Ein Leben lang auf Reise

Unser Leben ist zur Zeit eine große Reise. Waren wir letzte Woche noch in Fukuoka, ist nun Deutschland angesagt. Aber vorher haben wir Zeit in Los Angeles verbracht und einige wichtige Dinge geregelt.

Wie zum Beispiel die Zukunft unseres Apartments, das wir vorübergehend an ein Frauenpaar vermietet haben. Nicht ganz überraschend, haben sich Riko und Madison bei uns gemeldet, die beiden Mädels vom Dina Shore. Sie sind seid Juni in Los Angeles und haben Probleme mit ihrer Wohnung bekommen.

„Wir haben keine Nacht geschlafen, so laut war es dort“, erzählt Madison, als wir uns treffen. Der Vermieter macht Ärger und besteht auf dem Vertrag. Aber Riko ist Anwältin und weiß was sie machen muss. Sie sind schon auf der Suche nach einer neuen Bleibe und wohnen in einem günstigen Motel.

Mir kommt eine Idee, die ich mit Yuki per Augenkontakt abstimme. „Wir können euch unser Apartment überlassen“, biete ich den beiden an, wir werden einige Monate nicht in Los Angeles sein.“ „Vermutlich kommen wir erst im September wieder“, fügt Yuki hinzu, „aber das wissen wir noch nicht.“

Unsere beiden neuen Freundinnen sind total aus dem Häuschen vor Glück. Vor allem, als ich ihnen den Preis nenne und die Lage. Klar ist es teurer als ihr jetziges Motel, aber ich verlange keinen Wucherpreis. Und Sicherheiten haben beide.

Sicher im Flieger, hat uns unser Weg über Düsseldorf nach Stuttgart geführt. Wir waren auch in Hamburg, haben kurz Berlin unsicher gemacht und sind dann nach Frankfurt geeilt. Zur Zeit besuchen wir in Holland Freunde und fahren in Kürze wieder nach Düsseldorf. Und im August ruft wieder Japan.

Yuki nehmen die Reisen mehr mit, als sie eingestehen will. Ich bemerke es und spreche es an. „Alles gut“, sagt sie und strahlt mich an, „wenigstens ist mit dir das Leben nie öde. Die Mama deiner Kinder kann ich später noch spielen.“ Seht ihr nun das wahre Biest?

Eher milde gestimmt, rauscht das politische Leben scheinbar unbeachtet an mir vorbei. Ich verfolge die Neuigkeiten mit Interesse, aber nehme absichtlich Abstand davon. Habe ich aufgegeben?

Fast könnte man das glauben, haben wir doch immerhin unseren bisher größten Sieg errungen. „Wir“, das ist die deutsche LGBT-Community. Wahltaktisch klug von der SPD eingefädelt, wird sie kein Kapital aus der Eheöffnung für alle schlagen. Ohne Merkels Zustimmung, wäre die Sache geplatzt.

„Aber sie hat doch dagegen gestimmt!“, höre ich meine LeserInnen sagen. Ja, das hat sie. Aber sie hat die Abstimmung möglich gemacht. Und da sie das positive Endergebnis vorher kannte, hat sie dagegen gestimmt.

Dieser so einfach, wie geniale Schachzug, hätte auch von einer Japanerin kommen können. Auch wenn ich Merkel nicht mag, das hat sie klug gemacht. Reicht das schon zur erneuten Kanzlerschaft?

Ist das nun der endgültige Durchbruch für Homosexuelle oder doch nur ein weiterer Meilenstein? Ich rechne mit einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht und einer Grundgesetzänderung. Mich stört das wenig, Yuki war schon immer meine Frau.

Die Politik muss vorerst ohne meine Kommentare leben. Und auch  dieser Blog wird vorerst stiller werden. Momentan fehlen mir Zeit und Lust dafür.

Dabei gäbe es eine Menge zu erzählen. Etwa wie ich kurz im MMA unterwegs gewesen bin oder der unschöne Zwischenfall mit einer Koreanerin in Fukuoka.

Ich könnte auch von dem Waisenhaus berichten und wie uns dort die Kinderherzen zugeflogen sind. Aber wir haben entschieden in Zukunft weniger Privates zu zeigen. Auch davon wird der nächste Beitrag handeln. Bis dahin dürft ihr den Sommer genießen. Wir lesen uns. Bis bald!

 

 

 

 

Lichter der Großstadt – Teil 10: Turbo

Der folgende Beitrag bildet einen Zeitraum vor unserem Aufenthalt in Japan ab. Er ist die literarisch aufgearbeitete Realität eines etwas verrückten Tages. Zeitlich bedingt, wird es vorerst weniger Beiträge von mir geben. Der Rückflug nach Deutschland steht kurz bevor und im August ist wieder Japan angesagt. 

Die Zahl Zwei hatte schon immer besondere Bedeutung für mich. Und das, obwohl ich einmalig bin. Vermutlich hatte ich schon als kleines Mädchen erkannt, dass Frau im Doppelpack zur Höchstform aufläuft. Will das wer bezweifeln?

Entsprechend innig, aber kindlich-harmlos, war meine Freundschaft mit Natalie. Heute ist Yuki meine bessere Hälfte. Sie bremst sanft mein kämpferisches Wesen aus. Zumindest dann, wenn ich sie lasse.

Als in Japan geborene Frau, hatte ich schon immer zwei Heimatländer. Und seit 2015 (wieder) einen Doppelpass. Aber was in Deutschland legal ist, wird von Japan nicht anerkannt. Nur weiß dort kein Offizieller, dass ich (noch) Deutsche bin. Und selbst wenn, wird es stillschweigend geduldet. Ob ich (wir!) es bleibe(n), wird noch entschieden. Aber eigentlich geht das niemand etwas an.

Seit ich Autos teste, habe ich viel über Technik und Fahrverhalten gelernt. Und ein Doppelturbo macht einen Wagen richtig schnell. Warum ich das schreibe wollt ihr wissen? Mache ich etwa wieder einen Autotest? Die Erklärung folgt sofort.

Wir lernen Sascha, die eigentlich Alexandra heißt, an einem Samstag in der Abbey (LINK!) kennen. Schlanke 1,72 Meter wirbeln durch den Raum. Die blonde Kurzhaarfrisur steht ihr gut. Wenn ich eine Alpha bin, hat sie auf den ersten Blick das Prädikat „Über“ verdient. Aber oft trügt der Schein, wie wir später noch sehen.

Sascha ist in Russland geboren. „Den Ort findest du auf keiner Karte“, sagt sie mit deutlichem Akzent. Aber sonst ist ihr Englisch perfekt, sie lebt schon zehn Jahre in den USA. Sie ist eine Bekannte von Nina, mit der sie im gleichen Fitness Center trainiert. Nina kennen wir durch Ally, die mit Ehefrau Heather neben uns sitzt.

Nina, die noch Verwandte in Dänemark hat und stolz auf die Herkunft ihrer Vorfahren ist, kann kaum die Augen von Sascha lassen. Bahnt sich hier etwas an? Sascha ist eine Art Playgirl. Sie hat Geld, das ist deutlich zu sehen.

