Ein Leben lang auf Reise

Unser Leben ist zur Zeit eine große Reise. Waren wir letzte Woche noch in Fukuoka, ist nun Deutschland angesagt. Aber vorher haben wir Zeit in Los Angeles verbracht und einige wichtige Dinge geregelt.

Wie zum Beispiel die Zukunft unseres Apartments, das wir vorübergehend an ein Frauenpaar vermietet haben. Nicht ganz überraschend, haben sich Riko und Madison bei uns gemeldet, die beiden Mädels vom Dina Shore. Sie sind seid Juni in Los Angeles und haben Probleme mit ihrer Wohnung bekommen.

„Wir haben keine Nacht geschlafen, so laut war es dort“, erzählt Madison, als wir uns treffen. Der Vermieter macht Ärger und besteht auf dem Vertrag. Aber Riko ist Anwältin und weiß was sie machen muss. Sie sind schon auf der Suche nach einer neuen Bleibe und wohnen in einem günstigen Motel.

Mir kommt eine Idee, die ich mit Yuki per Augenkontakt abstimme. „Wir können euch unser Apartment überlassen“, biete ich den beiden an, wir werden einige Monate nicht in Los Angeles sein.“ „Vermutlich kommen wir erst im September wieder“, fügt Yuki hinzu, „aber das wissen wir noch nicht.“

Unsere beiden neuen Freundinnen sind total aus dem Häuschen vor Glück. Vor allem, als ich ihnen den Preis nenne und die Lage. Klar ist es teurer als ihr jetziges Motel, aber ich verlange keinen Wucherpreis. Und Sicherheiten haben beide.

Sicher im Flieger, hat uns unser Weg über Düsseldorf nach Stuttgart geführt. Wir waren auch in Hamburg, haben kurz Berlin unsicher gemacht und sind dann nach Frankfurt geeilt. Zur Zeit besuchen wir in Holland Freunde und fahren in Kürze wieder nach Düsseldorf. Und im August ruft wieder Japan.

Yuki nehmen die Reisen mehr mit, als sie eingestehen will. Ich bemerke es und spreche es an. „Alles gut“, sagt sie und strahlt mich an, „wenigstens ist mit dir das Leben nie öde. Die Mama deiner Kinder kann ich später noch spielen.“ Seht ihr nun das wahre Biest?

Eher milde gestimmt, rauscht das politische Leben scheinbar unbeachtet an mir vorbei. Ich verfolge die Neuigkeiten mit Interesse, aber nehme absichtlich Abstand davon. Habe ich aufgegeben?

Fast könnte man das glauben, haben wir doch immerhin unseren bisher größten Sieg errungen. „Wir“, das ist die deutsche LGBT-Community. Wahltaktisch klug von der SPD eingefädelt, wird sie kein Kapital aus der Eheöffnung für alle schlagen. Ohne Merkels Zustimmung, wäre die Sache geplatzt.

„Aber sie hat doch dagegen gestimmt!“, höre ich meine LeserInnen sagen. Ja, das hat sie. Aber sie hat die Abstimmung möglich gemacht. Und da sie das positive Endergebnis vorher kannte, hat sie dagegen gestimmt.

Dieser so einfach, wie geniale Schachzug, hätte auch von einer Japanerin kommen können. Auch wenn ich Merkel nicht mag, das hat sie klug gemacht. Reicht das schon zur erneuten Kanzlerschaft?

Ist das nun der endgültige Durchbruch für Homosexuelle oder doch nur ein weiterer Meilenstein? Ich rechne mit einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht und einer Grundgesetzänderung. Mich stört das wenig, Yuki war schon immer meine Frau.

Die Politik muss vorerst ohne meine Kommentare leben. Und auch  dieser Blog wird vorerst stiller werden. Momentan fehlen mir Zeit und Lust dafür.

Dabei gäbe es eine Menge zu erzählen. Etwa wie ich kurz im MMA unterwegs gewesen bin oder der unschöne Zwischenfall mit einer Koreanerin in Fukuoka.

Ich könnte auch von dem Waisenhaus berichten und wie uns dort die Kinderherzen zugeflogen sind. Aber wir haben entschieden in Zukunft weniger Privates zu zeigen. Auch davon wird der nächste Beitrag handeln. Bis dahin dürft ihr den Sommer genießen. Wir lesen uns. Bis bald!

 

 

 

 

Lichter der Großstadt – Teil 10: Turbo

Der folgende Beitrag bildet einen Zeitraum vor unserem Aufenthalt in Japan ab. Er ist die literarisch aufgearbeitete Realität eines etwas verrückten Tages. Zeitlich bedingt, wird es vorerst weniger Beiträge von mir geben. Der Rückflug nach Deutschland steht kurz bevor und im August ist wieder Japan angesagt. 

Die Zahl Zwei hatte schon immer besondere Bedeutung für mich. Und das, obwohl ich einmalig bin. Vermutlich hatte ich schon als kleines Mädchen erkannt, dass Frau im Doppelpack zur Höchstform aufläuft. Will das wer bezweifeln?

Entsprechend innig, aber kindlich-harmlos, war meine Freundschaft mit Natalie. Heute ist Yuki meine bessere Hälfte. Sie bremst sanft mein kämpferisches Wesen aus. Zumindest dann, wenn ich sie lasse.

Als in Japan geborene Frau, hatte ich schon immer zwei Heimatländer. Und seit 2015 (wieder) einen Doppelpass. Aber was in Deutschland legal ist, wird von Japan nicht anerkannt. Nur weiß dort kein Offizieller, dass ich (noch) Deutsche bin. Und selbst wenn, wird es stillschweigend geduldet. Ob ich (wir!) es bleibe(n), wird noch entschieden. Aber eigentlich geht das niemand etwas an.

Seit ich Autos teste, habe ich viel über Technik und Fahrverhalten gelernt. Und ein Doppelturbo macht einen Wagen richtig schnell. Warum ich das schreibe wollt ihr wissen? Mache ich etwa wieder einen Autotest? Die Erklärung folgt sofort.

Wir lernen Sascha, die eigentlich Alexandra heißt, an einem Samstag in der Abbey (LINK!) kennen. Schlanke 1,72 Meter wirbeln durch den Raum. Die blonde Kurzhaarfrisur steht ihr gut. Wenn ich eine Alpha bin, hat sie auf den ersten Blick das Prädikat „Über“ verdient. Aber oft trügt der Schein, wie wir später noch sehen.

Sascha ist in Russland geboren. „Den Ort findest du auf keiner Karte“, sagt sie mit deutlichem Akzent. Aber sonst ist ihr Englisch perfekt, sie lebt schon zehn Jahre in den USA. Sie ist eine Bekannte von Nina, mit der sie im gleichen Fitness Center trainiert. Nina kennen wir durch Ally, die mit Ehefrau Heather neben uns sitzt.

Nina, die noch Verwandte in Dänemark hat und stolz auf die Herkunft ihrer Vorfahren ist, kann kaum die Augen von Sascha lassen. Bahnt sich hier etwas an? Sascha ist eine Art Playgirl. Sie hat Geld, das ist deutlich zu sehen.

„Papa hat mir verboten zu arbeiten“, erzählt sie locker. Es klingt selbstverständlich und kein Stück arrogant. „Aber ich mache trotzdem mein Ding“, fährt sie fort und zeigt stolz Bilder ihres Jobs. „Ich bin Bodyguard für Schauspielerinnen und andere Prominente.“

„Ernsthaft oder nur aus Spaß?“, hake ich nach, „magst du darüber mehr erzählen?“ „Schon aus Spaß“, sagt Sascha, „aber ich nehme das sehr ernst! Papa hat dafür gesorgt, dass ich Krav Maga trainiere. Ich habe es in Israel gelernt, dort war ich ein Jahr im Kibbuz.“

„Die militärische Form?“, frage ich und Sascha nickt leicht überrascht. „Du kennst das?“, will sie wissen und erfährt nun meinen Hintergrund. Ihr Lächeln wird noch breiter, KampfkünstlerInnen unter sich.

Mir entgeht ihr Seitenblick auf Nina nicht. Die brünette Schönheit ist mehr als einen kurzen Augenblick wert. Soll ich Schicksal spielen? Yuki schüttelt fast unmerklich das hübsche Köpfchen. „Lass es!“, heißt das. Aber will ich das auch?

Sascha erzählt, dass sie Prominente beim Shopping oder zu Veranstaltungen begleitet. „Einige sind lesbisch, andere fühlen sich besser mit einer Frau.“ Ich weiß wovon sie spricht, auch ich hatte vor Jahren kurz das Vergnügen. Spaß gemacht hat es immer.

Nina, die vor Nervosiät kaum noch sitzen kann, stellt eine entscheidende Frage. „Hast du schon Probleme gehabt?“ Sascha schenkt ihr einen Blick, der sich in Ninas Seele bohrt. „Ich würde das nicht Probleme nennen“, erwidert sie verschmitzt, „aber Paparazzi.

