Leben und andere Kleinigkeiten

Unser Leben in den USA ist anders. Hektischer. Was auch mit meiner Cousine zu tun hat, wir pendeln oft zwischen Santa Barbara und Los Angeles. Es geht ihr besser. Sie ist aktiver und nimmt am Leben teil.

Unsere Freundschaften halten, das Wetter auch. Und mein 4. Dan rückt in greifbare Nähe. Die Techniken sitzen, die Prüfung werde ich bald in Japan machen. Unter Papas strengen Augen, ist doch klar.

Ich übe mit einem Experten, der auch MMA unterrichtet. Seiner ältesten Tochter habe ich dafür mein Karate beigebracht. Nachdem ich ihr zeigte, wie der Ringboden aussah. Mehrfach versteht sich. Heute sind wir dicke Freunde.

Ken wird mit seiner Schwester ebenfalls zurück nach Japan fliegen. Heimat wir kommen. Schon wieder! „Wie finanziert die Japanerin das?“, werden sich Neugierige fragen. Ich arbeite hart für mein Geld. Mehr muss niemand wissen.

Mein Blog verwaist, mir fehlt die Zeit täglich Beiträge zu lesen. Auch meine Sprache leidet. In meinem Kopf ist ein bunter Mix aus Deutsch, Englisch, Japanisch und Mandarin (chinesisch), das ich unbedingt besser kennenlernen will.

Warum Mandarin? Wir planen einen Aufenthalt in China, genauer den Wudang-Bergen. Feng und Fan Fan werden uns begleiten. Die Reise wird im Frühling 2018 sein. Der Plan ist einerseits unser Tai Chi zu verbessern, aber auch Neugier auf China insgesamt.

Ein kurzer Rückblick. Santa Barbara, 25.10.2017. Der Ort, das Haus von Ally und Heather. Yuki macht Frühstück und ich helfe natürlich mit. Während ich Tee koche kommt mir eine Szene in den Sinn. Und biestig wie ich bin, werde ich sie mit euch teilen.

„Willst du, Mayumi, die hier anwesende Yuki zur Frau nehmen, so antworte mit Ja.“ So oder ähnlich wird es später klingen, wenn wir zum zweiten Mal heiraten werden. Wobei das eigentlich die erste Heirat ist, bisher leben wir nur in einer „eingetragenen Lebenspartnerschaft.“

„Aber eine Heirat in den USA zählt doch in Deutschland nicht automatisch!“, höre ich bereits die berechtigte Kritik. Das ist richtig. Aber wer sagt, dass wir zurück nach Deutschland gehen? Falls doch ist es lediglich ein Federstrich.

„Aber zwei Frauen können doch nicht heiraten!“, werden sich auch einige Homophobe empören. Für die gibt es wie immer meinen wunderschönen Mittelfinger.

„Glaubst du wirklich, dass ich dich heirate?“, will Elfchen wissen und lacht über das ganze Gesicht. „Neun Jahre halte ich dich jetzt schon aus, vielleicht sollte ich mir eine Neue suchen.“

„Mach doch“, erwidere ich ungerührt, „ich schnappe mir dann ein nettes Blondchen.“ „Und wer kocht dir dein Essen?“, kontert Yuki frech. „Du wärst doch längst verhungert ohne mich.“

„Soll das heißen, dass ich dich jetzt vernaschen darf?“, frage ich gut gelaunt und gehe auf sie zu. „Geh weg!“, kreischt Yuki, „ich habe schmutzige Hände!“ Ungerührt werfe ich ihr ein Handtuch zu, das sie sofort als Waffe gegen mich benutzt.

„Willst du mich heiraten?“, frage ich aus sicherer Entfernung und höre etwas, das wie „Baka“ klingt. „Also ja“, sage ich und gebe ihr einen Kuss. „Und jetzt trödle nicht rum du Elfenmaus. Wir haben später noch die Welt zu retten.“ Frech wie Yuki ist hat sie: „Und wer rettet mich vor dir?“ gefragt.

 

 

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Ein Leben lang auf Reise

Unser Leben ist zur Zeit eine große Reise. Waren wir letzte Woche noch in Fukuoka, ist nun Deutschland angesagt. Aber vorher haben wir Zeit in Los Angeles verbracht und einige wichtige Dinge geregelt.

Wie zum Beispiel die Zukunft unseres Apartments, das wir vorübergehend an ein Frauenpaar vermietet haben. Nicht ganz überraschend, haben sich Riko und Madison bei uns gemeldet, die beiden Mädels vom Dina Shore. Sie sind seid Juni in Los Angeles und haben Probleme mit ihrer Wohnung bekommen.

„Wir haben keine Nacht geschlafen, so laut war es dort“, erzählt Madison, als wir uns treffen. Der Vermieter macht Ärger und besteht auf dem Vertrag. Aber Riko ist Anwältin und weiß was sie machen muss. Sie sind schon auf der Suche nach einer neuen Bleibe und wohnen in einem günstigen Motel.

Mir kommt eine Idee, die ich mit Yuki per Augenkontakt abstimme. „Wir können euch unser Apartment überlassen“, biete ich den beiden an, wir werden einige Monate nicht in Los Angeles sein.“ „Vermutlich kommen wir erst im September wieder“, fügt Yuki hinzu, „aber das wissen wir noch nicht.“

Unsere beiden neuen Freundinnen sind total aus dem Häuschen vor Glück. Vor allem, als ich ihnen den Preis nenne und die Lage. Klar ist es teurer als ihr jetziges Motel, aber ich verlange keinen Wucherpreis. Und Sicherheiten haben beide.

Sicher im Flieger, hat uns unser Weg über Düsseldorf nach Stuttgart geführt. Wir waren auch in Hamburg, haben kurz Berlin unsicher gemacht und sind dann nach Frankfurt geeilt. Zur Zeit besuchen wir in Holland Freunde und fahren in Kürze wieder nach Düsseldorf. Und im August ruft wieder Japan.