„Papa hat mir verboten zu arbeiten“, erzählt sie locker. Es klingt selbstverständlich und kein Stück arrogant. „Aber ich mache trotzdem mein Ding“, fährt sie fort und zeigt stolz Bilder ihres Jobs. „Ich bin Bodyguard für Schauspielerinnen und andere Prominente.“

„Ernsthaft oder nur aus Spaß?“, hake ich nach, „magst du darüber mehr erzählen?“ „Schon aus Spaß“, sagt Sascha, „aber ich nehme das sehr ernst! Papa hat dafür gesorgt, dass ich Krav Maga trainiere. Ich habe es in Israel gelernt, dort war ich ein Jahr im Kibbuz.“

„Die militärische Form?“, frage ich und Sascha nickt leicht überrascht. „Du kennst das?“, will sie wissen und erfährt nun meinen Hintergrund. Ihr Lächeln wird noch breiter, KampfkünstlerInnen unter sich.

Mir entgeht ihr Seitenblick auf Nina nicht. Die brünette Schönheit ist mehr als einen kurzen Augenblick wert. Soll ich Schicksal spielen? Yuki schüttelt fast unmerklich das hübsche Köpfchen. „Lass es!“, heißt das. Aber will ich das auch?

Sascha erzählt, dass sie Prominente beim Shopping oder zu Veranstaltungen begleitet. „Einige sind lesbisch, andere fühlen sich besser mit einer Frau.“ Ich weiß wovon sie spricht, auch ich hatte vor Jahren kurz das Vergnügen. Spaß gemacht hat es immer.

Nina, die vor Nervosiät kaum noch sitzen kann, stellt eine entscheidende Frage. „Hast du schon Probleme gehabt?“ Sascha schenkt ihr einen Blick, der sich in Ninas Seele bohrt. „Ich würde das nicht Probleme nennen“, erwidert sie verschmitzt, „aber Paparazzi.

Vor etwa einem Jahr war ich mit einer Managerin aus Boston unterwegs, die zum Dinah Shore gekommen ist. Ich habe es selbst kaum für möglich gehalten, aber diese völlig elegante und durchgestylte Frau, bei der jede Wimper so perfekt saß wie das Kostüm, hat sich in eine ausgelassen feiernde Partymieze verwandelt. Die hatte einen Traumkörper sage ich euch!“

„Und du warst mit ihr im Bett?“, gehe ich in die Offensive, was Sascha breit grinsen lässt. „Aber hallo!“, lacht sie, „was glaubst denn du? Normal trenne ich Arbeit und Vergnügen, aber diese Frau war die Wucht!“

Plötzlich beißt sie sich auf die Unterlippe, als sie bemerkt, wie Nina den Blick abwendet. „Ich bin keine Spielerin“, sagt sie leise, „das ergab sich aus dem Augenblick. Und ich habe noch niemals eine Frau betrogen, mit der ich zusammen war.“

„Du wolltest etwas über Paparazzi erzählen?“, bringe ich das Thema wieder auf den Tisch. „Was ist passiert, seid ihr belästigt worden?“ „Ja,“ erwidert Nina. „Eine Frau ist uns vom Dinah Shore ins Hotel gefolgt. Zumindest habe ich mir das so erklärt.

Ich nenne die Managerin „Mandy“, der wahre Name ist egal. Wir waren also im Bett, als plötzlich die Tür aufging und eine Frau Bilder von uns machte. Sie hat ein Zimmermädchen bestochen, habe ich später erfahren. Für die Bilder hätte sie ein Vermögen bekommen. Hätte …“

Sascha schweigt und schaut bezeichnend in die Runde. „Okay ich war fast nackt,“ fährt sie fort, „aber ich bin ihr trotzdem hinterher und habe sie unten in der Lobby gestellt. Ich habe ihr den Arm verdreht und sie wieder nach oben ins Zimmer gebracht. Polizei brauchten wir keine. Ich habe die Bilder gelöscht, ihr in den Hintern getreten und sie nach Hause geschickt. Die Bitch macht das bei mir nie wieder!“

Selbst Nina muss nun lachen und Sascha schenkt ihr einen tiefen Blick. Prompt wird sie rot, Verliebte können so lustig sein! „Hattest du schon mit Gewalt zu tun?“, will ich wissen. „Leider ja“, gibt Sascha zu, „ein Dieb ist auf dem Set in den Wohnwagen einer Schauspielerin eingedrungen.“

Wortlos hebt sie ihr hautenges T-Shirt und zeigt uns eine gut verheilte (Messer)Narbe. „Meine Klientin hat gedreht und ich bin nur kurz zum Wohnwagen und wollte frische Unterwäsche für sie holen, als ich diesen Typ überraschte.

Als er mich sah zog er sofort ein Messer und hat mich attackiert. Ich bin ausgewichen, aber so ein Wohnwagen ist sehr eng und er hat mich doch seitlich erwischt. Dann war er tot.“ „Du hast ihn umgebracht?“, fragt Nina entsetzt und Sascha lacht schon wieder.

„Nee, aber mein Ellbogen hat seine Nase zertrümmert und ihn ins Reich der Träume geschickt. Hatte ich doch schon im Gym erzählt.“ Nina wirkt verlegen und schaut hilfesuchend in die Runde. Schicksal, warum nur immer ich?

„Deine Freundin hatte bestimmt Angst um dich“, sage ich und Yuki verdreht die Augen. „Das war nur eine Fleischwunde und ich bin meist solo“, höre ich. „Beziehungsstress, das ist so eine Sache.“

„Sagtest du nicht, dass du treu bist wenn …?“, werfe ich ein und plötzlich wirkt Sascha verlegen. Habe ich ihren schwachen Punkt entdeckt? Ich kenne die Antwort schon, bevor sie weiter spricht.

„Jaaa …“, dehnt sie das Wort, „aber was soll ich machen? Die stehen doch alle auf mich!“ „Und du greifst zu“, stelle ich fest. „Das erinnert mich an meine wilden Jahre.“ „Und heute bist zu zahm?“, fragt Sascha provokant und versucht ein Augenduell.

Nach knapp zwanzig Sekunden gibt sie auf. Niemand schlägt mich auf diesem Terrain. Nur in Sachen Autos, da ist sie mir „über.“ Noch in der Abbey haben wir das Thema gewechselt und Sascha sich beeindruckt von meinem Z gezeigt.

„Der war zu klein für mich“, sagt sie, „Papa hat mir dann den Ferrari California T geschenkt.“ Nun gibt es wenige Autos, die mich wirklich beeindrucken können, aber der Ferrari gehört definitiv dazu. 560 Pferdestärken beleben einen 4 Liter V8.

Sascha lädt uns spontan zu sich nach Hause ein. Das Haus ist riesig, aber wirkt kalt und leer. Ebenso der Pool, an dem wir im Schatten sitzen. „Ich brauche Abkühlung“, sagt Sascha plötzlich und zieht sich völlig ungeniert aus. Nur im Höschen springt sie kopfüber ins Wasser und Nina fällt fast in Ohnmacht.

