Karate heute – Zurück zu den Wurzeln

Vor mehr als einem Jahr, habe ich den Beitrag „Das ist Karate!“ verfasst. Dort habe ich auf die Unterschiede zwischen der Kampfkunst und dem daraus entstandenen Sport hingewiesen.

Aber noch immer herrscht großes Unverständnis darüber, was Karate wirklich ist. Kickboxer und muskelbepackte Mixed Martial Arts (MMA) Fighter rühmen sich, die besten auf der Welt zu sein.

Aussagen wie diese zeigen nur wieder, dass man(n) wie so oft nichts versteht. MMA ist ein Sport, bei dem es feste Regeln gibt. Traditionelles (Okinawa) Karate dient nur der Selbstverteidigung.

Wieder sind es die beiden Sensei aus dem damaligen Video, die „Karate für die Straße“ zeigen. Und das wie ich finde richtig gut! Vermutlich werden nun einige LeserInnen verblüfft die Köpfe schütteln und sagen „Das habe ich schon anderswo gesehen!“

Ja, das haben sie wirklich, andere Kampfsportarten haben sich nämlich kräftig beim Original bedient. Auch und ganz besonders, das angeblich so tolle MMA, das lediglich die niederen Instinkte der Massen anspricht.

Aber bis auf das damals noch unbekannte Boxen, hat man so schon vor Jahrhunderten auf Okinawa trainiert. Mit allerdings erheblichen Konsequenzen für Angreifer, wenn es den Ernstfall gab.

Immer mehr Sensei besinnen sich auf die Wurzeln des Karate und wollen diese entweder selbst lernen, oder an ihre Schüler weitergeben. Vielleicht hat dieses neue Interesse an (m)einer Kunst etwas mit den Olympischen Spielen in Japan zu tun und bietet die einmalige Chance, den Wettkampfsport Taekwon-Do abzulösen.

 

 

Karate als Therapie

Dieser Beitrag ist noch vor unserer Abreise nach Los Angeles entstanden und hat es erst jetzt auf meinen Blog geschafft. 

Bekanntlich hatte ich meine Cousine nach Deutschland geholt, um sie auf andere Gedanken zu bringen. Ihre Töchter waren begeistert und haben unsere Herzen im Sturm erobert. „Tante Yumi mach mal Spaß!“, war noch die harmlose Variante ihrer Begeisterung.

Karate ist ein Fremdwort in der Familie meiner Mutter. Diese Tradition hat sich über meinen Vater an mich vererbt. Nur mein Onkel ist als Polizist damit vertraut. Die Mädchen trainieren tapfer mit, als wir sie mit ins Training nehmen. Sie haben das schon öfter gemacht und ihre Mutter schaut immer dabei zu. Meine Cousine ist etwas älter als ich, wir hatten nie sehr innigen Kontakt. Vermutlich war ich ihr zu wild, ich habe immer nur mit Cousin Ken gespielt.

Trotzdem ist unser Verhältnis gut, in unserer Familie gibt es keinen Streit. Unsportlich war meine Cousine nie, sie hat in der Schule Leichtathletik gemacht. Aber das ist nun schon eine Weile her. Seit der Geburt der Kinder ist sie Hausfrau gewesen.

Die Mädchen zeigen uns stolz ihr Können, meine Cousine lächelt und freut sich für sie. „Was wäre, wenn du es auch versuchst?“, stelle ich die entscheidende Frage. Yuki schaut mich an, sie weiß was jetzt passiert.

Cousinchen reagiert auf typisch japanische Art, sie lächelt verlegen und hält sich die Hand schnell vor den Mund. „Ja, ja, ja, Mama!“, rufen die Mädchen im Chor und auch die anderen Frauen nicken. Die Trainerin macht sowieso was ich sage, sie war früher meine Schülerin.

Es macht nun keinen Sinn im Einzelnen auf das Training einzugehen. Geholfen hat es, was nicht immer selbstverständlich ist. Die Depression meiner Cousine ist durch den Schock des Betruges ausgelöst worden, auch wenn es schon vorher in der Ehe kriselte.

In langen Gesprächen haben wir die Wahrheit erfahren. Schon als sie 2015 zu Besuch in Deutschland war gab es kleinere Probleme. Die Details bleiben privat. Wer länger verheiratet ist, wer vielleicht selbst schon eine Scheidung hinter sich hat, wird wissend nicken. Ehekrisen sind weltweit immer gleich.

Während meine Cousine auf ihre Art um die Beziehung kämpfte, hat ihr Mann schon damals andere Frauen gehabt. Er hat es ihr gestanden, was mich in Rage brachte. Prompt habe ich gehandelt. Wie, das wisst ihr bereits.

Seit unserer Rückkehr nach Deutschland trainiert meine Cousine bei uns mit und beweist einiges Talent. Zumindest was die weiche Abwehr von Angriffen betrifft. Nur selbst zuzuschlagen fällt ihr schwer. Dabei ist die Idee fernöstliche Kampfkünste als Therapie einzusetzen nicht neu. In einer Studie hat man bereits an Parkinson Erkrankte ins Karate geholt.