Yuki nehmen die Reisen mehr mit, als sie eingestehen will. Ich bemerke es und spreche es an. „Alles gut“, sagt sie und strahlt mich an, „wenigstens ist mit dir das Leben nie öde. Die Mama deiner Kinder kann ich später noch spielen.“ Seht ihr nun das wahre Biest?

Eher milde gestimmt, rauscht das politische Leben scheinbar unbeachtet an mir vorbei. Ich verfolge die Neuigkeiten mit Interesse, aber nehme absichtlich Abstand davon. Habe ich aufgegeben?

Fast könnte man das glauben, haben wir doch immerhin unseren bisher größten Sieg errungen. „Wir“, das ist die deutsche LGBT-Community. Wahltaktisch klug von der SPD eingefädelt, wird sie kein Kapital aus der Eheöffnung für alle schlagen. Ohne Merkels Zustimmung, wäre die Sache geplatzt.

„Aber sie hat doch dagegen gestimmt!“, höre ich meine LeserInnen sagen. Ja, das hat sie. Aber sie hat die Abstimmung möglich gemacht. Und da sie das positive Endergebnis vorher kannte, hat sie dagegen gestimmt.

Dieser so einfach, wie geniale Schachzug, hätte auch von einer Japanerin kommen können. Auch wenn ich Merkel nicht mag, das hat sie klug gemacht. Reicht das schon zur erneuten Kanzlerschaft?

Ist das nun der endgültige Durchbruch für Homosexuelle oder doch nur ein weiterer Meilenstein? Ich rechne mit einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht und einer Grundgesetzänderung. Mich stört das wenig, Yuki war schon immer meine Frau.

Die Politik muss vorerst ohne meine Kommentare leben. Und auch  dieser Blog wird vorerst stiller werden. Momentan fehlen mir Zeit und Lust dafür.

Dabei gäbe es eine Menge zu erzählen. Etwa wie ich kurz im MMA unterwegs gewesen bin oder der unschöne Zwischenfall mit einer Koreanerin in Fukuoka.

Ich könnte auch von dem Waisenhaus berichten und wie uns dort die Kinderherzen zugeflogen sind. Aber wir haben entschieden in Zukunft weniger Privates zu zeigen. Auch davon wird der nächste Beitrag handeln. Bis dahin dürft ihr den Sommer genießen. Wir lesen uns. Bis bald!

 

 

 

 

Eine Liebe in Fukuoka

Was macht(e) Frau in Japan, werden sich einige LeserInnen fragen. Fröne ich dem Nichtstun oder ist Arbeit angesagt? Wie schon erwähnt, habe ich meinem Vater assistiert und einige vielversprechende Karate-Talente gesehen.

Auch mein eigenes Training habe ich forciert und hilfreiche Kommentare meines Vaters bekommen. Cousin Ken, der mittlerweile den 2. Dan im Kyokushin Kaikan hält, will es (spaßeshalber) wissen und fordert mich zum Kumite auf. Mit Zustimmung seines Sensei, der darüber auf seine Art lacht.

Ken hat wirklich geübt und ist viel schneller als noch vor einem Jahr. Genau so schnell liegt er wieder auf den Hosenboden. Alle lachen und er gleich mit. „Du bist so gemein, Cousinchen!“, lässt er mich wissen und verbeugt sich vor mir. Wer mir zu nahe kommt, der (f)liegt.

Noch während des Trainings ist mir ein Europäer aufgefallen, den ich sofort als Deutschen erkenne. Ich spreche ihn an und wirklich kommt Peter aus Magdeburg. Vor einem Jahr ist er nach Japan ausgewandert.

„Es war im Urlaub vor zwei Jahren“, verrät er schmunzelnd, „als ich die Frau meines Lebens traf.“ Er stellt sie uns vor, sie holt ihn nach dem Training ab. Momoka ist 45 und Peter 53 Jahre alt. Aber beide sehen viel jünger aus.

Spontan laden sie uns zu sich nach Hause ein. Dass Yuki und ich ein Paar sind, wird von beiden lächelnd zur Kenntnis genommen. Ken muss leider gehen, sein Freund wartet zu Hause. „Morgen gibt’s Revanche, Cousinchen!“, ruft er mir zum Abschied zu und reibt sich demonstrativ den Hintern.

Momoka arbeitet als Tourguide und hat auf diese Weise Peter getroffen. Sie lächelt sehr japanisch, als ich sie frage „War es Liebe auf den ersten Blick?“ Für Peter war das so, Momoka brauchte deutlich länger, um diesen durchaus interessanten Gaijin in ihr Leben zu lassen.

Wer der Chef im Hause ist weiß ich sofort. Peter ist lammfromm neben seiner Ehefrau. Und das sehr gern, obwohl der Mann sich durchsetzen kann. „Ich war mehr als 30 Jahre Polizist“, erzählt er uns. „Aber in Deutschland ist das ein Kampf gegen die Politik.

Ich habe gekündigt und unterrichte in Japan Deutsch und Englisch. Mein Haus in Deutschland habe ich gut vermietet, das Geld reicht also locker. Und Momoka verdient auch sehr gut.“

Wie gut zeigen die beiden uns, als wir ihr Haus betreten. Peter hat es gekauft und ist mittlerweile auch Familienvater. „Bin ich schon länger“, sagt er und grinst, als er uns Bilder seiner beiden erwachsenen Kinder zeigt. „Meine Frau hat sich scheiden lassen, da ich nie zu Hause war. Aber so ist das nun mal so als Polizist.“

Auch Momoka, die mit ihren 1 Meter 59 noch kleiner ist als ich, war schon verheiratet. „Ich habe mich mit 18 Jahren verliebt und ein Jahr später waren wir verheiratet“, erzählt sie uns. „Als ich keine Kinder bekam, hat er mich wieder verlassen.“ Ein Schatten legt sich über ihr Gesicht.

