Heimat

Sonnige Stunden

Weit reicht der Blick nach Osten

Heimat, wir kommen

 

Bild: Pixabay

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Leipziger Allerlei

Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen. (Heinrich Heine)

Warum dieses Zitat, warum die kulinarische Überschrift? Beides hat den einfachen Grund, dass wir am letzten Wochenende auf der Leipziger Buchmesse waren und fröhlich durch schier endlose Hallen gewandert sind.

Yukis üblichen Rucksack hat man(n) freundlich kontrolliert. Klar, wir sahen wenig gefährlich aus. Der Aufkleber der GRÜNEN prangt dort noch immer, die verblassende Erinnerung an eine andere Zeit. „Wehe du kaufst wieder 100 Bücher“, hat sie im Scherz gesagt. Ich gestehe, es waren (keine!) nur 99.

Verlage gegen … wen oder was?

Über die Buchmesse ist im Vorfeld viel geschrieben worden. 200 Verlage und Buchhändler haben eine Petition gegen „Rechte Verlage“ unterzeichnet. Liest man das, schaut man sich die Hype der Medien an, tauchen hunderte von Braunhemden vor dem geistigen Auge auf. Die Wahrheit sieht anders aus.

Es ist genau dieser Rauch um Nichts, den ich massiv kritisiere. Zwei Verlage, zwei Stände, die wenige Quadratmeter hatten, standen einfach da und haben mehr Aufmerksamkeit bekommen, als ein renommierter Verlag. Das war kostenlose Werbung, was also sollte das?

Die Leipziger Buchmesse ist ca. 100.000 qm groß. Die Zeitschrift COMPACT und der Antaios-Verlag, genau die bösen Verlage um die es ging, belegten einige wenige qm. Wo war nun die verbreitete Gefahr? Ach so, deren Bücher! Klar, verbrennen wir die doch!

So etwas wie moralische oder unmoralische Bücher gibt es nicht. Bücher sind gut oder schlecht geschrieben. Weiter nichts. (Oscar Wilde)

Verharmlose ich? Muss man nicht „den Anfängen wehren?“ Ja, den Anfängen einer unterdrückten Meinungsfreiheit. Jeder hat das Recht seine Meinung zu vertreten, ob das nun jemand passt oder nicht. Der Öffentlichkeit das Märchen vorzugaukeln, dass massenhaft „Rechte Verlage“ auf der Messe gäbe, wirft einmal mehr ein schlechtes Licht auf die Presse. Willkommen in der deutschen Realität.

Der Samurai und die Elfen

Auf dem Parkplatz angekommen hält neben uns ein älterer Golf, den drei Elfen und ein Samurai entsteigen. Cosplayer, auch sie sind auf der Messe vertreten. „Seid ihr vielleicht Japanerinnen?“, fragt ein Mädel mit rosa Perücke hoffnungsvoll, was mir den Satz „Nix för onjot, ech bin e rechteg Düsseldorwer Mädche“, entlockt. Ob die das verstehen?

Gelächter folgt und der Satz „Mir sin us Kölle!“ „Hört nicht auf die“, meldet sich nun Yuki. „I schwätz schwäbisch, I bin a Schwobamädle.“ Die Cosplayer sind hellauf begeistert und überhäufen uns mit Fragen. Wir beschließen gemeinsam zur Messe zu gehen.

Ich war schon immer neugierig auf Menschen und bekomme problemlos Kontakt. Yuki tut sich deutlich schwerer, das ist ihre japanisch-schwäbische Art. Auch in Japan haben wir unseren Bekanntenkreis aufgestockt und haben versucht den Leuten schwäbisch beizubringen. Ich glaube die üben immer noch.

Wir verbringen etwas Zeit mit der kleinen Truppe. Sie alle lieben Japan und versuchen sich auch mit der Sprache. Wir geben Tipps und alle freuen sich. Sven, der ein selbst zusammengeschustertes Samurai-Outfit trägt, will unbedingt etwas über Schwerkampf wissen. Beiläufig hatte ich meinen Hintergrund erwähnt.

Ich demonstriere ihm, wie das Schwert richtig zu halten ist und gebe ihm noch die Adresse eines wirklich guten Dojos. Aus Dankbarkeit schenkt er mir einen Manga. Wir verabschieden uns schließlich und gehen unseren Weg, als plötzlich mein Handy klingelt.

And Simone said …

Die Anruferin ist Simone, die Enkelin von Graf Werner. Einige LeserInnen werden sich vielleicht an ihn erinnern. Simone hat ein großes Problem und keine Lösung. „Mein bester Mitarbeiter hat vor einigen Wochen auf ziemlich schäbige Art gekündigt“, lässt sie mich wissen. „Er ist mit äußerst sensiblen Daten weg.“

„Was sagt die Polizei?“, will ich wissen. „Du hast ihn doch hoffentlich angezeigt?“ „Natürlich, er hat ein Ticket nach Shanghai gebucht. Die Ermittlungen laufen noch. Aber das zu wissen hilft mir wenig, ich brauche dringend Ersatz und eine Idee, wie ich eine Katastrophe verhindern kann. Wenn die Daten in die falschen Hände gelangen …! Opa Werner sagte mir, dass du wieder in Deutschland bist und nächste Woche nach Hamburg kommst. Ob du mir vielleicht helfen könntest?“

Ich überlege kurz. Mein Termin bei Graf Werner wird am Montag sein. Es geht um die Rückübertragung der Tuning-Schmiede an Yukis Vater. Es war Graf Werner, der die Firma vor dem Konkurs gerettet hat. „Ich behalte 25 Prozent“, schlägt er vor, wir werden uns schon einig.“ „Ab Dienstag hätten wir Zeit“, sage ich.

„Das ist perfekt“, sagt Simone. Ihre Stimme klingt erleichtert. „Ich habe einige Bewerber für die Stelle und auch schon einen Profiler engagiert. Aber ich hätte dich trotzdem gern mit dabei. Du kennst dich doch mit Menschen aus.“

Profiler haben oft Psychologie studiert und setzen ihre Kenntnisse nun in der Wirtschaft ein, um geeignete BewerberInnen für hochsensible Stellen zu finden. Menschen zu analysieren hat auf den ersten Blick wenig mit BWL zu tun. Aber ich mir sicher, dass ich helfen kann. Immerhin habe ich schon mehrfach MitarbeiterInnen bewertet.

Ich informiere Yuki und sie nickt. In ihrem hübschen Köpfchen wird sie nun alles für den Trip vorbereiten. „Ich weiß genau was du wieder denkst“, sagt sie schmollend und lacht dabei, „aber eine muss ja den Überblick behalten. Sag, hast du Hunger?“

Der Freitag

Fürsorglich wie immer, hat Yuki Onigiri – japanische Reisbällchen und Mineralwasser eingepackt. „Schau mal“, sagt sie, „ist das nicht dieses Augstein-Blatt?“ „Der Freitag“, lese ich und nicke. „Magst du schauen?“ Sie schüttelt den Kopf, als wir auf drei AktivistInnen der Antifa treffen. Zumindest ihre T-Shirts weisen sie als solche aus.