Vor etwa einem Jahr war ich mit einer Managerin aus Boston unterwegs, die zum Dinah Shore gekommen ist. Ich habe es selbst kaum für möglich gehalten, aber diese völlig elegante und durchgestylte Frau, bei der jede Wimper so perfekt saß wie das Kostüm, hat sich in eine ausgelassen feiernde Partymieze verwandelt. Die hatte einen Traumkörper sage ich euch!“

„Und du warst mit ihr im Bett?“, gehe ich in die Offensive, was Sascha breit grinsen lässt. „Aber hallo!“, lacht sie, „was glaubst denn du? Normal trenne ich Arbeit und Vergnügen, aber diese Frau war die Wucht!“

Plötzlich beißt sie sich auf die Unterlippe, als sie bemerkt, wie Nina den Blick abwendet. „Ich bin keine Spielerin“, sagt sie leise, „das ergab sich aus dem Augenblick. Und ich habe noch niemals eine Frau betrogen, mit der ich zusammen war.“

„Du wolltest etwas über Paparazzi erzählen?“, bringe ich das Thema wieder auf den Tisch. „Was ist passiert, seid ihr belästigt worden?“ „Ja,“ erwidert Nina. „Eine Frau ist uns vom Dinah Shore ins Hotel gefolgt. Zumindest habe ich mir das so erklärt.

Ich nenne die Managerin „Mandy“, der wahre Name ist egal. Wir waren also im Bett, als plötzlich die Tür aufging und eine Frau Bilder von uns machte. Sie hat ein Zimmermädchen bestochen, habe ich später erfahren. Für die Bilder hätte sie ein Vermögen bekommen. Hätte …“

Sascha schweigt und schaut bezeichnend in die Runde. „Okay ich war fast nackt,“ fährt sie fort, „aber ich bin ihr trotzdem hinterher und habe sie unten in der Lobby gestellt. Ich habe ihr den Arm verdreht und sie wieder nach oben ins Zimmer gebracht. Polizei brauchten wir keine. Ich habe die Bilder gelöscht, ihr in den Hintern getreten und sie nach Hause geschickt. Die Bitch macht das bei mir nie wieder!“

Selbst Nina muss nun lachen und Sascha schenkt ihr einen tiefen Blick. Prompt wird sie rot, Verliebte können so lustig sein! „Hattest du schon mit Gewalt zu tun?“, will ich wissen. „Leider ja“, gibt Sascha zu, „ein Dieb ist auf dem Set in den Wohnwagen einer Schauspielerin eingedrungen.“

Wortlos hebt sie ihr hautenges T-Shirt und zeigt uns eine gut verheilte (Messer)Narbe. „Meine Klientin hat gedreht und ich bin nur kurz zum Wohnwagen und wollte frische Unterwäsche für sie holen, als ich diesen Typ überraschte.

Als er mich sah zog er sofort ein Messer und hat mich attackiert. Ich bin ausgewichen, aber so ein Wohnwagen ist sehr eng und er hat mich doch seitlich erwischt. Dann war er tot.“ „Du hast ihn umgebracht?“, fragt Nina entsetzt und Sascha lacht schon wieder.

„Nee, aber mein Ellbogen hat seine Nase zertrümmert und ihn ins Reich der Träume geschickt. Hatte ich doch schon im Gym erzählt.“ Nina wirkt verlegen und schaut hilfesuchend in die Runde. Schicksal, warum nur immer ich?

„Deine Freundin hatte bestimmt Angst um dich“, sage ich und Yuki verdreht die Augen. „Das war nur eine Fleischwunde und ich bin meist solo“, höre ich. „Beziehungsstress, das ist so eine Sache.“

„Sagtest du nicht, dass du treu bist wenn …?“, werfe ich ein und plötzlich wirkt Sascha verlegen. Habe ich ihren schwachen Punkt entdeckt? Ich kenne die Antwort schon, bevor sie weiter spricht.

„Jaaa …“, dehnt sie das Wort, „aber was soll ich machen? Die stehen doch alle auf mich!“ „Und du greifst zu“, stelle ich fest. „Das erinnert mich an meine wilden Jahre.“ „Und heute bist zu zahm?“, fragt Sascha provokant und versucht ein Augenduell.

Nach knapp zwanzig Sekunden gibt sie auf. Niemand schlägt mich auf diesem Terrain. Nur in Sachen Autos, da ist sie mir „über.“ Noch in der Abbey haben wir das Thema gewechselt und Sascha sich beeindruckt von meinem Z gezeigt.

„Der war zu klein für mich“, sagt sie, „Papa hat mir dann den Ferrari California T geschenkt.“ Nun gibt es wenige Autos, die mich wirklich beeindrucken können, aber der Ferrari gehört definitiv dazu. 560 Pferdestärken beleben einen 4 Liter V8.

Sascha lädt uns spontan zu sich nach Hause ein. Das Haus ist riesig, aber wirkt kalt und leer. Ebenso der Pool, an dem wir im Schatten sitzen. „Ich brauche Abkühlung“, sagt Sascha plötzlich und zieht sich völlig ungeniert aus. Nur im Höschen springt sie kopfüber ins Wasser und Nina fällt fast in Ohnmacht.

„Ich stehe total auf Sascha!“, flüstert sie, „aber sie lässt mich am ausgestreckten Arm verhungern! Was soll ich denn noch machen?“ „Zieh dich aus und spring rein“, sage ich. „Zeig ihr, wie hübsch du bist.“

Als hätte Sascha die Wort gehört, spritzt sie Wasser in unsere Richtung. „Los ausziehen, Mädels“, bestimme ich und springe kopfüber ins Wasser. Eine knappe Minute später gibt es eine Wasserschlacht, bei es nur Gewinnerinnen gibt.

Später holt Sascha Badetücher. Sie hat sichtlich Spaß Gesellschaft zu haben. Auffällig oft sucht sie Ninas Nähe und trocknet ihr sogar den Rücken ab. Ally und Heather grinsen wie Honigkuchenpferde und Elfchen zwinkert mir frech zu. Vermutlich nur, da ich sowieso die Hübscheste bin! Was bitte habt ihr denn nun gedacht?

Später geht es in die Küche und das Chaos ist perfekt. Jede hat eigene Ideen und wir stehen uns selbst im Weg. Sascha will russisch, ich japanisch, Ally mexikanische Pfanne kochen. Was dann folgt, hat sogar mich überrascht.

„Raus hier!“, bestimmen Yuki, Heather und Nina im Chor, „wir kümmern uns ums Essen und ihr könnt weiter über Autos erzählen.“ Rollenverteilung der besonderen Art. Auch wir können gut kochen. Aber wir spielen in diesem Fall gern mit.

Wir sind längst trocken, die T-Shirts mittlerweile auch. Leger gekleidet sitzen wir am Tisch und genießen einen Mix aus drei Nationen, der unbeschreiblich lecker ist. Ein perfekter Tag, den nur NeiderInnen dekadent nennen.

Dass es bei Sascha und Nina gefunkt hat, wird immer offensichtlicher. Wir fahren nach Hause, Nina bleibt. Ihre Augen leuchten, als Sascha sie zur Probefahrt im Ferrari einlädt. Und soweit ich weiß „kurven“ die beiden immer noch. Umeinander. Wie anders soll man die verliebten Blicke erklären, die beide seit Tagen unzertrennlich machen?

Mir hat Sascha den Ferrari geliehen und ist mit Nina in Urlaub geflogen. Ich darf also für eine Weile ein Auto fahren, das in meine Doppel(turbo)sammlung passt. Wobei mir (m)eine Elfe reicht. Zwei wären deutlich zu viel. Die kosten zu viel (Sprit).

 

And Emily plays

Based on a True Story. Der Titel ist dem Lied „And Emily plays“ von Pink Floyd geschuldet. 

Es waren nur vier kurze Worte, die Emilys Welt auf den Kopf stellten. „Vero ist tot!“, stand auf dem Display des Handys. Eine zweite SMS, abgehackte Worte, die von purer Verzweiflung zeugten. Emily las. Plötzlich war dort wo ihr Herz sein sollte nur noch ein Schwarzes Loch. Ein Laut entwich Emilys Kehle, wie ihn sonst nur waidwunde Tiere ausstoßen. „Vero ist tot!“, hämmerte es in ihrem Kopf.

„Was ist passiert?“, wollte ihre Freundin wissen, die sofort Unheil ahnte. Wortlos reichte ihr Emily das Handy und ging ins Schlafzimmer. Ohne nachzudenken, aber doch mit einem klaren Ziel, wühlte sie im Kleiderschrank. Als sie den Teleskopschlagstock fand lächelte sie. „Time to play“, murmelte sie und ihre Augen blickten kalt.

Ihre Freundin weinte. Auch sie hatte Vero gut gekannt. „Was … was ist denn passiert? Warum nur …? Emilys Lächeln war eisig, als sie den Schlagstock durch die Finger wirbeln ließ. „Lass uns fahren“, sagte sie. „Ich muss etwas tun.“

Etwas zu tun war normal für Emily. Sie mischte sich stets ein, wenn es Probleme gab. Meist für Frauen, vor denen sie schützend stand. Der Schwarze Gürtel in Karate war durchaus hilfreich dabei. Mit Emily war nicht zu spaßen, wenn sie der Zorn überkam. Und zornig war sie oft, wenn auch stets eiskalt kontrolliert.