Als ich meine Tante und Ken informiere, zeigen sie sich begeistert. „Barbie-Cousinchen, du bist die absolute Wucht!“, ruft er ins Telefon. „Ja klar“, erwidere ich trocken, „jetzt kann dich auch deine Schwester endlich verhauen.“

Der Psychologe in Los Angeles hat mittlerweile bestätigt, dass die Idee Früchte trägt. Meine Cousine ist auf dem Weg der Besserung. Karate als Therapie! Ich liebe es, wenn (m)ein Plan funktioniert. 

Wing Chun – Der ewige Frühling

Viele Mythen und Legenden ranken sich um die fernöstlichen Kampfkünste. Von unbesiegbaren HeldInnen und wundersamen Techniken ist die Rede, die jeden Gegner lässig niederstrecken.

Das ist so dumm wie falsch und schon allein das Wort Gegner ist dabei der falsche Begriff. Ursprünglich hat man Wushu / Kung Fu zur körperlichen und geistigen Fitness erschaffen. Erst viel später haben die Shaolin Mönche daraus die Kunst der Selbstverteidigung gemacht.

Die kämpfende Kunst

Vor einigen Monaten hatte ich am Beispiel Karate über den Unterschied zwischen Kampfkunst und Kampfsport geschrieben und warum die reine Kampfkunst in einem Wettkampf unbrauchbar ist.

Wer diese Artikel noch nicht kennt, der darf gern HIER und HIER klicken.

Bei meinem Aufenthalt in den USA, habe ich mehrfach mit Sifu Feng über dieses Thema gesprochen. Auch sein Wettkampf Tai Chi ist nur die abgewandelte Form jener Kunst, die in Konkurrenz zu den aus dem Shaolin „Kung Fu“ entwickelten Stilen steht.

Für Feng überraschend, dass ich als Karateka, die „Klebenden Hände“ beherrsche. Einerseits gibt es die auch im Goju Ryu Karate und andererseits im Wing Chun. Und auch das habe ich gelernt.

Wing Chun, das man mit „Ewiger Frühling“ übersetzen kann, ist ein vermutlich im frühen neunzehnten Jahrhundert entstandener südchinesischer Kung Fu Stil, der seit den 1970er Jahren auch Furore im Westen macht. Leider haben Geschäftemacher viel kaputt gemacht, aber das soll heute kein Thema sein.

Kurz vor meiner Abreise hatte Feng Besuch von einem befreundeten Sifu, der als Kind und Jugendlicher zehn Jahre lang Wing Chun trainierte und vor fast zwanzig Jahren zum Tai Chi gewechselt ist. Gemeinsam haben wir die beiden Systeme analysiert und die Unterschiede herausgestellt. Und das war auch für mich hochinteressant.

The men of Tai Chi

Sifu Dan ist Amerikaner und knapp vierzig Jahre jung. Sein Stiefvater habe bei Hawkins Cheung in Los Angeles trainiert und ihn zum Training mitgenommen, erzählt er uns. „Als Kind hat mir Wing Chun geholfen“, sagt er. „Ich war ein schmächtiges Kerlchen und immer Opfer der älteren Schüler. Als ich mich erstmals wehrte, haben sie mich in Ruhe gelassen.“

Fast automatisch erscheinen die Bilder in meinem Kopf, die mich als siebenjähriges Mädchen auf dem Pausenhof der Schule zeigen und als „Opfer“ eines üblen Streichs. Ein Mitschüler hatte mich ohne Vorwarnung zu Boden gestoßen, beleidigt und dabei noch gelacht. Mein Karate hat ihm dann Manieren beigebracht.

„That’s life in the USA“, stichelt Feng und lacht. Die Männer nicken wissend, als ich meine Geschichte erzähle. „Ich glaube das haben wir alle durchgemacht“, sagt Dan. „Aber im Gegensatz zu anderen sind wir wieder auf die Füße gekommen.“

„Warum und wann hast du mit Wing Chun aufgehört?“, will ich wissen. Seine Antwort ist überraschend. „Nicht aufgehört“, lässt er mich wissen, „in meiner Schule wird auch Wing Chun unterrichtet. Nur unser Schwerpunkt ist Tai Chi.

Ich bin als junger Bursche zu den Marines. Wing Chun hat mir zu Beginn meiner Ausbildung geholfen, aber als wir Bodenkampf und Boxen übten, stand ich auf verlorenem Posten.“

Ich ahne warum, aber will es genauer von ihm wissen. „Woran genau lag es deiner Meinung nach?“ „Wir haben bei Hawkins zu wenig Sparring gemacht und nie mit fremden Stilen geübt. Alles war sehr theoretisch. Und ich kann schlecht einem Trainingspartner die Knochen brechen.“

Gegen jede Regel

Dan spricht ein Problem an, das viele Kampfkünstler haben, wenn sie in einem Ring nach Regeln kämpfen sollen. Schläge zum Kehlkopf oder Tritte in den Unterleib gehören zur Selbstverteidigung, im Sport sind sie aus gutem Grund verboten.

Auf der anderen Seite gibt es aber diese Arroganz scheinbarer Überlegenheit im Lager der Wing Chun Verfechter. Und das ist, bei aller Sympathie für diesen Stil, eine glatte Lüge. Dan sieht das ebenso. „Hawkins Cheng ist ein netter Kerl. Aber er hat auch den 3. Dan im Karate.

