Das Onee-chan Syndrom

Als „Onee-chan“, wird in Japan die „ältere Schwester“ bezeichnet. „Chan“ entspicht der deutschen Endung „chen“ und ist die von Frauen verwendete Verniedlichungsform. Die Onee-chan kann auch eine Baka sein. Und das übersetze ich jetzt nicht.

Menschen sind komisch, wenn es um Äußerlichkeiten geht. „Klein“ weckt gern den Instinkt des Beschützers. Vor allem Mann sieht in Frauen gern das „kleine Mädchen“ und auch (ältere) Frauen neigen zu dieser Sicht.

„Du musst das so sehen!“, wird gern vermittelt und vehement mit Worten aufgetrumpft. Nun sind Menschen verschieden und nicht jeder glaubt das, woran andere glauben. Aber jeder sollte lernen, die Standpunkte anderer zu akzeptieren, auch wenn sie nicht den eigenen entsprechen. Egal in welchem Zusammenhang.

Aber jede Art der Kommunikation hat ihre Tücken. Das war schon immer so. Die größte Hürde ist stets das eigene Ego und die Einstellung zu Gesprächsthema und GesprächspartnerIn.

Für viele Menschen sind „Gespräche“ ganz offensichtlich eine Form des Vergleichskampfes, in dem es nur das Ziel gibt, den oder die Gesprächspartner mit der eigenen Meinung zu überzeugen. Ein Fehler, wie wir gleich sehen. So, liebe LeserInnen, funktioniert Kommunikation nämlich nicht.

Kampf setzt bei mir ein Denkszenario in Gang, das mir ein Schlachtfeld zeigt. Das Wort besteht wieder aus zwei anderen Worten: Schlacht(en) und Feld. Dort haben sich stets grausame Dinge abgespielt, wenn Menschen anderen Menschen das Leben nahmen. Sie haben sich dort gegenseitig abgeschlachtet, Gliedmaßen abgehackt für ihr Recht.

Und das bringt mich wieder zur Kommunikation zurück, die viele als persönliches Schlachtfeld sehen. Ihr Ego muss stets der Gewinner sein. Dumm nur, dass die anderen Gesprächsteilnehmer auch ein Ego haben, das genauso wenig verlieren will. Ich führe Dialoge. Schlachten schlage ich anderswo.

Nachrichten, Sprache kann man stets einer Kommunikationsdiagnose unterziehen. Stimmen Gestik, Mimik überein? Gibt es widersprüchliche Signale, übt der Sender vielleicht Ironie. Aber kaum jemand kennt die Unterschiede zwischen kongruenten und inkongruenten Botschaften, oder hat überhaupt davon gehört.

Bei der inkongruenten Kommunikation (iK) gehen die sprachlich übertragene Information und die Mimik, Gestik und Stimmqualität des Senders auseinander. In Foren, Chats, Mails passiert das häufig. Menschen fehlt der direkte Kontakt. Gleiches geschieht auch bei Gesprächen, wenn sich eine Seite nonkonform verhält.

Jeder sollte sich fragen, was er mit einem Gespräch erzielen möchte. Den Gesprächspartner an die Wand reden und sich dadurch vielleicht einen Feind schaffen oder mit seiner Unterstützung ein Gesprächsziel erreichen. Letzteres wäre schön.