Momoka war tief verletzt und hat lange Jahre keinen Mann mehr angeschaut. Bis Peter kam. „Er ist ein Barbar“, sagt sie und lacht, als es an der Tür klingelt und er kurz den Raum verlässt, „aber ich habe ihn mir gut erzogen!“

Diese für Japanerinnen eher ungewöhnliche Offenheit, ist auf ihren langjährigen Kontakt mit Ausländern zurückzuführen. „Ich war in Frankreich, Italien und den USA“, sagt sie. „Dort habe ich viel über andere Kulturen gelernt.“

Momoka spricht ein fast perfektes Englisch, wenn auch mit typisch japanischem Akzent. „Ich war überrascht, dass dieser Deutsche sich für mich interessierte“, gibt sie freimütig zu. „Wo bin ich denn interessant? Aber ich mag große Männer.“ Peter ist locker über 1 Meter 80.

Auch mit ihren 45 Jahren ist Momoka noch attraktiv. „Wunderbar kochen kann sie!“, schwärmt Peter, der mit einem kleinen Mädchen auf dem Arm den Raum betritt. Hinter ihm geht eine Japanerin, die Momoka sehr ähnlich sieht. „Meine Schwester Riko“, erklärt uns Momoka. „Sie passt auf Hina auf, wenn wir beide arbeiten.“

Hina ist vier Jahre alt und adoptiert. Die Kleine ist zuckersüß und verbeugt sich artig vor uns Gästen. „Ich habe Peter vor die Wahl gestellt entweder ein Kind mit mir zu haben, oder wieder abzureisen“, sagt Momoka. Aber das ist japanischer Humor, den Europäer nur schwer verstehen.

In Wirklichkeit wollten sie beide einem kleinen Mädchen die Familie geben, die sie sonst vielleicht nie gefunden hätte. Hinas leibliche Mutter leidet unter schweren Panikattacken und kann sich nicht mehr um die Kleine kümmern. Ihren Vater kennt sie nicht.

Peter war Schieß- und Einsatztrainer bei der Polizei. „Karate und Jujutsu mache ich seit fast 40 Jahren. Nur ein Meister werde ich nie“, fügt er nach einer kurzen Pause hinzu. „Im Schießen bin ich viel besser.“ Liebevoll schaut er Momoka und Hina an. „Diese beiden sind meine Meisterinnen.“

Wie für viele Menschen, ist Karate für Peter nur Ausgleichssport. „Es hält mich fit“, sagt er. Uns wird die Ehre zuteil, die Kleine ins Bett zu bringen, das von allerlei Kuscheltieren bevölkert wird. Sie hat allen Namen gegeben, wie sie uns munter erzählt. Dann gähnt sie herzhaft und ist einfach eingeschlafen. Kleine Kinder können so einfach sein.

Momoka hat unsere Blicke gesehen. „Möchten Sie Kinder?“, fragt sie leise. Wir nicken beide und sie schmunzelt. „Einen Moment bitte“, sagt sie und schwebt aus dem Raum, um kurz darauf mit einem Zettel wiederzukommen. „Schauen Sie doch einmal in dieses Waisenhaus. Vielleicht werden Sie dort von einem Kind gefunden.“

Gefunden haben wir dann etwas anderes, worüber ich vielleicht im nächsten Beitrag schreibe. Wir sind wieder in Los Angeles, die USA haben uns wieder. Vorübergehend zumindest, der Flug nach Deutschland steht bereits fest. 

Lesbisch in Japan – (K)Ein Problem

Schon mehrfach habe ich über Homosexuelle in Japan geschrieben und wie sehr sie dort zu leiden haben. Weniger im wörtlichen Sinn, es gibt keine „Hexenprozesse.“ Vor allem in Tokio und Osaka gibt es eine ständig wachsende LGBT-Community.

Aber noch immer existiert kein Gesetz zur Eheöffnung, noch immer sind große Teile der Bevölkerung zumindest skeptisch. Auch Japan wird sich ändern. Nur wird es länger dauern, als anderswo. Homosexualität in Japan wird quasi ignoriert. Dafür gibt es keine Verfolgungen.

So wenig, wie die heterosexuelle Mehrheit, so wenig reden Homosexuelle über das Thema. Viele leben verborgen und gehen sogar Scheinehen untereinander ein. So ist es alles andere als ungewöhnlich, wenn Lesben und Schwule heiraten und sogar Kinder miteinander haben.

Wie das „technisch“ funktioniert, soll hier kein Thema sein. Aber echtes Glück sieht anders aus.  Es ist vor allem die angeblich so zahlenmäßig geringe jüngere Generation, die dem Thema viel offener gegenüber steht. Angeblich deshalb, da auch japanische Medien nicht immer die volle Wahrheit sagen.

Zum demografischen Problem wird es noch einen separaten Artikel geben. Heute sind „die Lesben“ dran, speziell Koyuki Higashi. Ich verfolge ihren Weg seit einer Weile und bin mächtig stolz auf sie. Sollte ich jemals Japan als Heimat wählen, werde ich sie auf jeden Fall treffen.

Ich will ohne viele Worte ihre Geschichte vorstellen, die im nachfolgenden Video zu finden ist. Verbunden mit der Hoffnung, dass der „kleine Schnee“, wie Koyuki übersetzt werden kann, die Weichen für Toleranz und Aufklärung stellt.

Lichter der Großstadt – Teil 5: Jane got a Gun

Fun Fan (Fan)

Wang Yifan, die jeder nur Fan Fan nennt, ist ein kleiner Wirbelwind. Feng zuliebe hat sie Tai Chi gelernt und ist darin schon recht gut. Aber was für Feng Leidenschaft ist sieht bei ihr (nach)lässig aus. Wir treffen Fan Fan im zweiten Training und verstehen uns sofort.