Viele, die sich jetzt Sifu nennen und wirklich gute Wing Chunler sind, haben noch einen zweiten oder dritten Hintergrund. Sie mixen diverse Stile und erst das macht sie gut. Oder sie schummeln, wie Sifu Moore.“

Dan zeigt uns ein Video, das ich ebenfalls kenne. Ein beleibter Mann, wird von einem schmächtigen Karateka „angegriffen“ (Sparring) und schiebt diesen dann quasi vor sich her. Das hat wenig mit Wing Chun, aber viel mit physikalischen Gesetzen zu tun. Der Mann ist einfach schwerer. Punkt.

„Ein großer Nachteil diverser Stile, ist der Fokus auf Hände und / oder Füße“, sagt Dan. „Wir können Tritte und Schläge, aber am Boden verlieren wir.“ „Das klingt wie Werbung für Brasilian Jiu-Jitsu (BJJ)“, stichele ich. „the most effective Martial Arts on the Planet.“

And the winner is …!

Herzliches Lachen folgt meinen Worten, die beiden verstehen den Gag. „BJJ ist in erster Linie Sport“, sagt Dan und auf der Straße völlig unbrauchbar. Das gilt für alle ringenden Sportarten. Kein Mensch wälzt sich auf dem Asphalt.

Die scheinbare Überlegenheit von BJJ basiert auf dem Überraschungseffekt, den auch Wing Chun kennt und auf deren Regeln. Bei Vergleichskämpfen mit BJJ scheuen sich andere Sportler sehr oft, die wirklich effektiven Kicks oder Schläge zu landen.“

„Oder sie dürfen nicht“, füge ich hinzu. „Bei Judoka oder Ringern sieht das ganz anders aus. Kein BJJ-Sportler steht lange gegen einen guten Freistil Ringer. Man kann solche Sportarten ganz schlecht vergleichen.“

„Ich sehe Wing Chun als eine Sonderform unter den Kampfkünsten“, sagt Dan und nickt zustimmend. „Es ist reine Selbstverteidigung und eine Art Straßenkampf. Relativ einfach aufgebaut gibt es dort keine Geheimnisse. Die werden nur von diesen selbsternannten Großmeistern Leung Ting und Keith Kernspecht propagiert. Jeder kann Wing Chun erlernen. Dafür braucht es keine Ewigkeit.“

„Mit erlernen meinst du die Formen oder die Techniken inklusive Schmetterlingsmesser und Langstock?“, frage ich. „Wenn du Wing Chun als reine Kunst siehst und wirklich jede Handbewegung akribisch und auf den Millimeter genau lernen möchtest, wirst du vermutlich ewig brauchen“, erwidert Dan. „Und du wirst im Ernstfall die Prügel deines Lebens beziehen. Die meisten Wing Chunler können nicht kämpfen.“

Dans Worte sprechen das Problem an, das ich am Beispiel Aikido verdeutlichen will. Aikido ist als Wettkampfsport völlig ungeeignet und nur die kultivierte Form des Aikijujutsu. Bei Wing Chun ist das ähnlich. Nur gibt es dort keine offizielle sportliche Form. Eventuelle Wettkämpfer sind einfach nur Kickboxer.

Die Analyse

Dan holt einen Schnellhefter aus der Tasche und zeigt uns auf mehr als fünfzig Seiten seine Analyse von Wing Chun und Tai Chi. Grob gesagt ist sein Fazit, dass Tai Chi das wesentlich komplettere System ist, schwieriger zu lernen, aber im Endeffekt effektiver.

„Wing Chun ist nicht komplett“, erklärt Dan. „Man hat dort Elemente aus dem Tai Chi und vermutlich dem Shaolin Kung Fu sozusagen extrahiert und um ein imaginäres Dreieck herum modifiziert. Ich spreche von den kurzen, schnellen Bewegungen, die immer die eigene Mitte schützen und gleichzeitig zum Zentrum des Gegners gehen.

Der Erfolg, den einige wirklich gute Wing Chunler mit dieser Methode haben, basiert lediglich auf dem Überraschungseffekt. Aber mit einem Kettenfauststoß gewinnt man keinen ernsthaften Kampf. Mit einem Tritt in den Unterleib schon.“

„Das ist mein Spruch!“, protestiere ich lachend. „Ich glaube ich weiß, was du meinst. Auch Karate kommt ursprünglich aus China und ist vermutlich aus dem Weißen Kranich Stil entstanden. Aber Japaner sind Puristen und haben überflüssige Bewegungen eliminiert, was sehr gut im Shotokan Karate zu sehen ist. Mein Stil, das Goju Ryu, ist noch näher am Original.“

„Tai Chi basiert auf einem Kreis“, fährt Dan fort und Feng stimmt zu. „Greift ein Gegner an, wird der Wing Chunler der Kraft ausweichen oder um sie herum arbeiten und gleichzeitig attackieren. Tai Chi wird die Kraft, den Schlag oder Tritt quasi aufnehmen und absorbieren, um erst dann zu attackieren.

Dreieck und Kreis

Die Bewegungen beim Tai Chi sind kreisförmig, um es einfach auszudrücken. Beim Wing Chun dagegen eckiger (Dreieck Prinzip). Ein weiterer Unterschied liegt im sogenannten Trapping, dem immobilisieren der Arme oder Beine.

