Das ist Karate!

Was Karate wirklich ist, habe ich bereits mehrfach geschrieben. Aber noch immer verstehen viele diese Kunst gern falsch. Also ergänze ich meinen letzten Artikel und möchte Ōyama Masutatsu, den Begründer des Kyokushin-Karate, zitieren. Der Fokus liegt dabei heute auf der körperlichen Seite. Warum erkläre ich noch.

„Karate ist kein Spiel. Es ist kein Sport. Es ist nicht einmal eine Technik der Selbstverteidigung. Karate ist zur Hälfte eine körperliche, zur anderen Hälfte eine spirituelle Disziplin.“

So ganz einverstanden bin ich mit dem großen Meister nicht. Man kann das auch durchaus anders sehen. Karate war und ist durchaus Selbstverteidigung für mich. Dieben meinen Geldbeutel zu überlassen, um sie nicht zu verletzen, käme mir niemals in den Sinn. Wer mir, bildlich gesprochen, an die Wäsche will, hat ein Problem.

„Karate hat eine nicht zu leugnende mystische Qualität. Doch all dies ist das Ergebnis von Durchhaltevermögen und Training. Es ist offen zugänglich und hat nichts mit geheimen esoterischen Schriften zu tun, die manche Karateschulen angeblich besitzen. Selbst wenn solche Bücher existieren, sind sie keine praktischen Erklärungen für die Methoden und Techniken des Karate, sondern abstrakte Erklärungen der geistigen Haltung.“

Ōyama Masutatsu hat recht, es gibt keine geheimen Techniken und keine Super Karateka, die allein mit Blicken einen Vorteil für sich verbuchen. Aber im modernen (Sport)Karate werden all jene Techniken nicht mehr gelehrt, die nach Meinung einiger Meister, eine zu große Verletzungsgefahr bei Wettkämpfen darstellten.

Was aber nicht gelehrt wird, gerät schnell in Vergessenheit. Und plötzlich ist Karate pflegeleicht und seine Schüler taumeln gebückt durchs ganze Leben, statt aufrecht und mit Stolz zu gehen. Mein Vater hat mich traditionelles Karate gelehrt. In all seiner Konsequenz. Das ist ein Grund warum ich Kämpfe gewinne und andere sie verlieren. Was auch für das normale Leben gilt.

„Die Kampfkünste wurden erdacht um Siege zu fördern, daher erfordern sie Rivalität. Doch gleich wie stark der Rivale auch ist, der Gerechte wird immer siegen. Davon bin ich überzeugt. Demzufoge muß Karate eine gerechte Kunst sein. Menschliche Wesen, die diesen Namen auch verdienen, sollten gewillt sein, Gemeinheit durch Gerechtigkeit zu bekämpfen, und dies bis zum Tode, falls es nötig sein sollte.

Ohne diesen Willen, in dieser Weise für die Gerechtigkeit einzustehen, was wäre das Leben noch wert? Die höchsten Dinge, die man aus einem Kampf auf der Grenzlinie zum Tod erfahren kann, sind Gerechtigkeit, Höflichkeit und der WEG. Und das Erreichen dieser drei Dinge bedeutet einen gewissen Sieg. Im Vergleich dazu sind Ruhm und Geld ohne Bedeutung.“

Karate kann zu mehr Gerechtigkeit führen. Davon bin auch ich fest überzeugt. Dabei ist es egal ob ich einen kleinen Jungen oder einen alten Mann vor Schlägern rette. Das Ergebnis ist es, das letztlich zählt. Auch der Sieg über mich selbst, wenn ich lächelnd vor einem Provokateur stehe und sein verbaler Angriff verpufft.

Ōyama Masutatsu war eigentlich Koreaner. Aber das ist nur Nebensache. Und er hat Karate auch nicht revolutioniert. So wenig wie Gichin Funakoshi, der Begründer des modernen Karate, dem Shotokan. Traditionelles Karate ist anders. Gelernt hatten sie es beide. Im Ansatz zumindest. Aber dann nur noch den eigenen Stil praktiziert.

