Wenn der Porsche zweimal hupt

Es gibt Tage da weiß ich, dass Dinge passieren. Meist mir. Obwohl ich die Friedlichkeit in Person bin.
Meist habe ich Ärger mit Mann, der gern die Wildsau im Blumenbeet imitiert. Grunzen inklusive.
In der Regel sind Klischees daneben und taugen auch nicht wirklich viel. Aber bei manchen Autofahrern ist oft das Gegenteil der Fall.
Platz da, jetzt komm ich!

Mittwoch, 11:30 Uhr, wir fahren in einen Elektronik-Konzern. Der Name ist egal, aber blöd ist anders und Experten gibt es überall.
Die Radar-App im Handy piept, ich habe den Kasten schon gesehen. Brav tuckert der Z mit 50 km/h.
Schnell sein ist anders. Ich komme auch so ans Ziel.
Die Entdeckung der Langsamkeit.

Ein schwarzer Porsche aus Essen fährt (zu) dicht auf. Ich kann das genervte (Rot)Gesicht des Fahrers sehen.
„Da wills wieder einer wissen“, sage ich knapp und Yuki nickt. Sei lieb, sagen ihre Augen.
Ich biege ab und es folgt ein Hupkonzert des Porsche. Auch den Vogel zeigt mir der Mann.
Sein 911er schießt davon und muss prompt bremsen. Stuttgarter Verkehr schließt rasen aus.
Wenn der Porsche zweimal hupt.

Als wir am Ziel sind habe ich den Vorfall schon vergessen. Wir steigen aus und plötzlich hält ein Porsche an.
Das Rotgesicht aus dem Pott. Warum nur immer mir?
„Sie da!“, bellt der Typ auch prompt. „wo haben Sie den Führerschein gemacht?“
Ein BLick zu Yuki, die Rollen sind verteilt. Wir spielen japanische Touristen.
Manche Worte sind nicht einfach zu verstehen.

„Was will der Kerl denn?“, fragt mich Yuki auf japanisch. „Ist der irgendwie doof?“
„Ja, clever ist anders“, erwidere ich und mustere die 1,75 Meter Kugel auf zwei kurzen Beinen. Und eine Rolex trägt er auch.
„Na ist ja mal wieder typisch!“, poltert der Pottler. „Sprechen kein Wort deutsch und fahren so einen Wagen! Oder habt ihr den geklaut?“
Wir lächeln den Typ an, was ihn noch mehr in Rage bringt.
„Sind die alle so da oben?“, will Yuki von mir wissen. „Wenn ja, lass uns in Stuttgart bleiben.“
Der Typ ist keine Perle aus dem Revier.

„Das sage ich Ihnen!“, tobt der Wüterich, „Sie haben mich behindert!“
„Der ist echt behindert“, kommentiert Yuki trocken und mustert ihn von Kopf bis Fuß.
Ich schenke dem Kerl mein süßestes Lächeln und eine Verbeugung mache ich auch.
Noch vor einigen Jahren hätte ich anders reagiert. Aggressiver, wilder. Heute macht es mir Spaß, das Frauchen zu spielen.
Biest incognito. Beware!

Unser Gegenüber tobt noch weiter und verfällt zunehmend in heimischen Dialekt. Einige Stuttgarter bleiben stehen und schütteln den Kopf.
Wir amüsieren uns prächtig und sprechen weiter japanisch, bis ich dem Spiel ein Ende mache.
Angst haben bekanntlich nur die anderen. Dieser Kugelblitz macht sie mir nicht.
„Hömma du Erdmänneken“, sage ich mit eisiger Stimme, „getz is hier abba Schicht im Schacht!“
Sein Mund klappt nach unten, ich kann fast die Mandeln sehen.
Und Goldzähne hat er auch.

