Das Kind der Liebe

Das Kind der Liebe

Die Dialoge des folgenden Beitrags sind literarisch aufgearbeitet. Sie 1:1 zu übersetzen macht wenig Sinn. Die Ereignisse bilden einen Zeitraum von fast einem Jahr ab, so lange kennen wir Aiko, das Kind der Liebe schon. 

Eigentlich, wie meine LeserInnen wissen liebe ich dieses Wort, wollte ich keine großen Worte über Aiko verlieren. Aber kann es jemals genug Worte über ein kleines Menschenwesen geben, dessen Lachen uns verzaubert hat? Aiko, was in diesem Fall „Kind oder auch Tochter der Liebe“ heißt, ist ein knapp fünf Jahre altes Waisenmädchen, mit dem wir uns vor einiger Zeit angefreundet haben. Und das kam so.

Über Freunde sind wir an ein Waisenhaus geraten, das dringend finanzielle Hilfe braucht. Wir waren dort und haben uns umgesehen. Nur zwei Dutzend Kinder werden von vier überforderten Erzieherinnen betreut, eine ist der Wildfang Aiko. Vielleicht wird der Name Assoziationen mit Prinzessin Aiko wecken, die eigentlich „Toshi-no-miya Aiko Naishinnō“ heißt.

Der Tritt, mit dem Aiko einen älteren Jungen zu Boden befördert, ist klassisch und wirklich gut. Wer auch immer ihr Karate beigebracht haben mag, hat das ganze Arbeit geleistet. Mit funkelnden Augen steht die Kleine in fast perfekter Kampfstellung da, die kleinen Händchen zu Fäusten geballt.

Fassungslosigkeit steht auf dem Gesicht des deutlich größeren Jungen geschrieben, der nun auf dem Hosenboden sitzt. „Geh weg von mir!“, höre ich das Mädchen sagen, ihr Name ist mir zu diesem Zeitpunkt noch unbekannt. Mit letzter Selbstbeherrschung verkneife ich mir ein Lachen, dieses Kind muss ich mir näher ansehen.

Eine Erzieherin will sie für den Tritt bestrafen. Aber ich weiß es besser, der Junge hat Schuld. „Er hat sie von hinten an den Haaren gezogen“, erkläre ich der Frau, „sie ist erschrocken und hat sich nur gewehrt.“ „Aiko macht das ständig“, höre ich. „Sie muss lernen, dass sie das nicht darf.“ „Ganz im Gegenteil hat sie alles richtig gemacht“, erwidere ich und schaue der Frau fest in die Augen. Verlegen senkt sie den Blick.

Ich gehe vor Aiko in die Knie, nun sind wir auf Augenhöhe. „Magst du mir sagen warum den Jungen so fest getreten hast?“, will ich wissen. Ich schaue in Augen, die  so dunkel wie meine sind, wenn ich zornig bin. Als sie mich sieht verschwindet der böse Blick und macht einem unwiderstehlichen Lächeln Platz.

„Der ärgert mich immer“, sagt sie leise. „Ich mag nicht, wenn er mich anfassen will!“ Das kann ich verstehen und wechsele das Thema. „Ich bin Mayumi“, sage ich, „und das ist Yuki, magst du mir auch deinen Namen sagen?“ „Aiko“, erwidert sie und verbeugt sich artig. Sie schaut mich an. „Warum seid ihr hier?“ Ich muss lächeln, ihre Frage kommt wie aus der Pistole geschossen. Aiko erinnert mich an Klein-Mayumi.

„Wir sind zu Besuch und wollen schauen, ob es  hier artige Kinder gibt“, erwidere ich. „Bist du ein artiges Kind?“ Aiko strahlt mich an und nickt heftig. „Ja!“, sagt sie voller Überzeugung und stellt eine Frage, die Japans  Sonne auf Yukis Gesicht aufgehen lässt. „Warst du immer artig Tante Mayumi?“

„Natürlich“, erwidere ich, „also fast. Ich habe auch mal einen Jungen getreten, der böse zu mir gewesen ist. Aber man darf das nur in einem Notfall machen, verstehst du das. Sag, wer hat dir den Tritt beigebracht?“ „Meine Mama“, höre ich, „aber ich kann mich kaum an sie erinnern. Sie ist … weg.“ Aikos Schultern sinken nach unten, Tränen laufen über ihr Gesicht. Instinktiv lege ich meine Arme um das Mädchen.

Der kleine Körper zittert, ich habe einen wunden Punkt getroffen. „Alles gut“, flüstere ich ihr ins Ohr. Yukis Blick spricht Bände, schimmern etwa ihre Augen feucht? „Magst du vielleicht ein wenig mit uns reden?“, frage ich, „damit wir uns besser kennen lernen können?“ Das Mädchen nickt. Ahnt Aiko wer wir sind und was wir wirklich in dem Waisenhaus wollen?

In der folgenden Stunde gibt sie sich brav und selbstbewusst. Von den Erzieherinnen erfahren wir, dass sie Vollwaise ist. Die Mutter ist vor einem Jahr bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Ein betrunkener Autofahrer hat die junge Frau an einer Ampel übersehen und noch zwei weitere Menschen schwer verletzt.

Nachforschungen der Behörden haben keine Spur von Aikos Vater gefunden, das Mädchen ist unehelich. Spätere Recherchen meines Polizisten-Onkels ergeben, dass Aikos Mutter ebenfalls eine Waise war, aber eine akademische Ausbildung abgeschlossen hat. Auch in der Karate-Gruppe der Universität war sie aktiv und stand kurz davor den 1. Dan zu bekommen.

Mein Onkel vermutet, dass sie die Geliebte eines reichen Japaners war. „Sie hat jeden Monat eine große Summe in bar eingezahlt“, erklärt er mir und zeigt mir entsprechende Kontoauszüge. „Jemand, vielleicht ein Kommilitone oder sogar Professor, hat sie vermutlich ausgehalten und ihr Leben finanziert.“ Er schaut mich düster an, als er sagt „Weitere Einzahlungen sind sechs Monate vor Aikos Geburt ausgeblieben. Vermutlich war der Vater des Kindes nicht mit der Schwangerschaft einverstanden.“

Wir haben Aiko nach dieser ersten Begegnung so oft wie möglich besucht und durften sie auch mit nach Hause nehmen. Wenn wir im Ausland waren, hat sie uns vermisst. Feuer und Flamme war und ist sie immer, wenn wir sie mit ins Dojo nehmen. Dort blüht sie auf und beweist unglaubliches Talent,  als „Karate Kid.“

Mein Vater ist von ihr begeistert. „Sie erinnert mich an dich“, hat er gesagt. Als er noch etwas hinzufügen will, schaue ich ihn gespielt böse an und er sucht schmunzelnd das Weite. Meine Mutter ist skeptischer. „Sie ist ein schwieriges Kind“, sagt sie mir. Aber mittlerweile hat auch sie das Kind der Liebe in ihr Herz geschlossen. Aiko dankt es ihr stets mit einem bezaubernden Lachen.

Schnell haben wir einen Narren an der Kleinen gefressen. Sie weiß das oder ahnt es schon. „Hast du keinen Mann, Tante Yumi?“, will sie bei einem der ersten Besuche wissen und schaut mich dabei wissend an.„Weißt du“, erwidere ich, „ich liebe eine Frau. Findest du das schlimm?“ „Ach Jungs sind voll doof“, sagt sie, „das passt dann wohl schon“, gibt sie uns ihren Segen. Das ist die Zustimmung zur Liebe in kindliche Worte gefasst.

Cousin Ken wird dann zum ersten männlichen Helden in ihrem Leben. Wie gut er mit Kindern kann, hat er schon oft bewiesen. Mit meinem Vater streitet er zum Spaß, wer die Kleine besser in Karate unterrichten kann. Klar, dass Sensei Papa stets gewinnt. Zumindest lasse ich ihn in diesem Glauben und habe ihr noch einige Würfe beigebracht. Muss ich erwähnen, dass sie auch die schon ausprobiert hat? Wie ich als Kind, scheint sie Ärger magisch anzuziehen.

Mit Yuki hat Aiko schon mehrfach in der Küche gestanden und sie nach allen Regeln der Kunst verwüstet. Unabsichtlich, sie ist einfach noch zu klein dafür. Aber dort nun gleich zwei Elfen zu sehen finde ich höchst erfreulich. Prompt habe ich mich gefragt, ob dort noch Platz für weitere ist. Aber das werden wir dann sehen. Wichtig ist, dass Aiko uns beide akzeptiert. Das hat sie auf ihre eigene Art gemacht.

Unsere eigene Art haben wir auch mit ihren Wünschen umzugehen. Da Yuki und ich nie streiten, bekanntlich habe ich (nicht!) die Hosen an, diskutieren wir alles aus. Zumindest tun wir so. In Wirklichkeit bestimme natürlich … An dieser Stelle hat Yuki Einspruch eingelegt, dem ich gern stattgegeben habe.

