Zwei Frauen und ein Baby

„Da da da!“, kräht Kevin fröhlich und spuckt mir seinen Brei ins Gesicht.
Yuki feixt und fliegt mit Handtuch und Lappen herbei.
„Gewöhn dich dran“, sagt sie frech und mach uns sauber.
Ja, wir haben heute Besuch von einem kleinen Wonneproppen. Vanessas kleiner Sohn, den wir nur zu gern hüten.
Übung macht die Mutter aus.

„Bu bu da da na na“, plappert der Kleine munter und zieht an meinen Haaren. Babysprache, die ich noch nicht näher kenne.
Vanessa hat einen Termin, den sie ungestört wahrnehmen muss. Die Zwillinge sind bei ihren Eltern, wir dürfen uns um Kevin kümmern. Auf eigenen Wunsch, den jeder versteht.
Eltern auf Probe sozusagen. Kevin findet das vermutlich gut.

Das Handy klingelt, ein Auftraggeber nervt.
„Die Zahlen, Frau Dr. Landar, die Zahlen!“
Schweren Herzens überlasse ich Yuki die Mutterrolle, was Kevin mit einem Blubbern quittiert.
Nun wird Yuki vollgesabbert. Sind Kinder nicht allerliebst?

Mit flinken Fingern addiere ich Zahlenkolonnen und tippsele einen Text dazu.
Kevin entwischt Yuki kurz, als sie in die Küche geht. Prompt patscht er mit beiden Händchen auf die Tastatur.
DELETE, ENTER … alles noch mal.
Wie war das mit der Geduld?

Ich kitzele den Kleinen, was er zum Quietschen findet. Fröhlich krähend schmatzt er mich ab. Ich brauche dringend frische Sachen.
Die Zeit fliegt, der Morgen geht zu Ende. Das Konzept steht und muss gegen Mittag in Pforzheim sein.
Ich werfe mich in Schale, Hose, Bluse und Jacket. Frau Dr. in Reinkultur und Mama Yuki kommt auch mit.
Zwei Frauen mit Kind, eilen gar geschwind!

Kevin jauchzt, als der V8-Sound an seine Ohren dringt. Der Kleine mag Autos, das steht für mich fest.
Wir haben Glück und kommen ohne Stau durch den Verkehr. Verwirrte Blicke, als wir den Glaspalast betreten.
„Dr. Landar“, sage ich knapp zur Sekretärin. „Ich habe einen Termin.“
Titel machen Leute. Und meiner zieht (noch) immer.

Die Sekretärin telefoniert noch, als eine blonde Frau das Büro betritt. Sie ist schwanger, das ist deutlich zu sehen.
„Beate Finkenau (Name geändert)“, stellt sie sich vor und kann den Blick kaum von Kevin lösen.
Eine stumme Frage liegt in ihren Augen.
„Nein“, sage ich, „das ist leider noch nicht unser Kind. Wir sind nur Mütter für einen Tag.“
Sie lacht und versteht. „Bei mir ist es in 3 Monaten soweit. Dann habe ich lebenslänglich.“
Ein Satz, der mir gefällt.

Die werdende Mutter bittet uns beide wie selbstverständlich nach oben.
„Mischen wir die Männerunde auf“, sagt sie im Scherz, was Kevin mit einem „ja ja ja!“, quittiert.
Ich tausche einen BLick mit Yuki und Elfchen nickt verhalten.
„Alles im Griff“, heißt das. Aber Kevin hat andere Pläne.
Aus heiterem Himmel plärrt er los. Aufregung pur, das Chaos ist groß.

Gelassen betrete ich das Büro des Chefs, der sichtlich nervös auf mich wartet.
Draußen laufen einige Frauen zusammen, die sich alle um Kevin kümmern.
„Lu lu lu wääääh!“, höre ich noch, dann hat die schalldichte Tür Erbarmen mit dem Mann.
Immerhin findet mein Konzept Gefallen. Und mir gefällt der Scheck.
Ob ich den Job doch nicht sausen lasse?

Mit diesem humorvollen Gedanken geht es auf den Gang zurück, wo Kevin der Star in der Runde ist. Lachend und schmusend verzaubert er die Frauen.
Und Beate Finkenau hat eine Brünette im Arm. Ich liebe meine Sinne.
Apropos Frau. Auf dem Weg nach Hause erreicht uns Vanessa per Handy.
„Alles gut!“, vekündet sie.
„Auch mit Jo?“, will ich wissen und Yuki nickt sofort. Die Anwältin hat sich mit Vanessa angefreundet. Die zögert zwar noch, aber ihre Augen haben sie längst verraten.
Vanessa war nie offen lesbisch. Hat aber nie ein Hehl daraus gemacht, wie sie zu Frauen steht.

Leider müssen wir Kevin dann bei seiner Mama abliefern, die er freudig, aber müde begrüßt.
Jo strahlt, wie ich selten einen Menschen habe strahlen sehen. Da läuft was, mit ihr und Vanessa. Und wenn ich nachhelfen muss!
Im verkuppeln war ich schon immer gut. Spontan lade ich beide zum Abendessen ein.
Yuki schmunzelt und Vanessa wird wirklich rot.
Das wird ein Spaß, das kann nur Liebe sein!

Wer Vanessa ist, ihre (Vor)Geschichte, können Interessierte hier nachlesen:

Teil 1 – Lebe deinen Traum 

Teil 2 – Wenn Frauen hassen 

Teil 3 – Die Akte Vanessa

Elfen, Kinder und Hormone – Von der Unlust schwanger zu werden

Zwar habe ich versprochen keinen Blog über Schwangerschaft und reine Frauendinge zu schreiben, aber ein kleines Update gibt es doch. Elfchen und ich hatten diese Woche einen Termin bei der Fraunärztin unseres Vertrauens, um Yukis Kinderwilligkeit zu testen. Denn schwanger werden wollen und es auch können, das sind zwei Paar Schuhe. Und bei Yuki passen die nicht.

Ich hatte bereits von meinen Problemen geschrieben, die ich als Teenager hatte. Endometriose, die behandelt worden ist. Kinder werde ich mit diesem Hintergrund keine bekommen. Selbst wenn ich wollte gäbe es vermutlich eine Fehlgeburt. Die Chancen auf eine normale Schwangerschaft sind bei mir sehr gering.

Bekanntlich gleichen sich bei miteinander lebenden Frauen, die Zyklen an. Egal ob hetero, oder lesbisch, wir bluten oft am gleichen Tag. Meine Regel spinnt sowieso schon immer. Bei Stress kann ich an diesen Tagen auch mit Schmerzen rechnen. Ich weiß das, lebe damit, alles gut.