Das funktioniert im Training für Wing Chunler wunderbar. Im realen Leben habe ich so meine Zweifel. Steht mir ein muskulöser Kraftmensch gegenüber, so geht das in den meisten Fällen gewaltig schief.

Tai Chi macht das besser, indem man einen Gegner aus der Balance bringt. Greift jemand nach mir, gebe ich nach und leiste keinen Widerstand. Bis zu diesem Punkt kann man sich darüber streiten, ob beide Systeme nicht teilweise das Gleiche machen, wenn auch mit anderen Methoden.

Der größte Unterschied liegt aber meiner Meinung nach in der Sensitivität. Wing Chuns klebende Hände sollen hier das Maß aller Dinge sein, was nur zum Teil richtig ist. Nicht nur Wing Chun kennt diese Form, wie Mayumi schon angesprochen hat, gibt es die auch im Okinawa Karate und anderen Kung Fu Stilen.

Mit dem Unterschied, dass im Wing Chun leider wirklich nur die Arme sensibilisiert werden, im Tai Chi aber der ganze Körper. Wing Chun gilt als reiner „Close Range Combat.“ Und das macht das System recht gut. Bis man, rein theoretisch, auf den Weltmeister im Kyokushin-Karate trifft.“

Kick it

Wir müssen alle lachen. Dan spricht von den blitzartig aus nächster Nähe nach oben gezogenen oder gesprungenen (Dreh)Kicks zum Kopf, mit denen ich Feng im Sparring überraschte. „Wing Chun übt Druck nach vorn (auf den Angreifer) aus“, fährt Dan fort, „aber es geht immer nur um die Mitte, das Zentrum.

Tai Chi ist ein 360 Grad System, das sich wie ein junger Baum verhält. Zieht man daran oder drückt und lässt dann los, geht der Baum in seine ursprüngliche Position zurück. Tai Chi attackiert den ganzen Körper und ist das wesentlich komplettere System. Falls man es bis zum hohen Level schafft.“

„Der Blick über den Tellerrand ist wichtig“, ergänze ich. „Unbedingt!“, stimmt mir Dan zu. „Es geht mir nicht darum einen Stil zu verteufeln und die Überlegenheit eines anderen anzusprechen, aber viele meiner Schüler haben vorher etwas anderes gemacht und sind nun wesentlich zufriedener mit ihren Erfolgen.“

„Könnte man Wing Chun als Einstieg in die Welt der Kampfkunst sehen?“, will ich wissen und Dan nickt. „Das hast du gut formuliert“, erwidert er, „aber ich sehe das komplexer.

Wie ich schon sagte ist Wing Chun ein einfaches System, das vor allem für körperlich schwächere Menschen interessant ist. Vor allem für Frauen.“ Er grinst, als er meinen Mittelfinger sieht. Humor, den auch Dan versteht.

Hinterm Horizont geht’s weiter

„Du wirst dort viele treffen, die kaum Fitness haben oder einfach unbeweglich sind“, fährt er fort. „Für die wäre Karate Mord. Auch für Kinder ist Wing Chun eine tolle Sache. Aber wer Wunder erwartet, wird bitter enttäuscht.

Wer dazu in der Lage ist und echte Fortschritte machen möchte, dem rate ich sich auch anderweitig umzusehen. Ohne den direkten Vergleich, wird man immer limitiert bleiben. Und die angeblich so guten Wing Chunler aus Hongkong machen in Wirklichkeit nur Sanda (Chinesiches Kickboxen).“

Auch Feng stimmt zu. „Ja“, sagt er, „das habe ich mittlerweile auch erkannt. Ich musste auch Kickboxen lernen, um bei Meisterschaften erfolgreich zu sein. Trotzdem hat mir mein Tai Chi Hintergrund dabei geholfen. Und schon Bruce Lee hat die Stile gemischt.“

Unvermischt und pur bleibe nur ich meinen LeserInnen erhalten. Auch wenn ich Deutschland nächste Woche wieder in Richtung USA verlassen werde.

Das ist Aikido!

Das Interesse an fernöstlichen Kampfkünsten ist ungebrochen. Leider liegt im Westen der Fokus zu stark auf dem körperlichen Aspekt. Hier gilt noch immer viel zu oft „Nur mit Kraft kommt man weiter.“ Und das ist nur selten richtig. Zum Glück gibt es In der Welt der Kampfkunst einen Stil, der die These der Kraft ad absurdum führt, das Aikidō.

Aikidō ist eine betont defensive moderne japanische Kampfkunst. Sie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von Ueshiba Morihei als Synthese unterschiedlicher Budō-Disziplinen entwickelt, insbesondere aus dem Daitō-Ryū Aiki-Jūjutsu. (Quelle Wikipedia)

Aikidō enthält neben waffenlosen Techniken auch den Umgang mit dem Langstock und dem japanischen Schwert, wodurch seine Wurzeln deutlich werden. Die zusammengenommene Bedeutung von Aikidō ist rückwärts gelesen „Der Weg durch Lebenskraft zur Harmonie.“ Und das passt wie ich finde wirklich gut.