Beide, Kyokushin-Karate und Shotokan sind durchaus gut. Mir sind sie zu einseitig, zu sehr vom eigentlichen Ursprung entfernt. Mein Karate war stets anders. Schon als Kind habe ich gern und oft improvisiert. Instinktiv. Gelernt habe ich andere Techniken erst viel später.

Es ist schwierig bis unmöglich, den geistigen Aspekt im Karate mit Worten abzubilden. Dazu ist (m)ein Blog denkbar ungeeignet. Karate und Zen-Buddhismus sind ein Team. Und das ist absolut kein Widerspruch. Es ist der japanische Weg, der im Westen kaum verstanden wird.

Aber ich kann die absolute Kompromisslosigkeit aufzeigen, wenn es im alten, traditionellen Karate darum ging, einen Angriff abzuwehren. Die Formel lautet krass ausgedrückt: Wer einen Karateka attackierte, war ganz schnell besiegt. Und das ist noch heute so, wenn jemand echtes Karate kann. Wobei besiegt nicht unbedingt wörtlich zu verstehen ist. Man kann mit Karate auch richtige Kämpfe vermeiden.

Und genau das ist der Unterschied zwischen Kampfkunst und -sport. Kickboxer, um das System einfach zu benennen, machen nur noch Spaß. Sie tänzeln, sie prahlen und feuern irgendwelche Tritte und Haken ab. Um im Wettkampf Punkte zu bekommen, was ihnen bei einem echten Angriff kaum hilft.

Schnell macht sich Verwirrung breit, wenn ich die Unterschiede im Dojo lehre. „Aber Sensei“, höre ich dann, „das verstehen wir nicht! Es heißt doch im Karate gibt es keinen Erstangriff.“

Nun hat das wieder Gichin Funakoshi gesagt und hat damit durchaus recht. Aber seine Verwässerung des Karate, der daraus entstandene Wettkampfstil, hat mit zum heutigen Problem geführt. „Funakoshi ist nicht in der Lage, etwas anderes als Gymnastik zu unterrichten“, hat Ōyama Masutatsu gesagt und damit den Nerv getroffen, an dem Karate noch immer krankt.

Aber hat er recht? Ja und nein. Shotokan ist ein durchaus guter Stil und richtig erlernt bis ins hohe Alter ausführbar. Aber das gilt für alle Karate Arten, wie diverse Meister noch immer zeigen. Trotzdem halte ich die Okinawa Stile für besser, wenn es um Traditionen geht. Und um mit einer Legende aufzuräumen, auch im Karate gibt es Hebel und Würfe. Wie im traditionellen chinesischen Wushu (Kung Fu).

Das Wissen um die Gesamtheit von Karate muss zwingend erhalten bleiben. Es geht dabei weniger darum wie man jemand töten kann. Wer das nur denkt, hat nichts verstanden und gehört vermutlich in die Psychiatrie.

Ich habe lange gesucht und ein Video gefunden, dass sich „This is Karate!“ nennt. Zwar wird dort der Shōrin-Ryū Stil gezeigt, aber der „Aha-Effekt“ sollte vorhanden sein. Den beiden Sensei geht es wie meinem Vater und mir darum, das echte Karate zu erhalten. Hauen kann jeder. Richtiges Karate nur wenige.

Sie zeigen einen Stil, den viele Thai- und Kickboxer, sowie die koreanischen Taekwon-Do Schüler, noch nie gesehen haben. Die wären alle ziemlich überrascht, wenn es zu einer Auseinadersetzung käme. „Kannst du das alles?“, höre ich die Frage und muss lächeln. Ja und noch eine ganze Menge mehr.

Ich finde die beiden Sensei gut und authentisch. Daher teile ich gern ihr Video. Und nun viel Spaß beim schauen:

Das Onee-chan Syndrom

Als „Onee-chan“, wird in Japan die „ältere Schwester“ bezeichnet. „Chan“ entspicht der deutschen Endung „chen“ und ist die von Frauen verwendete Verniedlichungsform. Die Onee-chan kann auch eine Baka sein. Und das übersetze ich jetzt nicht.

