Damals in Japan – Teil 2: Yakuza

Die Familie freut sich uns zu sehen. Ich diskutiere angeregt mit meinem Onkel. Der Mann ist Polizist. Interessant sind für ihn Zahlen und Fakten zur deutschen Kriminalität. Und die ist um Welten höher, als in meinem Heimatland.

Kriminalität wird in Japan klein geschrieben. Angeblich ist sie kaum noch existent. Die Wahrheit sieht anders aus, auch in Japan gibt es Gewalt und Morde. Aber gemessen an der Zahl von 126 Millionen Japanern eher wenig. In Deutschland werden mehr Menschen umgebracht.

Dumm nur, dass die Strafverfolger in Osaka einräumen mussten, in den Jahren 2008 bis 2012 insgesamt 81.000 Verbrechen nicht in die nationale Kriminalitätsdatenbank eingetragen zu haben. Osaka ist keine sichere Stadt.

Schuld daran sind die Yakuza, auch japanische Mafia genannt. Sie beherrschen alle illegalen Geschäfte von Drogen bis zur Prostitution. Und sie sind seit Jahrhunderten Teil der japanischen Gesellschaft und oft bis in höchste Kreise mit ihr verflochten.

Genau das macht(e) es so schwer sie zu zerschlagen. Wobei sich Ausländer nicht vor ihnen fürchten müssen. Yakuza sind meist mit sich selbst beschäftigt. Aber manchmal sieht das anders aus, wie die folgende Geschichte zeigt, die einige Tage nach unserer Ankunft passierte.

Wir sind mit Ken und seinem neuen Freund Jiro im Nachtleben von Fukuoka unterwegs. Jiro ist Arzt, super nett und total verliebt. Auch Ken strahlt mit der Sonne um die Wette. Ich freue mich, mein Cousin hat das Glück verdient.

Als wir noch überlegen, ob wir lieber tanzen oder in eine Karaoke Bar gehen, gibt es in einer Seitenstraße plötzlich einen Tumult. Zwei Gaijin, die ich für Europäer halte, laufen in Panik auf uns zu. Der eine blutet aus der Nase, sein Begleiter hält sich den Bauch. „Aiuto!“, höre ich, was italienisch für Hilfe ist.

Ich wechsele einen Blick mit Ken, wir verstehen uns wie immer blind. Mein Cousin stellt sich neben mich. An dem kommt so schnell keiner vorbei. „Stop!“, rufe ich den Männern zu. „Do you speak any English?“ Sie nicken. „Yes we do …!“

Mehr Zeit bleibt uns nicht, drei Japaner laufen auf uns zu. „Yakuza!“, zischt Ken, „ich kenne die!“ Die Männer sind noch jung, vielleicht Anfang Zwanzig. Legere Kleidung, deutlich sichtbare Tattoos.

„Was wollt ihr von den Gaijin?“, frage ich. „Gibt es einen Grund sie zu verfolgen?“ Der Anführer mustert mich kalt, dann sieht er Ken. Er zögert, das ist ein halber Sieg. Ken ist bekannt bei den Yakuza. Sie wissen auch, dass er gut kicken kann.

„Die haben nicht bezahlt“, höre ich. „Sie schulden uns Geld.“ „Die Männer sagen, dass ihr die Rechnung nicht bezahlt habt, stimmt das?“, frage ich die  Italiener auf Englisch. Beide verneinen und erzählen eine andere Version.

Ein Taxifahrer habe sie in einen neuen Nachtclub gefahren. Sie hatten einige Getränke und den Striptease einer Frau. Dafür wollte man ihnen dann umgerechnet 1.000 US Dollar abziehen. Eher unüblich, aber es ist leider passiert.

