Liebe braucht keine Ferien

Die Reise nach Japan steht vor der Tür, die Vorbereitungen sind getroffen. Zeit für mich Einkehr zu halten und tief durchzuatmen. Die letzten Monate waren turbulent. Viel mehr, als mein Blog gezeigt haben mag. Zwischen Haushalt, Uni und BWL, gab es noch Sport und die Hilfe für Freunde. Und allein hätte ich all das nicht geschafft.

Yuki und ich sind ein eingespieltes Team. Und auch, wenn es dieses Jahr viele Neuerungen in unserem Leben gab, haben wir schnell eine Routine entwickelt. Nicht zur Routine geworden sind unsere Gefühle, die immer oberste Priorität im Leben haben. Und egal wie selbstbewusst ich bin, ohne meine Elfe wären viele Dinge anders für mich.

Ich reiße mit und fort, habe stets verrückte Ideen. Sie dämpft meine Begeisterung und sorgt dafür, dass unsere Reise nicht übers Ziel schießt. Was mich zur Frage bringt, ob wir ohne einander leben könnten. Die Antwort ist schwierig und auch wieder nicht.

Vielleicht mag unsere Symbiose für viele Menschen langweilig klingen. Vielleicht mag unser Leben nicht das richtige für andere sein. Vielleicht vermissen sie Individualität und Selbstverwirklichung. Aber kann ein Rennwagen ohne Spezialbenzin fahren? Und genau das ist Yuki für mich: Mein Treibstoff, während ich ihr Antrieb bin.

Es gibt Paare, die brauchen Auszeiten. Manche gehen sogar fremd, um wieder zueinander zu finden. Es werden Ferien von der Liebe gemacht und eigene Wege beschritten. Bei all unserer Gemeinschaft ersticken wir die andere nicht. Jede von uns hat ihren eigenen Kopf. Aber wir streiten nie. Die Richtung stimmt. Wir diskutieren nur, wie wir sie erreichen. Und das machen wir gut.

Wenn ich von Antrieb und Treibstoff spreche, so ist das nicht gelogen. Wir kämen auch ohne die andere ans Ziel. Nur anders. Ich wäre wilder und weniger nett, das steht außer Frage. Und Yuki einfach ruhiger im Leben. Und genau das will sie nicht. Wir sind keine Vampire, die an der anderen saugen. Unsere Fähigkeiten ergänzen sich perfekt. Daher werden wir nie Ferien von der Liebe machen.

Ich geb Gas – Ich will Spaß!

Ich geb Gas – Ich will Spaß, hat Markus vor mehr als 30 Jahren gesungen. Neue Deutsche Welle nannte sich das.
Meine Eltern kennen den Song, sie haben ihn mir oft vorgespielt. Vielleicht rührt daher meine Leidenschaft für schnelle Wagen. Gas gegeben habe ich wieder, bin sozusagen durchgestartet.
Ein schneeweißer Golf R steht am Samstag vor der Tür. 300 PS, DSG-Getriebe, Allrad. Auch das ist „Neue Deutsche Welle.“ Vernunft ist anders.

„Haben Sie ein neues Auto, Frau Landar?“, will eine Nachbarin wissen und schaut mich neugierig an.
„Nur fürs Wochenende“, erwidere ich. Wir dürfen den testen.“
Yuki und ich haben schon vor Wochen ein Hotel in der Schweiz gebucht. Mit Glück, aber das gehört dazu. Eine Nacht mit 3 Sternen, eine Nacht im Schnee.
Der Golf springt an und Enttäuschung steht mir im Gesicht. Ich vermisse das bullernde Geräusch des Achtzylinders, den ich vor Weihnachten fahren durfte.
Yuki liest das Hinweisheft.
„Du musst den Knopf neben dem Schalthebel drücken“, sagt sie. Vier Sekunden schreiben sie.“

