Leben und andere Kleinigkeiten

Unser Leben in den USA ist anders. Hektischer. Was auch mit meiner Cousine zu tun hat, wir pendeln oft zwischen Santa Barbara und Los Angeles. Es geht ihr besser. Sie ist aktiver und nimmt am Leben teil.

Unsere Freundschaften halten, das Wetter auch. Und mein 4. Dan rückt in greifbare Nähe. Die Techniken sitzen, die Prüfung werde ich bald in Japan machen. Unter Papas strengen Augen, ist doch klar.

Ich übe mit einem Experten, der auch MMA unterrichtet. Seiner ältesten Tochter habe ich dafür mein Karate beigebracht. Nachdem ich ihr zeigte, wie der Ringboden aussah. Mehrfach versteht sich. Heute sind wir dicke Freunde.

Ken wird mit seiner Schwester ebenfalls zurück nach Japan fliegen. Heimat wir kommen. Schon wieder! „Wie finanziert die Japanerin das?“, werden sich Neugierige fragen. Ich arbeite hart für mein Geld. Mehr muss niemand wissen.

Mein Blog verwaist, mir fehlt die Zeit täglich Beiträge zu lesen. Auch meine Sprache leidet. In meinem Kopf ist ein bunter Mix aus Deutsch, Englisch, Japanisch und Mandarin (chinesisch), das ich unbedingt besser kennenlernen will.

Warum Mandarin? Wir planen einen Aufenthalt in China, genauer den Wudang-Bergen. Feng und Fan Fan werden uns begleiten. Die Reise wird im Frühling 2018 sein. Der Plan ist einerseits unser Tai Chi zu verbessern, aber auch Neugier auf China insgesamt.

Ein kurzer Rückblick. Santa Barbara, 25.10.2017. Der Ort, das Haus von Ally und Heather. Yuki macht Frühstück und ich helfe natürlich mit. Während ich Tee koche kommt mir eine Szene in den Sinn. Und biestig wie ich bin, werde ich sie mit euch teilen.

„Willst du, Mayumi, die hier anwesende Yuki zur Frau nehmen, so antworte mit Ja.“ So oder ähnlich wird es später klingen, wenn wir zum zweiten Mal heiraten werden. Wobei das eigentlich die erste Heirat ist, bisher leben wir nur in einer „eingetragenen Lebenspartnerschaft.“

„Aber eine Heirat in den USA zählt doch in Deutschland nicht automatisch!“, höre ich bereits die berechtigte Kritik. Das ist richtig. Aber wer sagt, dass wir zurück nach Deutschland gehen? Falls doch ist es lediglich ein Federstrich.

„Aber zwei Frauen können doch nicht heiraten!“, werden sich auch einige Homophobe empören. Für die gibt es wie immer meinen wunderschönen Mittelfinger.

„Glaubst du wirklich, dass ich dich heirate?“, will Elfchen wissen und lacht über das ganze Gesicht. „Neun Jahre halte ich dich jetzt schon aus, vielleicht sollte ich mir eine Neue suchen.“

„Mach doch“, erwidere ich ungerührt, „ich schnappe mir dann ein nettes Blondchen.“ „Und wer kocht dir dein Essen?“, kontert Yuki frech. „Du wärst doch längst verhungert ohne mich.“

„Soll das heißen, dass ich dich jetzt vernaschen darf?“, frage ich gut gelaunt und gehe auf sie zu. „Geh weg!“, kreischt Yuki, „ich habe schmutzige Hände!“ Ungerührt werfe ich ihr ein Handtuch zu, das sie sofort als Waffe gegen mich benutzt.

„Willst du mich heiraten?“, frage ich aus sicherer Entfernung und höre etwas, das wie „Baka“ klingt. „Also ja“, sage ich und gebe ihr einen Kuss. „Und jetzt trödle nicht rum du Elfenmaus. Wir haben später noch die Welt zu retten.“ Frech wie Yuki ist hat sie: „Und wer rettet mich vor dir?“ gefragt.

 

 

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Klein Tokio liegt in Düsseldorf

Rund 6.000 JapanerInnen leben in Düsseldorf und bekanntlich bin auch ich dort aufgewachsen. Das japanische Viertel wird liebevoll „Klein Tokio“ genannt und natürlich sofort mit mir assoziiert. Aber leider muss ich all jene enttäuschen, die mich dort heimisch sehen. Wir haben niemals dort gewohnt, Düsseldorf bietet schönere Flecken.

Meinen Eltern war stets wichtig, dass wir ungestört leben konnten. Der Kauf unseres Hauses war die logische Konsequenz. Dazu gehörte neben Mut auch jenes Selbstvertrauen, das als Markenzeichen meiner Familie gilt.

Galileo hat vor einer Weile eine Sendung über das japanische Viertel gemacht, über die ich schon mehrfach berichten wollte. Aus Sicht eines jungen Japaners, der schon lange in Deutschland lebt, werden dort (seine) Eindrücke von „Klein Tokio“ präsentiert.

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Mögliche Fragen beantworte ich vorab: Nein, ich kenne diesen Japaner nicht. Ja, ich kenne die Japanische Schule. Ja, ich verstehe und spreche die rheinische Mundart, vermeide das aber meist. Ebenso wie Yuki schwäbisch schwätzen kann, es aber tunlichst unterlässt.

Ja, wir haben mit Stäbchen gegessen und meist japanisch. Wir vertragen keine „Haxe mit Sauerkraut.“ Nein, ich werde keine Ratschläge zu Restaurants oder Sehenswürdigkeiten geben. Wer „Klein Tokio“ besuchten möchte, der sollte das ganz einfach tun.

Wie muss man sich ein Haus von Japanern in Deutschland vorstellen, werden sich  einige LeserInnen fragen. Haben wir es etwa umgebaut? Den Keller zumindest als Dojo und den Garten im japanischen Stil. Der Rest des Hauses blieb unangetastet deutsch.

Bei aller Tradition sind meine Eltern fortschrittlich eingestellt und haben einen Esstisch und dazu passende Stühle gekauft. Ebenso Sofa und Sessel fürs Wohnzimmer. Das hat uns viel(e) Freu(n)de gebracht. Wer will schon immer auf dem Boden sitzen.

Auch in Los Angeles gibt es ein „Japantown“, wie in vielen anderen Städten auf der Welt. Aber wer braucht schon Kopien, wenn (m)ein Blick auf ein japanisches Original genügt, das stets in meiner Nähe ist.

Karate als Therapie

Dieser Beitrag ist noch vor unserer Abreise nach Los Angeles entstanden und hat es erst jetzt auf meinen Blog geschafft. 

