Das Corona-Gebet

Das Corona-Gebet

Vater Wieler der du herrschst im Virenhimmel,
geheiligt werde dein Name.
Die neue Normalität komme.
Dein Wille geschehe.
Halte Abstand und Hygiene,
wie in Brüssel so auch in Berlin.
Unsere Alltagsmaske gib uns heute
und vergib uns unsere Menschlichkeit,
wie auch wir vergeben jedem Superspreader.
Und führe uns nicht in Versuchung
sondern teste uns auf Corona.
Denn das RKI ist dein Reich, der PCR-Test die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. 

AHA

Zum Teufel mit der Welle

Zum Teufel mit der Welle

Eine Göttin als Freundin zu haben kann ziemlich anstrengend sein. Vor allem wenn diese den leibhaftigen Teufel auf die Welt gebracht hat und auch der (m)ein guter Kumpel ist. Aber der Reihe nach. Ziemlich wütend sitzt Eva Gott auf meinem Sofa und schenkt mir reinen Wein über den Unruhestifter Teufelchen ein. „Schau dir das genau an“, empört sie sich leicht angetrunken, „dieses kleine Aas hat eine Partei gegründet, die demokratische Wahlen im Himmel fordert! Aber der Oberhammer ist, dass er strenge Einreiseregeln für verlorene Seelen fordert. Vermutlich will er durch Ablehnungen mehr Gesellschaft in seiner Höllengrube haben.“

Eva reicht mir ein Werbeplakat der AFT, der Alternative für Teufel, auf dem das grinsende Konterfei des Höllischen prangt. Ich überlege kurz und schon kommt mir die rettende Idee. „Das kriegen wir hin“, sage ich, „wir gründen einfach die SPE, was Seelen pro Eva heißt. Du müsstest mich aber bitte kurz unsterblich machen, dann arbeite ich das Parteiprogramm für dich aus.“ Gesagt, getan und schon 10 Lichtjahre später, habe ich fertig mit dem Schrieb. Nach irdischem Zeitmaß sind zum Glück lediglich 10 Nanosekunden vergangen. Elfchen kann nämlich ziemlich zickig werden, wenn ich zu spät nach Hause komme.

Trotzdem hätte ich gern gesehen, was in 10 Jahren auf der Erde geschieht. Ob Eva mir dabei helfen kann? Aber die Himmelsgöttin schüttelt ihr weises Haupt, als ich danach frage. „Die himmlische Agenda 2030 verbietet das“, lässt sie mich wissen und geht per Turbo in den Wahlkampfmodus über. Ich klopfe mir gedanklich auf die Schulter, die himmlischen PS habe nämlich ich gemacht.

Als ich zum Fahrstuhl zur Erde gehe, winkt mir ein Mann aufgeregt zu. „Ich kann Ihnen helfen in die Zukunft zu kommen“, offenbart er mir. Er ist leicht verlegen als er weiter spricht. „Entschuldigen Sie bitte, aber ich habe Sie und Frau Gott belauscht. Mein Name ist übrigens Wells, Herbert George Wells. Ich habe die Zeitmaschine erfunden.“

Ich wage meinen Augen kaum zu trauen, als mich Mr. Wells zu seiner Zeitmaschine bringt. „Die sieht wirklich so aus wie im Film“, murmele ich, während der Schriftsteller eifrig nickt. „Aber sie funktioniert besser“, erklärt er mir. „Ich hatte himmlichen Beistand und genug Zeit zum üben.“ „Himmlich, ja?“, frage ich und deute auf das eingravierte L am Steuerknüppel. „Ich ahne schon, wer am Bau beteiligt war.“ „Ja, gut“, erwidert Mr. Wells. „Herr Teufel hat mir etwas geholfen. Wohin, wenn ich fragen darf, wollen sie genau?“ „Ach 10 Jahre in die Zukunft würden reichen“, erwidere ich. „Welchen Knopf muss ich dafür drücken?“ Mr. Wells erklärt mir das von einer Heaven Control Unit (HCU) gesteuerte Vehikel. Dann geht die Reise auch schon los und ich lande im Deutschland des Jahres 2030.

Per Fernbedienung mache ich die Zeitmaschine unsichtbar. Mein Blick fällt auf Stuttgart oder das, was noch davon übrig ist. Dort wo einst das Zentrum war, gähnt nur noch ein grüner Krater. „Was ist hier geschehen?“, entfährt es mir entsetzt, als eine Hand mich am Ärmel zieht. Schnell drehe ich mich um gehe in Abwehrhaltung. Aber von dem schlecht rasierten Mann geht keine Gefahr aus. „Endlich bist du da!“, ruft er mir zu. „Ich habe so lange auf dich gewartet. Erkennst du mich denn nicht? Ich bin es, dein alter Kumpel Schloris Qualmer!“ Er zündet sich mich zitternden Fingern eine Zigarette an und bläst blauen Dunst in in die morgendliche Luft.

„Du erinnerst dich doch an Wahnfried Quetschmann den Landesvater von Baden Württemberg?“, fragt Schloris. „Ich hatte den immer schon im Verdacht ein Monster zu sein! Nach seiner Abwahl 2021, hat er einen Wutanfall bekommen und sein wahres Gesicht gezeigt. Jetzt lebt er dort im Krater als grüne Krake und verschlingt jeden, der ihm zu nahe kommt. Du kannst doch Karate, kannst du Stuttgart retten?“ „Stuttgart 21“, murmele ich, „jetzt ergibt alles Sinn!“ Ich bekomme keine Antwort mehr. Ein grünschleimiger Tentakel hat Schloris in den Abgrund gezogen. Achtlos fällt die Zigarette zu Boden, der Rauch kräuselt sich im Wind.

Dröhnendes Lachen erklingt aus dem Krater und eine grüne Krake steigt langsam auf. „Jeddz gugg amol, wia schee, ’s isch die Frau Landar!“, ruft das Monster verzückt und greift mit glitschigen Tentakeln nach mir. „Jeddz hemmers gschaffd!“ Ich ahne, dass dies eine Falle für mich ist und bin bereit zum letzten Gefecht, als plötzlich eine wohlbekannte Stimme erklingt. „Fang auf!“, ruft Teufelchen aus dem Nirgendwo, „ich habe dein Katana mitgebracht.“ 

Bekanntlich bin ich ein schnittiges Mädchen, was Quetschmann sogleich zu spüren bekommt. Seine Schreie verhallen, als er sterbend in den Krater sinkt. Zuckend vor mir liegen die abgeschlagenen Tentakel. Angewidert wische ich die kostbare Klinge ab. „Tut mir leid, Frau Landar“, sagt Teufelchen zerknirscht. „Ich wollte alles, aber kein Monster schaffen. Kann ich denn ahnen, wie sich alles entwickelt? Wir müssen zurück in die Vergangenheit, um die Zukunft zu ändern.“

