Wen wählst du, Mayumi?

Ein Samstag in Düsseldorf, Familie „Mayumi“ ist unterwegs. Meiner Cousine geht es heute besser, sie lächelt viel und redet auch mit uns. Ihre beiden Töchter schauen sich mit großen Augen um und weichen keinen Schritt von unserer Seite. Auch Ken ist eingetroffen. Er ist müde, aber freut sich uns zu sehen.

„Hallo, Mayumi!“, höre ich eine Frauenstimme, „wir haben uns aber lange nicht gesehen!“ Ich schaue sie an. „Genau 7 Jahre“, gebe ich zurück. „Wie geht es dir, Beate?“ Sie strahlt und Yuki lächelt. „Meine Frau“, stelle ich sie vor, das sind meine Cousine, ihre beiden Töchter und ihr Bruder.“

Beate weiß, dass ich lesbisch bin. Sie hat nie zu meinen engsten Freundinnen gehört, aber wir kennen uns schon lange. Nach einigen harmlosen Worten, der Bemerkung, dass sie wieder Single ist „Ich habe mich von meinem Mann getrennt!“, drückt sie mir einen Flyer der GRÜNEN in die Hand. „Du gehst doch wählen!?“

„Natürlich wählen wir“, erwidere ich. „Schon um Herrn Altmaier zu brüskieren.“ Sie schaut mich verständnislos an. „Wovon redest du?“ Als ich sie aufkläre, sie hat die Neuigkeiten wirklich verpasst, schüttelt sie entsetzt den Kopf. „Ein Aufruf nicht zu wählen? Das geht entschieden zu weit!“

„Sein Auftritt zeichnet das wahre Bild deutscher Demokratie“, sage ich. „Aber machen wir uns nichts vor, Merkel wird auf jeden Fall gewählt. Und die GRÜNEN, egal ob sie sich noch zieren, werden auch mit der CDU koalieren, wenn die Prozentpunkte stimmen.“

„Findest du das schlecht?“, fragt Beate und schaut mich seltsam an. „Auf jeden Fall“, sage ich. „Die Partei, alles wofür sie jemals stand, ist nur noch ein korrumpiertes Zerrbild alter Größe. Einer Frau Roth, die an der Spitze der Antifa marschiert und Parolen wie <<Deutschland verrecke!>> toleriert, kann ich zumindest keine Stimme geben.“

Beate beißt sich auf die Unterlippe. Die Bemerkung ist ihr peinlich. Aber ganz Wahlkämpferin will sie mich doch noch überzeugen. Es folgt ein kleines Rededuell, bei dem ich all ihre Argumente entkräfte.

Aber wir sind doch die Einzigen, die genau deine Interessen vertreten!“, versucht sie ihren letzten Trumpf, „wer setzt sich denn sonst noch so vehement für lesbische Frauen ein?“

Ich schaue sie ungerührt an und schnell senkt sie den Blick. „Meine Interessen vertrete ich“, erkläre ich ihr, „die GRÜNEN habe ich auch aus genau diesem Grund gewählt. Aber diese antideutsche Haltung hat mich abgestoßen.“

„Aber du bist doch keine richtige Deutsche!“, versucht Beate die Flucht nach vorn und wird kreidebleich, als sie ihren Fauxpas bemerkt. „Das … das habe ich aber jetzt nicht so gemeint!“, stammelt sie.

„Doch, hast du“, erwidere ich und schaue sie gespielt böse an. „Und du hast durchaus Recht damit. Für viele Deutsche war ich immer nur <<die Japanerin>>. Im Gegensatz zu anderen Migranten, hat mich das aber nie gestört. Ich bin stolz auf meine Herkunft. Deutsche auf ihre leider nicht.“

„Das war jetzt aber gemein“, murmelt sie und tritt von einem Fuß auf den anderen. „Wieso denn?“, will ich wissen, zeig mir hier auf der Stelle Deutsche, die das anders sehen. Die meisten haben Minderwertigkeitskomplexe und schämen sich für was auch immer.

Und falls es dir entgangen ist, Frau Merkel hat die Ehe für alle möglich gemacht. Ihr dagegen verhindert die Abschiebung Krimineller in ihre Heimatländer. Schau dich doch in Düsseldorf um! Oder findest du die Zustände im Maghreb-Viertel noch normal?“

„Nee“, sagt sie leise, „das stimmt schon. Aber man darf das jetzt nicht verallgemeinern! Es ist ja so …!“ Was folgt ist die vermutlich auswendig gelernte Litanei, die vielen linken PolitikerInnen in Fleisch und Blut übergegangen ist. Als ich mit den Zahlen zur Ausländerkriminalität kontere, wird Beate plötzlich still.

Ein junger Mann hat uns zugehört, er trägt Anzug und wirbt für die AfD. „Vielleicht möchten Sie unser Programm lesen“, sagt er und lächelt. „Wir werden das Problem Ausländer ganz schnell ändern.“ „Ach wirklich?“, frage ich, „wollen Sie mich dann auch außer Landes schaffen?“

„Aber wieso denn?“, erwidert er erschrocken, „wir haben doch nichts gegen Chinesen!“ „1. bin ich Japanerin“, sage ich eisig und 2. hat auch die AfD keinen Plan. Ihre Partei ist viel zu jung, Ihre Mitglieder sind völlig unerfahren. Ich habe das AfD-Programm gelesen. Sie dümpeln in vielen Punkten irgendwo in der Adenauer Ära.