Bekanntlich hatte ich meine Cousine nach Deutschland geholt, um sie auf andere Gedanken zu bringen. Ihre Töchter waren begeistert und haben unsere Herzen im Sturm erobert. „Tante Yumi mach mal Spaß!“, war noch die harmlose Variante ihrer Begeisterung.

Karate ist ein Fremdwort in der Familie meiner Mutter. Diese Tradition hat sich über meinen Vater an mich vererbt. Nur mein Onkel ist als Polizist damit vertraut. Die Mädchen trainieren tapfer mit, als wir sie mit ins Training nehmen. Sie haben das schon öfter gemacht und ihre Mutter schaut immer dabei zu. Meine Cousine ist etwas älter als ich, wir hatten nie sehr innigen Kontakt. Vermutlich war ich ihr zu wild, ich habe immer nur mit Cousin Ken gespielt.

Trotzdem ist unser Verhältnis gut, in unserer Familie gibt es keinen Streit. Unsportlich war meine Cousine nie, sie hat in der Schule Leichtathletik gemacht. Aber das ist nun schon eine Weile her. Seit der Geburt der Kinder ist sie Hausfrau gewesen.

Die Mädchen zeigen uns stolz ihr Können, meine Cousine lächelt und freut sich für sie. „Was wäre, wenn du es auch versuchst?“, stelle ich die entscheidende Frage. Yuki schaut mich an, sie weiß was jetzt passiert.

Cousinchen reagiert auf typisch japanische Art, sie lächelt verlegen und hält sich die Hand schnell vor den Mund. „Ja, ja, ja, Mama!“, rufen die Mädchen im Chor und auch die anderen Frauen nicken. Die Trainerin macht sowieso was ich sage, sie war früher meine Schülerin.

Es macht nun keinen Sinn im Einzelnen auf das Training einzugehen. Geholfen hat es, was nicht immer selbstverständlich ist. Die Depression meiner Cousine ist durch den Schock des Betruges ausgelöst worden, auch wenn es schon vorher in der Ehe kriselte.

In langen Gesprächen haben wir die Wahrheit erfahren. Schon als sie 2015 zu Besuch in Deutschland war gab es kleinere Probleme. Die Details bleiben privat. Wer länger verheiratet ist, wer vielleicht selbst schon eine Scheidung hinter sich hat, wird wissend nicken. Ehekrisen sind weltweit immer gleich.

Während meine Cousine auf ihre Art um die Beziehung kämpfte, hat ihr Mann schon damals andere Frauen gehabt. Er hat es ihr gestanden, was mich in Rage brachte. Prompt habe ich gehandelt. Wie, das wisst ihr bereits.

Seit unserer Rückkehr nach Deutschland trainiert meine Cousine bei uns mit und beweist einiges Talent. Zumindest was die weiche Abwehr von Angriffen betrifft. Nur selbst zuzuschlagen fällt ihr schwer. Dabei ist die Idee fernöstliche Kampfkünste als Therapie einzusetzen nicht neu. In einer Studie hat man bereits an Parkinson Erkrankte ins Karate geholt.

Als ich meine Tante und Ken informiere, zeigen sie sich begeistert. „Barbie-Cousinchen, du bist die absolute Wucht!“, ruft er ins Telefon. „Ja klar“, erwidere ich trocken, „jetzt kann dich auch deine Schwester endlich verhauen.“

Der Psychologe in Los Angeles hat mittlerweile bestätigt, dass die Idee Früchte trägt. Meine Cousine ist auf dem Weg der Besserung. Karate als Therapie! Ich liebe es, wenn (m)ein Plan funktioniert. 

Living in America

„Living in America“, hat der Sänger James Brown einst gesungen. Living in America, das gilt auch für mich. Wir haben uns am Wochenende auf die lange Reise gemacht und sind ohne Komplikationen angekommen. Andere hatten weniger Glück.

Im Gefolge haben wir meine Cousine samt Töchtern und auch Ken ist mit dabei. Geld ist unwichtig, wenn es um Hilfe geht. Und die braucht meine Cousine dringend. Tante Makiko hat bereits alles arrangiert und einem guten Psychologen konsultiert. Er ist Japaner und lebt schon sein halbes Leben in den USA. Beste Voraussetzungen also. Das wäre geschafft.

„Und was ist mit den Kindern?“, werden sich einige LeserInnen fragen, „was ist mit ihrem Vater?“ Trennungen laufen in Japan anders ab. Dort gilt die Schuldfrage immer noch. Der Vater hat so gut wie keine Chance, das Sorgerecht für Kinder zu erhalten und meist auch keinerlei Interesse daran. Aber er zahlt sehr oft auch keinen Unterhalt. Stattdessen wird bei der Scheidung eine Einmalzahlung geleistet.

Mit einem Typen wie Ken, ist jede Reise lustig. Abwechselnd bespaßen wir die Mädchen. Die sind total aufgeregt. „Was ist Amerika, wie lange dauert es noch?“ Selbst meine Cousine freut sich. Schon die Reise nach Deutschland tat ihr gut.

Tante Makiko holt uns vom Flughafen ab, wir haben uns viel zu erzählen. In Los Angeles ist noch Sommer, die Sonne lächelt auf uns herab. Der Nissan wartet ungeduldig, endlich kann ich wieder „oben ohne fahren“. Wir werden Ken den BMW überlassen, ab sofort darf er seine große Schwester kutschieren. Das macht er gern, auch für ihn ist die Familie wichtig.

Er freut sich auf Los Angeles und hat viele Ideen, was er dort fotografieren will. Nur von Tai Chi hält er wenig. „Ich werde mir ein richtiges Dojo suchen!“, hat er im Scherz gesagt,„ihr könnt dann weiter euer komisches Ballett tanzen.“ Prompt geht er in Deckung, als ich „Willst du sterben?“, frage. „Gewalt gegen Männer sollte strafbar sein“, sagt er und lacht. Wie auf Kommando kitzeln wir ihn alle.

Wir sind müde, aber glücklich. Deutschland wird zur Erinnerung, Wahlkampf und Dieselgipfel zu Fremdworten reduziert. Die USA kennen andere Probleme. Ally und Heather freuen sich und haben eine kleine Party organisiert. Auch Fan Fan und Feng sind eingeladen.

Neun Stunden Zeitunterschied werfen erneut die Frage auf, wie es mit meinem Blog weitergehen wird. Was werde ich beruflich machen, wie sieht meine Zukunft aus? Auf all das und noch mehr, wird es Antworten geben. Aber das habt ihr bestimmt gewusst.