„Das ist keine Werbung für Japan“, packe ich die Männer bei ihrer Ehre. „Gut, sie haben getrunken, das müssen sie auch zahlen. Da bin ich ganz bei euch. Die Frau möchte bestimmt auch Geld für ihren Tanz. Auch das ist in Ordnung. Aber vielleicht hat sich jemand bei der Summe verrechnet?“

Der Yakuza mustert mich finster. Eine Frau als Wortführerin geht über seinen Verstand. „Vielleicht willst du die Rechnung übernehmen?“, fragt er lauernd. Seine Kumpane lachen und ich mache einen Schritt auf den Sprecher zu. „Gern, wenn du meine Währung akzeptierst“, erwidere ich kalt.

Vielleicht werden mir nun einige LeserInnen Leichtsinn vorwerfen oder entsetzt die Luft anhalten. Aber wovor sollte ich mich fürchten? Die drei Witzfiguren sind keine Gegner für mich. Und vor Männern habe ich sowieso keine Angst.

„Baka!“, schimpft der Yakuza und schlägt nach mir, was ihm einen Tritt zwischen die Beine beschert. Hart geht er zu Boden und bekommt noch einen Tritt. Das mag hart und unfair klingen, aber hier geht es darum sich Respekt zu verschaffen.

Die anderen Yakuza weichen zurück. Plötzlich ein lauter Pfiff, ein Unterboss taucht auf. Ken kennt ihn gut. Er habe Bilder von den Yakuza gemacht, erzählt er später. Ein halbes Dutzend weitere Yakuza umzingeln uns, die alle ein anderes Kaliber als die drei Schläger sind.

Der martialische Auftritt ist reines Imponiergehabe. Es besteht keine Gefahr, wenn wir die Spielregeln beachten. Auch Yakuza sind nicht dumm. Der Mann nickt Ken zu. „Verschwindet ihr Affen“, sagt er zu den drei Schlägern. „Wir sprechen uns später noch.“

„Wer bist du?“, fragt er mich. „Guter Kick, hat mir gefallen.“ Er imitiert ihn und lacht, aber seine Augen bleiben dunkel. Wie meine. Eisige Schwärze übernimmt.

„Offenbar gab es ein Missverständnis mit diesen beiden Gajin“, erwidere ich. „Sie wollen bezahlen. Aber nur, was sie auch verzehrten. Und natürlich auch für den Tanz der Frau. Wie hoch war die Summe?“

„Das ist meine Cousine“, höre ich Ken sagen. „Sie hat mir viel beigebracht.“ „Ich verstehe“, erwidert der Unterboss. Sein Tonfall ändert sich, die Schultern sinken. Der Mann ist verunsichert. „Wir wollen natürlich keinen Ärger“, sagt er. „Aber die beiden müssen bezahlen!“

„Wie viel Geld habt ihr dabei?“, frage ich die Italiener. Die verängstigten Männer kramen etwa 20.000 Yen hervor, was mehr oder weniger 200 Euro sind. Ich nehme sie ihnen ab und reiche sie dem Unterboss.

„Mehr ist von den beiden nicht zu haben“, sage ich. „Von mir schon.“ „Genau die Summe, die sie uns schuldeten“, höre ich nach einem Moment bleierner Stille. Der Unterboss lächelt. „Vielleicht haben sie unsere Sprache nicht richtig verstanden.“

„Zum Glück verstehen wir uns gut“, erwidere ich. „Das ist sehr wichtig, wie ich finde. Das hilft eventuelle Missverständnisse zu vermeiden.“ Er zuckt unmerklich zusammen, hat sich aber sofort wieder im Griff und noch eine Überraschung für mich.

Er reicht mir eine VIP-Karte. „Damit habt ihr freien Eintritt in unseren Club“, sagt er und deutet eine Verbeugung an. „Wir wollen keinen Ärger. Danke, dass ihr geholfen habt.“ Die Yakuza ziehen ab. Keiner hat sein Gesicht verloren. Das war wichtig in dieser Situation.

Auf eine Konfrontation mit den Yakuza habe ich bewusst verzichtet. Jiro kann kein Karate. Yuki schon. Aber ich scheue mich davor, Elfchen einer Gefahr auszusetzen.