„Ihr seid doch bestimmt auch gegen Nazis?“, fragt mich einer. „Oder sprecht ihr kein Deutsch? English maybe?“ Ich widerstehe der Versuchung die japanische Touristin zu geben. „Such dir eine Sprache aus“, erwidere ich nur. „Aber magst du mir bitte sagen, ob die Nazis als Zombies auferstanden sind? Ich habe noch keine gesehen.“

„Nee“, sagt mein Gegenüber, „wir meinen diesen rechten Antaios-Verlag.“ „Und was habt ihr da vor?“, will ich wissen. „Wollt ihr die mit brauner Farbe besprühen?“ Er will etwas sagen, aber verkneift es sich doch.

„Eigentlich wollen wir nur mal schauen“, sagt seine Begleiterin, „wir sind keine Aktivisten, wir sind von der SPD.“ „Das klingt schon viel besser“, erwidere ich. „Wollt ihr vielleicht mit dem Verleger diskutieren?“ Empörung pur steht nun auf ihren Gesichtern. „Wie bist du denn drauf, mit Nazis reden wir nicht!“

Alles Nazi(s)

„Die ganze Messe ist doch gegen diese Rechten“, fährt der Sprecher fort. „Jeder darf in Deutschland seine Meinung sagen“, unterbreche ich ihn. „Oder rufen die zum Massenmord an Gummibärchen auf? Die finde ich übrigens auch sehr lecker.“

„Verteidigst du die etwa?“, fragt er lauernd. „Brauchen die einen Verteidiger?“, will ich wissen. „Wer ist der Ankläger? Du?“ Er schnauft, ich habe einen ersten Sieg errungen. „Du bist doch bestimmt auch gegen Faschisten?“, versucht er eine andere Taktik. Aber die Frage hatte ich erwartet.

„Gibt es hier denn welche?“, kontere ich und deute auf seine T-Shirt. „Oder meinst du die Sturmtruppen der Antifa-SA?“ Er wird kreidebleich und schaut mich wütend an. „Wie … wie hast du uns genannt?“

„Wer vermummt sich denn feige und wirft Steine auf die Polizei“, will ich wissen. „Wer fackelt die Autos von normalen BürgerInnen ab und stellt halb Deutschland unter Generalverdacht? Wer skandiert ständig, dass es sich bei Deutschland um ein mieses Stück Scheiße handelt?“

„Das muss man aber differenziert sehen“, mischt sich nun das Mädel ein, der die Sache sichtlich unangenehm ist. „Wir haben mit dem Schwarzen Block nichts zu tun und lehnen Gewalt ab! Aber du musst doch zugeben, dass man etwas gegen diese Verlage unternehmen muss!“

„Was denn, willst du ihre Bücher verbrennen? Damit stellt ihr euch auf die gleiche Stufe, wie die Braunhemden damals. Warum versucht ihr nicht wenigstens eine Diskussion? Fällt es so schwer über den eigenen Schatten zu springen?“

Redeverbot

Meine Worte schneiden sich tief in die Seelen meiner Gegenüber. Gehe ich zu hart mit ihnen ins Gericht? „Die reden doch auch nicht mit uns“, höre ich, aber es klingt kleinlaut und wenig überzeugend. „Außerdem sind die gegen Ausländer!“

„Echt jetzt?“, frage ich amüsiert. „Wisst ihr was, wir gehen das jetzt testen. Ich wette um ein Abendessen, dass ihr auf dem Holzweg seid.“ Einhellige Ablehnung schlägt mir entgegen. „Wir … wollen das nicht.“ Das kurze Zögern erhärtet meinen Verdacht. Gibt es ein Redeverbot?

Ich erzähle von meinen Gesprächen mit AnhängerInnen der verschiedenen Parteien und das Yuki und ich vor einigen Jahren in Stuttgart mit den GRÜNEN auf der Straße gewesen sind, um für die Ehe für alle zu demonstrieren. „Ohne Diskurs hätte ich die Gegenargumente nie erfahren.“

Das Trio ist überrascht, aber wir steigen wieder merklich in ihrer Achtung. Sie wollen vorher noch zum Hanser-Verlag in Halle 4. Ein junger Mann rümpft die Nase, als wir in dem Sachbuch von Heinz Bude „Adorno für Ruinenkinder – Eine Geschichte von 1968“ blättern.

„Einfach mal reinlesen“, sage ich zu dem Naserümpfer. „Das ist mindestens so cool, wie deine COMPACT.“ Prompt wird er rot und versucht das Magazin zu verstecken. „Alles gut“, beruhige ich ihn, „wir sind keine radikalen Linken.“

Angst ist nur ein Gefühl

Er bleibt stehen, auf seinem T-Shirt prangt der preußische Adler. „Was steht denn da so drin?“, fragt er. Wir kommen ins Gespräch, er ist ein Aktivist. Seine Sprache ist gewählt, gutes Hochdeutsch mit leicht sächsischem Akzent. „Was habt ihr gegen uns?“, will er wissen.

Unsere Begleiter geben sich einen Ruck und zögernd werden Worte gewechselt. Schnell wird klar, man kennt die Ansichten des anderen nicht. Vieles bleibt vage, vieles hat man nur gehört. „Wir haben einfach Angst“, gesteht uns der junge Mann,„wir möchten unsere Heimat nicht verlieren.“

„Das ist doch schon wieder diese völkische Parole!“, giftet der Sprecher des Trios los. „Die gemeinsame Liebe zur Heimat kann genau das fehlende Bindeglied sein, um einer multikulturellen Gesellschaft den Weg in die Zukunft zu weisen“, sage ich. „Als geborene Japanerin mit deutscher Staatsangehörigkeit bin ich stolz darauf Deutsche zu sein. Ich liebe Deutschland! Das ist gesunder Patriotismus und den wird mir keiner nehmen.“

Leider bleibt es bei den wenigen Worten, das Misstrauen ist zu groß. Die Diskussion dreht sich im Kreis. Ich habe wenig Lust ständig die Vermittlerin zu spielen, gebe dem verfeindeten Quartett aber die Worte „Angst ist nur ein Gefühl“, mit. „Aber dieses Gefühl kann trügen. Trotz Angst den Diskurs zu suchen, das erfordert Mut.“

Bücherwürmer

In der Folgezeit betätigen wir uns als Bücherwürmer und laufen kreuz und quer durch die Messe. Plötzlich gibt es Gedränge vor Halle 5, die Worte fliegen. „Hier kommt keiner mehr rein!“, höre ich. Vor uns steht ein Antifa-Aktivist, der die Arme vor der Brust verschränkt. Zwar überragt er mich deutlich, aber vor Männern hatte ich noch niemals Angst.

„Dürfen wir bitte durch“, frage ich freundlich. Er fixiert mich und will mich niederstarren. Zehn Sekunden später gibt er auf. „Na geht halt“, sagt er und fügt leise hinzu „Kannst du böse schauen!“ Ja, das kann ich. Und?

„Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda!“, „Nie wieder Deutschland!“, „Nazis raus!“, skandiert eine Antifa-Gruppe. „Sind die doof?“, fragt Yuki und erntet Lacher umstehender Menschen. „Aber sowas von!“, höre ich. „Denen sollte man mal den Hintern versohlen,“ sächselt ein älterer Mann. „Nein“, sage ich, „eher das Taschengeld streichen“, was mir Zustimmung einbringt.

Giftige Blicke streifen mich, aber keiner sagt ein Wort. Gegendemonstranten halten schweigend Schilder hoch, auf denen „Versager gegen Rechts“ zu lesen ist. „Was für ein Kindergarten“, meint Yuki. „Wollen wir weitergehen?“ 

Ich befürchte, dass es genau so weitergehen wird in Deutschland. Die Bestätigung kam bereits am Montag, als in Hamburg ein Teilnehmer der Anti-Merkel Demonstration krankenhausreif geprügelt worden ist. Die Polizei fahndet mit Fotos.

Bestätigt hat uns die Buchmesse einmal mehr, dass Bücher immer Spaß machen, Menschen aber noch mehr. Sie sind es, die Geschichte(n) schreiben. Vor allem wenn sie miteinander reden statt gegeneinander Parolen zu brüllen. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste. (Heinrich Heine)

 

Familie ist wichtig, Freundschaft auch

Teile dieses Beitrags bilden einen Zeitraum vor unserem Abflug nach Deutschland ab.

„Familie ist wichtig“, diese Aussage bestimmt mein Leben und das vieler JapanerInnen. Auf das Land bezogen bedeutet dieser Satz, dass der Tenno der Vater ist und die BürgerInnen seine Familie. Und wieder lüfte ich ein Geheimnis wenn ich sage, dass ich die Institution des Kaisers mag. De facto hat er keine Macht. Aber äußert er sich, was selten geschieht, wird seinem Wunsch entsprochen.

China ging seine schon 1992 gemachte Entschuldigung zu den japanischen Kriegsverbrechen nicht weit genug. Die Kommunisten wollten das von der japanischen Regierung hören und haben offenbar nie verstanden, wie Japan funktioniert. Hätten die Chinesen mal besser ihren Kaiser behalten.

Mütter und Töchter

Bekanntlich kümmern wir uns seit Monaten um meine Cousine und ihre beiden Töchter. Yuki und ich haben oft die Ersatzmütter gespielt. Das hat uns einen Vorgeschmack darauf gegeben, wie sich ein Eheleben ändern kann. Ist das Kritik an der Mutterrolle, ist das Experiment gescheitert?

Nach der Trennung von ihrem Mann war meine Cousine am Boden. Wir haben sie nach Deutschland geholt und später in die USA mitgenommen. Auch in Japan waren wir oft für sie da, die Mädchen lieben uns sowieso innig. Nun die für uns schlechte Nachricht, Cousinchen geht es besser. Aber eigentlich ist das gut.

Therapie und Sport (Karate), haben, zusammen mit den neu erwachten Willen meiner Cousine, ein kleines Wunder bewirkt. Die Mädchen sind total begeistert, wenn nun auch ihre geliebte Mama mit ihnen kicken geht. Sie hat mittlerweile den ersten Gürtel bekommen und freut sich auf ihre ganz besondere Art.

Völlig untypisch für sie, unser Verhältnis war nie sehr innig, hat sich mich voller Dankbarkeit umarmt, ist fürchterlich verlegen geworden und wir alle haben dann sehr japanisch gelacht. Arzt und Psychologe sprechen vorsichtig von Heilung. Yuki und ich sind also wieder kinderlos.

„Schade“, sagt Elfchen mit lachendem Unterton, „ich hatte mich so an die Kleinen gewöhnt.“ „Vielweiberei liegt dir also“, kommentiere ich trocken und ernte Yukis berüchtigtes „Du bist doof!“ Ich weiß wie sie es meint. Aber um etwas zu trauern war nie mein Ding, ich blicke stets nach vorn.

Yuki sieht das ähnlich, ich habe sie mehrfach gefragt. Sie mag Kinder sehr, aber sie erkennt auch die Probleme. Sobald wir ein eigenes Zuhause haben, das  Land wird noch nicht verraten, werden wir das Projekt „Kinder“ in Angriff nehmen.

Ausgeflogen

„Wir könnten am Mittwoch nach Deutschland fliegen“, sage ich wie nebenbei und blättere scheinbar gelangweilt in einem Buch. Elfchen schnellt wie von der Tarantel gestochen hoch. „Bist du verrückt? Wir müssen doch erst packen! Wann hast du dir das nun wieder ausgedacht?“

Meine Spontanität mache sie regelmäßig wahnsinnig, wie sie gern erklärt. Und doch will sie keine Minute missen. Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert. (Das hat sie gelesen und mir die Zunge rausgestreckt.)

Auch Ken geht es längst schon wieder besser. Die Rippen sind ebenso verheilt, wie seine verletzte Seele. Ganz der Alte flirtet er aus Spaß mit Yuki und bietet an, der Vater ihrer Kinder zu werden. Wir haben ihn so lange gekitzelt, bis er um Gnade gebettelt hat.

Deutschland wir kommen! Tante Helga freut sich schon. Die beste Freundin meiner Mutter, hat auf unser Haus aufgepasst. Wir haben einiges in Deutschland zu regeln, privat und geschäftlich, das wird gut. Auch die Leipziger Buchmesse steht auf dem Programm. Ob wir es wirklich zeitlich dahin schaffen, werden wir noch sehen.

Automäßig sind wir mit dem Wagen meines Vaters versorgt, der zum Glück noch angesprungen ist. Aber heute wird es keine Reise geben, meine beste Freundin Karin ist zu Besuch. Später werden noch ihre Frau und Kinder kommen. Und während ich den letzten Satz eintippe, steht schon die nächste Freundin vor dem Haus.

Fremde Heimat

Es fühlt sich komisch an wieder in Deutschland zu sein. Und doch ist es richtig. Zwar ist unsere innere Uhr total durcheinander, aber Grüner Tee weckt die Lebensgeister.

Morgen wird es in Richtung Stuttgart gehen, Wolf und die Tuningschmiede warten schon. Und auch Linda und der Rest der Truppe, die uns unbedingt wiedersehen möchten. Ja, auch Freundschaft ist wichtig. Ich habe diese Mädels wirklich vermisst.

Meine LeserInnen müssen nun einige Stunden (Tage) ohne mich auskommen. Ich melde mich am oder nach dem Wochenende wieder.

Warum ich eine Patriotin bin

Als in Deutschland aufgewachsene Japanerin bin ich ein Kind zweier Welten. Ich habe zwei Heimatländer und komme wunderbar damit klar. Integration gelungen, so einfach kann das sein. Aber war es das wirklich? Meine ersten Eindrücke von Deutschland sind verschwommen. Vermutlich haben meine Eltern mir vieles nur erzählt. Und doch sind da Bilder von Menschen, denen ich noch heute verbunden bin.