Ernsthaft ist es wirklich so, dass es so gut wie keine Verstimmungen zwischen uns gibt und auch Aiko bisher keine Anstalten macht, uns gegeneinander auszuspielen. Sie findet alles spannend und neu, täglich gibt es neue Dinge zu entdecken. Auch in den USA war sie mit uns schon und hat den Flug trotz Müdigkeit genossen. Wo wir später dauerhaft leben werden, ist allerdings noch ungewiss.

Aikos Adoption war reine Formsache. Rechtlich gibt es  dafür in Japan kein Hindernis, eine Adoption ist dort auch für Singles möglich. Und als solche gelten wir leider immer noch. Also haben wir uns gespielt um Aiko gestritten und ich habe sie letztendlich adoptiert. „Das nächste Kind gehört dann aber mir!“, hat Yuki im Scherz gesagt und mir Aiko aus den Armen genommen. „Bis dahin gehe ich mit deinem Kind mein Küchen-Karate machen.“ Was soll Frau dazu sagen? Elfchen hat die Macht.

 

Bild: Pixabay

Kuro-obi – Black Belt

Auf besonderen Wunsch einer Leserin, aber eigentlich weil ich es so möchte, wird es nun doch diesen Beitrag über meine (unsere!) Dan-Prüfung(en) geben. Er bildet die Ankunft in Japan und die jüngere Vergangenheit ab. Viel Spaß beim lesen.

Japan, Fukuoka, Heimat. Nie zuvor, habe ich das derart intensiv empfunden. Bin ich keine Deutsche mehr? Deutschland hat mich tief geprägt. Dafür werde ich auf ewig dankbar sein. Aber ich bin und bleibe Japanerin. Und so ist es gut.

Die Tante, der Onkel und meine Eltern erwarten uns in Fukuoka. Die Begrüßung ist für japanische Verhältnisse herzlich. „Hallo mein kleines Mädchen“, höre ich meine Mutter sagen. Hat sie etwa Tränen im Gesicht? Mein Papa schmunzelt, als ich „Hast du mich vermisst, Väterchen?“, frage.

Yuki freut sich ebenfalls. Familie ist nun mal wichtig, das habe ich schon immer gesagt. Und Yuki gehört ganz selbstverständlich dazu. Meine Cousine wird sofort von allen bemuttert. Die verlorene Tochter ist heimgekehrt. Wird die Therapie halten? Alle hoffen es.

Die Mädchen sind müde aber glücklich, so viele bekannte Menschen zu sehen. Ken wirkt traurig. Sein Freund hat sich feige per SMS getrennt. Manche Menschen sind einfach nur Idioten. Aber Ken schüttelt den Kopf, als ich meine Hilfe anbiete.

Glück und Tränen

Yuki vermisst ihre Eltern. Das war schon in Santa Barbara so. Was sie nicht weiß, die beiden sind längst in Japan angekommen. Kurz darauf fließen bei Elfchen die Tränen vor Glück und ihre Mutter weint gleich mit. Was die nur immer haben! Ich bin natürlich völlig cool.

Es fühlt sich ungewohnt und doch richtig an, um diese Jahreszeit in Japan zu sein. Ich mache einige schlechte Bilder der vorweihnachtlichen Hakata Station. Die spinnen meine Japaner! Aber so sind wir, traditionsbewusst und doch Neuerungen aufgeschlossen. Und auch Santa Claus habe wir natürlich adoptiert.

Es gibt viel zu erzählen, die Zeit vergeht wie im Flug. Nach einer kleinen Ewigkeit landen wir todmüde im Bett. Ich träume klar und laufe über verschneite Wiesen. Neben mir freut sich die Inari. Auch sie werde ich besuchen. „Du bist zu Hause, Mayumi“, sagt sie leise. „Ich freue mich auf dich.“

Dojo

Die Tage vergehen, im Dojo assistiere ich meinem Vater, der plötzlich die höheren Kata von mir sehen will. Was hat er nun schon wieder vor? Ich tue ihm den Gefallen und laufe sie perfekt. Nur die amtierende Weltmeisterin kann das noch besser.

Aber die, um einen Vergleich mit Autorennen zu ziehen, fährt in der Formel 1. Ich nur in der Oberliga. Die SchülerInnen schauen fast ehrfürchtig zu. „Das ist doch keine Meisterschaft!“, liegt mir auf der Zunge, aber ich verkneife mir den Satz. Manchmal kann auch ich ein Engel sein.

Es macht Spaß in Japan zu trainieren. Alles ist vertraut und doch ganz anders. Disziplin wird hier bewusst gelebt. Im Ausland wird Karate oft mit Kickboxen gleichgesetzt. Ein Fehler, der fatale Folgen haben kann.

Traditionelles Karate kennt keinen Erstangriff, aber die Verteidigung ist effektiv. Der aus dem Karate entstandene Sport lässt den spirituellen Hintergrund vermissen. Salopp ausgedrückt prügelt man sich dort nur.

Der Test

Bekanntlich ist mir ein Teil der Wartezeit zum 4. Dan erlassen worden. Alles ist möglich, wenn man das von offizieller Seite will. Yuki wird für den 1. Dan geprüft. Sie ist ein wenig aufgeregt, aber guter Dinge. Und dann ist es endlich soweit.

Ich verzichte auf die Einzelheiten der Prüfung, die wären nur für wirkliche Kenner interessant. Yuki besteht mit Bravour. Ich habe die Ehre ihr den Schwarzen Gürtel umzubinden. Sie war schon immer (m)eine Meisterin. Nur auf den Kuss muss ich verzichten. Manche Regeln gelten auch für mich.

Dann bin ich an der Reihe. Unter kritischen Blicke zeige ich mein Können, beantworte Fragen und erkämpfe mir den Weg im Kumite. Wie immer muss ich mich zügeln und darf keine fremden Techniken nutzen. Normalerweise mache ich das instinktiv.

Hochkonzentriert beende ich den letzten Prüfungsteil. Plötzlich gibt es eine unerwartete Pause. Ist irgendwas passiert? Man bittet mich um einen Augenblick Geduld, die Prüfer beraten sich.

Kein Zweifel

Ich habe keinen Zweifel, dass ich bestanden habe. Aber etwas geht hier vor, das ich nicht auf der Rechnung habe. Ein älterer Sensei mit freundlichen Augen winkt mich herbei. Neben ihm sitzt mein Vater und der Rest der Kommission.

Japaner haben die Fähigkeit völlig ausdruckslos zu blicken. Das kann ich besser und schaue ungerührt zurück. Bei meinem Vater hat das noch immer in einem Schmunzeln resultiert. Man(n) teilt mir mit, dass ich die Prüfung bestanden habe. Plötzlich kommt ein „Aber …“

„Ihre Leistungen sind außerordentlich“, beginnt der alte Mann. „Wir haben das sehr ausführlich geprüft und auch wenn Sie normalerweise aufgrund ihres noch jungen Alters und der soeben erst bestandenen Prüfung zum 4. Dan, die Voraussetzungen für den 5. Dan nicht erfüllen, wird es, auf Antrag ihres Lehrers, eine Ausnahme geben. Sind Sie bereit?“

Yukis fassungsloses Gesicht werde ich nie vergessen. Für einen Moment spüre ich einen kleinen Stich im Bauch. Dann blicke ich in die Augen meines Vaters. „Du verdienst es!“, lese ich dort und er nickt mir aufmunternd zu. Einige Stunden später erhebt er mich in die Meisterklasse.

Meisterlich

Dan-Grade zu überspringen ist eine absolute Ausnahme und war lange verpönt. In meinem Fall und das erklärt man mir auch, ist es die lange Trainingszeit, meine überzeugende Darstellung der Techniken und mein Wissen, die diesen Schritt erst möglich machen.

Vermutlich liegt es auch daran, dass man Nachwuchs braucht und daher fördert. Und so ein wenig ist es Respekt vor meinem Vater, der immerhin einer Berufung folgte und die Jugendauswahl für Olympia trainiert.

Auch zahlt sich aus, dass ich bei meinen zahlreichen Seminaren immer „Gōjū-Ryū Karate“ unterrichtet habe. Zumindest auf dem Papier. Jetzt verstehe ich endlich, warum Schlitzohr Papa Kopien davon wollte. Diese Seminare werden als außerordentliche Leistung gewertet.

Ich brauche keinen Dan, als Aushängeschild, aber diese Ehrung erfüllt mich mit Stolz. Wer nun glaubt man habe mir diesen Gürtel geschenkt, der hat keine Ahnung von Karate! Die Prüfung war ultrahart, jeder Schritt, jede Antwort musste stimmen.

Eigentlich, das sagt man mir auch, hätte es keiner Prüfung bedurft. Wieder war es mein Vater, der genau darauf bestand. „Um Vorteilnahme auszuschließen“, erklärt er mir später. Das finde ich gut, er hätte mir den Gürtel auch schenken können, Dan Grade können in Ausnahmefällen ohne technische Prüfung vergeben werden.