Politisch überleben werden Sie damit nicht besonders lange. Die CDU/CSU hat Sie doch jetzt schon rechts überholt und kassiert ihre Vorschläge klammheimlich ein. Warten Sie die Wahl ab, die CDU rückt Ihnen in den nächsten Jahren immer näher. Wie grenzen sie sich dann wieder ab, werden sie zu Extremisten?“

„Wieso redest du mit dem?“, mischt sich Beate ein. Ihre Augen funkeln, mit in die Hüften gestemmten Armen steht sie da. „Ich rede doch auch mit dir“, erwidere ich sanft. „Demokratie zu leben heißt den Diskurs zu suchen. Beleidigungen, Ausgrenzungen anderer, sind ein Zeichen der Intoleranz.

Es ist leider ein Problem der meisten Linken, dass sie nur die eigene Meinung gelten lassen und andere gezielt unterdrücken und dadurch den vergebungslosen Staatstotalitarismus fördern. Ihre Denker sind lange tot, heute hat politisch motivierte Gewalt den Diskurs ersetzt.“

Während Beates Mund nach unten klappt, Yuki die Augen verdreht und sich um den Rest der Familie kümmert, entschuldigt sich der junge Mann bei mir. „Verzeihen Sie bitte meinen Fehler“, sagt er verlegen, „ich kann Asiaten ganz schlecht unterscheiden.“ „Kein Ding“, sage ich, „für uns sehen Weiße auch alle gleich aus.“

Sein Lächeln wirkt gequält, als er weiterspricht. „Wir wollen wirklich nichts Böses, aber ich zumindest habe Angst.“ „Wovor?“, will ich wissen. „Wer oder was bedroht Sie in Deutschland?“ „Ich bin Russlanddeutscher“, klärt er uns auf. „Ich bin in Russland geboren, aber schon als kleiner Junge nach Deutschland gekommen.

Er erzählt uns von Russland, von seinen Eltern, von seinen Problemen mit türkischen Migranten. Letzteres kann ich sehr gut nachvollziehen. Auch ich hatte mehrfach weniger schöne Begegnungen mit aggressiven Männern dieses Kulturkreises. Patriot sei er und liebe Deutschland. Das verstehe ich gut.

Ich wiederhole meine Fragen, aber wieder bleibt er die Antwort schuldig. „Sehen Sie“, sage ich, „genau das ist das Problem Ihrer Partei. Sie haben keine Antworten und außer einigen guten Leuten lediglich Populisten in Ihren Reihen. Sie befeuern die Angst der Menschen, aber das wird nicht lange funktionieren.“

Unsere Gruppe erntet seltsame Blicke, einige Passanten schauen konsterniert. Da stehen JapanerInnen mit einer Vertreterin der GRÜNEN und der AfD? Das geht ja mal gar nicht! So zumindest interpretiere ich das.

Die Meinung anderer zu tolerieren, egal ob sie nun für Bayern München schwärmen, um ein Beispiel aus dem Sport zu wählen, oder einer anderen politischen Richtung angehörig sind, ist in Deutschland nicht mehr selbstverständlich. Aber die oft begrenzte Weitsicht mancher macht sie zum willigen Instrument der Politik (Eliten).

Außer für dumpfe Parolen, wie „Deutschland verrecke! oder „Ausländer raus!“, bin ich für jede Meinung offen und fordere, ja fördere den Dialog. Aber ich verzichte an diesem Nachmittag darauf, den jungen Mann weiter in die Enge zu treiben. Ich kenne seine Argumente schon. Sie sind nicht meine.

„Die magst du?“, höre ich nun schon den Tenor und sehe meine LeserInnen das Näschen rümpfen, als wir kurz über Alice Weidel sprechen, die ebenfalls lesbisch ist. Ja, als Mensch. Wo ist das Problem? Ich habe auch Frau Merkel einst gemocht und mich gefreut, als sie die erste (weibliche) Bundeskanzlerin geworden ist.

Dabei war es mir egal, dass sie der CDU angehörte. Aber meine Sympathie war irgendwann vorbei. Jeder verdient (s)eine Chance. Dafür und für Meinungsfreiheit stehe ich. Aber viele können nur mit einer Hirnhälfte denken.

„Nehmen Sie mal Stellung zu Gauland und diesem Höcke!“, giftet Beate los und unterbricht meine Gedanken. „Das sind doch ganz klar rechtsradikale Nazis!“ „Kennst du die Bedeutung der Worte überhaupt?“, will ich wissen, „oder hast du damals in der Schule gefehlt?“ Beate schnappt nach Luft. „Du hast dich kein Stück verändert!“, lässt sie mich wissen.

Ein blondes Mädchen hält mir einen Flyer entgegen. „Mögen Sie vielleicht Informationen zu den LINKEN?“, fragt sie hoffnungsvoll. „Gern“, erwidere ich und verschweige, dass ich auch deren Programm bereits kenne. Der AfD-Wahlkämpfer hat begriffen, dass er keine Chance bei uns hat und verabschiedet sich.

