Die Lust als Lebensziel

Menschen haben Gefühle, Menschen haben Lust. Lust ist eine zuhöchst angenehme Weise des Erlebens. Bei Menschen gern gleichgesetzt mit Sex. Aber soll das wirklich alles sein? Ist der Mensch nur seinen Trieben unterworfen?

Jeder Mensch ist einzigartig und doch sind wir alle miteinander verwandt. Unser Verstand unterscheidet uns vom Tier. Auch, wenn sich manche Menschen mehr wie Tiere benehmen. Besonders im Hinblick auf Moral und die Sexualität. Aber diese Spezies lasse ich außen vor, sie gibt es nur in einer mir fremden Welt.

Der griechische Philosoph Epikur hat Lust als Lebensziel proklamiert. Nur hat der gute Mann damit nicht das Ausleben aller Triebe im Sinn gehabt. Epikur definiert Lust als Freiheit von Schmerz und Angst.

Nun sind manche Menschen Sklaven ihrer Lust. Ihr ganzes Leben und Streben dreht sich um Sex. Zur Ehrenrettung von Mann kann ich das auch auf Frau beziehen. Wobei der Prozentsatz ein sehr geringer ist. Fast schon vernachlässigbar, wie ich finde.

In (schlechten) Filmen wird gern die Femme fatale beschworen, die Männer verschlingende Frau. Lasziv und mit Intellekt ziehen solche Weibchen die Männer aus und lassen sich begatten. So mancher Held stirbt danach einen schnellen Tod. Samenraub der besonderen Art.

Aber das sind Extreme, die der Unterhaltung dienen. Auch wird die Promi-Frau gern von der Presse ausgeschlachtet, wenn sie Gefühle zeigt. Sofort werden ihr Affären angedichtet, oder eine lesbische Liebhaberin. Sex sells, das ist sonnenklar.

Epikur definiert Lust als Freiheit von Schmerz und Angst. Sei diese Freiheit vollständig erreicht, dann empfinde der Mensch eine Glückseligkeit, die der der Götter entspräche. Nun glaube ich nicht an Götter, aber das Glück ist mir bekannt. Und die Seelenruhe, die ich früher durch Meditation und Zen-Buddhismus erreichen wollte.

Heute bedeutet Glückseligkeit Liebe für mich. Liebe und Yuki, meine Frau. Nach Epikur ist für dauerhaftes Glück keineswegs angebracht, alles zu tun, was Lust erzeugt; vielmehr sei zu bedenken, ob die Folgen eventuell unangenehm seien. Epikur lehnt übermäßiges Essen ebenso ab wie Geschlechtsverkehr.

Das ehrt den Mann und beim Essen gebe ich ihm recht. Aber auf tägliche Küsse verzichten, das ist nicht drin. Nur Sex als Lebenszweck lehne ich ab. Da sind Yuki und ich uns einig. Sklavinnen unserer Triebe waren wir noch nie.

Epikur sagt klar, dass es kein ständiges Anwachsen der Lust gibt, sondern dass diese schon dann an ihre Grenzen kommt, wenn alles Schmerzvolle beseitigt ist. Begierden, die über das zum Leben Notwendige hinausgehen, müssen daher nicht befriedigt werden, um Lust zu erzeugen.

Ich vermute, dass Epikur wenig mit Frauen am Hut hatte. Ich widerspreche ihm zumindest in einer Sache. Die, der täglich gelebten Liebe, der kleinen Gesten, der Berührungen, dem liebevollen Kuss. Und davon kann ich nie genug bekommen. Nach dieser Lust bin ich süchtig, sie ist (m)ein Lebensziel.