Yuki hat über die letzte 5 Monate akribisch Buch geführt, das Ergebnis ist ernüchternd. Die Lutealphase meiner Süßen ist deutlich zu kurz und liegt im Durchschnitt unter 10 Tagen. Und das ist für eine Schwangerschaft zu kurz.

Unglücklich ist Yuki nicht, sie sieht das japanisch gelassen.
„Du bist schuld“, sagt sie mir frech ins Gesicht und unsere Ärztin schaut entsetzt.
„Alles gut“, beruhige ich die Frau sofort. „Das ist nur unsere Art der Liebe.“
Yuki nickt und drückt meine Hand, die Frauenärztin versteht zum Glück.

„Es könnte durchaus sein“, sagt sie, „dass Ihre Frau nicht so ganz unrecht hat. „Bei Ihnen, Frau Landar, stimmt so gut wie nichts. Einige Endometriose-Herde sind noch immer zu finden und es wundert mich, dass sie keine Schmerzen haben. Und ihre Lutealphase ist definitiv zu kurz.“
Ich zucke mit den Schultern.
„Seit der Hormonbehandlung und OP, hatte ich keine größeren Probleme mehr“, erkläre ich. „Und schwanger wollte ich nie werden.“
Aber Mutter werde ich, das steht felsenfest.

Es folgt ein (wissenschaftlicher) Vortrag über Hormone und Schwangerschaft, den ich, aus Liebe zu meinen LeserInnen, streiche. Lieber streichele ich euch weiter mit Worten und meine Elfe sowieso. Aber das habt ihr bestimmt gewusst.

Progesteron heißt das Zauberwort und Utrogest das Medikament. Skeptisch lesen wir den Beipackzettel, als wir auf dem Weg nach Hause sind. Nun ist Yuki niemals ernsthaft krank gewesen, aber sie verträgt Medikamente sehr schlecht. Schon eine harmlose Aspirin zeigt bei ihr mehr Wirkung, als vom Hersteller vorgegeben ist.

Utrogest ist definitiv kein Medikament, mit dem Frau spaßen sollte. Die häufigen, aber angeblich harmlosen Nebenwirkungen, lassen Yuki das Gesicht verziehen.
„Zwischen- oder Schmierblutungen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, leichte Verdauungsbeschwerden, Bauchkrämpfe, Berührungsempfindlichkeit der Brüste“, liest sie vor.
Prompt fühle ich einen Stich im Magen. Was immer meine Frau betrifft, hat auch Auswirkungen auf mich. Und schon liest Yuki weiter.
„Sehr seltene Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Migräne, starke Depressionen, starke Überempfindlichkeitsreaktionen mit Blutdruckabfall, Kreislaufkollaps oder Herzrhythmusstörungen.“
Und Depressionen braucht (m)eine Elfe nicht!

Wir schauen uns an und müssen nichts sagen. Die spinnen, die Römer, das Zeug kommt uns nicht ins Haus.
„Wollen wir es dann ohne versuchen?“, fragt Yuki. „Vielleicht klappt’s ja doch ohne doofe Chemie.“
„Ich mag dir das auf keinen Fall zumuten sage ich. Kinder um jeden Preis? Nein! Ich mag dich nicht leiden sehen. Und wir wissen beide, dass du wirst. Also lassen wir den Dreck.“
Yuki schenkt mir einen warmen Blick aus ihren wundervollen Mandelaugen.
„Ich liebe dich“, sagt sie und gibt mir einen Kuss. Dann holt sie tief Luft und schließt kurz die Augen. „Lass uns lieber Möbel kaufen gehen“, sagt sie. „Düsseldorf, wir kommen!“
Und genau das haben wir gemacht, wenn auch ohne Hormone. Oder vielleicht doch mit. Shopping liegt Frauen in den Genen. Das habe ich immer schon gewusst.

Liebe kennt kein Geschlecht – Teil 1

Vor etwa 1 1/2 Jahren hatte ich über eine Hetero-Frau geschrieben, die sich in eine Lesbe verliebt hat. Bei den beiden hatte der berühmte Blitz eingeschlagen und sie wurden sehr schnell ein Paar. Sabine ist jetzt 39 und ihre Partnerin 44 Jahre jung. Sie leben im schönen Hessen, die Stadt ist aus Diskretionsgründen egal.

Sabine hat eine mittlerweile 14 Jahre alte Tochter, die einfach süß und zum knuddeln ist. Mit damals noch kindlicher Unschuld, hat sie die neue Beziehung ihrer Mutter nicht nur akzeptiert, sondern drollig kommentiert. „Ich habe jetzt zwei Mütter, das ist voll cool!“, waren ihre Worte.

Sabine und Heike ergänzen sich ideal. Sabine ist Beamtin, Heike verkauft Häuser. Dank Heimarbeit ist immer eine Frau zu Hause und kann sich um Frechdachs Kerstin kümmern. Die übrigens total auf Jungs steht und gleich mehrere Verehrer hat. Aber alles noch kindlich harmlos. Da wird nicht mal gefummelt, aber schon geküsst.

Die Kleine ist recht zierlich, aber wehe jemand wagt es über Lesben zu lästern. Laut Sabine wird Kerstin dann richtig wild! Ihr Vater ist ein Schwarzgurt im Taekwon-Do und unterrichtet sie seit vielen Jahren. Er war kein guter Ehemann, wie mir Sabine gesteht. Er ging stets fremd und hat vier (un)eheliche Kinder. Aber Kerstin liebt er wirklich. Er kann also kein so schlechter Vater sein. Aber ein Idiot.

Wir haben Sabine schon öfer besucht. Und letzte Woche hat sie einem Interview zugestimmt, das ich mit ihr und ihrer Partnerin führen möchte.
„Wann und wo habt ihr euch kennengelernt?“, will ich wissen. „Und war es wirklich Liebe auf den ersten Blick?“
Sabine streicht sich fast verlegen durch die blonden Haare und Heike schaut sie liebevoll an. Sie ist dunkel, mit grünen Katzenaugen. Treu wie Gold und Kinderlieb.
„Es war auf der Hochzeit einer Bekannten“, beginnt Sabine. „Ich war ebenfalls eingeladen und wollte ursprünglich nicht mal gehen.“
„Warum das denn?“, frage ich sofort nach, obwohl ich die Antwort bereits kenne.“
„Weil es mich traurig machte, wenn andere Menschen glücklich waren“, sagt Sabine mit ernstem Blick. „Mein Ex-Mann hat mich nach Strich und Faden betrogen. Es hat 3 Jahre gedauert, bis ich wieder vertrauen konnte. Und dann hat mich mein neuer Freund auch verlassen. Wegen eines Motorrades, dem er verfallen war. Er wollte mich immer mitnehmen, aber ich hatte einfach Angst. Was wenn wir einen Unfall hätten? Ich muss doch an meine Tochter denken. Aber er hat das nicht kapiert.“
Manche lernen’s nie.