„Ich stehe total auf Sascha!“, flüstert sie, „aber sie lässt mich am ausgestreckten Arm verhungern! Was soll ich denn noch machen?“ „Zieh dich aus und spring rein“, sage ich. „Zeig ihr, wie hübsch du bist.“

Als hätte Sascha die Wort gehört, spritzt sie Wasser in unsere Richtung. „Los ausziehen, Mädels“, bestimme ich und springe kopfüber ins Wasser. Eine knappe Minute später gibt es eine Wasserschlacht, bei es nur Gewinnerinnen gibt.

Später holt Sascha Badetücher. Sie hat sichtlich Spaß Gesellschaft zu haben. Auffällig oft sucht sie Ninas Nähe und trocknet ihr sogar den Rücken ab. Ally und Heather grinsen wie Honigkuchenpferde und Elfchen zwinkert mir frech zu. Vermutlich nur, da ich sowieso die Hübscheste bin! Was bitte habt ihr denn nun gedacht?

Später geht es in die Küche und das Chaos ist perfekt. Jede hat eigene Ideen und wir stehen uns selbst im Weg. Sascha will russisch, ich japanisch, Ally mexikanische Pfanne kochen. Was dann folgt, hat sogar mich überrascht.

„Raus hier!“, bestimmen Yuki, Heather und Nina im Chor, „wir kümmern uns ums Essen und ihr könnt weiter über Autos erzählen.“ Rollenverteilung der besonderen Art. Auch wir können gut kochen. Aber wir spielen in diesem Fall gern mit.

Wir sind längst trocken, die T-Shirts mittlerweile auch. Leger gekleidet sitzen wir am Tisch und genießen einen Mix aus drei Nationen, der unbeschreiblich lecker ist. Ein perfekter Tag, den nur NeiderInnen dekadent nennen.

Dass es bei Sascha und Nina gefunkt hat, wird immer offensichtlicher. Wir fahren nach Hause, Nina bleibt. Ihre Augen leuchten, als Sascha sie zur Probefahrt im Ferrari einlädt. Und soweit ich weiß „kurven“ die beiden immer noch. Umeinander. Wie anders soll man die verliebten Blicke erklären, die beide seit Tagen unzertrennlich machen?

Mir hat Sascha den Ferrari geliehen und ist mit Nina in Urlaub geflogen. Ich darf also für eine Weile ein Auto fahren, das in meine Doppel(turbo)sammlung passt. Wobei mir (m)eine Elfe reicht. Zwei wären deutlich zu viel. Die kosten zu viel (Sprit).

 

Wenn Engel reisen

Statt 80 brauchen wir nur knappe 2 Tage, um die (halbe) Welt zu umfliegen. Das ist (m)eine persönliche olympische Disziplin. Die wir natürlich mit der Goldmedaille beschließen. Los Angeles – Hongkong – Fukuoka. Japan ist immer das Ziel. Aber 15 Stunden Flugzeit nach Hongkong werden lang.

Immerhin habe ich gleich mehrere Artikel für den Blog geschrieben. Ob ihr sie lesen dürft? Das werden wir noch sehen. Die Reise hat mehrere Gründe, olympisches Karate ist nur einer davon. Auch ich muss Geld verdienen, auf zum „New Japan Deal.“

In Hongkong waren wir auch des lieben Geldes wegen. Asien hat davon viel zu bieten, das ist nun mal so. Ich bin gespannt und habe einige (wenige) Bilder gemacht. Die Einreise ist als Japanerin problemlos möglich. Offiziell sind wir Touristinnen. Der Beamte lächelt und alles ist gut.

Hongkong ist ein Meer aus Farben und schwüler Hitze, mit viel zu vielen Menschen, die alle „komisch reden.“ Meine paar Worte Mandarin helfen kaum weiter, hier ist Kantonesisch angesagt. Wer sich nun fragt wie Chinesen sich verständigen, den verweise ich auf die Schriftzeichen. Genau so. Die haben in ganz China die gleiche Bedeutung.

„JapanerInnen können doch auch Kanji lesen“, werden sich nun einige LeserInnen denken. Klar können wir, wenn es die japanischen sind. Dass es zum Teil erhebliche Unterschiede gibt, habe ich bereits mehrfach erklärt. Aber ich bin ehrlich, wir kamen gut klar. Nur bei langen Texten wären wir überfordert.

In Hongkong spricht man ein sehr gutes Englisch, die Verständigung ist also kein Problem. Natürlich habe ich alle Kung Fu Meister der Stadt herausgefordert und locker besiegt. Ihr wisst doch nur zu gut, dass ich unschlagbar … lustig bin. Um in Form zu bleiben, habe ich die arme Yuki (mit einem Lächeln) umgehauen. Oder sie mich?

Auf den Besuch eines Dojos mussten wir leider verzichten. Der Zeitplan war eng, schon am Dienstag ging es weiter. Aber vorher war ein Treffen mit mehreren Geschäftsleuten angesagt, die alle Meister des Buisiness sind.

Wobei man das durchaus als Kampf der Nationen bezeichnen kann. Chinesen sind schon zähe Verhandlungspartner und können mindestens so gut lächeln wie wir. Der Erfolg gab uns allen recht. Mehr muss niemand wissen.

Von Hong Kong nach Fukuoka sind es noch einmal knapp dreieinhalb Stunden Flugzeit. Heimat Japan, ich grüße dich! Aber die Reise hat Spuren hinterlassen, unsere Energie schwindet schnell. Eine Gruppe Europäer fällt mir auf. Ich höre spanische und französische Worte.

Cousin Ken holt uns vom Flughafen ab und freut sich uns zu sehen. Er hat tausend Neuigkeiten zu erzählen. Das Highlight kommt mit „Ich besuche euch in den USA!“

„Und wer sagt dir, dass wir dort noch länger leben?“, will ich von ihm wissen. „Eigentlich hatten wir einen Umzug nach Japan geplant.“ Warum Yuki und Ken dann im Chor „Du bist so doof!“, zu mir sagen hätte ich wirklich gern gewusst.

Die Zeitumstellung besiegen wir mit Grünem Tee. Gefühlt trinken wir den nun literweise. Mein Vater hat sein Elternhaus als neue Residenz gewählt. Bisher stand es meist leer. Einige Jahre haben Verwandte dort gewohnt. Aber er hat sich den Luxus gegönnt es zu behalten und ein Hausmeister Service hat sich monatlich darum gekümmert.

Meine Mutter schließt uns in die Arme. Ihre Augenwinkel zucken verräterisch. Nur ich bin natürlich vollkommen cool. „Das Biest“ hat noch niemand zum weinen gebracht. Aber warum klopft mein Herz nun schneller? Das muss am Tee liegen, ist doch klar.