Leider hat Aikidō keinen guten Ruf. Viele moderne Kampfsportler lehnen es als eine Art graziöser Gymnastik ab. Traditionelle Kampfkünstler wissen das besser. In den traditionellen Kampfkünsten schaltet man Gegner schnell und effektiv aus. Aber wie ist das im Aikidō?

„Funktioniert nicht“, höre ich oft. „Das ist jenseits aller Praxis!“ Und dann steht mir Mann dümmlich grinsend gegenüber und klopft nur Sekunden später ab, wenn ich seine Knochen verbiege. Na mein Junge, tut der Arm noch weh?

Amerikaner und Europäer vergessen gern die lange Entwicklung der alten Budoarten. Sie wollen klüger sein, als die Erfahrung aus vielen hundert Jahren. Vielleicht geht es auch ums schnelle Geld, wenn sie nun eine Art „Power Aikidō“ lehren und das als total effektiv anpreisen.

Aikidō kann auch den geschicktesten Gegner neutralisieren. Was natürlich auch und besonders für (mein) Daitō-Ryū Aiki-Jūjutsu gilt. Und das hat man durchaus bei echten Kämpfen benutzt. Aikidō im Unterschied bleibt stets defensiv und ist reine Selbstverteidigung.

Wo liegt nun der Fehler, woher stammt das Vorurteil vom untauglichen Aikidō? Aikidōka haben gleich zwei, aber essentielle Probleme. Im Training kämpft man einfach nicht. Es gibt lediglich Partnerübungen und der Partner wird immer als Freund gesehen.

Aber was wenn der nicht mitspielen will? Dann funktioniert die Technik nicht. Und schon höre ich das Lachen der BesserwisserInnen. „Das haben wir doch schon immer gewusst!“ Falsch, liebe LeserInnen. Der Fehler steckt im Detail.

Wenn ein trainierter Aikidōka einem anderen widersteht, so liegt das am eigenen Geschick. Beide blockieren sich also selbst mit ihrem Können. Der zweite Kritikpunkt „Du machst ja was ich will!“, richtet sich an die mühelosen Hebel und Würfe, durch die der Partner zu Boden geht.

Natürlich macht er das. Er will sich nicht verletzen und zeigt dabei doch, was im Aikidō möglich ist. Ein unvorbereiteter Angreifer wird natürlich auch vermeiden wollen, dass ihm Arm oder Finger gebrochen werden. Also fügt er sich und geht zu Boden. Widersteht er, wird es übelst knacken.

Daitō-Ryū Aiki-Jūjutsu, die Urform des Aikidō, geht aber noch einen Schritt weiter. Ein möglicher Gegner wird durchaus unsanft zu Boden gebracht und erhält dort noch den finalen Schlag. So haben Samurai gekämpft, wenn sie kein Schwert mehr hatten. Und die Shinobi (Ninja) sowieso.

Aikidō funktioniert. Andernfalls wären seine Techniken schon lange in Vergessenheit geraten. Aikidō funktioniert auch und besonders für Frauen, die körperlich schwächer als Männer sind. Das Hauptproblem dabei: Aikidōka haben nie gelernt Schmerzen zu ertragen.

Wird eine Frau am Kopf getroffen dreht sie sich oft um und weint. So geschehen bei der Deutschen Taekwon-Do Meisteschaft vor einigen Jahren. Das ist der Grund warum ich  meine SchülerInnen im Daitō-Ryū Aiki-Jūjutsu miteinander sparren lasse.

Aber selbst reine Aikidōka können Sieger bei einer Auseinandersetzung sein. Ihre Reflexe werden ihnen helfen, sie werden instinktiv richtig handeln. An jeweils zwei Beispielen möchte ich Aikidō und das von mir praktizierte Daitō-Ryū Aiki-Jūjutsu zeigen. Die Unterschiede mögen für Laien kaum erkennbar sein. Aber glaubt mir bitte, sie sind absolut vorhanden.

Noch ein letztes Wort zu Aikidō und Daitō-Ryū Aiki-Jūjutsu. Beide sind keine Gewalt- oder Kampfsportarten sondern klare Selbstverteidigung und im Notfall äußerst effektiv.

Hier ein Video vom Deutschen Aikido-Bund e.V.:

Video 2 ist mir sympathischer:

Daitō-Ryū Aiki-Jūjutsu Videos zu finden ist leicht. Leider sind einige davon sehr lang und oft auf japanisch. Daher zwei Beispiele, die selbsterklärend sind:

Die Effektivität von Daitō-Ryū Aiki-Jūjutsu wird in diesem Video besonders deutlich:

Karate – Tradition und Moderne

Immer wieder treffe ich auf Menschen, die Karate falsch verstehen. Karate ist für sie nur Mittel zum Zweck. Und dieser Zweck sind oft Prügeleien. Manche Männer müssen sich nun mal beweisen, wer der bessere Dummkopf ist. Aber was ist nun Karate wirklich und wo genau liegt der Fehler dieser Menschen?

Hauen, prügeln und eine blutige Nase, ist im (Box)Ring zur Mode geworden. Mixed Martial Arts (MMA) und Ultimate Fighting Championship (UFC) bestimmen die Szene. Zwar gibt es Regeln in der UFC, aber Platzwunden und Brüche zu haben, ist offenbar für manche Kämpfer Trend.