Beate versteht die Welt nicht mehr. „Wie bist du denn drauf?“, will sie wissen. „Du redest mit der AfD, bist gegen die GRÜNEN und liest diesen dummen Quatsch der LINKEN?“ Das blonde Mädchen will etwas sagen aber ich schüttele den Kopf. „Dumm ist, der dummes tut“, zitiere ich. „Darin warst du schon immer gut.“

Beate reicht es, sie wirft den Kopf zurück und zieht wortlos ab. Ich werde sie nicht wiedersehen. „Ich wünsche Ihnen für die Wahl alles Gute und dass Sahra Wagenknecht niemals ihren Biss verliert“, sage ich zu dem Mädchen, das sich sichtlich über meine Worte freut. Manchmal entscheide auch ich per Bauchgefühl.

„Du warst mal wieder unmöglich“, sagt Yuki, als wir weitergehen und schmiegt sich in meinen Arm. „Aber genau deshalb habe ich dich gewählt. Und jetzt nimm mal den Flyer da weg und lass uns endlich einkaufen gehen!“ Genau das haben wir gemacht.

 

 

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Kein schöner Land in dieser Zeit

Deutschland im September 2017. Kein schöner Land in dieser Zeit. Wir sind zurück aus Frankfurt, die IAA (Internationale Automobilausstellung) ist für uns Geschichte. Kurz habe ich darüber nachgedacht einen Bericht über diese bunte Glitzerwelt zu schreiben, aber der Besuch ist nur in Teilbereichen interessant.

Wolf, der Chefingenieur von Yukis Vater, hat uns begleitet. Durch seine Kontakte haben wir eine ganz andere IAA gesehen. Außerdem hat er uns einen Audi TT mitgebracht, der 370 Z ist schon in den USA. Wie immer mahnt er „Mach ihn nicht kaputt!“, was prompt meinen Mittelfinger zur Folge hat. Wann habe ich jemals einen Motor zerstört!

Während Audi gern mit dem Slogan „Vorsprung durch Technik wirbt“, versucht sich auch die Politik mit tollen Sprüchen. Alle wollen es besser machen, jede Partei hat ein eigenes Konzept. Davon zu halten ist wenig. Die meisten sind am Folgetag der Wahl vergessen.

Hand aufs Herz liebe LeserInnen, wer kennt alle Wahlprogramme? Wer hat sich die Mühe gemacht und sie miteinander verglichen? Wie wählen Deutsche überhaupt? Spielt Sympathie die entscheidende Rolle oder nur der reine Protest?

Auch ich habe mir meine Gedanken gemacht. Wen soll ich wählen und warum? Zum Glück kann Frau die Wahlprogramme lesen, aber um jeden Satz zu verstehen müsste man Juristin sein. Ich habe es trotzdem getan und werde zu SPD und CDU eigene Beiträge bringen. Mehr geht nicht, mir fehlt die Zeit.

Glücklicherweise gibt es Kurzversionen, die ich auch benutzen kann. Ähnlichkeiten in der Wortwahl und bei gewissen Themen lassen sich bei der SPD und den GRÜNEN finden. SPD und CDU haben die Polizei im Visier, bei der sie 15.000 neue Stellen schaffen wollen.

Das verwundert wenig, die CDU gibt sich unter Merkel linker als die SPD. Die Ein-Mann-Partei FDP scheint noch im Selbstfindungsprozess zu stecken. Wirkliche Akzente setzt sie kaum. Einiges wirkt wie „schon mal gesehen“ und findet sich in ähnlicher Form auch beim Rest der Blockparteien wieder.

Die AfD hat ihre Hausaufgaben gemacht und auf 74 Seiten 16.000 Worte untergebracht. Damit bleibt die junge Partei deutlich hinter den Etablierten zurück, die ihre Absichtserklärungen wesentlich ausführlicher präsentieren. Was davon zu halten ist wird man bald sehen.

Die LINKEN als Gesamtpaket bleiben mir suspekt, auch wenn ich Sahra Wagenknecht für kompetent und sympathisch halte. Ihr Wahlprogramm ist in Teilen absurd. Wer die Geheimdienste abschaffen will, öffnet Spionen Tür und Tor. Auch aus Russland, das müssen die WählerInnen wissen.

Was ich (noch) von den GRÜNEN halte, habe ich bereits mehrfach geschrieben. Ich hoffe wirklich, dass sie eine herbe Schlappe erleiden, die dann endlich personelle Konsequenzen hat. Was auch für die SPD gilt. Gabriel, Schulz & Co. haben fertig. Neue Sozis braucht das Land.

Dass die CDU/CSU die Wahl gewinnt, sollte niemand wirklich wundern. Gäbe es keine Angela Merkel, ich hätte weniger Probleme damit. Aber diese Frau ist die eigentliche Gefahr für Deutschland. Daher braucht es eine starke Opposition, die „Mutti“ auf die Finger schaut.

Auch wenn ich keine Hellseherin bin, die Fortsetzung der GroKo scheint unausweichlich zu sein. Aber Rot-Rot-GRÜN wäre die noch schlimmere Alternative. Was bleibt ist Schwarz-GRÜN oder Schwarz-Gelb. Vielleicht auch ein neues Dreigestirn.

Ein Trio in meinem Bett sorgt für Heiterkeit, Yuki hat meine Nichten als Verstärkung geholt. Die Mädchen jauchzen, wenn „Tante Yumi“ wach gekitzelt wird. Nur halb bei Verstand ist meine Cousine. Eine schwere Depression hat sie im Griff. Ob das auch für Deutschland gilt?