Das Interview wird kurz unterbrochen, denn Wildfang Kerstin stürmt in den Raum. Aufgeregt winkt sie uns zu.
Im Gefolge hat sie ein asiatisches Mädchen, das mich sofort verzaubert.
„Tante Mayumi, Tante Yuki, schaut wen ich mitgebracht habe! Das ist Mamiko!“ (Tochter von Mami)
„Mamiko-chan“, sage ich leise auf Japanisch und ernte ein scheues Lächeln. „Wir haben fast die gleichen Namen. Ich bin Mayumi. Du weißt doch, was das heißt?“
Die Kleine nickt und strahlt. Wir wechseln einige Worte, dann laufen die Mädchen nach draußen. Ich wechsele einen Blick mit Yuki und Elfchen nickt. Ihr Kinderlein kommet.

Nun ist Heike an der Reihe. Nun muss sie gestehen. Und das macht sie gern.
„Kanntest du Sabine schon?“, frage ich.
„In einer Kleinstadt kennt man sich eher“, ist die lächelnde Antwort. „Ich hatte sie schon gesehen. Ein Gesicht in der Menge, das Frau schwer vergisst. Da bin ich ehrlich.“
„Ach?“, empört sich Sabine gespielt. „Das hast du mir noch nie gesagt!“
„Du musst nicht alles wissen meine Süße“, erwidert Heike lachend. „Frau darf auch so ihre kleinen Geheimnisse haben. Stimmt’s Yuki?“
Elfchen nickt bezeichnend und schaut mich frech an.
Verschwörung der Elfen? Das wird interessant!

„Und  sie fiel dir dann gleich auf dieser Feier auf?“, frage ich weiter. „Und warum warst du eigentlich dort?“
„Das ließ sich kaum vermeiden“, sagt Heike. „Die Braut ist meine Schwester.“
Alles lacht und ich notiere, dass Frauen meist zu albern sind. Ich natürlich auch.
„Sabine fiel mir sofort auf“, fährt Heike fort. „Sie hat so zerbrechlich und verloren gewirkt.“
„Mama Butch“, necke ich Heike und sie lacht.
„Ja“, sagt sie. „So bin ich. Ich muss auch immer helfen.“
„Und du kanntest Heike auch?“, richte ich das Wort an Sabine.
„Jein“, erwidert sie. „Ja, ich hatte sie bereits gesehen. Aber ohne mir viel dabei zu denken. Du siehst Menschen, aber du kommst nie in Kontakt.“
„Was ich an diesem Tag geändert habe“, gesteht Heike.
Mutige Frauen braucht das Land.

„Du hast sie einfach so angesprochen?“, will ich wissen. „Ich dachte immer, das sei mein Part.“
„Wer hat denn wen bitte angesprochen?“, fragt Yuki mich prompt. „Ich dich, falls du dich erinnerst.“
„Ach ja?“, necke ich sie. „Eigentlich ging es dir ja um meine Hose. Das Gespräch habe ich in Gang gebracht.“
„Ihr seid echt der Wahnsinn“, sagt Sabine und schaut uns abwechselnd an. „Wenn man euch zuhört könnte man an Streit denken. Aber ich weiß, es ist nur Spiel.“
Elfchen lacht und schmiegt sich in meinen Arm.
„Ja“, sagt sie. „Die Dicke ist wirklich eine Puppenspielerin.“
Dabei bin ich nur Yukis Marionette. Aber das habt ihr euch bestimmt schon so gedacht.

Fortsetzung folgt …

Japanerinnen und Gaijin – Wenn sich Frauen trauen

Bei westlichen Männern geht die Legende, dass Japanerinnen einfach zu haben sind. Gezielt kommen Sex-Touristen nach Japan, um dort die sanfte Frau fürs Bett zu treffen. Und fahren meist enttäuscht wieder ab. So einfach ist das nicht mit der willigen Japanerin.

Woher stammt nun die Legende? Sind daran wieder Pick-Up-Artists schuld? Junge Japanerinnen sind oft anders, als es noch ihre Mütter waren. Deutlich an Europa, oder den USA interessiert, öffnen sie den Horizont für neue Kontakte. Nicht die Schenkel meine Herren. Das machen wirklich nur die Schlampen. Und die gibt es in jedem Land.

Englisch als Sprache steht in Japan hoch im Kurs. Aber die Umsetzung ist oft schwierig. Das gilt auch für Deutsch, oder Spanisch. Alles Sprachen, die für JapanerInnen nicht ganz einfach sind. Und doch kann Frau sie lernen. Und macht es mehr als Mann.

Ja, es gibt in Japan die „Gaijin-Jägerinnen.“ (Junge) Frauen, die gezielt mit westlichen Männern schlafen. Darüber möchte ich kein Wort verlieren. Irrungen und Wirrungen gibt es auf der ganzen Welt. Ich möchte von der normalen Japanerin erzählen, die vielleicht etwas mehr an Bildung hat und schon im Ausland war.

Das japanische Wort Gaijin (Mensch von draußen) wird vorwiegend für westliche (weiße) Ausländer verwendet. Niemals für einen anderen Asiaten, oder im Ausland lebenden Japaner. Laut wikipedia ist das Wort am schwinden, was ich bezweifeln möchte. Es wird noch sehr häufig genutzt. Und eigentlich heißt es Gaikokujin, wird aber immer abgekürzt.

In der Regel wirken Japanerinnen schüchtern. Was in der Tradition begründet liegt. Aber manche bringen durchaus den Mut auf und sprechen westliche Männer an. Nicht um Sex zu haben, pure Neugier steht im Vordergrund. Oft ist es auch eine völlig falsche Vorstellung von der fremden Kultur, die Japanerinnen so handeln lässt.

So gelten Italiener als romantisch, Spanier als leidenschaftlich und Deutsche werden als zuverlässig klassifiziert. In Bars, Clubs, oder Vereinen, gibt es regelmäßige Sprachabende für Lernwillige, die gern andere Menschen treffen. Alles ganz harmlos und ohne Zwang. Aber durchaus mit Konsequenzen. Liebe kennt keine Grenzen, das ist auch in Japan so.

Aber die japanische Höflichkeit verwirrt oft Männer und lässt sie die Dinge anders sehen. Ein zartes Lächeln, ein scheuer Blick, wird sofort als Versprechen für mehr genommen. Ein möglicher Kontakt zwischen Gaijin und Japanerin muss langsam wachsen. Wählt Mann sie nur wegen der Mandelaugen aus, so wird sie das schnell bemerken und jedes Interesse verlieren.

Die kulturrellen Unterschiede sind oft riesig. Und es bedarf einer Menge Toleranz, Verständnis und Respekt, um dem jeweils anderen Partner dauerhaft ins fremde Land zu folgen. Einfacher, aber nie ganz einfach, ist es im Ausland lebende Japanerinnen zu treffen und vor den Traualtar zu führen. Nur mich und Yuki nicht. Wir haben uns bereits gefunden und sind ein Ehepaar.