Mein Talent mit (neuen) Menschen umzugehen, hat mir auch bei diesem Paar geholfen. Vielleicht lag es auch nur daran, dass wir alle Asiaten sind. Zwischen jungen Japanern und Chinesen gibt es kaum Vorurteile. Zumindest soweit es mich betrifft.

„Weißt du wie verrückt es ist, dass man in China verschiedene Sprachen spricht?“, sagt Fan Fan nach dem Training. Wir müssten uns schriftlich (Kanji) verständigen, wenn ich Feng nicht in Los Angeles sondern in Hongkong getroffen hätte und er kein Englisch könnte!“

Ich nicke. Auf diese Weise haben sich früher auch Japaner und Chinesen unterhalten. Und das machen sie heute noch. Zwar haben sich die Kanji in beiden Ländern verändert, aber dafür gibt es DolmetscherInnen. Und schon ist alles gut.

Heimat

Fan Fan stammt ursprünglich aus Hongkong und zieht Feng als „Beutechinesen“ auf. „Der kann nicht mal kantonesich!“, hat sie sich im Spaß empört. Ihr britischer Akzent ist lustig, den hat sie in Hongkong gelernt.

Wir erklären der staunenden Ally, was einzelne Zeichen im jeweils anderen Land bedeuten, was für Lachanfälle und Heiterkeit sorgt. „Asien“, sagt sie, „fand ich neben Deutschland schon immer interessant.“ „Okay“, sage ich, „wann fliegen wir?“

Spontan lade ich sie und Heather ein, uns im Sommer in Fukuoka zu besuchen, was für strahlende Gesichter sorgt. Nur das leidige Thema Geld verhindert ihren Plan für den Moment.

„Deutschland würde ich auch gern besuchen“, sagt Feng. „Berlin soll toll sein! Und dieses Hofbräuhaus in München!“ „Der mag Bier!“, empört sich Fan Fan, „dabei verträgt er absolut nichts!

Erzähl doch mal, wie ich dich nach Hause bringen musste, als du zu viel davon getrunken hast.“ Fengs ganzes Gesicht verwandelt sich in Lachen. Der Mann hat einen riesigen Humor. Und er liebt Fan Fan, das ist klar zu sehen.

„Vermisst ihr eure Heimat?“, will Fan Fan wissen und hält sich erschrocken die Hand vor den Mund. Ich habe verstanden. Die Frage ist, wo unsere Heimat ist. Ich schaue Yuki an und sie nickt zögernd. „Schon“, sagt sie. „Aber ich finde es auch toll in den USA zu sein.“

„Ich bin dort zu Hause, wo Yuki ist“, ist meine Antwort. „Vielleicht kommen wir permanent nach Amerika, vielleicht gehen wir zurück. Und Japan ist auch eine Option. Aber wirklich nur im Notfall. Ich bin zu sehr im Westen sozialisiert.“

Fan Fan und Feng nicken synchron. „Das geht uns beiden auch so“, sagt sie. „Außerdem leben in unserer Heimat zu viele Chinesen“, ergänzt Feng und grinst dabei. Humor der besonderen Art.

Wir sprechen über seine Sorgen, von seinen SchülerInnen leben kann er leider nicht. Es ist kein jammern, er erzählt es ganz gelassen. „In spätestens sechs Monaten ist der Laden dicht.“

Kanji vs. Hanzi

„Ich habe mal vor einer Weile versucht einen japanischen Text zu lesen“, erzählt uns Fan Fan. „Einige Hanzi konnte ich erkennen, aber diese anderen Symbole nicht. Wie ist das bei euch, könnt ihr chinesische Texte verstehen?“

„Wir nennen die Symbole Kanji“, erwidere ich. Die anderen Schriften sind Hiragana und Katakana. Auch wir verstehen nur einen Teil komplexer Texte. Das hat einen besonderen Grund.

Japan benutzt noch die Langzeichen und hat eine Reform gemacht, mit der die Volksrepublik China nicht einverstanden war. Die hat dann die Kurzzeichen eingeführt und wir dürfen nun raten. Das funktioniert zwar, aber dann gibt es wieder die unterschiedlichen Bedeutungen.“

Fan Fan schmunzelt und nickt, als Elfchen das Wort ergreift. „Wir könnten uns zwar Briefe schreiben und sinngemäß die meisten Formulierungen verstehen. Aber eben wirklich nur fast! Missverständnisse inklusive.“

Ich kenne einige der Unterschiede und male sie auf einen Block. Vor allem Feng lacht schallend, als ich das Kanji für Toilettenpapier schreibe, das in Japan Brief bedeutet. Prompt nenne ich ihn „Baka.“ Er kennt das Wort und lacht noch mehr.

The new Deal

Einige Tage vergehen, das Leben plätschert seicht. Die USA warten auf Trump und ich auf Merkels Fenstersturz. Aber während „El Presidente“ bald auftrumpfen darf, wird der Abgang Merkels noch dauern.

Ein kleines Highlight reißt uns aus der Routine von Firmenberatung und Übersetzungen. Allys Dad, der Oberstleutnant, hat eingeladen, die Base hat einen Tag der offenen Tür. Es ist Samstag, Ally und Heather sind dabei und unsere neuen Freunde Feng und Fan Fan.

Überall wimmelt es von Uniformen und Rangabzeichen, die ich bisher nur aus Filmen kannte. Stolz werden uns Ausrüstung und Fahrzeuge gezeigt. Die Sporthalle weckt mehr mein Interesse.

Eine blonde Frau, die mich locker um zwei Köpfe überragt, wirbelt einen jungen Mann über die Matte. Der arme Kerl versucht alles, aber ich erkenne eine Judoka. Feng darf gegen einen Sergeant antreten, der gut ist, aber keine Chance hat. Allys Dad schaut zu und nickt immer wieder anerkennend.