Der Zusammenbruch kam durch den Seitensprung ihres Mannes, schon in Japan haben wir uns um die Mädchen gekümmert. Was keine wusste, die Ehe kriselte vorher schon. Nun hat sich der Betrug offenbart. Ihr Mann hat ein Verhältnis mit seiner Sekretärin, die (s)ein Kind erwartet.

Auch in Deutschland kriselt es seit Jahren. Hier geht man mit unheilvollen Ideen schwanger. Kommt der Austausch der Bevölkerung? So zumindest tönt es von den Dächern. Die Menschen haben Angst, die Politik hat einmal mehr versagt.

Niemand stoppt mich, wenn meiner Familie Unrecht geschieht. In Japan fange ich den Seitenspringer nach der Arbeit ab und nur seine schwangere Freundin verhindert einen Eklat. Wie ein begossener Pudel steht er da, als ich ihm lautstark einige weniger nette Worte sage.

Lautstark sollten alle mündigen BürgerInnen gegen die Halbwahrheiten der Blockparteien protestieren. Gegen gesteuerte Berichterstattung der durch die Zwangsabgabe finanzierten Medien. Oder hat Deutschland wirklich schon den Herbst der Existenz erreicht und bereitet sich nun auf sein Ende vor?

Die Geliebte des Seitenspringers schämt sich, Arbeitskollegen schauen konsterniert. Der Auftritt ist Absicht. Ich weiß genau, wie Mann sein Gesicht verliert. Meiner Cousine hilft das wenig, aber ihr Mann muss sie finanziell unterstützen. Außerdem ist sein Ruf nun ruiniert.

Meiner ist natürlich ungebrochen, alle Kinder lieben mich. Aber kann man zwei kleine Mädchen so einfach von ihrem Vater trennen? Die Antwort ist einfach. Ich habe „Du willst keinen Ärger mit mir!“ zu ihm gesagt. Das hat er verstanden.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt

Jeder Reise hat ein Ende, jeder Urlaub geht vorbei. Die Koffer sind schon gepackt, als die Alarmglocken schrillen. Heather ruft an, was habt ihr denn nun gedacht? Los Angeles brennt, die Hitze ist unerträglich. Wir buchen um, das geben wir uns nicht.

Was so dramatisch klingt, ist auch in deutschen Nachrichten zu lesen. Hitzerekord in Kalifornien, bekanntlich regnet es dort selten. Wohin die Reise geht? Dreimal dürft ihr raten! Grüße aus dem wesentlich kühleren Düsseldorf.

Wir sind müde, die deutsche Sprache klingt ungewohnt. Aber wir haben ein Haus für uns allein. Und das haben wir auch nötig. Aufklärung und Neuigkeiten gibt es, wenn ich wieder ich selbst geworden bin. Zur Zeit fühle ich mich wie ein Zombie. Fliegt ihr mal um die halbe Welt.

Bleiben wir in Deutschland? Das war eigentlich nicht geplant. Der Nissan ist schon in Amerika, aber der Wagen meines Vaters ist noch da. Wenn ich die Augen aufhalten kann und mein Schreibfinger zuckt, werde ich das TV-Duell „Maddin gegen Mutti“ schauen. Den Kommentar dazu gibt es dann später. Guten Abend, gute Nacht, ich hab‘ euch etwas mitgebracht.

Deutschland unter roter Sonne

Wir schreiben das Jahr 2017, ein roter Stern geht über Deutschlands Himmel auf. Sein Name ist Maddin, bei den GenossInnen auch liebevoll „Mr. 100 Prozent“ genannt. Der Maddin, das ist nämlich ein Guter, der viel Erfahrung mit den Prozenten hat.

Das muss ich natürlich genauer wissen und habe ihn um ein Interview gebeten. Zu meiner Überraschung hat sich am BILDtelefon nur die kräftige Hanni gemeldet, die hocherfreut ist mich zu sehen. „Nanni!“, ruft sie verzückt, „wir haben lange nicht gesprochen!“

„Hallo, Hannchen“, sage ich und schenke ihr ein zuckersüßes Lächeln, „sag, ob ich den Maddin vielleicht kurz sprechen kann? Ich würde gern mehr über das Geheimnis der roten Sonne wissen.“ Die ist zwar eigentlich eine Williams Birne, aber Namen waren schon immer Schall und Rauch.

Hanni zuckt zusammen, ihre Mundwinkel nähern sich dem Boden. „Der Maddin ist am Zug“, sagt sie leise. „Also ich meine im, wenn du verstehst?! Aber da gibt es zur Zeit Rangierprobleme. Jemand hat ihn auf ein totes Gleis gestellt.“

Als sei dies ein Stichwort taucht hinter Hanni überraschend mein alter Kumpel Teufelchen auf, der ihr einen Vogel zeigt und vehement das hornlose Köpfchen schüttelt, als ich etwas sagen will.

„Na ja“, sage ich zu Hanni, „vielleicht kannst du mir weiterhelfen? Immerhin hast du doch jetzt richtig viel Zeit nach dem Debakel in Düsseldorf. Oder bist du anderweitig beschäftigt? Ich habe gehört in Hamburg sind noch Ressourcen frei.“

Während ich mir das Lachen verkneifen muss, als Teufelchen mir das Bild eines Sportwagens zeigt, kann Hanni diesen Schelm nicht sehen. Aber sie spricht ganz offen von ihrem neuen Garten in LINKShausen, in dem sie nur noch GRÜNzeug pflanzen will.