Leider werden wir von Eva aufgehalten. „So nicht, ihr beiden!“, tönt die Göttin aller Himmel. „Das Schicksal aller Dinge liegt bei mir. Der Wahlsieg übrigens auch! Ihr müsst einen anderen Weg zur Lösung finden.“ „Kein Ding“, sagt Teufelchen, „dann reisen wir einfach ins Jahr 2020 zurück. Ich besorge uns einen Termin bei Quetschie“, sagt er und grinst verschmitzt. „Wir sind alte Kumpels und haben früher so manche Flasche geköpft.“

Es dauert keine 5 Minuten und wir stehen in der Staatskanzlei. Quetschmann empfängt uns gut gelaunt und zeigt stolz sein neues Spielzeug vor. „Dasch isch mein Helligopder“, sagt er. „Dasch Modell Schecks Schecks Schecks ohne Tsche Oh Tschwei Auschschtoß.“ Wir spielen eine Runde und ich begreife, der Wahnfried ist eigentlich ein großes Kind. Leicht lenkbar per Höllenchip, den hat ihm Teufelchen so nebenbei in Mittelohr gesetzt. Als wir gehen verspricht uns Quetschie eine Verbesserung der Lage. „I benn eigendlich ganz andersch, abbr i komm so selda dazu“, ruft er uns zum Abschied zu.

Gemeinsam mit Teufelchen geht die Reise noch einmal ins Jahr 2030. Wir treffen einen gut gelaunten Schloris Qualmer, der nun der Landesvater ist. Freudig verteilt er Zigaretten für alle. Im blauen Dunst Ausstoß war dieser Mann schon immer groß. Quetschie ist nach Schottland ausgewandert und hat eine WG mit Nessie gegründet. Angeblich ist bereits Nachwuchs in Sicht.

In Berlin wird schon seit Jahren quer gedacht und Deutschland hat sich wieder mit Österreich vereint. Der Marsch durch die Instanzen kann nun neu beginnen. Wohin das führt, kann man an der ehemaligen Kanzlerin sehen. Nach Angaben der Freien Presse, die von Jen Kebsen geleitet wird, hat sie ein BDSM-Studio eröffnet und peitscht dort täglich in Ungnade gefallene Narrative aus.

„And all is well“, murmele ich zufrieden und will in die Gegenwart zurück, werde aber fast vom Eilzug der Band „Zweite Welle“ überfahren. Wieder rettet mir Teufelchen den hübschen Hintern, als er Zug und Band nach Absurdistan umleitet. „Da passen die besser hin“, sagt er keck. „Aber ich hätte da noch eine kleine Bitte. Ob du mir vielleicht Wellenreiten beibringen kannst?“ „Nur wenn du die AFT auflöst“, fordere ich ihn auf. „Wenn das alles ist“, erwidert er. „Ich habe ohnehin keine Lust auf den Verein.“

Als amtierende Weltmeisterin im Wellenritt, habe ich den Höllischen ans Meer mitgenommen und ihn zum neuen Superstar gemacht. Leider baggert er dort jedes Mädel an, was man ihm aber kaum verdenken kann. Als er unbedingt auf einer Tsunami reiten will, äußere ich meine Bedenken. „Die kannst du dir schenken“, meint er nur. „Der Teufel fürchtet keine Welle.“ 

Deutschland geht zum Teufel

Unsanft werde ich von einem Glockenschlag geweckt. Es ist weit nach Mitternacht, aber mein Hellphone zeigt 6 Uhr 66. Kein gutes Zeichen sondern Alarmstufe Rot. „Der nun wieder!“, murmele ich, als Teufelchens Konterfei auf dem Display  erscheint. „Frau Landar, du musst mir helfen“, ruft er aufgeregt, „ich habe total den Ärger am Hals!“

Wer nun nicht weiß, was ein Hellphone ist, den kläre ich an dieser Stelle auf. Teufelchen ist Unternehmer geworden und hat die Firma VER-Äppel gegründet, die Hellphones herstellt. Bis auf die Uhrzeit App sind die Teile recht gut. Und zur Hölle fahren kann man damit auch.

„Also was ist los?“, will ich wissen, „was hast du wieder angestellt?“ „Wie jetzt?“, empört sich Teufelchen, „ich war voll lieb, aber bei dem Kim aus Mordkorea sieht das ganz anders aus.“ „Mordkorea?“, versichere ich mich, „habe ich richtig gehört?“ „Ja“, erwidert Teufelchen, „das Land heißt in der Hölle so.“

„Und was genau hat der Kim nun gemacht?“, frage ich nach und sehe drohendes Unheil kommen. „Also der Kim, der eigentlich mein Freund ist, der hat mir meine Spielfiguren weggenommen! Dabei hat mir der Don, der auch mein Freund ist, ein Mitspielrecht gegeben.“

„Wir sprechen von Kim Jong-un und Donald Trump?“, hake ich nach. „Bist du von allen guten Geistern verlassen?“ Teufelchen lacht laut und nickt. „Das hast du wirklich gut erkannt, Frau Landar. Immerhin habe ich einen gewissen Ruf zu verlieren. Aber ich fange mal von vorn an, ja?

Der olle Obama, der nie mein Freund war, hat mich nie mitspielen lassen! Der saß da nämlich immer allein im Pentagon und hat mit den Drohnen alles und jeden abgeschossen! Also habe ich Vlad kontaktiert und der hat mir dabei geholfen, den Don an die Macht zu bringen.“

„Vladimir Putin hat Donald Trump zum Präsidenten gemacht? Das kann ich mir nicht vorstellen!“, sage ich. „Das war schon ich“, gibt Teufelchen freimütig zu, „aber der Vlad hat mir gezeigt wie man das geschickt anstellt. Wenn ich das klassisch arrangiere, hätte ich dazu Pest und Cholera gewählt. Und die braucht doch heute keiner mehr.“

„Okay“, sage ich, „Don hat dir also erlaubt mit den Drohnen zu spielen, habe ich das richtig verstanden?“ Teufelchen strahlt. „Ja,“ erwidert er, „das hat auch echt Spaß gemacht. Der Kim und ich haben eine Weile World of Mordcraft gezockt. Auf der gleichen Seite versteht sich! Und jetzt rate, wer unsere Gegner waren.“

„Keine Ahnung“, sage ich wahrheitsgemäß, „die Amerikaner wohl kaum.“ „Nee, das stimmt“, sagt Teufelchen, „aber die irren Perser und den Sultan vom Bosporus habe ich da gesehen. Nur die Flinten-Uschi hat geschummelt und uns so einen altersschwachen Tornado geschickt.“

Ich brauche eine Weile, um Teufelchens Worte in die richtigen Bahnen zu lenken. Plötzlich kommt mir ein Verdacht. „Sag, hast du etwa mit den Irranern Geschäfte gemacht?“ „Das ist mein Mädchen!“, ruft Teufelchen entzückt und klatscht freudig in die Hände, „endlich habe ich dich auf meinen Diskurs gebracht.