„Living in America“, hat der Sänger James Brown einst gesungen. Living in America, das gilt auch wieder für mich. Wir haben uns am Wochenende auf die lange Reise gemacht und sind ohne Komplikationen angekommen. Deutschland, es war schön mit dir.

 

Wen wählst du, Mayumi?

Ein Samstag in Düsseldorf, Familie „Mayumi“ ist unterwegs. Meiner Cousine geht es heute besser, sie lächelt viel und redet auch mit uns. Ihre beiden Töchter schauen sich mit großen Augen um und weichen keinen Schritt von unserer Seite. Auch Ken ist eingetroffen. Er ist müde, aber freut sich uns zu sehen.

„Hallo, Mayumi!“, höre ich eine Frauenstimme, „wir haben uns aber lange nicht gesehen!“ Ich schaue sie an. „Genau 7 Jahre“, gebe ich zurück. „Wie geht es dir, Beate?“ Sie strahlt und Yuki lächelt. „Meine Frau“, stelle ich sie vor, das sind meine Cousine, ihre beiden Töchter und ihr Bruder.“

Beate weiß, dass ich lesbisch bin. Sie hat nie zu meinen engsten Freundinnen gehört, aber wir kennen uns schon lange. Nach einigen harmlosen Worten, der Bemerkung, dass sie wieder Single ist „Ich habe mich von meinem Mann getrennt!“, drückt sie mir einen Flyer der GRÜNEN in die Hand. „Du gehst doch wählen!?“

„Natürlich wählen wir“, erwidere ich. „Schon um Herrn Altmaier zu brüskieren.“ Sie schaut mich verständnislos an. „Wovon redest du?“ Als ich sie aufkläre, sie hat die Neuigkeiten wirklich verpasst, schüttelt sie entsetzt den Kopf. „Ein Aufruf nicht zu wählen? Das geht entschieden zu weit!“

„Sein Auftritt zeichnet das wahre Bild deutscher Demokratie“, sage ich. „Aber machen wir uns nichts vor, Merkel wird auf jeden Fall gewählt. Und die GRÜNEN, egal ob sie sich noch zieren, werden auch mit der CDU koalieren, wenn die Prozentpunkte stimmen.“

„Findest du das schlecht?“, fragt Beate und schaut mich seltsam an. „Auf jeden Fall“, sage ich. „Die Partei, alles wofür sie jemals stand, ist nur noch ein korrumpiertes Zerrbild alter Größe. Einer Frau Roth, die an der Spitze der Antifa marschiert und Parolen wie <<Deutschland verrecke!>> toleriert, kann ich zumindest keine Stimme geben.“

Beate beißt sich auf die Unterlippe. Die Bemerkung ist ihr peinlich. Aber ganz Wahlkämpferin will sie mich doch noch überzeugen. Es folgt ein kleines Rededuell, bei dem ich all ihre Argumente entkräfte.

Aber wir sind doch die Einzigen, die genau deine Interessen vertreten!“, versucht sie ihren letzten Trumpf, „wer setzt sich denn sonst noch so vehement für lesbische Frauen ein?“

Ich schaue sie ungerührt an und schnell senkt sie den Blick. „Meine Interessen vertrete ich“, erkläre ich ihr, „die GRÜNEN habe ich auch aus genau diesem Grund gewählt. Aber diese antideutsche Haltung hat mich abgestoßen.“

„Aber du bist doch keine richtige Deutsche!“, versucht Beate die Flucht nach vorn und wird kreidebleich, als sie ihren Fauxpas bemerkt. „Das … das habe ich aber jetzt nicht so gemeint!“, stammelt sie.

„Doch, hast du“, erwidere ich und schaue sie gespielt böse an. „Und du hast durchaus Recht damit. Für viele Deutsche war ich immer nur <<die Japanerin>>. Im Gegensatz zu anderen Migranten, hat mich das aber nie gestört. Ich bin stolz auf meine Herkunft. Deutsche auf ihre leider nicht.“

„Das war jetzt aber gemein“, murmelt sie und tritt von einem Fuß auf den anderen. „Wieso denn?“, will ich wissen, zeig mir hier auf der Stelle Deutsche, die das anders sehen. Die meisten haben Minderwertigkeitskomplexe und schämen sich für was auch immer.

Und falls es dir entgangen ist, Frau Merkel hat die Ehe für alle möglich gemacht. Ihr dagegen verhindert die Abschiebung Krimineller in ihre Heimatländer. Schau dich doch in Düsseldorf um! Oder findest du die Zustände im Maghreb-Viertel noch normal?“

„Nee“, sagt sie leise, „das stimmt schon. Aber man darf das jetzt nicht verallgemeinern! Es ist ja so …!“ Was folgt ist die vermutlich auswendig gelernte Litanei, die vielen linken PolitikerInnen in Fleisch und Blut übergegangen ist. Als ich mit den Zahlen zur Ausländerkriminalität kontere, wird Beate plötzlich still.

Ein junger Mann hat uns zugehört, er trägt Anzug und wirbt für die AfD. „Vielleicht möchten Sie unser Programm lesen“, sagt er und lächelt. „Wir werden das Problem Ausländer ganz schnell ändern.“ „Ach wirklich?“, frage ich, „wollen Sie mich dann auch außer Landes schaffen?“

„Aber wieso denn?“, erwidert er erschrocken, „wir haben doch nichts gegen Chinesen!“ „1. bin ich Japanerin“, sage ich eisig und 2. hat auch die AfD keinen Plan. Ihre Partei ist viel zu jung, Ihre Mitglieder sind völlig unerfahren. Ich habe das AfD-Programm gelesen. Sie dümpeln in vielen Punkten irgendwo in der Adenauer Ära.

Politisch überleben werden Sie damit nicht besonders lange. Die CDU/CSU hat Sie doch jetzt schon rechts überholt und kassiert ihre Vorschläge klammheimlich ein. Warten Sie die Wahl ab, die CDU rückt Ihnen in den nächsten Jahren immer näher. Wie grenzen sie sich dann wieder ab, werden sie zu Extremisten?“

„Wieso redest du mit dem?“, mischt sich Beate ein. Ihre Augen funkeln, mit in die Hüften gestemmten Armen steht sie da. „Ich rede doch auch mit dir“, erwidere ich sanft. „Demokratie zu leben heißt den Diskurs zu suchen. Beleidigungen, Ausgrenzungen anderer, sind ein Zeichen der Intoleranz.