Yukis japanische Disziplin hält keine weitere Sekunde, ihr Elfenlachen spornt mich erst richtig an.
„Machma n Kopp zu“, fahre ich fort. „Getz hasse Muffensausen, wie? Dat hasse nich gedacht, wonnich?“
Ich muss keinen Ton mehr sagen. Herr Kugelblitz zieht ziemlich belämmert ab.
Auch Japanerinnen können Dialekt. Ich hoffe er hat euch geschmeckt.

Diese Anekdote ist am Mittwoch, den 01.April genau so passiert. Aber Scherze sind anders und die Realität hat oft einen seltsamen Humor.

The way of the Blog

Blogs leben von Lesern, oft liebevoll auch (Ver)Folger genannt. Seit einer Weile habe ich davon mehr als 250. Und das macht mich stolz. Nun kann ich selbst unmöglich 250 + Blogs pro Tag lesen, oder kommentieren. Das bitte ich alle LeserInnen zu verstehen. Meine Elfe droht sonst mit Scheidung, was ich kaum riskieren kann. Und Geld verdienen muss ich auch. Natürlich in High Heels am Steuer teurer Wagen. Was habt ihr denn nun gedacht?

Ironiemodus off und zurück zu den harten Fakten. Was macht eine Testfahrerin eigentlich im Winter, werden sich viele LeserInnen fragen. Die Antwort ist einfach: testen! Im Idealfall auf Eis und Schnee und bei fetten Minusgraden. Norwegen ist schon gebucht. Ja Norwegen steht vor der Tür. Wolfs Team wird dort einige Tage verbringen und die getunten Wagen testen. Aber erst in einigen Wochen. Ich berichte dann davon.

Yuki und ich werden dabei sein und die Wagen auf vereisten Seen fahren. Zwar ist eine Menge Spaß garantiert, aber es ist auch Arbeit pur. Bis dahin düse ich zum Beispiel mit einem RS8 durch die Gegend, bei dem Wolf den Motor hochgezüchtet hat. Im Idealfall verbinde ich diese Arbeit mit einem Job als Beraterin. Vorgestern habe ich auf diese Weise einen Firmenchef verblüfft. „Sie fahren einen solchen Wagen …?“, hat er gefragt. Natürlich habe ich genickt und den Job bekommen. Vermutlich hat den Mann der Anblick bis in die Träume verfolgt. Am nächsten Tag hat er sich bei Wolf gemeldet umd einen umgebauten RS8 geordert. Was mir Prozente bringt. Seid umschlungen ihr Millionen!

Auch getrennt habe ich mich noch 2014. wieder. Von verwaisten Blogs natürlich! Was habt ihr denn nun gedacht? Der Grund ist einfach und nie persönlich gemeint. Wer einige Monate nichts veröffentlicht, der bloggt nicht mehr. Ich finde es schade, wenn ich solche Blogs aus dem Reader lösche. Aber es gilt den Überblick zu behalten, Wehmut hilft da kaum weiter. Wer wiederkommt, zu dem finde ich gern zurück. Bis dahin: macht es gut.

Aktuell folge ich 60 Blogs und diese Zahl möchte ich nicht mehr überschreiten. Aber wenn ich Zeit habe stöbere ich in meiner Liste und habe schon diverse Perlen gefunden. Die kommentiere ich, aber nicht regelmäßig. Es gibt auch Blogs,  die ich bewusst gestrichen habe. Als Zielscheibe frustrierter Internet-Papiertiger tauge ich kaum. Noch weniger für Chauvinisten.

„Warum schreiben Yuki oder du nicht über japanische Küche?“, hat mich nicht nur Frau gefragt. Meine Antwort: Weil ich das langweilig finde. Ja, ich kann kochen. Und das sehr gut. Überwiegend japanisch, deutsches Essen mag ich nicht. Fette Haxen, verbrannte Schnitzel, oder Gulasch soll essen wer will. Mir wird davon schlecht. Aber ich lese zumindest einige Food-Blogs gern. Und da gibt’s auch immer „lecker Kuchen!“

Yuki hat wenig bis keine Zeit zum bloggen. Studium und Masterarbeit sind wichtig. Und nebenbei hilft sie noch mir. Beim fahren und beraten. Merke: Eine erfolgreiche Frau braucht immer eine Frau, die neben ihr steht. Gleichberechtigt. Und das ist meine Elfe.

