Mein kurzes Leben als Mann

Einmal im Leben die Rollen tauschen! Das, haben sich schon viele Menschen gedacht. Die Gründe dafür sind verschieden. Männer möchten Frau verstehen, oder als Lesbe verführen. Das hat doch was. Warum sonst gäbe es lesbische Pornos? Für Frauen sind die nicht gemacht. Warum Frau Mann sein möchte weiß ich nicht. Am Penis kanns nicht liegen. Vielleicht am dickeren Oberarm, der lässig-elegant auch schwere Lasten wuchtet. Nur Babies nicht. Da wird Mann schnell müde. Ausdauer ist nicht sein Fall. Wie war das noch mit dem starken Geschlecht?

In den letzten Tagen haben mich verschiedene Teufel geritten. Und prompt kommt mir eine Idee. Ich will ein Mann werden! Zumindest in Second Life, dem virtuellen Zweiten Leben. Neue Accounts zu registrieren kostet nichts. Gute Kleider, Haare umd Schuhe schon. Aber ich bin lange genug in dieser Welt, um alle Tricks zu kennen. Verstärkt durch Yuki gehe ich ans Werk. Natürlich muss sie mit. Der Recke Takumi ist schnell erstellt. Noch sieht er etwas bider aus. Während Yuki ein Second Life Fashion Blog googelt stapfe ich durch den einen oder anderen Shop. Yuki dirigiert mich zu coolen Stiefeln und einer virtuellen Zigarette. Dampfend und nur halb angezogen geht es weiter. Schlimm ist das nicht. Takumi hat keinen Penis. Den müssen Männer dort für teures Geld kaufen. Ob das eine Option für die reale Welt wäre?

„Du brauchst noch Haare“, sagt Yuki. „Ich habe auch schon einen Shop gefunden.“
Zufrieden betrachte ich unser Werk. Mein Held sieht richtig gut aus. Nun wird es Zeit sich ins Vergnügen zu stürzen.
Das Nachtwerk fällt mir ein. Dort ist Tag und Nacht Betrieb. Kaum angekommen wird mein Avatar freundlich begrüßt. Klar, der DJ will ein Trinkgeld haben. Er bettelt auch um eine Spende für den Club. Aber Takumi hat keine Linden Dollar. Und echtes Geld  geben wir für SL nicht mehr aus.
Ich tanze eine Weile und schaue mir die Avatare an. Einige sehen sehr stylish aus.
Ein Girl in Latexklamotten und riesigem Busen macht sich vor mir breit. Ihr Name ist Busenfee. Laut ihrem Profil ist sie 25 Jahre alt und aus Berlin. Sie mag Spaß und Sex und heiße Männer. Und ab und zu auch eine Frau. Bi sei sie, schreibt sie.

Ich weiß sofort, dass sich dahinter ein Mann verbirgt. Selbst in SL kann ich die meilenweit riechen.
„Hey Süßer“, flüstert sie mir zu. „Wollen wir Spaß haben?“
Yuki bekommt einen Schreikrampf vor Lachen und nickt mir zu.
Zum Schein gehe ich auf das offenherzige Angebot ein und bitte die Busenfee um einen Tanz.
Wir wiegen uns im Takt gut gemachter Animationen und lauschen harten Techno Klängen.
Meine angehende Eroberung flüstert mir einige plumpe Baggersprüche ins virtuelle Ohr. Keiner davon kann mich vom Hocker reißen.
Nach etwa 10 Minuten Warmlaufphase bringt sie mich zu ihrem Schloss.
„Habe ich selbt gebaut“, erzählt sie stolz. „Ich wollte immer schon in einem Schloss leben. Gefällts dir? Und jetzt zeige ich dir noch meinen Dungeon!“
Yuki füttert mich mit Schokolade.
„Als Stärkung“, sagt sie frech.

Ich kann mir vorstellen, was Lady Busen mir zeigen will und werde nicht enttäuscht. Im mittelalterlichen Stil gehaltende BDSM-Möbel springen mir ins Gesicht.
„Ich bin ja so heiß“, flüstert sie lüstern. „Du musst mich ganz hart ran nehmen, okay? Ich stehe total auf Fesselspiele. Du doch bestimmt auch.“
Worauf ich stehe geht die Busenfee nichts an. Ich tippe einige belanglose Sätze, die mein Interesse zeigen sollen. Yuki versorgt mich weiter mit Schokolade.
„Du bist ein toller Boi“, sagt sie gut gelaunt. „Meine Avatarin könnte dich glatt heiraten.“
„Hey, das gilt nicht“, protestiere ich scherzhaft und bekomme einen Kuss.