„Und was erwartest du dafür?“, will ich von meinen Vater wissen, als wir wieder zu Hause sind. „Dass du eine gehorsame Tochter bist“, kommt seine Antwort wie aus der Pistole geschossen. Er flüchtet, als er meine Blicke sieht und meine Mutter lacht. Das ist japanischer Humor, wie ich ihn gern mag.

Der 5. Dan bedeutet für mich, dass ich nicht länger Schülerin bin. Ab dieser Stufe zähle ich zur Meisterklasse, wo mein Vater schon lange zu Hause ist. Er ist mächtig stolz, das kann er kaum verbergen. Auch auf Yuki, die er wie eine zweite Tochter liebt.

Japan, Fukuoka, Heimat. Nie zuvor, habe ich das derart intensiv empfunden. Ich bin zu Hause angekommen. Frohe Weihnachten euch allen. Wir lesen uns, das ist doch klar.

Klein Tokio liegt in Düsseldorf

Rund 6.000 JapanerInnen leben in Düsseldorf und bekanntlich bin auch ich dort aufgewachsen. Das japanische Viertel wird liebevoll „Klein Tokio“ genannt und natürlich sofort mit mir assoziiert. Aber leider muss ich all jene enttäuschen, die mich dort heimisch sehen. Wir haben niemals dort gewohnt, Düsseldorf bietet schönere Flecken.

Meinen Eltern war stets wichtig, dass wir ungestört leben konnten. Der Kauf unseres Hauses war die logische Konsequenz. Dazu gehörte neben Mut auch jenes Selbstvertrauen, das als Markenzeichen meiner Familie gilt.

Galileo hat vor einer Weile eine Sendung über das japanische Viertel gemacht, über die ich schon mehrfach berichten wollte. Aus Sicht eines jungen Japaners, der schon lange in Deutschland lebt, werden dort (seine) Eindrücke von „Klein Tokio“ präsentiert.

KLICK MICH, UM GALILEO ZU BESUCHEN

Mögliche Fragen beantworte ich vorab: Nein, ich kenne diesen Japaner nicht. Ja, ich kenne die Japanische Schule. Ja, ich verstehe und spreche die rheinische Mundart, vermeide das aber meist. Ebenso wie Yuki schwäbisch schwätzen kann, es aber tunlichst unterlässt.

Ja, wir haben mit Stäbchen gegessen und meist japanisch. Wir vertragen keine „Haxe mit Sauerkraut.“ Nein, ich werde keine Ratschläge zu Restaurants oder Sehenswürdigkeiten geben. Wer „Klein Tokio“ besuchten möchte, der sollte das ganz einfach tun.

Wie muss man sich ein Haus von Japanern in Deutschland vorstellen, werden sich  einige LeserInnen fragen. Haben wir es etwa umgebaut? Den Keller zumindest als Dojo und den Garten im japanischen Stil. Der Rest des Hauses blieb unangetastet deutsch.

Bei aller Tradition sind meine Eltern fortschrittlich eingestellt und haben einen Esstisch und dazu passende Stühle gekauft. Ebenso Sofa und Sessel fürs Wohnzimmer. Das hat uns viel(e) Freu(n)de gebracht. Wer will schon immer auf dem Boden sitzen.

Auch in Los Angeles gibt es ein „Japantown“, wie in vielen anderen Städten auf der Welt. Aber wer braucht schon Kopien, wenn (m)ein Blick auf ein japanisches Original genügt, das stets in meiner Nähe ist.

Kein schöner Land in dieser Zeit

Deutschland im September 2017. Kein schöner Land in dieser Zeit. Wir sind zurück aus Frankfurt, die IAA (Internationale Automobilausstellung) ist für uns Geschichte. Kurz habe ich darüber nachgedacht einen Bericht über diese bunte Glitzerwelt zu schreiben, aber der Besuch ist nur in Teilbereichen interessant.

Wolf, der Chefingenieur von Yukis Vater, hat uns begleitet. Durch seine Kontakte haben wir eine ganz andere IAA gesehen. Außerdem hat er uns einen Audi TT mitgebracht, der 370 Z ist schon in den USA. Wie immer mahnt er „Mach ihn nicht kaputt!“, was prompt meinen Mittelfinger zur Folge hat. Wann habe ich jemals einen Motor zerstört!

Während Audi gern mit dem Slogan „Vorsprung durch Technik wirbt“, versucht sich auch die Politik mit tollen Sprüchen. Alle wollen es besser machen, jede Partei hat ein eigenes Konzept. Davon zu halten ist wenig. Die meisten sind am Folgetag der Wahl vergessen.

Hand aufs Herz liebe LeserInnen, wer kennt alle Wahlprogramme? Wer hat sich die Mühe gemacht und sie miteinander verglichen? Wie wählen Deutsche überhaupt? Spielt Sympathie die entscheidende Rolle oder nur der reine Protest?

Auch ich habe mir meine Gedanken gemacht. Wen soll ich wählen und warum? Zum Glück kann Frau die Wahlprogramme lesen, aber um jeden Satz zu verstehen müsste man Juristin sein. Ich habe es trotzdem getan und werde zu SPD und CDU eigene Beiträge bringen. Mehr geht nicht, mir fehlt die Zeit.

Glücklicherweise gibt es Kurzversionen, die ich auch benutzen kann. Ähnlichkeiten in der Wortwahl und bei gewissen Themen lassen sich bei der SPD und den GRÜNEN finden. SPD und CDU haben die Polizei im Visier, bei der sie 15.000 neue Stellen schaffen wollen.

Das verwundert wenig, die CDU gibt sich unter Merkel linker als die SPD. Die Ein-Mann-Partei FDP scheint noch im Selbstfindungsprozess zu stecken. Wirkliche Akzente setzt sie kaum. Einiges wirkt wie „schon mal gesehen“ und findet sich in ähnlicher Form auch beim Rest der Blockparteien wieder.

Die AfD hat ihre Hausaufgaben gemacht und auf 74 Seiten 16.000 Worte untergebracht. Damit bleibt die junge Partei deutlich hinter den Etablierten zurück, die ihre Absichtserklärungen wesentlich ausführlicher präsentieren. Was davon zu halten ist wird man bald sehen.

Die LINKEN als Gesamtpaket bleiben mir suspekt, auch wenn ich Sahra Wagenknecht für kompetent und sympathisch halte. Ihr Wahlprogramm ist in Teilen absurd. Wer die Geheimdienste abschaffen will, öffnet Spionen Tür und Tor. Auch aus Russland, das müssen die WählerInnen wissen.

Was ich (noch) von den GRÜNEN halte, habe ich bereits mehrfach geschrieben. Ich hoffe wirklich, dass sie eine herbe Schlappe erleiden, die dann endlich personelle Konsequenzen hat. Was auch für die SPD gilt. Gabriel, Schulz & Co. haben fertig. Neue Sozis braucht das Land.

Dass die CDU/CSU die Wahl gewinnt, sollte niemand wirklich wundern. Gäbe es keine Angela Merkel, ich hätte weniger Probleme damit. Aber diese Frau ist die eigentliche Gefahr für Deutschland. Daher braucht es eine starke Opposition, die „Mutti“ auf die Finger schaut.

Auch wenn ich keine Hellseherin bin, die Fortsetzung der GroKo scheint unausweichlich zu sein. Aber Rot-Rot-GRÜN wäre die noch schlimmere Alternative. Was bleibt ist Schwarz-GRÜN oder Schwarz-Gelb. Vielleicht auch ein neues Dreigestirn.

Ein Trio in meinem Bett sorgt für Heiterkeit, Yuki hat meine Nichten als Verstärkung geholt. Die Mädchen jauchzen, wenn „Tante Yumi“ wach gekitzelt wird. Nur halb bei Verstand ist meine Cousine. Eine schwere Depression hat sie im Griff. Ob das auch für Deutschland gilt?

Der Zusammenbruch kam durch den Seitensprung ihres Mannes, schon in Japan haben wir uns um die Mädchen gekümmert. Was keine wusste, die Ehe kriselte vorher schon. Nun hat sich der Betrug offenbart. Ihr Mann hat ein Verhältnis mit seiner Sekretärin, die (s)ein Kind erwartet.

Auch in Deutschland kriselt es seit Jahren. Hier geht man mit unheilvollen Ideen schwanger. Kommt der Austausch der Bevölkerung? So zumindest tönt es von den Dächern. Die Menschen haben Angst, die Politik hat einmal mehr versagt.

Niemand stoppt mich, wenn meiner Familie Unrecht geschieht. In Japan fange ich den Seitenspringer nach der Arbeit ab und nur seine schwangere Freundin verhindert einen Eklat. Wie ein begossener Pudel steht er da, als ich ihm lautstark einige weniger nette Worte sage.

