Tod den Lesben!

Bewusst habe ich den Titel des Beitrags provokativ gewählt, aber weder werde ich zur Mörderin noch stoße ich mir selbst ein Messer in den Bauch. Ganz im Gegenteil stemme ich die Hände in die Hüften und rufe allen DrehbuchautorInnen und RegisseurInnen laut zu „Lasst die Lesben leben!“ Und ich erkläre auch wo und warum.

Wenn ich lesbische Liebesfilme schaue, gehen mir immer viele Dinge durch den Kopf. Einerseits bade ich in den Emotionen, die eine gute Lovestory auslösen können. Ich mag die Geschichten, die Dramen, die oft wunderschönen Bilder. Aber primär ist es die Frage, ob manche RegisseurInnen auf einem heiligen Kreuzzug gegen Lesben sind.

Schon zu Beginn des lesbischen Films vor einigen Jahrzehnten konnte und durfte es viel zu oft kein Happy End für die Frauen geben. Klar, die Homophobie war damals noch weit verbreitet und RegisseurInnen begaben sich auf einen steinigen Weg. Aber heute im 21. Jahrhundert sollten die Uhren doch anders ticken.

Leider ist das ein Irrglaube, wie die klischeehaften Todesfälle von Lesben immer wieder zeigen. Zwar hat es Homosexualität durchaus in die normale Fernsehunterhaltung geschafft. Aber meist mit tödlichen Konsequenzen. Lesben, so offenbar die Meinung der Drehbuchautoren, verdienen kein allzu langes Glück.

Gut, es gibt positive Beispiele und wunderbare Liebesfilme, die ein Frauenpaar Hand in Hand am Ende sehen. Aber viel zu oft gibt es die Verbeugung von Drehbuch und Regie vor der heiligen Kuh Heterosexualität. Dann wird die Pistole ausgepackt, oder der Lesbe Krebs in den Bauch gedichtet. Und schon stirbt sie den einsamen Tod.

Von Freundinnen weiß ich, wie sie zu lesbischen Toden im Kino und TV-Programm stehen. Zusammengefasst ist es eine Mischung aus Wut und Trauer, wenn eine unserer Heldinnen stirbt. „Das ist wie ein tiefer Schnitt in die Haut“, hat meine Freundin Karin mir gesagt. „Kaum ist der verheilt, reißt die Wunde wieder auf, wenn ein neuer Lesbentod zu sehen ist.“

Liebe Autoren und Regisseure, Lesben schauen sich Liebesfilme an, um Abstand von einem zum Teil noch immer homophoben Alltag zu haben. Sie suchen nach Vorbildern, Heldinnen, mit denen sie sich identifizieren können. Aber die Todesbotschaft in solchen Filmen stößt sie regelmäßig vor den Kopf.

Das trifft vor allem auf junge und noch unsichere Frauen zu, die zaghaft ihre ersten Schritte als Lesbe machen. Sollen die nun etwa aus dem Fenster springen? Ist das die Intention hinter dem medialen Lesbentod?

Ich frage mich immer, ob es Absicht oder pure Dummheit ist, wenn wieder eine Lesbe sterben muss. Vielleicht liegt es an der beschränkten Sichtweise mancher AutorInnen, die nie über den Tellerrand reicht. Ich nenne es homophobe Kurzsichtigkeit. Und dagegen gibt es leider kein Rezept.

 

Mögen Lesben keine Männer?

„Mögen Lesben keine Männer?“, hat ein Besucher dieses Blogs gefragt und sofort meine Schreibfinger animiert. Wie ist das eigentlich, werden sich viele LeserInnen fragen, mögen Lesben wirklich keinen Mann?

Die Antwort ist nicht ganz einfach. Nein, wenn es um Partnerschaften geht. Ja, wenn es sich um Familie, oder Freunde handelt. Aber die Wirklichkeit ist noch komplexer. Hier (m)eine kurze Analyse.

Homosexualität, ist die Liebe zum gleichen Geschlecht. Daran ist nichts krankhaftes, Menschen werden so geboren. Aber sie sind noch immer Menschen und nicht etwa „falsch gepolt“, wie mir Mann einst schrieb.

Vermutlich hat der Gute das nicht mal böse gemeint und ist nur unachtsam mit seinen Worten gewesen. Kann ja mal passieren und ich werde ihn daher keinen homophoben Schwachkopf nennen. Das gehört sich für eine Mayumi nicht.

Und schon sind wir mitten beim Thema, schon sieht man(n) in mir die Männerhasserin. Was blanker Unsinn ist. Im November 2013 habe ich einen Artikel geschrieben, der mein Verhältnis zu Mann beschreibt. Wer ihn lesen mag, hier ist der Link. Der Artikel heißt: Mein Frieden mit Mann. 

Aber beim Thema Männer verhärten sich die Fronten schnell. Während (die meisten) Männer mit meinen Sprüchen können, machen ihre Frauen Front gegen mich. Offenbar hat Mann das in Zeiten der Genderkrise nötig. Ehrlich Jungs, wo ist euer Humor?

Schon mehrfach habe ich von meinem „Anti Männer Gen“ berichtet. Das ist halb Spaß, mit einen ernsten Hintergrund. So, wie Männer den „Geruch“ anderer Männer als abstoßend empfinden können, ist das auch bei mir.

Männliche Pheromone (starker Schweißgeruch) lösen meist Übelkeit und Abwehrverhalten bei mir aus. Ist das nun endlich angekommen? Wer das nicht glauben will, der sollte sich erkundigen. Es gibt Studien, die geanu das belegen.

Was ich nicht mag ist Gewalt gegen Frauen, die ich sofort bekämpfe. Ich kreide Patriarchen in gewissen Ländern ihr Verhalten gegen Frauen an. Und jedem Prügler in Deutschland, der Frauen als Objekte sieht.

Männer respektiere ich immer dann, wenn sie mir mit Respekt begegnen. Wer mich „kleine Frau“, oder „Schätzchen“ nennt, hat bei mir verloren. Und wer mir an die Wäsche will, der darf mit Konsequenzen rechnen.

Meine Erfahrungen sind keine pauschale Verurteilung der Spezies Mann. Aber so, wie sie über Frauen lästern, lästern wir Lesben über Kerle. Gleiches Recht für alle, wo ist das Problem? Mit „meinen Männern“, den Ingenieuren der Tuning-Firma, kann ich wunderbar. Ich bestimme und sie machen mit.

Unterscheiden kann ich durchaus zwischen dem Täter und einem liebenden Ehemann und Vater. Und von Dwayne Johnson (The Rock) bin ich Fan. Lesben mögen also durchaus Männer. Aber anders, als diese denken.

 

Die Stadt der Engel – Teil 4: Rot

Die Tage fliegen, es eilt die flüchtige Zeit. Wir erleben Weihnachten einmal anders. Es macht Spaß, auch ohne Schnee. Der Schock am Tag nach Heiligabend, der SUV ist weg. Keine Spur von dem Wagen, wir rufen die Mietwagenfirma an und die Polizei.