Fazit: Wer ein zartes, scheues Sex-Püppchen sucht, der ist in Japan falsch. Eigentlich in ganz Asien und auf der ganzen Welt. Aber das habt ihr bestimmt alles schon gewusst.

Doko iku no? – Wohin gehst du?

Wenn Yuki und ich japanisch sprechen vermeiden wir Dialekt. Unsere Aussprache ist quasi das „hochdeutsche“ der japanischen Sprache. Aber zumindest ich kann auch anders. Bekanntlich stammen meine Eltern aus der Region Fukuoka. Und dort spricht man Hakata-ben. Zu meinem Glück haben sie Wert darauf gelegt, dass Klein-Mayumi sauber redet. Aber bei Besuchen in Japan hat mir Ken schnell Dialekt vermittelt. Und den kann ich nun perfekt.

Aber keine Angst, dies wird nun kein Sprachführer durchs Japanische. Grammatik, Schriften und Aussprache können Ungeübte in den Wahnsinn treiben. Und wer soll mich dann lesen? Und eigentlich fand ich Fukuoka-Dialekt bisher wenig erwähnenswert. Yuki meint frech, dass sei eine ländliche Sprache. Aber sie versteht das auch.

Auslöser des Beitrags sind zwei junge Japaner, denen wir in der Stadt begegnen. Das Paar steht ratlos auf der Straße. Für mich ist klar, die haben sich verlaufen!
Als sich unsere Blicke treffen leuchten die Augen der Frau hoffnungsvoll.
„Entschuldigung, sprechen Sie Japanisch?“, flüstert sie.
„Ja“, erwidere ich. „Sieht man das nicht?“
Yuki schnauft kurz, der Fettnapf gehört mir.
Aber das Pärchen lacht, Japaner unter sich.

Nach den ersten Worten wird klar woher die beiden kommen. Das ist ganz klar Fukuoka-Dialekt! Sofort verfalle ich in die gleiche Weise und gewinne zwei Herzen für mich. Dumm nur, dass ich die nicht brauche.
„Doko iku to?“, frage ich die Frau und sehe nun vielleicht Japanisch-Sprecher verwirrt. Und nein, das ist kein Fehler!
Die Frage „Wohin gehen Sie / wohin gehst du“, ist mit „Doko iku no / Doko ni iku no“ zu übersetzen. Aber statt der Endsilbe -no, setzt man in Fukuoka -to ein.
Und das habe ich gemacht. Höflich, formell klingt der Satz zwar anders. Aber wir sind im gleichen Alter und niemand sieht das eng.

Das Paar ist auf Hochzeitsreise, die Frau im dritten Monat schwanger. All das erfahren wir in den ersten Minuten und laden die beiden spontan zum Mittagessen ein. Misaki und Naoki sind ihre Namen. Misaki ist Lehrerin und ihr Mann Ingenieur. Und Deutschland finden sie toll.
„Wir sprechen beide etwas Deutsch“, sagt Misaki verlegen. „Aber es hat leider nicht ausgereicht.“
Sie ist die Forschere, die Wortführerin. Ihr Mann bleibt im Hintergrund.
Göttinnen wie wir!

Wir sprechen über Kinder und dass Misaki auch ein Mädchen will.
„Ein Junge wird es!“, meldet sich nun doch Naoki zu Wort. Aber er lacht bei den Worten, er meint sie nicht so.
„Es ist mir völlig egal“, erklärt er. „Wichtig ist, dass es ein Kind der Liebe ist.“
„Liebe ist alles was zählt“, stimme ich zu.
„Haben Sie schon Kinder?“, will Misaki wissen. „Sie wollen doch bestimmt welche?“
Naokis Blick ist bühnenreif. Männer sind schon komisch.

Misaki hat mit einem Blick unsere Ringe gesehen. Und Hand in Hand gingen wir auch.
Sie lächelt verschmitzt bei ihrer Frage und meine Yuki strahlt.
„Ich werde die leibliche Mutter sein“, sagt sie bestimmt. „Mayumi kann schlecht Kinder bekommen.“
Naoki versinkt fast im Boden vor Scham.
„Entschuldigung“, stammelt er. „Ich … ich habe das nicht bemerkt.“
Wie auch? Auf keiner Stirn steht „Lesbe.“

„Kein Problem“, erwidere ich. „Ja, Kinder wollen wir. Mädchen natürlich! Es werden immer Mädchen sein.“
Yuki lacht und fasst mir an die Stirn. „Meine Frau fantasiert gern“, sagt sie frech. „Einen Jungen mag sie ebenso.“
Wir unterhalten uns gut, die Zeit vergeht im Flug. Dann müssen wir leider los.
„Möge Buddhas Segen Sie auf Ihrem Weg begleiten“, sagt Misaki, als wir gehen. „Doko iku no?“, fügt sie fast unhörbar hinzu.
Ich zwinkere ihr zu. Dann gehen wir. Unseren Weg. Immer unterm Regenbogen.

Wenn der Kom­mi­li­to­ne fummelt

Nyah ist neu an der Uni, Nyah ist aus dem Tschad. Schon als Kind ist sie nach Deutschland gekommen und spricht die Sprache nun perfekt. Ihr Wunsch ist Jura zu studieren, da sie anderen Menschen helfen will. Nyah hat viel erlebt in ihrem Leben, auch Anfeindungen gegen ihre Person. Als Kind war sie „die Schwarze“, oder das „Mädchen aus Afrika.“

Nyah ist ein stilles Mädchen. Etwas schüchtern, aber positiv eingestellt. Ihre ersten Tage an der Uni sind spannend, sie muss hier ihren Weg erst finden. Da hilft es, wenn ältere Semester sich kümmern. Nyah ist Single, sie hat noch keinen Freund gehabt. Schule und (Aus)Bildung sind ihr wichtiger, als flüchtiger Körperkontakt.

Simon ist nicht neu an der Uni, Simon ist ein alter Fuchs. Und als seine Augen Nyah sehen, wird die Lust in ihm geweckt. Er sucht Nyahs Nähe und macht sich bekannt. Seine helfende Hand sucht immer wieder den Körperkontakt, gern fasst er die dunkle Schönheit an.

Nyah ist verunsichert. Zwar mag sie Simon, seine Hilfe, die Hände sind ihr unagenehm. Nyah hat Angst etwas zu sagen, in ihrer alten Heimat widersprechen Frauen nicht. Die Sache eskaliert, als Simon sie zur Party bittet. Um neue Kontakte zu knüpfen geht Nyah widerwillig mit. Ein Fehler, wie sie schnell bemerkt.

