Ich bin gut und du bist böse!

Gut und Böse sind Werte, die schon unsere Vorfahren kannten. Die Nacht ist dunkel und bringt den Schrecken. Der Tag aber die warme Sonne zurück. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Dort verbrennt eine gnadenlose Sonne Mensch und Tier, die sich davon im schützenden Mantel der Nacht erholen.

Von Freundinnen bin ich oft als „Biest“ bezeichnet worden. Für (manche) Männer bin ich ein Albtraum auf zwei Beinen. Aber reicht das aus, um mich zu einem bösen Menschen zu machen? Ich selbst halte mich ganz selbstbewusst für gut.

Der Buddhismus kennt keinen weltimmanenten Dualismus von Gut und Böse. Dort kämpft kein „Teufel“ gegen einen „Gott.“ Der Mensch ist von Natur aus weder gut noch schlecht. Der Mensch ist das Produkt seiner karmischen Konditionierung. Im Positiven wie im Negativen.

Einzig die Menschen haben beide Wertbegriffe geschaffen. Keine überirdische Macht hat sie dabei geleitet. In manchen Religionen werden diese Werte absichtlich ausgenutzt, um klare (Feind)Bilder zu schaffen. Und plötzlich schlagen sich „Brüder“ die Köpfe ein.

Angeblich „gute Götter“ verlangen Blutopfer. Allein die Vorstellung, dass irgendein Gott eines Blutopfers bedarf, um Sünde vergeben zu können, zeugt von einem perversen, in jedem Fall aber infantilen Gottesbild. Das haben klar Menschen ihrer Zeit erschaffen. Viel geändert hat sich daran bis heute nichts.

In der Philosophie gibt es keine einheitliche Definition für Gut und Böse, da es sich um subjektive Wahrnehmungen handelt. Und Menschen können beides sein. Der strahlende Held, der als Arzt täglich Leben rettet und abends seine Frau verprügelt, die als Hausfrau gut ist und in Wirklichkeit (bösen) Sex mit der Nachbarin hat.

Der französische Philosoph Jean-Jacques Rousseau, hat es anders ausgedrückt. Für ihn ist der Mensch von Natur aus gut. Seiner Meinung nach ist die Gesellschaft und der Eigensinn, die zum Bösen führen. Ganz vorn: das Eigentum. Karl Marx hat es dann abgeschafft. Prompt sind Teile der Welt im (bösen) Staatsterror versunken.

Immanuel Kant sieht das auf seine Weise. „Der Mensch besitze die Freiheit, sich für das Gute oder das Böse zu entscheiden“, hat er gesagt. „Indem er sich für das Böse entscheide, verstoße er gegen das Sittengesetz, das mit Vernunft erkannt werden könne.“

„Das Böse“ hat mehrere Gesichter und tritt in vielerlei Gestalten auf. Sie heißen Lug, Trug und Mord und tanzen lachend um die Feuer. Der Mensch hat daraus den Teufel gemacht. Klar, es ist immer einfacher, die Schuld bei anderen zu suchen. Niemand will ein Mörder sein. Dieses Prädikat verdienen jene Politiker, die Krieg gegen andere führen. Um „Gutes“ zu tun, ist klar.

Ein unmoralisches Angebot

Der Arbeitsmarkt ist hart umkämpft, die Wirtschaft boomt wie nie. Manager bekommen Traumgehälter und auch BeraterInnen sind gefragt. Wie sehr, habe ich in den letzten Wochen gesehen. Ohne Werbung, nur durch gute Leistung, bin ich zu mehreren neuen Aufträgen gekommen. Aber die hielten sich alle im Rahmen. Bis es zu dem Kracher kam.

Das Telefon klingelt, eine Männerstimme meldet sich.
„Dr. Carsten Diepholz von der Firma Imperfekt. (Alle Namen in diesem Artikel sind geändert) Spreche ich mit der Unternehmensberatung Landar & Co.?“
Als ich bejahe legt der Anrufer sofort los.
„Es geht um die Sanierung einer Tochterfirma“, erklärt er mir. „Wir haben die Produktpalette gestrafft, aber den Gewinn noch nicht maximiert. Und an der Stelle kommen Sie ins Spiel, Frau Dr. Landar. Wir möchten, dass Sie sich die Zahlen anschauen und ein klares Konzept erstellen. Aber ich sage es gleich, wir möchten auch bei den Personalkosten sparen. Und wenn wir Leute entlassen müssen, so ist das auch legitim. Wir zahlen Ihnen  – Summe zensiert -. Was sagen Sie dazu?“

Nun bringen mich Worte kaum aus der Fassung. Und solche Angebote lehne ich normalerweise ab. Aber jedem Angebot liegt auch ein gewisser Zauber inne. Und die Frage, verdirbt Geld wirklich die Moral? Aber was ist Moral überhaupt? Das werde ich erklären.