„RotKohl soll sehr gesund sein“, bemerke ich. „Der hilft vielleicht auch dir wieder auf die Sprünge. Ich hätte da eine aktuelle Adresse zum Bezug, die Firma HEL, hab nur Mut!“ Wohlweislich verschweige ich, dass deren Chef Andi Fah kein Biogärtner ist und nebenbei das Hotel Roter Hahn im Schwarzen Block betreibt.

„Nee, Nannilein“, gibt die Hanni zurück, „das lassen wir mal besser. Dieser Kohl schmeckt so fade. Da verlieren selbst alte Kanzler ihre Stimme und ergrauen in allen Ehren. Aber was ist mit dir, können wir uns mal wieder sehen? Du weißt schon wo, der alten Zeiten willen. Ja?“

Teufelchen hält sich den Bauch vor Lachen und zeigt mir Bilder als Erinnerung. Wir beiden Mädels sind damals viel mit ihrem Porsche auf der KÖ gefahren. Spitzname „Diablo.“ Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Den Maddin habe ich dann doch noch gesprochen. Zusammen mit Erzengel Gabriel, dem Auslandsbeauftragten der himmlischen Scharen, habe ich ihn auf dem Berliner Abstellgleis besucht. Eva Gott hat das für mich arrangiert.

Überrascht bin ich dann schon, als ich dort auch die Bundesmutti und Vollhorst antreffe, die mit dem Maddin Monopoly spielen. Im Gegensatz zum Original sind die Straßen aber Länder. Und Angela hält eine Schlüsselposition.

Murrend zahlen Vollhorst und Maddin die Zeche, als sie über Italien nach Österreich ziehen. Auffällig, der Weg nach Osten ist versperrt. „Den hält der Urbi äh … Orbi“, flüstert mir Teufelchen heimlich zu, der schon wieder unsichtbar neben mir steht.

Das Trio blickt auf und ist zu einem Interview bereit. „Aber nur gemeinsam“, sagt Mutti und klatscht strahlend in die Hände, „dafür gibt es keine Alternative in Deutschland!“

Ein Leben lang auf Reise

Unser Leben ist zur Zeit eine große Reise. Waren wir letzte Woche noch in Fukuoka, ist nun Deutschland angesagt. Aber vorher haben wir Zeit in Los Angeles verbracht und einige wichtige Dinge geregelt.

Wie zum Beispiel die Zukunft unseres Apartments, das wir vorübergehend an ein Frauenpaar vermietet haben. Nicht ganz überraschend, haben sich Riko und Madison bei uns gemeldet, die beiden Mädels vom Dina Shore. Sie sind seid Juni in Los Angeles und haben Probleme mit ihrer Wohnung bekommen.

„Wir haben keine Nacht geschlafen, so laut war es dort“, erzählt Madison, als wir uns treffen. Der Vermieter macht Ärger und besteht auf dem Vertrag. Aber Riko ist Anwältin und weiß was sie machen muss. Sie sind schon auf der Suche nach einer neuen Bleibe und wohnen in einem günstigen Motel.

Mir kommt eine Idee, die ich mit Yuki per Augenkontakt abstimme. „Wir können euch unser Apartment überlassen“, biete ich den beiden an, wir werden einige Monate nicht in Los Angeles sein.“ „Vermutlich kommen wir erst im September wieder“, fügt Yuki hinzu, „aber das wissen wir noch nicht.“

Unsere beiden neuen Freundinnen sind total aus dem Häuschen vor Glück. Vor allem, als ich ihnen den Preis nenne und die Lage. Klar ist es teurer als ihr jetziges Motel, aber ich verlange keinen Wucherpreis. Und Sicherheiten haben beide.

Sicher im Flieger, hat uns unser Weg über Düsseldorf nach Stuttgart geführt. Wir waren auch in Hamburg, haben kurz Berlin unsicher gemacht und sind dann nach Frankfurt geeilt. Zur Zeit besuchen wir in Holland Freunde und fahren in Kürze wieder nach Düsseldorf. Und im August ruft wieder Japan.

Yuki nehmen die Reisen mehr mit, als sie eingestehen will. Ich bemerke es und spreche es an. „Alles gut“, sagt sie und strahlt mich an, „wenigstens ist mit dir das Leben nie öde. Die Mama deiner Kinder kann ich später noch spielen.“ Seht ihr nun das wahre Biest?

Eher milde gestimmt, rauscht das politische Leben scheinbar unbeachtet an mir vorbei. Ich verfolge die Neuigkeiten mit Interesse, aber nehme absichtlich Abstand davon. Habe ich aufgegeben?

Fast könnte man das glauben, haben wir doch immerhin unseren bisher größten Sieg errungen. „Wir“, das ist die deutsche LGBT-Community. Wahltaktisch klug von der SPD eingefädelt, wird sie kein Kapital aus der Eheöffnung für alle schlagen. Ohne Merkels Zustimmung, wäre die Sache geplatzt.