Cops in LA sind anders. Freundlich und doch bestimmt. „Don’t you worry“, meint der Officer und lacht. „Wir orten den Wagen ganz schnell mit GPS. Er hat recht, aber als sie den Wagen Stunden später finden, ist er nur noch Schrott. „Wegfahrsperren sind nur ein Witz“, erklärt der Officer. „Moderne Elektronik hat die lange überholt.“

Die Fingerabdrücke sind eindeutig. Moderne Elektronik hat sie wieder sichtbar gemacht. Ironie des Schicksals, auch bei der Polizei hat man dazugelernt. Noch am gleichen Tag nimmt man die Täter fest. Jugendliche im Drogenrausch, die sich einen Spaß machen wollten und schon mehrfach aufgefallen sind. Ihnen droht nun spezieller Jugendarrest, ein Camp mit militärischem Drill. Clever sein ist anders.

Wir bekommen einen neuen Wagen, aber es ist kein SUV. „I am so sorry“, sagt das California Girl und lächelt honigsüß. „Aber wir haben nur noch den Ford Mustang da.“ Immerhin ist er rot und immerhin ist es der V8. Das versöhnt, wenn ich schon mit einem anderen Flitzer fremdgehen muss. Rot war schon immer meine Farbe.

Ich gestehe, der Wagen hat was! Und er ist schnell. Nicht erwischen lassen, ist nun die Devise. Gibt es auch in LA eine Radar-App? Wir rufen Ally an, das Mädel aus der Abbey. Sie freut sich und will uns wirklich wiedersehen. „Ihr seid herzlich willkommen“, sagt sie. „Besucht uns, wir freuen uns auf euch.“

Santa Barbara ist nur ein Katzensprung. Wir verlassen das Hotel und brechen wieder auf. Ein letzter Besuch bei Onkel Jiro, den ich dieses Mal nicht mehr auf die Matte lege. Dafür hat er eine Überraschung bereit. Ein Deal ist perfekt. Das bringt Geld und Möglichkeiten. Und eine Bleibe in LA. Yeah!

Ally lebt etwas außerhalb von der Stadt, das Farmhaus ihrer Großeltern, ist als Wohnhaus umgebaut. „Wir haben eine Menge Platz für Freunde“, sagt sie und lacht. „Und eine Party coming!“ Ihre Eltern wohnen nebenan, zwei wirklich liebe Menschen.

Die Mutter freut sich Deutsch mit uns zu sprechen und auch Allys Papa John kann das ganz gut. „Meine Schwester ist auch gay“, sagt John und grinst. „Ich habe kein Problem damit, wenn meine Prinzessin glücklich ist.“ Er ist Oberstleutnant und nun bei der aktiven Reserve. Immer noch im Dienst mit toller Uniform.

Was Ally Party nennt, ist eine Fete der Superlative. Mehr als fünfzig Mädels überrennen den Ort in der Silvesternacht. Nicht alle sind Lesben, aber alle befreundet. Und wir treffen einen kleinen Star. In Los Angeles ist das völlig normal, dort wimmelt es davon. Ihre roten Haare leuchten, wie ihr strahlender Blick.

Das Mädel dreht eine Soap, die in Deutschland niemand kennt. „Reicht um recht ordentlich zu leben“, sagt sie lapidar. Wir unterhalten uns lange, sie ist sehr an Japan interessiert. Aber der Kontakt bleibt an der Oberfläche, wir werden sie nie wiedersehen.

Elfchen und ich werden herumgereicht, bestaunt und angehimmelt. Auch schöne Augen gibt es, das Interesse ist groß. Und diese Frauen können flirten. Natürlich nur fast so gut wie ich.

Wir machen Party bis zum Morgen, es wird getanzt, geküsst, gelacht. Aber ich bleibe meiner Elfe treu, da gibt es keinerlei Gefahr. Nur bei roten Autos gehe ich gern fremd. Aber das habt ihr schon gewusst. Da wird dann lustvoll geschaltet. Kommt noch wer mit?

Kurz wird es unschön, als eine betrunkene Butch auftaucht und lautstark ihre (Ex) Freundin sehen will. Sie wird handgreiflich und ich gebe eine Vorstellung meiner Kunst. Prompt landet sie auf der Nase und heult sich danach die Seele aus dem Leib. Ich kann es nicht ändern, aber Gewalt und Ungerechtigkeit sind mir ein Dorn im Auge. Dann greife ich ein. Punkt!

Die Mädels verarzten sie und flößen ihr Kaffee ein. Sie schämt sich hinterher für ihr Verhalten und alles ist wieder gut. Gut werden auch die nächsten Tage, die wir bei Ally und Heather verbringen. Die Familie betreibt einen Coffee-Shop und Diner. „Den haben uns die Großeltern vererbt“, sagt Ally und ihre Mutter nickt. Sie arbeitet dort mit und alle haben Spaß.

Ally hat Musik studiert und spielt perfekt Klavier. „Aber davon kannst du hier nicht leben“, sagt sie leise. „Also gebe ich die Kellnerin und spare.“ Auch für eine Deutschlandreise. Wir haben sie eingeladen und sie nimmt an. Wir haben mittlerweile schon wieder telefoniert. Ja, diese (neue) Freundschaft hält.

Im nächsten und letzten Beitrag wird es einen Zeitsprung geben. Er handelt vor der Party und beleuchtet eine andere Seite von Los Angeles, die gern vergessen wird.

Die Stadt der Engel – Teil 3: Heilig

The Abbey ist eine der bekanntesten Gay-Bars von LA. Hier leben die Heiligen des Regenbogens, das ist doch klar. Wir haben Brunch und wir sind nicht allein. Eine Gruppe junger Frauen hat sich zu uns gesellt. Wir reden, wir lachen und wir haben Spaß. „Ich kann Deutsch sprechen“, verrät uns Ally lachend. „Meine Mom kommt aus Passau am Inn.“

Ally ist 27 und superverliebt in ihre Heather, die nur 1 Jahr älter ist. Heather kommt aus New Jersey, die beiden haben sich übers Netz kennengelernt. „Nach einer Weile war ich mir sicher“, sagt Heather und drückt Allys kleine Hand. „Ich bin quer durch die USA geflogen, um diese Süße hier zu sehen. Und ich habe keinen Moment davon bereut!“

Was so einfach klingt, hat immerhin 2 lange Jahre gedauert. Nun leben die beiden in der Nähe von LA. Yuki erzählt unsere Geschichte und alles lauscht interessiert. Elfchens Englisch kommt spielend zurück. Nur ihr „German Accent“ ist niedlich, wie die Mädels uns gestehen. Mir glaubt man nicht, dass ich nie in Amerika war. „You talk like a local“, sagen sie und das nehme ich als Kompliment. Auch, wenn es vermutlich gelogen ist.

Einige deutsche Worte haben uns in Kontakt gebracht. Ally hat sie gehört und uns angesprochen. Sie lädt uns zu sich nach Hause ein und wir nehmen das Angebot an. Aber das wird noch ein anderer Bericht. Freundschaften in den USA zu schließen geht einfach und schnell. Aber meist können sich die Leute am nächsten Tag nicht mehr erinnern. Das mag bei vielen AmerikanerInnen so sein, diese Mädels sind anders.

