Was Recht ist muss Recht bleiben

Die Diskussion über Prostitution in Deutschland – eigentlich auf der ganzen Welt – liegt mir schwer im Magen. Als Feministin stehe ich auf der Seite von Frau. Und ich habe das Märchen von der Freiwilligkeit noch nie geglaubt. Klar mag es diese Fälle geben, aber in der Masse stimmt das nicht. Frauen werden meist zum käuflichen Sex gezwungen, davon bin ich fest überzeugt. Wenn schon nicht mit Gewalt, dann durch die Umstände. Was für mich das Gleiche ist.

Aber Prostitution und Prostituierte sollen heute kein Thema sein. Zumindest nicht die käufliche Liebe. Noch schwerer liegen mir nämlich Menschen im Magen, die für das Wohlergehen anderer verantwortlich sind. Und Juristen, die sich an die Halb- und Unterwelt verkauft haben. Ich sage bewusst verkauft! Denn jeder Mensch hat das Recht auf einen Anwalt und einen fairen Prozess. Meine Toleranz hört aber genau an der Stelle auf, an der das Recht mit Füßen getreten wird. Genau diese Gefahr sehe ich nun wieder bei der Prostitutionsdebatte. Auch, wenn es ein verschärftes Gesetz geben wird, die von mir so bezeichneten Rechtsnutten werden es zu untergraben wissen. Sie werden dann vermutlich zu beweisen versuchen, dass ihr Mandant von der Frau zum Sex genötigt worden ist.

Ich hatte das eher zweifelhafte Vergnügen, einem solchen Menschen vor einigen Jahren zu begegnen. Damals hat Justitia mein Rechtsempfinden gehörig erschüttert. Verrückt genug um Jura zu studieren, war ich aber nicht. Ort: Der Gerichtssaal. Der Anlass: Die Zeugenaussage meiner damaligen Freundin. Eine Gruppe von Männern hatte sie und ihre Schwester am Düsseldorfer Bahnhof belästigt. Meine Freundin lief weg und alarmierte per Handy die Polizei. Die Beamten waren schnell vor Ort konnten aber lediglich einen der (mutmaßlichen) Täter stellen. Die Männer hatten die Schwester meiner Freundin geschlagen und ihre Kleider zerrissen. Wie sie später aussagte, hatten sie den Vorfall auch mit dem Handy gefilmt. Mehr war zum Glück nicht passiert. Mir reichte der Vorfall schon. Wer Frauen angreift, oder misshandelt, den stelle ich noch nicht einmal auf die gleiche Stufe wie ein Tier.

Vor Gericht stellte der Angeklagte die Sache anders dar. Weder habe er die anderen Männer gekannt noch das Opfer geschlagen. Ich wusste, dass er log. Und sein Anwalt auch. Ohne jeden Zweifel war der Mann eine Nutte. Ein billiger, kleiner Winkeladvokat, der bevorzugt Kriminelle vertrat. Die Anwältin des Opfers kannte ihn gut. Und sie mochte ihn nicht. Dabei stamme er aus gutem Haus, verriet sie uns. Sein Vater sei ein geachteter und renommierter Anwalt gewesen. Der Richter stellte das Verfahren aus Mangel an Beweisen ein. Die Schwester meiner Freundin konnte nicht zweifelsfrei sagen, ob der Angeklagte sie geschlagen hatte, oder doch nur zufällig vor Ort gewesen war.

Das mag nun nicht das beste Beispiel sein. Der Anwalt hat sich damals vermutlich (noch) nicht verkauft. Für mich und mein Rechtsempfinden schon. Und genau diese Typen sind mir zuwider! Für Geld machen diese Rechtsnutten alles. Leider gibt es dafür kein Gesetz. Aber ist das nicht auch eine Form der Prostitution?