Mein Vater ist in Sachen Karate unterwegs. Also besichtigen wir das Haus. Es ist groß genug für uns alle und Ken will aus Spaß gleich mit einziehen. „Als Dummy für meine Kicks?“, will ich wissen und er schnauft empört. „Ich bin viel besser geworden!“, behauptet er. „Ja klar“, erwidere ich trocken, „vor allem im Fußboden küssen.“ Sogar meine Mutter hat darüber gelacht.

Leider können wir nur einige Tage in Japan bleiben. Immerhin Zeit genug, um mir ein Bild von der Arbeit meines Vaters zu machen. Er bleibt skeptisch und das bin ich auch. Aber es ist eine Ehre für Japan tätig zu sein.

Für einen Abend, habe ich die Assistentin gegeben und durfte Teenager trainieren. Der Unterschied zu Deutschland ist gewaltig. In japanischen Dojos herrscht eiserne Disziplin. Das muss auch ich mir für diesen Tag auf die Fahne schreiben und nur Yuki hat darüber zu Hause gelacht.

Auf vielfachen Wunsch einer einzelnen Leserin, habe ich einige (schlechte) Bilder in den Beitrag eingefügt. Ich habe nun wirklich einige Talente, Bilder mit einem Smartphone zu machen gehört nicht dazu. Dabei gäbe es eine Menge über meine Heimatstadt zu berichten. Dort leben schließlich nette Menschen, aber das habt ihr bestimmt gewusst.

In der Reihenfolge zeigen sie den Flughafen und die Innenstadt von Hongkong. Die Bilder von Fukuoka sind selbsterklärend. Wobei es eine Menge über meine Heimatstadt zu erzählen gäbe. Aber vielleicht mache ich das ein andermal.

Wie es weitergehen wird? Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich gezögert und noch keine Entscheidung getroffen. Deutschland, die USA oder Japan, haben alle ihre speziellen Reize. Leben kann ich überall. Aber nur mit meiner Elfe, was habt ihr denn nun gedacht.

Nach Deutschland müssen wir auf jeden Fall im Sommer, wir haben uns um einige Dinge zu kümmern. Und auch nach Los Angeles führt unser Weg zurück. Dort haben wir noch eine Menge persönlicher Sachen. Ohnehin sind wir nur mit leichtem Gepäck unterwegs. Kleidung und Unterwäsche lagern immer bei meiner Tante.

Eigentlich wäre am Wochenende schon der Rückflug in die USA gewesen, aber ich kann und will zur Zeit nicht aus Japan weg. Das hat auch mit Müdigkeit zu tun. Fliegt ihr mal einen solchen Marathon. Immerhin leiht Ken uns seinen Wagen. Bekanntlich hat er zwei davon und ist gern mit dem alten Turbo unterwegs.

Ich werde (vermutlich) für eine weitere Woche in Japan bleiben, aber in dieser Zeit keinen weiteren Beitrag schreiben. Das ist auch dem Fakt geschuldet, dass wir kaum zu Hause sind und ich eine kleine Auszeit brauche. Wir lesen uns dann Mitte Juni wieder. Bleibt gesund und auf Wiedersehen.

 

Lichter der Großstadt – Teil 9: Sehnsucht

Der penetrante Summton des Handys beendet die Nacht. Während sich Yuki demonstrativ die Decke über das hübsche Köpfchen zieht, schaue ich wer der Anrufer ist. Meine Mutter, das muss wichtig sein!

Die Neuigkeiten sind wenig überraschend. Meine Eltern werden Deutschland auf unbestimmte Zeit verlassen. Der Grund heißt olympisches Karate, mein Vater hat auf Probe als Trainer zugesagt. Wer mehr darüber wissen möchte, der klickt bitte HIER. 

Meine Mutter hat Bedenken. 30 Jahre Deutschland wiegen schwer. Können meine Eltern wieder in Japan heimisch werden? Für Yuki und mich bedeutet das ein Haus (auf Zeit) zu haben, wenn wir wieder in Deutschland sind.

Elfchen wirkt nachdenklich, als ich ihr davon erzähle. Wollen wir wirklich wieder zurück? Mein Vater hätte mich gern an seiner Seite gewusst, um die Jugendlichen zu unterrichten. Das hatte ich bisher, bei aller Liebe für ihn, Japan und Karate, abgelehnt. Aber seit einiger Zeit, ist die Sehnsucht nach Japan in mir erwacht.

Wir frühstücken, der CD-Spieler verbreitet japanische Klänge. „An was denkst du?“, fragt Yuki und stupst mich an. Dann lacht sie, als ich ihre Zehen kitzele. „Ich habe einen Blick ins Morgen gewagt“, antworte ich wahrheitsgemäß. „Was machen wir, wo werden wir sein?“

„Wo willst du sein?“, hakt Yuki nach und übernimmt spontan die Führungsrolle. Wir tauschen gern die Charaktere. Aus Spaß haben wir das schon mit den Namen gemacht. Wer uns nur flüchtig kennt, wird uns sowieso für Schwestern halten.

Für Yuki ist es schwieriger zu dominieren, während ich problemlos die scheue Japanerin spielen kann. Zumindest so lange bis ich vor Lachen platze. Aber heute will ich Mäuschen sein.

Wir albern herum und mixen die Sprachen. Aber wie redet man bei uns? Immer so, wie wir denken. In Deutschland überwiegend deutsch und in Japan japanisch, mit eingeschobenen deutschen Worten. Nur auf Englisch verzichten wir.

„Die Frage sollte lauten, wo wir sein wollen“, greife ich das Thema wieder auf. „Was hältst du davon für immer in den USA zu bleiben?“ Yuki versucht die Stirn in Falten zu legen, was natürlich kläglich scheitert. Elfen haben eine glatte Haut.

Los Angeles, die große LGBT-Community, hat Vorteile zu bieten. Zwar zittert die Erde, aber wir sind vor Homophobie und Terror sicher. Dafür gibt es hier mehr Gewalt, die durchaus erschreckend ist.

Weniger für mich, ich kann mich wehren. Aber werden (adoptierte) Kinder hier sicher sein? Warum die USA, werden sich nun einige fragen, ist Deutschland nicht der bessere Platz?

Diese Frage hätte ich noch vor einigen Jahren mit einem dicken JA beantwortet. Zur Zeit ist Deutschland kein sicherer Ort. Multikulti ist ebenso gescheitert, wie Frau Merkels Flüchtlingspolitik. Ich habe keine Lust mehr auf ständige Kämpfe, die ich mit wem auch immer führen soll.

Kinder sollten in einem Umfeld aufwachsen, das nicht von Hass und Gewalt zerfressen ist. Lieber lebe ich im noch immer weitgehend homophoben Japan, als „Angst“ vor offenen Grenzen, Terror und schleichender Islamisierung zu haben.

Es war Yukis Idee längere Zeit in Los Angeles zu verbringen. Sie hat den Virus der Sonne geleckt. Und mir geht es kaum anders, das Leben hat viele Vorteile hier. Aber in Japan könnte ich (Jugendliche) unterrichten.