Ja, den Irranern habe ich die Tage Kims Arschbomben verkauft, als der mir die Drohnen mopste! Ich habe einfach behauptet, dass die den neuen sozialen Fake-Sprengstoff, das „Kahanit“ enthalten und die haben das sofort geschluckt. Aber ein bisschen enttäuscht war ich dann doch, als die immer was von einem Laller riefen und auch noch Mama angezweifelt haben.

Weil die Lallers, die weiß ich in in Baden-Württemberg zu Hause. Bei denen war ich schon öfter mal zu Gast. Wonnetrunken versteht sich, was hast du nun wieder gedacht? Überhaupt bin ich gern in Deutschland unterwegs. Dort hat man mein Alter Ego „Teufel“ erfunden. Und den Erwin kenne ich ziemlich gut.“

„Oh Mann!“, entfährt es mir, um mich sofort selbst mit den Worten „Teufel auch!“, zu korrigieren. „Gibt es einen Ort auf der Welt ohne dich?“ „Ja“, erwidert er und grinst. „Ich war noch nie so wirklich in Sachsen. Weil, also na ja, die reden da glaube ich klingonisch!“

„Du willst doch nicht über die Sachsen sprechen?“, frage ich, „die sind eigentlich ganz nett. Wo liegt nun der Hase begraben, sprich!“ „Begraben weniger“, erwidert Teufelchen. „Und eigentlich ist sie ein süßes Häschen und liegt bei mir im Höllenbett. Und jetzt ist der Kim total eifersüchtig und will mir die Rübe abhacken.“

„Höllensumpf und Hexenkessel“, fluche ich ganz unjapanisch, „du willst mir weismachen, dass du Angst vor jemand hättest?“ Teufelchen schaut mich ernst an. „Ja, habe ich“, gibt er freimütig zu. „Vor dir! Deshalb rufe ich doch an, Frau Landar. Der Kim, also der hat gesagt, dass er dich angeworben hätte und du mir als Racheengel erscheinst. Ist da was dran?“

Ich erinnere mich an einen dubiosen Anruf mit unterdrückter Nummer. „Den habe ich weggedrückt“, sage ich und Teufelchen seufzt erleichtert. „Aber wenn nicht dich, wen dann? Vielleicht sollten wir Mama fragen“, denkt er laut nach. „Du kommst doch mit?“

Bevor ich etwas sagen kann finde ich mich bereits im Himmel wieder. Was angesichts meiner kurzen Pyjamahose vermutlich komisch auf die Anwesenden wirkt. „Scharfes Teil“, lästert Teufelchen und lässt dabei offen was oder wen er damit meint.

Aber er begibt sich auffällig schnell aus meiner Reichweite und strahlt seine Mama an. „Sorry für den Auftritt“, murmelt er, „hast du vielleicht mal eine Lichtminute?“ Eva, die über irgendwelchen alten Pergamenten sitzt, winkt mir freundlich zu, bevor sie sich wieder ihrem Erstgeborenen widmet, der ihr sofort sein Herz ausschüttet.

„Nein, Kim hat nicht Mayumi angeheuert“, spricht sie mich mit meinem richtigen Namen an, „im Gegenteil hat er eine andere Deutsche als Killerin ausgewählt. Die Geschichte wird sie später als Grenzfall kennen.“

„Angela?“, fragen Teufelchen und ich im Chor. „Kim will die Bundesmutti auf mich hetzen?“, will er wissen. Eva nickt und verrät uns noch, dass Frau Merkel sich nach göttlichem Beistand sehne. „Sie hat schon mehrfach um Rat nachgefragt. Aber so leid es mir auch tut, für diese Frau ist der Himmel leer.“

Teufelchens Grinsen friert ein. Er schluckt schwer. „Und was mache ich wenn die Deutschland zum Teufel schickt? Da muss es doch bitte eine Lösung geben! Die Hölle ist jetzt schon viel zu voll.“

„Vielleicht wäre ein Besuch des Don ein Signal für diese Frau“, sinniere ich und zwinkere Teufelchen zu. „Der könnte ihr einige Takte sagen. So ein kleiner Verwandlungszauber ist doch easy. Und im manipulieren bist du der ungeschlagene Meister.“

„Das habe ich nicht gehört“, lässt uns Eva wissen. „Aber einen Versuch ist es auf alle Fälle wert. Wehe, wenn du Unsinn machst. Und jetzt müsst ihr mich entschuldigen, ich habe ein Universum zu regieren.“

Zurück im heimischen Schlafzimmer schaut Elfchen konsterniert, als sie Teufelchen unvermittelt auf unserem Bett sitzen sieht. Aber sie kennt ihn schon und weiß, dass er harmlos ist.

„Ich muss euch was gestehen“, sagt Teufelchen unvermittelt. „Den Don, also Mr. President, den gibt es eigentlich nicht. Ich habe ihn schon vor Jahren durch einen Unterteufel ausgetauscht. Der echte sitzt in einer Zeitschleife fest und träumt von seinen Milliarden.“

„Und du hast die Kontrolle verloren?“, kommt mir ein Gedanke. „Ist doch so, oder?“ Teufelchens Gesicht sagt mehr, als alle Worte. „Ja, der Don macht jetzt was er will. „Aber du kannst den doch einfach wieder austauschen“, sage ich und ernte ein Kopfschütteln.

„Nee“, gesteht mir Teufelchen, „da hat der Vlad etwas dagegen. Weil der echte Don ja in Sibirien sitzt und Vlad mag ihn mir nicht mehr geben. Und was soll ich gegen Leute machen, die meine Existenz verleugnen? Ich habe doch nur Macht über jene, die an mich glauben.“

Ich tausche einen Blick mit Yuki und Elfchen nickt. „Lass uns das machen“, sage ich. „Die Superheroinen retten auch dich.“ „Wie soll das gehen?“, will Teufelchen sofort wissen. „Darf ich bitte mit?“ Er durfte. Zuschauen, was auch sonst?

Als ich einige Tage später einen Blick in den Höllenboten werfe, die Zeitung mit Feuer im Blatt, muss ich unwillkürlich lächeln. „Wintereinbruch in Sibirien“, lese ich und schaue auf das bezeichnende Titelbild.

„Der Redaktion bekannte Täter, haben einen antiken Gegenstand erfolgreich aus einem sibirischen Mausoleum entwendet und seiner wahren Bestimmung zugeführt. Wir beglückwünschen sie ausdrücklich zu diesem Coup und hoffen, auch beim nächsten Abenteuer wieder höllische Zeugen zu sein.“

Während meine Yuki-onna ihr eiskaltes Händchen auf meinen Unterarm legt und Cousin Fuyu Shogun sich lässig aufs Sofa lümmelt, sehe ich im Geist schon die nächste Schlagzeile des Höllenboten vor mir.