Einige Menschen hatten das nicht ernst genommen und ihren Fehler bitter bereut. Einem Mann hatte sie die Finger gebrochen, als er ihr an den Hintern fasste. Und eine stadtbekannte Lesbe ging ihr auch nach Jahren noch aus dem Weg. Die Ohrfeigen hatte sie nie vergessen.

Emilys Clique wartete schon. Ein halbes Dutzend Frauen und alle hatten Vero gut gekannt. Trauer lag in der Luft. Eine Stadt weint, wenn ein Engel geht. Emily schaute in die Runde. Ihr kaltes Lächeln verwirrte alle. „Klärt mich vielleicht mal jemand auf?“, fragte sie.

„Sie hatte wieder Streit mit ihrem Lover“, meldete sich Kim. „Und ich hatte ihr noch gestern gesagt, dass sie Abstand braucht. Einfach eine Auszeit, um den Kopf klar zu bekommen.“ Zustimmendes Gemurmel folgte ihren Worten. Auch Emily nickte. Sie wusste, Kim hatte recht.

„Ich hätte ihr die Beziehung ausreden müssen“, sagte Emily leise. „Oder vielleicht besser ihm!“ Kim schüttelte die rote Wuschelmähne. „Du hast es doch versucht, wir alle haben das! Du weißt doch selbst, was für ein Dickkopf Vero sein konnte. Vero …“

Kims Tränen flossen und alle Frauen weinten mit. Nur Emily nicht. Sie saß einfach nur da und lächelte. Ihre Freundin nahm vorsichtig ihre Hand. Sie kannte dieses Lächeln gut. „Mach keine Dummheiten!“, bettelte sie. „Das bringt Vero nicht zurück.“

Veronika, von allen Vero genannt, war Emilys älteste und beste Freundin. Die beiden waren zusammen aufgewachsen und hatten alles geteilt. Nur nicht die Liebe, Emily liebte Frauen. Vero hatte immer nur gelacht, wenn Emily sie aus Spaß mit anderen Mädels verkuppeln wollte.

Vero mochte nur Männer und war unsterblich in Kevin verliebt. Gemeinsam bezogen sie schon früh eine Wohnung. Aber Kevins Eifersucht, sein krankhafter Zwang Menschen zu kontrollieren, hatte viel Unglück über die Beziehung gebracht. Und doch blieb Vero ihm treu, er war die Liebe ihres Lebens.

Emily hatte sie fast angefleht Kevin zu verlassen. Aber Worte sind machtlos, wenn Liebe den Verstand übernimmt. Es gab oft Streit. In letzter Zeit noch mehr. Und gestern war Vero in die Nacht geflohen. Durch den Schleier der Tränen sah sie den Wagen nicht. Ein Schlag, ein stummer Schrei und wieder hatte das Schicksal einen Engel umgebracht.

„Wo ist er?“, fragte Emily mit kalter Stimme. „Er wird bereuen, dass er geboren worden ist!“ Wahnsinn tobte durch die Nacht, der brennende Wunsch nach Rache. „Kommt ihr?“, fragte sie zu Kim und ihrer Freundin gewandt. „Lasst uns spielen gehen.“ Ohne sich umzudrehen marschierte sie zu ihrem Wagen.

Kim, Vero und Emily waren als Trio legendär. Beste Freundinnen seit Kindertagen. Und bei diesen Drei war keine zu viel. Auf dem Weg zu Veros Wohnung sprach niemand. Die Frauen wussten, dass niemand Emily stoppen konnte.

Emily klingelte. Ein Unbekannter öffnete, Emily hatte ihn noch nie gesehen. „Geh mir aus dem Weg“, sagte sie und trat dem Mann brutal zwischen die Beine, als der einen Moment zu lange zögerte. Noch während er ächzend zu Boden ging, war Emily mit einem schnellen Schritt in der Wohnung.

„Kevin!“, rief sie. „Zeig dich du Held!“ Zwei Männer versperrten ihr den Weg und die Mädels machten Front. „Verschwindet ihr Affen“, sage Emily. „Oder ihr könnt im Krankenhaus Runden drehen.“ Der Schlagstock pfiff durch die Luft. Die Männer wichen zurück, die Drohung wirkte.

Emilys Zorn kannte keine Grenzen, die Schleusen des Hasses öffneten sich. Emily war dazu in der Lage, die Flut aus Emotionen in die richtige Bahn zu lenken. Aber sie würden Kevin überrollen, das stand fest.

Ein Gespenst schwebte auf Emily zu. Sie erkannte Kevin, um dessen Augen dunkle Ränder lagen. Er wankte, die beiden Männer mussten ihn stützen. Als er Emilys Gesichtsausdruck sah, begann er zu zittern. „Ich …, es tut mir so leid!“, stammelte er. „Vero …, ich habe sie doch geliebt!“

Emily musterte die traurige Gestalt, dieses armselige Zerrbild eines Menschen. „Liebe? Du?“ Sie spuckte ihm ins Gesicht. „Du hast sie auf dem Gewissen! Deine Eifersucht, dein krankes Ego! Dafür zahlst du hier und jetzt!“ Einer der Männer griff nach ihr und wollte sie zur Seite drängen. Der Schlagstock traf und knackend brach sein Unterarm.

Emily kickte den Schreienden zu Boden. „Ruf wer die Polizei, die ist ja nicht normal!“, hörte sie und war mit einem Schritt bei dem Sprecher. „Normal?“, fauchte sie und riss das Knie nach oben. „Nein, normal ist wirklich anders. „Der da, hat meine beste Freundin umgebracht!“

Kevin nutzte den Moment und lief los. Hinter ihm schrien Menschen. Und ein Rachedämon folgte ihm. Auf der Straße holte Emily Kevin ein. „Time to play“, sagte sie. Kevin sah die Tritte nicht kommen, sie explodierten an Unterleib und Kinn. Wie vom Blitz gefällt ging er zu Boden und krümmte sich vor Schmerz.

Emily lächelte, ein gezielter Schlag zur Kehle und alles wäre aus. Ein plötzlicher Windstoß trieb ihr Sand in die Augen. Sie blinzelte und glaubte für einen Moment ihre tote Freundin zu sehen. Die Erscheinung weinte und Emily ließ Kevin los. Sie wischte sich übers Gesicht. „Vero?“, murmelte sie. Aber niemand antwortete, das Bild war fort.

„Bi … bitte“, schluchzte Kevin, „lass mich doch. Ich habe …“ „Halt den Mund!“, fauchte Emily und brach ihm mit einem gezielten Schlag die Nase. Mitleidlos sah sie zu, wie das Blut zu Boden floss. „Geh mir aus dem Augen du Stück Dreck“, sagte sie. „Aber wage es zur Beerdigung zu kommen und du bist tot!“

Emilys Freundin zitterte am ganzen Leib und war doch mächtig stolz auf sie. Emily war es nicht. Aber Rache ist manchmal der einzige Weg. Kevin blieb der Beerdigung fern. Er lag mit einem Nervenzusammenbruch im Krankenhaus. Sagte er. Die Wahrheit hat viele Gesichter.

Die Neidgesellschaft

Neid, so heißt es, sei eine Mischung aus Minderwertigkeitsgefühlen, Feindseligkeit und Ärger. In einem Interview bin ich über das Wort gestolpert. Und das im buchstäblichen Sinn. Neid, so sagt der Prominente, habe Deutschland vergiftet. Aber ist Neid nur regional begrenzt?

Wer sich mit anderen vergleicht, wird stets das eigene Manko finden. Man ist zu dick, zu dünn, zu wenig tolerant und diese Schnepfe von nebenan, hat schon wieder einen anderen Freund! Aber wo ist das Problem? Den Satz „Ich bin was ich bin und das ist alles was ich bin“, sollte sich jeder verinnerlichen. Ich habe, ihr auch?

Neider finden sich oft bei unzufriedenen Menschen, die vielleicht in einer (Lebens)Krise stecken. „Neidisch“ richtet sich der Blick der dreifachen Mutter auf die kinderlose Managerin, die noch immer eine schlanke Taille hat und einen Sportwagen fährt. Sie weiß nicht, dass diese keine Kinder bekommen kann.

„Neidisch“ blickt der Buchhalter auf seinen beruflich erfolgreicheren Kollegen. Er, der mit Frau und Tochter in einem Reihenhaus lebt, will auch in die Chefetage. Aber sein Reihenhaus ist bezahlt, der Kollege bezahlt den besseren Job mit nun schon zwei Herzinfarkten.

Weder besagte Mutter noch der angesprochene Buchhalter erkennen, wie erfolgreich sie in ihrem Leben sind. Vielleicht wäre die Managerin mit drei Kindern überfordert und die Frau des Buchhalters würde die Scheidung verlangen, wenn er zwölf Stunden und länger bei Besprechungen sitzt.