Elfchen schaut mich an und ist plötzlich ganz still. Wir brauchen keine Worte, um die andere zu verstehen. „Ich gehe packen“, sagt sie leise. Und in Gedanken flüstert die Inari mir „Gute Reise“ zu.

 

 

Takeda no Komoriuta – 竹田の子守唄

Es gibt Melodien, die mein Herz berühren. Das Lied „Takeda no Komoriuta“ gehört dazu. Vor allem, wenn es (m)eine Elfe singt. Und das hat sie gemacht. Für mich, für uns, für alle Frauen dieser Welt.

Ja, es ist ein trauriges Lied. Der Legende nach stammt der Text von einem kleinen Mädchen, das aus einer armen Familie stammte und hart für deren Unterhalt arbeiten musste.

Es heißt, dass sie stets ein Baby auf dem Rücken getragen habe, während sie die Hausarbeit für reiche Leute verrichten musste. Krank vor Trauer und Einsamkeit soll sie „Takeda no Komoriuta“ gesungen haben. Das ist 500 Jahre her.

Durch Zeit und Raum hat das Lied seinen Weg ins moderne Japan gefunden und gilt dort als eines der schönsten Volkslieder überhaupt. Der Film „Seven Nights in Japan“, hat das Lied auch im Westen berühmt gemacht. In Japan ist und bleibt es ein Hit.

Verschiedene KünstlerInnen haben das Lied schon gesungen. Ich habe die folgende Version ausgesucht. So klingt Japan. Viel Spaß beim hören.

Die Qual der Wahl

Deutschland hat gewählt. Ganz Deutschland? Nein! Nur ein Bundesland, das lange meine Heimat war. Hier bin ich bunt und Multikulti aufgewachsen, hier hat das Konzept einst funktioniert. Aber PolitikerInnen, die sich im Glanz des Mammons sonnen, haben die Idee davon verkauft.

Sieger und die VerliererInnen hecheln ihre Phrasen in die Mikrofone und Frau Kraft tritt beleidigt zurück. Sind wir ehrlich, welcher Firmenchef, der schlechte Zahlen einfährt, wird nun so einfach das Handtuch werfen? In der Politik ist das Brauch. Vielleicht machen die Unternehmensberaterin Kraft und die Lehrerin Löhrmann nun eine Wohngemeinschaft für Gescheiterte auf. Aber bitte ehrlich bleiben, meine Damen!

Kommen wir zu den Siegern der Wahl, zu denen neben FDP und AfD, auch die LINKEN gehören. Christian Lindners One-Man-Show, die übernommenen Inhalte der AfD, der Nimbus der „Etablierten“, all das hat Früchte in NRW getragen. Nun will der Mann noch Vizekanzler werden. Man darf gespannt sein, wohin er sein gelbes Fähnchen dreht.

Die LINKEN tun mir fast schon leid. Zwar haben sie sich deutlich verbessert, für den Landtag hat es wieder nicht gereicht. Vielleicht sollte man sich gemeinsam mit der SPD auf Gemeinsamkeiten besinnen. Eine nach links rückende SPD, die gegen NATO und Kriegseinsätze ist, die sich gegen den Neoliberalismus und Sozialabbau stellt, diese Partei könnte in der Wählergunst steigen. Aber dann ohne Engel Gabriel oder heiligen Martin und mit Frau Wagenknecht als Chefin.

Auch die Antifa hat nicht verhindert, dass die AfD im nächsten Landtag sitzt. Aber die „Pfui!“ Rufer und Antidemokraten, werden mangels sprudelnder Geldquellen bald verstummen. Oder glaubt wirklich jemand, dass diese Chaoten den Protest aus freien Stücken initiieren?

Ich hatte das Ergebnis in ähnlicher Höhe erwartet. Wobei ich finde, dass GRÜNE und SPD noch zu milde abgestraft worden sind. Abgestraft für eine desaströse Schul- und Bildungspolitik und den Verlust der Inneren Sicherheit. Hätte sich Frau Kraft von Innenminister Jäger distanziert und ihn nach Köln I gefeuert, die Wahl wäre vielleicht anders ausgegangen.

Das Scheitern der SPD geführten Politik hat auch bundespolitische Gründe. Und die liegen noch immer bei der CDU, die liegen noch immer bei Angela Merkel. Sie, die „Getriebene“, hat durch ihre Grenzöffnung und die Flüchtlingskrise, das ganze Ausmaß des Politikversagens möglich gemacht.

Auch Krafts Leugnung von „No-Go-Areas“, der falsche Kanzlerkandidat der SPD, haben mit zum schlechten Ergebnis beigetragen. Wer das noch immer verneint ist blind. Aber welcher Politdarsteller hat schon jemals die ganze Wahrheit gesagt.

Wie geht es nun weiter in NRW? Wird die CDU nun mit eisernem Besen die Kriminellen im Land auskehren? Kann sie das ohne massiven Protest der Linken und Grünen Fraktion? Oder wird auch die nächsten vier Jahre wieder nichts passieren und das Land langsam aber sicher vor die Hunde gehen.

„Nach der Wahl ist vor der Wahl“, heißt es. Nun konzentriert sich alles auf die Bundespolitik. Ob wir dort Frau Kraft oder Frau Löhrmann wiedersehen oder sogar Herrn Jäger als Retter der Nation, werden die nächsten Wochen zeigen. Ich finde, dass diese Truppe niemand braucht. Aber NRW braucht eine andere, eine bessere Politik.

Ob die von der (Landes)CDU kommen kann, wird Armin Laschet nun zeigen müssen. Aber sollte FDP-Chef Lindner eine „Ampel“ anstreben, wird das sein Ende für den Einzug in den Bundestag sein. Die WählerInnen sind klar gegen eine weitere SPD-Regierung.

Vielleicht trägt der CDU-Erfolg auch die Handschrift eines Mannes, den man als einen der wenigen ehrlichen Menschen in der CDU ansehen kann. Die Rede ist von Wolfgang Bosbach, dessen letzten Auftritt wir in diesem Jahr sehen. Ausgerechnet er, der Merkel-Kritiker, hat der CDU in NRW mit zum Sieg verholfen.

Deutschland hat gewählt. Ganz Deutschland? Nein! Nur ein Bundesland, das lange meine Heimat war. Hier bin ich bunt und Multikulti aufgewachsen, hier hat das Konzept einst funktioniert. Ich bin gespannt auf die nächsten vier Jahre, die ich vermutlich nicht mehr in Deutschland erleben werde. Meine Wahl steht ohnehin schon lange fest. Sie heißt Yuki und ist die beste Frau der Welt. Meine! Was habt ihr denn nun gedacht?

 

Lichter der Großstadt – Teil 8: Life in the USA

Schon mehrfach hat man (Frau) mir die Frage gestellt, wie es sich in den USA so lebe, ob sich „die Amis“ wirklich nur für Sport und Lokalklatsch interessieren. Außerdem gab es die Frage, was ich denn bitteschön so den ganzen Tag über mache.

