Fett im Bett

Dass die Welt spinnt, habe ich immer schon gewusst. Zum Lachen bringt mich heute aber ein Bericht der WELT online. Menschen in Beziehungen treiben demnach weniger Sport. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) will herausgefunden haben, dass die Sportbegeisterung bei Verheirateten deutlich nachlasse. Der Grund: Die Partner müssten ihre Attraktivität nicht mehr unter Beweis stellen.

Ich denke kurz nach und schüttele dann den Kopf. Zwar treibe ich auch weniger Sport als noch vor 10 Jahren. Aber das hat mit meiner Ehe wenig zu tun. Als Kind und Teenager habe ich den Zwang verspürt mich auszutoben. Ich war nur glücklich, wenn ich nach einem Training völlig erschöpft unter der Dusche stand. So viel anders ist das nicht geworden. Nur setze ich meine Kraft jetzt effektiver ein. Wir gehen aber immer noch zweimal pro Woche ins Wing Chun und mindestens einmal ins Aikido. Wir joggen auch oft, oder gehen spazieren.

Aber ich will es genau wissen und zeige Yuki den Artikel.
„Stimmt doch“, sagt sie. „Du bist voll fett.“
„Ach ja?“, erwidere ich und kneife ihr in den Po. „Und was bitte ist das?“
„Reservemuskeln“, gibt sie ungerührt zurück. „Ich wette du bist schwerer als ich.“
„Niemals!“, protestiere ich und zeige auf meinen flachen Bauch.
Sie lächelt und blickt auf meine Oberschenkel. Die sind zwar in der Cargohose kaum zu sehen, aber wirklich etwas dicker als ihre.
„Und wer bitte hat dich zum Karate mitgenommen?“, will ich wissen und ziehe gespielt beleidigt die Augenbrauen hoch.
„Ich war viermal pro Woche im Fitness Center“, erwidert Yuki. „Und ich bin gelaufen und Rad gefahren. All das habe ich aufgegeben.“
„Aber nicht wegen mir“, sage ich. „Du hattest Spaß am Karate und Aikido.“
„Klar“, meint sie. „Und an dir.“
„Ach, jetzt etwa nicht mehr?“
„Das muss ich mir noch überlegen. Wer will schon mit einer solch fetten Tussi wie dir leben“, sagt sie frech.
Jetzt will ich es genau wissen. Hose, Kapuzenpulli und T-Shirt fliegen in die Ecke und ich stehe nur in Unterwäsche da.
Yuki sieht mir ungerührt zu. Ein Meisterstück japanischer Selbstbeherrschung.
„Los ausziehen,“ fordere ich sie auf. „Wir gehen jetzt auf die Waage.“
„Wenn du meinst,“ gibt sie zurück. „Du wirst schon sehen, was du davon hast.“
Als ich ins Bad gehe haut sie mir frech auf den Po.
„Eindeutig zu fett“, lästert sie. „Ich lasse mich scheiden.“
„やんちゃな”, sage ich und sie lacht. Und nein, ich werde das nicht ins Deutsche übersetzen. Lernt gefälligst Japanisch, wenn ihr mich verstehen wollt.
Unsere supermoderne Digitalwaage ist ein Hochzeitsgeschenk. Sie zeigt erstaunliche 52,4 Kilogramm.
Yuki schaut mich triumphierend an und schubst mich von der Waage. „Dickerchen“, lästert sie und schaut auf ihr Ergebnis, das exakt 51,9 Kilogramm beträgt.
„Dafür habe ich mehr Muskeln als du“, sage ich bestimmt.
„Und wo bitte sollen die sein?“, will Yuki wissen. „An deinem fetten Po?“
„Du fütterst mich ja immer mit Schokolade“, werfe ich ein. „Kein Wunder also, dass ich schwerer bin als du. Und trotzdem sind das Muskeln. So!“
„Klar doch“, sagt sie sanft und zeigt ihr zauberhaftes Elfenlächeln.
Unvermittelt schmiegt sie sich an mich.
„Aber wenn ich ehrlich bin, so ein bisschen mehr von dir mag ich gern“, flüstert sie.
Was gibt es noch mehr zu sagen? Außer, dass die Welt spinnt und Wissenschaftler keine Ahnung haben. Aber davon viel.