Lautstark sollten alle mündigen BürgerInnen gegen die Halbwahrheiten der Blockparteien protestieren. Gegen gesteuerte Berichterstattung der durch die Zwangsabgabe finanzierten Medien. Oder hat Deutschland wirklich schon den Herbst der Existenz erreicht und bereitet sich nun auf sein Ende vor?

Die Geliebte des Seitenspringers schämt sich, Arbeitskollegen schauen konsterniert. Der Auftritt ist Absicht. Ich weiß genau, wie Mann sein Gesicht verliert. Meiner Cousine hilft das wenig, aber ihr Mann muss sie finanziell unterstützen. Außerdem ist sein Ruf nun ruiniert.

Meiner ist natürlich ungebrochen, alle Kinder lieben mich. Aber kann man zwei kleine Mädchen so einfach von ihrem Vater trennen? Die Antwort ist einfach. Ich habe „Du willst keinen Ärger mit mir!“ zu ihm gesagt. Das hat er verstanden.

Eine Liebe in Fukuoka

Was macht(e) Frau in Japan, werden sich einige LeserInnen fragen. Fröne ich dem Nichtstun oder ist Arbeit angesagt? Wie schon erwähnt, habe ich meinem Vater assistiert und einige vielversprechende Karate-Talente gesehen.

Auch mein eigenes Training habe ich forciert und hilfreiche Kommentare meines Vaters bekommen. Cousin Ken, der mittlerweile den 2. Dan im Kyokushin Kaikan hält, will es (spaßeshalber) wissen und fordert mich zum Kumite auf. Mit Zustimmung seines Sensei, der darüber auf seine Art lacht.

Ken hat wirklich geübt und ist viel schneller als noch vor einem Jahr. Genau so schnell liegt er wieder auf den Hosenboden. Alle lachen und er gleich mit. „Du bist so gemein, Cousinchen!“, lässt er mich wissen und verbeugt sich vor mir. Wer mir zu nahe kommt, der (f)liegt.

Noch während des Trainings ist mir ein Europäer aufgefallen, den ich sofort als Deutschen erkenne. Ich spreche ihn an und wirklich kommt Peter aus Magdeburg. Vor einem Jahr ist er nach Japan ausgewandert.

„Es war im Urlaub vor zwei Jahren“, verrät er schmunzelnd, „als ich die Frau meines Lebens traf.“ Er stellt sie uns vor, sie holt ihn nach dem Training ab. Momoka ist 45 und Peter 53 Jahre alt. Aber beide sehen viel jünger aus.

Spontan laden sie uns zu sich nach Hause ein. Dass Yuki und ich ein Paar sind, wird von beiden lächelnd zur Kenntnis genommen. Ken muss leider gehen, sein Freund wartet zu Hause. „Morgen gibt’s Revanche, Cousinchen!“, ruft er mir zum Abschied zu und reibt sich demonstrativ den Hintern.

Momoka arbeitet als Tourguide und hat auf diese Weise Peter getroffen. Sie lächelt sehr japanisch, als ich sie frage „War es Liebe auf den ersten Blick?“ Für Peter war das so, Momoka brauchte deutlich länger, um diesen durchaus interessanten Gaijin in ihr Leben zu lassen.

Wer der Chef im Hause ist weiß ich sofort. Peter ist lammfromm neben seiner Ehefrau. Und das sehr gern, obwohl der Mann sich durchsetzen kann. „Ich war mehr als 30 Jahre Polizist“, erzählt er uns. „Aber in Deutschland ist das ein Kampf gegen die Politik.

Ich habe gekündigt und unterrichte in Japan Deutsch und Englisch. Mein Haus in Deutschland habe ich gut vermietet, das Geld reicht also locker. Und Momoka verdient auch sehr gut.“

Wie gut zeigen die beiden uns, als wir ihr Haus betreten. Peter hat es gekauft und ist mittlerweile auch Familienvater. „Bin ich schon länger“, sagt er und grinst, als er uns Bilder seiner beiden erwachsenen Kinder zeigt. „Meine Frau hat sich scheiden lassen, da ich nie zu Hause war. Aber so ist das nun mal so als Polizist.“

Auch Momoka, die mit ihren 1 Meter 59 noch kleiner ist als ich, war schon verheiratet. „Ich habe mich mit 18 Jahren verliebt und ein Jahr später waren wir verheiratet“, erzählt sie uns. „Als ich keine Kinder bekam, hat er mich wieder verlassen.“ Ein Schatten legt sich über ihr Gesicht.

Momoka war tief verletzt und hat lange Jahre keinen Mann mehr angeschaut. Bis Peter kam. „Er ist ein Barbar“, sagt sie und lacht, als es an der Tür klingelt und er kurz den Raum verlässt, „aber ich habe ihn mir gut erzogen!“

Diese für Japanerinnen eher ungewöhnliche Offenheit, ist auf ihren langjährigen Kontakt mit Ausländern zurückzuführen. „Ich war in Frankreich, Italien und den USA“, sagt sie. „Dort habe ich viel über andere Kulturen gelernt.“

Momoka spricht ein fast perfektes Englisch, wenn auch mit typisch japanischem Akzent. „Ich war überrascht, dass dieser Deutsche sich für mich interessierte“, gibt sie freimütig zu. „Wo bin ich denn interessant? Aber ich mag große Männer.“ Peter ist locker über 1 Meter 80.

Auch mit ihren 45 Jahren ist Momoka noch attraktiv. „Wunderbar kochen kann sie!“, schwärmt Peter, der mit einem kleinen Mädchen auf dem Arm den Raum betritt. Hinter ihm geht eine Japanerin, die Momoka sehr ähnlich sieht. „Meine Schwester Riko“, erklärt uns Momoka. „Sie passt auf Hina auf, wenn wir beide arbeiten.“

Hina ist vier Jahre alt und adoptiert. Die Kleine ist zuckersüß und verbeugt sich artig vor uns Gästen. „Ich habe Peter vor die Wahl gestellt entweder ein Kind mit mir zu haben, oder wieder abzureisen“, sagt Momoka. Aber das ist japanischer Humor, den Europäer nur schwer verstehen.

In Wirklichkeit wollten sie beide einem kleinen Mädchen die Familie geben, die sie sonst vielleicht nie gefunden hätte. Hinas leibliche Mutter leidet unter schweren Panikattacken und kann sich nicht mehr um die Kleine kümmern. Ihren Vater kennt sie nicht.

Peter war Schieß- und Einsatztrainer bei der Polizei. „Karate und Jujutsu mache ich seit fast 40 Jahren. Nur ein Meister werde ich nie“, fügt er nach einer kurzen Pause hinzu. „Im Schießen bin ich viel besser.“ Liebevoll schaut er Momoka und Hina an. „Diese beiden sind meine Meisterinnen.“

Wie für viele Menschen, ist Karate für Peter nur Ausgleichssport. „Es hält mich fit“, sagt er. Uns wird die Ehre zuteil, die Kleine ins Bett zu bringen, das von allerlei Kuscheltieren bevölkert wird. Sie hat allen Namen gegeben, wie sie uns munter erzählt. Dann gähnt sie herzhaft und ist einfach eingeschlafen. Kleine Kinder können so einfach sein.

Momoka hat unsere Blicke gesehen. „Möchten Sie Kinder?“, fragt sie leise. Wir nicken beide und sie schmunzelt. „Einen Moment bitte“, sagt sie und schwebt aus dem Raum, um kurz darauf mit einem Zettel wiederzukommen. „Schauen Sie doch einmal in dieses Waisenhaus. Vielleicht werden Sie dort von einem Kind gefunden.“

Gefunden haben wir dann etwas anderes, worüber ich vielleicht im nächsten Beitrag schreibe. Wir sind wieder in Los Angeles, die USA haben uns wieder. Vorübergehend zumindest, der Flug nach Deutschland steht bereits fest. 

Wenn Engel reisen

Statt 80 brauchen wir nur knappe 2 Tage, um die (halbe) Welt zu umfliegen. Das ist (m)eine persönliche olympische Disziplin. Die wir natürlich mit der Goldmedaille beschließen. Los Angeles – Hongkong – Fukuoka. Japan ist immer das Ziel. Aber 15 Stunden Flugzeit nach Hongkong werden lang.

Immerhin habe ich gleich mehrere Artikel für den Blog geschrieben. Ob ihr sie lesen dürft? Das werden wir noch sehen. Die Reise hat mehrere Gründe, olympisches Karate ist nur einer davon. Auch ich muss Geld verdienen, auf zum „New Japan Deal.“

In Hongkong waren wir auch des lieben Geldes wegen. Asien hat davon viel zu bieten, das ist nun mal so. Ich bin gespannt und habe einige (wenige) Bilder gemacht. Die Einreise ist als Japanerin problemlos möglich. Offiziell sind wir Touristinnen. Der Beamte lächelt und alles ist gut.