Natürlich kann und will ich diese Fragen gern beantworten und habe aktuell (10. Mai 2017) in die Zeitung geschaut. Die Los Angeles Times hat die Schlagzeile „Trump urged Comey to go after Clinton — and then fired him for it.“ Gemeint ist damit die Entlassung des FBI-Direktors James B. Comey, die völlig überraschend kam.

„Why we took a stand on Trump“, lautet die nächste Schlagzeile, die unter der Rubrik „Editorial Series“ zu finden ist. Erst 14 mehr oder weniger lokale Meldungen später, eine lautet immerhin „Turkey: U.S. decision to provide arms to Syrian Kurds is ‚unacceptable‚“, und steht unter der Überschrift „World“, gibt es eine Eishockey News.

Scrollt Frau weiter nach unten, stehen dort Entertainment und Klatsch, sowie weitere „Local California“ Meldungen. Wer gut aufgepasst hat und den deutschen Medienwald kennt, wird sofort Unterschiede entdecken, die ich mit der FAZ abbilden will.

10. Mai 2017, Meldung 1: „Entlassung des FBI-Chefs Warum Trumps Manöver an Watergate erinnert.“ Daneben Meldung 2: „Entlassung von FBI-Chef Comey Kam er Trump zu nahe?“ Nun frage ich mich (nicht!) ernsthaft, warum eine deutsche Zeitung als Schlagzeile über die USA berichtet, wenn es genug Probleme im eigenen Land gibt.

Immerhin ist der FAZ das Geständnis des „Bochumer Vergewaltigers“ einen kleinen Artikel wert. Der FOCUS hatte darüber schon längst als „Eilmeldung“ berichtet. Deutsche Politik sucht man bei der FAZ vergebens, sieht man von Videos mit Ursula von der Leyen und Patrick Lindner ab.

Während sich also die Los Angeles Times auffällig mit Innenpolitik beschäftigt, die Welt quasi ausblendet, stellt sich mir die Frage, ob die FAZ deshalb nichts schreibt, da es keine Meldungen aus Deutschland gibt, oder ob deutsche JournalistInnen wirklich nur, wie ich schon berichtet habe, am Tropf der großen Nachrichtenagenturen hängen und Meldungen über Herrn Trump wichtiger sind, als deutsche Innenpolitik.

Was mich zu meinem Innenleben bringt, das natürlich aus geldprotziger Dekadenz und Dauerparty besteht. Wirklich? Aktuell schaffe ich den Balanceakt, deutsch-japanische Firmeninteressen aus Los Angeles zu betreuen, mich um die Geschäfte meines Vaters zu kümmern, eine mögliche Kooperation mit einer kleinen Tuning Werkstatt im Großraum Los Angeles anzuleiern und Karate zu trainieren.

Lustig ist anders, die Zeitverschiebung kann ziemlich nervig sein. Der Verkehr in Los Angeles ebenfalls und auch die Gespräche mit dem Inhaber der Werkstatt, auf dessen Diskretion ich bauen muss. Offiziell darf ich in den USA nicht arbeiten. Daher werden wir uns die Greencard besorgen. Hilfe wird es dabei von Onkel Jiro geben. Und vermutlich (bestimmt), werden wir sie noch im Sommer bekommen. Dann aber in Deutschland, bevor es nach Japan geht.

Hilfreich zur Genehmigung der Greencard wird sein, dass die Stuttgarter Tuningschmiede quasi nach Kalifornien expandiert. Wolf wird in den nächsten Tagen hier erwartet. Wenn alles klappt, wovon ich ausgehen kann, habe ich bald wieder einen offiziellen (Neben)Job und darf getunte Autos testen. Ich hätte da schon die eine oder andere Idee.

Privat, das möchte ich noch kurz erwähnen, ist alles in Ordnung bei uns. Yuki war die eigentliche Auslöserin unseres Greencard Experiments. Ihr gefällt es gut in Los Angeles, auch wenn das Leben etwas teurer ist.

Nun habe ich natürlich meinen eigenen Kopf, der aber zunehmend weltbürgerlicher wird. Eigentlich, da bin ich ehrlich, war ich das immer schon und habe mich nie exklusiv als „nur“ Deutsche oder „nur“ Japanerin gesehen. Und doch liebe ich beide Länder.

Hinzu kommt die Offenheit der Menschen in Los Angeles, die zwar oft nur gespielt und oberflächlich ist, aber auch positive Seiten hat. Wo sonst trifft man mal eben so nebenbei Filmstars und Sternchen, die auch noch einige Worte im Golds Gym mit dir wechseln.

Ja, wir haben den legendären Fitness Tempel besucht und versuchen uns in etwas mehr Gewichtstraining. Aber Arnold (Schwarzenegger) haben wir noch nicht gesehen. Wenn der trainiert schlafen wir vermutlich noch. (Super)Ellen wäre mir ohnehin lieber.

Deutschland geht zum Teufel

Unsanft werde ich von einem Glockenschlag geweckt. Es ist weit nach Mitternacht, aber mein Hellphone zeigt 6 Uhr 66. Kein gutes Zeichen sondern Alarmstufe Rot. „Der nun wieder!“, murmele ich, als Teufelchens Konterfei auf dem Display  erscheint. „Frau Landar, du musst mir helfen“, ruft er aufgeregt, „ich habe total den Ärger am Hals!“

Wer nun nicht weiß, was ein Hellphone ist, den kläre ich an dieser Stelle auf. Teufelchen ist Unternehmer geworden und hat die Firma VER-Äppel gegründet, die Hellphones herstellt. Bis auf die Uhrzeit App sind die Teile recht gut. Und zur Hölle fahren kann man damit auch.

„Also was ist los?“, will ich wissen, „was hast du wieder angestellt?“ „Wie jetzt?“, empört sich Teufelchen, „ich war voll lieb, aber bei dem Kim aus Mordkorea sieht das ganz anders aus.“ „Mordkorea?“, versichere ich mich, „habe ich richtig gehört?“ „Ja“, erwidert Teufelchen, „das Land heißt in der Hölle so.“

„Und was genau hat der Kim nun gemacht?“, frage ich nach und sehe drohendes Unheil kommen. „Also der Kim, der eigentlich mein Freund ist, der hat mir meine Spielfiguren weggenommen! Dabei hat mir der Don, der auch mein Freund ist, ein Mitspielrecht gegeben.“

„Wir sprechen von Kim Jong-un und Donald Trump?“, hake ich nach. „Bist du von allen guten Geistern verlassen?“ Teufelchen lacht laut und nickt. „Das hast du wirklich gut erkannt, Frau Landar. Immerhin habe ich einen gewissen Ruf zu verlieren. Aber ich fange mal von vorn an, ja?