„Deutschland gerettet! Bundeskanzler Lu Zifers Partei, LfD = Licht für Deutschland, erzielte einen Erdrutschsieg mit 66 Prozent und wird für die nächsten Jahre mit Sicherheit regieren.“ Muss ich erwähnen, dass ich selten so laut lachte?

Die Leiden der Frau Gott

Ich komme kaum zur Ruhe in diesen Tagen. Ständig rufen Prominente bei mir an, die Rat und Hilfe wollen. Von Trump bis Böhmermann sind alle dabei. Irgendwie scheinen Männer auf mich zu stehen. Was wenig verwunderlich ist, da ich Deutschlands lesbische Hoffnung bin.

Aber so komme ich nie zu meinem neuen Buch. Wer soll die Rechnungen bezahlen? Immerhin durfte ich einen Blick in den Lesbenhimmel werfen und bin noch immer angenehm überrascht. Teufelchen und der Rat der Engel sind zufrieden. Im Handumdrehen habe ich die himmlischen Finanzen saniert.

„Was überrascht dich so mein Kind?“, erklingt eine angenehme Frauenstimme. Ich schrecke hoch und sehe Frau Gott vor mir. Kurze Pause, harter Schnitt. Woher kann ich wissen wer sie ist? Natürlich ist Buddha schuld, mit dem ich gestern ein Arbeitsessen hatte.

„Weißt du“, hat er zwischen zwei Bissen Brust oder Keule gesagt, „ich muss dir was erzählen. Dieser Christengott, also du weißt schon wer, hat euch jetzt mehr als zwei Jahrtausende an der Nase herumgeführt. „Ich glaube du verwechselt da was“, unterbreche ich ihn ruppig. „Ich bin keine Christin sondern Zen-Buddhistin!“

Aber der Dicke schmunzelt nur und langt weiter zu. „Ob du noch etwas Braten hättest?“ Nachdem auch der und jede Menge Nachtisch in seinem Kugelbauch verschwunden ist, lehnt sich Buddha seufzend zurück. „Das war jetzt echt gut“, sagt er. „Gibt’s auch noch was zu trinken?“

Fünf Liter Reiswein später schwebt Buddha nun auf Wolke 7. „So“, lallt er, „wo warsch schtään gebliebhän?“ „Oh Gott!“, entfährt es mir. „Nun isser auch noch besoffen.“ „Gott, tschawoll ja“, sagt Buddha und schlägt sich auf den Bauch. „Weissu, der … also die Alte, die ist auch nur ’ne Frau.“

Müßig zu sagen, dass ich Chauvi zu ihm sage, was ihn beleidigt zum Teufel gehen lässt. „Hammisch eingeladen“, ruft er mir zum Abschied zu. „Issän äscht nettär Kärl.“ „Du mich auch!“, gebe ich ihm mit auf seinen Weg. „Komm erst wieder, wenn du nüchtern bist und Satori wieder aus dir spricht.“

Frau Gott lächelt fein, als sie mir in die Augen schaut. „Wieso siehst du so aus wie ich?“, will ich wissen und bin kein bisschen überrascht. „Das Göttliche steckt in jedem Mensch“, erwidert sie orakelhaft. „Hast du das noch nicht gewusst? Ich bin du und du bist ich.“

„Setz dich“, sage ich und deute auf den Sessel neben mir. „Du willst mir doch kaum erzählen, dass du mich abwerben willst? Und könntest du damit aufhören in Rätseln zu sprechen? Das habe ich bei Buddha auch schon exorziert.“

Frau Gott setzt sich und ich schaue sie mir genauer an. Vor mir sitzt meine exakte Kopie. „Soll ich dir auch die Bücher machen?“, frage ich und spiele auf den Wunsch des Himmels an. „Und was willst du eigentlich hier? Solltest du nicht auf der universellen Götterkonferenz abgeblieben sein?“

Sie winkt ab und sieht plötzlich ganz traurig aus. „Die quatschen jetzt seit 5 Milliarden Jahren“, erwidert sie. „Weiter als bis zum „who is who“ sind wir noch nicht gekommen. Verstehst du jetzt, warum es auf der Erde so gottlos ist?“

„Moment mal“, unterbreche ich. „Du hast doch die Menschen angeblich erst vor kurzer Zeit erschaffen!“ „Wer ich?“, empört sich Frau Gott sofort. „Ey hast du ’ne Meise, oder was? „Ich habe damit eigentlich gar nix zu tun, ja? Aber was kann ich dafür, wenn Adam so ’nen tollen Body hat.“

„Wie jetzt?“, frage ich verwirrt. „Du hattest was mit Adam?“ Frau Gott wird wirklich rot und nickt. „Ja“, flüstert sie. „Findest du das schlimm?“ „Ja, also nein“, murmele ich und schüttele den Kopf. „Aber ich dachte seine Frau sei Eva?“ „Aber ich bin doch die Eva!“, höre ich. „Ich bin die absolute Weiblichkeit.“

„Oh Mann!“, entfährt es mir, „das ist ja alles total kompliziert. „Und wer war dann die Schlange und was ist mit Kain und Abel? Hast du Teufelchen wirklich in die Hölle geschafft und …“ Ich unterbreche meine Rede und schaue Eva an. Was hat sie mir zu sagen?

„Es gab keine Schlange“, erklärt mir Eva leise. „Die habe ich erfunden nachdem ich schwanger war. Du kannst dir kaum vorstellen, was die Menschen so alles von mir glauben, wenn ich das wirklich will.“ „Waren Kain und Abel deine Kinder?“, will ich wissen. „Und was ist eigentlich mit Adam geschehen?“

„Quatsch!“, sagt Eva und winkt ab. „Teufelchen ist mein erstgeborener Sohn. Was glaubst denn du warum der sonst in den Himmel darf? Aber die Zwillinge Gabriel und Michael sind total neidisch auf ihn. Und der Rest der Familie irgendwie auch. Er ist der Größte. Auch wenn er viel kleiner ist.“

Eva macht eine kurze Pause und sieht sich in meiner Wohnung um. „Schön hast du es hier“, lobt sie mich. „Ich würde auch gern bei dir wohnen. Aber und das finde ich total witzig, in deinem Herzen hat nur dieser dicke Buddha Platz. Wie passt der da eigentlich rein?“

Sie erwartet keine Antwort und lächelt verschmitzt. Auch das hat sie von mir abgeschaut. „Adam vertritt mich als Platzhalter bei der Konferenz“, fährt sie dann fort. „Und nicht nur dort. Wir haben ihn als Vorbild für den lieben Gott genommen. Mich würden die ja olle Zicke nennen, oder Biest.“