„Du bist unmöglich!“, sagt Yuki prompt und nimmt mich in den Arm. „Das hätte schief gehen können.“ „Für die“, erwidere ich. „Ich war doch richtig nett.“

Den Italienern gebe ich den guten Rat mit auf den Weg, sich von gewissen Etablissements fernzuhalten. „Seht es als Lehre an. Das Geld könnt ihr bestimmt verkraften.“

Wir sind zwei Tage später wirklich in den Club gegangen und hatten eine Menge Spaß, als die Polizei dort eine Razzia machte und die Yakuza dingfest machte. So ist das eben, wenn man einen Polizeibeamten als Onkel hat, der, wie ich auch, keine Yakuza mag.

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Die Frau als Ware – Männer kaufen Sex

Ein Suchbegriff in meinem Blog, hat meinen Widerwillen geweckt. „Wie reißt man sich als Gaijin eine Japanerin auf“, steht dort. Die Intention ist klar, da sucht ein Männchen Sex. Sex, den er in Deutschland nicht bekommt. Oder kaufen muss. Bei „willigen, naturgeilen Nymphen“, die meist aus dem Osten sind.

Dumm nur, dass es sich dabei um Zwangsprostitution handelt. Keine Frau steigt mit einem verschwitzten Fettsack ins Bett, wenn sie frei wählen kann. Und auch Japanerinnen haben Stil. Zwar gibt es die Gaijin-Jägerinnen, die bevorzugt mit „Westlern“ schlafen. Aber selbst diese Mädels haben Klasse. Und mal so eben die Beine breit für einen deutschen Rammler? Nee, liebes Männlein. So geht das nicht.

Frauen sind für viele Männer reine Sexobjekte. Mann nutzt aus, zwingt, dominiert. Oft mit Geld, aber auch mit Schlägen. Vergewaltigung der anderen Art. Aber Frauen sind keine Objekte, keine billige Ware für Mann. Frauen sind Menschen, die gleichberechtigt sind. Oder sein sollten. Leider nur ein schöner Traum.

Asiatinnen gelten als „williger“, wenn es zum Sex mit dem Westler kommt. Dabei wird Höflichkeit mit Interesse verwechselt. Und die vielen Asiatinnen eigene Scheu. Thailand und die Philippinen sind Hochburgen von käuflichem Sex. Es gibt sogar Webseiten von „(S)Experten“, die den Suchenden für einen Obulus aufklären wollen.

Männer kaufen Frauen, das ist Fakt. Ein Spiel von Macht und Geld, das so seit Jahrtausenden die Runde macht. Es gibt Fälle, die noch extremer sind. Junge Frauen, Waisen, Touristinnen, werden gezielt entführt und zu (un)willigen Sex-Sklavinnen gemacht. Spuren sie nicht, werden sie einfach getötet und als Abfall entsorgt.

Besondes pervers dabei die Filme(r), die solche Morde noch weltweit verkaufen. Kino-Filme wie „Hostel“, oder „Saw“ zeigen nur die halbe Wahrheit. Die Realität sieht völlig anders aus. In der Realität gibt es keine Helden, die Frauen im letzten Moment vor dem Tod bewahren. Die Helden sind  selbst die Täter und schneiden (nicht nur) Finger ab.

Vielleicht sollte man die (Zwangs)Prostitution auch für Männer einführen. Damit die Frau von Welt ihre Lust stillen kann. Begattet von „willigen, naturgeilen Rammlern“, denen Frau auch die Faust in den Hintern stecken kann. Das fühlt sich bestimmt gut an, meine Herren.

Les Quatre Cents Coups – Die vierhundert Streiche

Die Zahl „400“ ist die Summe meiner Streiche, die ich federführend trieb. 2 Jahre habe ich fast täglich kommentiert und mich oft köstlich amüsiert. Gefetzt haben sich die anderen, die meinen Humor nicht verstanden haben. Liebe LeserInnen, ist das wirklich so schwer?