Der olle Obama, der nie mein Freund war, hat mich nie mitspielen lassen! Der saß da nämlich immer allein im Pentagon und hat mit den Drohnen alles und jeden abgeschossen! Also habe ich Vlad kontaktiert und der hat mir dabei geholfen, den Don an die Macht zu bringen.“

„Vladimir Putin hat Donald Trump zum Präsidenten gemacht? Das kann ich mir nicht vorstellen!“, sage ich. „Das war schon ich“, gibt Teufelchen freimütig zu, „aber der Vlad hat mir gezeigt wie man das geschickt anstellt. Wenn ich das klassisch arrangiere, hätte ich dazu Pest und Cholera gewählt. Und die braucht doch heute keiner mehr.“

„Okay“, sage ich, „Don hat dir also erlaubt mit den Drohnen zu spielen, habe ich das richtig verstanden?“ Teufelchen strahlt. „Ja,“ erwidert er, „das hat auch echt Spaß gemacht. Der Kim und ich haben eine Weile World of Mordcraft gezockt. Auf der gleichen Seite versteht sich! Und jetzt rate, wer unsere Gegner waren.“

„Keine Ahnung“, sage ich wahrheitsgemäß, „die Amerikaner wohl kaum.“ „Nee, das stimmt“, sagt Teufelchen, „aber die irren Perser und den Sultan vom Bosporus habe ich da gesehen. Nur die Flinten-Uschi hat geschummelt und uns so einen altersschwachen Tornado geschickt.“

Ich brauche eine Weile, um Teufelchens Worte in die richtigen Bahnen zu lenken. Plötzlich kommt mir ein Verdacht. „Sag, hast du etwa mit den Irranern Geschäfte gemacht?“ „Das ist mein Mädchen!“, ruft Teufelchen entzückt und klatscht freudig in die Hände, „endlich habe ich dich auf meinen Diskurs gebracht.

Ja, den Irranern habe ich die Tage Kims Arschbomben verkauft, als der mir die Drohnen mopste! Ich habe einfach behauptet, dass die den neuen sozialen Fake-Sprengstoff, das „Kahanit“ enthalten und die haben das sofort geschluckt. Aber ein bisschen enttäuscht war ich dann doch, als die immer was von einem Laller riefen und auch noch Mama angezweifelt haben.

Weil die Lallers, die weiß ich in in Baden-Württemberg zu Hause. Bei denen war ich schon öfter mal zu Gast. Wonnetrunken versteht sich, was hast du nun wieder gedacht? Überhaupt bin ich gern in Deutschland unterwegs. Dort hat man mein Alter Ego „Teufel“ erfunden. Und den Erwin kenne ich ziemlich gut.“

„Oh Mann!“, entfährt es mir, um mich sofort selbst mit den Worten „Teufel auch!“, zu korrigieren. „Gibt es einen Ort auf der Welt ohne dich?“ „Ja“, erwidert er und grinst. „Ich war noch nie so wirklich in Sachsen. Weil, also na ja, die reden da glaube ich klingonisch!“

„Du willst doch nicht über die Sachsen sprechen?“, frage ich, „die sind eigentlich ganz nett. Wo liegt nun der Hase begraben, sprich!“ „Begraben weniger“, erwidert Teufelchen. „Und eigentlich ist sie ein süßes Häschen und liegt bei mir im Höllenbett. Und jetzt ist der Kim total eifersüchtig und will mir die Rübe abhacken.“

„Höllensumpf und Hexenkessel“, fluche ich ganz unjapanisch, „du willst mir weismachen, dass du Angst vor jemand hättest?“ Teufelchen schaut mich ernst an. „Ja, habe ich“, gibt er freimütig zu. „Vor dir! Deshalb rufe ich doch an, Frau Landar. Der Kim, also der hat gesagt, dass er dich angeworben hätte und du mir als Racheengel erscheinst. Ist da was dran?“

Ich erinnere mich an einen dubiosen Anruf mit unterdrückter Nummer. „Den habe ich weggedrückt“, sage ich und Teufelchen seufzt erleichtert. „Aber wenn nicht dich, wen dann? Vielleicht sollten wir Mama fragen“, denkt er laut nach. „Du kommst doch mit?“

Bevor ich etwas sagen kann finde ich mich bereits im Himmel wieder. Was angesichts meiner kurzen Pyjamahose vermutlich komisch auf die Anwesenden wirkt. „Scharfes Teil“, lästert Teufelchen und lässt dabei offen was oder wen er damit meint.

Aber er begibt sich auffällig schnell aus meiner Reichweite und strahlt seine Mama an. „Sorry für den Auftritt“, murmelt er, „hast du vielleicht mal eine Lichtminute?“ Eva, die über irgendwelchen alten Pergamenten sitzt, winkt mir freundlich zu, bevor sie sich wieder ihrem Erstgeborenen widmet, der ihr sofort sein Herz ausschüttet.

„Nein, Kim hat nicht Mayumi angeheuert“, spricht sie mich mit meinem richtigen Namen an, „im Gegenteil hat er eine andere Deutsche als Killerin ausgewählt. Die Geschichte wird sie später als Grenzfall kennen.“

„Angela?“, fragen Teufelchen und ich im Chor. „Kim will die Bundesmutti auf mich hetzen?“, will er wissen. Eva nickt und verrät uns noch, dass Frau Merkel sich nach göttlichem Beistand sehne. „Sie hat schon mehrfach um Rat nachgefragt. Aber so leid es mir auch tut, für diese Frau ist der Himmel leer.“

Teufelchens Grinsen friert ein. Er schluckt schwer. „Und was mache ich wenn die Deutschland zum Teufel schickt? Da muss es doch bitte eine Lösung geben! Die Hölle ist jetzt schon viel zu voll.“

„Vielleicht wäre ein Besuch des Don ein Signal für diese Frau“, sinniere ich und zwinkere Teufelchen zu. „Der könnte ihr einige Takte sagen. So ein kleiner Verwandlungszauber ist doch easy. Und im manipulieren bist du der ungeschlagene Meister.“

„Das habe ich nicht gehört“, lässt uns Eva wissen. „Aber einen Versuch ist es auf alle Fälle wert. Wehe, wenn du Unsinn machst. Und jetzt müsst ihr mich entschuldigen, ich habe ein Universum zu regieren.“

Zurück im heimischen Schlafzimmer schaut Elfchen konsterniert, als sie Teufelchen unvermittelt auf unserem Bett sitzen sieht. Aber sie kennt ihn schon und weiß, dass er harmlos ist.

„Ich muss euch was gestehen“, sagt Teufelchen unvermittelt. „Den Don, also Mr. President, den gibt es eigentlich nicht. Ich habe ihn schon vor Jahren durch einen Unterteufel ausgetauscht. Der echte sitzt in einer Zeitschleife fest und träumt von seinen Milliarden.“

„Und du hast die Kontrolle verloren?“, kommt mir ein Gedanke. „Ist doch so, oder?“ Teufelchens Gesicht sagt mehr, als alle Worte. „Ja, der Don macht jetzt was er will. „Aber du kannst den doch einfach wieder austauschen“, sage ich und ernte ein Kopfschütteln.