Menschen sind komisch, wenn es um Äußerlichkeiten geht. „Klein“ weckt gern den Instinkt des Beschützers. Vor allem Mann sieht in Frauen gern das „kleine Mädchen“ und auch (ältere) Frauen neigen zu dieser Sicht.

„Du musst das so sehen!“, wird gern vermittelt und vehement mit Worten aufgetrumpft. Nun sind Menschen verschieden und nicht jeder glaubt das, woran andere glauben. Aber jeder sollte lernen, die Standpunkte anderer zu akzeptieren, auch wenn sie nicht den eigenen entsprechen. Egal in welchem Zusammenhang.

Aber jede Art der Kommunikation hat ihre Tücken. Das war schon immer so. Die größte Hürde ist stets das eigene Ego und die Einstellung zu Gesprächsthema und GesprächspartnerIn.

Für viele Menschen sind „Gespräche“ ganz offensichtlich eine Form des Vergleichskampfes, in dem es nur das Ziel gibt, den oder die Gesprächspartner mit der eigenen Meinung zu überzeugen. Ein Fehler, wie wir gleich sehen. So, liebe LeserInnen, funktioniert Kommunikation nämlich nicht.

Kampf setzt bei mir ein Denkszenario in Gang, das mir ein Schlachtfeld zeigt. Das Wort besteht wieder aus zwei anderen Worten: Schlacht(en) und Feld. Dort haben sich stets grausame Dinge abgespielt, wenn Menschen anderen Menschen das Leben nahmen. Sie haben sich dort gegenseitig abgeschlachtet, Gliedmaßen abgehackt für ihr Recht.

Und das bringt mich wieder zur Kommunikation zurück, die viele als persönliches Schlachtfeld sehen. Ihr Ego muss stets der Gewinner sein. Dumm nur, dass die anderen Gesprächsteilnehmer auch ein Ego haben, das genauso wenig verlieren will. Ich führe Dialoge. Schlachten schlage ich anderswo.

Nachrichten, Sprache kann man stets einer Kommunikationsdiagnose unterziehen. Stimmen Gestik, Mimik überein? Gibt es widersprüchliche Signale, übt der Sender vielleicht Ironie. Aber kaum jemand kennt die Unterschiede zwischen kongruenten und inkongruenten Botschaften, oder hat überhaupt davon gehört.

Bei der inkongruenten Kommunikation (iK) gehen die sprachlich übertragene Information und die Mimik, Gestik und Stimmqualität des Senders auseinander. In Foren, Chats, Mails passiert das häufig. Menschen fehlt der direkte Kontakt. Gleiches geschieht auch bei Gesprächen, wenn sich eine Seite nonkonform verhält.

Jeder sollte sich fragen, was er mit einem Gespräch erzielen möchte. Den Gesprächspartner an die Wand reden und sich dadurch vielleicht einen Feind schaffen oder mit seiner Unterstützung ein Gesprächsziel erreichen. Letzteres wäre schön.

Mayumi Sensei

Manche Pläne sind die Gedanken nicht wert, die man daran verschwendet. Ich denke immer weiter, logisch und struk­tu­rie­rt. Emotionen, die haben doch nur die anderen. Mayumi Sensei aber nicht. Und mit diesen Worten komme ich zum Punkt und lehne die vermutlich lukrativste Offerte in meinem bisherigen Leben ab. – KLICK MICH –

Was ist geschehen, werden sich nun vielleicht meine LeserInnen fragen. Ist die olle Japanerin komplett verrückt? Ich kann euch beruhigen, nie ging es mir besser. Und daran ist auch wie immer meine Elfe schuld. Im positiven Sinn natürlich. Auch dafür liebe ich sie.