Meine Eltern hatten die Wahl mich japanisch oder deutsch aufwachsen zu lassen. Sie haben den deutschen Weg gewählt (Schule), wofür ich ihnen unendlich dankbar bin. Und doch bin ich Japanerin geblieben. Ein Widerspruch? Nein. Die Antwort heißt Liebe zur Familie, zur Heimat, die Bewahrung von Traditionen. So haben auch Deutsche in Russland „überlebt.“

Klein-Mayumi ist also tapfer in den Tempel marschiert und hat sich Buddhas Lehren angehört. Die Sprache war nie ein Problem, die japanische Schrift habe ich nach und nach verinnerlicht. Heute kann ich vermutlich mehr Kanji lesen und schreiben, als viele JapanerInnen. Warum mir aber China einen Strich durch die Kanji macht, habe ich nie so recht verstanden. Frechheit, dass man dort die Schrift vereinfacht hat.

Heimat

Wie ist das nun als Japanerin in Deutschland aufzuwachsen? Hat das jemals Probleme gemacht? Mir nie, was aber auch der Tatsache geschuldet ist, dass es in Düsseldorf „Klein Tokio“ gibt und mein Selbstbewusstsein schon immer meine Körpergröße überragte. Natürlich haben mich die Kinder neugierig angeschaut. Ebenso natürlich, habe ich zurückgeschaut.

„Woher kommst du, du hast aber schöne Haare“, waren die ersten Sätze, die zu einer wunderbaren Freundschaft führten. Gesagt hat sie Natalie, ein Engel in Menschengestalt. Sie gab mir das Gefühl willkommen zu sein und hat, wie Yuki heute, mein Temperament mit sanfter Hand gezügelt.

Ich erinnere mich daran, wie ich die Aussprache meiner Mutter korrigierte, nachdem mein Deutsch immer besser geworden ist. Witzig dabei, meine Eltern konnten die Sprache schon, als sie nach Deutschland kamen. Wenn auch mit deutlichem Akzent. Das hat sich nie geändert.

Was hat das nun mit Patriotismus zu tun? Eine ganze Menge. Gerade WEIL ich Japanerin bin, bin ich durch und durch Patriotin. Viele Deutsche reagieren darauf mit Skepsis und Unverständnis. Für JapanerInnen ist Japan, ist die Gemeinschaft alles, erst an zweiter Stelle kommt das Individuum. Deutsche verwechseln das mit Nationalismus. Den Unterschied habe ich bereits vor einem Jahr erklärt: Patriotismus, ein deutsches Problem

Heimat 2

Ich fühle eine tiefe Verbundenheit mit Deutschland und seinen Menschen. Es tut mir weh Parolen wie „Deutschland verrecke!“ oder „Deutschland, du mieses Stück Scheiße!“ zu sehen. Aber das ist eine Meinung, die ich in einer Demokratie aushalten muss. Und ich werde das Recht sie zu sagen verteidigen. Auch wenn mir die Antifa dafür „an den Kragen“ will.

Ich werde sie aber ebenso verbal bekämpfen und meine Meinung vertreten, dass nämlich die von vielen Deutschen verleugnete Kultur einzigartig ist. Selbsthass, der in der Hofierung und Erhöhung alles Fremden resultiert, ist mir fremd geblieben. Bei mir hat die Indoktrination versagt. Und wie ist das mit Europa?

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei einer Leserin bedanken, deren Verse ich für mein Leben gern lese und die ich dafür wirklich und aufrichtig bewundere. Der Diskurs mit ihr hat mich auf die Idee zu diesem Beitrag gebracht. Vielen Dank dafür.

Europäisch zu denken und deutsch zu sein ist kein Widerspruch für mich. Umgekehrt wäre es das. Patriotismus fördert den Zusammenhalt von Menschen als Nation. Nationalismus, der sich im Hass anderen gegenüber äußert, ist mir fremd. Wobei diese Koreaner ja wirklich glauben, dass sie „Karate“ können. Hat jeder den Scherz erkannt?

Europa und EU

Ich mag die europäische Vielfalt, die bunten Unterschiede in Kultur und Sprache. Warum, so frage ich mich, will man das mit vermischen? Damit es noch bunter wird? Was soll daraus entstehen? Ein neuer Schmelztiegel der Nationen nach dem Beispiel USA? Keine gute Idee. Schon allein an der Sprache wird es scheitern. Kein Franzose will Englisch, kein Pole Ungarisch, kein Deutscher Italienisch sprechen. Und Esperanto ist schon lange tot.

Europa kann und wird niemals eine wirkliche Einheit im Sinn eines Bundesstaates werden, wie ihn die EU-Führung anstrebt. Aber hier treffen zwei völlig verschiedene Begriffe aufeinander. Das historisch entstandene Europa und das politische Konstrukt EU. Als Ökonomin plädiere ich für eine Rückkehr zur EWG, zur Abschaffung der Macht Brüssels (EU Parlament) in der jetzigen Form.

Das klingt sehr konservativ, ich weiß. Und es wird mir wieder harsche Kritik von Freundinnen bei den Linken / GRÜNEN einbringen, deren Vorzeigeobjekt ich lange war. „Wie kannst du nur, Mayumi! Du als Japanerin (Ausländerin)!“

Vielleicht soll die Überflutung Europas mit Migranten die Gemeinschaft der Staaten fördern und einen neuen Europäer schaffen. Ich prognostiziere ein Scheitern auf der ganzen Linie. Kurzfristig kann man (Wirtschaft) mit Migration Geld verdienen. Wer massenhaft als Flüchtlinge deklarierte Migranten ins Land holt, wird für instabile Verhältnisse sorgen. Einen Vorgeschmack haben wir schon.

Für Japaner wäre es undenkbar, die Identität aufzugeben und eine Asiatische Union mit Korea und China einzugehen. Obwohl wir alle gleich aussehen (!?!), sind die kulturellen Unterschiede riesig. Und andere Sprachen sprechen wir bekanntlich auch. Eine AWU hätte ein andere Qualität, wobei das W für Wirtschaft steht. Ansatzweise haben wir das schon, Stichwort „ASEAN +3.“

Gesunder Patriotismus

„Aber es leben doch ChinesInnen und KoreanerInnen in Japan und umgekehrt“, ist ein Satz, der bei einer Diskussion gefallen ist. Was die Sprecherin damit sagen wollte, war ihr dann selbst nicht klar. Ich schlage an dieser Stelle einen Bogen zurück zum gesunden Patriotismus, der in der Liebe zum eigenen Land resultiert. Wer nun noch immer Patriotismus mit Nationalismus verwechselt, der hat nichts kapiert.

Für Asiaten ist es übrigens völlig unverständlich, wie ein Volk durch eine (erzwungene) Masseneinwanderung seinen Untergang besiegelt. Ein chinesischer Geschäftsmann fragte mich „What’s wrong with Germany?“  Er kennt meinen Hintergrund und kann nicht verstehen, was in Deutschland geschieht.