Wohin führt mich dieser Blog? Diese Frage ist rhetorisch und wenig Überlegung wert. Er führt immer zum nächsten Artikel, den ich oft spontan entscheide. Egal ob über Feminismus, Politik, oder einfach noch’n Gedicht.

Japaner und die deutsche Küche – Kulturschock, oder große Liebe?

Auf mehrfachen Wunsch möchte ich heute darüber schreiben, wie Japaner die deutsche Küche sehen. Nicht die von Bulthaup, Boffi, oder Eggersman! Die Rede ist vom Essen. Nun bin ich keine typische Japanerin. Aber deutsches Essen liegt mir nicht. Und meist schwer im Magen. Daher lasse ich es sein. Aber wohl der Frau, die eine japanische Mutter hat. Und die kommt erstmals auf meinem Blog zu Wort.

Ich erkläre ihr worüber ich schreiben möchte und dass ich ihre Meinung brauche. Und fast unmerklich nickend stimmt sie zu.
„Sag Mama“, beginne ich. „Was denkst du über das deutsche Essen?“
Der Gesichtsausdruck meiner Mutter ist unbeschreiblich. Eine Mischung zwischen Freundlichkeit und kühler Distanz. Und nur ich kann den lesen.
Aber ich brauche Worte. Mit japanischen Emotionen ist keinem Leser gedient.
„Och Mama“, bettele ich mit Kleinmädchenstimme. „Sag doch einfach was dazu.“
„Ich hatte bereits von meiner Brieffreundin vom deutschen Essen gehört“, sagt sie leise. „Und ich habe es auch versucht.“
Wieder zeigt sie mir ihr Lächeln.
Mit ihrer Brieffreundin meint sie Tante Helga. Aber davon später mehr.

Übersetzt heißt das: Es hat ihr nicht geschmeckt. Aber das würde meine Mutter niemals sagen. Sie ist viel zu höflich dafür.
Aber ich brauche mehr Informationen. Also muss ich meine Mutter provozieren. Nur gelingt mir das nie wirklich. Sie ist zu beherrscht dafür.
„Wie findest du denn die Unterschiede?“, will ich wissen. „Deutsches Essen gilt ja als schwer, deftig und oft fettig. Fällt dir dazu etwas ein?“
„Die deutschen Würstchen habe ich gemocht“, erwidert sie. „Man kann Frankfurter auch in Japan kaufen. Und die sind sehr beliebt.“
„Und was denkst du über Eisbein, Sauerkraut und Leberknödel?“, hake ich nach.
„Auch die haben ihre Berechtigung“, sagt meine Mutter und lächelt wieder.
Merkt ihr, wie ich leide?

Übersetzt heißt das: Sie findet diese Gerichte schrecklich und würde nicht einmal im Traum daran denken sie zu kochen.
„Und was denkst du über die Vielfalt der deutschen Küche?“, frage ich. „Oder gibt es etwas, das dich stört?“
„Jedes Land hat eigene Sitten und Gebräuche“, kommt die erwartete Antwort. „In Deutschland isst man mehr Fleisch und größere Portionen.“
Und damit hat sie recht.
Japaner in Deutschland machen oft den Fehler in Restaurants mehrere Hauptgerichte zu bestellen. Fischspeisen werden fröhlich mit Fleisch gemischt und Berge von Salaten aufgefahren. Jedes Gericht sättigt den Besteller schon allein. Aber er wird von jedem Teller nur Häppchen essen. Im Unterschied zu Deutschland werden in Japan verschiedene Gerichte in kleinen Schälchen serviert, die gemeinsam verzehrt werden.
Japanisch sein ist anders.