„Jetzt sehen Sie unser Problem“, sagt er zu Feng. „Es fehlt ein guter Trainer!“ Er überlegt kurz und spricht dann mit der Blonden, die er uns als Major Nancy Obermeier vorstellt. „Ja“, sagt sie und lacht, „ich habe deutsches Blut in mir. Leider kann ich nur wenige Worte sprechen.“

Zwei Soldaten  machen Sparring, was einfach nur fürchterlich schlecht aussieht. Nancy bemerkt meinen Blick und seufzt. „Können Sie Karate?“ „Etwas“, erwidere ich. Darf ich?“ Ich korrigiere den Stand der Männer und zeige, was falsch an ihrer Deckung ist.

Nancy nickt. „Sie sind eine Sensei, stimmts?“ „Ja“, sage ich. „Karate liegt mir im Blut.“ Wir sprechen über ihren und meinen Werdegang. Dann muss ich ihr die Unterschiede zwischen Aikido und der alten Form zeigen. „Wow!“, sagt sie. „Das habe ich nicht gewusst.“ Dafür weiß ich längst mehr. Die Frau ist eine Schwester.

„Grob gesagt wird der „Gegner“ im Aikido weich geführt“, erkläre ich. „Es gibt weit ausholende Bewegungen. Im Aikijujutsu ist die Bewegung kurz und hart, was im Ernstfall einen Gegner (für immer) ausschalten wird.“ Yuki und ich machen es vor und Elfchen darf nun auch mich zu Boden werfen. Sanft natürlich, was habt ihr denn nun gedacht!

Achtung Baby!

Später erfahren wir, dass Allys Dad Feng als Trainer anheuern will. Zwar gibt es noch einiges zu klären, aber der Deal ist per Handschlag schon perfekt. Feng wird die Soldaten einige Stunden pro Woche unterrichten. Das bringt Geld und hilft ihm weiter. „Super!“, freut er sich. „Jetzt kann mein kleiner Club weiter bestehen.“

Oberstleutnant John muss noch zu einem anderen Termin, aber Nancy führt uns weiter. Auf dem Schießstand angekommen leuchten Allys Augen auf. „Dad hat mich schon als Mädchen mitgenommen“, erzählt sie uns. „Ich habe sogar eine eigene Pistole.“

„Ob ich das bitte versuchen darf?“, meldet sich überraschend Fan Fan. „Was ist mit euch? Macht ihr mit?“ „Man soll Gegner genau studieren“, erwidere ich und muss an die Abwehrtechniken gegen Waffen denken. „Erklärt mir wer, was zu beachten ist?“

Sergeant Brenda, eine resolute Frau, der die Butch auf der Stirn geschrieben steht, erklärt uns die Regeln und weist uns ein. Mir verpasst sie eine Glock, die ich anerkennend trage. Nun habe ich eine Menge Talente, Schießen gehört (noch) nicht dazu.

Zwar knallt es toll, aber die Scheibe zeigt keine Löcher. Was habe ich falsch gemacht? Brenda kümmert sich mütterlich um mich und erklärt mir Kimme und Korn. „So halten und dann eine Linie bilden lassen, Druck am Abzug verstärken und PENG!“

Immerhin treffe ich im zweiten Durchgang die Scheibe. Ally macht mir vor, wie es wirklich geht. Und Fan Fan ist auch besser als ich. „And the Winner is China!“, verkündet sie und wir müssen alle lachen. Dann gibt sie zu, dass sie schon früher geschossen hat. Feng und Yuki passen, sie schauen lieber zu.

Trotz Ohrschützern dröhnt mir der Kopf, als Brenda eine .44 Magnum schießt. „Desert Eagle“, sagt sie stolz. „Das ist Baby Jane.“ Mir fallen Nancys Blicke auf, die kaum die Augen von Brenda lassen kann.

Ich weiß, wenn ich zwei Liebende sehe. Und die beiden sind definitiv ein Paar. Nancy hat meinen Blick bemerkt. Als ich auffordernd nicke macht sie einen Schritt auf Brenda zu und umarmt sie kurz. „Sie ist mein Baby“, sagt sie leise. Alles klar?“

Don’t ask, don’t tell

„Bis vor einigen Jahren war Homosexualität bei den amerikanischen Streitkräften geächtet“, erklärt Brenda. „Wer sich öffentlich machte, musste mit Konsequenzen rechnen. Don’t ask, don’t tell, war viele Jahre die Devise.

„Wir kennen uns schon lange“, erzählt Nancy. „Brenda war meine Ausbilderin.“ „Und sie die schlechteste Schülerin“, ergänzt Brenda und lacht verschmitzt. „Nein, natürlich war sie gut! Ich habe mich irgendwie gleich in sie verliebt, aber das durfte niemand wissen.“

Brenda ist mit ihren vierzig Jahren sechs Jahre älter als Nancy. Die beiden sind seit 2010 offiziell ein Paar, getroffen haben sie sich schon früher. Und geheiratet haben sie auch. „Ich bin im dritten Monat“, gesteht uns Nancy.

Ein Freund der beiden ist der Vater, künstliche Befruchtung hat das Wunder möglich gemacht. Nancys Augen leuchten. Wenn es um Kinder geht sind alle Frauen gleich. Die Waffen sind längst vergessen und der arme Feng ist abgemeldet. Bis Fan Fan ein Einsehen hat und ihn liebevoll küsst.

Auch ich habe ein Einsehen und beende für heute diesen Artikel. Im nächsten Teil beleuchte ich die dunkle Seite der USA, die viel zu oft aus Drogen und Gewalt besteht.

Wenn Elfen seitwärts springen

Ein Abend bei Freundinnen endet. Gut gelaunt fahren wir nach Hause. Es galt Neuigkeiten auszutauschen und über alles mögliche zu reden. Auch wer mit wer gerade ein Verhältnis hat. Selbst Frauen gehem manchmal fremd.