Wenn ich von LeserInnen spreche wird mein Auge feucht. 320 + mir meist unbekannte Follower. Muss das wirklich sein? Liebe Trittbrettfahrer, Spanner und Querulanten, sucht euch für eure Ergüsse bitte einen anderen Blog. Meiner bleibt sauber und weiter feministisch. Harten Sex gibt’s beim Blogger nebenan.

Warum ich das schreibe? Es liegt an den Suchbegriffen, die eindeutig auf (Lesben)Sex und noch mehr (Lesben)Sex abzielen. Aber Sex ist und bleibt meine Privatsache. Ich muss mich nicht (geistig) entblößen und der Welt ganz offen präsentieren. Also liebe Porno-Blogger: schleicht euch bitte wieder schnell.

Bei mir gibt’s immer harte Fakten, die nicht alle mögen. Immer wieder zeigt man(n) sich erstaunt darüber, wie ich die Dinge sehe. Mein Weltbild passt schlecht in die heile Welt von Stammtischen und Häkelstuben.

Wer Vorurteile erleben möchte sollte für eine Weile ins Ausland gehen. Selbst Japaner lästern über den Gaijin. Wenn auch ungleich höflicher, als andere Nationen. Dort sind und bleiben Deutsche oft die „German Tanks“, was viel über das begrenzte Weltbild des Lästerers sagt.

„Du bist so radikal!“, höre ich oft. Und „Du musst das differenzierter sehen.“ Nichs für ungut, liebe LeserInnen. Das ist mein Blog, meine Sicht der Dinge. Dinge, die ich als lesbische Asiatin in Europa erlebe. Und wie Gott Janus, hat auch Europa zwei Gesichter. Und eins davon ist homophob.

Mein angeblicher Hang zur Gewalt lässt mich schmunzeln. So zumindest sehen mich viele Menschen. Ja, ich habe als Kind eine Nase und zwei Finger gebrochen. Aber das war Selbstverteidigung. Ja, ich habe mich gegen pöbelnde Männer gewehrt und sie schmerzhaft in die Schranken gewiesen. Und nicht nur einer Zicke eine schallende Ohrfeige verpasst.

Macht es mich zur Gewalttäterin, wenn ich eine Freundin vor einer Vergewaltigung rette und dem Täter in die Kronjuwelen trete? Ich nenne es Selbstbewusstsein. Andere „Samurai-Gen.“ Beides ist korrekt. Das Problem vieler Menschen sind die Erwartungen, die ich nicht erfülle. Da steht eine kleine, zierliche Japanerin mit einem 10 Meter großen Ego. Habt ihr ein Problem damit?

Japanerinnen und Gaijin – Wenn sich Frauen trauen

Bei westlichen Männern geht die Legende, dass Japanerinnen einfach zu haben sind. Gezielt kommen Sex-Touristen nach Japan, um dort die sanfte Frau fürs Bett zu treffen. Und fahren meist enttäuscht wieder ab. So einfach ist das nicht mit der willigen Japanerin.

Woher stammt nun die Legende? Sind daran wieder Pick-Up-Artists schuld? Junge Japanerinnen sind oft anders, als es noch ihre Mütter waren. Deutlich an Europa, oder den USA interessiert, öffnen sie den Horizont für neue Kontakte. Nicht die Schenkel meine Herren. Das machen wirklich nur die Schlampen. Und die gibt es in jedem Land.

Englisch als Sprache steht in Japan hoch im Kurs. Aber die Umsetzung ist oft schwierig. Das gilt auch für Deutsch, oder Spanisch. Alles Sprachen, die für JapanerInnen nicht ganz einfach sind. Und doch kann Frau sie lernen. Und macht es mehr als Mann.

Ja, es gibt in Japan die „Gaijin-Jägerinnen.“ (Junge) Frauen, die gezielt mit westlichen Männern schlafen. Darüber möchte ich kein Wort verlieren. Irrungen und Wirrungen gibt es auf der ganzen Welt. Ich möchte von der normalen Japanerin erzählen, die vielleicht etwas mehr an Bildung hat und schon im Ausland war.

