Ohne Mann fehlt dir was

Sexismus gegen Frauen ist leider noch immer die Regel auf der Welt. Wer anderes behauptet verschließt die Augen vor der Wirklichkeit. Mann vor allen Dingen, geht der Sexiusmus doch von seiner Seite aus. Der Knaller sind dann die Vatertypen, die einen jovialen Sexismus pflegen. „Stell dich nicht so an“, wird gern gesagt“, das ist doch alles halb so wild.“

Genau solche Sätze sind es, die mich oft wütend machen. Mann stelle sich nun bitte vor von gierigen Frauenhänden begrapscht zu werden, wenn er eine überfüllte Bar betritt. Vielleicht würde das der ein oder andere sogar mögen. die Mehrheit der Männer sicher nicht. Und bestimmt kein gestandener Bankdirektor, der zigfacher Großvater ist. Aber Frauen müssen das oft genug erdulden und schweigen meist aus Scham.

„Nicht schon wieder!“, höre ich meine männlichen Leser stöhnen. Und „Ich fühle mich auf mein Geschlecht reduziert.“
Wer so denkt versteht meine Intention leider falsch. Dem kann ich auch nicht helfen.
Pauschale Angriffe gegen die Spezies Mann führe ich nur selten. Ich habe schon lange meinen Frieden mit ihr gemacht. Nachzulesen hier: Klick mich, oder lass es sein. Aber im Leben jeder Frau gibt es Szenen, die niemals geschehen sollten. Und die kein gutes Bild auf gewisse Männer werfen. Davon handelt dieser Bericht.

Die täglichen Übergriffe auf Frauen, die versteckten, oder offenen Belästigungen, waren mir seit jeher ein Gräuel. Und ich kenne genug Heten, die das ebenso sehen. Mit sexueller Orientierung hat das nichts zu tun. Deren Fokus liegt sowieso bei Mann, der Frau gern auf Busen und Po reduziert, als Objekt seiner Lust. Aber lustig ist anders und mit Spaß hat das wenig zu tun. Aktuell gibt es zwei Fälle, die mich wieder rebellisch machen.

Fall 1: Eine Freundin aus der Lesbenszene sucht einen neuen Job. Sie ist gelernte Einzelhandelskauffrau, hat aber auch schon als Bedienung in Kneipen gejobbt. Der Bezirksleiter einer Discounter-Kette bittet sie nach 20 Uhr in einem seiner Märkte zum Vorstellungsgespräch. Vorher habe er keine Zeit sagt er am Telefon. Katja ist ein fraulicher Typ, kurze, dunkle Haare und sehr hübsch. Sie erzählt, wie der Mann sie mit Blicken verschlungen habe. Aber damit kann sie, auch wenn es unangenehm ist.

Spontan habe er ihr eine Stelle als seine Assistentin angeboten. Sie solle dafür dann mit ihm auf Geschäftsreisen und abends mit ihm essen gehen. Bei Katja läuten sofort die Alarmglocken, ihr wird endlich klar, um was es dem Mann wirklich geht. Als sie gehen will erweist sich die Tür als verschlossen. Auf ihre Aufforderung hin sie zu öffnen, hat der Mann nur gelacht und keinen Finger gerührt. Erst als sie droht per Handy die Polizei zu rufen ist er wieder normal geworden. Den Job hat sie natürlich nicht bekommen.

Fall 2: Ein heißer Tag im Juli. Irina steht im Supermarkt an der Fleischtheke, sie ist nur knapp bekleidet. Das Miniröckchen bringt ihre langen Beine perfekt zur Geltung, blonde Haare umrahmen ein Feengesicht. Das ärmellose T-Shirt zeigt mehr, als es verbirgt. Und schon ist Mann in seinem Element. Die Lust erwacht, zeigt Frau doch für ihn eindeutige Signale. Und die heißen „Ich will Sex mit dir.“ Harter Schnitt. Einspruch, Euer Ehren!

Nur leider gibt es keinen Einspruch für Irina. Der verschwitzte Kerl neben ihr reibt deutlich sichtbar unter dem Blaumann sein Geschlecht. Zwei Jugendliche lachen nur, als der Mann stöhnend in seine Hose ejakuliert. Die Verkäuferin schaut weg, Irina ist schockiert. Die Szene ist genau so passiert. Irina hat uns den Vorfall in Tränen aufgelöst erzählt. Im Supermarkt wollte ihr niemand helfen, Man(n) hat nur gelacht. Irina geht zur Polizei und wir begleiten sie. Bis heute ist der Mann nicht gefunden. Hat man(n) wirklich nach ihm gesucht?

Weitaus harmloser, aber durchaus bezeichnend, ist ein Vorfall aus meiner Studienzeit. Der Ort ist die Mensa. Die Beteiligten sind mehr oder weniger arrogante BWL-Studenten.
Meine Mädels und ich sind mit dabei. Ungern zugegeben, aber es war eigentlich ein Arbeitskreis.
Nur drifet die Diskussion schnell ab. Und daran ist Florian schuld. Er gilt als Playboy, Schönling, Womanizer. Und mit Lesben hat er ein Problem, wie ich sehr schnell bemerke.
„Diese blöde Sexismus-Debatte kann ich nicht mehr ertragen“, lässt er mich wissen. „Ihr Frauen tragt doch die alleinige Schuld am männlichen Verhalten. Schaut euch doch nur an!“
„Männer können besser schauen, als denken“, kontere ich lässig. „Aber das wusste ich schon immer und mein Hintern ist nicht für dich.“
Frauen an die Macht.

Florian lacht bitter und holt tief Luft.
„Ihr zieht euch doch extra geil an damit wir scharf werden“, ist seine Meinung. „Und wenn wir dann um euch werben dann wollt ihr angeblich lesbisch sein.“
„Ich bin nicht angeblich lesbisch“, erwidere ich und strahle ihn an. „Das war ich immer schon und werde es immer sein. Wo ist nun dein Problem? Samenstau zu Hause?“
Karin muss laut lachen und Natalie wird rot.
Florian ist mir nicht gewachsen, er steht auf und geht.
Er hat mich nie wieder dumm angemacht.

Ich könnte die Liste sexistischer Übergriffe noch endlos weiterführen und mehr oder weniger krasse Fälle schildern. Aber jede Frau hat diese schon erlebt. Vielleicht nicht einmal bewusst wahrgenommen, ist dieses Verhalten doch schon alltäglich geworden. Und genau dagegen wehre ich mich. Und jede Frau sollte das ebenfalls tun. Vor allem gewisse Politikerinnen, die den Konflikt zwischen den Geschlechtern als längst überwunden ansehen. Aber vermutlich hat Mann das so in seiner engelhaften Güte vorgegeben. Denn ohne Mann fehlt Frau ja angeblich was.