Japaner und die deutsche Küche – Kulturschock, oder große Liebe?

Auf mehrfachen Wunsch möchte ich heute darüber schreiben, wie Japaner die deutsche Küche sehen. Nicht die von Bulthaup, Boffi, oder Eggersman! Die Rede ist vom Essen. Nun bin ich keine typische Japanerin. Aber deutsches Essen liegt mir nicht. Und meist schwer im Magen. Daher lasse ich es sein. Aber wohl der Frau, die eine japanische Mutter hat. Und die kommt erstmals auf meinem Blog zu Wort.

Ich erkläre ihr worüber ich schreiben möchte und dass ich ihre Meinung brauche. Und fast unmerklich nickend stimmt sie zu.
„Sag Mama“, beginne ich. „Was denkst du über das deutsche Essen?“
Der Gesichtsausdruck meiner Mutter ist unbeschreiblich. Eine Mischung zwischen Freundlichkeit und kühler Distanz. Und nur ich kann den lesen.
Aber ich brauche Worte. Mit japanischen Emotionen ist keinem Leser gedient.
„Och Mama“, bettele ich mit Kleinmädchenstimme. „Sag doch einfach was dazu.“
„Ich hatte bereits von meiner Brieffreundin vom deutschen Essen gehört“, sagt sie leise. „Und ich habe es auch versucht.“
Wieder zeigt sie mir ihr Lächeln.
Mit ihrer Brieffreundin meint sie Tante Helga. Aber davon später mehr.

Übersetzt heißt das: Es hat ihr nicht geschmeckt. Aber das würde meine Mutter niemals sagen. Sie ist viel zu höflich dafür.
Aber ich brauche mehr Informationen. Also muss ich meine Mutter provozieren. Nur gelingt mir das nie wirklich. Sie ist zu beherrscht dafür.
„Wie findest du denn die Unterschiede?“, will ich wissen. „Deutsches Essen gilt ja als schwer, deftig und oft fettig. Fällt dir dazu etwas ein?“
„Die deutschen Würstchen habe ich gemocht“, erwidert sie. „Man kann Frankfurter auch in Japan kaufen. Und die sind sehr beliebt.“
„Und was denkst du über Eisbein, Sauerkraut und Leberknödel?“, hake ich nach.
„Auch die haben ihre Berechtigung“, sagt meine Mutter und lächelt wieder.
Merkt ihr, wie ich leide?

Übersetzt heißt das: Sie findet diese Gerichte schrecklich und würde nicht einmal im Traum daran denken sie zu kochen.
„Und was denkst du über die Vielfalt der deutschen Küche?“, frage ich. „Oder gibt es etwas, das dich stört?“
„Jedes Land hat eigene Sitten und Gebräuche“, kommt die erwartete Antwort. „In Deutschland isst man mehr Fleisch und größere Portionen.“
Und damit hat sie recht.
Japaner in Deutschland machen oft den Fehler in Restaurants mehrere Hauptgerichte zu bestellen. Fischspeisen werden fröhlich mit Fleisch gemischt und Berge von Salaten aufgefahren. Jedes Gericht sättigt den Besteller schon allein. Aber er wird von jedem Teller nur Häppchen essen. Im Unterschied zu Deutschland werden in Japan verschiedene Gerichte in kleinen Schälchen serviert, die gemeinsam verzehrt werden.
Japanisch sein ist anders.

„Du warst doch mit Tante Helga in diesem deutsch-japanischen Kochclub“, fahre ich fort. „Was genau habt ihr dort gekocht?“
Als Tante Helga bezeichne ich die älteste Freundin meiner Mutter. Sie haben sich schon als junge Mädchen kennengelernt. Und über die Jahre ist eine tiefe Freundschaft entstanden, die einzigartig ist. Tante Helga wohnt auch in der Nähe und ist seit Ewigkeiten ein absoluter Japan-Fan.
„Meistens waren es Rezepte, die noch von deiner Großmutter stammen“, erwidert meine Mutter. „Alle Frauen haben die Gerichte sehr gemocht. Auch du, als kleines Kind.“
„Und dann musste ich Hamburger probieren“, platzt es aus mir heraus. „Weil sie so anders waren.“
„Es war dein Wille“, sagt meine Mutter lächelnd.
„Ja“, grummele ich. „Und mein armer Bauch.“
So wird das nichts. Ich brauche einen anderen Plan.

Ich habe eine Idee und flitze zum Telefon.
„Tante Helga? Mayumi hier. Sag hast du vielleicht Lust auf einen Tee zu uns zu kommen?“
Yuki wirft mir einen mahnenden Blick zu. Der bedeutet „Halt dich zurück, du wohnst nicht mehr hier.“
Aber selbst meine Mutter konnte mich nie stoppen, wenn ich am organisieren war.
„Du hast doch nichts dagegen, Mama?“, frage ich dann doch.
„Es ist auch dein Haus“, bekomme ich zu hören.
Mama pur. Und ich liebe sie dafür.