Das japanische Wort Gaijin (Mensch von draußen) wird vorwiegend für westliche (weiße) Ausländer verwendet. Niemals für einen anderen Asiaten, oder im Ausland lebenden Japaner. Laut wikipedia ist das Wort am schwinden, was ich bezweifeln möchte. Es wird noch sehr häufig genutzt. Und eigentlich heißt es Gaikokujin, wird aber immer abgekürzt.

In der Regel wirken Japanerinnen schüchtern. Was in der Tradition begründet liegt. Aber manche bringen durchaus den Mut auf und sprechen westliche Männer an. Nicht um Sex zu haben, pure Neugier steht im Vordergrund. Oft ist es auch eine völlig falsche Vorstellung von der fremden Kultur, die Japanerinnen so handeln lässt.

So gelten Italiener als romantisch, Spanier als leidenschaftlich und Deutsche werden als zuverlässig klassifiziert. In Bars, Clubs, oder Vereinen, gibt es regelmäßige Sprachabende für Lernwillige, die gern andere Menschen treffen. Alles ganz harmlos und ohne Zwang. Aber durchaus mit Konsequenzen. Liebe kennt keine Grenzen, das ist auch in Japan so.

Aber die japanische Höflichkeit verwirrt oft Männer und lässt sie die Dinge anders sehen. Ein zartes Lächeln, ein scheuer Blick, wird sofort als Versprechen für mehr genommen. Ein möglicher Kontakt zwischen Gaijin und Japanerin muss langsam wachsen. Wählt Mann sie nur wegen der Mandelaugen aus, so wird sie das schnell bemerken und jedes Interesse verlieren.

Die kulturrellen Unterschiede sind oft riesig. Und es bedarf einer Menge Toleranz, Verständnis und Respekt, um dem jeweils anderen Partner dauerhaft ins fremde Land zu folgen. Einfacher, aber nie ganz einfach, ist es im Ausland lebende Japanerinnen zu treffen und vor den Traualtar zu führen. Nur mich und Yuki nicht. Wir haben uns bereits gefunden und sind ein Ehepaar.

Fazit: Wer ein zartes, scheues Sex-Püppchen sucht, der ist in Japan falsch. Eigentlich in ganz Asien und auf der ganzen Welt. Aber das habt ihr bestimmt alles schon gewusst.

Mein Japan – Teil 2

In Filmen sieht man immer wieder böse japanische Yakuza. Yakuza ist der Oberbegriff für kriminelle Organisationen. Wer solche Filme sieht mag glauben, dass Japan von Kriminellen durchzogen ist. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. In Deutschland wird dreimal so oft gemordet, wie in Japan. Die Zahl der Verbrechen geht in Japan seit zehn Jahren deutlich zurück und ist auf dem tiefsten Stand seit den fünfziger und sechziger Jahren des vergangenen Jahrstausends angelangt.

Das heißt nun nicht, dass man sich als Ausländer in Japan allzu sicher fühlen kann. Unsicherheit wird den Fremden in Japan aber immer begleiten. Auch bei der Einladung in ein Restaurant durch einen japanischen Gastgeber. Wie man sich beim Essen und Trinken verhält habe ich bereits geschrieben. Aber wie sieht es bei der Rechnung aus? Als Regel gilt, wer einlädt, der bezahlt. Auf keinen Fall sollte man darauf bestehen, die eigene Mahlzeit zu bezahlen, oder etwa dem Personal Trinkgeld geben. Trinkgeld hat in Japan keine Tradition. Japaner erwarten immer den bestmöglichsten Service, extra honorieren werden sie ihn daher nicht.

Eine Besonderheit in Japan sind die Comics, Manga genannt. Die oft vor Gewalt und Pornografie strotzenden Hefte werden von allen Schichten der Bevölkerung gelesen. Ein Ausländer vermag kaum zu glauben, wenn er den elegant gekleideten Manager mit einem Manga sieht. Für Japaner ist das normal. Als Ausrede gilt „Es ist doch nicht echt.“ Ausgelebte Gewalt der besonderen Art. Überhaupt haben japanische Regisseure einen oft verstörenden Hang zur Brutalität. Die Hollywood Remakes japanischer Horrorfilme sind oft lächerlich im Vergleich zum Original.