Kaum Frauen, aber umso mehr Männer, finden sich in dem Verbindungsheim. Prompt wird sie angestarrt und kommentiert. Nyah hat Angst, sie will nach Hause gehen. Aber Simon bittet sie zu bleiben, er habe noch eine Überrschung für sie. Und die Überrschung gibt es wirklich, als er sie in ein Nebenzimmer lotst und zu küssen versucht.

An dieser Stelle gibt es einen harten Schnitt, die Handlung wird kurz unterbrochen. Die Kriminologin Katrin List bringt es in ihrer Studie auf den Punkt. 81 Prozent der Studentinnen haben bereits sexuelle Belästigung erlebt. Vergewaltigungen seien aber selten. Lediglich 3,3 Prozent der Befragten gaben an, während ihrer Studienzeit sexuelle Gewalt im strafrechtlichen Sinne erlebt zu haben.

Ich habe diese Art der Anmache am eigenen Leib erlebt. Viele Männer interessiert es nicht, ob Frau lesbisch ist. Nur weiß ich mich zu wehren, mit Worten und zur Not mit Tat. Und auf Männerparties gehe ich nicht, ich lebe meist in einer Frauenwelt. Und Frau muss sich zwingend gegen Belästigungen wehren. So, wie ich.

In den USA gibt es weitaus mehr Übergriffe. Sexuell verklemmte Männer nehmen sich mit Gewalt, was Frau nicht freiwillig gibt. Positiv: dort wehren sich immer mehr Studentinnen mit Beschwerden gegen diese Art der Gewalt. Und die Hochschulen reagieren zögernd. Und Deutschland macht das auch.

Nyahs Fall nimmt eine positive Wendung, als ein nigerianischer Kommilitone den Raum betritt. Mit einem Blick erkennt er die Situation und stößt Simon zurück. Nyah zittert und ist kaum zu beruhigen. Anzeige gegen Simon will sie keine machen, aber ihr Retter besteht darauf. Sein Name ist Ochuko und das heißt Geschenk. Und genau das wird er für Nyah werden.

Simon wird nach § 177 StGB wegen sexueller Nötigung angeklagt und in letzter Konsequenz noch von der Uni verwiesen. Es war nicht der erste Vorfall dieser Art. Neben Nyah melden sich noch zwei weitere Studentinnen zu Wort, bei denen Simon seine Masche ebenfalls versuchte. Eine davon hat er sogar geschlagen.

Niemand weiß, wie weit Simon bei Nyah gegangen wäre. Für ihn war es ein harmloser Kuss. Für Nyah Gewalt gegen ihre Person. Und damit hat sie recht. Nach § 177 Abs. 1 StGB ist eine sexuelle Nötigung eine Nötigung, die auf die Vornahme oder Duldung sexueller Handlungen gerichtet ist, wobei der entgegenstehende Wille des Opfers durch den Täter gebeugt wird.

Ich habe Nyah vor einigen Jahren bei Freunden getroffen und sie hat mir diese Geschichte erzählt. Durch mich ist sie zum Karate gekommen und Ochuko auch. Den hat sie übrigens geheiratet. Nicht wegen der Tat, es war Liebe auf den ersten Blick. Und Ochuko darf auch bei ihr fummeln, wie sie verlegen gesteht.

Unverhofft kommt oft

Es ist Samstag, 25.Oktober. Wochenende, Hochzeitstag. Ich verwüste die Küche und Yuki hält sich entsetzt die Augen zu. Aber ich habe mir nun mal in den Kopf gesetzt zu kochen. Auch, weil ich das wirklich kann. Gut, auf Kleinigkeiten, wie Ordnung halten, wird dann nicht geachtet. Aufräumen kann Frau immer noch. Yuki und ich streiten nie. Nur in der Küche versteht sie keinen Spaß, die bleibt meist ihr Revier. Ich darf dann auch alle fünf Minuten mit ihr rechnen, mit neugierigen Blicken und einem frechen Kommentar. Aber das Essen schmeckt ihr doch.

Schön wie die Wange glühet
Am Hochzeitstag der Braut.
(Aus „Heidelieder“, von Hoffmann von Fallersleben)

Ich habe ein Gespür für Situationen. Und an diesem Tag liegt etwas in der Luft. Es ist zu still, das Telefon bleibt tot. Haben die Freunde uns vergessen? Und auch meine Eltern schweigen. Normal ist anders. Dann klingelt es Sturm an unserer Tür. Noch im Flur höre ich eine bekannte Stimme rufen.
„Aufmachen, Barbie-Cousinchen, der beste aller Kens ist da!“
Fassungslos schließe ich meinen Lieblings-Cousin in die Arme, der über beide Backen grinst.
„Überraschung!“, ruft er immer wieder und Yuki bekommt auch einen familiären Kuss.
Der verrückte Kerl hat sich Urlaub genommen, um uns zu besuchen. Als Selbstständiger für ihn kein Problem.

An jede fernste Türe
muss der Wanderer klopfen,
bis er zur eigenen gelangt,
durch alle äußeren Welten muss man ziehn,
zuletzt zum Allerheiligsten zu kommen.
(Rabindranath Thakur, „Die Zeit, die meine Reise braucht“)

Irgendwie ist mir die Sache nicht geheuer. Ich kenne Ken und bei Lügen war er niemals gut. Etwas verbirgt er noch vor mir.
Es sind keine zwanzig Minuten vergangen, Kens Bestechung mit Schokolade hat wenig eingebracht, als es erneut bei uns klingelt.
Linda samt Frau und einer ganze Horde Mädels stürmt unser Heim. Sie wirken wenig überrascht, als sie Ken bemerken.
Und wieso grinst der so? Dem Typ trete ich gleich ans Bein!
Auch Yukis Eltern geben sich die Ehre, nur meine bleiben unsichtbar.
Und das kommt mir sehr unjapanisch vor.

In des Ozeanes Ferne,
Nur von Träumen überbrückt,
Unerreichbar wie die Sterne,
Schienest du der Welt entrückt.

Eine Mythe, eine Sage,
Klang dein Name unsrem Ohr,
Und ein Rätsel, eine Frage,
War verriegelt uns dein Thor.
(Josephine von Knorr, „Japan“)

Linda improvisiert lässig eine Party, Essen und Getränke hat sie mitgebracht.
Mein Schwiegervater fühlt sich sichtlich wohl mit all den Frauen. Dass die lesbisch sind interessiert ihn nicht. Prompt hält er eine seiner Reden und alles lauscht gebannt.
Und reden kann der Mann! Er ist ein Großmeister mit seinen Worten, ein Rhetoriker der besonderen Art.
„Ken!“, rufe ich nach meinem Cousin, der sich erfolglos zu verstecken sucht. „Was ist hier los?“, will ich wissen. „Wo sind meine Eltern hin?“
Aber mein Cousin hält sich den Mund zu und wehrt mit der anderen Hand schnell ab.
„Ich weiß von nichts, mich darfst du auf keinen Fall fragen“, nuschelt er. „Ich habe versprochen …“
Ein Versprecher der besonderen Art.