Hongkong ist ein Meer aus Farben und schwüler Hitze, mit viel zu vielen Menschen, die alle „komisch reden.“ Meine paar Worte Mandarin helfen kaum weiter, hier ist Kantonesisch angesagt. Wer sich nun fragt wie Chinesen sich verständigen, den verweise ich auf die Schriftzeichen. Genau so. Die haben in ganz China die gleiche Bedeutung.

„JapanerInnen können doch auch Kanji lesen“, werden sich nun einige LeserInnen denken. Klar können wir, wenn es die japanischen sind. Dass es zum Teil erhebliche Unterschiede gibt, habe ich bereits mehrfach erklärt. Aber ich bin ehrlich, wir kamen gut klar. Nur bei langen Texten wären wir überfordert.

In Hongkong spricht man ein sehr gutes Englisch, die Verständigung ist also kein Problem. Natürlich habe ich alle Kung Fu Meister der Stadt herausgefordert und locker besiegt. Ihr wisst doch nur zu gut, dass ich unschlagbar … lustig bin. Um in Form zu bleiben, habe ich die arme Yuki (mit einem Lächeln) umgehauen. Oder sie mich?

Auf den Besuch eines Dojos mussten wir leider verzichten. Der Zeitplan war eng, schon am Dienstag ging es weiter. Aber vorher war ein Treffen mit mehreren Geschäftsleuten angesagt, die alle Meister des Buisiness sind.

Wobei man das durchaus als Kampf der Nationen bezeichnen kann. Chinesen sind schon zähe Verhandlungspartner und können mindestens so gut lächeln wie wir. Der Erfolg gab uns allen recht. Mehr muss niemand wissen.

Von Hong Kong nach Fukuoka sind es noch einmal knapp dreieinhalb Stunden Flugzeit. Heimat Japan, ich grüße dich! Aber die Reise hat Spuren hinterlassen, unsere Energie schwindet schnell. Eine Gruppe Europäer fällt mir auf. Ich höre spanische und französische Worte.

Cousin Ken holt uns vom Flughafen ab und freut sich uns zu sehen. Er hat tausend Neuigkeiten zu erzählen. Das Highlight kommt mit „Ich besuche euch in den USA!“

„Und wer sagt dir, dass wir dort noch länger leben?“, will ich von ihm wissen. „Eigentlich hatten wir einen Umzug nach Japan geplant.“ Warum Yuki und Ken dann im Chor „Du bist so doof!“, zu mir sagen hätte ich wirklich gern gewusst.

Die Zeitumstellung besiegen wir mit Grünem Tee. Gefühlt trinken wir den nun literweise. Mein Vater hat sein Elternhaus als neue Residenz gewählt. Bisher stand es meist leer. Einige Jahre haben Verwandte dort gewohnt. Aber er hat sich den Luxus gegönnt es zu behalten und ein Hausmeister Service hat sich monatlich darum gekümmert.

Meine Mutter schließt uns in die Arme. Ihre Augenwinkel zucken verräterisch. Nur ich bin natürlich vollkommen cool. „Das Biest“ hat noch niemand zum weinen gebracht. Aber warum klopft mein Herz nun schneller? Das muss am Tee liegen, ist doch klar.

Mein Vater ist in Sachen Karate unterwegs. Also besichtigen wir das Haus. Es ist groß genug für uns alle und Ken will aus Spaß gleich mit einziehen. „Als Dummy für meine Kicks?“, will ich wissen und er schnauft empört. „Ich bin viel besser geworden!“, behauptet er. „Ja klar“, erwidere ich trocken, „vor allem im Fußboden küssen.“ Sogar meine Mutter hat darüber gelacht.

Leider können wir nur einige Tage in Japan bleiben. Immerhin Zeit genug, um mir ein Bild von der Arbeit meines Vaters zu machen. Er bleibt skeptisch und das bin ich auch. Aber es ist eine Ehre für Japan tätig zu sein.

Für einen Abend, habe ich die Assistentin gegeben und durfte Teenager trainieren. Der Unterschied zu Deutschland ist gewaltig. In japanischen Dojos herrscht eiserne Disziplin. Das muss auch ich mir für diesen Tag auf die Fahne schreiben und nur Yuki hat darüber zu Hause gelacht.

Auf vielfachen Wunsch einer einzelnen Leserin, habe ich einige (schlechte) Bilder in den Beitrag eingefügt. Ich habe nun wirklich einige Talente, Bilder mit einem Smartphone zu machen gehört nicht dazu. Dabei gäbe es eine Menge über meine Heimatstadt zu berichten. Dort leben schließlich nette Menschen, aber das habt ihr bestimmt gewusst.

In der Reihenfolge zeigen sie den Flughafen und die Innenstadt von Hongkong. Die Bilder von Fukuoka sind selbsterklärend. Wobei es eine Menge über meine Heimatstadt zu erzählen gäbe. Aber vielleicht mache ich das ein andermal.

Wie es weitergehen wird? Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich gezögert und noch keine Entscheidung getroffen. Deutschland, die USA oder Japan, haben alle ihre speziellen Reize. Leben kann ich überall. Aber nur mit meiner Elfe, was habt ihr denn nun gedacht.

Nach Deutschland müssen wir auf jeden Fall im Sommer, wir haben uns um einige Dinge zu kümmern. Und auch nach Los Angeles führt unser Weg zurück. Dort haben wir noch eine Menge persönlicher Sachen. Ohnehin sind wir nur mit leichtem Gepäck unterwegs. Kleidung und Unterwäsche lagern immer bei meiner Tante.

Eigentlich wäre am Wochenende schon der Rückflug in die USA gewesen, aber ich kann und will zur Zeit nicht aus Japan weg. Das hat auch mit Müdigkeit zu tun. Fliegt ihr mal einen solchen Marathon. Immerhin leiht Ken uns seinen Wagen. Bekanntlich hat er zwei davon und ist gern mit dem alten Turbo unterwegs.

Ich werde (vermutlich) für eine weitere Woche in Japan bleiben, aber in dieser Zeit keinen weiteren Beitrag schreiben. Das ist auch dem Fakt geschuldet, dass wir kaum zu Hause sind und ich eine kleine Auszeit brauche. Wir lesen uns dann Mitte Juni wieder. Bleibt gesund und auf Wiedersehen.

 

Die Neidgesellschaft

Neid, so heißt es, sei eine Mischung aus Minderwertigkeitsgefühlen, Feindseligkeit und Ärger. In einem Interview bin ich über das Wort gestolpert. Und das im buchstäblichen Sinn. Neid, so sagt der Prominente, habe Deutschland vergiftet. Aber ist Neid nur regional begrenzt?

Wer sich mit anderen vergleicht, wird stets das eigene Manko finden. Man ist zu dick, zu dünn, zu wenig tolerant und diese Schnepfe von nebenan, hat schon wieder einen anderen Freund! Aber wo ist das Problem? Den Satz „Ich bin was ich bin und das ist alles was ich bin“, sollte sich jeder verinnerlichen. Ich habe, ihr auch?

Neider finden sich oft bei unzufriedenen Menschen, die vielleicht in einer (Lebens)Krise stecken. „Neidisch“ richtet sich der Blick der dreifachen Mutter auf die kinderlose Managerin, die noch immer eine schlanke Taille hat und einen Sportwagen fährt. Sie weiß nicht, dass diese keine Kinder bekommen kann.

„Neidisch“ blickt der Buchhalter auf seinen beruflich erfolgreicheren Kollegen. Er, der mit Frau und Tochter in einem Reihenhaus lebt, will auch in die Chefetage. Aber sein Reihenhaus ist bezahlt, der Kollege bezahlt den besseren Job mit nun schon zwei Herzinfarkten.

Weder besagte Mutter noch der angesprochene Buchhalter erkennen, wie erfolgreich sie in ihrem Leben sind. Vielleicht wäre die Managerin mit drei Kindern überfordert und die Frau des Buchhalters würde die Scheidung verlangen, wenn er zwölf Stunden und länger bei Besprechungen sitzt.

Neid kann durchaus negative Auswirkungen auf das Gefühlsleben und die Beziehungen zu Mitmenschen haben. Das kann von verbalen Attacken bis zur Gewaltanwendung gehen. Man hat vielleicht selbst nur ein altes Auto, also schlägt man den Wagen des Nachbarn heimlich kaputt.

Oft baden neidische Menschen in Selbstmitleid. „Wie ungerecht, dass der / die alles hat!“, heißt es schnell. „Ich habe nichts!“ Dass der Neider zu faul war, um die Universität zu besuchen, hat er bereits vergessen. Wer andere beneidet macht deren Glück zum eigenen Unglück. Jeder Mensch ist einzigartig, er muss es nur erkennen.

Die Mutter könnte nun also die Managerin für ihren Erfolg bewundern. So wie diese es heimlich macht, wenn sie deren Kinder sieht. Und der Buchhalter könnte einfach aufrichtig sein und den Führungsstil des erfolgreicheren Kollegen bewundern, der ihm ein guter Vorgesetzter ist.