„Was würdet du machen, wenn ich dich betrüge?“, frage ich Yuki unvermittelt. Sofort kommt die Frage „Hast du?“ von ihr. Als ich frech nicke haut sie mir spielerisch aufs Bein. „Du bist doof!“, sagt sie und lacht. Ja“, erwidere ich. „Aber könntest du trotzdem bitte meine Frage beantworten?“

„Ich kratze dir natürlich die Augen aus“, sagt Yuki. „Dann fliegst du aus der Wohnung und Unterhalt will ich auch. Und den Z! Du kannst den SUV behalten.“ Ich verdrehe die Augen und hauche einen Kuss auf ihren Mund. Was Yuki damit sagen will ist, dass sie einen Seitensprung auf keinen Fall verzeiht.

Schon als wir uns ganz kurz kannten, haben wir die Weichen dafür gestellt. VerehrerInnen gab es auf beiden Seiten genug. Wir haben niemals zugegriffen. Wir haben aber auch entschieden uns im Fall von Liebesmangel zu trennen. Ehrlich und ohne Seitensprung.

Wir sind schon oft gefragt worden, wieso wir so glücklich sind, ob es keine Langeweile gibt und warum wir uns auch nach Jahren noch lieben. Und was passieren würde, wenn eine Traumfrau uns über die Füßchen läuft.

Die Antworten sind einfach. Wir arbeiten an uns. Wir sind aufmerksam und respektieren einander. Keine dominiert. Das mag schwer zu glauben sein, aber Yuki kann durchaus ihre Frau im Leben stehen und ihre Meinung gut vertreten. Auch gegenüber meiner Biestigkeit.

„Habt ihr eigentlich noch oft Sex?“, wollte eine Freundin wissen. „Bei uns ist der irgendwie eingeschlafen“, fährt sie fort. „Aber ich liebe meine Frau immer noch.“ Bevor ich etwas sagen kann, hat Yuki die Antwort übernommen. „Dreimal täglich“, sagt sie und nickt. „Mindestens! Wir sind doch naturgeile Luder.“

Diese Worte von einem Wesen wie Yuki zu hören, löst heftigste Emotionen bei mir aus. Ich beherrsche mich ungefähr fünf Sekunden, dann pruste ich los. Eine beleidigte Miene, dann lacht das andere Mädel mit. Und wer nun auf die intimen Geständnisse aus Elfenhausen hofft, der soll sich besser trollen.

„Und du?“, reißt Yukis Frage mich aus meinen Gedanken. „Was würdest du mit mir machen, wenn ich dich betrüge?“ „Dich im Keller vergraben“, erwidere ich trocken. „Also was noch von dir übrig ist. Und deine Loverin gleich mit. Vorher haue ich euch natürlich mit den Schwert in klitzekleine Stücke.“

Yukis Elfenlachen lässt mich ebenfalls grinsen. „Du bist unmöglich!“, sagt sie. „Aber deshalb liebe ich dich.“ Sie schaut mich an. „Und jetzt gib Gas, ich will mit dir springen gehen.“ Unter die Dusche natürlich, was habt ihr denn nun gedacht?

Her mit den kleinen Japanerinnen!

Während die Geburtenrate in Japan weiter sinkt sind deutsche Männer auf der Jagd. Die Suchanfragen auf meinem Blog sprechen eine deutliche Sprache dessen, was der wortgewandte Gaijin von Japanerinnen hält.

Devot und sexy müssen sie natürlich sein. Und immer willig, ist doch klar. Bevorzugt haben sie Sex in neckischen Uniformen unter denen sie kein Höschen tragen. Sie sind auch immer bereit, um Mann herzlich zu empfangen. Harter Schnitt, liest noch wer mit?

Dies wird keine Liste schwülstiger Begriffe, mir ist heute nicht danach. Sonst müsste ich diversen Herren den Mittelfinger zeigen. Genau den haben sie verdient. Was aber wenig an Japans schrumpfender Bevölkerung ändert. Sterben die JapanerInnen aus?

Japan hat, wie viele Industrienationen, zunehmend mit Überalterung und weniger Geburten zu kämpfen. Komplizierte Rituale beim kennenlernen machen das kaum besser, JapanerInnen stehen sich bei der Partnersuche oft selbst im Weg. Und dann gäbe es da noch die zunehmende Selbstverwirklichung der Frau.

Einerseits vom Staat gefördert, ist das nun ein zunehmendes Problem. JapanerInnen wollen aktiv sein und keine passive Rolle als „nur“ Mutter übernehmen. Hinzu kommen die unattraktiven Bedingungen für Kinder und Karriere, die wenig förderlich für neue Babys sind.

Im Gegensatz zu Europa und seinen wirren PolitikerInnen, setzt man in Japan nicht auf die massive Immigration von kulturfremden Menschen, die japanisches Blut auffrischen sollen. Das mag nun rassistisch klingen, hat aber einen völlig anderen Hintergrund.

JapanerInnen sind stolz auf ihre Herkunft und ihr Land. Und sie sehen die Probleme in den USA und Europa, die durch gewisse Migranten entstehen. Kriminalität in Japan ist auf einem sehr niedrigen Stand. Warum also sollte man sich „Verbrecher“ ins Land holen? Das ist nur ein Beispiel, wie Japaner denken.

Mischehen sind durchaus vorhanden, aber ebenso wie die Zahl der in Japan beschäftigten AusländerInnen eher gering. Während japanische Männer hauptsächlich Chinesinnen und Philippinerinnen ehelichen, richtet sich der Blick japanischer Frauen gern auf Korea und die USA.

