humor, den auch Dan versteht.

Hinterm Horizont geht’s weiter

„Du wirst dort viele treffen, die kaum Fitness haben oder einfach unbeweglich sind“, fährt er fort. „Für die wäre Karate Mord. Auch für Kinder ist Wing Chun eine tolle Sache. Aber wer Wunder erwartet, wird bitter enttäuscht.

Wer dazu in der Lage ist und echte Fortschritte machen möchte, dem rate ich sich auch anderweitig umzusehen. Ohne den direkten Vergleich, wird man immer limitiert bleiben. Und die angeblich so guten Wing Chunler aus Hongkong machen in Wirklichkeit nur Sanda (Chinesiches Kickboxen).“

Auch Feng stimmt zu. „Ja“, sagt er, „das habe ich mittlerweile auch erkannt. Ich musste auch Kickboxen lernen, um bei Meisterschaften erfolgreich zu sein. Trotzdem hat mir mein Tai Chi Hintergrund dabei geholfen. Und schon Bruce Lee hat die Stile gemischt.“

Unvermischt und pur bleibe nur ich meinen LeserInnen erhalten. Auch wenn ich Deutschland nächste Woche wieder in Richtung USA verlassen werde.

Lichter der Großstadt – Teil 5: Jane got a Gun

Fun Fan (Fan)

Wang Yifan, die jeder nur Fan Fan nennt, ist ein kleiner Wirbelwind. Feng zuliebe hat sie Tai Chi gelernt und ist darin schon recht gut. Aber was für Feng Leidenschaft ist sieht bei ihr (nach)lässig aus. Wir treffen Fan Fan im zweiten Training und verstehen uns sofort.

Mein Talent mit (neuen) Menschen umzugehen, hat mir auch bei diesem Paar geholfen. Vielleicht lag es auch nur daran, dass wir alle Asiaten sind. Zwischen jungen Japanern und Chinesen gibt es kaum Vorurteile. Zumindest soweit es mich betrifft.

„Weißt du wie verrückt es ist, dass man in China verschiedene Sprachen spricht?“, sagt Fan Fan nach dem Training. Wir müssten uns schriftlich (Kanji) verständigen, wenn ich Feng nicht in Los Angeles sondern in Hongkong getroffen hätte und er kein Englisch könnte!“

Ich nicke. Auf diese Weise haben sich früher auch Japaner und Chinesen unterhalten. Und das machen sie heute noch. Zwar haben sich die Kanji in beiden Ländern verändert, aber dafür gibt es DolmetscherInnen. Und schon ist alles gut.

Heimat

Fan Fan stammt ursprünglich aus Hongkong und zieht Feng als „Beutechinesen“ auf. „Der kann nicht mal kantonesich!“, hat sie sich im Spaß empört. Ihr britischer Akzent ist lustig, den hat sie in Hongkong gelernt.

Wir erklären der staunenden Ally, was einzelne Zeichen im jeweils anderen Land bedeuten, was für Lachanfälle und Heiterkeit sorgt. „Asien“, sagt sie, „fand ich neben Deutschland schon immer interessant.“ „Okay“, sage ich, „wann fliegen wir?“

Spontan lade ich sie und Heather ein, uns im Sommer in Fukuoka zu besuchen, was für strahlende Gesichter sorgt. Nur das leidige Thema Geld verhindert ihren Plan für den Moment.

„Deutschland würde ich auch gern besuchen“, sagt Feng. „Berlin soll toll sein! Und dieses Hofbräuhaus in München!“ „Der mag Bier!“, empört sich Fan Fan, „dabei verträgt er absolut nichts!

Erzähl doch mal, wie ich dich nach Hause bringen musste, als du zu viel davon getrunken hast.“ Fengs ganzes Gesicht verwandelt sich in Lachen. Der Mann hat einen riesigen Humor. Und er liebt Fan Fan, das ist klar zu sehen.

„Vermisst ihr eure Heimat?“, will Fan Fan wissen und hält sich erschrocken die Hand vor den Mund. Ich habe verstanden. Die Frage ist, wo unsere Heimat ist. Ich schaue Yuki an und sie nickt zögernd. „Schon“, sagt sie. „Aber ich finde es auch toll in den USA zu sein.“

„Ich bin dort zu Hause, wo Yuki ist“, ist meine Antwort. „Vielleicht kommen wir permanent nach Amerika, vielleicht gehen wir zurück. Und Japan ist auch eine Option. Aber wirklich nur im Notfall. Ich bin zu sehr im Westen sozialisiert.“

Fan Fan und Feng nicken synchron. „Das geht uns beiden auch so“, sagt sie. „Außerdem leben in unserer Heimat zu viele Chinesen“, ergänzt Feng und grinst dabei. Humor der besonderen Art.