Ich schaue zurück auf meine Jugend und wie ich aufgewachsen bin. Mir fehlte es an nichts, aber hohe Ansprüche hatten immer nur die anderen. Klein-Mayumi waren Bücher, Karate, saubere Jeans und Sweatshirts lange genug. Und mein erstes Auto war gebraucht.

Ich habe nie neidische Gefühle entwickelt. Einerseits bin ich so (auf sanfte Art) erzogen worden, andererseits ist das meine Natur. Trotzdem habe ich Erfahrung mit Neid und Missgunst gemacht. Was einerseits an meinem sozialen Status und andererseits an meinem Aussehen lag.

Meine Eltern haben bereits kurz nach ihrer Ankunft in Deutschland ein Haus gekauft, was damals ein hohes finanzielles Risiko war. Finanziert haben sie es mit harter Arbeit. Mehr muss niemand wissen. Aber es hat Neid ausgelöst, das haben sie mir später erzählt.

Ich bin etwa 10 Jahre alt, als „Arroganza Neureich“ mich verbal attackiert. Eigentlich heißt sie Saskia und ich habe HIER schon über sie geschrieben. Saskia mustert mich herablassend und plustert sich vor mir auf.

„Deine Eltern können dir wohl kein anständiges Kleid kaufen“, sagt sie, „oder warum trägst du sonst immer diese alten Hosen?“ Ihr Gefolge lacht und verstummt prompt, als mein Konter kommt. „Bis du neidisch?“, frage ich und schaue sie mitleidig an. „Bei dem Hintern würden dir Hosen auch kaum passen.“

Wortlos rauscht sie davon. Dabei habe ich bewusst übertrieben, bei Saskia stimmte alles. Von einer Freundin weiß ich, dass sie neidisch auf meine dunklen Haare ist. Sie hat „nur“ blonde Locken. Frauen waren oft neidisch auf mein Aussehen. Ich bin nun mal das komplette Gegenteil einer blonden Deutschen.

Dafür kann ich nichts, das sind die Gene meiner Eltern. Oder besser meiner Mutter, deren Kopie ich sozusagen bin. Weniger vom Charakter, der ist deutlich feuriger bei mir. Aber war ich wirklich niemals neidisch?

Ansatzweise unzufrieden, wobei ich das immer mit Humor gesehen habe, war ich auf meine geringe Körpergröße, die sich in einen gewissen Neid, aber stets spaßig formuliert, auf größere Mädchen bei Ballsportspielen definierte.

Im Basketball und Volleyball war ich niemals gut, dafür habe ich umso besser Handball gespielt. Ich sah meine Körpergröße nie als Manko und habe sie durch Schnelligkeit kompensiert. Den Ball konnte ich gut durch die Beine der Torfrau werfen. Meist war die zu langsam für mich.

Neid kann sich im positiven Sinn, als Ehrgeiz definieren. „Die“ hat eine gute Note? Das kann „ich“ besser! Im Sportkarate lediglich neidisch auf die „Meisterin“ zu sein bringt wenig. Ich habe sie mir angeschaut, den Stil analysiert und sie beim nächsten Turnier geschlagen.

Das brachte nun mir das typische Verhalten von „Neidern“ ein, besonders von anderen Frauen. Auf meinen beruflichen Erfolg sind die weniger gut zu sprechen. Deren kleines Ego bekam scheinbar Oberwasser, wenn ich eine Weile „arbeitslos“ war.

„Hättest du mal den Job bei (…) angenommen“, hieß es dann süffisant, um später über den 370 Z, meinen Urlaub und was auch immer zu lästern. Ich habe immer nur gelacht und gesagt: „Mitleid bekommt man gratis, aber Neid muss man sich verdienen.“

„Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung.“ – Wilhelm Busch

Eine Japanerin in Schweden

Winter in Schweden sind ein Erlebnis der besonderen Art. Ohne Sonnenbrille und warme Kleidung, ist ein Aufenthalt im Freien kaum empfehlenswert. Die hat uns Wolf mitgebracht. Yuki Mutter hat dafür unseren Kleiderschrank in Deutschland geplündert.

Der lange Flug von Los Angeles und der Zwischenstopp in Holland sind vergessen, als uns Schwedens Natur willkommen heißt. Unberührt, aber gefährlich für normale TouristInnen. Eisdriften, das mag im ersten Moment spaßig klingen und eigentlich ist es das auch.

Wikinger suchen wir in Schweden vergeblich. Die laufen nur noch in Filmen umher oder in den Sagen der Menschen. Die Kälte springt mich wie ein Tiger an und raubt mir kurz den Atem. Minus 24 Grad sind kein Pappenstiel. Mit Wind sind es noch 10 Grad mehr.

Wolf ist happy uns zu sehen und hätte uns am liebsten umarmt. Aber er kennt mich und weiß, dass Abstand besser für ihn ist. „Ihr seid  meine Lebensretter“, lässt er uns wissen und strahlt über das ganze Gesicht. Nur zwei Ingenieure haben es halb gesund nach Schweden geschafft. Der Rest ist noch immer außer Gefecht.

Das Monster

Entsprechend kurz wird unser Aufenthalt sein. Und bei den Autos sind wir auch limitiert. Ein eisblauer Golf lächelt mich an. Geduckt auf vier Winterreifen steht er da. Wolf grinst, als er meinen Blick bemerkt. „Ja“, sagt er, „das ist unser Schätzchen.“

Der Golf R hat eine abenteuerliche Reise hinter sich. Per Zug und Fähre nach Norden und dann sind die Jungs in den Winter gefahren. „Drei Männer, drei Autos“, erklärt uns Wolf und verpflichtet mich zum Stillschweigen über die beiden anderen Modelle. Ich darf nur schreiben, dass es zwei Audi mit mächtig dicken Motoren sind.

Wolf hat in einer Nachtschicht Hand angelegt und letzte Feinheiten am Golf eingestellt. Vor mir steht ein knapp 500 PS starkes Monster, das vor Kraft nur so strotzt. Beeindruckend ist anders, ich bin mehr gewohnt. Kann nun der Spaß beginnen?

Der Elchtest

Aber zum Spaß sind wir eigentlich nicht nach Schweden geflogen. Dieser Golf hat einen Elchtest zu bestehen. Die Tuningschmiede hat die Leistung des Wagens derart massiv erhöht, dass keine Schraube original geblieben ist. Sensoren melden die Daten des Wagens, die Wolf mit Argusaugen überwacht. Hält der Motor die Belastung aus?

Warum Schweden, warum diese Tests in beißender Kälte, die Mensch und Material an die Grenze der Belastbarkeit bringen? Die Antwort steht schon in der Frage, es geht um die Haltbarkeit der Komponenten. Was unter extremen Bedingungen funktioniert, wird auch im normalen Alltag gut aussehen.

Aber warum Yuki und ich als Fahrerinnen, wären andere nicht billiger gewesen? Die Antwort darauf gibt es später. Und sie wirft erneut Pläne um. Wir steigen ein und nach dem Funkcheck erwacht der Motor zum Leben. Er faucht und röchelt heiser, Allradantrieb schiebt den Golf nach vorn. Nur andere drehen durch.

Ich gewöhne mich schnell an den eisigen Untergrund. Vor und hinter mir stehen Wagen quer, TouristInnen, die keine Ahnung von Driftmanövern haben. Auch ich bin weit davon entfernt, die Ideallinie zu finden, das ist unmöglich auf diesem Terrain.

Aber ich schlage mich gut und werde schneller, was Elfchen sehr leise werden lässt. Angst haben nur die anderen, wir sind mit Buddhas Segen unterwegs. Und wenn der nicht helfen will, wird es andere Götter geben. JapanerInnen sind in der Auswahl nie verlegen.

In der Summe quer

Wie fahren sich 500 Allrad PS auf eisigem Untergrund? Anders, als im normalen Straßenverkehr. Man (Frau) muss selbst erleben, wovon ich hier spreche. Geradeaus war gestern. Ich fahre in der Summe quer.

Der Golf tänzelt, schiebt wahlweise über die Vorderräder und bricht überraschend nach hinten aus. „Lastverteilung mangelhaft“, gebe ich an Wolf weiter, der hörbar schnauft und vermutlich nickt.

Ich denke an Deutschland. Düsseldorf ist plötzlich nicht mehr fern. Aber nach dem Karneval fliegen wir zuerst wieder in die USA. Dieses Jahr passt es, dieses Jahr geht’s zum Dinah Shore.  Falls keine weitere Kurskorrekturen kommen, wird es im Mai zurück nach Europa gehen. Die Reisetanten grüßen den Rest der Welt.

Frau(en) am Steuer

Vorsichtiger, aber mit genug Selbstbewusstsein ausgestattet, übernimmt Yuki schließlich das Steuer. Lästerzungen behaupten ohnehin, dass sie die Chefin im Elfenheim sei. Aber das wüsste ich, wir sind ein (gutes) Team. Grüße an eine gewisse Kampfsportlerin an dieser Stelle, die hat das richtig erkannt.