Ich habe meine Zweifel, aber höre auf meine Frau. Und wie so oft, hat sie auch diesmal Recht. Der Golf scheint aus dem Tiefschlaf zu erwachen. Seine Stimme wird deutlich, er röhrt los. Ein Golf im Schafspelz sozusagen. Vehement stürmt er über den Asphalt, das DSG-Getriebe schaltet butterweich. Und das schneller, als es ein Mensch vermag. Die Autobahn lockt. Freie Wildbahn für kapitale Hirsche. Aber keine Artgenossen in Sicht. Und Jäger wollen sich nicht zeigen. 200 km/h sind schnell erreicht. Doch Wetter und Verkehr hindern mich an noch mehr Spaß. Im Gegensatz zu dem roten Boliden hat der Golf Winterreifen montiert. Auf Alufelgen versteht sich. Dank Allrad ist das Wetter kein Problem, wir fahren wie auf Schienen. Yuki überwacht mit dem Smartphone die Radarfallen. Als Die App anschlägt gehe ich vom Gas. Grinsend fahren wir an dem Blitzer vorbei. Manchmal müssen auch wir vernünftig sein.

An der Grenze werden wir freundlich begrüßt. Dem Zollbeamten gefällt unser Wagen, das ist deutlich zu sehen. Aber er ist im Dienst und fragt nur nach dem Grund unserer Reise. Außerdem müssen wir noch eine Vignette kaufen und innen an die Windschutzscheibe kleben. Der Beamte schaut in unsere Pässe und ist zufrieden.
„Gute Reise“, wünscht er uns. „Er zögert kurz. „Fahren Sie bitte langsam in der Schweiz“, sagt er. „Sonst kann es teuer werden. Schneller als 120 dürfen Sie nicht.“
Ich bedanke mich für den Rat.
„Uf widerluege“, fügt er noch im Dialekt hinzu.

In der Schweiz sollte man nicht rasen, das war mir zum Glück schon vorher bekannt. Gute 350 Kilometer sind es bis nach Obergoms. Eine Silberscheibe der Band U.D.O. liegt im DVD-Spieler. Der Sänger gleichen Namens kreischt im Duett mit dem Motor. Die Bloggerin Käthe hat mich an den Recken erinnert. Und youtube mir neue Sangeskost geliefert. Manchmal muss ich noch so wild wie Heavy Metal sein.
„It comes to you without a warning, it gets connected to your mind“, höre ich.
Der Titel heißt Metal Machine und unbewusst streichle ich das abgeflachte Lenkrad des Golfs.
Als ich vor Jahren auf U.D.O. und Accept stieß, war ich begeistert. Die Freundin einer Freundin, hat mich zu der Musik gebracht. Noch in Düsseldorf beim Karate-Training. Es kickte sich gut zu den harten Klängen. Und heute im Golf fährt es sich gleich viel besser.

Die Schweiz zeigt sich von der winterlichen Seite. Die frühlingshaften Temperaturen sind vorbei. Schneeregen wechselt sich mit Sonne und Wolken, ein ewiger Wechsel von Schatten und Licht. Unsere Sonnenbrillen sind stets griffbereit.
Wie das Wetter wohl in Japan ist?
Ich mag Berge. Und ich mag auch Schnee. Und ich mag den Golf. Er passt zu mir. Zahm, unauffällig und doch exotisch. Wild auf Knopfdruck, so wie ich.
Vor 2 Jahren waren wir im Winter in Schweden. Ein Wochenende auf der Piste. Aber Ski sind wir damals nicht gefahren. Auf tief verschneitem Untergrund und einem zugefrorenen See, haben wir Allradgetriebene PS-Schleudern ausprobiert. Kein Urlaub! Es war harte Arbeit. Sponsored by Family. Und wir hatten jede Menge Spaß.

„Das Auto gefällt dir, ja?“, will Yuki wissen.
„Ja Elfchen“, sage ich. „Er ist zwar nicht rot, aber er macht Spaß. Und er ist so herrlich unvernünftig.“
Sie lacht.
„Du wirst nie erwachsen“, stellt sie fest.
„Look and see the metal machine …“, kreischt Udo.
Wie Recht der Mann doch hat.
Vernunft ist anders.

Vernünftig werde ich auch heute sein und die Fortsetzung erst morgen präsentieren.