Ich bin immer meinen Weg gegangen. Unangepasst und als Kämpferin für die Rechte von Frau. Das ist mein Ding, da will ich hin. BWL war stets Sicherheit für mich. Nur ein Titel im Sam­mel­su­ri­um des Lebens. Aber soll das schon alles sein?

In meinem Kopf erscheinen die starken Frauen dieser Welt. Und auch ein Mann ist mit dabei. (Yoko) Okamoto Sensei und (Christian) Tissier Sensei möchte ich gern treffen. Die beiden lehren wahre Aikido-Kunst. Bewusst wähle ich die japanische Schreibweise von (Vor)Namen und Titel für diesen Blog. Traditionen sind ebenso wichtig, wie der Blick über den berühmten Tellerrand.

Graf Werner ist enttäuscht, als ich ihm die Absage gebe.
„Überlegen Sie es sich noch einmal“, bittet er.
Aber ich gehöre in kein Büro. Mein Büro, das wird (m)ein Dojo sein. Das ist fest beschlossen. Die nüchterne Frau Dr. Landar wird bald gehen. Mayumi Sensei aber bleibt. Ich werde Mädchen und Frauen meine Kunst vermitteln. Das wollte ich immer schon.

Mein Papa strahlt auf seine Art, als ich ihm davon berichte.
„Kleine Kriegerin“, sagt er leise und macht mich damit stolz.
Klein meint er nicht böse, es ist nur sein Kosewort.

Yuki und ich werden unser Leben leben. Anders und wenig angepasst. Mit unseren Kindern, die noch geboren werden. Beschlossen von uns und verkündet nun von mir. Im feinen Zwirn im Büro? Da sitzen nur die anderen. Mayumi Sensei lehrt.

 

Die Nebel von Iga – Teil 1

Wir schreiben das Jahr 1581. Der Daimyo Oda Nobunaga ist auf dem Höhepunkt seiner Macht. Aber nicht nur militärisches Geschick hat ihm dabei zu seinen Siegen geholfen. Er und die anderen Daimyo, haben sich dabei Menschen bedient, die zur Legende geworden sind. Die Rede ist von den Ninja, den Schattenkriegern, auch Shinobi genannt. Und von denen mag ich heute erzählen.

Japan im Mittelalter war keine einheitliche Nation. Verschiedene Fraktionen buhlten um die Macht. Nicht immer war offener Kampf die beste Lösung. Spionage stand damals hoch im Kurs. Wann die Ninja genau entstanden sind, das weiß heute keiner mehr. Und was sie waren, ist von Hollywood verwässert worden.

Seit vielen Jahren betreibt mein Vater Ahnenforschung. Unser Stammbaum ist lückenlos und reicht bis weit ins Mittelalter zurück. Die Namen der Ahnen klingen gut, aber nicht alle waren Samurai. Und zumindest ein Ahn war ein richtig Schwarzes Schaf. Zumindest seiner Kleidung nach. Dumm nur, dass die auch von Hollywood erfunden worden ist. Ein echter Ninja hat anders ausgesehen.

Die Reise meiner Eltern im Sommer war nicht nur rein geschäftlicher Natur. Sie hat auch zu einem Zweig der Familie geführt, den es offiziell nie gegeben hat. Oda Nobunaga ist damals mit seiner Armee nach Iga marschiert, um die dortigen Ninja-Clans zu vernichten. Sie waren zu mächtig geworden und wurden nicht mehr gebraucht. Außerdem erkannten die Clans seine Vorherrschaft nicht an. Ein weiterer Grund, sie vom Angesicht der Erde zu tilgen. Und genau das hat er getan. Auch galt es die Schmach zu tilgen, die seinem Sohn widerfahren war. Der hat beim Iga-Aufstand 1579 gegen die Ninja-Clans verloren.

Tausende lagen nach der Schlacht erschlagen umher. Die Samurai und ihre Helfer waren nach heutigen Maßstäben gemessen sehr grausame Krieger. Egal ob Kind, Greis, oder Frau, der Tod hat damals in Iga gewütet. Aber nicht alle Ninja sind umgekommen. Und auch nicht unser Ahn.