Japaner mögen Geschenke. Witzig dabei, hat ein Ausländer ein Date mit einer Frau, so wird sie das Geschenk oft ablehnen. Aber das gehört zum guten Ton. Einfach erneut anbieten, dann wird es auch genommen. Als Gast sollte man bei einer privaten Einladung niemals ohne Geschenk auftauchen. Oft reicht eine hübsch verpackte Tafel Schokolade, die mit beiden Händen überreicht werden muss. Das gilt als von Herzen kommend und wird gern gesehen. Ebenso, wie Geschenke „Made in Germany.“ Deutsche genießen in Japan hohes Ansehen. Erhält man selbst ein Geschenk sollte man es auf keinen Fall vor den Augen aller öffnen. Damit wahrt der Schenkende sein Gesicht, falls das Geschenk nicht gefällt.

Europäer wundern sich oft über die Sitte im Haus die Schuhe auszuziehen. Japaner wundern sich auch: warum der Gaijin den Schmutz der Straße in sein (westliches) Haus trägt. In Japan stehen für Gäste meist Flurpantoffeln bereit. Nur mit diesen betritt man ein Haus. Alternativ betritt man ein Haus auf Socken, Schmutz gibt es in japanischen Häusern nicht. Eine Eigenart in Japan sind Toilettenpantoffeln. Betritt man das Bad, oder die Toilette, werden diese angezogen. Auf keinen Fall geht man jemals mit diesen Pantoffeln durchs Haus. Einem Gaijin wird viel verziehen, überstrapazieren sollte man Gastfreundschaft aber nicht.

Japaner sind reinliche Menschen und das bis zur Perfektion. Wer ein öffentliches Badehaus betritt, muss sich vor dem Bad duschen. Das mag merkwürdig für einen Europäer klingen, hat aber in Japan Tradition. Ein Bad dient lediglich zur Entspannung. Unter der Dusche reinigt man sich. Das gilt auch für das Bad im eigenen Haus. Ausländer, die in Japan leben und mit Japanerinnen verheiratet sind, werden dort sanft aber bestimmt umerzogen. Schmutz, Unordnung im Haus? Gibt es nicht! Da wird die sanfte Japanerin zur Furie und Mann schnell ganz klein.

Apropos sanfte, süße Japanerin. Die Unsitte von Japanerinnen kurzberockt auf jung und unschuldig zu machen, führt leider auch zu Übergriffen. Strumpfhosen gelten in Japan als nicht besonders cool. Oft sieht man daher junge Frauen im kurzen Rock und Kniestrümpfen auch im dicksten Winter. Wohin das führt ist schnell erklärt, zum höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Antibiotika auf der Welt. Und zu den wärmsten Heizungen. Japan im Winter als Frau? Zieht euch Hosen an!

Japaner sind abergläubische Menschen. Egal, ob sie Buddhisten, Christen, oder Shintoisten sind. Weiß gilt in Japan, als die Farbe des Todes und der Trauer. Ebenso, wie die Zahl Vier. Vier wird „Shi“ ausgesprochen und heißt auch Tod. Geschrieben werden die beiden Worte anders, sie klingen lediglich gleich. Gleiches gilt auch für die Zahl Neun, die „Ku“ ausgesprochen wird. Ku bedeutet auch Leiden. Also vermeidet man auch diese Zahl. Vier wird in Japan zur Sicherheit Yon und Neun Kyu ausgesprochen. Als Gaijin hält man sich besser daran und die Geister werden es danken.