Moral bezeichnet zumeist die faktischen Handlungsmuster, -konventionen, -regeln oder -prinzipien bestimmter Individuen, Gruppen oder Kulturen. (Quelle Wikipedia). Moral für mich bedeutet auch, dass sich Menschen nicht auf Kosten anderer Menschen bereichern sollen. Dazu fällt mir eine Formel für den kategorischen Imperativ von Kant ein: Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde! Und diese Maxime vertrete ich nicht.

Yuki und mir geht es finanziell gut. Das war nie anders, aber wir haben das niemals ausgenutzt. Weder bin ich früher Sportwagen gefahren, noch hat Yuki jemals Schuhe von Gucci getragen. Wir sind immer normal geblieben. Und unsere Eltern sind das auch. Wir haben uns vorgenommen stets auf dem moralisch einwandfreien Weg zu bleiben und nie auf Kosten anderer Menschen Geld zu verdienen. Zumindest nicht, wenn es dabei um Gehaltskürzungen, oder Entlassungen geht. Und das soll so bleiben.

„Die Deutschen haben sich die Nächstenliebe abgewöhnt“, hat der CDU-Politiker Heiner Geißler gesagt. Und da folgt Deutschland einem weltweiten Trend. Aber zurück zu dem Anruf, zurück zu einem Angebot, das wenig moralisch ist. Dr. Diepholz hat mir eine unverschämt hohe Summe genannt, die mich sofort misstrauisch macht. Wer so viel Geld vergibt, der rechnet mit mehreren Millionen Reingewinn. Das muss ich genauer wissen.

Eine Besprechung vor Ort wird angesetzt. Auch Yuki ist skeptisch, als ich sie informiere. Aber sie kommt natürlich mit. Der Z ist denkbar ungeeignet für ein Meeting dieser Art. Zu allem Überfluss ist der Q3 zur Zeit defekt. Nissan hat Ersatz in Form eines Qashqai, den sie uns zur Verfügung stellen. Turbo, Diesel, aber lahm. Dafür entspanntes Fahren und das hat einen positiven Effekt. Elfchen mag nicht immer rasen. Frau kommt auch gemäßigt an ihr Ziel.

„Willst du den Auftrag wirklich annehmen?“, fragt Yuki auf der Autobahn. Wir haben uns in Schale geworfen und sehen zum anbeißen aus. Sagt Yuki! Ich nasche nicht an mir.
„Das kommt darauf an“, erwidere ich. „Auf keinen Fall, werde ich über Leichen gehen! Ich entlasse keine Menschen, die ihr Leben lang hart gearbeitet haben, um irgendwelche fetten Geldsäcke noch reicher zu machen. Aber wenn ich das vermeiden kann und ein anderes Konzept präsentiere, sind wir dem Ziel eigenes Haus ein gutes Stück näher gekommen.“
„Papa sagt, sie wollen uns das Geld geben“, meint Yuki. „Also dein Papa und mein Papa …“
„Hm“, mache ich und hole tief Luft. „Ich weiß, dass die wieder etwas aushecken. Aber ich habe auch meinen Stolz.“
Lasst uns stolz und aufrecht sein!

Nebel und Nieselregen verderben uns die Laune nicht. Entspannt gleiten wir nach zwei Stunden Fahrt auf den Firmenhof und ernten prompt bewundernde Blicke.
Noch im Nissan haben wir die Sneakers mit den Heels getauscht. Das, so wissen wir, kommt bei Mann immer an. Und auch (kurze) Röcke, auf die wir verzichtet haben.
Eine Solariumgebräunte Frau mit Hollywood-Lächeln nimmt uns in Empfang. Wir werden taxiert und eingeschätzt. Aber die Dame findet keinen Makel. Wir schon, ihr linker Absatz ist schief. Und O-Beine hat sie auch. Ja, auch Lesben können Zicken sein.

Dr. Diepholz erweist sich älter, als seine Stimme vermuten lässt. Das Haar ist gefärbt und er hat üblen Mundgeruch. Magenprobleme diagnostiziere ich sofort. Vermutlich auch zu viel Kaffee, wie ein recht frischer Fleck auf der Krawatte zeigt. Wo sind wir hier nur hingeraten?
„Hallo Frau Dr. Landar“, begrüßt er mich mit aufgesetzem Lächeln. „Und wer ist ihre hübsche Begleiterin?“
„Ihr Name ist auch Landar“, erwidere ich trocken. „Sie ist meine Frau.“
Yuki lächelt und sagt „Guten Tag.“
Ich liebe meine Elfe!