Der Benzinverbrauch des Wagens kann nur als abenteuerlich bezeichnet werden. Fast 20 Liter rauschen durch den Turbomotor. Das liegt mit an der Temperatur, dem höheren Rollwiderstand der Winterreifen und Sitz- und Lenkradheizung. Natürlich auch am Motor selbst, der viel mehr Leistung als in der Serie hat.

Nach einer Stunde  machen wir Pause und wärmen uns bei Tee und guter Laune auf. Wolf wiegt den Kopf, der Motor läuft nicht wirklich rund. Er bespricht sich mit seinen Ingenieuren und ich notiere erste Punkte des Artikels. Die erneute Zeitumstellung macht uns zu schaffen, wirklich fit zu sein ist anders.

Technik, die begeistert

Schon jetzt ist klar, dass wir kein normales Wochenende haben können. Zwar fahren wir nur halbe Tage, aber auch danach ist noch Arbeit angesagt. Und beim reinen fahren wird es dieses Jahr kaum bleiben, das stand schon vor der Reise fest.

Zwar sind wir keine MechanikerInnen, aber ich passe nur, wenn ein Motor lediglich aus Einzelteilen besteht. Das dürfen dann die richtigen Schrauber machen. Wir werden beim Abgleich der Daten assistieren. Verbunden mit Wolfs Bitte „Macht bloß nichts kaputt!“ Was der nur immer hat, mein Gasfuß ist bekanntlich sanft. Und am Laptop bin ich Spitze.

Yuki dreht Runde um Runde auf dem Eis. Eine Japanerin in Schweden, Elfenpower pur! Ein alter BMW dreht sich vor uns übers Eis. Plötzlich bleibt der Wagen stehen. Zwei blonde Frauen steigen aus, die sich wie ein Ei dem anderen gleichen.

Die Elfen

Wir stoppen und schon kommen Helfer gelaufen. „Der Wagen ist kaputt“, höre ich auf Englisch. Alva und Ylva sind Zwillingsschwestern und wollten schon immer driften lernen.

Alva, die Elfe und Ylva, die Wölfin, treffen wir später im Hotel. Die Mädels sind 21 und super lieb. „Wir kennen Deutschland“, erzählt uns Ylva, die eindeutig die Chefin ist.

Wir erfahren, dass ihr Vater das Abenteuer bezahlt. Interessiert hören sie zu, als ich von Los Angeles erzählen. Dass wir ein Paar sind stört die beiden nicht. Alva gesteht uns, dass auch sie schon etwas mit Frauen hatte. Und ihre Schwester lacht.

„Wir nehmen das nicht so genau“, sagt sie. Schnell wird klar, dass die beiden mehr als nur flirten wollen. Aber unser Abenteuer heißt Treue, das mache ich den beiden lächelnd klar. Trotzdem bleibt die Stimmung gut und wir sprechen über Schweden.

Natürlich kommen auch Asylanten als Thema vor und Ylvas Gesicht verfinstert sich. „Wir haben zu viele davon“, sagt sie. „Ich habe keine Vorurteile, aber ich will nichts mit Afrikanern anfangen!“ Klare Worte, die auf taube Ohren stoßen. Die Zahl der Vergewaltigungen wächst dramatisch.

Was in Deutschland Köln war, gab es auch in Schweden. Polizei und Regierung versuchten das damals zu vertuschen. Entsprechend heftig hat die Öffentlichkeit reagiert. Als ich davon erzähle Kurse für Frauen zu geben, werden die beiden Mädels richtig wach.

Wir sprechen eine gute halbe Stunde über Selbstverteidigung. Als die beiden auf ihr Zimmer gehen ist klar, dass auch sie die Abwehr von Attacken lernen wollen. Ich habe zu Wendo oder Krav Maga geraten. Das ist einfach und sehr effektiv. Und gute TrainerInnen werden auch den mentalen Aspekt lehren.

The „New Deal“

Am nächsten Morgen geht die Fahrt im Golf weiter. Wolf hat geschraubt, jetzt ist der Wagen fit. Weniger fit sind die Ingenieure. Einer liegt wieder mit Fieber im Bett. Wolfs sorgenvolle Miene, hat noch einen anderen Grund. Die Absatzzahlen sind stark eingebrochen, Deutschland spart beim Turbobums.

Zum Glück für die Firma gibt es den Japan Deal. Trotzdem sieht die Zukunft alles andere als rosig aus. „Wir brauchen neue Märkte“, lässt Wolf mich wissen. „Und ein anderes Konzept.“

Trotz Müdigkeit bin ich sofort hellwach. Als wir vor Jahren mit den Autotests begannen, habe ich mich bewusst gegen eine Mitarbeit beim Management ausgesprochen. Aber soll ich die Familie wirklich hängen lassen?

„Papa hat nie etwas erwähnt“, sagt Yuki, „wie schlimm ist es?“ Wolf schweigt sich aus, was selbst mir Sorgen macht, aber seinen Anruf erklärt. Kurzfristig Fahrer zu finden war auch finanziell unmöglich.

„Hilfst du?“, will Yuki zurück im Auto wissen. „Das wird dann auch ein Elchtest“, erwidere ich und denke schon weiter. Strategien zu entwickeln war schon immer mein Ding. Geld spielte dabei stets die Nebenrolle.

„Wie bringen wir das deinem Papa schonend bei?“, denke ich laut nach. „Lass mich machen“, sagt Elfchen und gibt mir einen Kuss. „Mit Männern kann ich besser als du.“ Ich muss lachen. Das ist Humor, den ich mag. Wie gut, wenn Frau eine Elfe hat.

 

Islam, Scharia, Kopftuch – Teil 3: Im Zeichen der Burka

Vor einigen Monaten, hatte ich zwei zum Teil kontrovers diskutierte Artikel über den Islam, die Scharia und das Kopftuch geschrieben, die sich einerseits auf Studien stützen und zum Teil meine eigene Meinung sind.

Wie immer haben Gutmenschen das weitgehend ignoriert. Das macht man so, als Linke(r). Diskussionskultur Fehlanzeige. Aber das hatten wir alles schon. Wer sie noch nicht kennt und / oder erneut lesen mag:

TEIL 1

TEIL 2

An meiner damaligen Meinung hat sich nichts geändert. Sie hat sich im Gegenteil noch verschärft. Vor allem nach diversen Versuchen junger Muslimas, nun auch die Burka als offizielles Kleidungsstück im Schulunterricht durchzusetzen.

Einen kleinen Lichtblick im Meer der Absurditäten, hat es an der Stuttgarter Universität gegeben. Nachdem studierende Muslime die Bibliothek als Betraum benutzten und anderen Studenten den Zugang verweigerten, hat der Rektor klargemacht, dass die Uni kein Ort zum Beten sei.

Ein Sprecher der Universität wörtlich: „Die Universität ist ein säkularer Lernort. Möglichkeiten zum Beten bestehen in Räumen der Stille am ökumenischen Zentrum und in den campusnahen Kirchen und Moscheen.“

Die Lüge von der Selbstbestimmung

Ich stehe seit Jahren für sie Selbstbestimmung von Frauen. Und ich erwarte einfach, dass Mann das akzeptiert. Aber was hat eine Frau hinter einem Schleier mit Selbstbestimmung zu tun? Dieser Schleier wird von alten Männern gefordert, die eine überholte Ideologie verehren und ihre Frauen und Töchter unter die Knute der Burka zwingen.

Nun sehe ich schon die (G)Eiferer in die Hände spucken und heftige Worte gegen mich finden oder mich als böse Ketzerin mit dem Tod bedrohen. Wende ich mich doch gegen die Worte ihres allmächtigen Gottes. Dumm nur, dass der nicht existiert.

Dumm auch, dass der Koran niemals eine Verschleierung forderte. Die entsprechende Sure ist Auslegungssache und nach Ansicht moderner Muslime schon lange nicht mehr zeitgemäß.

„Wenn Gott gewollte hätte, dass wir (Frauen) uns völlig verschleiern, hätte er das dann nicht explizit im Koran geschrieben?“, hat eine junge Türkin gefragt und für Entsetzen bei ihrer Familie gesorgt.

„Kopftuch, Burka, Niqab sind Symbole, die aus einer altvorderen Zeit und Denkweise stammen“, hat sie weiter gesagt und dafür sowohl Applaus wie Drohungen bekommen. Sie geht in die Moschee, aber frömmelt nicht. Und sie zwingt keinem ihren Glauben auf.

Ins gleiche Horn stieß vor einigen Jahren die mittlerweile umstrittene Lamya Kaddor. In einem Artikel für das Goethe Institut stellte sie die Frage, ob die im Koran geforderte Verschleierung des Kopfes noch ihren ursprünglichen Zweck erfülle.