Neid kann durchaus negative Auswirkungen auf das Gefühlsleben und die Beziehungen zu Mitmenschen haben. Das kann von verbalen Attacken bis zur Gewaltanwendung gehen. Man hat vielleicht selbst nur ein altes Auto, also schlägt man den Wagen des Nachbarn heimlich kaputt.

Oft baden neidische Menschen in Selbstmitleid. „Wie ungerecht, dass der / die alles hat!“, heißt es schnell. „Ich habe nichts!“ Dass der Neider zu faul war, um die Universität zu besuchen, hat er bereits vergessen. Wer andere beneidet macht deren Glück zum eigenen Unglück. Jeder Mensch ist einzigartig, er muss es nur erkennen.

Die Mutter könnte nun also die Managerin für ihren Erfolg bewundern. So wie diese es heimlich macht, wenn sie deren Kinder sieht. Und der Buchhalter könnte einfach aufrichtig sein und den Führungsstil des erfolgreicheren Kollegen bewundern, der ihm ein guter Vorgesetzter ist.

Ich schaue zurück auf meine Jugend und wie ich aufgewachsen bin. Mir fehlte es an nichts, aber hohe Ansprüche hatten immer nur die anderen. Klein-Mayumi waren Bücher, Karate, saubere Jeans und Sweatshirts lange genug. Und mein erstes Auto war gebraucht.

Ich habe nie neidische Gefühle entwickelt. Einerseits bin ich so (auf sanfte Art) erzogen worden, andererseits ist das meine Natur. Trotzdem habe ich Erfahrung mit Neid und Missgunst gemacht. Was einerseits an meinem sozialen Status und andererseits an meinem Aussehen lag.

Meine Eltern haben bereits kurz nach ihrer Ankunft in Deutschland ein Haus gekauft, was damals ein hohes finanzielles Risiko war. Finanziert haben sie es mit harter Arbeit. Mehr muss niemand wissen. Aber es hat Neid ausgelöst, das haben sie mir später erzählt.

Ich bin etwa 10 Jahre alt, als „Arroganza Neureich“ mich verbal attackiert. Eigentlich heißt sie Saskia und ich habe HIER schon über sie geschrieben. Saskia mustert mich herablassend und plustert sich vor mir auf.

„Deine Eltern können dir wohl kein anständiges Kleid kaufen“, sagt sie, „oder warum trägst du sonst immer diese alten Hosen?“ Ihr Gefolge lacht und verstummt prompt, als mein Konter kommt. „Bis du neidisch?“, frage ich und schaue sie mitleidig an. „Bei dem Hintern würden dir Hosen auch kaum passen.“

Wortlos rauscht sie davon. Dabei habe ich bewusst übertrieben, bei Saskia stimmte alles. Von einer Freundin weiß ich, dass sie neidisch auf meine dunklen Haare ist. Sie hat „nur“ blonde Locken. Frauen waren oft neidisch auf mein Aussehen. Ich bin nun mal das komplette Gegenteil einer blonden Deutschen.

Dafür kann ich nichts, das sind die Gene meiner Eltern. Oder besser meiner Mutter, deren Kopie ich sozusagen bin. Weniger vom Charakter, der ist deutlich feuriger bei mir. Aber war ich wirklich niemals neidisch?

Ansatzweise unzufrieden, wobei ich das immer mit Humor gesehen habe, war ich auf meine geringe Körpergröße, die sich in einen gewissen Neid, aber stets spaßig formuliert, auf größere Mädchen bei Ballsportspielen definierte.

Im Basketball und Volleyball war ich niemals gut, dafür habe ich umso besser Handball gespielt. Ich sah meine Körpergröße nie als Manko und habe sie durch Schnelligkeit kompensiert. Den Ball konnte ich gut durch die Beine der Torfrau werfen. Meist war die zu langsam für mich.

Neid kann sich im positiven Sinn, als Ehrgeiz definieren. „Die“ hat eine gute Note? Das kann „ich“ besser! Im Sportkarate lediglich neidisch auf die „Meisterin“ zu sein bringt wenig. Ich habe sie mir angeschaut, den Stil analysiert und sie beim nächsten Turnier geschlagen.

Das brachte nun mir das typische Verhalten von „Neidern“ ein, besonders von anderen Frauen. Auf meinen beruflichen Erfolg sind die weniger gut zu sprechen. Deren kleines Ego bekam scheinbar Oberwasser, wenn ich eine Weile „arbeitslos“ war.

„Hättest du mal den Job bei (…) angenommen“, hieß es dann süffisant, um später über den 370 Z, meinen Urlaub und was auch immer zu lästern. Ich habe immer nur gelacht und gesagt: „Mitleid bekommt man gratis, aber Neid muss man sich verdienen.“

„Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung.“ – Wilhelm Busch

Entschuldigung, dass ich Deutsche(r) bin!

Schon mehrfach, habe ich über die deutsche Identitätskrise geschrieben, wie ich sie sehe und wie man ihr begegnen kann. Heute möchte ich erneut einen Teilaspekt aufgreifen, der mir in den letzten Jahren immer wieder aufgefallen ist.

Es handelt sich um die Abschwächung der eigenen Meinung, die aus einem guten Argument nur noch ein laues Lüftchen macht. Das folgende Beispiel hat einen realen Hintergrund. Ich habe es in dieser Form vor einigen Jahren auf der Demonstration für den umstrittenen Bildungsplan in Stuttgart erlebt.

„Ich finde es total falsch, dass Lesben und Schwule heiraten und Kinder haben dürfen, aber das ist jetzt nicht irgendwie als Angriff auf Sie gemeint!“, hat mir eine ältere Dame gesagt und mir verlegen ins Gesicht gelächelt.

Unabhängig davon, dass ich diese Meinung daneben finde, hat sie jedes Recht sie zu vertreten. Witzig in diesem Zusammenhang fand ich lediglich den letzten Teil, in dem sie sich quasi bei mir dafür entschuldigt.

Daran erinnert worden bin ich durch ein Gespräch mit einer Afroamerikanerin, die genau dieses Phänomen mehrfach beobachtet hat. Tyna hat zwei Jahre in München gelebt und war dort auch in Sachen Liebe unterwegs.

„Das klingt jetzt bestimmt wie ein Klischee“, lässt sie mich wissen, „aber ich liebe nun mal blonde Frauen!“ Sie strahlt über das ganze Gesicht bei diesen Worten und zeigt mir Bilder von ihrer Freundin.

Erika ist aus München und arbeitet dort als Hotelmanagerin. Aber die Beziehung kriselt, daher ist Tyna in die USA zurückgekehrt. „Ich habe diese ständigen Entschuldigungen nicht mehr ertragen“, erzählt Tyna weiter. „Wenn du eine Meinung hast, dann vertritt sie doch!“

„Um was ging es konkret?“, hake ich nach und werde von der Antwort überrascht. „Um die Hautfarbe, um Schwarze generell und wie sie sich zum Teil benehmen. Und glaub mir eins, ich bin keine Freundin davon!“

Tynas Augen schießen Blitze, sie hat sich in Rage geredet und kritisiert scharf das Verhalten dunkelhäutiger, amerikanischer Jugendlicher und Gangmitglieder, die ein falsches Bild auf alle werfen.

„Aber wenn Erika darüber sprach, hat sie sich immer dafür bei mir entschuldigt! Baby, habe ich zu ihr gesagt, mit mir kannst du offen sprechen!“ Sie schaut mich an. „Du hast doch lange in Deutschland gelebt, ist dir dieses Verhalten auch schon aufgefallen?“, will sie wissen?

Ich muss kaum überlegen und nicke fast sofort. Unzählige Beispiele fallen mir dazu ein und auch der Grund, warum sich Deutsche fast immer entschuldigen. Das ist oft weniger der Höflichkeit geschuldet, als vielmehr der Angst als Rassist zu gelten oder eine politisch unkorrekte Meinung zu vertreten.

Ich erkläre Tyna etwas zur deutschen Geschichte und dem eingehämmerten Schuldbewusstsein der Deutschen. „Die haben also Angst sie selbst zu sein?“, fragt sie nach und schüttelt die Rasta-Mähne. „Aber du würdest mir die Wahrheit sagen?“

„Darauf kannst du wetten, Süße“, sage ich. „Und jetzt schwing‘ deinen schwarzen Hintern ans Telefon und ruf deine Freundin an. Und wenn du mir morgen nicht erzählst, dass ihr wieder zusammen seid, dann verhaue ich ihn dir!“

Tynas schallendes Lachen hat ansteckend  gewirkt. „Sorry“, hat sie aus Spaß gesagt“, das ist mir jetzt so rausgerutscht.“

Lichter der Großstadt – Teil 2: Hass

Sich in der Fremde heimisch zu fühlen, ist für viele schwer. Wir sind gut darauf vorbereitet. Ein Hausmeister Service hat sich bisher um die Wohnung gekümmert. Die Möbel sind einfach, aber funktional. Telefon, Internet und Kabelfernsehen sind geschaltet. Ein kleiner Schreibtisch steht auch bereit.