Dr. Diepholz zuckt nur leicht zusammen, der Mann hat sich erstaunlich gut im Griff.
„Na, das ist ja mal was,“ sagt er. „Wenn Sie mir dann bitte folgen würden? Oder kann ich sonst noch etwas für sie tun?“
„Grüner Tee wäre gut“, sage ich. „Und wo ist die Toilette bitte?“
Während wir unsere Näschen pudern fängt Yuki an zu lachen.
„Hast du sein Gesicht gesehen?“, fragt sie amüsiert.
„Ja,“, sage ich. „Den habe ich schockiert.“
Spaß muss sein. Das wird fein.

Fünf Männer und die Hollywood-Dame sitzen uns gegenüber. Die Fakten liegen auf dem Tisch.
„Es ist mir egal, wie Sie das machen“, sagt der Firmenchef Dr. Heinrich Großkotz. „Dr. Diepholz sagte, dass sie erstaunlich gut für ihr Alter sind. Man hat sie uns auch wärmstens empfohlen. Überzeugen Sie mich!“
Ich mustere die bereits älteren Männer, deren Anzüge so grau, wie ihre Schläfen sind. Aber würdevoll ist anders, ich bin unter Geier geraten. Aasfresser, um es genauer zu sagen. Und solche Typen mag ich nicht.
„Nun, dann wissen Sie, dass ich anders arbeite“, beginne ich. „Den Gewinn zu optimieren ist leicht. Aber ich werde keinesfalls nur die Gehälter der Manager mehren. Eine gute Firma lebt von zufriedenen Mitarbeitern, die stolz auf ihr Unternehmen sind. Genau da setzt mein Konzept immer an. Mit Entlassungen und Gehaltskürzungen erreichen Sie das genaue Gegenteil. Wir möchten im Gegenteil einen Anreiz für die Beschäftigten schaffen, der ihnen einen Leistungsbonus verspricht. Zufriedende Mitarbeiter machen a. weniger krank und arbeiten b. super motiviert. Wir müssen den Stolz der Menschen wecken, die nur für genau diese Firman arbeiten wollen.“
Unverständnis liegt schwer im Raum. Keiner hat verstanden.

Ich trage meine Punkte vor, die ich nicht detailliert erörtern werde. Zwar hören die Männer zu, aber ihre Skepsis wächst. Klar, sie sehen ihre Tantiemen beschnitten und anders umverteilt. Dass sie damit langfristig mehr Erfolg haben werden, ist ihnen nur schwer zu vermitteln. Es lockt das schnelle Geld.
Dr. Großkotz bittet schließlich zum Mittagessen. Er hat Spezialitäten aus Asien bestellt, die ausgezeichnet schmecken. Und mit Stäbchen essen kann er auch.
Wieder gibt es Tee, der allen mundet. Noch in der Kantine geht die Sitzung weiter und endet dort abrupt.
„Also vielen Dank für diese interessanen Ausführungen, Frau Dr. Landar“, verabschiedet sich der Firmenchef. „Wir besprechen das intern und werden uns bei Ihnen melden. Dr. Diepholz wird ihnen einen Scheck ausstellen. Es hat mich wirklich sehr gefreut.“
Er rauscht davon, den Mann werden wir nie wiedersehen.

„Schwer zu überzeugen, der Alte“, murmelt Dr. Diepholz überraschend offen.
Er reicht mir einen Scheck, bei dessen Anblick Yuki fast schwindelig wird. Aber das verraten (mir) nur ihre Augen.
Ich zeige mich unbeeindruckt und nicke kurz. Für die Summe müssen andere einen Monat schuften.
„Also ich persönlich halte ihre Ideen für gut“, sagt Dr. Diepholz beim Abschied. „Aber bei diesen Betonköpfen läuft man gegen die Wand. Und unter uns gesagt, ich bin auch gegen Entlassungen! Aber ich brauche meinen Job. Was also soll ich machen?“
„Nein zu sagen wäre ein Anfang“, erwidere ich. „Ein kleines Wort, mit großer Wirkung.“
Ob er das verstanden hat?