„Du warst doch mit Tante Helga in diesem deutsch-japanischen Kochclub“, fahre ich fort. „Was genau habt ihr dort gekocht?“
Als Tante Helga bezeichne ich die älteste Freundin meiner Mutter. Sie haben sich schon als junge Mädchen kennengelernt. Und über die Jahre ist eine tiefe Freundschaft entstanden, die einzigartig ist. Tante Helga wohnt auch in der Nähe und ist seit Ewigkeiten ein absoluter Japan-Fan.
„Meistens waren es Rezepte, die noch von deiner Großmutter stammen“, erwidert meine Mutter. „Alle Frauen haben die Gerichte sehr gemocht. Auch du, als kleines Kind.“
„Und dann musste ich Hamburger probieren“, platzt es aus mir heraus. „Weil sie so anders waren.“
„Es war dein Wille“, sagt meine Mutter lächelnd.
„Ja“, grummele ich. „Und mein armer Bauch.“
So wird das nichts. Ich brauche einen anderen Plan.

Ich habe eine Idee und flitze zum Telefon.
„Tante Helga? Mayumi hier. Sag hast du vielleicht Lust auf einen Tee zu uns zu kommen?“
Yuki wirft mir einen mahnenden Blick zu. Der bedeutet „Halt dich zurück, du wohnst nicht mehr hier.“
Aber selbst meine Mutter konnte mich nie stoppen, wenn ich am organisieren war.
„Du hast doch nichts dagegen, Mama?“, frage ich dann doch.
„Es ist auch dein Haus“, bekomme ich zu hören.
Mama pur. Und ich liebe sie dafür.

Tante Helga ist eine kräftige Frau mit strahlendem Lachen.
Drei Kinder und viel leckerer Kuchen haben ihr die Figur ruiniert. Das zumindest erzählt sie immer. Die Frau hat Humor.
Vor ihren Umarmungen ist niemand sicher. Auch Yuki und ich bekommem unser Teil. Und es ist nicht schlimm. Ich mag diese Frau.
Der Vorname meiner Mutter ist Misaki. Und das bedeutet schöne Blüte. Und im Unterschied zu anderen Japanerinnen kann meine Mutter über ihren Schatten springen.
Und so umarmt auch sie die „glücklich-Gesunde“, wie Helga übersetzt heißt.
Bei leckerem Tee und japanischem Gebäck greife ich mein Blogthema wieder auf.
Wäre doch gelacht, wenn das nicht klappt.

Tante Helga ist sofort begeistert.
„Ich mag die japanischen Fischgerichte sehr“, lässt sie mich wissen. „Und natürlich Reis. Und die Nudeln erst!“
„Wo liegen deiner Meinung nach die größten Unterschiede zwischen den Essgewohnheiten?“, frage ich.
„Wir essen einfach zu viel in Deutschland“, kommt es wie aus der Pistole geschossen.
Lachend tätschelt Tante Helga ihren Bauch.
„Ich dachte daran seien deine Kinder schuld“, necke ich sie.
„Mehr die Süßigkeiten deiner Mama“, gesteht mir Tante Helga. „Die waren schon immer Nervennahrung für mich. Und ihre weise Art.“
Frauenfreundschaft der besonderen Art.

Es wird ein lustiger Nachmittag. Ich entlocke meiner Mutter auf diese Weise noch mehr Aussagen zu deutschem Essen, die aber alle distanziert und höflich bleiben.
Als Fazit bleibt mir nur zu sagen, dass beide Küchen keine Gemeinsamkeiten haben. Zwar sind Yuki und ich durchaus neuen Dingen aufgeschlossen, aber bei üppigem, deutschen Essen passen wir. Da kommt dann eher Tante Helga wieder ins Spiel, die durchaus auch Bratwürste zu Hause kocht. Wir bleiben lieber schlank. Und das aus Tradition.