Ähnlich sehen es auch Japaner. Mein Onkel hat sich besorgt über die Demonstrationen und den Aufmarsch der Antifa gezeigt und uns geraten, vorerst in Japan zu bleiben. Als ich sagte, dass ich natürlich daran teilnehmen möchte, hat er wissend genickt. Aber das bin ich Deutschland schuldig. Patriotismus, wir erinnern uns.

Wenn alles so klappt wie ich das möchte, werde ich bald wieder, wenn auch nur kurz, in Deutschland sein. Es gilt einiges in Düsseldorf zu regeln, während meine Eltern in Japan sind und vorerst auch bleiben. Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen.

Das ist Taekwondo!

Eigentlich bin ich eine treue Seele. Aber eigentlich ist so ein komisches Wort. Daher gehe ich heute ganz offen fremd und fahre einen Schmusekurs mit (Süd)Korea. Der Hintergrund ist der, dass ich wieder Taekwondo (TKD) trainiert habe. Ich wechsle gern die Stile, demnächst ist es Tai Chi. Mein Vater will mich bereits scherzhaft enterben, wenn ich wirklich den Schwarzen Gürtel im TKD mache. Aber das ist japanischer Humor, den nur wenige verstehen.

Warum TKD? Instinktiv hatte ich als junges Mädchen im Karate meine Beine auf eine Weise benutzt, die mein Vater mir nie zeigte. Als er mich fragte was das sei, habe ich nur die Schultern gezuckt und sofort zugestimmt, als er mich ins Taekwondo Training mitgenommen hat.

Und damit ist das Geheimnis gelüftet, ob mein Vater andere Kampfkünste kennt. Er kannte den dortigen Meister, der mich nun 2 x pro Woche unter seine Fittiche nahm. Der Sensei war völlig verblüfft, als ich in Rekordzeit lernte, wofür andere Jahre brauchen.

Hohe Kicks und akrobatische Sprünge lagen damals bei mir im Trend. Mein Vater war klug genug um zu erkennen, dass mein Karate dadurch besser werden wird. Er hatte recht und ich bin ihm dankbar dafür.

Später hat er geschmunzelt, als ich ihm die Tritte zeigte und mich mit einem Fußfeger von den Beinen geholt. Ich habe schnell begriffen, wo und wann ich hoch kicken kann. Bei Kickbox-Turnieren hat mich das zur Siegerin gemacht. Und das obwohl ich oft genug die Kleinste war. Niemand sprang höher als ich.

Gibt es große Unterschiede zu Karate? Die Techniken beider Stile sind fast gleich. Im TKD kickt man nur häufiger. Die Frage was besser ist vergleicht wieder Äpfel mit Birnen und übersieht, dass es auch im TKD klassisch und sportlich zugeht. Im Endeffekt ist TKD lediglich leicht abgewandeltes Shotokan-Karate, das mit Elementen von Kung Fu und dem Taekyon, einer klassischen koreanischen (Tanz)Kampfsportart, vermischt worden ist.

Taekwondo hieß zunächst Dangsudo (Tangsoodo), „Weg der (Dang-)China-Hand“, oder Gongsudo (Kongsoodo), „Weg der leeren Hand“. In beiden Fällen handelt es sich um die koreanische Aussprache dessen, was auf japanisch Karate gelesen wird. Salopp ausgedrückt ist Taekwondo also koreanisches Karate.

Im TKD gibt es wie im Karate die gleiche Diskussion um klassisch und modern. Wobei sich diese fälschlicherweise zu sehr auf die Sportvariante bezieht und das moderne Wettkampf-TKD kritisiert, das aber wirklich anders geworden ist.

Oft wird die Frage gestellt ob Karate besser als Taekwondo ist, bzw. umgekehrt. Für beide Systeme gilt, dass der jeweils besser trainierte Wettkämpfer gewinnt.

Das folgende Video zeigt neben Techniken auch viele Showeffekte, die das Publikum begeistern sollen. Aber niemand kämpft so auf der Straße. Taekwondo ist viel mehr als das. Und falls nun die Frage kommt ob ich diese Stunts ebenfalls kann, so muss ich das klar verneinen. Auf reine Show zu machen war noch nie mein Ding.

Alles Diesel oder was?

Was nur in Deutschland möglich ist, dem Land der tausend Vorschriften und Gesetze, hat das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes bestätigt, Dieselfahrverbote sind zulässig. Genau an dieser Stelle müsste jeder vernünftige Mensch den Kopf schütteln, nach Gleichgesinnten suchen und eine Klage gegen die Autohersteller anstreben. Stattdessen, auch das ist nur in Deutschland möglich, schaut man gebannt nach Berlin und in die Länderhauptstädte und wartet auf die Entscheidung der Politiker.

Schon höre ich die Fragen meiner LeserInnen und sehe deren Unverständnis: „Was bitte sollen wir denn tun?“ Eine Möglichkeit wäre dafür zu sorgen, dass die Politik endlich in die Gänge kommt und sich nicht weiter dem Diktat der Autoindustrie beugen wird. Wunschdenken, ich weiß. Es ist die Industrie, die die Vorgaben diktiert. MinisterInnen nicken diese meist nur ab. Aber die werden nun mal von euch gewählt.

Schadstoffbelastung gibt es auf der ganzen Welt. Sie wird auch durch Kühe und Kohlekraftwerke verursacht, wer hätte das gedacht! Aber es ist viel einfacher Autos an den Pranger zu stellen und die eigenen Versäumnisse zu verschleiern. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, das Gericht trifft keine Schuld. Die Diskussion um den Diesel ist nur die Verschleierung eigener Versäumnisse von Politik und Autoindustrie.

Warum nun wird der Diesel für tot erklärt, wie eine gewisse Ulrike Herrmann von der taz propagiert? Das wird an den meisten Deutschen vorbei gehen. Sie glauben blind, was die Obrigkeit erzählt. Liest man sich vielleicht doch die Wahlprogramme der alten und vermutlich neuen GroKo durch, man könnte einen Teil der Wahrheit ahnen. Aber Deutsche meckern lieber und schimpfen auf KritikerInnen wie mich.

Natürlich ist das Auto, der Verbrennungsmotor, (k)ein Meisterwerk deutscher Ingenieurskunst. Um möglichst viel Geld zu verdienen, hat die Autoindustrie jahrelang an neuer Technik gespart. Es ist schon lange möglich, die Motoren sauberer zu machen. Entsetzen auf breiter Front. „Was redest du da, Mayumi?“

Die Wahrheit, was sonst. Die möchte aber keiner hören, man zahlt lieber Steuern für Lügen. JournalistInnen, die entweder keine Ahnung haben oder willfährige Marionetten der Regierung sind, haben nun im Diesel einen neuen Bösewicht entdeckt und rufen laut nach dem Elektroauto. In Japan lächelt man und baut sie mit Wasserstoffantrieb.