Zu guter Letzt möchte ich noch über Essstäbchen sprechen und was man beim Essen vermeiden sollte. Absolut verpönt: mit einem Stäbchen auf andere Menschen zeigen, oder die Spitze abzulecken. Auf keinen Fall steckt man seine Stäbchen etwa in eine Schale mit Reis. Das ist schon fast ein Sakrileg und den Duftkerzen vor Altaren vorbehalten. Man legt sie nach dem Essen neben den Teller, oder die Schüssel. Das ist okay und tut nicht weh. Große Bissen sollte man nach Möglichkeit mit den Stäbchen zerteilen.

Vermieden werden sollte mit den Stäbchen im Essen herumzustochern, um an bestimmte Teile zu gelangen. Zu allem Überfluss haben diese Regeln sogar Namen, die sich Ausländer kaum merken können. Gute Tischmanieren sind keine Kunst. Wer seinen Gastgeber, oder Nachbarn im Auge behält, ist meist auf der sicheren Seite. Und wer absolut nicht mit Stäbchen essen kann, der fragt nach einer Gabel.

Wer sich nun fragt, ob man sich diese Regeln wirklich alle merken kann, der erwischt mich auf dem falschen Fuß. Ich kann durchaus mit Stäbchen essen und das auch richtig gut. Aber im Normalfall benutzen wir Messer und Gabel und wir schlürfen auch die Suppe beim Essen nicht. Dazu sind wir zu sehr deutsch geworden, was auch sein Gutes hat. Und wer braucht Hausschuhe, wenn man richtig dicke Socken sein eigen nennt? Außerdem rutscht es sich damit so viel besser durch die Küche, wenn ich kochen und backen darf. Aber halt, das ist dann wieder eine andere Geschichte von der ich ein anderes Mal erzählen möchte. Sayōnara!

Mein Japan – Teil 1

Heute möchte ich über Japan schreiben und habe einige Eigenheiten kurz auf den Punkt gebracht. Denn das Zeitalter der Aufklärung hat begonnen. Meine Damen und Herren, Frau Dr. Landar erklärt Japan und JapanerInnen. Und was man als Gaijin am Besten niemals macht.

Menschen in Amerika und Europa sind laut. Und sie haben kein Benehmen. Das zumindest ist die Meinung von Japanern, wenn sie Gaijin zum ersten Mal ereleben. Japaner sind anders. Japaner sind vor allem leise. In Öffentlichen Verkehrsmitteln wird eisern geschwiegen. Laute Gespräche und klingelnde Mobiltelefone sind verpönt. Man repspektiert die Privatsphäre anderer deutlich mehr, als in Europa und den USA.

Vermutlich wird der eine oder andere meiner Leser schon japanische Filme gesehen haben und das nun vehement verneinen. Aber Filme sind Show und haben mit der realen Welt nicht viel zu tun. Oder es lief eine Reportage über Tokio. Aber Tokio ist Tokio, dort gelten manchmal andere Gesetze. Das ist wie mit Berlin, Moskau, oder auch Paris. Alles ist dort irgendwie ein wenig lockerer und zum Teil auch weniger kompliziert.

Japans Jugend ist rebellisch. Sie ist schrill, bunt und oft laut. Witzig dabei, dass sie dann immer noch leiser, als in Europa ist. Männer in Japan sind auch anders. Und sie begrapschen gerne Frau. Das wird „Chikan“ genannt und ist ein echtes Problem. Vor allem in der oft übervollen U-Bahn geschieht das gern. Dicht an dicht gedrängt darf Frau dann Mannes Hand am Hintern spüren. In diesem Fall hilft oft den Grapscher zu outen und laut zu werden.

Der Betreffende wird meist vor Scham im Boden versinken wollen und sein Tun bereuen. Ganz mutige Frauen werden seine Hand ergreifen und ihn der Polizei, oder dem Zugpersonal übergeben. Zumindest in Tokio gibt es daher Abteile nur für Frauen. Ob das in anderen Städten auch so ist weiß ich leider nicht. Vermutlich aber schon. Um nicht fälschlicherweise beschuldigt zu werden, halten manche Männer sich daher mit beiden Händen und deutlich sichtbar an Haltegriffen in der U-Bahn fest.