Sich beim Nachbarn umzuschauen macht durchaus Sinn. Ich habe es schon mehrfach betont und mache es gern wieder, Unterschiede zwischen Menschen aus Japan, China und Korea sind kaum vorhanden. Zumindest wenn es ums Aussehen geht. Kulturell und politisch sieht das wieder völlig anders aus, spielt aber bei der PartnerInnensuche keine große Rolle.

Wie japanische Männer noch immer über Frauen denken, wird am Beispiel einer Broschüre klar, die im Februar für einen Skandal in der Präfektur Tottori sorgte. Gut gemeint, aber mit vorsintflutlichen Passagen gespickt, brüskierte der Text viele Frauen.

„Die Frau sei von Natur aus das passive Geschlecht“, heißt es dort. „Werde sie energisch mit Liebeszuneigungen und Annäherungen umworben, so fühle sie sich vom Partner angezogen. Der Mann erwarte von der Frau Geborgenheit, Ruhe und Wertschätzung.“ Mein Fazit zu dem Text: Mann sucht das Heimchen am  Herd.

Nachdem die Presse Wind davon bekam und den Textpassagen einen „vorkriegszeitlichen Beigeschmack“ bescheinigte, ließ der Gouverneur die Broschüre einziehen und hat sich öffentlich entschuldigt. Mein Japan, du hast tolle Männer. So wird das nie was mit den Kindern.

Vielleicht hätten er und andere Politiker Frauen fragen sollen, was diese von der Sache halten, oder wie man in Japan die Dinge ändern kann. Ich für mein Teil frage immer meine „kleine Japanerin“, damit sie mich auch morgen noch voller Wertschätzung und in Ruhe küsst.

 

 

 

 

 

 

Der Frauentausch

Frauen haben oft seltsame Ideen. Und JapanerInnen einen schrägen Humor. Bekanntlich haben Yuki und  ich vor 2 Jahren geheiratet. Standesgemäß im Kimono. Bewusst habe ich dieses Jahr auf einen Hinweis im Blog verzichtet. Spaß hatten wir doch. Auf unsere Weise, ihr werdet schon sehen.

Die kleine Feier ist vorbei, die meisten Gäste sind gegangen. Dieses Jahr gab es als Überraschung keinen „Z.“ (KLICK MICH, ODER LASS ES) Aber alle waren da. Ken sowieso. Mein Cousin ist noch immer zu Besuch. Er mag Deutschland, nur mit der Sprache hapert es. Aber er übt tapfer und bricht sich fast die Zunge dabei.

Wenn ich die meisten Gäste sage, so trifft das nicht auf zwei Mädels zu. Bea und Babs, einige LeserInnen mögen sich erinnern (KLICK MICH, ODER LASS ES), waren auch bei uns zu Gast. Ihre Probleme sind Geschichte, es geht ihnen gut und schwanger sind sie auch. Zumimdest Bea, die das unbedingt wollte.

„Süßes Bäuchlein“, necke ich die Mama in spe, die mir frech die Zunge zeigt. Wir albern eine weile herum, die Rede kommt automatisch auf Beruf und Kinder. „Es wird ein Junge“, verkündet Bea stolz. „Und er soll Jonas heißen.“ „Wie mein Papa“, erklärt uns Babs, die kaum von Beas Seite weicht.

Die beiden kennen unsere Kinderpläne, wie die ihren. Aber wie gut kennen wir uns? Die Idee ist geboren, Lachen schallt durch den Raum. Wir tauschen die Plätze auf dem Sofa und der Spaß beginnt. Bea spielt nun meine Frau, Yuki sitzt frech grinsend neben Babs. Lasset die Spiele beginnen. Los, frag mich was!

„Wo habt ihr euch kennengelernt?“, will Yuki von Bea wissen. „Das wollte ich schon immer wissen.“ Bea schaut mich hilfesuchend an, ich schenke ihr ein japanisches Lächeln. „Aber daran erinnerst du dich doch bestimmt“, flöte ich. „Voll gemein“, murmelt Bea gespielt empört und tischt uns eine perfekte (Lügen)Geschichte auf.

„Das war doch vor 5 Jahren in diesem Striptease Club. Mayumi hat da nackig auf den Tischen getanzt.“ Bea glaubt damit einen Treffer zu landen, aber sie kennt mich noch nicht genug. „Ja, das stimmt“, sage ich. „Und du hast mich dafür bezahlt. Auch für meine gebrauchten Höschen.“

Yukis Elfenlachen steckt alle an. Babs liegt fast auf dem Boden. Nur Bea ist ziemlich perplex. Humor, wie wir ihn mögen. Aber sie lacht mit. „Sag Babsilein“, beginne ich. „weißt du noch, wie Yukis erste Freundin hieß?“ Babs Lachen bleibt ihr im Hals stecken. „Boah, wassen das für ’ne doofe Frage?“

„Aber ihr habt doch keine Geheimnisse voreinander, oder doch?“, will ich wissen. „Ich weiß ganz genau, mit wem Bea und auch wann.“ Babs bleibt die Antwort schuldig und kontert mit einer Gegenfrage. „Weißt du, wie Beas zweiter Vorname ist?“

„Michaela“, erwidere ich nur eine Sekunde später. „Weißt du denn, was Yuki heißt?“ Wieder muss Babs passen, japanisch kann sie nicht. „Wann habt ihr euch zum ersten Mal geküsst?“, fragt Bea plötzlich. „Und war es schön?“

Bea war vor einigen Jahren von der Rolle, als sie Babs Szenen einer Ehe machte. Eifersucht bestimmte ihr Leben und eine mittelschwere Depression. Aber davon ist sie weit entfernt, in ihren Augen blitzt der Schalk. „Ja,“, erwidert Babs und verkneift sich mit Gewalt ein Lachen. „Es war ein Knoblauch-Vollmilch Kuss.“

„Ein was?“, fragen Bea und ich synchron. „Na, das war nach dem Besuch beim Griechen. Und immerhin ist Yuki supersüß. Die Schokolade zu Hause aber auch. Damit habe ich sie willig gemacht.“ Babs hat keine Chance auszweichen, als ein Sofakissen fliegt. Das hat sich Bea von Yuki abgeschaut. Treffer und versenkt.