„Nee“, gesteht mir Teufelchen, „da hat der Vlad etwas dagegen. Weil der echte Don ja in Sibirien sitzt und Vlad mag ihn mir nicht mehr geben. Und was soll ich gegen Leute machen, die meine Existenz verleugnen? Ich habe doch nur Macht über jene, die an mich glauben.“

Ich tausche einen Blick mit Yuki und Elfchen nickt. „Lass uns das machen“, sage ich. „Die Superheroinen retten auch dich.“ „Wie soll das gehen?“, will Teufelchen sofort wissen. „Darf ich bitte mit?“ Er durfte. Zuschauen, was auch sonst?

Als ich einige Tage später einen Blick in den Höllenboten werfe, die Zeitung mit Feuer im Blatt, muss ich unwillkürlich lächeln. „Wintereinbruch in Sibirien“, lese ich und schaue auf das bezeichnende Titelbild.

„Der Redaktion bekannte Täter, haben einen antiken Gegenstand erfolgreich aus einem sibirischen Mausoleum entwendet und seiner wahren Bestimmung zugeführt. Wir beglückwünschen sie ausdrücklich zu diesem Coup und hoffen, auch beim nächsten Abenteuer wieder höllische Zeugen zu sein.“

Während meine Yuki-onna ihr eiskaltes Händchen auf meinen Unterarm legt und Cousin Fuyu Shogun sich lässig aufs Sofa lümmelt, sehe ich im Geist schon die nächste Schlagzeile des Höllenboten vor mir.

„Deutschland gerettet! Bundeskanzler Lu Zifers Partei, LfD = Licht für Deutschland, erzielte einen Erdrutschsieg mit 66 Prozent und wird für die nächsten Jahre mit Sicherheit regieren.“ Muss ich erwähnen, dass ich selten so laut lachte?

Die Trennung

Doppelpass und (Steil)Vorlage sind Begriffe, die man – Frau auch -, aus dem Fußball kennt. Und dann gäbe es noch die doppelte Staatsbürgerschaft, von der sich eine ganze Gruppe in Europa trennen sollte. Trennungen sind zur Zeit wieder Mode, ich stehe auch kurz davor.

Im Fußball trennt man sich von Spielern und kauft für viel Geld Neuzugänge ein. Bei zwischenmenschlichen Beziehungen sieht das anders aus. (Nicht ganz) Aktuell, habe ich die Trennung einiger lesbischer YoutuberInnen erlebt, die, nach mehreren Jahren zur Schau gestellter Zweisamkeit, nun ihre eigenen Wege gehen.

Die Gründe sind stets die gleichen, Frau hat sich auseinander gelebt. Verschiedene Ziele im Leben sind der nächste Scheidungsgrund. Oder doch die Stinkesocken? Zum Teil hängt die ganze Existenz dieser Frauen voneinander ab. Mit youtube lässt sich (viel) Geld verdienen.

Daher war ich stets skeptisch, wenn ich die Neuigkeiten in den Kanälen sah. Dort wird bewusst Werbung und gute Laune gemacht. Ich mag die Mädels und habe eine davon in Los Angeles getroffen. Privat ist sie eher unsicher und introvertiert, auf youtube sieht das anders aus.

Eine Show, eine politische Inszenierung, läuft momentan in England und „Sultan Erdogans“ Türkei. Während Frau May Zuspruch für den Brexit sucht und auch bekommen wird, hat Erdogan sein Ergebnis vermutlich manipuliert. Das geht auch mit (halb) legalen Mitteln. Gleich von Wahlbetrug zu schreien macht wenig Sinn.

Sinnfrei ist aber die doppelte Staatsbürgerschaft von Türken in Österreich und Deutschland. In beiden Ländern haben sich Mehrheiten für den Despoten entschieden und damit gegen die Demokratie, die ihnen bisher Schutz und Heimat bot.

Wobei man das Ergebnis richtig verstehen muss. Keine Mehrheit der in Österreich und Deutschland lebenden Türken hat für Erdogan gestimmt, das wird gern in Statistiken falsch dargestellt. In Deutschland war das lediglich die Mehrheit –  63 Prozent – der zur Wahl gegangenen knapp 50 Prozent Wahlberechtigten.

Und doch muss ich den NichtwählerInnen einen klaren Vorwurf machen. Sie tragen eine Mitschuld an dem Ergebnis. Obwohl auch ich (noch) einen Doppelpass habe bin ich klar dafür, alle InhaberInnen vor die Wahl zu stellen. Deutschland oder … Zwei Ländern zu dienen macht keinen Sinn.

In der postfaktischen und politisch korrekten Realität des 21. Jahrhunderts, wird darüber noch zu sprechen sein. ExpertInnen aller Couleur werden sich in diversen Diskussionen streiten und doch zu (k)einem Ergebnis kommen. Frau Merkel wird es dann vermutlich richten. So, wie sie das immer macht.

Und auch die Presse macht da weiter, wo sie stets gewesen ist. Am Beispiel des Attentats in Dortmund, wird das mehr als deutlich gemacht. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit, die Lämmer haben lieber Fußball geschaut, hat sich die Presse erneut blamiert. In einem Terroranschlag auf die Intelligenz, haben die Medien von einem Anschlag auf den BVB-Bus berichtet.

Hat jemand den Fehler bemerkt? Einzig die WELT beschreibt den Anschlag (einen Tag später!) korrekt, der Menschen und NICHT dem Bus von Borussia Dortmund galt! Damit hat der politisch-mediale Komplex einmal mehr den Terror unsichtbar gemacht.

Der deutsche Soziologe und Nationalökonom, Max Weber (eigentlich Maximilian Carl Emil Weber), zählt politische Journalisten zur Klasse der Politiker, die mit der Feder politisch einwirken wollen. Braucht es noch weitere Beweise?

Beweise, dass NRW ein Ort für Kriminelle ist, will nun auch der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach liefern. Damit hat der Mann recht. SPD und GRÜNE haben das Bundesland, das lange meine Heimat war, zu einem Schmelztiegel des Verbrechens gemacht.

Verbrechen werden auch weiter von den Kämpfern des sogenannten Islamischen Staats gemeldet. In Deutschland beobachtet man diese Extremisten nur. Ich stelle mir dann stets Männer mit dunklen Hüten vor, die Tag und Nacht solche Bösewichte überwachen. Wobei das Wort „Kämpfer“ eine semantische Überhöhung für „feige Mörder“ ist.

Legale Morde – Stichwort Staatsterrorismus -, werden bekanntlich nur von Politikern begangen. Und nun schauen wir auf den amerikanischen Präsidenten, der plötzlich seine Liebe zur NATO entdeckt. Und auf den NATO-Generalsekretär, der sich über die endlich wieder gestiegenen „Verteidigungsausgaben“ freut. Stellt dazu jemand die richtigen Fragen oder muss ich das wieder machen?

Keine weitere Frage gibt es mehr zu meinem Leben, die Antwort darauf ist sonnenklar. Ich werde zwar noch einmal kurz nach Deutschland reisen, aber die USA zur (vorerst) neuen Heimat machen. Natürlich mit Elfe, was habt ihr denn nun gedacht?