Vor mir wiegt sich die Busenfee in einem Bauchtanz.
„Gefalle ich dir?“, will sie wissen. „Soll ich mich ausziehen, damit du meinen heißen Körper sehen kannst?“
Sie wartet keine Antwort ab und macht die Drohung wahr. Gute 2 Meter virtueller Busen und Po prangen vor mir. Schön ist anders.
Ich kann nicht mehr und pruste los. Yuki liegt mir in den Armen. Wir schnappen nach Luft.
„Mach doch was!“, sagt Yuki mit Lachtränen in den Augen. „Oder lass mich an die Tastatur.“
„Nix da!“, erwidere ich. „Das ist mein Avatar, bastel dir doch selbst einen Mann.“
„Doofie“, kommt es prompt. „Mach jetzt!“

Die Busenfee wird ungeduldig.
„Was ist denn los?“, will sie wissen. „Hast du etwa keinen Bock auf mich?“
„Den hast du schon abgeschossen“, tippe ich. „Ich habe selten so gelacht. Weiß deine Frau eigentlich, was du in Second Life so treibst? Oder gehst du noch zur Schule?“
Treffer, versenkt! Die Busenfee lässt ihre Maske fallen und beschimpft mich übelst. Ich höre interessiert zu, vielleicht kann ich ein neues Schimpfwort lernen. Aber die virtuelle Dame ist kein Gegner für mich. Außerdem suche ich Spaß und keinen Streit. Daher gehe ich. Aber sie hört nicht auf und tippt immer weiter im Flüsterfenster. Zum Schluss blockiere ich sie. Ruhe kehrt ein.
Ich schaue Yuki an und sie mich.
„Hast du noch Schokolade?“, will ich wissen.
„Nein“, sagt sie sanft. „Nur mich.“
Ich logge mich aus Second Life aus. Der Held Takumi ist mir plötzlich egal geworden. Und wenn ich ehrlich sein soll möchte ich auch dort kein Mann sein. Auch, wenn ich als Buddhistin an die Wiedergeburt glaube, im echten Leben nicht. Vermutlich war ich früher Wildkatze. Und das möchte ich wieder sein. Miau!

Gebt den Kindern das Kommando – Wie Kinder mit Homosexualität umgehen

Herbert Grönemeyers Song Gebt den Kindern das Kommando tönt aus den Boxen. Yuki tanzt durchs Zimmer. Gebt den Kindern das Kommando. Sie berechnen nicht, was sie tun. Die Welt gehört in Kinderhände. Dem Trübsinn ein Ende. Wir werden in Grund und Boden gelacht. Kinder an die Macht.

Der Vater einer Freundin lacht nicht, wenn er seine lesbische Tochter sieht. Und seine Schwiegertochter ist für ihn tabu. „Ich will mit eurem kranken Leben nichts zu tun haben“, hat er ihr vor einer Weile gesagt. Meine Freundin ist schwanger, sie erwartet im Dezember ihr erstes Kind. Einen Jungen. Er sollte Ralf heißen, wie sein Großvater. Aber der will auch von dem Baby nichts wissen. Er hat ihr sogar mit dem Jugendamt gedroht. Von perversen Praktiken war die Rede und vom Schutz des Kindes. Und in seinem Stadtrat würde er schon dafür sorgen, dass diese abartigen Menschen nicht zu viele Rechte bekämen. Ja, Ralf ist Politiker. Bürgermeister. Und er ist von Gestern.

Während sich die Poliktiker in Deutschland noch zieren die Rechte Homosexueller vollständig anzuerkennen geht ein Video um die Welt und sorgt für Aufsehen. In dem Video werden die Reaktionen von Kindern im Alter von 5 – 13 Jahren auf die Hochzeit homosexueller Paare eingefangen. Die Zugriffszahlen des am 3. November 2013 eingestellten Videos zeigen das Interesse der Menschen mit dem Thema: 7,8 Mio. Klicks in nur einer Woche! Man muss kein Hellseher sein um zu begreifen, dass sich hier eine kleine Sensation anbahnt. Noch während ich schreibe und das Video erneut abspiele schnellen die Zahlen weiter nach oben. Die Menschen sind interessiert!

Die durchweg positive Resonanz der Kinder macht dieses Video so außergewöhnlich. Lediglich ein Junge fand „Gay-Marriage“ falsch. Interessant sind vor allem die emotionalen Reaktionen der Mädchen, die mich zu Tränen rühren. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, der klickt bitte HIER. Wie mit allen Dingen gehen Kinder auch mit diesem sensiblen Thema anders um, als wir Erwachsene. Natürlich wird mehr gestaunt, wenn Mann sich Mann erklärt. Aber anders habe ich das auch nicht erwartet. Durchweg tolerieren die Kinder die gleichgeschlechtliche Ehe. Sie zeigen sich zum Teil entsetzt, als sie von der Verfolgung Homosexueller in vielen Ländern der Erde hören. Wer sich liebt soll heiraten dürfen, ist die Aussage eines Kindes. Egal ob Mann – Mann oder Frau – Frau. Und auch Kinder sollen sie bekommen.

Wie einfach Gesetze sind, haben unsere niederländischen Nachbarn uns bereits vor mehr als 10 Jahren vorgemacht. Seit 2001 dürfen in den Niederlanden gleichgeschlechtliche Partnerschaften ohne Einschränkungen heiraten und Kinder adoptieren. Mit dieser Regelung waren die Niederländer weltweit Vorreiter in der Gleichberechtigung von homosexuellen Lebensgemeinschaften. Ob dort damals vielleicht auch Kinder eine Rolle spielten? Vielleicht sollten sich unsere Politiker die Reaktionen der Kinder in dem Video gut anschauen. Auch der Bürgermeister Ralf. Und vielleicht hätte es einen Lerneffekt. Ich zumindest würde es mir wünschen.