Mein Japan – Teil 1

Heute möchte ich über Japan schreiben und habe einige Eigenheiten kurz auf den Punkt gebracht. Denn das Zeitalter der Aufklärung hat begonnen. Meine Damen und Herren, Frau Dr. Landar erklärt Japan und JapanerInnen. Und was man als Gaijin am Besten niemals macht.

Menschen in Amerika und Europa sind laut. Und sie haben kein Benehmen. Das zumindest ist die Meinung von Japanern, wenn sie Gaijin zum ersten Mal ereleben. Japaner sind anders. Japaner sind vor allem leise. In Öffentlichen Verkehrsmitteln wird eisern geschwiegen. Laute Gespräche und klingelnde Mobiltelefone sind verpönt. Man repspektiert die Privatsphäre anderer deutlich mehr, als in Europa und den USA.

Vermutlich wird der eine oder andere meiner Leser schon japanische Filme gesehen haben und das nun vehement verneinen. Aber Filme sind Show und haben mit der realen Welt nicht viel zu tun. Oder es lief eine Reportage über Tokio. Aber Tokio ist Tokio, dort gelten manchmal andere Gesetze. Das ist wie mit Berlin, Moskau, oder auch Paris. Alles ist dort irgendwie ein wenig lockerer und zum Teil auch weniger kompliziert.

Japans Jugend ist rebellisch. Sie ist schrill, bunt und oft laut. Witzig dabei, dass sie dann immer noch leiser, als in Europa ist. Männer in Japan sind auch anders. Und sie begrapschen gerne Frau. Das wird „Chikan“ genannt und ist ein echtes Problem. Vor allem in der oft übervollen U-Bahn geschieht das gern. Dicht an dicht gedrängt darf Frau dann Mannes Hand am Hintern spüren. In diesem Fall hilft oft den Grapscher zu outen und laut zu werden.

Der Betreffende wird meist vor Scham im Boden versinken wollen und sein Tun bereuen. Ganz mutige Frauen werden seine Hand ergreifen und ihn der Polizei, oder dem Zugpersonal übergeben. Zumindest in Tokio gibt es daher Abteile nur für Frauen. Ob das in anderen Städten auch so ist weiß ich leider nicht. Vermutlich aber schon. Um nicht fälschlicherweise beschuldigt zu werden, halten manche Männer sich daher mit beiden Händen und deutlich sichtbar an Haltegriffen in der U-Bahn fest.

Japaner küssen wenig. Zumindest außerhalb des Hauses. Erwachsene werden diese Art der Zuneigung selten in der Öffentlichkeit zeigen. Bei Jugendlichen ist das schon eher der Fall. Wer nach Japan reist und dort Japaner begrüßt, der gibt bitte nie die Hand zum Gruß. Hände schütteln hat in Japan keine Tradition. Nur, wenn der Japaner die Hand anbietet, darf man sie auch ergreifen. Wird er aber meistens nicht. Es wird sich stattdessen verbeugt. Und hier kommt für den Gaijin das nächste Problem.

Verbeugen ist nämlich nicht gleich verbeugen. Eine in der Hierarchie tiefer gestellte Person verbeugt sich tiefer und länger als die höher gestellte. Grundsätzlich stehen Ältere über Jüngeren, Männer über Frauen, Kunden über Verkäufern und Gäste über Gastgebern. Dabei legen Männer die Hände seitlich an die Schenkel, Frauen legen die Hände aufeinander und halten sie vor die Oberschenkel. Japaner sind Ausländern gegenüber aber durchaus nachsichtig, wenn es um die richtige Verbeugung angeht. Und falls der Gastgeber, oder Geschäftspartner dann doch eine Umarmung anbietet, ist man als Gaijin oft überrascht. Auch Japaner gehen mit der Zeit.