Wir wissen nicht wie er entkommen ist. Aber im Geist sehe ich einen Mann gehetzt durch die Wälder laufen. Immer im Dunkel der Bäume, unsichtbar für Tageslicht. Vielleicht haben ihn Samurai verfolgt, vielleicht hat er auch kämpfen müssen. Aber als Meister der Tarnung bekamen die ihn vermutlich nie zu Gesicht.

Sein Name tut nichts zu Sache. Aber wir wissen nun ganz sicher, dass es ihn gegeben hat. Und wir wissen auch, dass ihm als einer der wenigen Überlebenden des Massakers von Iga, die Flucht gelungen ist. Der Mann war kein einfacher Soldat. Die Chroniken sprechen von einem Bauern, der sehr wehrhaft gewesen sein soll. Aber war er wirklich ein Meister des Ninjutsu? Und was ist das überhaupt?

Hollywood hat aus den Ninja die unbesiegbaren Schattenkrieger und gedungenen Killer gemacht. Ausgestattet mit zum Teil übermenschlichen Fähigkeiten, schnetzeln sie sich durch blödsinnige Filme. Die Ninja / Shinobi waren alles andere als reine Mörder. Und Ninjutsu ist weit mehr als bloßer Kampf. Unwissende Autoren, aber auch Geschäftemacher, haben den Fokus stets auf diesen Aspekt gelegt.

Aber so wie Karate weit mehr als die Kunst ist sich selbst verteidigen zu können, so viel mehr ist das legendäre Ninjutsu. Ninja waren nicht nur Meister im Umgang mit Waffen, sie waren auch spirituell geschult. Und sie waren Strategen, Heilkundige, Schwimmer, Reiter und hatten Kenntnisse in Meteorologie und Geografie. Als Allrounder waren sie so universell einsetzbar. Und was sie nicht wussten, das haben sie sich beigebracht.

Ninjutsu bedeutete auch, die Kampfkunst des Gegners zu studieren und für die eigenen Zwecke zu gebrauchen. Ja, Ninja konnten Menschen mit einem, oder wenigen Schlägen töten. Aber wenn, so haben sie Gift, Pfeile, oder Messer benutzt. Primär waren Ninja Spione, die Informationen sammelten. Agenten, eine Art mittelalterlicher Geheimdienst. Aber der maskierte Attentäter sieht in Filmen gleich viel besser aus.

Die Samurai sahen in den Ninja Krieger ohne Ehre, da sie meist den Kampf Mann gegen Mann gemieden haben. Vielleicht steckte in dieser Verachtung aber auch eine Portion Angst. Trotz kürzerer Schwerter waren die Ninja gefürchtete Kämpfer, die so manchen Samurai zu Boden schlugen. Aber so, wie heutige Spione und Spezialkommandos, agierten die Ninja im Verborgenen. Warum also die offene Feldschlacht suchen, wenn du allein gegen hundert Krieger stehst.

Oda Nobunaga hat seinen Sieg nicht lange überlebt. Die Ninja aber sind in den Nebeln verschwunden, die Überlebenden haben sich gut getarnt. Aber Ninjutsu ging nicht völlig verloren, die Meister haben die unterschiedlichen Stile mündlich übermittelt. Aber jener vollkommene Schattenkrieger vergangener Tage, ist wohl für immer verschwunden.

Wie es weitergeht erfahrt ihr im zweiten Teil. Auch, ob wir einen Ninja gefunden haben. Oder er vielleicht uns.

Dem Mutigen gehört die Welt

„Sei mutig!“, haben schon viele Eltern zu ihren Kindern gesagt und damit die eigene Schwäche kaschiert. Mein Vater hat nie Mut von mir verlangt, ich selbst habe ihn immer bewiesen. Aber was ist Mut, wie passt er in die heutige Welt? Und hat Mut auch etwas mit Tapferkeit zu tun?