Auf dem Weg nach Hause fliegen die Heels auf die Rückbank und die Sneakers übernehmen. Das unmoralische Angebot ist vom Tisch. Ich werde keine Beschäftigten wegsanieren. Geld ist nicht alles auf der Welt, was zählt sind Menschen und Moral.

Nur der Wille zählt

Jeder Mensch hat einen Willen und ist in der Lage Entscheidungen zu treffen. Der Wille kommt von wollen sagt man. Und das ist so dumm wie falsch. Richtig ist: der Mensch hat einen Willen, der ihm ein freiheitliches Handeln ermöglicht. Aber nur in Grenzen.

Einen autonomen Willen zu haben heißt nicht, wir könnten machen, was wir wollen. Wäre dem so, wir würden empirischen Faktoren wie Lust und Neigung folgen. In Wirklichkeit machen wir die Gesetze, denen wir gehorchen, selbst.

Nun sehe ich schon meine LeserInnen verständnislos die Köpfe schütteln. Mayumi auf Drogen, oder durchgeknallt? Vielleicht einfach nur abgehoben, kreisend in Outer Space? „Faselei!“, wie Herr Kant zu sagen pflegte. Aber zugegeben hat mich der Philosoph Kant fasziniert.

Vielleicht steht auch die Frage im Raum, ob ich unter die Philosophinnen gegangen bin. Das kann ich klar verneinen. Wenn, so war ich dort immer schon, als kleine Schülerin der reinen Lehren von Ethik und Moral. Vermutlich lege ich sie anders aus, immerhin irrt der Mensch so lang er strebt.

Aber zurück zu den Gesetzen, zur Philosophie und dem (freien) Willen. Wenn wir heute das Wort Gesetz hören, so denken wir automatisch an einen Staat, eine Verfassung, eine Regierung. Vielleicht auch an die Justiz, an Gesetzeshüter. Und so falsch ist das nicht. Wir, die wir unsere eigenen Gesetze erlassen, sind sowohl Regierung als auch Ordnungsmacht.

Wir, die wir nach unseren Gesetzen leben, sind für uns verantwortlich. Aber sind diese Gesetze auch gut? Nein. Allein unser Wille ist es. Kant sagt dazu: „Es ist überall nichts in der Welt, ja überhaupt auch außer derselben zu denken möglich, was ohne Einschränkung für gut könnte gehalten werden, als allein ein guter Wille.“

Ist nun die Tat, die dem Willen nachfolgt, ebenso edel und gut? Die Almosen, die wir vielleicht einem Bettler geben? Nehmen wir an ein Paar – in diesem Fall Mann und Frau – ist in der Stadt unterwegs. Am Straßenrand sitzt ein Bettler. Die Frau, deren Herz der Anblick rührt, will ihm spontan (guter Wille) einige Münzen geben. Der Mann bemerkt dies und kommt ihr zuvor.

Kritische Beobachter der Szene werden nun sofort den Finger heben. Ich übergehe an dieser Stelle bewusst einige Punkte Kants, die für das Ergebnis nicht wirklich zählen und richte den Fokus auf Mann. Was waren seine Motive, das Geld zu spenden? War es wirklich sein guter Wille?

Die Antwort ist einfach, es ist ein klares NEIN. Es gab weder eine Neigung, noch eine Pflicht, das Geld zu geben. Allein die Hoffnung damit seiner Partnerin zu imponieren, um mehr Zuwendung zu bekommen. Die Handlung ist also nur in eigennütziger Absicht geschehen. Er will etwas erreichen.

Man könnte nun darüber diskutieren, ob er das aus taktischem Kalkül, oder doch aus Liebe tat. Gestehen wir ihm „In dubio pro reo – Im Zweifel für den Angeklagten“, zu. Auch Männer können lieben.

Als ich vor Jahren einen alten Mann vor Schlägern rettete, habe ich das nicht in eigennütziger Absicht getan. Ich habe spontan gehandelt, mit meinem guten Willen. Ich tat es, weil ich es kann, weil ich eine Notlage erkannte und meiner Neigung zu helfen entsprochen habe. Es war mein Wille, mein Gesetz. Und das ist gut.

Nun sind nicht alle unsere „Gesetze“ nach ethischen Maßstäben richtig. Aber im Gegensatz zum Tier, haben wir die Freiheit uns zu entscheiden. Und wir haben einen Verstand. Leider benutzen wir den oft manipulativ. „Ich tue etwas, um etwas zu erhalten.“ Das ist Eigennutz.

Nicht ganz uneigennützig, habe ich nun diesen Beitrag geschrieben. Ich wollte meine LeserInnen erreichen. In guter Absicht versteht sich! Und dieser gute Wille ist alles, was zählt.