Wir müssen beide lachen, der Witz ist angekommen. Was mich erneut zur Frage der Menschen bringt und ihren geistigen (Ver)Führern. „Ich wäre kaum so blöd und würde Menschen nach meinem Ebenbild erschaffen“, sagt Eva. „Eines Tages waren die da. Vielleicht habe ich sie geträumt. Kann ja mal passieren, oder?“

„Und was ist mit Jesus?“, will ich wissen. „Kennst du den, war der wirklich dein lieber Sohn?“ „Darüber möchte ich doch lieber schweigen“, sagt Eva und schaut mich nachdenklich an. „Andererseits ist es schon erschreckend, was die Menschen aus ihm machten. Ich fand das nie besonders gut.“

„Und warum hast du nicht eingegriffen?“, will ich wissen und ahne die Antwort schon. „Habe ich doch! Was glaubst du denn, wer Maria Magdalena war? Hm? Aber diese alten Patriarchen haben sie verleugnet und zur Sünderin gemacht. Und ich hatte weder Zeit noch Lust mich mit denen weiter zu streiten.“

„Warum bist du wirklich hier?“, frage ich. „Du hast doch was auf dem Herzen?“ „Ich lese dein Blogjournal“, gesteht sie mir. „Auch Eva Gott ist im Heute angekommen! Ich finde es gut, wie sehr du dich für Frauenrechte engagierst. Das wollte ich dir einfach nur mal sagen.“

Plötzlich beugt sie sich vor und blinzelt verschwörerisch. „Und ich fand es herzerfrischend, wie du Teufelchen an den … äh … Hörnern gepackt hattest. Der braucht manchmal eine harte Frauenhand, um ihm den Weg zu weisen …“

„Was machst du denn, mit wem sprichst du?“, höre ich Yukis Stimme und prompt schwebt Elfchen neben mich. Wild schaut sie sich um. „Ich hätte schwören können, dass du eine andere Frau bei dir hattest! „Ja“, mein Spiegelbild“, sage ich sanft und ziehe meine Süße auf den Schoß. „Und eine wahrhaft göttliche Idee.“ Hat sie euch gefallen?

Zum Teufel mit dem Himmel

Es gibt Tage an denen alles gelingt. Mein Kopf ist voller Ideen, die ich sofort verwirklichen muss. Ein neues Buch soll es werden, um die Euronen im Fluss zu halten. Beim Titel hadere ich noch. Aber wie klingt „Die Rückkehr der Superschnitte.“

Prompt wird mein Scheibfluss unterbrochen, mein Handy summt penetrant. „Ey hömma du Frau Dr. Landar“, säuselt mir eine bekannte Stimme ins japanische Ohr. „Teufelchen hier, ich hätte da mal ein Problem.“ Wer sich erinnern mag, Herrn Teufel habe ich schon persönlich getroffen und mit ihm den Himmel besucht.

Da oben war es durchaus lustig und der Teufel ein kleiner Star. Von wegen Stress und Streit! Als himmlischer Verwalter ist er der Chef für alle Ewigkeit. Aber heute klingt er betrübt. „Die haben mir meine Playstation abgenommen!“, erklärt er mir. Die, das sind die Erzengel, die immer alles regeln.

„Mensch Alder“, versuche ich ihn zu beruhigen, „nimm ihnen als Revanche den Heiligenschein weg!“ „Ey spinnste?“, faucht Teufelchen los. „Du kannst mich doch nicht menschlich machen! Hilfste mir jetzt, oder was? Du kannst doch Karate, das habe ich auf deinem Blog gelesen.“

„Soll ich die Engel etwa verprügeln?“, hake ich sofort nach. „Aber nein“, wehrt Teufelchen schnell ab. „Vielleicht so ein bisschen, das fände ich ganz toll. Die kann man aber besser mit Argumenten überzeugen. Und in der Kunst hast du doch mindestens den 10. Dan.“

„Ich habe keine Zeit“, wehre ich ab. „Mein neues Buch ist längst schon überfällig. „Och Frau Landar,“ bettelt er. „Wenn du mir hilfst zeige ich dir auch den streng geheimen Lesbenhimmel. Und ich mag ja viele Fehler haben, aber ein Versprechen habe ich noch nie gebrochen.“

Seufzend mache ich mich auf den Weg in den Heizungskeller. Klar, den Blick in den Lesbenhimmel lasse ich mir nicht entgehen. Teufelchen wartet unten schon auf mich. Sein Schmollmund spricht Bände. „Ist ja gut“, beruhige ich den Kleinen. Dann lass uns mal nach oben gehen.“

Die Reise ist ziemlich übersinnlich. Das muss man dem Teufel lassen, schnell zu sein, das hat er drauf. Mir fällt etwas ein, wie ich ihn aufmuntern kann. „Kennst du die neue TV-Serie „Lucifer?“ frage ich. Und schon geht in seinem Gesicht die Sonne auf.

„Also Frau Landar das sach ich dir, der Darsteller hat’s echt drauf!“, schwärmt Teufelchen. „Super gekleidet ist der immer. Nur wenn er sich verwandelt ist das doof. So sieht kein Teufel aus. Aber dieser coole britische Akzent. Splendid, as I would say!“

„Ist die Serie wenigstens halbwegs realistisch?“, will ich wissen. „Alles Käse Marke Hollywood“, wehrt Teufelchen ab. „Als ob ich wem irgendwelche Gefallen täte. Er lacht verschmitzt bei diesen Worten. „Aber wir sind da, lass uns später weiter reden.“

Im Bernsteinzimmer wartet schon das Erzengel Kabinett. Alles  würdige Gestalten, die keine Miene verziehen.“Ach nee“, sage ich und schaue mich um. „Hier ist das Teil also abgeblieben.“ Teufelchen grinst. „Ja“, sagt er. „Ich habe das Zimmer damals in Sicherheit gebracht.“

„Frau Landar“, höre ich eine sonore Stimme. Ein Engel steht auf und stellt sich mir als Gabriel vor. Zuständig für Wirtschaft und Finanzen. Ich stutze kurz. Ob der auf der Erde Verwandte hat? „Was können wir für Sie tun?“, fragt er mich. Und mein Auftritt im Himmel beginnt.

„Dem Kleinen sein Spielzeug wieder geben“, antworte ich. „Warum habt ihr das konfisziert?“ „Himmmelsregel 13, Absatz 7“, erwidert Gabriel und schaut ganz streng. „Spiele während der Dienstzeit sind ausgeschlossen.“

Ich schaue mir den Erzengel genauer an. Er sieht wirklich fast so aus, wie auf diversen Bildern. Nur die Flügel fehlen. Oder sind die einfach unsichtbar? Allerdings ist er weniger modisch gekleidet, als sein irdisches Pendant. Aber im Himmel ticken die Uhren immer anders.