Suyin ist in Hongkong geboren und kam schon als Kind nach LA. Sie lebt hier mit Taylor und ich habe selten einen süßeren Tomboy-Look gesehen. Die Süße ist so stylisch, sie wirkt schon fast wie ein Klischee. Aber sie ist Model und weiß was sie tut. Im Handumdrehen gibt sie uns Styling-Tipps. „Du siehst dann gleich viel lesbischer aus“, scherzt sie.

Aus Spaß stecke ich meine Haare hoch und Yuki schlägt die Hände vors Gesicht. Alles lacht und schnell umarme ich meine Elfe. Wieso nur schimmern ihre Augen feucht? Wir haben uns vor langer Zeit versprochen, uns nie von langen Haaren zu trennen. Das sind wir. Ein Kurzhaarschnitt steht nur den anderen.

Dass ich mein Leben lang Karate mache, wird von der Runde fast mit Ehrfurcht aufgenommen. Warum auch immer, mutiere ich auch hier zur Alpha. Dabei bin ich nachweislich die Kleinste im Raum. Nur mein Ego ist wieder mal 2 Meter groß. Aber ich dominiere niemand an diesem Tag, bleibe aber stets was und wer ich schon immer war.

Obwohl ich die Mädels nur kurz kenne, spüre ich ein Band. Verbundenheit über Landesgrenzen. Der Regenbogen hat uns vereint. Wir sprechen über Arbeit, Liebe und das Leben. Die LGBT-Szene in LA, die Unterschiede bei den Gesetzen. Ally und Heather sind verheiratet. Taylor und Suyin stehen kurz davor. Kinder sind ein Thema für alle. Als wir von unseren Adoptionsplänen sprechen, ist das Interesse groß.

Plötzlich Aufregung in der Abbey. Ein Hollywood-Sternchen kommt mit Gefolge. Die Süße zickt, als sie keinen Platz bekommt und rauscht mit wehenden Röcken davon. Die Mädels amüsieren sich über das Gehabe. „Das war eine Baby-Dike“, ist der abwertende Kommentar. „Sie versucht sich in der Szene, aber hat wenig Erfolg. Eine Spielerin, die niemand braucht.“ Ich nenne sie Drama Queen. Und die braucht wirklich keiner.

Wir aber brauchen eine Pause, die Zeitumstellung ist doch krass. Irgendwann fällst du einfach nur ins Bett und landest im Reich der Elfenträume. Im nächsten Teil der Serie gehen nicht nur Gefühle verloren. Was genau passiert, wird dann (k)ein Thema sein.

Die Stadt der Engel – Teil 1: Weltreise

Unser Entschluss nach Amerika zu reisen steht schon eine Weile fest. Los Angeles (LA) soll es sein, die Stadt der (queeren) Engel. Die LGBT-Gemeinde dort ist groß. Neugier, die mir eigen ist. Amerika, wir kommen!

Yuki freut sich. Es ist ihr zweiter Besuch in einem Land, das sie als Kind so wenig mochte. Aber LA ist nicht Chicago. Die Sonne brennt dort immer heiß. Und oft auch die Gemüter. Der Flug ist unspektakulär. Einfach nur (zu) lange. Irgendwann schläfst du automatisch ein. Und die Meilen eilen.

Wer noch nie eine Millionenstadt vom Flugzeug aus sah, wird einen kleinen Schock erleben. Wir kennen das bereits. Und doch ist der Anblick überwältigend. Elfchen ist aufgeregt. Erneut schaut sie nach unseren Papieren. Ist alles vollzählig, haben wir die Einreisefragen richtig ausgefüllt?

Ich beruhige sie und mit großen Mandelaugen verlässt sie neben mir den Flieger. Die Einreise ist Routine, wir zeigen die deutschen Pässe vor. Ein kritisch-freundlicher Blick des Beamten. „Welcome to Los Angeles, Welcome to the USA!“

Von Deutschland aus, haben wir einen Mietwagen geordert. Nein, kein Ford Mustang! Dieses Klischee bedienen wir nicht. Billiger wäre das. Spritfresser zu mieten ist in den USA normal. Wir wollen einen SUV. Der Chevrolet Equinox ist dafür die beste Wahl. Diesel Fehlanzeige. Das fahren meist nur Trucks.

LA ist eine Stadt der Superlative. Hier ist alles riesig. Auch die Staus. Wie gut, wenn Frau Geduld mitbringt. Das Navi gibt alles und bringt uns sicher durch die Stadt. Kleinwagen fährt hier keiner. Auch die Autos sind viel zu groß.

Deutschland und Japan sind vergessen. LA hat seine eigene Dimension. Willkommen in der Stadt geplatzter Träume in der doch alles möglich ist. Das Hotel ist uns von Freunden empfohlen worden. Es ist „Gay friendly“ und ziemlich queer.

Am Empfang die erste Überraschung. „Herzlich willkommen in LA!“ Mann spricht deutsch, er ist in München geboren. „Aber mein Daddy ist in the Army gewesen,“ erzählt er uns auf „Denglisch.“ „Musste er back to the USA, weißt du. It’s besser für me hier zu leben.“ Wir verstehen, der Mann ist gay.

Überwiegend junge Leute sind hier anzutreffen. Die Preise sind okay, aber wer schaut im Urlaub schon aufs Geld. Kontakt bekommst du schnell, aber auch durchaus (neu)gierige Blicke. „Lust mit uns Party zu machen?“, bekommen wir ein Angebot.

Die Frauen verschlingen uns mit ihren Blicken. Ich lehne höflich lächelnd ab und sorge für einen Schock bei den Mädels. „Nein danke, wir sind auf dem Sprung ins Karate Gym.“

Wer dort auf der Matte liegt, oder ob ich vielleicht auf den Hintern fliege, gibt es im nächsten Teil zu lesen. Bis dahin allen LeserInnen: Willkommen in einem neuen Jahr.

Wenn die Besucher kommen

Wenn Besucher als Freunde kommen, sind sie stets willkommen. Anders sieht das bei ungebetenen Gästen aus. Nun ist ein Blog quasi öffentliches Gelände und google ein schlechter Navigator. Vielleicht ist es aber auch gut zu sehen, was so manchen Besucher bewegt. Aufgelistet sind die Suchbegriffe aus 30 Tagen. Launig kommentiert von mir.

1. – können japaner chinesisch lesen – Diese Frage halte ich für die beste seit langer Zeit. Die Antwort ist ganz einfach. Und auch wieder nicht. Japaner können Kanji lesen, eine Symbolschrift, die ursprünglich aus China stammt. Aber die Kanji haben sich mit der Zeit verändert. Beide Länder hatten Reformen, die sie nicht miteinander teilen. Einige Kanji haben in Japan eine andere Bedeutung und werden dort noch mit Katakana und / oder Hiragana ergänzt. Ein Japaner kann durchaus chinesische Kanji lesen, die Frage ist nur, wie er den Text versteht. Grob ja. Im Detail? Nein. Dazu müsste man mit beiden Kanji Schreibweisen vertraut sein.

2. – gay buben skat – Falscher Blog? Die heißen Boys aus der Nachbarschaft wohnen nebenan.