„Fett wie du bist passen wir da nicht beide dran“, lästert Yuki und strahlt, als ich „Ich liebe dich auch“ sage. Wir rufen unsere Eltern an und bedanken uns (un)artig für den BMW. Unser Lachen überwindet alle Grenzen. „Immer fleißig trainieren, Tochter“, gibt mir mein Papa noch mit. „Aber verprügele nicht wieder alle Männer!“ Der Satz spielt auf einen Vorfall an, als ich einen älteren Herrn vor einem aggressiven Autofahrer rettete.

Was kann ich dafür, wenn der über seine Füße stolpert? Okay, ich gebe zu, ich habe nachgeholfen. „Halb zog sie ihn, halb sank er hin“, heißt es. Immer wieder lustig, wie sehr sich Männer überschätzen. Der alte Herr hat sich bei mir bedankt.

Die Einladung

Die Klingel reißt mich aus meinen Gedanken. Freundlich lächelnd steht Ellie vor der Tür. „Ob Sie vielleicht Lust hätten mit uns zu Abend zu essen?“, fragt sie. „Unsere Tochter kommt auch und wir würden uns wirklich freuen.“ Ich wechsele einen Blick mit Yuki und sage zu, als Elfchen nickt.

Der Tag vergeht, wir richten uns ein, die Zeitumstellung ist noch immer heftig. Auch das Wetter ist so völlig anders, als wir es von Deutschland im Winter kennen. Aber wer nun glaubt, es herrsche eitel Sonnenschein, der hat Los Angeles noch nie im Winter besucht.

Extreme Hitze? Fehlanzeige! Die Durchschnittstemperatur liegt bei circa 19 Grad. Celsius versteht sich, was habt ihr denn nun gedacht? Aber Herbst in dieser Stadt ist weitaus angenehmer, als Nebel und heftiger Wind, den Deutschland dann zu bieten hat.

Ich schaue auf meinen Blog und finde die Weihnachtswünsche. Soll ich einen neuen Artikel schalten? Vorbereitet ist er. Und mein Zorn (auf deutsche Politik) sowieso grenzenlos. Also auf ins Gefecht! Aber mir bleibt wenig Zeit zum lesen anderer Blogs.

Ohnehin habe ich mich noch in Deutschland von einigen getrennt. Verwaiste Blogs verstopfen nur den Reader. Und manche (Themen) interessieren mich nicht mehr. Normalerweise ist Internet im Urlaub tabu. Aber diese Reise ist kein Urlaub im klassischen Sinn.

Hass

Gegen 20 Uhr geht es in Richtung Nachbarwohnung. Wir haben einen Kalender mit Düsseldorfer Motiven als Gastgeschenk dabei. Davon habe ich ein Dutzend nach Amerika gebracht. Ellie hat uns gebeten auf keinen Fall Abendkleider anzuziehen. „Wir sind hier in Kalifornien“, hat sie gesagt, „da ist alles weniger formell.“

Eine blonde Frau mit harten Augen, wird uns als „Tochter Doris“ vorgestellt. „Ich bin Lieutenant“, stellt sie klar. Ihr Blick verrät sie, diese Frau hat ein Problem. „Aus Deutschland kommen Sie, ist ja interessant“, höre ich. „Ich wusste bisher nicht, dass dort auch Asiaten leben.“

„Wir sind Japanerinnen mit deutscher Staatsbürgerschaft“, stelle ich richtig, was Doris mit abfälligem Lächeln quittiert. „Es gibt doch auch viele Japaner in den USA“, setze ich nach und schaue sie freundlich lächelnd an. Das Duell der Augenblicke.

„Leider“, höre ich und Ellie wird blass, „wir haben viel zu viele Kriminelle.“ „Japanische Yakuza in Los Angeles?“, frage ich amüsiert. „Das ist kaum vorstellbar. Aber bekanntlich sehen wir alle gleich aus, bestimmt haben Sie das verwechselt.“

Yuki schaut mich warnend an und Frank ringt um seine Fassung. „Doris“, sagt er, „ich glaube kaum, dass unsere beiden Gäste das jetzt hören möchten. Hattest du nicht versprochen, die Arbeit zu Hause zu lassen?“

„Ist ja schon gut“, wehrt Doris ab und mustert mich intensiv. „Was machen Sie beruflich, wenn ich fragen darf?“ Ihre Augen werden schmal, als ich von meinem Tätigkeiten spreche und dass ich auch Karate unterrichte. „Karate, hm? Das ist doch dieser altmodische Kram, den heute niemand mehr braucht. In Los Angeles nennen wir das Kickboxen!“

„Doris hat mehrfach die Meisterschaft gewonnen“, erzählt uns Ellie stolz. „Ich war erst dagegen, dass sie trainiert. Aber Frank hat mich überzeugt. Warten Sie, ich hole schnell die Bilder!“ Bevor ich etwas sagen kann, ist sie verschwunden und kommt mit einem riesigen Fotoalbum zurück.

Karate-Kid

„Schaut ihr nur“, ruft sie und verschwindet in der Küche. „Ich muss jetzt das Essen holen gehen.“ Frank zeigt uns die entsprechenden Bilder. Wir sehen eine junge Doris, die riesige Pokale hält. „Ist eine Weile her“, ergänzt Doris meine Gedanken. „Aber ich mache das immer noch.“

Herausfordernd sieht sie mich an. Sucht sie etwa Streit mit mir? Ich weiß genau, wie tief die Worte treffen, als ich „Kickboxen ist ein guter Freizeitsport“, sage. „Ich lehre traditionelles Karate“, füge ich hinzu. „Sie kennen den Unterschied bestimmt.“

Doris Gesichtsausdruck zeigt mir, dass sie keinen blassen Schimmer hat. Zeit um aufzuklären. „Kickboxen, wie auch Sportkarate, ist lediglich die abgemilderte Wettkampf Form“, erkläre ich freundlich.“ Und das tut Doris richtig weh.

„Wie jetzt?“, will sie wissen, „glauben Sie wir machen da nur Spaß?“ „Darum geht es nicht“, erwidere ich. „Traditionelles Karate ist reine Selbstverteidigung und wird auf keinen Fall für Wettkämpfe genutzt. Das würde auch kaum funktionieren. Im Ernstfall ist der Gegner tot.“

„So ein Unsinn“, poltert Doris los. „Sie haben doch echtes Kickboxen noch nie gesehen!“ „Was ist echtes Kickboxen?“, will ich wissen. „Sprechen wir von Leichtkontakt, Vollkontakt oder Pointfighting? Welche Form haben Sie gemacht?“

„Vollkontakt natürlich!“, erklärt mir Doris mit veränderter Stimme fest. Meine Kenntnisse haben sie überrascht. Aber noch glaubt sie sich auf der Siegerstraße.“Die meisten Kämpfe habe ich gewonnen“, lässt sie mich wissen und schaut mich durchdringend an.

Ich nicke und schenke ihr ein weiteres Lächeln. „Ihr Fokus liegt also auf dem Kampf. Das genau meinte ich vorhin, Kickboxen ist weit von echtem Karate entfernt. Der Geist ging verloren, die spirituelle Seite. Echte Karateka suchen keinen Kampf, sie verteidigen sich und andere.“

Gegen jede Regel

„Haben Sie schon mal gekämpft?“, will Doris wissen. Ihre Augen werden noch härter, als ich eher beiläufig von meinen Wettkämpfen spreche. „Bis auf mein erstes Turnier, habe ich nie verloren. Und das war keine Niederlage im klassischen Sinn. Ich wurde wegen Regelverstoß disqualifiziert.“

„Tiefschlag?“, will Doris wissen und lächelt spöttisch. „Die Regeln muss man natürlich kennen!“ „Klassisches Karate kennt keine Regeln“, erwidere ich. „Das habe ich versucht zu erklären. Als Kind habe ich nur das gemacht, was ich lernte und instinktiv auf einen Angriff reagiert. Ich hatte vergessen, dass Hebel verboten sind.“

„Natürlich!“, empört sich Doris. „Wir haben feste Regeln und …“ „Verlieren deshalb eine echte Auseinandersetzung“, unterbreche ich ihr Argument. „Ich habe aus dieser ersten Erfahrung gelernt und beim nächsten Turnier gewonnen. Und auf der Straße gibt es keine Regeln.“

Ich erzähle von einigen Vorfällen und dass auch Yuki fleißig übt. Dass wir ein Paar sind interessiert hier niemand. Die Stimmung entspannt sich merklich, aber Doris ist weiter skeptisch.

Vehement versucht sie mich von (ihrem) Kickboxen zu überzeugen. Ich stoppe ihren Redefluss mit der Bemerkung „Alle, die mir bisher echtes Kickboxen zeigen wollten, habe ich zu Boden geschickt.“ Auf den Zusatz „Ich zeige es Ihnen gern“ verzichte ich. Aber die Spitze sitzt.