„Kann es sein, dass ihr ein Problem mit Teufelchen habt?“, will ich wissen. „Immerhin hat ihn euer Chef zum Stellvertreter ernannt. Wie ich mittlerweile weiß, hat er noch nie etwas Böses getan. Und ihr schaut doch auch nur tatenlos zu, wenn auf der Erde Kriege herrschen.“

„Darum geht es nicht“, sagt ein anderer Engel. „Michael“, flüstert mir Teufelchen zu, „der Oberkrieger.“ „Der da macht schon immer was er will. Auf Regeln hat er stets gepfiffen. Wir dürfen richten, was er an Schabernack anstellt. Und sind wir doch mal ehrlich, ein Spiel mit dem Namen „Zum Teufel mit dem Himmel“ muss es doch nun wirklich nicht sein!“

Mit japanischer Disziplin verkneife ich mir ein Lachen. „Worum bitte geht es in dem Spiel?“, will ich wissen und ahne die Antwort schon. „Darum Engel zu schießen“, sagt Michael und schaut Teufelchen böse an. „Das ist so was wie Moorhuhn. Nur viel höllischer.“

„Das hast du mir aber verschwiegen“, sage ich zu meinem Begleiter. „Kein Wunder, dass die sauer auf dich sind. „Vor allem ist der Hersteller interessant“, höre ich Gabriel erzählen. „Es ist die Hells Bells GmbH & Co. KG, die Teufelchen selbst gegründet hat. In Panama versteht sich! Und nun raten Sie, wer der Chef dort ist!“

Fragend schau ich den Engel an, der sichtlich erbost zu sein scheint. „Das Schlitzohr hat seinen besten Kumpel Beelzebub eingesetzt. Den Sie gut kennen, wie mir zu Ohren gekommen ist. Nun muss ich doch kurz grinsen, als ich an das entsprechende Telefongespräch denke.

Aber zuerst muss ich mich um meinen Begleiter kümmern, der Anstalten macht im Boden zu versinken. Prompt packe ich ihn am Ohr. „Aua, das tut weh!“, jammert er. Von wegen Superpower, Teufelchen ist auch nur ein großes Kind. „Okay, ich gebe es zu“, sagt er, „ich habe das verbrochen. Aber nur, weil die Spießer hier oben so langweilig sind!“

Plötzlich grinst er triumphierend. „Außerdem sind die total neidisch, dass ich schon Level 666 erreicht habe und sie noch nicht mal bei Level 100 sind.“ „Weil er geschummelt hat“, ergänzt Michael. „Er benutzt einen höllischen Hack.“

„Hinzu kommt noch ein anderes Problem“, sagt Gabriel. „Als himmlischer Finanzminister muss ich die Rechnungen bezahlen. Und es geht nun mal nicht an, dass wir uns nun noch um seine Schulden kümmern. Der Himmel finanziert die Hölle, wo kämen wir da hin?“

Streng schaue ich Teufelchen ins höllische Lausbubengesicht. „Hast du dazu was zu sagen?“, will ich wissen. Verlegen tritt er auf der Stelle und seufzt dann abgrundtief. „Also meine Firma, die ist leider schon pleite. Ob du mich da mal beraten kannst?“

Teufel und Engel schauen mich an. „Ihr Schlitzohren!“, sage ich, als ich die Wahrheit ahne. „Ihr wollt, dass ich euch die Bücher mache!“ „Das wäre lieb“, höre ich im Chor. „Über die Belohnung haben wir ja schon gesprochen“, fügt Teufelchen hinzu. „Und wenn du magst gibt es als Bonus noch etwas Biestigkeit.“

„Lucifer auf DVD wäre mir lieber“, erwidere ich. „Und kannst du schon was zu den neuen Sherlock Folgen sagen?“ Teufelchen grinst frech und nickt. „Wir haben einen Deal, Frau Landar“, sagt er und will mir die Hand darauf geben.

„Nee“, erwidere ich und lache. „Ich habe je nun wirklich keine Angst, aber mit dir schließe ich lieber keinen Pakt. Du kannst das gern mit Buddha regeln, wenn du dich traust. Nur haben seine Worte etwas mehr Gewicht.“

 ENDE

Wen die Vorgeschichte interessiert darf sich gern darüber informieren, wie ich damals auf Herrn Teufel traf. Und mit Petrus habe ich auch schon telefoniert.

Zur Hölle mit mir – Interview mit Herrn Teufel

Warum Gott (nicht!) gegen die Homo-Ehe ist

Zur Hölle mit mir – Interview mit Herrn Teufel

Auf der Suche nach neuen Gesprächspartnern, ist mir heute eine Idee gekommen. Wer kann das Chaos auf der Welt besser erklären, als der Teufel selbst? Gut, zugegeben, ich habe es vorher schon bei Herrn Gott versucht. Aber der nächste freie Termin wäre in 5 Äonen-Jahren. Außerdem ist er zur Zeit auf der Götterkonferenz. Und diese Tagung kann noch dauern.

Kein Problem für mich, flugs wähle ich 06-666-TEUFEL und prompt meldet er sich. „Frau Dr. Landar, wie schön Sie endlich live am Telefon zu haben! Ich bin ein großer Fan ihrer Biestigkeit. Was kann ich für und gegen Sie tun?“

Bekanntlich erschüttert mich wenig auf dieser Welt. „Tachchen auch, Herr Teufel“, sage ich. „Hätten Sie vielleicht für ein Interview Zeit? Wir könnten über so vieles reden, was Sie schon immer sagen wollten. Ich weiß ja, dass sie nur mit ausgesuchten Menschen sprechen.“

Herr Teufel muss nicht lange überlegen. „Aber sicher doch, gnädige Frau“, schallt es mir ins japanische Ohr. „Kommen sie nur einfach die Treppe runter. Ich lebe unten. Im Heizungskeller und dann rechts. Sie finden mich schon, Sie werden sehen.“

Zwar bin ich furchtlos, aber naiv sind nur die anderen. Also gehe ich mit Buddhas Segen in den Keller. Und wirklich öffnet sich im Heizungskeller eine höllisch rote Tür. Ich trete ein und sehe … nichts! „Ey hömma Alder“, protestiere ich sofort. „Das hier ist aber nicht die Hölle! Komm jetzt raus und zwar sofort!“

„Die Hölle?, erklingt neben mir eine amüsierte Stimme. „Die Hölle, liebe Frau Dr., die Hölle ist in dir. Sie ist das, was du aus deinem Leben macnst. Ich bin nur der Verwalter geplatzter Träume. Schau nur genauer hin.“

Ein nackter Mann tritt neben mich, die Lippen diabolisch grinsend. „Gefällt dir, was du siehst?“ Mir fällt das Sprichwort ein, den Teufel bei den Hörnern zu packen. Oder war es nur ein Stier? In Ermangelung von Hörnern greife ich Herrn Teufel ans Gemächt. Ächzend sinkt er auf die Knie. „Das war ein fieser Trick, Karate-Chick!“