3. judoschule prass lügner – Die Sportschule Prass gibt es schon sehr lange in Düsseldorf. Dort wird Judo und Jiu-Jitsu unterrichtet. Es gab (von Neidern?) öfter Zweifel, ob der Gründer wirklich einen so hohen Dan-Grad hatte, bzw. wer ihn in den 1950iger Jahren, mit dem 1. Dan adelte. Ich zumindest weiß es nicht.

4. – warum darf man bei kyokushinkai nicht auf den kopf schlagen – Kyokushin Karate gilt als das härteste Karate der Welt. Dort wird im Vollkontakt gekämpft. Aber ohne Handschuhe und Helm. Die Regeln verbieten Schläge zum Kopf, lediglich Tritte sind erlaubt. Warum das so ist? Weil es die dortigen Regeln sind. Ich kann mutmaßen: um die Verletzungsgefahr für beide Kämpfer zu minimieren.

5. – flirten in japan – Das ist ein guter Suchbegriff! JapanerInnen sind zurückhaltender beim flirten, als Deutsche, oder Amerikaner. Und trotzdem funktioniert es. Klassisch in der Schule, der Uni, im Verein. Dort lernen Frau und Mann sich kennen. Oder auf der Arbeit. Starren, intensiver Augenkontakt, gilt in Japan als grob unhöflich. Ich könnte erzählen, wie Lesben dort flirten. Aber wenn ich das mache kratzt Elfchen mir die Augen aus.

6. – hetero verliebt in lesbische frau – Und da haben wir es wieder, das klassiche Missverständnis. Hetero Frauen verlieben sich normalerweise nicht in andere Frauen. Bisexuelle Frauen schon. Da gibt es kein wenn und aber oder vielleicht. Vielleicht hattest du nur noch kein Coming Out und bist dir deiner Gefühle nicht bewusst. Bisexuell zu sein ist keine Krankheit. Punkt!

7. – unglücklich verliebt in hetero frau – Das Gegenstück und viel öfter anzutreffen. Es ist Fakt, dass Heten auch mit Lesben flirten. Alle Mädels können das perfekt. Ich kenne einen Fall von unglücklicher Liebe, bei der eine Lesbe sich in ihre beste (Jugend)Freundin verguckte. Die, völlig verzweifelt, wusste sich nicht anders zu helfen, als ihrer Freundin Trost zu spenden. Mit innigen Umarmungen, was alles nur noch komplizierter machte. Ich habe beiden die hübschen Köpfchen gewaschen und ihnen eine Auszeit von ihrer Freundschaft verpasst. Sie gingen auf Distanz und die Lesbe verliebte sich in einer andere Schwester. Danach war alles wieder gut. Fazit: mach dich nicht unglücklich und wildere nicht in fremden Revieren. Heten bleiben meist Heten und werden nicht zu Lesben.

8. – berlin krav maga lesben – Es gibt in Berlin mehrere Krav Maga Schulen. Die Chance dort eine Lesbe zu treffen, halte ich für durchaus hoch. Noch höher, dort von ihr (zwischen die Augen)  getroffen zu werden. Das nur so zur Info nebenbei.

9. – japanerinnen lieben inkontinenzeinlagen – Ich vermute Hirninkotinenz bei dir, lieber Besucher.

10. – lesben im normalen club erkennen – Ich wette, dass die meisten Menschen Lesben nicht einmal in einem Szene-Club erkennen können. Wie auch? Der angebliche Kurzhaarschnitt kommt immer mehr aus der Mode. Zumindest in meinen Kreisen. Da kenne ich Heten, die mehr Tomboy sind als ich. Aber wer weiß, vielleicht sollten wir uns das L-Word quer über die Stirn tätowieren. Sehr zur Freude von [Begriff der eigenen Wahl eintragen]

11. – können lespen sich ändern – Nein, das ist kein Tippfehler, liebe LeserInnen. Wieder werden die mysteriösen „Lespen“ angesprochen. Leider kenne ich keine, aber ich werde intensiv nach ihnen suchen! Aber vielleicht spielt der Suchbegriff auf die sexuelle Orientierung von Lesben an. Mann sucht Lesbe zum …? Sorry, nicht mehr in diesem Leben.

12. – wie befriedigen sich lesben – Liebe LeserInnen, ich verrate nun das vermutlich bestgehütete Geheimnis der lesbischen Welt. Schritt 1: Wir gehen in die Küche, stellen uns in Pose und hoffen, dass kein Mieder zwickt. Schritt 2: Wir schalten den Herd ein. 1.000 Grad Oberhitze sollten reichen. Schritt 3: Wir suchen einen möglichst schweren und möglichst gusseisernen Topf. Den wir in Schritt 4 mit Öl und genau 9 Buchstaben befüllen. Schritt 5: Wenn das Öl den Siedepunkt erreicht hat, oder bereits in Flammen steht und die Küche lichterloh brennt, rufen wir in Schritt 6 den homophoben Nachbarn und bitten ihn uns zu retten. Total befriedigt sehen wir dann zu, wie sich das Wort „Vollidiot“ in seinen Körper brennt.

13. – lesben machen mit einem besen – Die leicht abgewandelte Variante eines weiteren Klassikers. Yuki hat mich fragend angeschaut, als ich unseren Besen hole. „Ich mache jetzt eine Lesbe“, sage ich und schaue den Besen intensiv an. Irgendwie ist das Teil wenig attraktiv und ziemlich haarig. „Du bist vielleicht doof“, meint Yuki und nimmt mir den Besen ab. Sie dreht ihn um und drückt in mir erneut in die Hand. „Fegen ist angesagt, meine Süße. Das und nichts anderes kannst du mit einem Besen machen.“ Hat das nun auch der dümmste Besucher kapiert?

14. – sex mit japanischen frauen haben – … ist offenbar ein (feuchter) Traum für (deutsche) Männer. Mehr wird das auch nie werden.

Die Liebesbotin

„Beim ersten Mal, da tut’s noch weh“, beginnt ein altes Lied, das ich auf youtube hörte. „Da glaubt man noch, dass man es nie verwinden kann.“ Und so stehe ich hier meiner Unschuld beraubt. Oder war es doch nur die Anonymität?

Ein Mädel steht vor mir im Supermarkt, sie mag vielleicht zwanzig sein. „Entschuldigung“, flüstert sie und tritt von einem Fuß auf den anderen, „aber darf ich vielleicht was fragen?“ Yuki ist überraschter als ich, schon lange habe ich damit gerechnet. „Nur zu“, erwidere ich und lächele die Kleine an, die deutlich größer ist als wir.

