Elfen, Kinder und Hormone – Von der Unlust schwanger zu werden

Zwar habe ich versprochen keinen Blog über Schwangerschaft und reine Frauendinge zu schreiben, aber ein kleines Update gibt es doch. Elfchen und ich hatten diese Woche einen Termin bei der Fraunärztin unseres Vertrauens, um Yukis Kinderwilligkeit zu testen. Denn schwanger werden wollen und es auch können, das sind zwei Paar Schuhe. Und bei Yuki passen die nicht.

Ich hatte bereits von meinen Problemen geschrieben, die ich als Teenager hatte. Endometriose, die behandelt worden ist. Kinder werde ich mit diesem Hintergrund keine bekommen. Selbst wenn ich wollte gäbe es vermutlich eine Fehlgeburt. Die Chancen auf eine normale Schwangerschaft sind bei mir sehr gering.

Bekanntlich gleichen sich bei miteinander lebenden Frauen, die Zyklen an. Egal ob hetero, oder lesbisch, wir bluten oft am gleichen Tag. Meine Regel spinnt sowieso schon immer. Bei Stress kann ich an diesen Tagen auch mit Schmerzen rechnen. Ich weiß das, lebe damit, alles gut.

Yuki hat über die letzte 5 Monate akribisch Buch geführt, das Ergebnis ist ernüchternd. Die Lutealphase meiner Süßen ist deutlich zu kurz und liegt im Durchschnitt unter 10 Tagen. Und das ist für eine Schwangerschaft zu kurz.

Unglücklich ist Yuki nicht, sie sieht das japanisch gelassen.
„Du bist schuld“, sagt sie mir frech ins Gesicht und unsere Ärztin schaut entsetzt.
„Alles gut“, beruhige ich die Frau sofort. „Das ist nur unsere Art der Liebe.“
Yuki nickt und drückt meine Hand, die Frauenärztin versteht zum Glück.

„Es könnte durchaus sein“, sagt sie, „dass Ihre Frau nicht so ganz unrecht hat. „Bei Ihnen, Frau Landar, stimmt so gut wie nichts. Einige Endometriose-Herde sind noch immer zu finden und es wundert mich, dass sie keine Schmerzen haben. Und ihre Lutealphase ist definitiv zu kurz.“
Ich zucke mit den Schultern.
„Seit der Hormonbehandlung und OP, hatte ich keine größeren Probleme mehr“, erkläre ich. „Und schwanger wollte ich nie werden.“
Aber Mutter werde ich, das steht felsenfest.

Es folgt ein (wissenschaftlicher) Vortrag über Hormone und Schwangerschaft, den ich, aus Liebe zu meinen LeserInnen, streiche. Lieber streichele ich euch weiter mit Worten und meine Elfe sowieso. Aber das habt ihr bestimmt gewusst.

Progesteron heißt das Zauberwort und Utrogest das Medikament. Skeptisch lesen wir den Beipackzettel, als wir auf dem Weg nach Hause sind. Nun ist Yuki niemals ernsthaft krank gewesen, aber sie verträgt Medikamente sehr schlecht. Schon eine harmlose Aspirin zeigt bei ihr mehr Wirkung, als vom Hersteller vorgegeben ist.

Utrogest ist definitiv kein Medikament, mit dem Frau spaßen sollte. Die häufigen, aber angeblich harmlosen Nebenwirkungen, lassen Yuki das Gesicht verziehen.
„Zwischen- oder Schmierblutungen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, leichte Verdauungsbeschwerden, Bauchkrämpfe, Berührungsempfindlichkeit der Brüste“, liest sie vor.
Prompt fühle ich einen Stich im Magen. Was immer meine Frau betrifft, hat auch Auswirkungen auf mich. Und schon liest Yuki weiter.
„Sehr seltene Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Migräne, starke Depressionen, starke Überempfindlichkeitsreaktionen mit Blutdruckabfall, Kreislaufkollaps oder Herzrhythmusstörungen.“
Und Depressionen braucht (m)eine Elfe nicht!