Wir sprechen über seine Sorgen, von seinen SchülerInnen leben kann er leider nicht. Es ist kein jammern, er erzählt es ganz gelassen. „In spätestens sechs Monaten ist der Laden dicht.“

Kanji vs. Hanzi

„Ich habe mal vor einer Weile versucht einen japanischen Text zu lesen“, erzählt uns Fan Fan. „Einige Hanzi konnte ich erkennen, aber diese anderen Symbole nicht. Wie ist das bei euch, könnt ihr chinesische Texte verstehen?“

„Wir nennen die Symbole Kanji“, erwidere ich. Die anderen Schriften sind Hiragana und Katakana. Auch wir verstehen nur einen Teil komplexer Texte. Das hat einen besonderen Grund.

Japan benutzt noch die Langzeichen und hat eine Reform gemacht, mit der die Volksrepublik China nicht einverstanden war. Die hat dann die Kurzzeichen eingeführt und wir dürfen nun raten. Das funktioniert zwar, aber dann gibt es wieder die unterschiedlichen Bedeutungen.“

Fan Fan schmunzelt und nickt, als Elfchen das Wort ergreift. „Wir könnten uns zwar Briefe schreiben und sinngemäß die meisten Formulierungen verstehen. Aber eben wirklich nur fast! Missverständnisse inklusive.“

Ich kenne einige der Unterschiede und male sie auf einen Block. Vor allem Feng lacht schallend, als ich das Kanji für Toilettenpapier schreibe, das in Japan Brief bedeutet. Prompt nenne ich ihn „Baka.“ Er kennt das Wort und lacht noch mehr.

The new Deal

Einige Tage vergehen, das Leben plätschert seicht. Die USA warten auf Trump und ich auf Merkels Fenstersturz. Aber während „El Presidente“ bald auftrumpfen darf, wird der Abgang Merkels noch dauern.

Ein kleines Highlight reißt uns aus der Routine von Firmenberatung und Übersetzungen. Allys Dad, der Oberstleutnant, hat eingeladen, die Base hat einen Tag der offenen Tür. Es ist Samstag, Ally und Heather sind dabei und unsere neuen Freunde Feng und Fan Fan.

Überall wimmelt es von Uniformen und Rangabzeichen, die ich bisher nur aus Filmen kannte. Stolz werden uns Ausrüstung und Fahrzeuge gezeigt. Die Sporthalle weckt mehr mein Interesse.

Eine blonde Frau, die mich locker um zwei Köpfe überragt, wirbelt einen jungen Mann über die Matte. Der arme Kerl versucht alles, aber ich erkenne eine Judoka. Feng darf gegen einen Sergeant antreten, der gut ist, aber keine Chance hat. Allys Dad schaut zu und nickt immer wieder anerkennend.

„Jetzt sehen Sie unser Problem“, sagt er zu Feng. „Es fehlt ein guter Trainer!“ Er überlegt kurz und spricht dann mit der Blonden, die er uns als Major Nancy Obermeier vorstellt. „Ja“, sagt sie und lacht, „ich habe deutsches Blut in mir. Leider kann ich nur wenige Worte sprechen.“

Zwei Soldaten  machen Sparring, was einfach nur fürchterlich schlecht aussieht. Nancy bemerkt meinen Blick und seufzt. „Können Sie Karate?“ „Etwas“, erwidere ich. Darf ich?“ Ich korrigiere den Stand der Männer und zeige, was falsch an ihrer Deckung ist.

Nancy nickt. „Sie sind eine Sensei, stimmts?“ „Ja“, sage ich. „Karate liegt mir im Blut.“ Wir sprechen über ihren und meinen Werdegang. Dann muss ich ihr die Unterschiede zwischen Aikido und der alten Form zeigen. „Wow!“, sagt sie. „Das habe ich nicht gewusst.“ Dafür weiß ich längst mehr. Die Frau ist eine Schwester.