Sie wird knallrot. Vermutlich rutscht ihr kleines Herz nun in die Magengegend. „Du …, also ihr seid doch diese Bloggerinnen?“, sagt sie leise. „Also Nandalya, oder nicht?“ „Die da bloggt“, meldet sich Yuki bevor ich etwas sagen kann. „Ich darf nur für sie putzen.“

Das Mädchen lacht, das Eis ist gebrochen. „Ihr seid es also wirklich, ich freue mich ja so! Ich bin übrigens die Christiane und lese seit über einem Jahr bei euch mit.“ „Wie hast du uns erkannt?“, will ich wissen und ahne die Antwort schon. „Vermutlich an unseren supercoolen Look.“

Christianes Blick wandert hin und her. „Am Auto“, sagt sie dann. „An diesem roten Wagen. Ich hätte nicht mal gewusst, wer wer ist von euch. Bitte nicht böse sein, aber ihr seht euch ziemlich ähnlich.“

Yuki schenkt ihr ein Elfenlachen, während mein Gaydar längst auf Empfang gegangen ist. Christiane ist lesbisch, das kann ich deutlich spüren. „Ich bin viel hübscher, als die Dicke da“, beginnt Yuki unser altes Spiel. Und größer!“ Auf Zehenspitzen kann jede stehen.

„Ich finde Mayumi aber nicht dick“, sagt Christiane. „Aber ich habe einige Kilo zuviel!“ „Blödsinn, Süße!“, stoppe ich sie sofort. „Frauen sollten nie auf andere hören. Dieser ganze Schlankheitswahn ist sowas von daneben. Iss was du magst, aber treib dabei auch etwas Sport.“

Christiane nickt zögernd und beißt sich auf die Unterlippe. „Ihr spielt das also nur, oder wie?“ Yuki verdreht die Augen, als ich mein Shirt kurz lüfte. Fett? Fehlanzeige. Mein Bauch bleibt ultraflach.

Mit meinem Gespür für Probleme weiß ich bereits, dass Christiane etwas auf dem Herzen hat. Ein Blick auf die Uhr, wir haben Zeit. Aber einkaufen ist ebenfalls wichtig, wir treffen uns danach in einem nahen Cafe. Spontan haben wir Christiane eingeladen, die noch immer von der Rolle ist.

„Ich habe mich nie getraut etwas im Blog bei dir zu schreiben“, gesteht sie mir. „Aber was du schreibst finde ich ganz toll!“ „Alles?“, feixe ich und schon wieder wird sie rot. Yuki knufft mich und sofort bin ich wieder lieb.

„Was bedrückt dich?“, will ich wissen. „Es hat etwas mit Frauen zu tun, wenn ich das richtig sehe.“ Christiane hebt überrascht den Kopf. Sie sind so süß, diese roten Bäckchen. „Du bist wirklich so, wie ich es mir vorgestellt habe“, sagt sie und holt ganz tief Luft. „Ja, ich habe mich in eine andere Frau verliebt!“

Nun ist es gesagt und ängstlich sieht sie sich um. Aber kein homophober Mensch springt in die Bresche, um sie zu blamieren. „Wie lange weißt du es?“, frage ich und schaue auf ihre kurze Fingernägel. Schwarz wie die Nacht, aber himmlisch blaue Augen.

„Immer schon“, sagt Christiane. „Ich fand immer nur Frauen attraktiv. Schauspielerinnen, Sportlerinnen, Promis, sogar meine Lehrerinnen. Männer haben mich noch niemals interessiert.“ Du warst also noch nie mit einem Mann zusammen?“, stellt Yuki klar. Christiane nickt und schüttelt dann den Kopf. „Doch, ich hab mal einen Jungen geküsst.“

„Wie wars?“, frage ich sofort und kenne die Antwort schon wieder. „Eklig, er hat mir seine Zunge in den Hals gesteckt!“ „Frauen küssen besser“, sage ich überzeugt. „Vor allem aber länger, anders. Hast du denn schon eine Frau geküsst?“ Die Sonne geht auf, als Christiane nickt. „Ja!“, sagt sie. „Und ich bin total verliebt!“

„Und wo ist das Problem bei der Sache?“, bohre ich weiter. „Irgendwas bedrückt dich. Also raus damit.“ Christiane trinkt einen Schluck Tee und  fasst allen Mut zusammen. „Ich weiß einfach nicht, was sie von mir denkt! Und ob sie überhaupt …, oder nur spielt. Ach das ist alles so schrecklich kompliziert!“

Die Schleusen öffnen sich, die Tränenflut schießt ihr mit Macht ins hübsche Gesicht. Spontan und synchron greifen wir nach ihren Händen. Christiane zittert, das elementare Chaos tobt in ihr. „Liebe ist eigentlich ganz einfach“, sage ich. „Aber Liebe ist auch mehr als nur ein Wort.“

Christiane erzählt uns von Cornelia und wie sie sich kennenlernten und warum. Was sie gemeinsam machten, wie gut sie sich verstehen. „Wir treffen uns seit fast 2 Monaten alle paar Tage und letzte Woche haben wir uns zum ersten Mal geküsst. Also ich sie! Es ist einfach so passiert. Und nun weiß ich nicht, ob das okay war und was sie von mir denkt … “

„Auszeit!“, unterbreche ich ihren Redefluss und drücke ihre kleine Hand. „Immer langsam und der Reihe nach. Und noch mal von vorn.“ Christianes Tränen versiegen, sie löst ihre Hände und Yuki reicht ihr ein Papiertaschentuch. Näschen putzen, Köpfchen klären. Und schon geht es weiter im Text.

„Ihr habt euch also in einer LGBT-Bar getroffen“, sage ich. „Das ist ein gutes Zeichen. Aber da gehen auch Heten hin. Erzähl mir mehr von Cornelia, wie sie sich verhält. Beschreib mir was sie macht, wenn ihr etwas unternehmt.“

„Warte, ich habe ein Bild von ihr“, sagt Christiane umd holt ihr Handy aus der Jacke. Ein süßer Tomboylook schaut uns entgegen. Mädel, die ist ja sowas von gay! „Sie nimmt immer meinen Arm, wenn wir spazieren gehen. Und manchmal legt sie den Kopf auf meine Schulter. Aber nur kurz!“

„Und wo ist nun bitte das Problem?“, will ich wissen. „Deutlicher kann sie es kaum zeigen! Oder wartest du auf einen Liebesbeweis? Süße, sie ist eine Frau! Wie du auch! Und vermutlich ebenso schüchtern. Eine muss den ersten Schritt machen, sonst geht ihr aneinander vorbei. Und das kannst du kaum wollen.“

„Ich bin aber nicht so stark, wie du“, erwidert Christiane. „Und ich weiß einfach nicht, was ich machen soll. In meinem Bauch tanzen Schmetterlinge wenn ich nur an sie denke und mein Kopf ist völlig verwirrt.“ „Was bei Cornelia vermutlich ebenso ist“, wirft Yuki ein. „Mayumi hat recht und ich den ersten Schritt bei ihr gemacht!“

„Ach ja?“, necke ich sie. „Das wüsste ich aber. „Du hast nur meine Hose angeschaut.“ „Quatsch, ich war scharf auf deinen Hintern!“, kommt Elfchens Konter. Wir lachen, Christianes Schmerz scheint verflogen. Und ich spiele Schicksal, das kann ich gut.

Christiane hat erzählt, dass Corinna in der Nähe arbeitet und sie sich später treffen. Der Plan ist so einfach wie genial. In der Liebe sind alle Mittel erlaubt. Hemmungen? Ihr könnt mich mal! Warum zögern, wenn die Liebe auf dem Vormarsch ist. Und ich bin heute ihre Anführerin. Oder immer, ist doch klar.