„Nö“, sage ich. „Du weißt doch, dass ich lesbisch  bin. Was musst du mich auch nackig erschrecken!“ „Als wenn du vor Männern Angst hättest“, gibt er zurück. „Lässt du mich jetzt bitte wieder los?“ Als ich meine Finger öffne, verschwindet Herr Teufel einfach so. Ein kleiner Junge tritt an seine Stelle. „Du wirst doch keine Kinder hauen?“

Klein Teufelchen führt mich in sein Spielzimmer, das einfach aus dem Nichts erscheint. XBox, Playstation, Multimedia-PC. Abgerundet von einem guten Dutzend Breitwand-Fernseher. „Damit ich euch besser beobachten kann!“ „Das also machst du den ganzen Tag?“, will ich wissen. „Klar“, sagt er. „Sonst käme ich vor Langeweile um.“

„Erzähl mir von dir, deinem Fall und …“ „Wie Fall?“, unterbricht Teufelchen mich. „Ich bin total freiwillig hier. Der Alte, also Dad, ist doch verreist. Und die Engel wollten noch nie mit mir spielen. Spießer, die sie sind! Aber die Menschen, die Menschen sind anders. Die glauben an mich und nehmen mich ernst.“

„Du bist also das personifizierte Böse?“, will ich wissen. „Der Guy, den man anruft, wenn man seine Feinde töten will.“ „Häh, was ist?“, unterbricht Teufelchen mich schon wieder. „Bist du irgendwie doof im Kopf? Ich habe noch nie wen umgebracht. Das machen die Menschen ganz allein.“

„Aber du holst dir doch ihre Seelen und lässt sie in der Hölle schmoren“, fahre ich unbeirrt mit meinem Vorwurf fort. Aber wieder schüttelt Teufelchen den Kopf. „Siehst du hier wen außer dir und mir? Die Menschen knipsen sich selbst die Lichter aus. Wenn überhaupt, so leistet mein Name Sterbehilfe.“

„Du gibst es also zu“, rufe ich triumphierend. „Und was machst du dann mit all den Seelen?“ Teufelchen seufzt und sieht plötzlich richtig traurig aus. „Die, Frau Landar, die schicke ich nach oben. Damit sie den Himmel überrennen. Das  hält die Engel auf Trab und die können nicht mehr pennen.“

Nun bin ich doch etwas verwirrt. Ein Interview mit Herrn Teufel habe ich mir anders vorgestellt. „Belügst du mich etwa?“, will ich wissen. „Mach’s und ich reiße dir die …!“ „Nee, nee“, ruft Teufelchen schnell und wird ganz blass ums Näschen. „Komm ich zeigs dir, lass uns in den Himmel gehen.“

„Wie jetzt?“, frage ich perplex. „Du kannst so einfach da nach oben?“ „Ja klar, Schwester“, grummelt Teufelchen und schaut mich frech an. „In Abwesenheit des Alten bin ich der himmlische Verwalter.“

 

Warum Gott (nicht!) gegen die Homo-Ehe ist

Meine wachsende Popularität ist mittlerweile bei den beiden größten Institutionen auf der Welt angelangt. Beide beginnen mit dem Buchstaben „H“ und sind doch grundverschieden. Also eigentlich. So im Prinzip. In Wirklichkeit versteht man sich recht gut und spielt gern eine Runde Skat. Aber auf Seelenfang geht man getrennt. Der folgende Artikel wird genau das beweisen. Frau Dr. humoris causa Landar erklärt, warum Gott nicht gegen die Homo-Ehe ist. Und das kam so:

In meiner Eigenschaft als bekennendes Lästermäulchen, habe ich neulich mit Gott telefoniert. Na ja, eigentlich mit Herrn Petrus, der den Dialog übernommen hat. Gott, so sagt er, rede nur in Rätseln. Er aber spräche klar. Mir solls recht sein. Klare Worte habe ich immer schon gemocht. Aber warum der olle Petrus es gleich regnen lässt, wird auch ein Rätsel bleiben. Sein Gegenspieler Belzebub hat nicht so ein Tamtam gemacht und mir einen heißen Sommer versprochen.

„Wissen Sie, Frau Landar“, fängt Petrus umständlich an. „Was Sie da immer über die Bibel schreiben, also echt jetzt, das glaubt Ihnen doch kein Mann!“
„Frauen schon“, kontere ich. „Und hören Sie bloß damit auf, die Adam-Legende zu bemühen. So von wegen Rippchen. Die essen wir JapanerInnen nicht.“
„Genderkonform bis zum abwinken“, mault Petrus im neuzeitlichen Jargon. „Dem Alten wird das überhaupt nicht gefallen.“
„Wieso?“, will ich wissen. „Dreht er wieder fürs ZDF? Coole Rolle übrigens. Und irgendwie so alterslos …“

Petrus räuspert sich und krachend rollt der Donner. Ob der zu viele Thor-Filme gesehen hat?
„Jetzt mal Tacheles, junge Frau“, legt er schon wieder los. „Wir Himmlischen sind klar gegen die Homo-Ehe …“
„Jetz halt mal die Luft an, Alder, hörste?“, mischt sich plötzlich eine fremde Stimme ein. „Wir Höllischen sind nämlich klar dafür!“
„Du nun wieder!“, empört sich Petrus. „Hat man denn niemals Ruhe vor euch?“
„Als Vertreter seiner Lichtigkeit, des Erzengels Luzifer, will ich diese Bemerkung überhört haben“, erwidert Belzebub. „Außerdem schuldest du mir noch 194 Seelen von der letzten Runde Skat. Wie isses damit nun? Und mit all den anderen Schulden?“

Amüsiert höre ich Herrn Petrus schnaufen. Tut sich hier die Zweite Chance auf? Der Telefon-Joker gar, bei „Eine wird gewinnen?“
„Hier, Mädchen“, nuschelt mir Belzebub ins japanische Ohr. „Lass dich von dem ollen Wetterfrosch da nur nicht ins Bockshorn jagen! Dem Alten isses nämlich total egal, was ihr da auf der Erde treibt. Solange ihr fleißig zu ihm betet und Hallelujah für vier Fäuste singt.“
„Guter Film“, sage ich trocken. „Bist du auch ein Bud Spencer Fan?“
„Aber immer!“, erwidert Belzebub sofort. „zu dumm, dass der später in den Himmel kommt. Ich habe ihn nämlich schon vor Jahren an Petrus verloren. Und auch Terence Hill. Um dich darf ich leider nicht spielen, du wärst aber eine Bereicherung für uns! Haste nicht Lust? Also so später jetzt? Wir sind eigentlich ganz nett …“

Plötzlich ein Knacken in der Leitung. Sind wir etwa unterbrochen? Aber es ist nur das Universum, das kurz „Hallo“ sagen will.“
„Universelle Ornungsregel 54, Paragraph 7, Absatz 3: „Glücksspiele um lebende, oder schon tote Seelen sind verboten. Wenn ich euch noch einmal dabei erwische, wird das mit weiteren 1.000 Jahren Nichtbeachtung bestraft.“
„Yes, Ma’am, Mrs. Universum, Ma’am!“, erwidern die beiden Scheinheiligen im Chor.
Woher die nur wissen, dass (auch) das Universum weiblich ist?