Mut und Tapferkeit werden heutzutage meist gleichgesetzt. Und das ist leider falsch. Mut und Tapferkeit sind aber durchaus verwandt. Mut wird als Unerschrockenheit vor Gefahr definiert. Mut kann das Ergebnis einer Überwindung von Angst sein, oder ein zuversichtliches Selbstvertrauen, sich einer Gefahr zu stellen und ein auf sich genommenes Risiko zu meistern. Im zweiten Fall kommt es nicht so weit, sich erschrecken zu lassen, auch wenn die Handelnden sich etwas aussetzen, das eine Gefahr zu enthalten scheint.

Mut hat schon immer mein Leben bestimmt. Angst haben immer nur die anderen. Auch vor mir und das ist gut. Dieses Selbstvertrauen kommt nicht von ungefähr. Es ist das Ergebnis eines fast lebenslangen Trainings. Nur sollte niemand die Abwesenheit von Angst mit Mut gleichsetzen. Sonst wäre auch der Leichtsinn Mut.

Schon sehe ich die Skepsis meiner LeserInnen wachsen und auf meine schnellen Autos zeigen. Aber was haben die mit Leichtsinn zu tun? Unsere Eltern haben uns vor einigen Jahren die Rennlizenz bezahlt und diverse andere Kurse. Wir sind auf Schwedens Winterseen gedriftet und auch schon Ralley gefahren. Und schnelle Autos sind sicher, da darf Frau mutig sein. Aber habe ich niemals Angst?

Und schon stehen wir vor einem Missverständnis und wie das Wort Angst meist falsch verstanden wird. Angst, jenes diffuse Gefühl einer Bedrohung, die wenig greifbar ist, kommt in meiner Welt nicht vor. Versagensängste? Nein, danke! Im Gegensatz zur Angst ist Furcht meist rational begründbar und wirklichkeitsgerecht. Sie wird deshalb auch als Realangst bezeichnet. Und wenn die Bremsen bei 200 km/h versagen, dann hat auch eine Mayumi kurzfristig reale Angst. Aber dieses Gefühl wird mich nicht stoppen. Ich beweise Mut.

Mein Mut basiert auf (innerer) Stärke, auf dem Handeln nach ethischen Prinzipien. Mut ist ein vitales Antriebsgefühl, das Tapferkeit begleiten kann. Ich habe mich schon mehrfach mutig vor Freundinnen gestellt und sie tapfer vor Übergriffen bewahrt. Und das, obwohl ich wirklich auf verlorenem Posten stand.

Frühling vor einigen Jahren. Wir sind drei lustige Mädels und ein schwuler Mann. Sven ist lieb, wir mögen ihn. Drei südländische Männer kommen auf uns zu. Sie wirken aggressiv und versperren uns den Weg. „Ey was willst du mit die drei Frau?“, wird Sven gefragt. Auf die Idee das Wort an uns zu richten kommt der Anführer der Gruppe nicht.
Sven ist nicht feige, aber wird als Bluter eine Prügelei nicht überleben. Er weiß das und weicht einen Schritt zurück.
Die Männer schauen sich an. Sie haben ihr Opfer gefunden. Aber sie haben die Rechnung ohne mich gemacht.
Ihr Auftritt, Frau Landar!

Ich zeige dem Mann ein Lächeln, Buddha wäre stolz auf mich. „Wir haben keinen Streit mit euch“, sage ich. „Lasst uns bitte gehen.“
Schwarze Augen mustern mich voll Gier, der Mann leckt sich die Lippen. „Kein Streit“, erwidert er. „Aber wie wäre es mit … Spaß?“
Er hebt theatralisch die Arme und seine Kumpels lachen.
„Gute Idee“, sage ich sanft. „Dann geh schon mal auf die Knie und lass die Hose runter. Mein Fuß sieht bestimmt spaßig in deinem Hintern aus.“
Meine Mädels lachen, der Typ wird wild. Er wirft mir Worte in seiner Sprache an den Kopf und stürmt wütend auf mich zu. Und seine Kumpels folgen.
Sechs Fäuste für ein Hallelujah.