Als ich nach ihrem Handy greife lächelt sie noch. Als ich die Kurzwahl „Cori“ drücke, ist ist fast panisch und schaut entsetzt. „Bist du Corinna?, frage ich, als sich eine Frauenstimme meldet. „Vielleicht interessiert es dich, Christiane ist mit einer anderen Frau im Cafe Mayer und scheint ziemlich verliebt zu sein. “

Ich sehe blankes Entsetzen in Christianes Gesicht. Selbst Elfchen ist plötzlich still. „Ich wette sie ist in 10 Minuten hier“, sage ich ungerührt. „Falls nicht kannst du sie vergessen.“ Christiane heult, sie kann sich kaum beruhigen.

Elfchens flache Hand trifft meine Stirn. Aber ich aber bin mir sicher. „Nicht weinen“, sage ich zu Christiane und schaue auf die Uhr. „Um diese Zeit sollte wenig Verkehr sein.“ Und wirklich fährt nach 8 Minuten ein kleines Auto vor.

Eine völlig aufgelöste Cornelia stürmt das Cafe. Wild funkeln die Augen, als sie uns sieht. „Was …? Verwirrt bleibt sie stehen, als ich meinen Arm um Elfchen lege. „Sorry, Süße“, sage ich und meine es so. „Hier hast du deine Freundin. Ich habe nur Liebesbotin gespielt.“

„Cori?“, flüstert Christiane und kann es kaum glauben. Prompt fallen sich die beiden um den Hals. „Geht doch“, stelle ich zufrieden fest und bedeute Yuki, dass wir gehen. „Manchmal braucht die Liebe einen kleinen Tritt.“

„Du bist … unmöglich!“, sagt Yuki leise. „Ich dachte wirklich, das geht schief.“ „Du solltest mich besser kennen“, erwidere ich und deute auf die beiden Turteltauben. Feuchte Küsse, ach wie wunderbar.

Zwei Tage später, der gleiche Supermarkt. Auf dem Parkplatz erreicht uns eine Stimme. Christiane kommt mit Corinna angelaufen. Hand in Hand und atemlos. „Ich … also wir“, beginnt sie und strahlt, wie die Sommersonne. Ihre Stimme versagt vor Liebesglück.

„Danke!“, sagt Corinna tapfer an ihrer Stelle. „Ich war völlig geschockt, aber jetzt bin ich superfroh.“ Christiane nickt. „Du bist echt krass“, flüstert sie und schaut kurz zu Boden. „Ich … ich … vielen lieben Dank! Manchmal kann ich wirklich eine Schlaftablette sein.“

Ich zwinkere den beiden zu und steige mit Elfchen in den Z. Grollend erwachen die nun 600 Pferdestärken. „Beim ersten Mal, da tut’s noch weh“, singe ich leise, „da glaubt man noch, dass man es nie verwinden kann. Und jetzt macht was aus der Sache! Ich bin nicht immer als Liebesbotin da.“

Krieg der Welten

Krieg der Welten ist ein Film. Und kein schlechter seiner Art. Auch die Menschen streiten oft über ihre „Welten,“ über Politik und Religion. Vehement und zur Not mit Gewalt, wird die eigene Meinung durchgesetzt. Faire Diskussionen Fehlanzeige. Sogar in Blogs wird oft heftigst getritten.

Fanatiker und Besserwisser zwingen uns ihre Sicht der Dinge auf. Und wehe ein Kommentator widerspricht! Sofort werden die Messer gewetzt. Aber fair ist anders. (Verbale) Tritte in den Unterleib haben bei Diskussionen keinen Platz. Auch im Sport-Karate sind die verboten. Ein Straßenkampf sieht völlig anders aus.

Vor einigen Tagen gibt es auch in unserem Dojo Krieg. Zumindest aber eine Schlacht. Zwei Welten begegnen sich. Thailand, durch einen jungen Mann vertreten. Und Deutschland, mit Wing Chun. Verstärkt durch japanisches Karate, also mich.

Als ich Anuphab (Thai für „Der Kräftige“) sehe, mag ich kaum meinen Augen trauen. Vor mir steht eine 1:1 Kopie der Muay Thai Legende Buakaw! Und mit dem will keiner wirklich in den Ring. Aber Anuphab ist anders, ein großer Junge mit viel Spaß am Sport.

Der junge Thai ist ein kleiner Star in seiner Stadt und hat schon viele Kämpfe in Ring gewonnen. Auf die Idee ihn nach Deutschland einzuladen, ist unser Sifu gekommen. Er traf Anuphab, als er im Thailand Urlaub war. Er finanziert den Flug und gibt dem Thai auch Unterkunft. Der freut sich sichtlich. Wir uns auch.

Mit 24 Jahren ist Anuphab auf dem Höhepunkt seines Könnens. Im Ring steht er seit er ein Junge ist. Den Wing Chun Schülern soll er helfen, den Blick über den Tellerand zu lenken, den viele leider niemals wagen. Unbesiegbar ist niemand. Das glauben viele nur.

Anuphab spricht Thai und ein wirklich exzellentes Englisch. Als er mich sieht stutzt er kurz. Und verbeugt sich prompt, als der Sifu erklärt wer ich bin. Auch Karate hat in Thailand Stellenwert. Meister ehrt Meisterin, auch ich verbeuge mich. Weniger tief. Dafür ist es mein Lächeln.

Muay Thai ist ein harter Sport. Die schnellen Kicks zum Oberschenkel können schmerzhaft sein. Und ein Knie im Bauch ist oft das Ende eines Kampfes. Anuphab zeigt Dinge, die fast alle staunen lassen. Muay Thai Boran, die Urform des heutigen Sports, ist noch eine Spur effektiver. Und auch die kann der „kräftige Mann.“

Anuphab ist keine Spur arrogant. Er hat sichtlich Freude am Training, lacht viel und korrigiert, wenn die Schüler etwas nicht verstehen. Er mag Wing Chun und auch Karate. „Ich habe alles schon probiert“, verrät er uns. Auf die Ähnlichkeit mit Buakaw angesprochen winkt er nur ab. „Thais sehen doch alle gleich aus“, sagt er locker und zwinkert dabei. „Den Rest macht die Frisur.“ Humor, wie ich ihn mag.

Im Gegensatz zu anderen Wing Chun-Clubs gibt es bei uns regelmäßig Sparring. Heute mixen wir die Stile. Aber schnell wird klar, dass kein Schüler dem jungen Thai das Wasser reichen kann. Der ist viel zu gut. Nur das Trainer-Duo hat Chancen gegen den Dynamiker. Ich halte mich vorerst zurück.

Genau das scheint Anuphabs Neugier zu wecken. „Darf ich dir meine Kunst zeigen?“, fragt er und verbeugt sich wieder. Buddha hilf, ist nun mein Ende nah? Nun mögen viele LeserInnen glauben, dass ich den Burschen locker weghauen kann. Das gilt für den Alltagsmenschen, der meist unsportlich ist. Und auch für überhebliche Typen, die viel zu langsam für mich sind.