„Aber sie hat doch dagegen gestimmt!“, höre ich meine LeserInnen sagen. Ja, das hat sie. Aber sie hat die Abstimmung möglich gemacht. Und da sie das positive Endergebnis vorher kannte, hat sie dagegen gestimmt.

Dieser so einfach, wie geniale Schachzug, hätte auch von einer Japanerin kommen können. Auch wenn ich Merkel nicht mag, das hat sie klug gemacht. Reicht das schon zur erneuten Kanzlerschaft?

Ist das nun der endgültige Durchbruch für Homosexuelle oder doch nur ein weiterer Meilenstein? Ich rechne mit einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht und einer Grundgesetzänderung. Mich stört das wenig, Yuki war schon immer meine Frau.

Die Politik muss vorerst ohne meine Kommentare leben. Und auch  dieser Blog wird vorerst stiller werden. Momentan fehlen mir Zeit und Lust dafür.

Dabei gäbe es eine Menge zu erzählen. Etwa wie ich kurz im MMA unterwegs gewesen bin oder der unschöne Zwischenfall mit einer Koreanerin in Fukuoka.

Ich könnte auch von dem Waisenhaus berichten und wie uns dort die Kinderherzen zugeflogen sind. Aber wir haben entschieden in Zukunft weniger Privates zu zeigen. Auch davon wird der nächste Beitrag handeln. Bis dahin dürft ihr den Sommer genießen. Wir lesen uns. Bis bald!

 

 

 

 

Lichter der Großstadt – Teil 9: Sehnsucht

Der penetrante Summton des Handys beendet die Nacht. Während sich Yuki demonstrativ die Decke über das hübsche Köpfchen zieht, schaue ich wer der Anrufer ist. Meine Mutter, das muss wichtig sein!

Die Neuigkeiten sind wenig überraschend. Meine Eltern werden Deutschland auf unbestimmte Zeit verlassen. Der Grund heißt olympisches Karate, mein Vater hat auf Probe als Trainer zugesagt. Wer mehr darüber wissen möchte, der klickt bitte HIER. 

Meine Mutter hat Bedenken. 30 Jahre Deutschland wiegen schwer. Können meine Eltern wieder in Japan heimisch werden? Für Yuki und mich bedeutet das ein Haus (auf Zeit) zu haben, wenn wir wieder in Deutschland sind.

Elfchen wirkt nachdenklich, als ich ihr davon erzähle. Wollen wir wirklich wieder zurück? Mein Vater hätte mich gern an seiner Seite gewusst, um die Jugendlichen zu unterrichten. Das hatte ich bisher, bei aller Liebe für ihn, Japan und Karate, abgelehnt. Aber seit einiger Zeit, ist die Sehnsucht nach Japan in mir erwacht.

Wir frühstücken, der CD-Spieler verbreitet japanische Klänge. „An was denkst du?“, fragt Yuki und stupst mich an. Dann lacht sie, als ich ihre Zehen kitzele. „Ich habe einen Blick ins Morgen gewagt“, antworte ich wahrheitsgemäß. „Was machen wir, wo werden wir sein?“

„Wo willst du sein?“, hakt Yuki nach und übernimmt spontan die Führungsrolle. Wir tauschen gern die Charaktere. Aus Spaß haben wir das schon mit den Namen gemacht. Wer uns nur flüchtig kennt, wird uns sowieso für Schwestern halten.

Für Yuki ist es schwieriger zu dominieren, während ich problemlos die scheue Japanerin spielen kann. Zumindest so lange bis ich vor Lachen platze. Aber heute will ich Mäuschen sein.

Wir albern herum und mixen die Sprachen. Aber wie redet man bei uns? Immer so, wie wir denken. In Deutschland überwiegend deutsch und in Japan japanisch, mit eingeschobenen deutschen Worten. Nur auf Englisch verzichten wir.

„Die Frage sollte lauten, wo wir sein wollen“, greife ich das Thema wieder auf. „Was hältst du davon für immer in den USA zu bleiben?“ Yuki versucht die Stirn in Falten zu legen, was natürlich kläglich scheitert. Elfen haben eine glatte Haut.

Los Angeles, die große LGBT-Community, hat Vorteile zu bieten. Zwar zittert die Erde, aber wir sind vor Homophobie und Terror sicher. Dafür gibt es hier mehr Gewalt, die durchaus erschreckend ist.

Weniger für mich, ich kann mich wehren. Aber werden (adoptierte) Kinder hier sicher sein? Warum die USA, werden sich nun einige fragen, ist Deutschland nicht der bessere Platz?

Diese Frage hätte ich noch vor einigen Jahren mit einem dicken JA beantwortet. Zur Zeit ist Deutschland kein sicherer Ort. Multikulti ist ebenso gescheitert, wie Frau Merkels Flüchtlingspolitik. Ich habe keine Lust mehr auf ständige Kämpfe, die ich mit wem auch immer führen soll.

Kinder sollten in einem Umfeld aufwachsen, das nicht von Hass und Gewalt zerfressen ist. Lieber lebe ich im noch immer weitgehend homophoben Japan, als „Angst“ vor offenen Grenzen, Terror und schleichender Islamisierung zu haben.

Es war Yukis Idee längere Zeit in Los Angeles zu verbringen. Sie hat den Virus der Sonne geleckt. Und mir geht es kaum anders, das Leben hat viele Vorteile hier. Aber in Japan könnte ich (Jugendliche) unterrichten.