Heil Dir, geliebtes Paar! Du hast errungen,
Was inenschlich schön nur Wenigen gelungen,
Und reich beglückt des Himmels Huld erfahren.
(Rudolf von Reibisch, „Hochzeitsgedicht“)

Als das Handy klingelt denke ich an meine Eltern. Aber es ist nur Wolf, der uns ebenfalls gratuliert. Übergangslos erzählt er mir von einem Test, den wir am Wochenende machen. Die Details klingen wirklich gut, ich werde bei Gelegenheit berichten. „Und Mayumi“, fügt er noch hinzu. „Du solltest in fünf Minuten aus dem Fenster schauen.“ Dann lacht er und legt auf. Aber warum ich schauen soll, das verschweigt er mir, der Wicht!

Wieder klingelt das Handy und mein Vater ist am Rohr.
„Tochter“, verkündet er, „alles Gute zu eurem ersten Hochzeitstag! Und wenn du die Güte hättest deinen alten Eltern die Tür zu öffnen?“
Yukis Schrei reißt mich vom Handy weg. Ich fliege durchs Zimmer und neben sie ans Fensterle.
„Da, da … schau doch nur!“, stammelt sie voller Freude und deutet auf einen roten Flitzewagen.
Die Runde ist verstummt, ich blicke in erwartungsvolle Gesichter.
„Ihr habt mich alle verladen“, sage ich gespielt eisig. „Das schreit nach fürchterlicher Rache!“
Warum lachen die nun alle? Sehe ich etwa so wenig gefährlich aus?

Es gibt kein halten mehr für mich, im Sauseschritt geht es die Treppe herab. Schon stehe ich vor Tür. Und mit mir, die ganze Bande.
Rot, breit und böse fauchend rollt der Roadster auf mich zu. Am Steuer … meine Mutter! Und mein Papa nebenan.
„Alles Liebe für euch“, wünschen meine Eltern. „Das da“, sie deuten auf den Wagen, „ist euer Geschenk zum ersten Hochzeitstag.“
„Und wir alle natürlich“, verkündet Ken nun ohne Lüge und mit Stolz. „Wir haben das von langer Hand geplant.“
Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.

Durch das große Weltgetriebe
Klingt ein hoher Gotteslaut:
Elternliebe, Elternliebe!—
Selig, wer ihr stets vertraut!
(Karl Hermann Schauenburg, „Die besten Eltern“)

Ein Zeitsprung, der Samstag ist Geschichte. Es ist der Sonntag nach der improvisierten Feier.
Ja, die war lustig, laut und schrill. Alle meine Lieben um mich versammelt. Was will Frau noch mehr in diesem Leben?
Ken wird bei meinen Schwiegereltern wohnen. Die haben Platz und mögen den Kerl.
Und einen neuen Kerl habe ich auch, oder besser wir. Unser neuer Z, der wieder auf die Firma von Yukis Vater läuft. Ein Testwagen der besonderen Art. Langsam sind jetzt nur die anderen, dieser Nissan ist teuflisch schnell. Und auch, wenn ich schon längst die Langsamkeit für mich entdeckte, dieser rote Z ist immer eine Sünde wert.
Unverhofft kommt eben oft.

Es kummt offt über Nacht, was sonst kam kaum auffs Jahr;
Es brachte heut ein Kind, die gestern Braut noch war.
(Friedrich von Logau, „Unverhofft kummt offt“)

Von Elfen, Liedern und der Liebe

Hallo Welt, hier schreibt Yuki!

Seit mehr als einem Jahr gibt es den Blog meiner Frau. Seit mehr als einem Jahr schreibt sie dort auch über mich. Und nicht nur seit diesem Jahr zieht sie mich in ihren Bann. Sie sagt immer, dass ich sie verzaubert habe. Aber wenn Liebe Zauberei ist, so haben wir uns gegenseitig verzaubert. Und das täglich und immer wieder. Dafür mag ich ihr an dieser Stelle öffentlich danken.

Ich schreibe diese Zeilen spontan, während Elton Johns Lied „Your Song“ in der Interpretation der fantastischen Ellie Goulding läuft. Ich habe den Text des Liedes leicht verändert, Elton möge mir verzeihen. Aber ich bin mir sicher er wird. Und Ellie sowieso. Ich singe leise mit und Mayumi lacht.

„It’s a little bit funny, this feeling inside
I’m not one of those who can easily hide“

Gefühle zu zeigen schickt sich nicht für eine Japanerin. Darin bin ich recht gut. Ein Lächeln, eine Maske der Vernunft. Aber im Gegensatz zu Mayumi bin ich ein offenes Buch. Im Gegensatz zu ihr kann ich Gefühle schlecht kontrollieren. Aber durch sie habe ich viel gelernt. Auch über mich.

„I don’t have much money, but girl if I did
I’d buy a big house where we both could live“

Es ist unser Traum ein eigenes Haus zu haben. Ein Haus mit Garten, vielleicht einem kleinen Teich. Mit Bäumen und Büschen und allerlei Getier. Die Frage ist nur wo. Japan lockt. Trotz aller Nachteile für ein lesbisches Paar, ist Japan noch immer unsere Heimat. Wir sind dort geboren und wenn wir es wirklich wollen, so werden wir dort auch leben können. Aber wollen wir das?

„I know it’s not much, but it’s the best I can do
My gift is my song, and this one’s for you“

Scherzhaft hält sich Mayumi die Ohren zu. Und ich blamiere sie nun dafür. Dabei kann ich wirklich gut singen! Na ja fast. Aber zur Liebe gehört auch Unvernunft. Und manchmal mag auch ich einfach nur unvernünftig und verrückt sein. Das habe ich von ihr gelernt. Nicht immer nur Kontrolle. Einfach den Tag genießen. Spontan zu sein. Vor allem aber niemals aufzugeben und für meine Träume einzustehen. Durch Mayumi haben meine Träume Gestalt bekommen. Ihre Gestalt! Und sie malt täglich mit ihrer Liebe, ihren Worten neue Bilder für mich, für uns!

„I hope you don’t mind, I hope you don’t mind that I put down in words
How wonderful life is while you’re in the world“

Durch sie und mit ihr ist mein Leben noch lebenswerter geworden. Und ich bin mehr als stolz darauf ihre Frau zu sein. Oder ihre Elfe, wie sie mich gern nennt. Für all die Jahre, all diese wunderbare Zeit mag ich diese Zeilen schreiben. Auch für unsere Zukunft. Vielleicht auch für unsere Kinder. Denn einen besseren Menschen als sie, den finde ich nicht. Aber eigentlich ist sie kein Mensch, eigentlich ist sie meine Feenkönigin. Und zusammen leben und lieben wir im Elfenhain. Für immer.