Der Zweck sei (damals) gewesen, die Frauen vor den Begehrlichkeiten der Männer zu schützen. Im Deutschland der Gegenwart erfülle die Verschleierung den ursprünglichen Zweck des Schutzes nicht mehr. Sie sorge sogar eher für das Gegenteil dessen, was Gott beabsichtigt habe, indem sie ihre Trägerin Nachteilen, etwa durch Diskriminierungen, aussetze.

Der Koran und die Verschleierung

Wie sehr muss es radikale Muslime und deutsche Gutmenschen getroffen haben, als Scheikh Khaled Omran von der Universität Kairo in einem Interview der ARD sagte:

„Ein Kleidungsstück darf nicht körperbetont, nicht enthüllend und nicht eng anliegend sein. Das sind die drei Kriterien. Dazu kommt jedoch, dass die Kleidung die Hände und das Gesicht nicht bedecken darf.

Zwar seien die Frauen des Propheten Mohammed laut Omran dazu verpflichtet gewesen, einen Gesichtsschleier zu tragen. Doch diese Ausnahmen würden keine Rechtfertigung für Nachahmung bieten. Vollverschleierung sei lediglich eine Tradition.“

Lamya Kaddor schreibt zur Verschleierung: „Aus Sicht einer gläubigen Frau bedeutet das, jene Bereiche des weiblichen Körpers, die hinsichtlich möglicher Sexualkontakte heutzutage elektrisierend wirken, nach wie vor ordentlich unter der heute üblichen Kleidung zu bedecken.

Was wiederum ordentlich, angemessen oder anständig ist, ist der Vernunft jeder einzelnen mündigen Bürgerin unterworfen, da es für die Gegenwart keine konkreten Vorgaben seitens der islamischen Quellen gibt.“

Und damit ist die Lüge der Vollverschleierung bereits entlarvt, die lediglich der Macht von Männern über Frauen dient. Aber jeder darf eine andere Meinung haben. Aufzwingen sollte er sie anderen aber nicht.

Leider tun das viel zu viele Muslime, bei jungen Frauen gibt es einen deutlichen Gruppenzwang. Sie werden von Freundinnen zum Kopftuch gedrängt. Weigern wird mit Ächtung bestraft, der absolute Horror für eine Frau.

Besonders hervor tun sich einmal mehr deutsche Konvertiten, die alles besser wissen und am frömmsten sind. Diese Menschen verraten ihr eigenes Land und wenden sich einer Götzenverehrung zu, die noch immer am Rand der Steinzeit lebt.

Tradition und Moderne

Niemand hat etwas gegen Traditionen. Ich weiß von türkischen Freundinnen, dass sie in der Moschee Kopftuch tragen. Sie besuchen sie aber oft nicht aus religiöser Überzeugung, sondern „weil man das eben so macht.“ Wie die Christen, die auch oft nur widerwillig in die Kirche gehen.

Ich will noch einmal Onkel Ahmed zitieren, den alten, türkischstämmigen Ladenbesitzer aus Düsseldorf, den ich schon fast mein ganzes Leben kenne. Er, der schon lange nicht mehr wirklich gläubig ist, geht trotzdem ab und zu in die Moschee.

„Ich treffe dort alte Freunde“, sagt er und lacht verschmitzt. „Und hinterher trinken wir ein Bier.“ Auf meine Bemerkung hin, dass Alkohol doch verboten sei, hat er die Augen verdreht.

„Die meisten von uns sehen das nicht so eng“, sagt er. „Bier ist gesund und die Moschee für uns nur eine Ort der Begegnung. Wir reden über alte Zeiten, Fußball und haben Spaß, weil der Iman für eine andere Mannschaft schwärmt.“

Was so einfach klingt, ist auch für Onkel Ahmed ein Reifeprozess gewesen. Ich habe ihn dazu befragt und einen Artikel darüber verfasst, den ich in den kommenden Wochen veröffentlichen werde.

Schleier über Deutschland

Über Deutschland liegt ein Schleier, der schon in den Köpfen mancher Menschen beginnt. So hat der Kulturausschuss des niedersächsischen Landtags einer 16jähringen Schülerin erlaubt, mit Niqab, der Vollverschleierung, am Unterricht teilzunehmen.

Damit hebelt der Ausschuss das Landesschulgesetz aus. Zwar betonte man, dass es sich dabei lediglich um eine einmalige Ausnahme handele, aber der Schaden für ganze Deutschland ist bereits angerichtet.

Alexander Marguier, Chefredakteur beim Magazin CICERO, hat es klar formuliert. „Natürlich sei es bereits eine Groteske, die Vollverschleierung im Unterricht mit dem Hinweis auf den Integrationsprozess zu rechtfertigen. Denn sowohl Niqab wie auch Burka seien augenfällige Symbole einer totalen Integrationsverweigerung – deren staatliche Duldung der Desintegration gewaltigen Vorschub leiste.

Sie müsse nämlich als eine Ermunterung an sämtliche in Deutschland lebenden islamischen Fundamentalisten verstanden werden, ihre Töchter ebenfalls in einem Gewand zur Schule zu schicken, das sie zu Außenseiterinnen stigmatisiere und ihnen darüber hinaus eine aktive Teilnahme am Unterricht praktisch unmöglich mache“

Dieses Mädchen hat damit einen Sieg für eine Ideologie errungen, die dem mittelalterlichen Denken alter Männer entspricht. Zwar hat sie sich scheinbar selbst verwirklicht, aber ist das wirklich so? Hat sie nicht vielmehr als williges Instrument gehandelt, das sich langsam radikalisiert?

Aber Deutschland schaut gern weg, wenn es um die Befindlichkeiten von Islamisten geht. Aydan Özoguz, die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, hat sogar „Augenmaß beim Umgang mit Islamisten“ gefordert. Ist die Frau noch normal? Sieht niemand, wie sehr die deutsche Politik bereits von Muslimen unterwandert ist, die ihre kruden Thesen gezielt vertreten?

Die Herrschaft der Alten

Als Kinder lernen wir, die Eltern zu ehren. Die Eltern hießen früher „die Ältern / Aeltern.“ Das Wort stammt aus dem 8. Jahrhundert und lautete dort Eltiron / Altiron. Und vor diesen Älter(e)n haben Menschen stets Respekt. Gelten sie doch als gütig und weise.

In meinen Augen sind das viele Ältere nicht. Das mag Teil meines rebellischen Geistes sein oder ist meinem Alter geschuldet. Wie kann es weise sein Frauen in schwarze Säcke zu stecken?

In kriegerischen Zeiten, vor tausend und noch mehr Jahren, als der Trieb die Moral bestimmte und der Mann seine „Blume“ (Frau / Tochter) vor den Augen Fremder schützte, mag ein Kopftuch oder ein verhüllendes Gewand angebracht gewesen sein. Ein Sack war das nie.

Aber kein Gott hat das gefordert, das waren klar Menschen ihrer Zeit. Menschen haben Talmud, Bibel und den Koran geschrieben und dann Religion damit „gemacht.“ Das wäre alles gut, wenn diese Religion immer friedlich wäre.

Aber so wenig wie Menschen miteinander in Frieden leben können, wird es „ein rachsüchtiger Übervater“ tun. Menschen haben ihn und seine Worte erfunden und benutzt, um die Massen zu beherrschen. Der Buddha hat das nicht gemacht.

Es sind diese Alten, die eine Jugend verhetzen, die ohne Identität aufwächst. Es sind diese Alten, die junge Mädchen Zeit ihres Lebens mit einem Ziel erziehen, gläubige, gottesfürchtige (Ehe)Frauen zu sein. Natürlich dem Willen des Mannes untertan, der sie nach Lust und Laune benutzen kann.

Der Staat und die Religion

Der deutsche Staat, die Behörden, die PolitikerInnen, alles duckt sich vor dem politischen Islam. Die Entscheidung aus Niedersachsen ist Munition für die rechte Szene und weckt bei vielen Deutschen Unverständnis.

Diese Schülerin wird vielleicht ihren Abschluss machen. Was danach mit ihr passiert? Nicht mehr viel. Sie wird keine Stelle finden, niemand wird sie als Studentin akzeptieren. Es sei denn, dass ganz Deutschland langsam verblödet und zum Islam konvertiert.

Erste Schritte scheint es bereits zu geben. Das Schweinefleisch in Schulen und Kindergärten ist verpönt, christliche Lieder werden zum Teil nicht mehr gesungen, wenn Muslime in der Gruppe sind. Christliche Würdenträger nehmen die Kreuze ab, wenn sie eine Moschee betreten. Und die Polizei zieht dort bei einer Razzia die Stiefel aus.

Weigert sich aber ein deutscher Schüler eine Moschee zu betreten, wird ihm von der Schule ein Bußgeld auferlegt. Irgendetwas stimmt nicht mehr in diesem Land. Der Rechtsstaat führt sich weiter ad absurdum, wie er das bereits seit Jahren macht. Quo vadis Deutschland, wohin führt dich dein Weg?