Elfchen schaut mich an und ist plötzlich ganz still. Wir brauchen keine Worte, um die andere zu verstehen. „Ich gehe packen“, sagt sie leise. Und in Gedanken flüstert die Inari mir „Gute Reise“ zu.

 

 

Die Qual der Wahl

Deutschland hat gewählt. Ganz Deutschland? Nein! Nur ein Bundesland, das lange meine Heimat war. Hier bin ich bunt und Multikulti aufgewachsen, hier hat das Konzept einst funktioniert. Aber PolitikerInnen, die sich im Glanz des Mammons sonnen, haben die Idee davon verkauft.

Sieger und die VerliererInnen hecheln ihre Phrasen in die Mikrofone und Frau Kraft tritt beleidigt zurück. Sind wir ehrlich, welcher Firmenchef, der schlechte Zahlen einfährt, wird nun so einfach das Handtuch werfen? In der Politik ist das Brauch. Vielleicht machen die Unternehmensberaterin Kraft und die Lehrerin Löhrmann nun eine Wohngemeinschaft für Gescheiterte auf. Aber bitte ehrlich bleiben, meine Damen!

Kommen wir zu den Siegern der Wahl, zu denen neben FDP und AfD, auch die LINKEN gehören. Christian Lindners One-Man-Show, die übernommenen Inhalte der AfD, der Nimbus der „Etablierten“, all das hat Früchte in NRW getragen. Nun will der Mann noch Vizekanzler werden. Man darf gespannt sein, wohin er sein gelbes Fähnchen dreht.

Die LINKEN tun mir fast schon leid. Zwar haben sie sich deutlich verbessert, für den Landtag hat es wieder nicht gereicht. Vielleicht sollte man sich gemeinsam mit der SPD auf Gemeinsamkeiten besinnen. Eine nach links rückende SPD, die gegen NATO und Kriegseinsätze ist, die sich gegen den Neoliberalismus und Sozialabbau stellt, diese Partei könnte in der Wählergunst steigen. Aber dann ohne Engel Gabriel oder heiligen Martin und mit Frau Wagenknecht als Chefin.

Auch die Antifa hat nicht verhindert, dass die AfD im nächsten Landtag sitzt. Aber die „Pfui!“ Rufer und Antidemokraten, werden mangels sprudelnder Geldquellen bald verstummen. Oder glaubt wirklich jemand, dass diese Chaoten den Protest aus freien Stücken initiieren?

Ich hatte das Ergebnis in ähnlicher Höhe erwartet. Wobei ich finde, dass GRÜNE und SPD noch zu milde abgestraft worden sind. Abgestraft für eine desaströse Schul- und Bildungspolitik und den Verlust der Inneren Sicherheit. Hätte sich Frau Kraft von Innenminister Jäger distanziert und ihn nach Köln I gefeuert, die Wahl wäre vielleicht anders ausgegangen.

Das Scheitern der SPD geführten Politik hat auch bundespolitische Gründe. Und die liegen noch immer bei der CDU, die liegen noch immer bei Angela Merkel. Sie, die „Getriebene“, hat durch ihre Grenzöffnung und die Flüchtlingskrise, das ganze Ausmaß des Politikversagens möglich gemacht.

Auch Krafts Leugnung von „No-Go-Areas“, der falsche Kanzlerkandidat der SPD, haben mit zum schlechten Ergebnis beigetragen. Wer das noch immer verneint ist blind. Aber welcher Politdarsteller hat schon jemals die ganze Wahrheit gesagt.

Wie geht es nun weiter in NRW? Wird die CDU nun mit eisernem Besen die Kriminellen im Land auskehren? Kann sie das ohne massiven Protest der Linken und Grünen Fraktion? Oder wird auch die nächsten vier Jahre wieder nichts passieren und das Land langsam aber sicher vor die Hunde gehen.

„Nach der Wahl ist vor der Wahl“, heißt es. Nun konzentriert sich alles auf die Bundespolitik. Ob wir dort Frau Kraft oder Frau Löhrmann wiedersehen oder sogar Herrn Jäger als Retter der Nation, werden die nächsten Wochen zeigen. Ich finde, dass diese Truppe niemand braucht. Aber NRW braucht eine andere, eine bessere Politik.

Ob die von der (Landes)CDU kommen kann, wird Armin Laschet nun zeigen müssen. Aber sollte FDP-Chef Lindner eine „Ampel“ anstreben, wird das sein Ende für den Einzug in den Bundestag sein. Die WählerInnen sind klar gegen eine weitere SPD-Regierung.

Vielleicht trägt der CDU-Erfolg auch die Handschrift eines Mannes, den man als einen der wenigen ehrlichen Menschen in der CDU ansehen kann. Die Rede ist von Wolfgang Bosbach, dessen letzten Auftritt wir in diesem Jahr sehen. Ausgerechnet er, der Merkel-Kritiker, hat der CDU in NRW mit zum Sieg verholfen.

Deutschland hat gewählt. Ganz Deutschland? Nein! Nur ein Bundesland, das lange meine Heimat war. Hier bin ich bunt und Multikulti aufgewachsen, hier hat das Konzept einst funktioniert. Ich bin gespannt auf die nächsten vier Jahre, die ich vermutlich nicht mehr in Deutschland erleben werde. Meine Wahl steht ohnehin schon lange fest. Sie heißt Yuki und ist die beste Frau der Welt. Meine! Was habt ihr denn nun gedacht?