Vielen Dank fürs lesen!

Yuki

Späte Liebe

Regen ist, wenn Engel weinen. Regen, so heißt es, wäscht die Sorgen fort.
Aber Allison hat keine Tränen. Und die Sorgen sind riesengroß.
Eine Frau im Aufruhr der Gefühle. Heute hat sie sich von Jeff getrennt.
Ihre Ehe ist gescheitert. Sechzehn Jahre sind vorbei.
Nichts ist für die Ewigkeit, nichts bleibt wie es war.

Allison weicht der Pfütze nicht aus. Was sind schon nasse Füße?
Ihre Seele leidet, ihr Herz schlägt rasend schnell. So schnell wie damals, als sie Jeff getroffen hat.
Bilder aus besseren Tagen fluten ihren Verstand. Ein zauberhaftes Lächeln, ein erster, süßer Kuss.
Allison ist Zwanzig, als sie den Arzt Jeff Morgan trifft. Er ist zehn Jahre älter, ein liebenswerter Alpha-Mann.
Mit Witz und Verstand erobert er ihr Herz. Zwei Kinder kommen später.
Familie, Liebe, Glück.

Jeff ist erfolgreich, er ist ein guter Arzt und Vater. Familie ist ihm wichtig, Kinder sind sein Lebensglück.
Allison kann nicht klagen, die Ehe harmoniert. Zwei Menschen, ein Ziel. Aber echte Erfüllung sieht anders aus.
Schon vor Jahren hat sie sich darüber mit ihrer besten Freundin Kate ausgetauscht. Kate ist Friseurin mit eigenem Salon.
„Jeff gibt mir alles“, sagt Allison. „Sicherheit, Liebe und auch Sex.“
„Und Langeweile“, fügt Kate hinzu. „Wann hast du zum letzten Mal richtig gelacht?“
Abwechslung, Spannung, das fehlt ihrer Ehe. Allison weiß das und hat sich doch arrangiert.
Im Gleichschritt, Marsch!

Es ist ein warmer Sommertag vor einem Jahr. Wie jede Woche betritt Allison das Friseurgeschäft.
Kate begrüßt die Freundin herzlich. Die Frauen umarmen sich.
„Ich habe einen Neuzugang“, verrät sie Allison. „Robyn ist seit zwei Tagen hier und verzaubert alle. Sie wird dich frisieren, das ist doch okay?“
Allison nickt und schaut die neue Friseurin an. Prompt versinkt sie in einem dunklen Blick.
Ein Lächeln schwebt durch den Raum und es trifft Allison wie ein Schlag.
Können Augen lügen?

Kurze, frech geschnittene Haare verleihen Robyn einen fast schon wilden Look. Nie zuvor hat Allison solche Anmut gesehen.
„Hallo, ich bin Robyn“, stellt die Frau sich vor.
Allison hört die Worte und ist wie verzaubert. Sind Worte schon Magie?
„Robyn war früher beim Theater“, erzählt Kate weiter. „Aber dort hat man Stellen eingespart. Du weißt ja, wie das ist. Und nun ist sie bei mir.“
„Ich bin Allison, freut mich“, sagt Allison verlegen und reicht Robyn ihre kleine Hand.
Haut auf Haut, das Schicksal führt Regie.

Allisons Herz rast, eine Hitzewelle schenkt ihrem Gesicht dezente Röte.
Kate schmunzelt und geht auf eine andere Kundin zu. Frauen brauchen keine Worte, Frauen verstehen sich blind.
„Wie darf ich Ihnen denn die Haare machen?“, will Robyn wissen, als Allison Platz genommen hat.
Geschickte Finger gleiten an den seidigen Strähnen entlang und Allison fühlt eine Gänsehaut.
„Sie haben wunderschöne Haare“, fährt Robyn lächelnd fort. „Vielleicht darf ich einen Vorschlag machen?“
„Ja … ah“, stottert Allison und schließt kurz die Augen.
Was nur passiert hier mit ihr?

Robyn frisiert und die Frauen reden. Nur mit Mühe bleibt Allison gelassen.
Robyns Nähe verwirrt sie. Die kleinen Berührungen, die geschickten Finger, ihr Duft.
Allison hat nie zuvor eine Frau geküsst. Nie zuvor hat sie etwas derartiges für eine Freundin empfunden.
„Was denke ich da nur?“, geht es ihr durch den Kopf. „Ich bin doch nicht …“
Aber selbst in Gedanken verweigert sie das Wort.
Kates Blick trifft erneut den ihren. Die Friseurin nickt.
„Weiß sie, was ich fühle?“, durchzuckt es Allison.
Robyns Augen lächeln nur.

Es ist eine Flucht als Allison zahlt und eilig das Geschäft verlässt.
Ihr Herz rast noch immer und nur mühsam kann sie sich beruhigen. Abends ruft Kate bei ihr an.
„Was war das denn heute Morgen?“, will sie wissen. „Ist alles in Ordnung bei dir?“
„Ich habe keine Ahnung“, erwidert Allison wahrheitsgemäß. „Wer …, was ist diese Frau?“
Kate lacht wissend.
„Ich weiß genau, was du nun fühlst“, sagt sie leise. „Mir und allen anderen Mädels ging es ebenso. Robyn ist eine Göttin unter Frauen.“
„Aber ich liebe meinen Mann!“, entfährt es Allison sofort. „Jeff ist …“, ihre Stimme versagt.
Können Frauen andere Frauen lieben?

Sechzehn Jahre Ehe gehen niemals spurlos vorbei.
Die Mädchen sind Acht und Zehn. Mutter sein ist manchmal schwer.
Allison vermisst die ungezwungenen Stunden mit Jeff. Er ist oft angespannt und müde. Aber immer ein sanfter Mann. Aber ein Mann der bestimmt, der dominiert.
„Hast du schon mal mit Frau …?“, will Allison wissen. „Ich meine … du weißt schon, was ich meine.“
„Als Teenager auf der High School“, gibt Kate zu. „Da war dieses Mädchen. Und die war einfach süß!“
„Und später?“, hakt Allison sofort nach. „Hast du mit noch mehr …?“
„Ja“, sagt Kate nach einer kurzen Pause. „Das ist mein kleines Geheimnis. Und nun weißt du auch davon.“
Deine Wahrheit, meine Wahrheit.