Kickboxen und MMA verhöhnt die Grundidee und befriedigt die Gier nach Blut und Sensationen jener Menschen, deren niedere Instinkte durchgebrochen sind. Mit traditionellem Karate hat das wenig zu tun. Davon haben die Plattmacher im Ring keinen Plan.

Die Wurzeln des Karate liegen in China. Nachforschungen wollen den Weißen Kranich Stil als Urform des Karate identifiziert haben. Und zumindest in den Okinawa Stilen finden sich noch Ähnlichkeiten zum chinesischen Wushu, das man im Westen stets und falsch als Kung Fu bezeichnet.

Zwingend unterscheiden und auch verstehen müssen heutige Karate Schüler, den Unterschied zwischen traditionellem und modernem Karate. Das traditionelle Karate ist eine Kampfkunst. Geschaffen zur Selbstverteidigung, war es die Kunst des Überlebens für die damaligen Menschen und eignet sich denkbar schlecht für sportliche Vergleiche.

Das Aussehen der Techniken war dabei zweitranging, die Wirkung war alles. Die schnörkellosen Bewegungen des morderen Karate, haben sich erst nach und nach entwickelt.  Im Ernstfall war ein Angreifer sehr schnell außer Gefecht gesetzt. Was aber niemals das eigentliche Ziel gewesen ist.

Traditionelles Karate war mehr als nur Training und Kampf. Zen-Buddhismus, Meditation und Heilkunde waren Bestandteile, die man heute leider vergessen hat. Im Karate hat man Geist und Körper gestählt. Erst in den USA hat man daraus Kickboxen gemacht. Aber Showkämpfe hat es im alten Karate nie gegeben.

Ziel des traditionelle Karate war es auch, den menschlichen Charakter so zu formen, dass es ihm möglich war ohne Gewalt den Sieg über einen Gegner zu erzielen. Und genau an dieser Stelle setze ich an, um den Denkfehler vieler moderner Karateka aufzuzeigen, die den Fokus nur auf den kämpferischen Aspekt von Karate legen. Und das ist so falsch wie dumm.

Modernes Karate, für das ich stellvertretend das Shtotokan Karate nennen will, ist ein Kampfsport, der nur noch den gleichen Namen wie die klassische Variante trägt. Die Karateka begegnen sich freundschaftlich, der Sieger wird nach festen Regeln ermittelt.

Aber modernes Karate hat mehr als nur Wettkämpfe zu bieten. Es ist zum Breitensport geworden und eignet sich auch als Bewegungstherapie für ältere Menschen. Das eigentliche Problem sind jene Meister, die selbst keine Ahnung von Traditionen haben.

Mein Vater hat einmal gesagt, dem moderne Karate drohe eine Versportlichung durch den Wettkampf. Inklusive bleibender Schäden bei den Trainierenden, die sich durch Fehlbelastung die Gelenke ruinieren. Es fehle auch am nötigen Respekt dem Trainingspartner und dem Sensei gegenüber. Was augenzwinkernd in meine Richtung ging.

Natürlich meinte er damit jene Kickobxer, die keinerlei Bezug zu Traditionen haben. Von den Karate Prinzipien haben die noch nie gehört. Und statt sich in Meditation zu üben, werden lieber die Gegner verkloppt.

Modernes Karate muss nicht schlechter, als sein traditionelles Vorbild sein. Schlechter sind leider nur diverse Meister, die diesen Titel zu Unrecht führen. Die Fähigkeit eines guten Lehrers liegt nicht unbedingt in der Weitergabe von bestimmten Informationen, sondern vielmehr darin, den Geist eines Schülers zu wecken.

Wer sich wirklich für die alten Kampfkünste, oder ihre modernen Sport Varianten interessiert und einen guten Meister findet, wird den Schritt zum Karate nie bereuen. Wer nur prügeln will soll auf die Straße gehen.

Großmäuler, die den Vergleich ihres Kampfsports mit Karate suchen sollten besser nachdenken gehen. Kein reiner Wettkampfsportler kann (im Ernstfall) gegen einen traditionellen Karateka bestehen. Dazu fehlt ihm jede Klasse.

Warum Karate nicht bei Olympia ist

Seit einigen Jahren liegt mir ein Thema am Herz, das in der Sportwelt höchst umstritten ist. Karate soll olympischer Sport werden, das ist das erklärte Ziel. Und darüber streiten mein Vater und ich. Antonio Espinos, der Präsident des Weltverbandes kämpft seit Jahren für dieses Ziel. Leider auch gegen Traditionalisten, wie meinen Vater.

Nun haben mein Vater und ich nicht wirklich Streit, wir sind nur anderer Meinung. In der Öffentlichkeit wird kaum Notiz vom Bestreben der Karateka genommen, die sich selbst nicht einig sind. Und ich werde auch erklären warum.

Klassisches Karate ist kein Wettkampf Sport. Klassisches Karate ist Kunst, Philosophie und reine Selbstverteidigung. Ich behaupte an dieser Stelle, dass die wenigsten Menschen jemals echtes Karate gesehen haben. Bei der WM in Bremen gab es Sport-Karate zu sehen. So, wie es auch Sport-Judo gibt. Und Sport-Taekwon-Do. Mit der wahren Kunst hat das wenig zu tun.