Erneutes Schweigen auf breiter Front? Wo bleibt die Aussage wie gefährlich die doch sind? Japan macht es trotzdem und es wird funktionieren. Elektroautos werden dann für den Export hergestellt. Das Ende vom Lied, der deutsche Autofahrer zahlt jene Zeche, die andere verursacht haben. Auch das ist nur in Deutschland möglich. Wann werdet ihr endlich wach?

 

Denk ich an Deutschland in der Nacht

Seit drei Monaten sind wir nun in Japan, unser Leben hat sich normalisiert. Zwar vermissen wir liebgewordene Dinge, aber das gibt sich nach und nach. Wir leben im Haus meiner Eltern und haben dort unser eigenes Reich. Probleme? Fehlanzeige. Wir machen was wir wollen und das wird akzeptiert.

Was so rebellisch klingt, ist in Wirklichkeit ganz anders. Nach wie vor übernehme ich sämtliche Geschäfte meines Vaters und Yuki unterstützt mich dabei. Außerdem sind wir noch immer für eigene Projekte tätig. Und ganz nebenbei unterhalte ich diesen Blog.

Man (Frau!) hat mir die Frage gestellt, ob ich Deutschland vermisse. Die Antwort liefere ich gern. Etwas zu vermissen heißt, eine gewisse Art von Trauer zu empfinden. Dieses Gefühl ist mir fremd. Ich lebe in der Gegenwart und arbeite auf die Zukunft hin.

Aber 30 Jahre in einem Land zu leben, geht nie spurlos an einem Menschen vorbei. Daher verfolge ich noch immer das (politische) Geschehen in Deutschland und mische mich mit Worten ein. Ob das etwas ändert? Ja. Ein Schneeball löst eine Lawine aus.

Aktuell verfolge ich das Geschachere um mögliche Ministerposten und Merkels Rochade mit der netten Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK). Die eher provinziell wirkende „Putzfrau aus Saarbrücken“ ins Kanzleramt zu holen zeigt, auf welches Niveau unsere PolitikerInnen gesunken sind.

Putzfrau ist keine Beleidigung, liebe LeserInnen. AKK hat diese Figur seit Jahren im Karneval gegeben. Jetzt hat man sie zur Ausputzerin in der Berliner Puppenkiste gemacht. Die Frage ist nur, wer dort die Fäden zieht.

Der gefallene (B)Engel Gabriel bewirbt sich erneut als Außenminister und holt den Deutschenhasser Deniz Yücel aus dem Knast. Zwar ist das zu begrüßen, aber der Jubel darüber mutet seltsam an. Yücel, der die deutsche und türkische Staatsbürgerschaft hat, ist in der Vergangenheit mehrfach durch wirklich üble Hetze aufgefallen. Guter Journalismus sieht anders aus.

Während er seinen Artikel in der taz „Super, Deutschland schafft sich ab!“ nach harscher Kritik als „Satire“ gesehen haben wollte, hat ihn bzw. seinen Arbeitgeber, die Bemerkung über Thilo Sarrazin 20.000 Euro gekostet. In der Türkei sieht man das vermutlich lockerer, hat ihn aber wegen „Terrorpropaganda“ angeklagt.

Vermutlich wird man das auch bald mit dem AfD-Mann Poggenburg praktizieren. Geht ja mal so überhaupt nicht, dass sich ein Mitglied der Köterrasse über Kümmelhändler echauffiert. Aber was ein türkischer GRÜNER darf, ist für den deutschen AfDler natürlich tabu. Willkommen in Absurdistan!

Dort, bzw. in Afghanistan, steht auch die Bundeswehr und müht sich ums tägliche Überleben. Aber die Kindergärtnerin Uschi hat etwas dagegen und die Bundeswehr kaputt gespart. „Deutschland sei zur Zeit Verteidigungsunfähig“, haben (angebliche) Experten dazu gesagt.

Der empörte Aufschrei darüber kommt zu Unrecht. Die Politik will der Bevölkerung einen höheren Wehrhaushalt schmackhaft machen. Dass der, wie von den USA gefordert, kommen wird ist klar. Wieder hat man die dummen Deutschen reingelegt.

Ein Ei ins Nest der Demokratie haben GRÜNE und LINKE gelegt, als sie (an der Spitze der Antifa) den Frauenmarsch in Berlin blockierten. Die absurde Begründung der Gegner „Man habe eine Asylpolitikfeindliche AfD-Demonstration gestoppt.“

Zwar ist die Initiatorin Mitglied der AfD, aber ohne politisches Mandat. Das scheint sie natürlich in den Augen der Linken zu einer Nazibraut zu machen, auch wenn sie eine zum Christentum konvertierte Kurdin ist. Das Motto der Demonstration „Es reicht!“, richtete sich gegen sexuelle Gewalt an Frauen. Linken, die eigene Vergewaltigungen durch Migranten verschweigen, ist das natürlich egal.

Man darf auf die juristischen Kniffe der Staatsanwaltschaften gespannt sein, bei denen es nun Strafanzeigen hagelte. Grünlinke Abgeordnete haben zumindest im Bundestag gelacht. Sie übersehen dabei, dass im Internetzeitalter nichts vergessen wird.

Die Lacher haben auch die JUSOS auf ihrer Seite, die einen Hund zum Mitglied machten. Aber Hunde sind bekanntlich die besseren Menschen und ihrem Besitzer treu bis in den Tod. Wie wäre es, liebe GenossInnen, holt auch den sagenhaften Yeti in Lohn und Brot.

Den deutschen Michel tangiert das alles wenig. Zwischen Tagesschau und Krimi wird schnell Liebe gemacht. Danach geht es flugs ins Lotterbettchen, um am nächsten Tag brav zur Maloche zu gehen. An Deutschlands Zukunft und die eigene, hat er dabei nicht gedacht.

Manga, Miezen und Karossen

Unser Leben in Japan ist anders. Die Zeitumstellung haben wir schon längst vergessen. Nur mein Laptop läuft noch immer auf deutscher Zeit, eine letzte Erinnerung an gestern. Wir knüpfen Kontakte mit japanischen Firmen, die mit Deutschland handeln wollen. Unser großer Vorteil, wir sprechen beide Sprachen.

Meine Cousine erlebt einen Höhenflug, die Depression scheint wie weggeblasen. Aber bleibt das auch so? Tapfer übt sie Karate, die Mädchen freuen sich. Ohnehin sind sie der absolute Mittelpunkt unserer Familie. Überall nur Tanten und Onkel, die sie auf Händen tragen.

Wir machen Pläne für die Zukunft und verwerfen sie wieder. „Du machst Pläne!“, sagt Yuki frech, „und mich damit wahnsinnig!“ Ken hat sich verändert, die letzte Trennung war ein harter Schlag. Wir sehen ihn kaum, er arbeitet Tag und Nacht. Übermüdet fällt er von einer Leiter, nun liegt er mit Rippenbruch im Krankenhaus.

Wir besuchen den Kindskopf, der schon wieder lachen kann. „Barbie Cousinchen“, begrüßt er mich, „bitte hol mich ganz schnell wieder raus!“ Den jungen Arzt zu überreden ist einfach, er ist Kens Freund seit Kindertagen. Mit Leidensmiene steigt Ken ins Auto, zu Hause steckt ihn die Tante wieder ins Bett.

