The Need for Speed

Geschwindigkeit ist keine Hexerei. Und das in allen Lebenslagen. Geschwindigkeit ist stets das Ergebnis harter Arbeit. Und wenn es nur die Kolben sind. Aber um Motoren und Autos dtehen sich diese Zeilen weniger. Auch, wenn sie Teil meines Lebens sind.

Es gibt Menschen, die immer auf der Überholspur fahren. Egal wo sie sind, egal was sie auch machen. Ohne Sinn und Verstand legen sie los und kommen irgendwie an. Und das war nie mein Ding. Zum Überholen gehört für mich eine Rennlizenz. Aufs Leben übertragen sind das Diplome. Aber selbst die machen noch nicht schnell.

Was vielen Menschen fehlt, ist der unbedingte Wille zu siegen. Und das entsprechende Talent. Mein absoluter Wille hat mich immer schon nach vorn gebracht. Egal ob im Karate, oder in der Schule, ich wollte stets die Beste sein. Das aber nie auf Kosten anderer Menschen und nie mit absoluter Verbissenheit.

Mein Weg durchs Leben war immer von Spaß geprägt. Die nüchterne Ernsthaftigkeit vieler Menschen, geht mir fast völlig ab. Nur wenn ich wirklich möchte, so wird bei mir die Logik regieren. Dann werde ich zum „eiskalten Engel“, der andere dominiert. Und das wollt ihr nicht wirklich sehen.

Nun ist es nicht so, dass ich ungebremst durchs Leben brause. Selbst ich muss mich an gewisse Regeln halten. Und ohne Treibstoff bleibt auch mein Turbo kalt. Mit Autos verglichen sind Yuki und ich Kleinwagen und Sportcoupe. Wobei, seit sie mich kennt, nun auch ihre Karosse schneller fährt. Und ich trete manchmal auf die Bremse. Damit meine Elfe mir folgen kann. Und gemeinsam fährt es sich viel besser.

Aber Geschwindigkeit ist für mich so wichtig, wie für andere das tägliche Brot. Nur nach wirklich langen Nächten, ist meine Elfe vor mir wach. Und mit wenig Schlaf stottert dann auch mein Motor. Aber als Kind des Sommers starte ich bei Sonne richtig durch. Heute war ich bereits im Z unterwegs, den ich nicht mehr missen möchte.

Selten hat mich ein Wagen derart begeistert, wie dieser Porsche Abfangjäger. Nur der GT-R war noch eine Spur besser. Aber selbst eine Turbobiene wie ich, muss auf dem Boden bleiben. Mein Entschluss steht daher fest, der Auris wird noch dieses Jahr dem Z weichen. Und Geld ist nicht das Problem. Frau gönnt sich ja sonst nichts.

In Sachen Unternehmensberatung läuft es auch sehr gut. Mein Konzept trägt erste Früchte, die von mir betreute Firma schwimmt sich langsam frei. Zahlen können so einfach sein, wenn man Konsequenzen zieht. Zu verdanken habe ich den Job Graf Werner, bei dem wir vor einigen Wochen zu Gast gewesen sind. Aus den bekannten Gründen wird es darüber vorerst keinen Artikel geben.

Eine zweite Firma aus dem Norden, hat mittlerweile angefragt. Wieder auf Vermittlung des Grafen, dem ich dafür dankbar bin. Mir macht es großen Spaß nun mein BWL so völlig anders einzusetzen. Kreativ, ungewöhnlich und schnell. Ich zaubere Ideen und Vorschläge aus der Hosentasche, die dort offenbar im Dutzend liegen, in Wirklichkeit aber auch das Ergebnis meines Studiums sind.

The Need for Speed wird mich hoffentlich auch weiterhin begleiten und mein Leben interessanter machen. Gemächlich fahren nur die anderen. Und nun muss ich weiter, Liebe tanken. Damit mein Sommer nie zu Ende geht.

Die Rückkehr des (Erl)Königs – Teil 2

Das Biest

Das Biest

Der ehemalige Flugplatz liegt im milden Sonnenschein.
Sonnenbebrillt gehen wir auf eine Baracke zu.
Techniker und andere Boliden stehen dort. Wir werden schon erwartet.
„Hattet ihr Ärger mit der Polizei?“, will der Chef wissen.
Sein Name ist Wolfgang, kurz Wolf genannt.
Ich kenne ihn, er ist ein Mitarbeiter von Yukis Vater und im gleichen Alter.
„Routinekontrolle“, sage ich. „Haben Sie angefragt?“
Wolf nickt und sein Gesicht verfinstert sich.
„Die suchen nach Ärger“, sagt er. „Jemand hat sie auf uns angesetzt. Wir dürfen vorerst keine Autobahn mehr nutzen zum Test.“

Der Audi ist schnell umgerüstet.
Yuki bewundert einen BMW.
„Was ist das für einer?“, will sie wissen. „Den mag ich, der sieht klein und handlich aus.“
Wolf lacht und will sich kaum beruhigen.
„Das ist der M 235i“, sagt er. „Willst du ihn mal fahren?“
Yuki strahlt.
„Darf ich wirklich?“, will sie wissen.
„Na immerhin bis du du doch auch dafür hier“, scherzt Wolf.
Auch Yuki bekommt jetzt Geld fürs testen. Nur fahren will sie meistens nicht.