Es ist leider ein Problem der meisten Linken, dass sie nur die eigene Meinung gelten lassen und andere gezielt unterdrücken und dadurch den vergebungslosen Staatstotalitarismus fördern. Ihre Denker sind lange tot, heute hat politisch motivierte Gewalt den Diskurs ersetzt.“

Während Beates Mund nach unten klappt, Yuki die Augen verdreht und sich um den Rest der Familie kümmert, entschuldigt sich der junge Mann bei mir. „Verzeihen Sie bitte meinen Fehler“, sagt er verlegen, „ich kann Asiaten ganz schlecht unterscheiden.“ „Kein Ding“, sage ich, „für uns sehen Weiße auch alle gleich aus.“

Sein Lächeln wirkt gequält, als er weiterspricht. „Wir wollen wirklich nichts Böses, aber ich zumindest habe Angst.“ „Wovor?“, will ich wissen. „Wer oder was bedroht Sie in Deutschland?“ „Ich bin Russlanddeutscher“, klärt er uns auf. „Ich bin in Russland geboren, aber schon als kleiner Junge nach Deutschland gekommen.

Er erzählt uns von Russland, von seinen Eltern, von seinen Problemen mit türkischen Migranten. Letzteres kann ich sehr gut nachvollziehen. Auch ich hatte mehrfach weniger schöne Begegnungen mit aggressiven Männern dieses Kulturkreises. Patriot sei er und liebe Deutschland. Das verstehe ich gut.

Ich wiederhole meine Fragen, aber wieder bleibt er die Antwort schuldig. „Sehen Sie“, sage ich, „genau das ist das Problem Ihrer Partei. Sie haben keine Antworten und außer einigen guten Leuten lediglich Populisten in Ihren Reihen. Sie befeuern die Angst der Menschen, aber das wird nicht lange funktionieren.“

Unsere Gruppe erntet seltsame Blicke, einige Passanten schauen konsterniert. Da stehen JapanerInnen mit einer Vertreterin der GRÜNEN und der AfD? Das geht ja mal gar nicht! So zumindest interpretiere ich das.

Die Meinung anderer zu tolerieren, egal ob sie nun für Bayern München schwärmen, um ein Beispiel aus dem Sport zu wählen, oder einer anderen politischen Richtung angehörig sind, ist in Deutschland nicht mehr selbstverständlich. Aber die oft begrenzte Weitsicht mancher macht sie zum willigen Instrument der Politik (Eliten).

Außer für dumpfe Parolen, wie „Deutschland verrecke! oder „Ausländer raus!“, bin ich für jede Meinung offen und fordere, ja fördere den Dialog. Aber ich verzichte an diesem Nachmittag darauf, den jungen Mann weiter in die Enge zu treiben. Ich kenne seine Argumente schon. Sie sind nicht meine.

„Die magst du?“, höre ich nun schon den Tenor und sehe meine LeserInnen das Näschen rümpfen, als wir kurz über Alice Weidel sprechen, die ebenfalls lesbisch ist. Ja, als Mensch. Wo ist das Problem? Ich habe auch Frau Merkel einst gemocht und mich gefreut, als sie die erste (weibliche) Bundeskanzlerin geworden ist.

Dabei war es mir egal, dass sie der CDU angehörte. Aber meine Sympathie war irgendwann vorbei. Jeder verdient (s)eine Chance. Dafür und für Meinungsfreiheit stehe ich. Aber viele können nur mit einer Hirnhälfte denken.

„Nehmen Sie mal Stellung zu Gauland und diesem Höcke!“, giftet Beate los und unterbricht meine Gedanken. „Das sind doch ganz klar rechtsradikale Nazis!“ „Kennst du die Bedeutung der Worte überhaupt?“, will ich wissen, „oder hast du damals in der Schule gefehlt?“ Beate schnappt nach Luft. „Du hast dich kein Stück verändert!“, lässt sie mich wissen.

Ein blondes Mädchen hält mir einen Flyer entgegen. „Mögen Sie vielleicht Informationen zu den LINKEN?“, fragt sie hoffnungsvoll. „Gern“, erwidere ich und verschweige, dass ich auch deren Programm bereits kenne. Der AfD-Wahlkämpfer hat begriffen, dass er keine Chance bei uns hat und verabschiedet sich.

Beate versteht die Welt nicht mehr. „Wie bist du denn drauf?“, will sie wissen. „Du redest mit der AfD, bist gegen die GRÜNEN und liest diesen dummen Quatsch der LINKEN?“ Das blonde Mädchen will etwas sagen aber ich schüttele den Kopf. „Dumm ist, der dummes tut“, zitiere ich. „Darin warst du schon immer gut.“

Beate reicht es, sie wirft den Kopf zurück und zieht wortlos ab. Ich werde sie nicht wiedersehen. „Ich wünsche Ihnen für die Wahl alles Gute und dass Sahra Wagenknecht niemals ihren Biss verliert“, sage ich zu dem Mädchen, das sich sichtlich über meine Worte freut. Manchmal entscheide auch ich per Bauchgefühl.

„Du warst mal wieder unmöglich“, sagt Yuki, als wir weitergehen und schmiegt sich in meinen Arm. „Aber genau deshalb habe ich dich gewählt. Und jetzt nimm mal den Flyer da weg und lass uns endlich einkaufen gehen!“ Genau das haben wir gemacht.

 

 

Kein schöner Land in dieser Zeit

Deutschland im September 2017. Kein schöner Land in dieser Zeit. Wir sind zurück aus Frankfurt, die IAA (Internationale Automobilausstellung) ist für uns Geschichte. Kurz habe ich darüber nachgedacht einen Bericht über diese bunte Glitzerwelt zu schreiben, aber der Besuch ist nur in Teilbereichen interessant.

Wolf, der Chefingenieur von Yukis Vater, hat uns begleitet. Durch seine Kontakte haben wir eine ganz andere IAA gesehen. Außerdem hat er uns einen Audi TT mitgebracht, der 370 Z ist schon in den USA. Wie immer mahnt er „Mach ihn nicht kaputt!“, was prompt meinen Mittelfinger zur Folge hat. Wann habe ich jemals einen Motor zerstört!

Während Audi gern mit dem Slogan „Vorsprung durch Technik wirbt“, versucht sich auch die Politik mit tollen Sprüchen. Alle wollen es besser machen, jede Partei hat ein eigenes Konzept. Davon zu halten ist wenig. Die meisten sind am Folgetag der Wahl vergessen.

Hand aufs Herz liebe LeserInnen, wer kennt alle Wahlprogramme? Wer hat sich die Mühe gemacht und sie miteinander verglichen? Wie wählen Deutsche überhaupt? Spielt Sympathie die entscheidende Rolle oder nur der reine Protest?