„Grob gesagt wird der „Gegner“ im Aikido weich geführt“, erkläre ich. „Es gibt weit ausholende Bewegungen. Im Aikijujutsu ist die Bewegung kurz und hart, was im Ernstfall einen Gegner (für immer) ausschalten wird.“ Yuki und ich machen es vor und Elfchen darf nun auch mich zu Boden werfen. Sanft natürlich, was habt ihr denn nun gedacht!

Achtung Baby!

Später erfahren wir, dass Allys Dad Feng als Trainer anheuern will. Zwar gibt es noch einiges zu klären, aber der Deal ist per Handschlag schon perfekt. Feng wird die Soldaten einige Stunden pro Woche unterrichten. Das bringt Geld und hilft ihm weiter. „Super!“, freut er sich. „Jetzt kann mein kleiner Club weiter bestehen.“

Oberstleutnant John muss noch zu einem anderen Termin, aber Nancy führt uns weiter. Auf dem Schießstand angekommen leuchten Allys Augen auf. „Dad hat mich schon als Mädchen mitgenommen“, erzählt sie uns. „Ich habe sogar eine eigene Pistole.“

„Ob ich das bitte versuchen darf?“, meldet sich überraschend Fan Fan. „Was ist mit euch? Macht ihr mit?“ „Man soll Gegner genau studieren“, erwidere ich und muss an die Abwehrtechniken gegen Waffen denken. „Erklärt mir wer, was zu beachten ist?“

Sergeant Brenda, eine resolute Frau, der die Butch auf der Stirn geschrieben steht, erklärt uns die Regeln und weist uns ein. Mir verpasst sie eine Glock, die ich anerkennend trage. Nun habe ich eine Menge Talente, Schießen gehört (noch) nicht dazu.

Zwar knallt es toll, aber die Scheibe zeigt keine Löcher. Was habe ich falsch gemacht? Brenda kümmert sich mütterlich um mich und erklärt mir Kimme und Korn. „So halten und dann eine Linie bilden lassen, Druck am Abzug verstärken und PENG!“

Immerhin treffe ich im zweiten Durchgang die Scheibe. Ally macht mir vor, wie es wirklich geht. Und Fan Fan ist auch besser als ich. „And the Winner is China!“, verkündet sie und wir müssen alle lachen. Dann gibt sie zu, dass sie schon früher geschossen hat. Feng und Yuki passen, sie schauen lieber zu.

Trotz Ohrschützern dröhnt mir der Kopf, als Brenda eine .44 Magnum schießt. „Desert Eagle“, sagt sie stolz. „Das ist Baby Jane.“ Mir fallen Nancys Blicke auf, die kaum die Augen von Brenda lassen kann.

Ich weiß, wenn ich zwei Liebende sehe. Und die beiden sind definitiv ein Paar. Nancy hat meinen Blick bemerkt. Als ich auffordernd nicke macht sie einen Schritt auf Brenda zu und umarmt sie kurz. „Sie ist mein Baby“, sagt sie leise. Alles klar?“

Don’t ask, don’t tell

„Bis vor einigen Jahren war Homosexualität bei den amerikanischen Streitkräften geächtet“, erklärt Brenda. „Wer sich öffentlich machte, musste mit Konsequenzen rechnen. Don’t ask, don’t tell, war viele Jahre die Devise.

„Wir kennen uns schon lange“, erzählt Nancy. „Brenda war meine Ausbilderin.“ „Und sie die schlechteste Schülerin“, ergänzt Brenda und lacht verschmitzt. „Nein, natürlich war sie gut! Ich habe mich irgendwie gleich in sie verliebt, aber das durfte niemand wissen.“

Brenda ist mit ihren vierzig Jahren sechs Jahre älter als Nancy. Die beiden sind seit 2010 offiziell ein Paar, getroffen haben sie sich schon früher. Und geheiratet haben sie auch. „Ich bin im dritten Monat“, gesteht uns Nancy.

Ein Freund der beiden ist der Vater, künstliche Befruchtung hat das Wunder möglich gemacht. Nancys Augen leuchten. Wenn es um Kinder geht sind alle Frauen gleich. Die Waffen sind längst vergessen und der arme Feng ist abgemeldet. Bis Fan Fan ein Einsehen hat und ihn liebevoll küsst.

Auch ich habe ein Einsehen und beende für heute diesen Artikel. Im nächsten Teil beleuchte ich die dunkle Seite der USA, die viel zu oft aus Drogen und Gewalt besteht.