Manche mögens heiß

Ellie hat Truthahn auf mexikanische Art serviert. Eine Eigenkreation, die köstlich schmeckt. Wirklich scharf ist anders, mein Gaumen ist mit Wasabi gestählt. Doris ist recht schweigsam, aber in ihr brodelt es. Als sie kurz ins Bad geht raunt mir Ellie die Wahrheit zu. „Ein guter Freund und Kollege ist vor einem Jahr von einer koreanischen Gang erschossen worden. Ich hatte das vergessen.“

Doris (aufgesetztes) Lächeln, als sie wieder zu uns kommt, lässt mich Gefahr ahnen. Lächeln kann ich besser, das liegt mir im Blut. Will sie mich nur provozieren oder ist es ehrlich gemeint?

„Ich habe mich schlecht benommen“, beginnt sie. „Meine bisherigen Erfahrungen mit Asiaten sind eher negativ, das habe ich auf Sie übertragen. Ich entschuldige mich dafür. Aber vielleicht hätten sie Lust den Polizeisportverein zu besuchen und uns ihre Kunst vorzuführen?“

Meine Fähigkeiten Menschen zu durchschauen und ihnen stets einen Schritt voraus zu sein, hat mir schon oft den Hintern gerettet. Doris will mit mir kämpfen . Aber Menschen wie Doris besiegen sich selbst durch unbedachte Aktionen. Ich muss dann nur kontern. Und das mache ich hart und effektiv.

„Ob es so klug von mir wäre einen Officer zu schlagen?“, erwidere ich diplomatisch. Doris zuckt leicht zusammen. Plötzlich sieht sie nachdenklich aus. Das Handy rettet sie vor der Antwort und einer Blamage. „Ein Notfall“, entschuldigt sie sich. „Ich muss leider gehen.“

Auch wir verabschieden uns. „No hard feelings“, überrascht mich Doris und reicht mir die Hand. „Ich bin manchmal etwas forsch“, fügt sie hinzu. Haben Sie eine schöne Zeit in Los Angeles.“ Das hat sie ehrlich gemeint. Ich kann in Augen lesen.

Ehrlich sind auch die verlegenen Blicke ihrer Eltern, die ich schnell beruhigen kann. „Danke!“, flüstert mir Ellie zu. Dann entschweben wir ins in unsere Wohnung. „Ich dachte schon du verhaust die jetzt“, sagt Yuki und wirkt erleichtert. „Sie hat verstanden“, erwidere ich und gebe Elfchen einen Kuss.

Dein Freund und Helfer

Der nächste Tag beginnt viel zu schnell. Sind wir nicht eben erst zu Bett? Als wir ins Auto steigen, versperrt uns ein Polizeiwagen den Weg. Der Beamte ist zwar freundlich, aber will unsere Papiere sehen. „Wo ist das State Test Certificate (Eine Bescheinigung für den Abgastest)?“, will er wissen und runzelt die Stirn, als ich es ihm zeige.

„Gibt es ein Problem, Officer?“, frage ich. „Ist etwas nicht in Ordnung?“ „Bleiben Sie beim Wagen“, verlangt er und ruft über Funk die Zentrale. Ich kann nur die Hälfte verstehen, ahne aber, dass er uns ein Ticket schreiben will. Der Grund? Vermutlich keiner, er hat vielleicht nur sein Soll für diesen Monat nicht erfüllt.

Vielleicht liegt es auch am Wagen, ein neben uns parkender Mercedes hat auch ein Ticket bekommen. Diese Unsitte Autofahrer abzuzocken, ist leider auch in Deutschland Alltag geworden. Den Ländern fehlt Geld, das sie sich auf diese Weise holen. In unserem Fall zu Unrecht, daher will ich keine Strafe zahlen.

Auch seine Drohung, den Wagen stillzulegen beeindruckt mich wenig. Ich weiß, dass alles in Ordnung ist. Bevor die Sache eskaliert steht Frank neben mir. Er habe den Beamten schon eine Weile vom Fenster aus beobachtet, erzählt er später. Der sei bekannt für solche Sachen.

„Ich habe meine Tochter informiert“, sagt er. „Bleiben Sie ganz ruhig, sie war sowieso auf dem Weg hierher. Plötzlich grinst er. „Zufällig ist sie sein Boss“, fügt er hinzu. Der Officer zuckt zusammen, als er Franks Worte hört. „Der Lieutenant ist ihre Tochter?“

Als Doris im Freizeitlook auftaucht, versinkt er fast im Boden. Noch kleiner wird der Hüne, als sie ihn zurück auf Streife schickt. Vorher hat sie die Papiere kontrolliert, die sie in Ordnung fand. Im Wagen warten zwei blonde Mädchen, die Doris wie aus dem Gesicht geschnitten sind. Ihre Töchter, die noch zur Schule gehen.

„Alles gut“, sagt Doris, die wie ausgewechselt ist. „Noch mal sorry für gestern“, fügt sie leise hinzu. „Ich hatte einen wirklich miesen Tag. Wir wollen mit der ganzen Familie shoppen gehen. Wollen Sie vielleicht mit?“

Wir hatten andere Pläne, aber sagen spontan zu. Was uns neue FreundInnen bringt. Doris ist wirklich okay, wenn man sie näher kennt. Das hat nur seine Zeit gedauert.

Fun, fun, fun

Mit Einheimischen auf Tour zu gehen, ist in jeder fremden Stadt okay. Doris kennt viele Läden, die günstiger als der Durchschnitt sind. Ihre Töchter sind liebenswerte Kopien der dominanten Mutter. Wer hier wen im Griff hat, wird schnell klar.

Wir finden einen Laden mit queerer Mode, die Verkäuferin sieht absolut stylish aus. Um mehrere T-Shirts reicher geht es zum Walk of Fame. Zwar kennen wir den schon, aber Doris besteht darauf. In einer ruhigen Minute erzählt sie mir von ihrem Mann. Den sie rausgeworfen hat, als er sie betrog.

„Das mit der Liebe war sowieso vorbei“, sagt sie. „Wir haben nur noch zusammen gelebt. Aber mich betrügt man nicht!“ Ich muss schmunzeln, als sie mir von einem Verhältnis erzählt, das sie mit einem Kollegen hat. „Aber ich bin noch sehr unsicher, wie es weitergeht und ob.“

Sie zwinkert mir verschwörerisch zu. „Vielleicht hätte ich die Liga wechseln sollen“, sagt sie. „In Kalifornien ist das ja schon normal.“ „Du bist nicht lesbisch“, erwidere ich. „Glaub mir, ich kann das fühlen.“ Wir verstehen uns und sie lacht.

Aus Spaß und wirklich ohne Hintergedanken, habe ich sie doch im Polizeisportverein besucht und so lange über die Matte gewirbelt, bis sie lachend aufgegeben hat. Darauf mir „ihr Kickboxen“ zu zeigen, hat sie verzichtet. Sport verbindet über Landesgrenzen. Und ich bin nur manchmal ein Biest.

Kurz vor dem Jahreswechsel, haben wir uns bei Ally und Heather einquartiert. Sie und ihre Eltern wären sonst tödlich beleidigt gewesen. Außerdem haben sie viel Platz und wir waren im Handumdrehen Teil der Familie. Mit Privatsphäre, das ist klar.

Über unser (fast) normales Leben in Kalifornien, werde ich im nächsten Artikel schreiben. Und wie ich wieder zum „Tai Chi Girl“ geworden bin.

Der Tag an dem ich „Geh sterben!“ sagte

„Hate speech“ im Internet ist in aller Munde. Egal ob bei youtube oder Facebook. Viele Kommentare sind die Zeit nicht wert, um sie zu lesen. Dem stimme ich vorbehaltlos zu.

Aber ich möchte auch auf Besonderheiten hinweisen, die wir in Japan kennen. Wir benutzen durchaus Schimpfwörter, die für westliche Ohren wenig schicklich sind. Beispiel(e) gefällig?

Baka, das kontextabhängig als Dummerchen bis Idiot benutzt werden kann und meist in der Gegend von Tokio gesprochen wird. Ahou hat eigentlich die gleiche Bedeutung, aber eigentlich auch nicht.

Ahou zu sagen gilt in Teilen Japans als schwere Beleidigung. Baka dagegen wird oft unter Freunden benutzt und ist eher harmloser Natur. Was in Teilen Japan anders gesehen wird. JapanerIn zu sein ist wirklich schwer!

Aber in Deutschland ist das auch nicht so viel anders. Jedes Bundesland hat seinen eigenen Dialekt. Und was der Bayer lustig findet, ist vielleicht ein Affront in Sachsen.

Yuki und ich necken uns ständig. Sie nennt mich oft Dickerchen, da ich bis zu einem Kilo schwerer bin und ich sie Frechdachs. Und manchmal sagt sie auch Baka zu mir. Seht ihr, wie ich leide?

Ein Rückblick. Ich bin acht Jahre alt. Der Ort Düsseldorf, wieder der Pausenhof der Schule. Vor einem Jahr, habe ich dem fetten Jungen die Nase gebrochen, als er mich hinterrücks zu Boden stieß. Man(n) kennt mich also und dass ich mit Vorsicht zu genießen bin.

Aber da gibt es diesen neuen Jungen. Er starrt und sucht ständig meine Nähe, was sehr unangenehm für mich ist. Schon damals waren mir „Männer“ suspekt.