Die Kritik der reinen Vernunft

Vernunft und Unvernunft liegen oft dicht beisammen. Fast möchte man sie Engel, oder Teufel nennen. Und auch in meiner Brust wohnen diese beiden munteren Gesellen, denen ich ausnahmsweise die männliche Form zugestehen mag. In mir hat ein Kampf getobt, der keinen Sieger kennt. Vernunft trifft auf Unvernunft. Wers lesen mag, der folge nun meinen Zeilen. Wer nicht, der gehe seiner Wege. Alles gut.

Was aber ist die Vernunft, was will uns dieses Wort nun lehren? Ich zitiere nachfolgend Immanuel Kant, den vielleicht wichtigsten Philosophen. Bei der Vernunft unterschied Kant zwischen der („reinen“) theoretischen und der praktischen Vernunft. Die theoretische Vernunft ist die Fähigkeit, Schlüsse zu ziehen, sich selbst zu prüfen und unabhängig von der Erfahrung zu den apriorischen Vernunftsideen (Seele, Gott, Welt) zu gelangen.

Die theoretische Vernunft hat mich schon immer begleitet. Ich war mir selbst stets die beste Analytikerin. In dieser Funktion liege ich nun mit mir selbst auf der Couch und höre meinen Gedanken zu. Ich hinterfrage mich und meine Ziele. Nie lange und immer sehr direkt. Zögern, das machen nur die anderen. Ich verharre nur kurz und stürme dann davon.

Meine welt ist bunt, geprägt von Elfen, BWL und einem Regenbogen. Die Welt ist, die Dinge sind. Alles was ist nennen wir Seiendes. Auch die alltäglichen Dinge des Lebens. Die können erfreulich, oder nützlich sein. Ein Geschenk, ein Wagen, auch Auto genannt. All dies nennen wir ist. Zu allem was ist verhalten wir uns. Die Frage ist nur wie und warum. Beantworten kann ich die Frage nicht, das konnte Kant viel besser.

Nur hatte Kant mindestens den 10. Dan in seinem Fach, um einen Vergleich mit Karate zu wagen. In der Philosophie bleibe ich die kleine Schülerin. Mit vielleicht einem lichten Moment. Aber es sind Kants Thesen, die ich meisterlich für mich verwende. Seine Worte helfen. Nur, wo hört Kant auf und wo fängt Mayumi an?

Ich habe nachgedacht und das sehr intensiv. Laut Kant ist der Verstand das zentrale Maß aller Erkenntnis. Jede Erkenntnis besteht aus Sinnlichkeit (Wahrnehmung) und Verstand, denn die Sinnlichkeit ist auf den Verstand angewiesen, und der Verstand auf unsere fünf Sinne.

Und auch mir ging ein Licht auf. Nicht plötzlich, kein „Heureka – Ich hab’s!“ Es war ein wochenlanger Denkprozess. Das Ergebnis lest ihr hier. Ich habe mein Verhalten auf den Leistungsprüfstand geschleppt. Mayumi, die Turbofrau. Immer ungebremst durchs Leben. Aber niemals gegen die Wand. Unfälle bauen nur die anderen. Und die haben keine Rennlizenz.

Nach einigen Durchläufen dann die Analyse. Und die Erkenntnis wog schwer. Um den Verstand drehen sich die erkannten Gegenstände. Und zwar so, wie wir sie sehen und nicht wie sie in Wirklichkeit sind. Mein Blick fiel auf Zahlen. Aber Statistiken und Top-Speed als Lebenszweck? Zahlen, Namen, Artikel – ein Blog. Felgen, Motor, Farbe – ein schneller Wagen.

Anders als bei Kant, hat sich mein Verstand um nichts anderes mehr gedreht. Und das habe ich nun klar und mit Vernunft erkannt. Ich habe eine Erfahrung gemacht und eine Erkenntnis gewonnen. Und ich übe Kritik an meinem Verhalten, das von Zugriffen und Schnelligkeit geprägt worden ist.

Die Vernunft kann nur das an der Natur (an Dingen) erkennen, was sie vorher in sie hineindenkt. Blog und Auto haben sich nicht verändert. Sie waren da. Einfach. Aber meine Gedanken sind zu schnell gekreist. Mein Fazit: Langsamer komme ich auch zum Ziel. Was das bedeutet wird die Zukunft zeigen. Bis dahin lese ich den „Kategorischen Imperativ.“ Und ihr habt mich hoffentlich verstanden. Oder etwa nicht?