Gegen einen echten Thai Boxer sehen die meisten anderen Kampfsportler mehr als nur dämlich aus. Nämlich immer dann, wenn sie nach deren Regeln kämpfen. Gleiches gilt für Thai Boxer, wenn sie z. B. Judo machen. Dort werden auch sie vorgeführt. Bei einem „Kampf“ gewinnt kein Stil. Es gewinnt der Mensch, der besser ist.

Außerdem sprechen wir von Sport, von Regeln. Und auf Muay Thai-Regeln lasse ich mich kaum ein. Ein brutaler Tritt von Mann auf meinen Oberschenkel, wäre das Aus für mich als Frau. Und ein hohes Knie mein Ende. R.I.P. Mayumi-San!

Kneife ich, bin ich nur eine Papiertigerin? Ich nehme an. Lächelnd. Japans Sonne geht im Dojo auf. Und die Thailands unter, als ich Anuphab mit einem gesprungenen Drehkick-Konter von den Beinen hole. Taekwon-Do in Reinkultur und mein Blick über den Tellerrand.

Ich bin das, was man eine „Konterboxerin“ nennen kann. Wer die Hand gegen mich hebt, hat schon verloren. Und Hemmungen sind mir fremd. Vor allem, wenn ich Männer hauen darf. Denen bin ich darin überlegen. Was ich auszunutzen weiß. Und Angst hatte ich noch nie.

Anuphab bleibt länger liegen als nötig. Sein Grinsen ist filmreif. Wirklich hart habe ich ihn nicht getroffen, es war mehr ein „Wischer“, aber gut. Er kommt auf die Beine und applaudiert. Kein Hass, kein Zorn, er nimmt die Niederlage an. Aber es geht noch weiter in Runde 2.

Er tänzelt, täuscht und feuert seine Linke blitzschnell ab. Träfe sie, ich wäre KO. Aber wie schon Buakaw in seinem Kampf gegen Yi-Long weiche ich dem Jap mühelos aus, der ohnehin nur angedeutet war. Statt selbst zu schlagen drehe ich mich in den Mann, greife seinen Arm und lasse eine kleine Bewegung folgen. Anuphab fliegt über meinen Rücken und landet krachend auf den Hosenboden.

Sein herzliches Lachen ist ansteckend. „Das hat schon lange keiner mehr mit mir gemacht“, verrät er mir. „Mein älterer Bru …“ Anuphab unterbricht sich und holt tief Luft. „Meine ältere Schwester schon“, fährt er dann fort und schaut mich an. „Sie war eine Meisterin des Sports. So, wie du.“

Ich ahne die Wahrheit mehr, als ich sie zu diesem Zeitpunkt weiß. Anuphabs Schwester war eine Kathoey, eine Transsexuelle, die vor einigen Jahren bei einem Unfall starb. „Sie hat mich unterrichtet“, erzählt er später“, als er begreift, dass ich lesbisch bin. „Ohne sie, wäre ich nie so weit in diesem Sport gekommen.“

Im Verlauf des Abends taut er noch weiter auf. „Gay means happy, right?“, sagt er und lacht schon wieder. Krieg der Welten führt er nicht. Wir haben längst aufgehört zu sparren. Anuphab hat breit grinsend erklärt, dass er Frauen niemals schlagen kann. Ein Schlitzohr, das Wortspiele kennt.

50 Shades of Gay

Wenn die Gesellschaft über Lesben spricht, hat sie sofort ein Bild vor Augen. Maskuline Frauen mit kurzen Haaren, die wie Männer wirken. Natürlich rauchen und trinken die alle und sind absolut gegen Mann. Aber stimmt die alte Formel noch, je kürzer die Haare, umso mehr homo ist der Mensch?

Kurze Pause, harter Schnitt. Zeit um ganz tief Luft zu holen. Nein, liebe LeserInnen, DIE typische Lesbe gibt es nicht. Aus Amerika sind Stereotypen über den großen Teich geschwappt, die uns Lesben gern klassifizieren. Da gibt es die Butches, die Lipstick Lesbians, die Femmes, um nur einige zu nennen. Und es gibt Yuki und mich.

Nach lesbischen Maßstäben bin ich eine Butch, Top, oder Alpha-Frau. Nur meine langen Haare passen nicht zum Klischee. Yuki klassifiziert die typische Femme. Aber in Wirklichkeit sind die Grenzen fließend. Yuki gegenüber bin ich niemals dominant. Wir entscheiden immer gemeinsam. Aber sie bekommt die Kinder. Und die Mama-Butch bin ich.

Lesbisch / schwul zu sein, war lange Zeit geächtet. Homophobie gibt es noch immer, die Gesellschaft denkt nur langsam um. Aber tun das auch die Lesben, die ich stellvertretend für beide Geschlechter nennen will. Die lesbische Kurzhaarfrisur war eine Weile durchaus in. Bewusst hat Frau sich abgegrenzt und auf ihre Orientierung hingewiesen.

Aber Tomboy-Look, Piercings, Tattoos und kurze Haare, haben längst ihren Platz bei allen Frauen gefunden. Selbst Heten haben (wieder) kurze Fingernägel und Lesben lassen die Haare wachsen. Die lesbische Community hat sich verändert. Auch wir sind modebewusst, ist doch klar.

Und doch gibt es Unterschiede, die zum Teil gewaltig sind. Aber gibts die nicht bei allen Menschen? Auch wenn alle Menschen gleich sind, so sind doch alle verschieden, was Denkweise und Aussehen betrifft. Und so ist das auch bei Lesben. Da gibt es wirklich mehr als „50 Shades of Gay.“

The Girls of Tai-Chi

Düsseldorf im Sommer vor einigen Jahren, mein jüngeres Ich ist auf Studienreise durch die Dojos der Stadt. Ich übe Kung Fu und das macht mir großen Spaß. Instinktiv setze ich neue Dinge um und erschaffe die Grundlagen meines Stils. Dann treffe ich auf Sifu Betty Wu, eine chninesische Tai-Chi-Meisterin. Die Frau ist wunderbar!

Tai-Chi gilt als weicher Stil, als inneres Kung Fu. Es dient der Gesundheit, der Balance von Körper und Geist. Sifu Wu kommt aus Taiwan, hat aber auch schon in Hongkong gelebt. Sie ist 40 Jahre jung. Alt sehen nur andere aus, die diese Frau nicht ernst nehmen wollen.

Tai-Chi-Chuan gibt es in verschiedenen Formen und es kann auch schnell angewendet werden. Zur Selbstverteidigung, zum Kampf. Auch das wird mich die Meisterin lehren. Ihre beste Schülerin ist stets mit dabei. Ihr Name ist Lia und Sifu Wus Nichte.