„Also wie ist das nun, mit der Homo-Ehe?“, will ich wissen. „Macht ihr da nun was, oder nicht?“
„Also wirklich, Frau Landar!“, empört sich Petrus. „Was wollen Sie denn, dass wir tun?“
„Na diesen alten Präsidentensäcken sagen, dass es egal ist, wer wen liebt! Aber Dalli Dalli, hörste? Sonst gibt’s kein importiertes Sushi mehr!“
„Boa, voll gemein ey!“, lässt mich Petrus im Jugendstil wissen. „Das hat dir doch wieder dieser Teufel gesteckt! Also gut, wir werden uns um die Sache kümmern und allen diesen homophoben Ärschen sagen, dass ein liebender Gott niemals gegen die Homo-Ehe ist.“

Er macht eine kurze Pause und fährt dann fort mit Verschwörerton.
„Sie, Frau Landar? Wir, also der Bub und ich, also wir beide, na ja … wir bräuchten einen dritten Mann fürs Skat.“
„Frau“, erwidere ich und fingere nach den Karten. „Wenn ich gewinne, darf ich mir dann was wünschen? Oder fällt das auch nicht in eure Zuständigkeit?
Belzebub lacht sich scheckig, als ich meinen Herzenswunsch nenne.
„Dem hasse es gegeben, Kleine“, gröhlt er belustigt, als ich mir ein Mädchen vom Klapperstorch wünsche.
„Aber dat sach ich dir, wenn du mal Kanzlerin werden willst? Unsere Stimmen haste, klar? Und jetzt leg los. 18, 20 …“

Aus.

Nur der Himmel ist die Grenze

Japans Sonne scheint warm an diesem Tag. Die Regenzeit ist endlich vorüber. In einer Nachtschicht haben wir mit Ken zusammen seinen Skyline fahrbar gemacht. Die neuen Tubolader sind schnell eingebaut, der Rest des Umbaus ist bereits Geschichte. Müde aber glücklich sitze ich am Steuer. Ken hat mir die Ehre der ersten Fahrt überlassen.

Der Nissan Skyline GT-R R34 ist als Filmstar wohlbekannt. Paul Walker hat ihn in den „Fast and Furious“ Filmen gefahren. Aber wer nimmt schon 280 PS, wenn er getunte 500 PS haben kann? Die Beschleunigung presst uns in den Sitz. Aber keine Angst, wieder wird dies kein Bericht über Autos werden. Der Name Skyline passte nur so gut.

Wir lachen und haben Spaß. Wieder ist es ein komisches Gefühl auf der scheinbar falschen Seite zu sitzen. Und doch bin ich hier richtig, denn hier bin ich zu Hause. Japan ist in meiner Seele, meinem Herzen. Nie war ich japanischer, als in diesem Jahr.

Als ob Yuki meine Gedanken lesen kann, liegt ihre kleine Hand plötzlich auf meiner. Ich weiß was du denkst, sagen ihre Augen. Und auch dafür liebe ich sie. Ken räuspert sich, er kann uns fühlen. Aber bei aller Sensibiltät bleibt er doch Mann. Und Tränen zeigen nur die anderen.

In der Tuning-Branche wird gern und viel geschraubt. Dieser Gedanke schießt mir durch den Kopf, als aus dem Autoradio ein Lied ertönt. „Sky is the limit“, höre ich. Und da stimme ich natürlich sofort zu. Für mich gibt es kaum Grenzen, ich mache immer was ich will.

Schule, Studium, Beruf, Karate, all das gehört zu mir und meinem Weg. Und wer soll mich schon stoppen? Das macht dann die Polizei. Aber wir waren nicht zu schnell. Der Beamte weist nur freundlich auf eine Vollsperrung hin, die ein umgestürzter LKW verursacht hat.

Ich sehe sein Interesse an dem Wagen, aber er ist im Dienst und darf nicht fragen. Wir werden umgeleitet und entschließen uns spontan einen Ausflug zu machen. Die Insel Nokonoshima ist nicht weit entfernt. Wir stellen den Skyline ab und setzen mit der Fähre über.

Erster Hunger meldet sich und wir kaufen uns ein Frühstück. Grüner Tee weckt unsere Lebensgeister. Wir mieten Fahrräder und fahren um die Wette. Natürlich sind wir zu laut, natürlich fallen wir auf. Fettnäpfchen, ich komme! Aber die Menschen lächeln nur, es sind nur wenige Japaner auf der Insel.

Wir treffen ein amerikanisches Ehepaar aus Boston. Er ist Ex-Soldat und war früher in Mannheim stationiert. „Ich habe 17 Jahre in Deutschland gelebt“, lässt Bill uns wissen. Er kann noch immer deutsch und ist stolz darauf. Seine Frau stammt aus dem Süden der USA, genauer Alabama. Ich kann sie nur schwer verstehen, der Dialekt ist fürchterlich.

Sie sind zwar typische Amerikaner, aufgeschlossen, freundlich, aber doch sehr an fremden Kulturen interessiert. „In Japan habe ich auch gelebt“, sagt Bill. „Und in Korea. Aber Deutschland vermisse ich sehr. Wir werden nächstes Jahr dort Urlaub machen.“

Der Tag vergeht, die Amerikaner verabschieden sich. Die Fähre bringt uns zurück aus dem Blumengarten. Wir brauchen Schlaf, selbst Tee kann uns jetzt nicht helfen. Ken hat die meiste Energie und fährt nun stolz seinen Wagen. Ziemlich fertig kommen wir bei Tante Kazumi an. Die fackelt nicht lange und steckt uns ins Bett.

Tanze Kazumi ist die forschere Ausgabe meiner Mutter. Herzensgut, aber weniger sanft. Und sie mag klare Worte, was eher untypisch für eine Japanerin ist. Aber damit kann ich und ich liebe sie dafür. Nur Ken mault kurz, als er nach Hause geschickt wird. Ein Blick seiner Mutter lässt ihn zum Lämmchen werden. Frauenpower pur!

Im Bett liegend muss ich immer wieder an Deutschland denken. Der Name weckt ein Gefühl in mir. Ich vermisse meine Mädels, die Drachenzwerge, mein Wing Chun. Und doch bleibt meine andere Heimat hier in Japan so fremd. Warum kann ich nicht in beiden Ländern leben? Die Idee ist geboren, Umsetzung folgt. „Sky is the limit?“ Nicht für mich!