Gegen drei größere Männer zu kämpfen, ist keine gute Idee für eine kleine Frau. Das grenzt an Tollkühnheit und Übertreibung. Aber so war ich immer schon, kein Mann wird mich jemals dominieren. Den Anführer kann ich zu Boden werfen, dann streift mich ein gemeiner Schlag. Mein Bauch schmerzt, ich kann kaum atmen. Fäuste und Füße rasen auf mich zu, mein Schicksal scheint besiegelt. Aber Schmerzen kann ich ertragen, das habe ich gelernt.
Was nun folgt ist filmreif. Ich wehre mich, die perfekte Kriegerin übernimmt. Es folgt ein doppelter Knockout. Nur Pferde treten härter,
Zu Poden mit den pösen Purschen!

Mit blutiger Nase kommt der Anführer auf die Beine und schaut entsetzt auf seine Freunde. Mut hat der keinen mehr, in seinem Gesicht regiert die Angst.
„Ey is schon gut“, nuschelt er und wankt davon. Seine Kumpels lässt er liegen.
Für meine Freunde bin ich die Heldin. Ich winke nur ab. Wahre Sieger sehen anders aus.
Um Sven zu retten, habe ich Mut bewiesen und tapfer kämpfen müssen. Genau das werde ich immer wieder tun. Angst haben immer nur die anderen. Aber meine Rippen schmerzen, die Narben einer Schlacht.

Ein vermiedener Kampf, ist ein gewonnener Kampf. Dieser Lehrsatz bestimmt mein Leben heutzutage. Aber manchmal müssen wir für andere kämpfen, die sich nicht (mehr) wehren können. Mut und Tapferkeit haben schon immer mein Leben bestimmt. Wo bleibt euer Mut?

Angst fängt im Kopf an – Mut auch

Gewalt gegen Frauen ist (noch immer) an der Tagesordnung. Frau in der Opferrolle, das war schon immer so. Körperlich Mann unterlegen, wird sie unterdrückt und ausgenutzt. Nicht jede Frau hat das Glück im „Goldenen Westen“ zu leben, in der aufgeklärten Welt. Aber selbst in Europa gibt es Übergriffe. Und nicht immer ist Hilfe in Sicht. Also müssen wir Frauen uns wehren. Die Frage ist nur wie.

Das Wort Selbstverteidigung wird von Frauen meist mit Gewalt gleichgesetzt. Sofort haben sie das Bild von prügelnden Männern vor Augen, die hemmungslos die Fäuste schwingen. Und diesen Irrtum gilt es aufzuklären. Selbstverteidigung fängt mit Worten an. Deeskalation ist immer die Devise. Eine Faust nur der allerletzte Weg.

Schon sehe ich die Frage in den Augen meiner Leserinnen, wie das funktionieren soll. Selbstverteidigung ohne Körperkontakt, einfach nur mit Worten? Geht denn das? Die Antwort ist einfach: JA! In meinen Kursen für Frauen lehre ich, wie sie sich aus scheinbar brenzligen Situationen befreien können. Und oft ist Reden die beste Waffe, um einem Übergriff vorzubeugen. Und weglaufen gehört auch dazu.

„Kämpfen lernen, um nicht kämpfen zu müssen“, ist ein Motto, das hierzu gern benutzt wird. Und genau dieses Motto macht auch Sinn. Aber der Kampf fängt im eigenen Kopf an. Dort gilt es Hemmschwellen zu überwinden. Jede Frau kann sich mit einfachsten Mitteln verteidigen. Hemmungen sind in diesem Fall fehl am Platz, es geht um Gesundheit und Leben.

Frau muss lernen die eigene Stimme als erste Waffe zu nutzen. Ein lautes „NEIN!“ wirkt wahre Wunder. Laute Worte wie „Lassen Sie mich in Ruhe!“, im Bus, in der Straßenbahn zu einem Pöbler gesagt, kann diesen durchaus zur Flucht bewegen. Merke: wer schweigt ist bereits ein Opfer. Und genau das sind wir Frauen nicht!