Allison kämpft mit sich in den nächsten Tagen. Mehrfach will sie den Termin absagen.
Aber sie geht dann doch in den Friseursalon. Und Robyns Augen lächeln.
Die Magie des Augenblicks bleibt weiter bestehen. Woche für Woche werden die Frauen sich sehen.
Allison weiß tief in ihrem Herzen, was mit ihr geschieht. Zwei Monate nach dem ersten Blick lädt Robyn sie ins Theater ein.
„Ich habe noch immer gute Kontakte“, hat sie Allison erklärt. „Und du wolltest das Stück doch auch gern sehen?“
Längst sind die Frauen beim vertrauten Du gelandet, längst haben sie Gemeinsamkeiten erkannt.
Und Kate ist nun die, die wissend lächelnd.

Die Liebe ist stärker, als alle Bedenken. Nach der Vorstellung kommt es zum ersten Kuss.
Allison lebt Gefühle, die neu und doch vertraut für sie sind. Zwei Menschen, eine Seele.
Kate ist die Erste, die es erfährt. Und sie versteht und lächelt wieder.
Allison und Robyn werden ein heimliches Paar. Die Zeit vergeht, die Liebe bleibt.
Aber Heimlichkeit tut niemals gut. Robyn verlangt nichts, aber Allison will auch den letzten Schritt.
„Ich werde mit Jeff sprechen“, erklärt sie ihr. „Du bist mir wichtiger, als mein altes Leben.“
Robyn küsst sie sanft und sagt „Ich stehe zu dir.“
Aber Worte sind nie einfach und manche Worte brauchen Zeit.
Gibt es den richtigen Moment?

Jeff hat das Ende ihrer Liebe nie bemerkt. Tief verletzt verlässt er das Haus. Und auch Allison schließt die Tür.
Die Mädchen sind bei Freundinnen an diesem Wochenende. Auch für sie wird es ein Einschnitt sein. Hoffentlich werden sie verstehen.
Allison wischt sich die nassen Haare aus der Stirn und blinzelt in die Sonne.
Ein Regenbogen erscheint am Himmel. Vielleicht ein Zeichen, vielleicht die Brücke ins neue Glück.
Allison atmet tief ein, die regenschwere Luft tut gut.
Immer wieder hat sie sich gefragt, ob sie nun lesbisch ist. Und immer wieder kommt sie zum gleichen Schluss.
Liebe kennt kein Geschlecht.

„Besser spät, als nie“, murmelt sie leise. „Dann bin ich eben eine späte Lesbe.“
Sie muss lachen und hüpft übermütig in eine weitere Pfütze. Was sind schon nasse Füße?
Regen ist, wenn Engel weinen. Regen, so heißt es, wäscht die Sorgen fort.
Aber Allison hat keine Tränen. Und auch keine Sorgen mehr.
Plötzlich erklingen eilige Schritte hinter ihr. Robyn mit Regenschirm fliegt in ihre Arme.
„Ich wusste, dass ich dich hier finde“, sagt sie zwischen zwei Küssen. „Ist alles gut, ja? Dann lass uns schnell nach Hause gehen.“
Und das hat Allison gemacht.

September im Elfenland

Ein typischer Morgen im Hause Yuki und Mayumi. Wie fast immer bin ich vor meiner Elfe wach.
Ausgeruht und voller Ideen kann so der neue Tag beginnen.
Zeilen eines Haikus schwirren durch meine Gedanken und sofort schreibe ich sie auf.
Nachts ist es bereits empfindlich kalt geworden. Bald hat es ein Ende mit dem Sommer.
September im Elfenland.

Während ich nachdenke fängt unser Wecker zu piepsen an. 7 Uhr dreißig, Zeit um aufzustehen.
Neben mir regt sich meine Elfe.
„Mach aus!“, murmelt Yuki und zieht sich die Decke über den Kopf.
Frech zwicke ich sie in den süßen Po und bekomme einen Kissenwurf zum Dank.
Auch Elfen können biestig sein.

Irgendwelche Gremlins haben meine Socken versteckt. Barfuß marschiere ich in die Küche.
Die Sonne winkt durchs Fenster, es wird ein schöner Tag.
Frühstück ist angesagt. Ich decke den Tisch und koche frischen Tee.
„Kommst du, Elfchen?“, rufe ich und höre ein „Gleich!“
Können Elfen immer schlafen?

Kurz darauf steht eine verschlafene Yuki hinter mir und schnuppert den frischen Tee.
„Magst du Toast, soll ich vielleicht Brötchen holen, oder wollen wir japanisch essen?“, frage ich gut gelaunt.
Elfchen murmelt etwas und setzt sich an den Tisch.
Ich interpretiere das Wort als „Toast“ und suche nach der Marmelade.
„Bitteschön meine Süße“, necke ich Yuki und sie lacht.
Aber richtig wach ist sie noch immer nicht.

„Summer has come and passed
The innocent can never last
wake me up when September ends“, klingt es aus dem Radio.
Ich greife nach Yukis kleiner Hand und fühle ein Kribbeln in meinem Bauch.
„Habe ich dir heute schon gesagt, dass ich dich liebe?“, frage ich.
„Nö“, erwidert sie frech. „Es wird aber auch Zeit dafür. Schließlich bin ich die Mutter deiner zukünftigen Kinder.“
Können Elfen nur das Eine denken?

Ja, das Thema Kind(er) ist wieder auf dem Tisch. Und nicht nur an diesem Morgen.
Falls wir Japan mit Studium und Arbeit unter einen Hut bekommen, wird Yuki schwanger werden. Ken steht schon bereit dafür.
„Endlich Sex mit Frau“, hat er im Scherz gesagt. „Das wollte ich schon immer testen.“
Zur Strafe haben wir ihn so lange gekitzelt, bis er um Gnade gebettelt hat.
Natürlich wird er nicht mit Yuki schlafen. Schwanger werden geht auch anders.
Unser Glück.

Das Telefon klingelt, meine Mama meldet sich.
„Wir sind zu Hause“, lässt sie mich wissen.
Zu Hause, das bedeutet Düsseldorf. Und ich sehe mich schon auf dem Weg.
Yuki nickt sofort, als ich den Vorschlag mache. Wir müssen nur vorher noch bei Wolf vorbei.
Wagentausch ist angesagt, er hat uns eine Überraschung versprochen. Aber davon ein andermal mehr.
Sweet, sweet September blue.

Tee und Toast wecken Yukis Lebensgeister und fröhlich singend verschwindet sie im Bad.
Ich folge und gemeinsam putzen wir die Zähne. Nun kommt das morgendliche Wiegen-Ritual.
„Boah bist du fett!“, neckt sie mich prompt, als die Waage mehr als 53 kg zeigt.
„Ach ja?“, kontere ich. „Hattest du nicht 54 letzte Woche?“
„Ich habe schwere Knochen“, sagt Elfchen mit Unschuldsmiene.
September, i’ll always remember you.

And i can’t fight it
And i can’t choose
The more she wins me
The less i lose (Lyrics by Chris Rea „September Blue“)