In Japan sagt man nicht Nein. Das Wort wird so gut es geht vermieden. Es gilt als unhöflich das Wort „iie“ zu sagen, das einem Nein am nächsten kommt. Iie wird meist im Zusammenhang mit „Nein, danke“, verwendet, um z. B. Komplimente abzuwehren. Nur Klein-Mayumi hat das anders gesehen. Laut meinen Eltern habe ich oft vehement verneint. Und wenn es im japanischen dafür keine Worte gab, soll ich auf Deutsch verneint haben. Als Gaijin mit kaum vorhandenen Sprachkenntnissen, sollte man auch auf Englisch ein schroffes „No“ vermeiden. Wer höflich und blumig etwas umschreiben kann, kommt auch zum Ziel.

Titel und Hirarchien sind in Japan wichtig. Immer noch und immer wieder. Daher sind Visitenkarten äußerst interessant. Und auch der Umgang damit. Wer mit Japanern Geschäfte machen möchte, sollte seine Visitenkarten immer bei sich tragen. Die des Japaners ist mit beiden Händen entgegenzunehmen, aufmerksam und interessiert zu lesen, um sie dann mit größtmöglicher Sorgfalt in der Brieftasche zu verstauen. Das kommt gut an und ist bei Geschäften schon die halbe Miete.

Wer japanische Filme sieht, wird sich über japanische Essgewohnheiten wundern. Der eben noch so vornehme Japaner schlürft und schmatzt, wenn er eine Nudelsuppe vor sich hat. Das ist nun alles, aber kein schlechtes Benehmen. Im Gegenteil ist es ein Teil der japanischen Esskultur. Wer schlürft und schmatzt zeigt deutlich, dass es ihm schmeckt. Rülpsen gehört in Japan nicht zum guten Ton. Wer das macht ist schnell geächtet. Auch öffentlich die Nase putzen kennen Japaner nicht. Das macht man ohne andere Menschen.

Und wenn wir schon beim Essen sind, so gehört das Trinken mit dazu. Auf keinen Fall darf man sich selbst sein Glas nachschenken. Das wird als Zeichen der Gier gewertet. In einer geselligen Runde wird immer der Tischnachbar für ein volles Glas bei dem ihm an mächsten Sitzenden sorgen. Gleiches wird aber auch erwartet. Wer einen Kater vermeiden möchte lässt besser einen Rest im Glas, oder trinkt einfach Flaschenbier. Prost!

Damit all diese Infos nicht zu sehr verwirren, sage ich für heute leise Tschüss. Morgen gibts dann mehr von mir und meinem aufgeklärten Japan.

Nandalya kocht!

Liebe Leserinnen und Leser, sehr geehrte Damen und Herren! Ich koche! Und das kann ich wirklich gut! Hauptgrund dieser Hausfrauhäuslichen Aktivität ist mein verdorbener Magen. Seit Tagen und Wochen bekommt der immer nur graue Griesgramsuppe. Und die wiegt schwer. Meine Eingeweide brennen. Egal wie oft ich versucht habe meine Bekocher mit Rezepten zu versorgen, es gelang mir nicht. Stattdessen gab es weiter saures Kraut, bittere Rüben und Wir(r)sing. Nachwürzen war also angesagt. Aber ein schaler Nachgeschmack bleibt. (Mund)Fauliger (Wort)Salat gehört nun mal nicht auf einen Teller. Vertragen ungenügend!

Als Japanerin bin ich abwechslungsreiches, frisches Essen gewohnt. (Junges) Gemüse, verschiedene Sorten von gebratenen, oder mit Liebe gekochten Nudeln, Reis, Fisch und Fleisch. Auch leckeres, süßes Obst steht oft auf dem Speiseplan. Nur keine Äpfel und Birnen. Stattdessen gab es für mich meist sauren Quark. Damit ist ab heute Schluß! Ab sofort koche ich. Aber auf Vorrat. Täglich mag ich nicht (mehr). Da lasse ich höchstens Dampf ab in den Gassen(hauern). Jemand Bedarf?