Tante Helga ist eine kräftige Frau mit strahlendem Lachen.
Drei Kinder und viel leckerer Kuchen haben ihr die Figur ruiniert. Das zumindest erzählt sie immer. Die Frau hat Humor.
Vor ihren Umarmungen ist niemand sicher. Auch Yuki und ich bekommem unser Teil. Und es ist nicht schlimm. Ich mag diese Frau.
Der Vorname meiner Mutter ist Misaki. Und das bedeutet schöne Blüte. Und im Unterschied zu anderen Japanerinnen kann meine Mutter über ihren Schatten springen.
Und so umarmt auch sie die „glücklich-Gesunde“, wie Helga übersetzt heißt.
Bei leckerem Tee und japanischem Gebäck greife ich mein Blogthema wieder auf.
Wäre doch gelacht, wenn das nicht klappt.

Tante Helga ist sofort begeistert.
„Ich mag die japanischen Fischgerichte sehr“, lässt sie mich wissen. „Und natürlich Reis. Und die Nudeln erst!“
„Wo liegen deiner Meinung nach die größten Unterschiede zwischen den Essgewohnheiten?“, frage ich.
„Wir essen einfach zu viel in Deutschland“, kommt es wie aus der Pistole geschossen.
Lachend tätschelt Tante Helga ihren Bauch.
„Ich dachte daran seien deine Kinder schuld“, necke ich sie.
„Mehr die Süßigkeiten deiner Mama“, gesteht mir Tante Helga. „Die waren schon immer Nervennahrung für mich. Und ihre weise Art.“
Frauenfreundschaft der besonderen Art.

Es wird ein lustiger Nachmittag. Ich entlocke meiner Mutter auf diese Weise noch mehr Aussagen zu deutschem Essen, die aber alle distanziert und höflich bleiben.
Als Fazit bleibt mir nur zu sagen, dass beide Küchen keine Gemeinsamkeiten haben. Zwar sind Yuki und ich durchaus neuen Dingen aufgeschlossen, aber bei üppigem, deutschen Essen passen wir. Da kommt dann eher Tante Helga wieder ins Spiel, die durchaus auch Bratwürste zu Hause kocht. Wir bleiben lieber schlank. Und das aus Tradition.

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Nandalya kocht!

Liebe Leserinnen und Leser, sehr geehrte Damen und Herren! Ich koche! Und das kann ich wirklich gut! Hauptgrund dieser Hausfrauhäuslichen Aktivität ist mein verdorbener Magen. Seit Tagen und Wochen bekommt der immer nur graue Griesgramsuppe. Und die wiegt schwer. Meine Eingeweide brennen. Egal wie oft ich versucht habe meine Bekocher mit Rezepten zu versorgen, es gelang mir nicht. Stattdessen gab es weiter saures Kraut, bittere Rüben und Wir(r)sing. Nachwürzen war also angesagt. Aber ein schaler Nachgeschmack bleibt. (Mund)Fauliger (Wort)Salat gehört nun mal nicht auf einen Teller. Vertragen ungenügend!

Als Japanerin bin ich abwechslungsreiches, frisches Essen gewohnt. (Junges) Gemüse, verschiedene Sorten von gebratenen, oder mit Liebe gekochten Nudeln, Reis, Fisch und Fleisch. Auch leckeres, süßes Obst steht oft auf dem Speiseplan. Nur keine Äpfel und Birnen. Stattdessen gab es für mich meist sauren Quark. Damit ist ab heute Schluß! Ab sofort koche ich. Aber auf Vorrat. Täglich mag ich nicht (mehr). Da lasse ich höchstens Dampf ab in den Gassen(hauern). Jemand Bedarf?

Was ich dazu brauche gibt’s bei Granny Smith im Kommödchen. Sie freut sich immer über einen Besuch. Die alte Dame ist Inhaberin der Lach- und Sch(l)ießgesellschaft um die Ecke. Dort in der Stachelschweinstraße gibt es ohnehin alles! Badewannen und Fliegenpilze ebenso, wie das Reisebüro „Ein Platz an der Sonne.“ Heute mag ich zwar nicht verreisen, aber Reis ist immer gut. Einen Reiskocher habe ich bereits. Der ist sparsam und Rot. Ich überlege ob ich (Hirn)Grütze kochen soll, entscheide mich aber dagegen. Zu viel Brei verdirbt den Koch.

Schallende La(u)chsuppe kommt mir in den Sinn. Als Hauptgericht wähle ich Spaßbraten. Der macht sich am Spießer gut. Dazu Hoch-zeit-(s)nudeln! Das Fleisch stammt von der glücklichen Kuh Elsa. Oder sollte ich lieber gackernde Hühner von Frau Bratbecker nehmen, vielleicht den ein oder anderen Schusterrappen? Ich nicke mit den Kopf, ich kanns mir leisten. Als Nachtisch denke ich an einen ganzen Teller Buntes. Überhaupt sind Süßspeisen die Wucht am Rhein.

Zufrieden schaue ich auf mein Werk. Dann merke ich, ich habe die Wortwürze vergessen. Zum Glück wohnt neben mir Frau Ilsebill mit ihrem Mann Heinz-Günter. Die kocht gern Butt und salzt dann nach. Natürlich hilft sie mir freudig aus. Kosten mag sie nicht. Sonst wer? Eine Prise Lachsalz, Kichererbsen und Guineapfeffer aus dem Paradies runden meine Mahlzeit ab. Ich hoffe meinen Bloggern schmeckt es. Frei nach dem Motto: „Sind S(i)e schon bedient?“ Ich bins. Aber so was von!