Am 12. Januar 2018 ruft der Auto Salon in Tokio. Prompt machen wir uns auf den Weg. Zwei Stunden Flugzeit trennen uns von den Edelkarossen. Wir fliegen im Auftrag, aber Spaß werden wir trotzdem haben. Unsere Mission, die Trends aus Japan kritisch zu betrachten. Aber werden in Japan Trends gemacht?

Die Antwort ist kompliziert und irgendwie japanisch, wir veredeln Trends, wir machen sie besser. Das Maß aller Dinge in der Autobranche bleiben immer noch die USA. Aber für die SEMA Show in Las Vegas hatten wir leider keine Zeit. Das wird sich vielleicht 2018 ändern, Los Angeles ist noch immer eine Option.

Tokio ist immer eine Reise wert. Wir waren schon öfter hier. Aber an diesem Wochenende werden wir keine Zeit für das bunte Treiben haben, wir sind zu einer noch bunteren Welt unterwegs. Diese Welt besteht aus in Stahl gepresste Leidenschaft, Auto Salon wir kommen!

Während ich in einem Manga blättere schaut sich Yuki die neuste Mode an. Dann tauschen wir die Hefte. Elfchen schnauft. „Was du auch immer liest!“ Dabei ist die Geschichte völlig harmlos. Also fast. Was kann ich dafür, wenn die Heldin alle niedermetzelt? Aber die neuen Modetrends finden wir dann beide gut.

Am Flughafen Tokio angekommen genießen wir die Fahrt mit dem Zug. Keiner spricht, einige Fahrgäste tragen Mundschutz. Das werden wir auf der Messe noch öfter sehen. Ob das wirklich vor Erkältung schützt? Elfchen und ich sind gegen Grippe geimpft, das machen immer so. 11 Hallen mit 880 Autos erwarten uns. Gegen dieses Virus hilft keine Spritze.

Alles was Rang und Namen hat tummelt sich auf der Messe. Deutsche Klänge hören wir ebenso, wie Französisch und Englisch. Ein bekannter Youtuber hastet vorbei, ich höre vertraute Klänge. „Die Welt ist klein geworden“, sage ich auf Japanisch. Yuki schaut und nickt. Aber Werbung werde ich keine für ihn machen.

Ich schieße Bilder, die für Wolf gedacht sind. Noch von der Messe maile ich sie ihm zu. Es geht vornehmlich um Folgen und Body Kits, die Tuning Schmiede geht mit der Zeit. Wir nehmen Prospekte mit und Visitenkarten, mein Rucksack ist zum Glück fast leer.

Wir treffen Herrn Yamasaki. Einige LeserInnen erinnern sich bestimmt, wir haben ihn bereits in Detroit gesehen. Knapp dreißig Minuten ziehespäter haben wir seine Unterschrift in der Tasche. Niemand verhandelt so gut wie wir. „Wie du!“, diktiert mir Yuki, sie hat neben mir gesessen.

Die Eindrücke erschlagen uns fast. Ein Nissan GT-R Umbau zieht mich magisch an. Und ist das nicht der Honda NSX? Wie eine Katze schleiche ich um den Wagen. Der ist toll, das Mädchen davor fast noch besser. Prompt schießt Yuki böse Blicke auf sie ab und ich fotografiere nur den Honda. Wirklich tummeln sich viele schöne Frauen auf der Messe. Sie werten auf, was kaum noch aufzuwerten ist.

Wir bleiben zwei Tage und fliegen am Sonntag wieder zurück. Aber wir haben uns nicht nur Autos angesehen. Tokio ist immer eine Reise wert. Ich kann die Stadt nur wärmstens empfehlen. Yuki gibt die Eifersüchtige, als wir im Flieger sitzen. „Ich lasse mir jetzt die Fingernägel wachsen“, sagt sie zum Spaß, „dann kratze ich jeder Mieze die Augen aus.“ Prompt habe ich „Miau!“ gesagt und bin nun vor Liebe blind.

 

Gegen jede Regel

Schon mehrfach habe ich über das (gute) Verhältnis zu meinem Vater geschrieben. Von ihm habe ich die eiserne Disziplin geerbt. Dafür redet er weniger und ich umso mehr. Darin bin ich ihm überlegen. Aber das habt ihr bestimmt gewusst.

Dezember 2017. Wir sind im Dojo und trainieren, als mein Vater erwähnt, dass im Januar 2018 ein kleines Karate-Turnier auf dem Programm stehe und er mich gern als Teilnehmerin sähe.

„Das wäre unfair“, wehre ich auf Deutsch ab und sehe ihn schmunzeln. „Was hast du vor?“, will ich sofort wissen, „deine eigene Tochter als Fallobst präsentieren?“

Jedem anderen wäre mein Vater nun vermutlich böse, aber ich konnte schon immer mit ihm machen was ich will. Was sich auch beim Training äußert. Alle tragen den klassischen Karate-Gi nur Yuki und ich sind bunt.

Unsere farbigen Kampfsportjackem stammen aus dem Taekwon-Do und sind sogenannte Schlupfjacken mit V-Auschnitt. Der Vorteil beim Training oder Kumite, sie können sich nicht öffnen.

Väterchens Mundwinkel zucken verräterisch, nur Yuki und er haben mich verstanden. Ich analysiere die Lage und schaue mir die TeilnehmerInnen an. Wir haben einige riesige Talente, die deutlich jünger als meine Biestigkeit sind. Können die mich schlagen?

Mit Ausdauer

Wer die Vorbereitung auf einen Boxkampf kennt weiß, wie hart ein Sportler dafür trainieren muss. Ohne Ausdauer hat man keine Chance. Das gilt auch für Sportkarate, Kickboxen oder Taekwon-Do.

Drei bis vier Trainingseinheiten pro Woche, jeden Tag dehnen, ab und zu Fitness Studio oder Kendo (Schwertkampf), vielleicht auch leichtes Joggen, ist unser Normalprogramm. Aber das ist noch immer zu wenig für ein wirkliches Turnier.

Hinzu kommt der Faktor Zeit,  der Berufstätigen oft als Hindernis im Wege steht. Nicht umsonst sind oft StudentInnen die besten SportlerInnen der Welt.

„Macht dich das Alter langsamer?“, höre ich die Frage kommen. Anfälliger für Verletzungen, wäre eine mögliche Antwort. Wobei ich in dieser Hinsicht keine Probleme habe. Aufwärmen ist bei mir Pflicht.

Alter schützt vor Torheit nicht

Bin ich schon zu alt für Turniere? Für die Olympischen Spiele auf jeden Fall, aber das sehe ich ganz gelassen. Sportkarate war lediglich eine kurze Phase in meinem Leben.

Verloren habe ich nie. Lediglich eine Disqualifikation habe ich zu vermelden. Was darf ich, wie weit kann ich gehen innerhalb der Regeln. Genau da liegt nun auch aktuell mein Problem.