Was ich dazu brauche gibt’s bei Granny Smith im Kommödchen. Sie freut sich immer über einen Besuch. Die alte Dame ist Inhaberin der Lach- und Sch(l)ießgesellschaft um die Ecke. Dort in der Stachelschweinstraße gibt es ohnehin alles! Badewannen und Fliegenpilze ebenso, wie das Reisebüro „Ein Platz an der Sonne.“ Heute mag ich zwar nicht verreisen, aber Reis ist immer gut. Einen Reiskocher habe ich bereits. Der ist sparsam und Rot. Ich überlege ob ich (Hirn)Grütze kochen soll, entscheide mich aber dagegen. Zu viel Brei verdirbt den Koch.

Schallende La(u)chsuppe kommt mir in den Sinn. Als Hauptgericht wähle ich Spaßbraten. Der macht sich am Spießer gut. Dazu Hoch-zeit-(s)nudeln! Das Fleisch stammt von der glücklichen Kuh Elsa. Oder sollte ich lieber gackernde Hühner von Frau Bratbecker nehmen, vielleicht den ein oder anderen Schusterrappen? Ich nicke mit den Kopf, ich kanns mir leisten. Als Nachtisch denke ich an einen ganzen Teller Buntes. Überhaupt sind Süßspeisen die Wucht am Rhein.

Zufrieden schaue ich auf mein Werk. Dann merke ich, ich habe die Wortwürze vergessen. Zum Glück wohnt neben mir Frau Ilsebill mit ihrem Mann Heinz-Günter. Die kocht gern Butt und salzt dann nach. Natürlich hilft sie mir freudig aus. Kosten mag sie nicht. Sonst wer? Eine Prise Lachsalz, Kichererbsen und Guineapfeffer aus dem Paradies runden meine Mahlzeit ab. Ich hoffe meinen Bloggern schmeckt es. Frei nach dem Motto: „Sind S(i)e schon bedient?“ Ich bins. Aber so was von!

Liebe ist, wenn Treue Spaß macht

Wie haben uns gestern Abend mit Freunden getroffen. Ein gemeinsames Abendessen. Das Essen ist dabei keine Nebensache sondern ebenso wichtig, wie der rege Gedankenaustausch. Es gab Rindfleisch mit Spätzle, Pfifferlingen und Zuchini. Zehn Mädels, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Ein Paar ist recht neu in diesem Freundeskreis. Ich nenne sie Gabi und Ilka. Gabi ist bisexuell und einem Abenteuer nie abgeneigt. Im Verlauf des Abends verkündete sie dann auch stolz ihre Lebenseinstellung: Die offene Beziehung. Das sei genau das Richtige für sie und Ilka, so käme keine Langeweile auf. Und Eifersucht gäbe es keine.

Wir kennen Ilka schon eine ganze Weile. Sie hatte nie viel Glück in Partnerschaften. Ilka ist eine zurückhaltende, sehr zerbrechlich wirkende Frau. Ihr Selbstbewusstsein reicht nicht weiter, als bis zum Tellerrand. Was ich schade finde! Sie ist eine sehr intelligente und schöne Frau. Juristin. Wer Hilfe braucht, für den ist sie da. Unentgeltlich, selbstlos. Und genau das ist ihr Problem. Sie hat zu Boden geschaut, während ihre dominante Freundin sprach. Glücklich war sie nicht. Aber Gabi hörte nicht auf. Im Gegenteil fing sie nun an von einem Abenteuer zu berichten, dass sie auch noch mit Mann hatte. Leicht angetrunken erzählte sie vom Besuch eines Swinger Clubs.