Selbstverteidigung stärkt das Selbstbewusstsein und holt jeden Menschen aus der Opferrolle. Genau darum geht es. Täter suchen Opfer und keine Gegner. Das Gegenargument „Die meisten Menschen werden vermutlich nie mit Gewalt konfrontiert“, habe ich schon oft gehört. Gewalt trifft doch immer nur die anderen.

Was machen wir im Notfall? Schauen wir nur zu? Oder greifen wir aktiv ins Geschehen ein? Helfen wir dem Menschen in Not? Ja, das machen wir! Vielleicht nur mit Worten, vielleicht nur per Handy-Notruf. Nicht jede Frau ist schließlich Karate-Meisterin. Aber Situationen meistern sollte sie können. Wer Kinder bekommt, der kann auch einem Angreifer in den Hintern treten.

Ein weiterer Aspekt von Selbstverteidigung ist das gestärkte Selbstbewusstsein, das Frau auch im Alltag hilft. Noch immer werden Frauen unterdrückt und nicht für voll genommen. Schöne Larven, die ihre Rolle als Mutter und Hausfrau spielen. Biologischer Auftrag erfüllt und am Ende ab ins Altersheim? Mit mir zumindest nicht. Angst fängt im Kopf an – Mut auch! Wann also fangt ihr an euch zu wehren?

Warum ich kämpfe

Ein japanisches Sprichwort sagt „Um kämpfen zu können, brauchen wir nicht nur starke Arme und einen schnellen Geist, wir brauchen den Glauben.“ Ich glaube. An mich selbst. Und das ist mehr, als viele Menschen von sich selbst behaupten können.

Aber ist der Kampf der richtige Weg? Ist der Weg des Samurai der einzig richtige Weg? „Nicht den Sieg, sondern den Weg zum Sieg sollten wir schätzen“, lautet ein anderes Zitat. Und „Ein vermiedener Kampf, ist ein gewonnener Kampf.“ Aber stimmt das auch? Mein Weg zum Erfolg lautet: Misch dich ein! Erhebe deine Stimme, benutze deine Kraft. Nicht die der Arme. Die des Geistes, des Wortes.

Gewalt ist keine Lösung, hat mein Papa immer gesagt. Aber auch er mischt sich ein. Er hat mich gelehrt niemals zu schweigen und gegen Unrecht aufzustehen. Er hat mich gelehrt zu kämpfen. Und das hat er gut gemacht.

Die folgenden Zeilen gehen mir seit einer Weile durch den Sinn. Sie stammen aus dem Spiel „World of Warcraft.“ Und ich hoffe, ich darf sie in diesem Blog verwenden. Zu fragen warum wir kämpfen, ist zu fragen warum die Blätter fallen. Es liegt in ihrer Natur. Vielleicht gibt es eine bessere Frage. Warum kämpfen wir? Um Heimat und Familie zu beschützen. Um Gleichgewicht zu wahren und Harmonie zu schaffen. Für uns ist die wahre Frage die folgende: Wofür lohnt es sich zu kämpfen?

Ich stelle mir die Frage anders: Warum kämpfe ich? Es liegt in meiner Natur. Und wofür kämpfe ich? Nicht für Macht, Ruhm und Geld. Ich bin eine Kriegerin des Regenbogens, eine Kriegerin des Lichts. Und ich kämpfe für alle Frauen. Gegen Missbrauch, Erniedrigung und Gewalt, für eine bessere Welt. Euer Lächeln wird meine Belohnung sein. Das Funkeln in euren Augen mein kostbarster Schatz. Ich kämpfe für die Liebe, für Toleranz und gegen Gleichgültigkeit. Gegen Hass und für das Glück der Menschen.

Zu fragen warum ich kämpfe, ist zu fragen warum die Blätter fallen. Es liegt in meiner Natur. Es gibt keine bessere Frage.