Auch ich habe mir meine Gedanken gemacht. Wen soll ich wählen und warum? Zum Glück kann Frau die Wahlprogramme lesen, aber um jeden Satz zu verstehen müsste man Juristin sein. Ich habe es trotzdem getan und werde zu SPD und CDU eigene Beiträge bringen. Mehr geht nicht, mir fehlt die Zeit.

Glücklicherweise gibt es Kurzversionen, die ich auch benutzen kann. Ähnlichkeiten in der Wortwahl und bei gewissen Themen lassen sich bei der SPD und den GRÜNEN finden. SPD und CDU haben die Polizei im Visier, bei der sie 15.000 neue Stellen schaffen wollen.

Das verwundert wenig, die CDU gibt sich unter Merkel linker als die SPD. Die Ein-Mann-Partei FDP scheint noch im Selbstfindungsprozess zu stecken. Wirkliche Akzente setzt sie kaum. Einiges wirkt wie „schon mal gesehen“ und findet sich in ähnlicher Form auch beim Rest der Blockparteien wieder.

Die AfD hat ihre Hausaufgaben gemacht und auf 74 Seiten 16.000 Worte untergebracht. Damit bleibt die junge Partei deutlich hinter den Etablierten zurück, die ihre Absichtserklärungen wesentlich ausführlicher präsentieren. Was davon zu halten ist wird man bald sehen.

Die LINKEN als Gesamtpaket bleiben mir suspekt, auch wenn ich Sahra Wagenknecht für kompetent und sympathisch halte. Ihr Wahlprogramm ist in Teilen absurd. Wer die Geheimdienste abschaffen will, öffnet Spionen Tür und Tor. Auch aus Russland, das müssen die WählerInnen wissen.

Was ich (noch) von den GRÜNEN halte, habe ich bereits mehrfach geschrieben. Ich hoffe wirklich, dass sie eine herbe Schlappe erleiden, die dann endlich personelle Konsequenzen hat. Was auch für die SPD gilt. Gabriel, Schulz & Co. haben fertig. Neue Sozis braucht das Land.

Dass die CDU/CSU die Wahl gewinnt, sollte niemand wirklich wundern. Gäbe es keine Angela Merkel, ich hätte weniger Probleme damit. Aber diese Frau ist die eigentliche Gefahr für Deutschland. Daher braucht es eine starke Opposition, die „Mutti“ auf die Finger schaut.

Auch wenn ich keine Hellseherin bin, die Fortsetzung der GroKo scheint unausweichlich zu sein. Aber Rot-Rot-GRÜN wäre die noch schlimmere Alternative. Was bleibt ist Schwarz-GRÜN oder Schwarz-Gelb. Vielleicht auch ein neues Dreigestirn.

Ein Trio in meinem Bett sorgt für Heiterkeit, Yuki hat meine Nichten als Verstärkung geholt. Die Mädchen jauchzen, wenn „Tante Yumi“ wach gekitzelt wird. Nur halb bei Verstand ist meine Cousine. Eine schwere Depression hat sie im Griff. Ob das auch für Deutschland gilt?

Der Zusammenbruch kam durch den Seitensprung ihres Mannes, schon in Japan haben wir uns um die Mädchen gekümmert. Was keine wusste, die Ehe kriselte vorher schon. Nun hat sich der Betrug offenbart. Ihr Mann hat ein Verhältnis mit seiner Sekretärin, die (s)ein Kind erwartet.

Auch in Deutschland kriselt es seit Jahren. Hier geht man mit unheilvollen Ideen schwanger. Kommt der Austausch der Bevölkerung? So zumindest tönt es von den Dächern. Die Menschen haben Angst, die Politik hat einmal mehr versagt.

Niemand stoppt mich, wenn meiner Familie Unrecht geschieht. In Japan fange ich den Seitenspringer nach der Arbeit ab und nur seine schwangere Freundin verhindert einen Eklat. Wie ein begossener Pudel steht er da, als ich ihm lautstark einige weniger nette Worte sage.

Lautstark sollten alle mündigen BürgerInnen gegen die Halbwahrheiten der Blockparteien protestieren. Gegen gesteuerte Berichterstattung der durch die Zwangsabgabe finanzierten Medien. Oder hat Deutschland wirklich schon den Herbst der Existenz erreicht und bereitet sich nun auf sein Ende vor?

Die Geliebte des Seitenspringers schämt sich, Arbeitskollegen schauen konsterniert. Der Auftritt ist Absicht. Ich weiß genau, wie Mann sein Gesicht verliert. Meiner Cousine hilft das wenig, aber ihr Mann muss sie finanziell unterstützen. Außerdem ist sein Ruf nun ruiniert.

Meiner ist natürlich ungebrochen, alle Kinder lieben mich. Aber kann man zwei kleine Mädchen so einfach von ihrem Vater trennen? Die Antwort ist einfach. Ich habe „Du willst keinen Ärger mit mir!“ zu ihm gesagt. Das hat er verstanden.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt

Jeder Reise hat ein Ende, jeder Urlaub geht vorbei. Die Koffer sind schon gepackt, als die Alarmglocken schrillen. Heather ruft an, was habt ihr denn nun gedacht? Los Angeles brennt, die Hitze ist unerträglich. Wir buchen um, das geben wir uns nicht.

Was so dramatisch klingt, ist auch in deutschen Nachrichten zu lesen. Hitzerekord in Kalifornien, bekanntlich regnet es dort selten. Wohin die Reise geht? Dreimal dürft ihr raten! Grüße aus dem wesentlich kühleren Düsseldorf.

Wir sind müde, die deutsche Sprache klingt ungewohnt. Aber wir haben ein Haus für uns allein. Und das haben wir auch nötig. Aufklärung und Neuigkeiten gibt es, wenn ich wieder ich selbst geworden bin. Zur Zeit fühle ich mich wie ein Zombie. Fliegt ihr mal um die halbe Welt.

Bleiben wir in Deutschland? Das war eigentlich nicht geplant. Der Nissan ist schon in Amerika, aber der Wagen meines Vaters ist noch da. Wenn ich die Augen aufhalten kann und mein Schreibfinger zuckt, werde ich das TV-Duell „Maddin gegen Mutti“ schauen. Den Kommentar dazu gibt es dann später. Guten Abend, gute Nacht, ich hab‘ euch etwas mitgebracht.

