Frauen an den Herd! – Gender-Wahn im Aufwind

Männer haben es doch immer schon gewusst: Frauen gehören an den Herd! Oder besser gesagt wieder. Denn der Feminismus ist tot. Es lebe der neu erstarkte und selbstbewusste Mann. Hintergrund dieser ironischen Zeilen ist eine Facebook-Aktion der AfD-Jugend, die eine Kampagne gegen den angeblich geschürten Gender-Wahn gestartet hat. Der stehe der Vernunft im Wege.

Nun bin ich schon eine Weile Feministin und kämpfe für das Recht von Frau in allen Lebensbereichen. Vor allem aber gegen muffig Konservative und ihre Homophobie. Eigentlich war ich früher eine „Rote Socke.“ Aber Grüne, Piraten und AfD haben vor einer Weile mein Interesse geweckt. Nur was sich momentan auf Facebook abspielt, ist eine Zumutung für mich. Die AfD dreht durch. Junge Frauen präsentieren selbst gemachte Schilder, auf denen sie sich vom Feminismus distanzieren.

„Ich bin keine Feministin, weil ich mir gern die Tür aufhalten und in die Jacke helfen lasse!“, heißt es da. „Ich bin keine Feministin, weil die Gleichberechtigung der Frauen abgeschlossen ist. Jetzt liegt es an den Frauen selbst, ihre Chance in die Hand zu nehmen“, wird auch geschrieben.

Spontan frage ich mich, ob diese Aussagen unter Folter zustande kamen. Keine in der Bewegung aktive Frau wird sie auch nur ansatzweise ernst nehmen können. Die gläubigen Gesichter der jungen Frauen machen mir fast etwas Angst. Soll das Deutschlands Zukunft sein?

Wissen sollte man, dass die Kampagne mit Unterstützung der AfD-Männer gestartet worden ist. Oder sollte ich sagen durch? Denn das dürfte der Wahrheit näher kommen, aber auch das vermutlich größte Eigentor der AfD sein. Auch, wenn ich die WELT online nicht besonders mag, so muss ich mich doch mit Günther Lachmann verbünden. Dessen Kommentare sind zwar primär gegen die AfD gerichtet, aber ich greife sie in dem Fall für mich auf.

Ist die AfD-Jugend naiv, oder will sie nur provozieren, schreibt der Redakteur. Und genau das fällt auch mir zu dem Schwachfug ein. Aber da gibt es immer noch die JUSOS, die sofort dagegen halten. „Ich bin Feministin, weil Frauen auch das Recht haben, von ihrer Arbeit leben zu können“, schreibt eine Jungsoziale. „Weil das, was Frauen in der Gesellschaft leisten, dauerhaft und ernsthaft anerkannt werden muss.“
Von mir gibt es Beifall für diese Worte, denn bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Die Jusos sagen klar: „NEIN, die Gleichberechtigung ist keineswegs abgeschlossen. Einfach mal gucken, wie es mit dem Gehalt bei absolut gleicher Qualifikation und später bei der Rente aussieht, da wird einigen das Lachen ganz schnell vergehen.“ Und auch all denen, die jetzt wieder ihre Totschlagargumente bringen und den Blick nicht vom Tellerrand heben wollen. Haben sie doch meist eine Frau am Herd, die ihnen brav das Essen serviert.

Es gibt eine Menge Argumente gegen die AfD-Kampagne und für den Kampf von Frau. Leider ist Deutschlands Bewegung gespalten und war lange von Alice Schwarzer dominiert. Aber die Grand Dame ist ins Gerede gekommen und wird nicht von allen geliebt. Fakt ist, dass Frauen zwar auf einem guten Weg, aber noch nicht angekommen sind. Und Kampagnen, wie jene des AfD, tragen nicht zum Erfolg der Frauenbewegung bei. Sie sind unnötig und dumm.

Natürlich sind junge Frauen in diesen Tagen selbstbewusster, als es ihre Mütter waren. Sie können deutlich mehr erreichen, aber nicht bis zur letzten Konsequenz. Der Weg ganz nach oben bleibt ihnen verwehrt, der wird von Patriarchen dominiert. Und genau die stecken hinter solchen Aktionen. Jovial lächelnd geben sie Frau etwas Zuckerbrot, um dann mit erhobener Peitsche das STOP-Schild zu zeigen. Der Grund ist klar: sie fürchten um ihre Macht.

Der Gender-Wahn stehe der Vernunft im Wege, schreibt die AfD. Ich denke eher, dass die AfD von der Vernunft verlassen worden ist. Schade eigentlich. Schade auch, dass ich meine spitze Feder zu diesem Abgesang erheben muss. Das hatte ich anders geplant. Der Feminismus ist nicht tot, liebe AfD. Und Frauen gehören nicht nur an den Herd. Auch Männer können kochen. Und das sollten sie auch ganz selbstbewusst tun. Und einfach damit aufhören Frauen von oben herab zu belächeln und für dumm zu verkaufen. Vielleicht klappts dann auch wieder mit der Liebe, für die sie sonst bezahlen müssen. Aber das ist ein anderes Thema.