Aber was genau ist echtes Karate, was macht die Unterschiede aus? Im Sport geht es um Punkte. Der Punktbeste gewinnt. Selbst im Vollkontakt-Karate oder MMA gibt es Regeln. Die gibt es im Karate nicht. Ein Schlag, ein Tritt, der Gegner liegt. Und richig geschlagen steht er niemals wieder auf.

Aber Karateka werden das nicht machen. Nur in allerhöchster Not. Karate ist ein Lebensstil, Karate ist pure Disziplin. Kämpfen lernen, um nicht kämpfen zu müssen. Aber jeder Mensch geht seinen eigenen Weg. Genau an dieser Stelle scheiden sich dann auch die Geister. Tradition steht gegen Fortschritt.

Ich kenne beide Seiten. Im Olymppischen Kommitee ist man seit Jahren zwigespalten. Sport-Karate wirkt oft wenig attraktiv. Das daraus abgeleitete Kickboxen ist moderner, aber alles andere als Kunst. Ein Dilemma, wie man schnell erkennt. Wer will schon prügelnde Kickboxer bei Olympia sehen.

Ich bin dafür Sport-Karate zu Olympia zu bringen. Dann aber mit anderen Regeln, als sie bisher üblich sind. Und genau davor hat man beim IOC auch Angst. Was die Welt oft vergisst, auch im Judo gibt es Tritte. Nur werden die im Wettkampf nie gezeigt. So gibt es auch im Karate Hebel und Würfe, die dem Judo und Jiu-Jitsu sehr ähnlich sind.

Karate könnte also Judo die Show stehlen. Und Sport-Taekwon-Do ist ohnehin ein schlechter Witz. Nur auf Kicks zu setzen kann niemals funktionieren. Aber den Menschen gefällt das, also bleibt man auch dabei. Die Karate-Stile sind anders. Und sie unterscheiden sich auch stark.

In Deutschland ist das Shotokan-Karate weit verbreitet, aber Goyu-Ryu holt stark auf. Shotokan setzt viel zu sehr auf Kraft und das ist niemals gut. Für Männer mag das funktionieren, aber Frauen haben deutlich weniger Körpergewicht. Goyu-Ryu ist hart und weich. Wir müssen keinen Kick zum Kopf zeigen, der Gegner fällt auch so.

Aus meinen Worten mögen aufmerksame LeserInnen erkennen, wo ein weiteres Problem beim Karate ist. Es gibt kein einheitliches Karate! Außerhalb von Prüfungen, ist mein Stil ein richtig bunter Mix. Munter vermische ich Tai Chi, Hung Gar, Wing Chun (chinesiche Stile), mit Krav Maga (Israel), Karate und Aikido. Aber alles instinktiv.

Dieser Mix zeigt meine Meinung zu olympischem Karate. Ich stehe für Fortschritt und wahre trotzdem die Tradition. Und damit das so bleibt muss ich nun zu meiner Elfe und sie traditionell bekochen. Oder sie mich. Das diskutieren wir ganz fortschrittlich aus.

Die Tiger sind los!

Nicht nur Gefühle werden oft als Dschungel bezeichnet, auch das Internet gehört dazu. Das Netz ist groß, geheimnisvoll und oft undurchdringlich. Und Teile davon sogar gefährlich. Schlangen lauern dort, die harmlose Wanderer oft aus dem Verborgenen beißen. Meist in Höhe der Waden. Mehr Biss haben sie oft nicht. Gleiches gilt für Papiertiger, die wesentlich offener angreifen, ansonsten aber hamlos sind. Diese zahnlosen Kätzchen sind meist Haustiere der Wortkrieger, der wohl gefährlichsten Spezies im Internet-Wald.

Gut ausgebildet in der Kampfkunst der leeren Worte dominieren sie den Dschungel. Mit tiefem Stand und geifernd vor Eifer findet man sie vor allem am Daten-Fluss. Dieser mächtige Strom teilt das Internet seit vielen Jahren. Auf der einen Seite das Dschungel-Camp, auf der anderen Seite megaschnelle DSL-Lianen. Aber die Hauptwaffe der Wortkrieger sind Ausrufezeichen, die sie mit meisterlicher Pefektion ans Ende jeden Satzes setzen. Mit Nachdruck versteht sich! Damit die Worte niemals enden und stets in Erinnerung bleiben.

Tapfere Abenteurer bekämpfen die Gefahren des Dschungels seit vielen Jahren. Meist mit mäßigem Erfolg. Auch, wenn Papiertiger, Schlangen und Wortkrieger meist harmlos sind, so bringt ihre schiere Masse den aufrechten Forscher oft zu Fall. Und einmal auf das Niveau der Angreifer gefallen, kann er sich meist nicht mehr erheben. Dann versinkt auch er im Sumpf der leeren Worte und ward nie mehr gesehen.

Vor einigen Wochen war ich zu der wöchentlich stattfindenden Talk-Show „Clowns und Soziopathen“ eingeladen. Der Moderator, Dr. dent. Back N. Pfeife, gibt sich alle Mühe. Hier das Interview in voller Länge. Der Kürze halber nenne ich ihn Dr. Pfeife. Das passt zu seinem guten Namen. Und Raucher ist er auch. Mann gönnt sich ja sonst nichts.