Und es war Sommer

Sommer in Deutschland sind anders, Sommer in Deutschland sind oft kalt und nass. Aber der Z brüllt vor Freude, der Wagen hat mich bestimmt vermisst. Der neue Motor hält, 500 PS schieben ihn vehement nach vorn.

Das wird (k)ein Autobericht. Nur ein kurzes Update meiner Aktivitäten. In den letzten Wochen stand Selbstverteidigung auf dem Programm. Zusammen mit Freundinnen, habe ich Seminare gegeben. Vielleicht schreibe ich darüber einen kurzen Bericht, der die Spreu vom Weizen trennen soll.

Leider gibt es in dieser Branche auch Scharlatane, die nur das Geld der Menschen wollen und ihnen falsche Sicherheit verkaufen. Stichwort: Abwehr gegen Messer und Pistolen. Meist blanker Unsinn und lebensgefährlich.

Wir haben auch Wolf besucht, der uns eine so nicht erwartete Offerte macht. Nachdem der Deal mit Amerika steht, die Stuttgarter Firma wieder im finanziellen Aufwind ist, sitzt auch bei Yukis Papa das Geld locker. Und Wolf ist (s)ein gehorsamer Chefingenieur.

„Meine zwei Lieblingsjapanerinnen!“, begrüßt er uns. „Wie viele kennst du noch?“, will ich wissen und er schnauft empört. „Frech wie immer!“, höre ich. „Dabei habe ich tolle Neuigkeiten für euch. Aber wenn ihr sie nicht hören wollt …“

„Du kannst gern einen Tritt ans Schienbein haben“, sage ich ungerührt. Aber das alles ist nur Spaß, wir kennen und respektieren uns. „Es geht um den Z“, sagt Wolf. „Wollt ihr ihn mit nach Los Angeles nehmen?“

Yuki reißt die Augen auf und Japans Sonne strahlt. „Klar“, sage ich, „wieso kommst du erst jetzt mit der Idee?“ Warum Wolf nun wie „Kalt wie Eis“, murmelt, wird nur er wissen. Ich bin bekanntlich hitzig.

Der zeitlich begrenzte Import eines deutschen Autos in die USA ist kein größeres Problem. Ja, es kostet um die 1.200 Dollar, das Auto in die Staaten zu verschiffen. Aber das zahlt die Tuning Schmiede. Ich sage „Ja!“

Das bedeutet Abschied von meinem Schätzchen zu nehmen. Die Reise in die USA ist lang. Der Vorteil der Aktion, das Auto muss nicht umgerüstet werden und darf sogar mit deutschem Kennzeichen weiter gefahren werden. Aber nur für ein Jahr, danach muss es zurück. Wir auch?

Zurück werden auch wir fliegen. Nach Fukuoka und von dort wieder in den Sommer der USA. Wem das nun wieder „zu persönlich“ ist, den kann ich an dieser Stelle beruhigen. Mehr Infos gibt es darüber nicht.

Für diesen Blog bedeutet das vier Wochen Pause. Ich melde mich im September aus Los Angeles. Genießt den deutschen Sommer.

 

Ein Leben lang auf Reise

Unser Leben ist zur Zeit eine große Reise. Waren wir letzte Woche noch in Fukuoka, ist nun Deutschland angesagt. Aber vorher haben wir Zeit in Los Angeles verbracht und einige wichtige Dinge geregelt.

Wie zum Beispiel die Zukunft unseres Apartments, das wir vorübergehend an ein Frauenpaar vermietet haben. Nicht ganz überraschend, haben sich Riko und Madison bei uns gemeldet, die beiden Mädels vom Dina Shore. Sie sind seid Juni in Los Angeles und haben Probleme mit ihrer Wohnung bekommen.

„Wir haben keine Nacht geschlafen, so laut war es dort“, erzählt Madison, als wir uns treffen. Der Vermieter macht Ärger und besteht auf dem Vertrag. Aber Riko ist Anwältin und weiß was sie machen muss. Sie sind schon auf der Suche nach einer neuen Bleibe und wohnen in einem günstigen Motel.

Mir kommt eine Idee, die ich mit Yuki per Augenkontakt abstimme. „Wir können euch unser Apartment überlassen“, biete ich den beiden an, wir werden einige Monate nicht in Los Angeles sein.“ „Vermutlich kommen wir erst im September wieder“, fügt Yuki hinzu, „aber das wissen wir noch nicht.“

Unsere beiden neuen Freundinnen sind total aus dem Häuschen vor Glück. Vor allem, als ich ihnen den Preis nenne und die Lage. Klar ist es teurer als ihr jetziges Motel, aber ich verlange keinen Wucherpreis. Und Sicherheiten haben beide.

Sicher im Flieger, hat uns unser Weg über Düsseldorf nach Stuttgart geführt. Wir waren auch in Hamburg, haben kurz Berlin unsicher gemacht und sind dann nach Frankfurt geeilt. Zur Zeit besuchen wir in Holland Freunde und fahren in Kürze wieder nach Düsseldorf. Und im August ruft wieder Japan.

Yuki nehmen die Reisen mehr mit, als sie eingestehen will. Ich bemerke es und spreche es an. „Alles gut“, sagt sie und strahlt mich an, „wenigstens ist mit dir das Leben nie öde. Die Mama deiner Kinder kann ich später noch spielen.“ Seht ihr nun das wahre Biest?

Eher milde gestimmt, rauscht das politische Leben scheinbar unbeachtet an mir vorbei. Ich verfolge die Neuigkeiten mit Interesse, aber nehme absichtlich Abstand davon. Habe ich aufgegeben?

Fast könnte man das glauben, haben wir doch immerhin unseren bisher größten Sieg errungen. „Wir“, das ist die deutsche LGBT-Community. Wahltaktisch klug von der SPD eingefädelt, wird sie kein Kapital aus der Eheöffnung für alle schlagen. Ohne Merkels Zustimmung, wäre die Sache geplatzt.

„Aber sie hat doch dagegen gestimmt!“, höre ich meine LeserInnen sagen. Ja, das hat sie. Aber sie hat die Abstimmung möglich gemacht. Und da sie das positive Endergebnis vorher kannte, hat sie dagegen gestimmt.

Dieser so einfach, wie geniale Schachzug, hätte auch von einer Japanerin kommen können. Auch wenn ich Merkel nicht mag, das hat sie klug gemacht. Reicht das schon zur erneuten Kanzlerschaft?

Ist das nun der endgültige Durchbruch für Homosexuelle oder doch nur ein weiterer Meilenstein? Ich rechne mit einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht und einer Grundgesetzänderung. Mich stört das wenig, Yuki war schon immer meine Frau.