Ich lasse mich überreden und auch Yuki macht mit. Das wird spannend! „Wehe du verhaust mich!“, sagt sie im Scherz, „das wäre Gewalt in der Ehe.“ „Ist klar“, erwidere ich trocken, „wie war das noch mit deiner Hand auf meinem Po?“

Elfchen und ich necken uns bekanntlich gern, aber keine schlägt die andere wirklich. Nur Außenstehende könnten eine Balgerei zwischen uns wirklich falsch verstehen. Noch echter wirkt allerdings ein (gespielter!) Fight mit Cousin Ken, der regelmäßig in Lachanfällen endet.

Kunst gegen Sport

Nun bin ich seit mehr als 10 Jahren ohne Praxis, was sportliche Wettkämpfe betrifft. Wird meine Kunst helfen, wenn es um punktgenaue Treffer geht? Aber ich habe einen Plan und der hat noch immer funktioniert.

Zum besseren Verständnis erkläre ich noch einmal den Unterschied  von Kampfkunst und -sport. Klassisches Karate kennt keinen Erstangriff und dient ausschließlich der Selbstverteidigung. Block, Schlag / Tritt, Gegner tot (besiegt!), um es salopp auszudrücken.

Im Sportkarate werden Treffer gesetzt, die unterschiedlich gewertet werden. SportlerInnen müssen also angreifen lernen. Ich habe meist abgewartet und meine GegnerInnen ausgekontert. Das hat immer funktioniert.

Die Tage vergehen, in jedem Training wird nun fleißig Kumite geübt. Ich zeige wenig und weiche meist nur aus. Tai Chi gegen Karate, das macht mir Spaß. Oder ich überrasche mit hohen Taekwon-Do Kicks, die unerfahrene Karateka oft vor Probleme stellen.

Siebzehn Jahr, dunkles Haar …

Ein siebzehnjähriges Mädchen, das ich Yuna nennen möchte, ist der heimliche Star der kleinen Truppe. Sie stammt aus Okinawa und hat dort Shitō-Ryū Karate trainiert. Ihren Wunsch an Turnieren teilzunehmen, haben ihre Eltern respektiert. Nun trainiert sie bei meinem Vater.

Schnelligkeit und Aggressivität zeichnen Yuna aus, sie ist wirklich gut! Meist trainiert sie mit einem Jungen, der ihr hoffnungslos verfallen ist. Mein Kennerblick kann das sofort sehen. Auch der Teenager ist gut, hat aber keine Chance (bei ihr). Ob ich ihm helfen soll?

„Untersteh dich!“, flüstert Yuki, „die beiden machen das schon.“ „Na gut“, erwidere ich, „dann lege ich eben beide flach.“ Rein sportlich versteht sich! Yuki zuliebe und um niemand zu blamieren, habe ich darauf verzichtet. Bis zum Turnier.

Gegen jede Regel

Yuki schlägt sich tapfer, aber ihr fehlt jede sportliche Kampferfahrung. Daher scheidet sie schon in der ersten Runde aus. „Zum Glück!“, gesteht sie mir später, „Sportkarate ist überhaupt nicht mein Ding!“

Mein Blick über den Tellerrand von Karate, hat mir den Weg zu einem Stil geöffnet, der intuitiv, blitzschnell und hochdynamisch ist. Gegen Kicker gehe ich in den Nahkampf oder hole reine Faustkämpfer von den Beinen.

Auch Yuna gewinnt und kickt im letzten Kampf ihren Verehrer von der Matte. Das Mädel ist wirklich gut! Wer wird die neue Königin?

Yuna hat zwar den 1. Dan, aber keinerlei Wettkampferfahrung. Zwar ist ihr Shitō-Ryū ein guter Stil, aber Zweikämpfe werden von Menschen entschieden.

Mein selbstbewusstes Lächeln ist der erste Punkt (m)ein nicht regelkonformer Wurf das frühe Aus für mich. Aber so ist das Leben, manchmal muss Frau gegen jede Regel sein.

Mein Vater verdreht die Augen und Yuna verbeugt sich noch vor der Siegerehrung vor mir. Keine Ahnung, was das nun wieder bedeuten soll.

Starke Frauen: Rika Usami und Kiyou Shimizu

Freundinnen, die seit Jahren meinen Blog verfolgen, haben mir zum 5. Dan gratuliert. Leider konnte ich bisher keine dazu bewegen, auch einen Kommentar zu schreiben. Haben die etwa Angst?

„Ich erstelle mir doch keinen Blog!“, ist der einhellige Tenor, „es reicht doch, wenn ich dir eine Mail / SMS schicke!“ Das sehe ich natürlich anders und drohe scherzhaft Konsequenzen an. Aber die Mädels fühlen sich sicher, schließlich lebe ich weit entfernt.

Linda, mit der ich lange in Stuttgart Kurse gab, erinnert mich in einem Telefongespräch an zwei Videos, die ich schon lange mit meinen LeserInnen teilen wollte. Die beiden Filme zeigen die Japanerinnen Rika Usami und Kiyou Shimizu, die eine Kata in Reinkultur vorführen.

Eine Kata im Karate ist eine Übungsform, die aus stilisierten Kämpfen besteht, welche jedoch im Karate meist gegen imaginäre Gegner geführt werden. Ich kenne viele davon und kann sie auch gut laufen. Aber gegen die beiden Mädels aus dem Video, hat auch eine Mayumi keine Chance. Schon sehe ich Unverständnis auf den Gesichtern meiner LeserInnen und höre die Frage „Warum ist das so?“

Die Antwort ist einfach, Kata zu laufen ist für die beiden ein Beruf. Während ich mich auf reine Kampfkunst und Selbstverteidigung konzentriere, die Kata nur als Pflicht im Training zeige, ist sie für diese beiden die Kür.

Wer sich nun vielleicht die Frage stellt, ob ich die beiden bei einem Zweikampf – Kumite – schlagen könnte, der hat Karate noch immer nicht verstanden. Sportkarate hat Regeln, ich lehre pure Selbstverteidigung.

Ich bin stolz auf die Leistungen der beiden jungen Frauen, die fast wie Schwestern wirken. Niemand präsentiert eine Kata besser als sie. Das erste Video zeigt Rika Usami, die 2013 ihre Goldmedaille gewann und danach (fast!) Tränen zeigte. Dieser emotionale Ausbruch, hat ihr damals die Herzen zufliegen lassen.

Auch das Herz einer Kiyou Shimizu, die nun ihre Nachfolgerin ist. “I wish that my Kata will impress many people“, hat sie vor einigen Jahren in einem Interview gesagt. Und dann ist ihre Zeit angebrochen, nachdem Rika ihren Rücktritt erklärte. Nun ist sie die Königin.

 

Über Lindas Frage „Bist du bei den Spielen in Japan dabei?“ musste ich schmunzeln. Selbstverständlich werde ich dann in Japan sein und mir so viel wie möglich von Olympia und seinen starken Frauen ansehen.