Als er sich heute in unser Gespräch einmischt schaue ich ihn kurz an und wie aus der Pistole geschossen kommt mein „Geh sterben!“ Während meine LeserInnen nun vielleicht verwundert schauen, wird jeder Japaner nun sofort schmunzeln und verstehen, was hier passiert ist.

„Geh sterben, willst du sterben, stirb“ sind gängige japanische Beleidigungen und Flüche, die niemand ernsthaft so meint. Ich habe damals nur die japanischen Worte (bewusst) falsch übersetzt. Mit Worten traf ich schon immer.

Gemeint habe ich, dass er verschwinden solle. (Geh / Fahr zur Hölle) Aber der Effekt war sehenswert. Sein offener Mund und das Lachen meiner Freundinnen, haben mich zur Siegerin gemacht.

Von diesem Tag an blieb er mir fern. Ich hörte nur, dass er Angst vor mir bekommen hat. „Die hat so böse Augen“, soll er einem Freund gesagt haben, der das seiner Schwester erzählte. Und diese mir. Dabei bin ich ein liebes (B)Engelchen.

„Stirb oder geh sterben“ ist ein sehr verbreiteter Fluch in Japan und selten ernst gemeint. Sonst wären die meisten JapanerInnen Leichen. Und mein Laptop auch.

 

Die Arroganz der Eliten – Ein Interview zur Wahl von Donald Trump

Die USA haben gewählt und die ganze Welt schaut entsetzt. Panik will sich verbreiten und angeblich wandern viele AmerikanerInnen nun aus. Das wollte ich genauer wissen und habe am Mittwoch Ally und Heather angerufen. Einige LeserInnen werden sich erinnern, wer die beiden sind.

Die Show der Kandidaten

„Wie habt ihr den Wahltag erlebt?“, beginne ich. „Und wie ist die Stimmung in Kalifornien heute?“ „Erleichtert“, sagt Ally und lacht. „Endlich ist dieser Zirkus vorbei!“ Sie spricht damit genau das aus, was viele in den USA denken: „The Show is over. The Show must go on!“

„Aber gibt es keine kritischen Stimmen?“, frage ich. „Immerhin hat doch angeblich eine Mehrheit der WählerInnen Frau Clinton gewählt.“ „Natürlich gibt es die“, erwidert Ally. „Aber du weißt doch selbst, wie glaubhaft diese Experten sind.

Freundinnen haben angekündigt sich an Protesten zu beteiligen, die gegen eine demokratische Wahl gerichtet sind. Und das halte ich für falsch. Man sollte abwarten und nicht die Pferde scheu machen. Das ist ein Spruch, den meine Mutter immer sagt.“

„Ist Amerika wirklich so tief gespalten, wie man uns in Europa glauben machen will?“, frage ich. „Amerika war schon immer gespalten“, erwidert Ally. „Arm gegen Reich, Schwarz gegen Weiß. Donald Trumps Populismus hat das leider noch verstärkt. Und doch haben ihn die von ihm angeblich so diskriminierten Frauen und Latinos mit gewählt.“

„Wie ist das?“, bohre ich weiter, „glauben die AmerikanerInnen wirklich, was Trump verspricht?“ „Ach was“, wehrt Heather ab. „Klar erwartet man Änderungen. Aber mehr oder weniger ist das vielen egal. Sie wollen einfach ein normales Leben leben, keinen Krieg und keine Wirtschaftskrise.“

„Kennst du Leute, die nach Kanada auswandern wollen?“, will ich wissen. „Angeblich besteht doch großes Interesse daran.“ Das herzliche Lachen meiner Freundinnen lässt mich ebenfalls schmunzeln. „Das ist die typische, amerikanische Massenhysterie“, höre ich. „Warte nur ab, die ist in einigen Wochen vorbei.“

„Ist es ein Rückschritt für LGBT, dass Trump Präsident geworden ist?“, will ich wissen. „Seht ihr große Änderungen kommen?“ „Auch ein Donald Trump ist nicht allmächtig“, erwidert Ally. „Die Eheöffnung für alle bleibt. Und Kalifornien geht sowieso einen eigenen Weg. Es ändert sich also nichts.“

„Wer genau hat nun Trump gewählt?“, frage ich. „Die Oberschicht doch wohl kaum.“ „Das war ganz klar der Mittelstand“, erklärt mir nun wieder Heather. „All die Menschen, denen die Politik der Eliten fremd geworden ist. Und deren überhebliche Arroganz ihnen schon lange ein Dorn im Auge ist. Aber es waren auch viele ohne guten Schulabschluss und ohne Chance, die sich von ihm ein besseres Amerika erhoffen.“

Die Arroganz der Elite(n)

„Erwartet ihr Auswirkungen auf Europa, auf Deutschland?“, will ich weiter wissen. „Allerdings“, antwortet Ally. „Ich denke dieser neuen, konservativen Partei (gemeint ist die AfD) wird das nützen.“ (Anmerkung von mir: Ally und Heather waren vor einigen Wochen zu Besuch und Allys Mutter ist Deutsche. Sie hat daher einen großen Bezug zu Deutschland und ist immer an Neuigkeiten interessiert.)

„Damit könntest du recht haben“, sage ich. „Und auch den anderen konservativen Parteien in Europa.“ „Ach ja, eure Angst, dass diese Nazis auferstehen“, stichelt Ally. „Wir haben in den USA vermutlich mehr davon, als in allen europäischen Staaten“, fährt sie fort. „Aber unsere Demokratie funktioniert.“ Sie macht eine kurze Pause und fügt dann mit ironischem Unterton hinzu: „Okay, unsere Staatsdiktatur.“

„War Frau Clinton wirklich so unbeliebt?“, frage ich weiter. „Beide sind das“, sagt Ally. „Aber mit Trump erwarten viele nun wenigstens einige Reformen im Inland und einen Verzicht auf eine aggressive Außenpolitik.

Frau Clinton ist mit für die militärischen Konflikte verantwortlich, die viele Amerikaner nicht wollten. Trump hat in seiner Dankesrede angekündigt, dass er Amerika erneuern wolle.

Er will mehr Geld für Infrastruktur ausgeben, zur dringend notwendigen Reparatur von Brücken, Straßen und Schulen. Außerdem will er ein Programm starten, das die (Kriegs)Veteranen unterstützt, die oft ein klägliches Dasein fristen.“

„Wen habt ihr gewählt?“, frage ich und kenne die Antwort schon. „Mein Vater und Onkel sind Republikaner, meine Mutter steht den Demokraten näher“, erklärt mir Ally. „Obama hatte gute Vorsätze und einiges hat er bewirkt. Aber ich konnte Frau Clinton einfach nicht wählen, obwohl ich normal Demokratin bin.“

„Das geht mir ähnlich“, meldet sich Heather wieder zu Wort. „Aber nicht wählen ist auch falsch. Wir haben beide Trump gewählt, wenn auch mit einem ziemlich mulmigen Gefühl. Wir hoffen auf eine Veränderung, die dieses Land wirklich braucht. Auch wenn wir angeblich so dumme Amerikaner sind, wir kennen unsere Fehler im System.“

Ich hätte die beiden gern noch ausführlicher befragt, aber sie mussten leider weg. Daher zum Abschluss des Artikels noch einige eigene Worte.

Fazit:

(M)Ein Fazit zur Wahl Trumps ist einfach, dass nichts so heiß gegessen wird, wie man(n) es kocht. Zumindest die Kriegsgefahr mit Russland scheint mit seiner Wahl gebannt und die Ausdehnung der NATO nach Osten.

Seine politische Unerfahrenheit ist auch kein Manko. Er ist Geschäftsmann und weiß durchaus, wie man sich zu benehmen hat. Und diplomatische Feinheiten werden ihm von Profis vermittelt werden.

Viel wird von seiner wirtschaftlichen Inkompetenz geredet und da sage ich klar und deutlich STOP! Jeder Regierungschef hat Berater und Experten, die diese Arbeit für ihn tun. Im Endeffekt hat Trump keine absolute Macht und Vollidioten schaffen es nicht an der Spitze von Firmen zu stehen.

Wir und ich meine damit Medien, PolitikerInnen und die BürgerInnen, sollten endlich damit aufhören Menschen zu verurteilen, die noch nicht einmal im Amt und vereidigt sind. Das können wir dann immer noch machen, wenn das erste Jahr seine Bilanz aufzeigt.

Gabriel, Steinmeier und Merkel haben sich selbst einen Bärendienst erwiesen, als sie Donald Trump offen kritisierten oder, wie im Fall von Merkel, als sie Regeln für eine Zusammenarbeit aufstellt. Die Frau ist wirklich größenwahnsinnig, das steht nun hundertprozentig fest.

Für Deutschland sehe ich bei allen Schwierigkeiten auch eine große Chance durch die Wahl. Aber nur ohne Angela Merkel, die schon lange fertig hat. Vielleicht besinnen sich die jetzt noch Namenlosen in den Volksparteien und rüsten zum Sturm gegen ihre FührerInnen.