Japaner küssen wenig. Zumindest außerhalb des Hauses. Erwachsene werden diese Art der Zuneigung selten in der Öffentlichkeit zeigen. Bei Jugendlichen ist das schon eher der Fall. Wer nach Japan reist und dort Japaner begrüßt, der gibt bitte nie die Hand zum Gruß. Hände schütteln hat in Japan keine Tradition. Nur, wenn der Japaner die Hand anbietet, darf man sie auch ergreifen. Wird er aber meistens nicht. Es wird sich stattdessen verbeugt. Und hier kommt für den Gaijin das nächste Problem.

Verbeugen ist nämlich nicht gleich verbeugen. Eine in der Hierarchie tiefer gestellte Person verbeugt sich tiefer und länger als die höher gestellte. Grundsätzlich stehen Ältere über Jüngeren, Männer über Frauen, Kunden über Verkäufern und Gäste über Gastgebern. Dabei legen Männer die Hände seitlich an die Schenkel, Frauen legen die Hände aufeinander und halten sie vor die Oberschenkel. Japaner sind Ausländern gegenüber aber durchaus nachsichtig, wenn es um die richtige Verbeugung angeht. Und falls der Gastgeber, oder Geschäftspartner dann doch eine Umarmung anbietet, ist man als Gaijin oft überrascht. Auch Japaner gehen mit der Zeit.

In Japan sagt man nicht Nein. Das Wort wird so gut es geht vermieden. Es gilt als unhöflich das Wort „iie“ zu sagen, das einem Nein am nächsten kommt. Iie wird meist im Zusammenhang mit „Nein, danke“, verwendet, um z. B. Komplimente abzuwehren. Nur Klein-Mayumi hat das anders gesehen. Laut meinen Eltern habe ich oft vehement verneint. Und wenn es im japanischen dafür keine Worte gab, soll ich auf Deutsch verneint haben. Als Gaijin mit kaum vorhandenen Sprachkenntnissen, sollte man auch auf Englisch ein schroffes „No“ vermeiden. Wer höflich und blumig etwas umschreiben kann, kommt auch zum Ziel.

Titel und Hirarchien sind in Japan wichtig. Immer noch und immer wieder. Daher sind Visitenkarten äußerst interessant. Und auch der Umgang damit. Wer mit Japanern Geschäfte machen möchte, sollte seine Visitenkarten immer bei sich tragen. Die des Japaners ist mit beiden Händen entgegenzunehmen, aufmerksam und interessiert zu lesen, um sie dann mit größtmöglicher Sorgfalt in der Brieftasche zu verstauen. Das kommt gut an und ist bei Geschäften schon die halbe Miete.

Wer japanische Filme sieht, wird sich über japanische Essgewohnheiten wundern. Der eben noch so vornehme Japaner schlürft und schmatzt, wenn er eine Nudelsuppe vor sich hat. Das ist nun alles, aber kein schlechtes Benehmen. Im Gegenteil ist es ein Teil der japanischen Esskultur. Wer schlürft und schmatzt zeigt deutlich, dass es ihm schmeckt. Rülpsen gehört in Japan nicht zum guten Ton. Wer das macht ist schnell geächtet. Auch öffentlich die Nase putzen kennen Japaner nicht. Das macht man ohne andere Menschen.

Und wenn wir schon beim Essen sind, so gehört das Trinken mit dazu. Auf keinen Fall darf man sich selbst sein Glas nachschenken. Das wird als Zeichen der Gier gewertet. In einer geselligen Runde wird immer der Tischnachbar für ein volles Glas bei dem ihm an mächsten Sitzenden sorgen. Gleiches wird aber auch erwartet. Wer einen Kater vermeiden möchte lässt besser einen Rest im Glas, oder trinkt einfach Flaschenbier. Prost!

Damit all diese Infos nicht zu sehr verwirren, sage ich für heute leise Tschüss. Morgen gibts dann mehr von mir und meinem aufgeklärten Japan.