Die Politik muss vorerst ohne meine Kommentare leben. Und auch  dieser Blog wird vorerst stiller werden. Momentan fehlen mir Zeit und Lust dafür.

Dabei gäbe es eine Menge zu erzählen. Etwa wie ich kurz im MMA unterwegs gewesen bin oder der unschöne Zwischenfall mit einer Koreanerin in Fukuoka.

Ich könnte auch von dem Waisenhaus berichten und wie uns dort die Kinderherzen zugeflogen sind. Aber wir haben entschieden in Zukunft weniger Privates zu zeigen. Auch davon wird der nächste Beitrag handeln. Bis dahin dürft ihr den Sommer genießen. Wir lesen uns. Bis bald!

 

 

 

 

Lichter der Großstadt – Teil 10: Turbo

Der folgende Beitrag bildet einen Zeitraum vor unserem Aufenthalt in Japan ab. Er ist die literarisch aufgearbeitete Realität eines etwas verrückten Tages. Zeitlich bedingt, wird es vorerst weniger Beiträge von mir geben. Der Rückflug nach Deutschland steht kurz bevor und im August ist wieder Japan angesagt. 

Die Zahl Zwei hatte schon immer besondere Bedeutung für mich. Und das, obwohl ich einmalig bin. Vermutlich hatte ich schon als kleines Mädchen erkannt, dass Frau im Doppelpack zur Höchstform aufläuft. Will das wer bezweifeln?

Entsprechend innig, aber kindlich-harmlos, war meine Freundschaft mit Natalie. Heute ist Yuki meine bessere Hälfte. Sie bremst sanft mein kämpferisches Wesen aus. Zumindest dann, wenn ich sie lasse.

Als in Japan geborene Frau, hatte ich schon immer zwei Heimatländer. Und seit 2015 (wieder) einen Doppelpass. Aber was in Deutschland legal ist, wird von Japan nicht anerkannt. Nur weiß dort kein Offizieller, dass ich (noch) Deutsche bin. Und selbst wenn, wird es stillschweigend geduldet. Ob ich (wir!) es bleibe(n), wird noch entschieden. Aber eigentlich geht das niemand etwas an.

Seit ich Autos teste, habe ich viel über Technik und Fahrverhalten gelernt. Und ein Doppelturbo macht einen Wagen richtig schnell. Warum ich das schreibe wollt ihr wissen? Mache ich etwa wieder einen Autotest? Die Erklärung folgt sofort.

Wir lernen Sascha, die eigentlich Alexandra heißt, an einem Samstag in der Abbey (LINK!) kennen. Schlanke 1,72 Meter wirbeln durch den Raum. Die blonde Kurzhaarfrisur steht ihr gut. Wenn ich eine Alpha bin, hat sie auf den ersten Blick das Prädikat „Über“ verdient. Aber oft trügt der Schein, wie wir später noch sehen.

Sascha ist in Russland geboren. „Den Ort findest du auf keiner Karte“, sagt sie mit deutlichem Akzent. Aber sonst ist ihr Englisch perfekt, sie lebt schon zehn Jahre in den USA. Sie ist eine Bekannte von Nina, mit der sie im gleichen Fitness Center trainiert. Nina kennen wir durch Ally, die mit Ehefrau Heather neben uns sitzt.

Nina, die noch Verwandte in Dänemark hat und stolz auf die Herkunft ihrer Vorfahren ist, kann kaum die Augen von Sascha lassen. Bahnt sich hier etwas an? Sascha ist eine Art Playgirl. Sie hat Geld, das ist deutlich zu sehen.

„Papa hat mir verboten zu arbeiten“, erzählt sie locker. Es klingt selbstverständlich und kein Stück arrogant. „Aber ich mache trotzdem mein Ding“, fährt sie fort und zeigt stolz Bilder ihres Jobs. „Ich bin Bodyguard für Schauspielerinnen und andere Prominente.“

„Ernsthaft oder nur aus Spaß?“, hake ich nach, „magst du darüber mehr erzählen?“ „Schon aus Spaß“, sagt Sascha, „aber ich nehme das sehr ernst! Papa hat dafür gesorgt, dass ich Krav Maga trainiere. Ich habe es in Israel gelernt, dort war ich ein Jahr im Kibbuz.“

„Die militärische Form?“, frage ich und Sascha nickt leicht überrascht. „Du kennst das?“, will sie wissen und erfährt nun meinen Hintergrund. Ihr Lächeln wird noch breiter, KampfkünstlerInnen unter sich.

Mir entgeht ihr Seitenblick auf Nina nicht. Die brünette Schönheit ist mehr als einen kurzen Augenblick wert. Soll ich Schicksal spielen? Yuki schüttelt fast unmerklich das hübsche Köpfchen. „Lass es!“, heißt das. Aber will ich das auch?

Sascha erzählt, dass sie Prominente beim Shopping oder zu Veranstaltungen begleitet. „Einige sind lesbisch, andere fühlen sich besser mit einer Frau.“ Ich weiß wovon sie spricht, auch ich hatte vor Jahren kurz das Vergnügen. Spaß gemacht hat es immer.

Nina, die vor Nervosiät kaum noch sitzen kann, stellt eine entscheidende Frage. „Hast du schon Probleme gehabt?“ Sascha schenkt ihr einen Blick, der sich in Ninas Seele bohrt. „Ich würde das nicht Probleme nennen“, erwidert sie verschmitzt, „aber Paparazzi.

Vor etwa einem Jahr war ich mit einer Managerin aus Boston unterwegs, die zum Dinah Shore gekommen ist. Ich habe es selbst kaum für möglich gehalten, aber diese völlig elegante und durchgestylte Frau, bei der jede Wimper so perfekt saß wie das Kostüm, hat sich in eine ausgelassen feiernde Partymieze verwandelt. Die hatte einen Traumkörper sage ich euch!“

„Und du warst mit ihr im Bett?“, gehe ich in die Offensive, was Sascha breit grinsen lässt. „Aber hallo!“, lacht sie, „was glaubst denn du? Normal trenne ich Arbeit und Vergnügen, aber diese Frau war die Wucht!“

Plötzlich beißt sie sich auf die Unterlippe, als sie bemerkt, wie Nina den Blick abwendet. „Ich bin keine Spielerin“, sagt sie leise, „das ergab sich aus dem Augenblick. Und ich habe noch niemals eine Frau betrogen, mit der ich zusammen war.“

„Du wolltest etwas über Paparazzi erzählen?“, bringe ich das Thema wieder auf den Tisch. „Was ist passiert, seid ihr belästigt worden?“ „Ja,“ erwidert Nina. „Eine Frau ist uns vom Dinah Shore ins Hotel gefolgt. Zumindest habe ich mir das so erklärt.