„Wie ist Mayumis Körbchengröße?“, rächt sich Babs. „Das weißt du doch bestimmt!“ „Nö, aber ich kann das schnell testen …“ Prompt fliegen zwei Kissen auf sie zu. Yuki trifft immer, die Frage traf auch. Unsere Lachmuskeln, Bauchtraining der besonderen Art.

„Wie ist Yukis Schuhgröße?“, frage ich und Babs ringt nach Luft. „Wie oft habt ihr Sex?“, kontert Yuki ungerührt und schaut mich dabei an. „Na täglich“, gibt Bea zurück. „Das siehst du doch an meinen Bauch.“ „Was magst du am liebsten an Babs?“, kontert sie sofort. „Ihren Po natürlich“, sagt Yuki. „Da haue ich immer drauf“

Die Fragen werden immer wilder, das Lachen stoppt zum Schluss die Worte. Das war Humor auf japanische Art. Anders vielleicht und etwas verrückt. Wieder allein schmiegt sich Yuki in meinen Arm. Die Zeit der Zärtlichkeit beginnt.

„Würdest du mich wirklich eintauschen?“, fragt Yuki leise. „Nö“, sage ich. „Deine Füßchen riechen viel zu gut.“ Muss ich erwähnen, dass Elfchen mich dafür durchgekitzelt hat?

Tanten, wie wir

Familie ist wichtig. Mir bedeutet sie viel. Der Besuch meiner Cousine, hat Elfchen und mich zu Tanten auf Zeit gemacht. Wir passen für einen Tag auf ihre Töchter auf. Die Mädchen haben damit kein Problem, sie kennen Yuki und mich. Während Akiko unsere CD-Sammlung erkundet, will Sayuri schmusen.

Kurz darauf schallen japanische Klänge durchs Zimmer und Akiko tanzt lachend auf uns zu. „Zuhause macht sie das auch immer“, verrät mir Sayuri mit verschwörerischem Blick. „Und weißt du noch was, Tante Yumi? Ich tanze immer mit!“ Prompt springt sie von meinem Schoß und sucht die Nähe ihrer Onee-chan (große Schwester).

Bei Kindern tritt jede Logik in den Hintergrund. Da sind auch wir verspielt. Elfchens freches Lachen, als ich mit Akiko spiele, schreit nach einem noch frecheren Kommentar. Prompt wirft sie ein Sofakissen von dem ich mich absichtlich treffen lasse. Die Mädchen lachen, alle haben Spaß.

Wir albern herum und bieten den Kleinen die perfekte Show. Yuki kreischt, als ich ihre Füße kitzle. Vor den Mädchen halten wir uns mit Schimpfworten zurück, die wir sonst hemmungelos benutzen. Elfchen ist auch darin Meisterin. Und nur sie darf solche Worte zu mir sagen. Lachend meist und als gespielte Versöhnung gibts Küsse.

Die für uns ungewohnte Rolle entpuppt sich schnell als Vollzeitjob. Passt ihr mal auf zwei kleine Mädchen auf! Tante Yumi hier, Tante Yuki da, muss mal, hab‘ Hunger, mir ist schlecht. Klar, wenn man nur Süßigkeiten naschen will. Aber Mittagessen gibt es später.

Als wir im SUV zum Supermarkt fahren, schaut mich Akiko kritisch an. „Du Tante“, sagt sie plötzlich. „Warum fahren hier alle falsch?“ In Japan herrscht seit jeher Linksverkehr. Kein Problem, wenn man länger zu Gast in Japan ist. Aber die Umgewöhnung dauert. Und beide Mädchen sind verwirrt.

„Weißt du“, erwidere ich, „du benutzt doch auch meist deine linke Hand. Und die Menschen in Deutschland machen das mit ihren Autos.“ Akiko nickt, das hat sie verstanden. „Trotzdem komisch“, murmelt sie und drückt sich ihr Näschen an der Scheibe platt. „Wo fahren wir hin, was ist das?“

Es geht in den Supermarkt, dann in den Asia-Shop. Mittagessen gibt’s bei meinen Schwiegereltern. Yukis Mama kann kaum ihren Blick von den Mädchen nehmen. Frauen sind schon komisch. Ich weiß genau, wie die ticken! Auch Cousin Ken ist mit von der Partie und freut sich uns zu sehen.

Als es gegen Abend ins Training geht, werden die Mädchen richtig munter. Vor allem Akiko, die einfach süß im Karate-Gi aussieht. Sayuri steht schüchtern am Mattenrand, als ihre große Schwester übt. Aber sie macht jede Bewegung mit. Auch sie hat Talent. Ich bin überrascht, als sie sich zögernd neben Akiko stellt. „Darf ich, Tante Yumi?“, fragt sie lieb und verzaubert alle Herzen.

Wieder zu Hause baden wir die Mädchen und liefern uns  eine Wasserschlacht. „Land unter, ihr Wasserratten“, ruft Ken und wirft sich vor Lachen weg. „Ihr zwei seid wirklich reif für die Mutterrolle“, erklärt er und flüchtet aus dem Bad. Die Ankunft meiner Cousine rettet ihn vor Ungemach. „Schwesterchen“, ruft er, die wollen mich hauen!“

Wir sitzen noch lange zusammen, die Kinder schlafen friedlich auf der Couch. Familie ist wichtig. Mir bedeutet sie viel. Gemeinsam werden wir den Plan verfolgen, um in Japan ein Kind zu adoptieren. Das geht auch als Single, als Ehepaar zählen wir in Japan nicht. Dann werden aus den ollen Tanten tolle Mütter. Ihr werdet es schon sehen.