Wir schauen uns an und müssen nichts sagen. Die spinnen, die Römer, das Zeug kommt uns nicht ins Haus.
„Wollen wir es dann ohne versuchen?“, fragt Yuki. „Vielleicht klappt’s ja doch ohne doofe Chemie.“
„Ich mag dir das auf keinen Fall zumuten sage ich. Kinder um jeden Preis? Nein! Ich mag dich nicht leiden sehen. Und wir wissen beide, dass du wirst. Also lassen wir den Dreck.“
Yuki schenkt mir einen warmen Blick aus ihren wundervollen Mandelaugen.
„Ich liebe dich“, sagt sie und gibt mir einen Kuss. Dann holt sie tief Luft und schließt kurz die Augen. „Lass uns lieber Möbel kaufen gehen“, sagt sie. „Düsseldorf, wir kommen!“
Und genau das haben wir gemacht, wenn auch ohne Hormone. Oder vielleicht doch mit. Shopping liegt Frauen in den Genen. Das habe ich immer schon gewusst.

Eltern unterm Regenbogen

Unsere Kinderpläne nehmen Formen an. Yuki fühlt sich sicher, um auch als Schwangere ihre Frau zu stehen. Die Uni ist kein Problem, die Tests besteht sie locker. Und der nächste Titel lockt. „Frau Dr. Mama“, wie ich sie jetzt schon scherzhaft nenne.

Wir werden Stuttgart bald verlassen und vorerst wieder nach Düsseldorf ziehen. Mein Papa hat dort ein schnuckeliges Haus für uns gekauft. Ablehnen werden wir nicht. Familie ist wichtig. Wenn ich vorerst schreibe, so hat das mit Japan zu tun. Wir wollen mehr Zeit in unserer alten Heimat verbringen und freuen uns auf ein Wiedersehen mit der Familie und Ken. Und auch mit den „Ninja“, aber davon ein andermal mehr.

Als Erklärung für neue LeserInnen der Hinweis, dass es sich bei Ken um meinen Cousin handelt. Und er hat natürlich keinen Sex mit Yuki gehabt sondern bei seinem Besuch im Herbst Samen gespendet. Auf weitere „technische“ Einzelheiten verzichte ich. Interessierte können im Internet nachlesen, wie eine künstliche Befruchtung funktioniert und welche Hürden lesbische Paare meistern müssen.

Im Fall von Yukis Schwangerschaft werde ich diesen Blog (vermutlich) schließen und mich ausschließlich um meine Familie kümmern. Einen Blog über Übelkeit und Babysachen zu schreiben macht wenig Sinn für mich.

Falls nun die Frage kommt warum ich nicht schwanger werde, so gibt es auch dazu eine Antwort von mir. Ich liebe Kinder über alles, habe mich aber nie mit Babybauch gesehen. Als Teenager litt ich unter Endometriose, die erfolgreich behandelt worden ist. Nur bei Extremstress treten Regelschmerzen bei mir auf. Was bleibt ist das hohe Risiko einer Fehlgeburt. Und da bei mir nichts tickt, werde ich die kaum riskieren.

Wer nicht weiß, was Endometriose ist, hier ein Link: Klick mich, oder lass es. 

Wir wollen mindestens 2 Kinder haben. Auch das steht für uns fest. Sie sollen Japan und Deutschland kennen und beide Sprachen sprechen. Mein Papa freut sich bereits. Und ich sehe meine Kinder schon Katas mit ihm laufen und Schriftzeichen üben. Soll er nur machen. Ich liebe ihn dafür.

Ein Wehmutstropfen mischt sich dann doch in unsere Pläne. Von einer Freundin werde ich „Rassistin“ genannt, als ich von Ken erzähle.
„Du hättest auch einen deutschen Mann nehmen können“, hält sie mir vor. „Aber ihr Japaner haltet euch ja immer für viel besser, ist schon klar.“
Während Tränen in Yukis Augen schießen kommt mein Konter.
„Du hast bestimmt Realistin und Rassistin verwechselt“, sage ich. „Als Großcousine meines eigenen Kindes bin ich mit ihm verwandt, was im Extremfall weniger Probleme macht. Aber das hat dein Schlampenhirn bestimmt vergessen.“
Sie wird kreidebleich und geht. Auch aus meinem Leben. (Verbale) Angriffe verzeihe ich nicht.

Gehen, das werde ich auch. Meinen Weg. Immer unter dem Regenbogen. Und nur mit Elfe. Nur so bin ich echt.