„Darf Mayumi mit?“, fragt sie und schaut Wolf bittend an.
Er schmilzt. Niemand kann (m)einer Elfe widerstehen.
Wir drehen eine Runde.
Yuki ist ausgelassen. Sie strahlt und jauchzt und mir wird schlecht.
Besorgt bringt mich Yuki zur Toilette.
Mein Kopf dreht sich und mein Bauch spielt verrückt.
„Mistige Tage“, stöhne ich. „Es ist wieder mal soweit.“
Obwohl ich kaum noch Regelschmerzen habe, hat es mich wieder erwischt. Übelste Krämpfe verderben mir den Tag.
Der Grund ist klar, der Stress der letzten Wochen. Ich habe mich übernommen.

Eine Schmerztablette und Tee wirken Wunder. Eine knappe Stunde später bin ich wieder fit.
„Wir können dann“, sage ich zu Wolf. „Mir geht es wieder gut.“
„Bist du dir sicher?“, fragt er. „Ich lasse dich nicht fahren, wenn du nicht auf der Höhe bist.“
Als Antwort setze ich einen Kick direkt vor sein Gesicht und halte den Fuß dort bewegungslos.
„Oha!“, entfährt es ihm. „Die Karate-Queen schlägt wieder zu.“
Wolf weiß von meinem Sport.
Ich lache und setze den Fuß wieder ab.
„Ach was“, wehre ich ab. „Ich wollte nur zeigen, wie gut es mir geht. Und Regelschmerzen kennt so ziemlich jede Frau. Die bringen uns nicht um.“

Der Audi lauert schon und heißt uns knurrend willkommen.
In kaum mehr als drei Sekunden sind wir auf 100 km/h.
Das Gedicht vom Erlkönig fällt mir ein, während der Wagen vehement nach vorne stürmt. Aber ich benutze eigene Worte, was Yuki zum Lachen bringt.

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist Mayumi mit dem Elfenkind;
Der Audi hat die Beiden wohl im Arm,
Er faßt sie sicher, er hält sie warm.

Ach Elfchen, was birgst du so bang dein Gesicht? –
Spürst Mayumi, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit den vier machtvollen Ringen? –
Oh, Yuki-onna, werden uns die 350 gelingen?. –

„Ihr lieben Kinder, kommt, geht mit mir!
Gar schöne Spiele spiel ich hier;
Manch bunte Blumen sind am Wegesrand,
Meine Mutter gab mir mein rotes Gewand.“

Mayumi, meine Mayumi, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig uns leise verspricht? –
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Elfenkind;
In dürren Blättern säuselt der Wind. –

„Wollt, feine Mädels, ihr mit mir gehn?
Meine VW-Töchter sollen euch warten schön;
Meine VW-Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen euch ein.“

Mayumi, meine Mayumi, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Tochter am düstern Ort? –
Mein Elfchen, mein Elfchen, ich seh es genau:
Es scheint der alte Porsche so grau. –

„Ich liebe euch, mich reizt eure schöne Gestalt“;
säuselt es aus dem Zuffenhausener Fnsterwald.
Mayumi, meine Mayumi, der Porsche fasst sich ein Herz!
Erlkönigs Motor dröhnt mit hundert Hertz!

Mayumi grauset’s, sie raset geschwind,
Der Audi fährt schneller als jeder Wind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
Hinter ihm der Porsche und der ist tot.

Das Problem bei solchen Wagen sind die Reifen. Daher ist bei vielen Modellen schon bei 250 km/h Schluss. Beim Audi sind auch die Reifen nicht von der Stange. Ihr Preis ist utopisch und wird hier nicht genannt. 347 km/h stehen am Ende für uns zu Buche, ein absoluter Bolidenrekord. Wahnsinn pur, Leidenschaft in Stahl gepresst. Der Wagen kann noch schneller, aber das halten die Reifen nicht mehr aus.

Das Team ist ausgelassen und mir gehts wieder richtig gut.
Die Rückkehr des Königs ist gelungen. Machtvoll glänzen seine Ringe. Und das nicht nur unter Erlen. Noch auf dem Flugplatz schreibe ich diese Zeilen, um dann mit meiner Elfe nach Hause zu eilen. Gehabt euch wohl ihr holden Narren und fahrt langsam mit eurem eigenen Karren. Nach Karneval bin ich zurück. Bis dahin genieße ich mein Eheglück.