Ilka begann leise zu weinen. Schon vorher hatten ihr die Tränen in den Augen gestanden. Der Abend schien gelaufen, die Anwesenden hielten alle peinlich berührt den Atem an. Kalter Zorn stieg in mir auf. Yuki legte ihre Hand auf meinen Arm. Nicht, flüsterte sie mir zu. Sie ist es nicht wert. Wenn es einen Menschen gibt, der mich innerhalb einer Sekunde beruhigen kann, dannn ist es Yuki. Also zeigte ich lediglich mein berühmtes Lächeln und sah mich um. In den Gesichtern meiner Freundinnen war von offener Ablehnung bis Zorn alles zu lesen. Gabi lächelte dümmlich. Sie bemerkte die gegen sie umgeschlagene Stimmung nicht. Yuki, meine Heldin, rettete die Situation. Warum sie überhaupt eine Beziehung habe, fragte sie Gabi.  Wer nicht treu sein könnte, sollte keine Beziehung haben. Offene Beziehungen seien keine Liebe! Nur eine Ausrede für gelebte Untreue.

Gabi wollte das so nicht stehen lassen und fing an sich vehement zu verteidigen. Und mehr war es nicht. Lahme, an den Haaren herbeigezogene Argumente. Ausreden. Als sie die gegen sie umgeschlagene Stimmung endlich bemerkte, begann sie ausfällig zu werden und uns zu beschimpfen. Wie seien Spießerinnen und ( …) Ich erspare meinen Leserinnen die gebrauchten Schimpfworte, aber besonders damenhaft waren sie nicht. Yuki stand auf und ging langsam auf Gabi zu. Ich beobachtete die Szene schmunzelnd. Yuki wütend ist ein herrlicher Anblick! Ihre folgende Worte ließen mir einen Schauer über den Rücken laufen: Liebe ist, wenn Treue Spaß macht!

Yukis Worte trafen Gabi wie Ohrfeigen. Und genau die hatte sie auch verdient. Toleranz hin oder her, sexuelle Freizügigkeit oder nicht, es gibt Dinge da bin ich, sind wir sehr konservativ. Und das gilt eigentlich für fast alle unsere Freunde! Wir haben Werte, wir glauben daran! Liebe, Treue sind für uns nicht nur leere Worte. Wir leben das.

Gabi griff nach dem Wein, aber Yuki nahm ihr die Flasche ab. Ich glaube du hast genug gehabt, sagte sie. Mein Schmunzeln war nun ein offenes Lachen. Der Rest der Anwesenden hielt die Luft an. In Gabis Gesicht arbeitete es. Ihre Augen blickten unstet, sie suchte ganz offensichtlich nach einem Ausweg. Dann nickte sie und stand auf. Für einen Moment dachte ich, sie wolle handgreiflich werden. Gut bekommen wäre ihr das nicht. Yuki mag Hemmungen haben, aber schlagen lässt sie sich nicht. Mit unsicherem Schritt ging Gabi zur Tür, warf uns dabei noch einige Nettigkeiten an den Kopf und verschwand in der Nacht. Ich ging zu Yuki und nahm sie in den Arm, total stolz auf meine Süße. Wir haben uns dann alle noch um Ilka gekümmert, die sich erst nach und nach beruhigte. Die Nacht hat sie bei den Gastgeberinnen verbracht.

Das Erlebnis und das unschöne Ende des Abends hat uns alle nachdenklich gemacht. Sind traditionelle Werte wie Liebe und Treue heute wirklich nichts mehr wert? Ist es lediglich die Emanzipation von Frau, wenn sie sogar in einen Swinger Club geht? Ich meine Nein! Gabi ist das negative Beispiel eines außer Kontrolle geratenen Menschens, mit außer Kontrolle geratener Sexualität. Ich sollte sie nicht verurteilen, ohne alle Hintergründe zu kennen. Aber ich mache es! Liebe ist, wenn Treue Spaß macht. Gabi liebt nicht. Vielleicht sich selbst und das ohne Rücksicht auf andere Menschen. Ich dagegen glaube an die Familie. Und ich lebe dafür, für meine Yuki. Und es macht mir Spaß sie täglich mehr zu lieben.