Dr. Pfeife: „Guten Abend, Frau Dr. Landar. Könnten Sie unseren sehr verquerten Zuschauern vielleicht ihre Sicht der Dinge präsentieren und wie sie als Expertin für angewandte Kampfkunst, die Gefahren im Internet-Dschungel sehen?“
Ich überlege kurz, wie ich beginnen soll. Das Thema ist nicht einfach und sehr komplex.
„Die eigentliche Gefahr geht meiner Meinung nach weniger von Raubtieren aus“, beginne ich. „Mangelnde Sorgfalt der Wanderer öffnet den Attacken erst Tür und Tor.“
Pfeife: „Was genau meinen Sie mit Sorgfalt? Sollten die Besucher sich besser vorbereiten?“
„Ja“, sage ich. „Zwar haben viele Menschen ein dickes Fell. Aber das hilft ihnen in diesem Fall nicht. Viel wichtiger ist eine effektive Dschungel-Ausbildung. Wie Sie vielleicht wissen gibt es diverse Kurse und Seminare zu diesem Thema. Eine Weile schien die Taktik „Einweichen statt ausweichen“ Erfolg zu haben. Aber wie weicht man leere Worte auf?“
Dr. Pfeife nickt. Er hat verstanden.

„Sie haben den 100 Mbit Dan im Dschu-Dschutsu, Frau Dr. Landar“, fährt er fort. „Was genau unterscheidet ihre Kampfkunst von der, der anderen Meister?“
„Dschu-Dschutsu ist so alt, wie der Dschungel selbst“, erwidere ich. „Ich habe es lediglich an die Neuzeit angepasst.“
„Wie dürfen wir uns das vorstellen?“, will Dr. Pfeife wissen.
Er macht einige ungeschickte Bewegungen, die er vermutlich aus Jackie Chan Filmen hat.
Ich schenke Dr. Pfeife ein mildes Lächeln.
„Mit Kraft kommen Sie im Dschungel kaum weiter“, sage ich. „DSL-Lianen zu zerschlagen wird kaum helfen. Aber geschickt nutzen muss man sie.“
Ich demonstriere einen solchen Schwinger und Dr. Pfeife fällt überrascht um.
Standfest ist anders.

„Äh ja, sehr beeindruckend“, stottert er. „Und kann das jeder lernen?“
„Aber natürlich“, entgegne ich milde. „Jeder, der sich sich selbst achtet, ist in der Lage dazu. Bei der von mir entwickelten Methode des Dschu-Dschutsu nutzt man die Kraft des Gegners aus. Eine Haupttechnik ist die sogenannte „Facebook-Rolle.“ Mit ihr weicht man jeder noch so leeren Wortblase aus. Dann gibt es noch den von mir entwickelten „Niveau-Sprung.“ Der ist aber nur als allerletzter Ausweg anzuwenden, wenn man kurz vor dem Fall nach unten steht.“
Dr. Pfeife wirkt nachdenklich.
„Sie schlagen also nie zurück?“, fragt er weiter.
„Der beste Kampf ist immer der, den man vermeidet“, erwidere ich.
Und nicht zu kämpfen findet jeder gut.

„Ist das wirklich schon alles?“, will Dr. Pfeife wissen. „Gibt es keinen anderen Trick? Was machen Sie, wenn der Angreifer bewaffnet ist?“
„Aber natürlich“, sage ich. „Sie meinen bestimmt die obligatorischen Ausrufezeichen. Aber die sind kein wirkliches Problem. Ausrufezeichen sorgen für eine Erschütterung im „Wort-Sinn-Gefüge.“ Und das lockt immer andere Raubtiere herbei. Der Trick ist nun der, dass sie sich gegenseitig bekämpfen und wir diesem Kampf nur ausweichen müssen.“
Dr. Pfeife ist begeistert. Spontan fordert er das Publikum im Studio auf, die Facebook-Rolle zu üben.
Ausgelassen folgt die Menge und ein mittleres Chaos bricht aus.
Können Worte rollig machen?

Wieder zu Atem gekommen strahlt mich Dr. Pfeife an.
„Das war lustig,“ verkündet er. „Aber es gibt doch bestimmt noch mehr?“
„Aber ja“, erwidere ich. „Ohne „Forenhebel“ und „Blogschlag“ taugte das beste Dschu-Dschutsu nichts. Mit dem Blogschlag wehren sie gezielte Angriffe ab. Sie blocken sie sozusagen. Und dann setzt man den Forenhebel so lange an, bis nichts mehr geht. Auch kein Internet mehr.“
Dr. Pfeife ist begeistert und blendet die Adresse meiner Kampfkunst Schule ein. Auch verweist er auf mein Buch „Dritte Zähne für Papiertiger“, das schon vor Jahren ein Bestseller war.
„Ich bedanke mich, dass sie gekommen sind, Frau Dr. Landar“, sagt er mir. „Haben Sie vielleicht noch ein abschließendes Wort für unsere Zuschauer?“
„Ja“, erwidere ich und schaue in die gläubigen Gesichter. „Den Sommer zu genießen halte ich für wichtig. Lassen Sie den Computer aus. Das schützt vor Tigern und vor Schlangen.“
Und mich vor weiteren Fragen im Dschungel-Camp.