Ich habe wenig Mühe, die Bewegungen zu lernen. Meine Form des Karate kennt auch den weichen Stil. Und doch bin ich überrascht, als mir die Meisterin Dinge zeigt, die ich sofort verinnerlicht habe. Mein Papa schmunzelt, als ich ihm davon erzähle. „Auch andere Meister können gut lehren“, sagt er rätselhaft. „Und Tai-Chi ist durchaus gut.“

Mein unruhiger Geist rebelliert, als Tai-Chi dann doch nicht schneller wird. Mir fehlt jene Dynamik, die mich schon immer ausgezeichnet hat. Sifu Wu weiß um meine Klasse. Aber Girls of Tai-Chi kämpfen nicht, sagt sie mir Und genau das ändert sich an einem besonderen Tag.
Lia spricht nur Englisch und Kantonesisch. Aber wir verstehen uns trotzdem sehr gut. Sie ist so alt wie ich, aber fast noch zierlicher. Dass ich auf Frauen stehe stört sie wenig.

Ich nehme Lia in eine Lesben-Bar mit, was sie äußerst witzig findet. Sie ist sehr westlich aufgeschlossen, hat aber keinen Blick für Frauen. Kein Problem für mich, eine kleine Geliebte ist stets zur Hand. So auch an diesem Abend.
Ich tanze eng umschlungen und bin kurz von meiner Begleiterin abgelenkt. Eine angetrunkene Lesbe reagiert aggressiv, als sie von Lia abgewiesen wird.
Freundlich, wie Lia später erzählt.

Ein Handgemenge an unserem Tisch, ich bin mit einem Schritt am Platz. Aber ich bin nur Zeugin, wie Lia ihre Kunst anwendet. Der Begriff „auflaufen lassen“ bekommt bei ihr einen neuen Sinn. Fassunglos sitzt das angetrunkene Mädel am Boden und reibt sich den hübschen Po. Nur noch ein Häufchen Elend, dem ich einige nette Worte stecke. Dann befördere ich sie höchstpersönlich aus dem Club.
Lia ist der Vorfall unangenehm. „Ich mag eigentlich nicht kämpfen“, sagt sie. Aber sie hat es perfekt getan.
Tai-Chi ist mehr als nur Gesundheitssport.

Der Abend wird doch noch lustig und wir haben eine Menge Spaß. Lia ist fröhlich und gewinnt zwei weitere Schülerinnen für ihre Tante.
„Als meine Eltern starben, hat mich Tante Betty aufgenommen“, erzählt mir Lia. „Und seit ich Fünf bin trainiere ich Tai-Chi.“
„Hast du keinen Freund?“, will ich prompt wissen? Die Jungs stehen doch bestimmt Schlange bei dir.“
Lias Lachen verzaubert mich. Sie ist ein Engel, das ist klar.
„Ich bin nicht so eine Art Mädchen“, sagt sie leise. „Männer wollen mich nicht.“
Nur kurz bin ich verwirrt. Mein Gaydar hat sich nie geirrt und Lia ist absolut hetero.
Was mag ihr Geheimnis sein?

Die wochen vergehen, Lia und ich unternehmen viel. Als der Herbst kommt muss sie gehen.
„Tante Betty hat ein Angebot aus England“, sagt sie mir. „Sie wird in London unterrichten.“
„London?“, sage ich und runzele die Stirn. „Die reden da immer so komisch.“
„Du bist immer so direkt, Mayumi“, erwidert Lia und lacht. „Aber die netteste Japanerin, die ich kenne.“
Sie zögert kurz und gibt sich einen Ruck.
„Was ich dir nun erzähle wissen nur wenige Menschen“, fährt sie fort. „Aber ich vertraue dir.“
Sie schaut mich tapfer an und gibt sich einen Ruck. „Ich … ich bin keine richtige Frau“, sagt sie leise. „Ich kann keine Kinder bekommen.“
Die Wahrheit tut oft weh.

Regungslos verdaue ich die Neuigkeit. Ist Lia etwa intersexuell? Was da vor mir steht, ist eindeutig Frau. Weder Stimme, Gesicht, Kehlkopf, Hände, oder Füße sind anders. Alles ist fraulich klein. Und doch kommt es noch schlimmer.
„Ich habe keine Eierstöcke“, fährt Lia fort. Und mein Busen wuchs erst durch Hormone, die ich seit einigen Jahren nehmen muss.“
Lias Stimme zittert leicht, als sie mir alles gesteht. Aber ich verurteile nicht. Und doch will ich etwas wissen.
Neugier, die ich meine.

„Fühlst du dich denn von Männern angezogen?“, frage ich.
„Lia schüttelt leicht den Kopf, sie wirkt verlegen. „Ich mag gern Freunde haben“, erwidert sie. „Sex hatte ich noch nie. Weder Frauen noch Männer ziehen mich an. Und doch kann ich lieben. Aber auf meine eigene Art.“
Was Lia mir sagen will: sie ist asexuell. Und das ist keine Seltenheit. Lia weiß, was Liebe ist. Vielleicht kann sie den richtigen Menschen küssen. Aber sie wird niemals Sex haben, was schwer zu begreifen ist.

Lia hat mein Mitgefühl, ihr Schicksal hat mich tief berührt. Sie sieht es locker, Mitleid ist bei ihr fehl am Platz. Bevor sie geht erfüllt sie mir noch einen letzten Wunsch. Ein sportlicher Wettkampf unter Mädchen. Und Sifu Betty hat die Augen verdreht.

Auch als Siegertyp bin ich niemals überheblich. Meine scheinbare Arroganz ist meist nur Ironie. Ich weiß, was Lia kann. Und doch bin ich von mir überzeugt. Aber zum  ersten Mal in meinem Leben treffe ich auf einen Menschen, der mir zumindest ebenbürtig ist. Egal was ich versuche, Lia weicht mir lächelnd aus. Doch ihre Konter laufen auch ins Leere. Der Kampf, der keiner ist, endet unentschieden. Meisterinnen unter sich.
Sifu Betty nimmt uns beide in den Arm. Ein Lob, das ich genieße.

Lia lebt noch immer in England. Über die Jahre halten wir sporadisch Kontakt. Vor einigen Tagen dann die Nachricht, dass sie Düsseldorf besucht. Und Sifu Betty ist auch dabei. Das Wiedersehen ist herzlich. Die Zeit hat kaum Spuren bei den beiden hinterlassen. Aber Lia hat noch eine Überraschung bereit, die selbst mir die Sprache verschlägt. Zwei kleine Mädchen, die sie liebvoll Mama nennen. Ihre eigenen „Girls of Tai-Chi.“

Lea und Mia sind Zwillinge, die früh ihre Eltern verloren haben. Lia hat die beiden adoptiert, wenn auch nicht allein.
„Ich habe geheiratet“, verrät sie mir lachend. „Er heißt Peter und ist ein schwuler Mann. Und mein allerbester Freund. Naürlich ist die Ehe nur Schein. Aber die Mädchen mögen ihn. Ich habe die beiden in einem Heim gefunden, als wir in Liverpool einen Auftritt hatten. Der Rest war Formsache.“
Mehr verrate ich euch nicht.

„Lehrst du sie?“, will ich wissen und mein Herz scheint zu hüpfen, als mir die Kinder ihre Fähigkeiten zeigen. In Yukis Augen schimmern Tränen und spontan greift sie nach meiner Hand. Frauen sind komisch! Und Elfen sowieso. Was die nur immer haben! Ich bin völlig cool.
„Wir bekommen auch unsere „Karate-Kids“, sage ich überzeugt. „Und wenn ich dafür auswandern muss.“