Ich nenne die Managerin „Mandy“, der wahre Name ist egal. Wir waren also im Bett, als plötzlich die Tür aufging und eine Frau Bilder von uns machte. Sie hat ein Zimmermädchen bestochen, habe ich später erfahren. Für die Bilder hätte sie ein Vermögen bekommen. Hätte …“

Sascha schweigt und schaut bezeichnend in die Runde. „Okay ich war fast nackt,“ fährt sie fort, „aber ich bin ihr trotzdem hinterher und habe sie unten in der Lobby gestellt. Ich habe ihr den Arm verdreht und sie wieder nach oben ins Zimmer gebracht. Polizei brauchten wir keine. Ich habe die Bilder gelöscht, ihr in den Hintern getreten und sie nach Hause geschickt. Die Bitch macht das bei mir nie wieder!“

Selbst Nina muss nun lachen und Sascha schenkt ihr einen tiefen Blick. Prompt wird sie rot, Verliebte können so lustig sein! „Hattest du schon mit Gewalt zu tun?“, will ich wissen. „Leider ja“, gibt Sascha zu, „ein Dieb ist auf dem Set in den Wohnwagen einer Schauspielerin eingedrungen.“

Wortlos hebt sie ihr hautenges T-Shirt und zeigt uns eine gut verheilte (Messer)Narbe. „Meine Klientin hat gedreht und ich bin nur kurz zum Wohnwagen und wollte frische Unterwäsche für sie holen, als ich diesen Typ überraschte.

Als er mich sah zog er sofort ein Messer und hat mich attackiert. Ich bin ausgewichen, aber so ein Wohnwagen ist sehr eng und er hat mich doch seitlich erwischt. Dann war er tot.“ „Du hast ihn umgebracht?“, fragt Nina entsetzt und Sascha lacht schon wieder.

„Nee, aber mein Ellbogen hat seine Nase zertrümmert und ihn ins Reich der Träume geschickt. Hatte ich doch schon im Gym erzählt.“ Nina wirkt verlegen und schaut hilfesuchend in die Runde. Schicksal, warum nur immer ich?

„Deine Freundin hatte bestimmt Angst um dich“, sage ich und Yuki verdreht die Augen. „Das war nur eine Fleischwunde und ich bin meist solo“, höre ich. „Beziehungsstress, das ist so eine Sache.“

„Sagtest du nicht, dass du treu bist wenn …?“, werfe ich ein und plötzlich wirkt Sascha verlegen. Habe ich ihren schwachen Punkt entdeckt? Ich kenne die Antwort schon, bevor sie weiter spricht.

„Jaaa …“, dehnt sie das Wort, „aber was soll ich machen? Die stehen doch alle auf mich!“ „Und du greifst zu“, stelle ich fest. „Das erinnert mich an meine wilden Jahre.“ „Und heute bist zu zahm?“, fragt Sascha provokant und versucht ein Augenduell.

Nach knapp zwanzig Sekunden gibt sie auf. Niemand schlägt mich auf diesem Terrain. Nur in Sachen Autos, da ist sie mir „über.“ Noch in der Abbey haben wir das Thema gewechselt und Sascha sich beeindruckt von meinem Z gezeigt.

„Der war zu klein für mich“, sagt sie, „Papa hat mir dann den Ferrari California T geschenkt.“ Nun gibt es wenige Autos, die mich wirklich beeindrucken können, aber der Ferrari gehört definitiv dazu. 560 Pferdestärken beleben einen 4 Liter V8.

Sascha lädt uns spontan zu sich nach Hause ein. Das Haus ist riesig, aber wirkt kalt und leer. Ebenso der Pool, an dem wir im Schatten sitzen. „Ich brauche Abkühlung“, sagt Sascha plötzlich und zieht sich völlig ungeniert aus. Nur im Höschen springt sie kopfüber ins Wasser und Nina fällt fast in Ohnmacht.

„Ich stehe total auf Sascha!“, flüstert sie, „aber sie lässt mich am ausgestreckten Arm verhungern! Was soll ich denn noch machen?“ „Zieh dich aus und spring rein“, sage ich. „Zeig ihr, wie hübsch du bist.“

Als hätte Sascha die Wort gehört, spritzt sie Wasser in unsere Richtung. „Los ausziehen, Mädels“, bestimme ich und springe kopfüber ins Wasser. Eine knappe Minute später gibt es eine Wasserschlacht, bei es nur Gewinnerinnen gibt.

Später holt Sascha Badetücher. Sie hat sichtlich Spaß Gesellschaft zu haben. Auffällig oft sucht sie Ninas Nähe und trocknet ihr sogar den Rücken ab. Ally und Heather grinsen wie Honigkuchenpferde und Elfchen zwinkert mir frech zu. Vermutlich nur, da ich sowieso die Hübscheste bin! Was bitte habt ihr denn nun gedacht?

Später geht es in die Küche und das Chaos ist perfekt. Jede hat eigene Ideen und wir stehen uns selbst im Weg. Sascha will russisch, ich japanisch, Ally mexikanische Pfanne kochen. Was dann folgt, hat sogar mich überrascht.

„Raus hier!“, bestimmen Yuki, Heather und Nina im Chor, „wir kümmern uns ums Essen und ihr könnt weiter über Autos erzählen.“ Rollenverteilung der besonderen Art. Auch wir können gut kochen. Aber wir spielen in diesem Fall gern mit.

Wir sind längst trocken, die T-Shirts mittlerweile auch. Leger gekleidet sitzen wir am Tisch und genießen einen Mix aus drei Nationen, der unbeschreiblich lecker ist. Ein perfekter Tag, den nur NeiderInnen dekadent nennen.

Dass es bei Sascha und Nina gefunkt hat, wird immer offensichtlicher. Wir fahren nach Hause, Nina bleibt. Ihre Augen leuchten, als Sascha sie zur Probefahrt im Ferrari einlädt. Und soweit ich weiß „kurven“ die beiden immer noch. Umeinander. Wie anders soll man die verliebten Blicke erklären, die beide seit Tagen unzertrennlich machen?

Mir hat Sascha den Ferrari geliehen und ist mit Nina in Urlaub geflogen. Ich darf also für eine Weile ein Auto fahren, das in meine Doppel(turbo)sammlung passt. Wobei mir (m)eine Elfe reicht. Zwei wären deutlich zu viel. Die kosten zu viel (Sprit).