Passiert das nicht, wird die Bundestagswahl 2017 Deutschland vielleicht auf Jahre unregierbar machen. Aber ist das nicht das erklärte Ziel der Antifa? Wer mehr darüber lesen möchte, dem sei mein nächster Artikel ans Herz gelegt. Dort werde ich über Deutschlands linke Krankheit sprechen.

The Sound of Silence

Manchmal muß Frau schweigen, um einen bestimmten Klang zu hören. Und genau das habe ich in den letzten Tagen getan. Berlin, Leipzig, Hamburg und zurück nach Stuttgart. Tausend Kilometer und mehr im neuen Audi R 8 V10 +. 610 nicht aufgeladene PS schieben den Wagen brachial nach vorn. Turbo war gestern, das ist ein reiner Saugmotor.

Und aus den Fingern gesaugt, wird zur Zeit auch die (deutsche) Eurpapolitik. Aber eigentlich ist die ebenso abgeschafft, wie Merkels Durchhalteparolen. Man fragt sich wirklich, wie lange diese Frau noch so weitermachen will. Oder wie lange man(n) sie lässt.

Warum ich das schreibe? Ich habe ihr zugehört. Immer. Und stets auf Besserung gehofft. Aber was Audi so brillant designte, hat Merkel nie geschafft. Ihre Sprachlosigkeit, ihre fehlenden Ideen, gehen einher mit ihrem stark gealterten Gesicht.

Frisch und jung wirkt dagegen der Audi, dessen rassige Formen mich im Himmel schweben lassen. Prompt knufft mich Yuki, die gespielt eifersüchtig ist. Eifersüchtig wacht auch die Kanzlerin über ihre Macht, die sie fast täglich mehr verliert.

Gewonnen habe ich den Audi. Als Testwagen leider nur. Und gelassen bin ich zur Arbeit gefahren, die hat mich nun wieder. Und der Osten auch. Von Regierungsvertretern als „Pack“ beschimpft, habe ich ein anderes Bild der Menschen vor mir.

Der schnelle Audi fällt in Berlin kaum auf, er ist nur ein weiterer Vertreter seiner Art. Auffällig dagegen, wie sehr sich das Bild der Städte verändert hat. Ist das noch mein Deutschland?

Während der Motorsound mir fast die Tränen in die Augen treibt, wird an der Kasse der dm-Drogerie Pfefferspray verkauft. Zur Abwehr von Tieren versteht sich. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. In Köln kämpft ein 12jähriger Junge um sein Leben und auf dem Münchner Oktoberfest grabscht Mann wieder.

Lachend lese ich, dass eine junge Schweizerin Mann einen Tritt verpasste. Gut gemacht sage ich da nur. Gut gemacht hat es auch Audi. Mal wieder. Der R 8 ist ein echter Überflieger. Über 200.000 Euro ist der Wagen wert und liegt damit mehr als fünfmal über meinem Z. Dafür fährt er sich anders.

Besser? Eher ähnlich wie der GT-R, dessen Hauptkonkurrent er werden dürfte. Aber auch dieser Nissan kostet weniger. Zugegeben klingt der V10 Motor wesentlich besser. Ich glaube ich habe mich neu verliebt. Elfchen lacht, als ich das Lenkrand streichele. „Hast du Fieber?“, fragt sie frech und fasst an meine Stirn.

Aber Fieber ist anders, mein Verstand ist gewohnt kühl. Was auch besser ist, dieser Bolide fährt mehr als 300 km/h. Anthrazitschwarze Aluminium-Schmiederäder im 10-Speichen-Y-Design lassen den Wagen wie ein Brett auf der Straße liegen. Und natürlich sein Fahrwerk, das schon fast außerirdisch ist.

Nicht von dieser Welt ist auch Deutschland in diesen Tagen. Und eine Regierung, die sich nur noch selbst gefällt. Merkels Macht schwindet, die AfD marschiert. Nicht durch oder davon, aber sie sorgt für Wind im Blätterwald. Deutschland im Herbst. Wie geht es weiter?

Was so harmlos klingt, ist harte Arbeit für mich.Auf öffentlichen Straßen fahre ich zahm. Auf diversen Rennstrecken sieht das anders aus. Selbst ein Allrad Auto kann driften, wenn dort der Name Audi steht.

Per Radar-App checkt Yuki den Verkehr. Punkte will ich mir nicht leisten, mein Gewissen bleibt rein. Nicht rein ist der CO2-Außstoß des Wagens, der ist unterirdisch schlecht. Ebenso der Benzinverbrauch. Aber darüber reden wir später.

Geredet habe ich mit Yuki. Dies ist der vermutlich letzte Autotest. Unsere Tage sind gezählt, wir wollen sie nicht vergeuden. Es gilt Abschied zu nehmen. Von FreundInnen und einem Land, das lange unsere Heimat war. Während der V10 schreit, knurrt und röchelt, denke ich an Japan zurück. An unsere Reise, die so ganz anders gewesen ist.

Auch in Japan haben wir FreundInnen besucht. Und auch Großvater Satoshi. Dem alten Mann geht es gut. Er wirkte viel frischer, als im letzten Jahr. Frischen Wind bräuchte auch Deutschland, das seit Jahren Sepukku begeht. Schuld daran hat nicht allein Frau Merkel. Aber sie ist nun mal die „Flüchtlingskanzlerin.“

Flüchtig ist auch der Audi, als er den anderen Wagen die Endrohre zeigt. Schon eilt das Wochenende heran und mit ihm unsere neuen Freundinnen aus den USA. Ich mache mir den Spaß und fahre mit dem Audi, um Ally und Heather abzuholen. Und Yuki folgt mir mit dem SUV.

Das Wiedersehen ist herzlich. Und auch die Überraschung, dass beide nun offiziell verheiratet sind. Meinen (Ver)Folgern möchte ich an dieser Stelle sagen, dass in den nächsten 14 Tagen wenig von mir zu erwarten ist. Wir werden Deutschland bereisen oder was davon noch übrig ist. Manchmal muß Frau schweigen. Und so ist es gut.

Die Lust am Lesbensex

Im Zeitalter des Internets, hat sich das Thema Sexualität verändert. War Aufklärung früher Eltern oder LehrerInnen vorbehalten, ist heute „Schulmeister Google“ der große Hit. Kein Dr. Sommer Team der BRAVO beantwortet Fragen, die harten Fakten liefert die Pornoindustrie.

Das große Interesse an Sex zeigt auch mein Blog. Immer wieder tauchen dort einschlägige Suchanfragen auf, die „Lesbensex mit Mann“ finden wollen. Und daran ist klar die Pornoindustrie schuld, die „lesbische Filme“ für heterosexuelle Männer dreht.

Mit Lesben? Fehlanzeige! In diesen Machwerken sind Schauspielerinnen zu sehen, die das für eine Hand voll Dollar machen. Ich kenne keine Frauen, die Seidenstrümpfe bei intimen Spielen tragen. Oder High Heels, die selbst Models auf dem Laufsteg wanken lassen.

Übertriebene Schminke, Reizwäsche, zu viel Gestöhne sind alles jene Klischees, die für Männer inszeniert worden sind. Und das angeblich von Lesben exklusiv betriebene Scissoring. Jede Frau kann sich ausmalen, was das Ergebnis solcher Exzesse wäre. Wann wird Mann je verstehen.

Aber vermutlich habe ich davon nur keine Ahnung und die Mädels tonnenweise Gleitgel benutzt. Wie sonst könnten sie das über Stunden tun. Wobei ich mich sowieso immer frage, ob diese Darstellerinnen noch schmerzfrei zur Toilette können. Deren Spiele sind oft Wegbereiter für Blasenentzündung pur.

Ganz abgesehen von einer verrenkten Wirbelsäule. Aber Frauen sollen in der Hinsicht wirklich gelenkig sein. Sagt Mann. Frauen mit Bandscheibenproblemen können darüber nur schmerzhaft lachen. Ha! Ha! Said the Clown.

Mein Blick richtet sich auch stets auf die langen Fingernägel solcher Frauen. Vermutlich haben die vor dem Sex Schmerzmittel geschluckt. Anders kann ich mir kaum erklären, wie das Liebesspiel damit funktionieren soll. Zur Info, liebe Pornodeppen, Lesben tragen ihre Nägel kurz.

Der pure Horror solcher Filme, ist dann der Auftritt von Mann. Jede Lesbe wird sofort Mordgedanken hegen, wenn ihr das jemals passiert. Was vermutlich auch für Heten gilt, wenn Mann (s)eine Geliebte zum Beischlaf einlädt. Mir wäre dabei eine(r) zu viel.

Nun gibt es das Argument von (angeblich) klugen Menschen, die Pornografie als Ventil für sexuelle Begierden sieht. Meiner Meinung nach ist das so dumm wie falsch. Mann wird damit ein verdrehtes Bild von Frau geliefert, das er für bare Münze nimmt und ausprobieren will.

Die Fantasie kennt dabei keine Grenzen. Meine sind an dieser Stelle erreicht. Lesben haben keinen Sex mit Männern. Das war schon immer so und Punkt.