 

Die Neidgesellschaft

Neid, so heißt es, sei eine Mischung aus Minderwertigkeitsgefühlen, Feindseligkeit und Ärger. In einem Interview bin ich über das Wort gestolpert. Und das im buchstäblichen Sinn. Neid, so sagt der Prominente, habe Deutschland vergiftet. Aber ist Neid nur regional begrenzt?

Wer sich mit anderen vergleicht, wird stets das eigene Manko finden. Man ist zu dick, zu dünn, zu wenig tolerant und diese Schnepfe von nebenan, hat schon wieder einen anderen Freund! Aber wo ist das Problem? Den Satz „Ich bin was ich bin und das ist alles was ich bin“, sollte sich jeder verinnerlichen. Ich habe, ihr auch?

Neider finden sich oft bei unzufriedenen Menschen, die vielleicht in einer (Lebens)Krise stecken. „Neidisch“ richtet sich der Blick der dreifachen Mutter auf die kinderlose Managerin, die noch immer eine schlanke Taille hat und einen Sportwagen fährt. Sie weiß nicht, dass diese keine Kinder bekommen kann.

„Neidisch“ blickt der Buchhalter auf seinen beruflich erfolgreicheren Kollegen. Er, der mit Frau und Tochter in einem Reihenhaus lebt, will auch in die Chefetage. Aber sein Reihenhaus ist bezahlt, der Kollege bezahlt den besseren Job mit nun schon zwei Herzinfarkten.

Weder besagte Mutter noch der angesprochene Buchhalter erkennen, wie erfolgreich sie in ihrem Leben sind. Vielleicht wäre die Managerin mit drei Kindern überfordert und die Frau des Buchhalters würde die Scheidung verlangen, wenn er zwölf Stunden und länger bei Besprechungen sitzt.

Neid kann durchaus negative Auswirkungen auf das Gefühlsleben und die Beziehungen zu Mitmenschen haben. Das kann von verbalen Attacken bis zur Gewaltanwendung gehen. Man hat vielleicht selbst nur ein altes Auto, also schlägt man den Wagen des Nachbarn heimlich kaputt.

Oft baden neidische Menschen in Selbstmitleid. „Wie ungerecht, dass der / die alles hat!“, heißt es schnell. „Ich habe nichts!“ Dass der Neider zu faul war, um die Universität zu besuchen, hat er bereits vergessen. Wer andere beneidet macht deren Glück zum eigenen Unglück. Jeder Mensch ist einzigartig, er muss es nur erkennen.

Die Mutter könnte nun also die Managerin für ihren Erfolg bewundern. So wie diese es heimlich macht, wenn sie deren Kinder sieht. Und der Buchhalter könnte einfach aufrichtig sein und den Führungsstil des erfolgreicheren Kollegen bewundern, der ihm ein guter Vorgesetzter ist.

Ich schaue zurück auf meine Jugend und wie ich aufgewachsen bin. Mir fehlte es an nichts, aber hohe Ansprüche hatten immer nur die anderen. Klein-Mayumi waren Bücher, Karate, saubere Jeans und Sweatshirts lange genug. Und mein erstes Auto war gebraucht.

Ich habe nie neidische Gefühle entwickelt. Einerseits bin ich so (auf sanfte Art) erzogen worden, andererseits ist das meine Natur. Trotzdem habe ich Erfahrung mit Neid und Missgunst gemacht. Was einerseits an meinem sozialen Status und andererseits an meinem Aussehen lag.

Meine Eltern haben bereits kurz nach ihrer Ankunft in Deutschland ein Haus gekauft, was damals ein hohes finanzielles Risiko war. Finanziert haben sie es mit harter Arbeit. Mehr muss niemand wissen. Aber es hat Neid ausgelöst, das haben sie mir später erzählt.

Ich bin etwa 10 Jahre alt, als „Arroganza Neureich“ mich verbal attackiert. Eigentlich heißt sie Saskia und ich habe HIER schon über sie geschrieben. Saskia mustert mich herablassend und plustert sich vor mir auf.

„Deine Eltern können dir wohl kein anständiges Kleid kaufen“, sagt sie, „oder warum trägst du sonst immer diese alten Hosen?“ Ihr Gefolge lacht und verstummt prompt, als mein Konter kommt. „Bis du neidisch?“, frage ich und schaue sie mitleidig an. „Bei dem Hintern würden dir Hosen auch kaum passen.“

Wortlos rauscht sie davon. Dabei habe ich bewusst übertrieben, bei Saskia stimmte alles. Von einer Freundin weiß ich, dass sie neidisch auf meine dunklen Haare ist. Sie hat „nur“ blonde Locken. Frauen waren oft neidisch auf mein Aussehen. Ich bin nun mal das komplette Gegenteil einer blonden Deutschen.

Dafür kann ich nichts, das sind die Gene meiner Eltern. Oder besser meiner Mutter, deren Kopie ich sozusagen bin. Weniger vom Charakter, der ist deutlich feuriger bei mir. Aber war ich wirklich niemals neidisch?

Ansatzweise unzufrieden, wobei ich das immer mit Humor gesehen habe, war ich auf meine geringe Körpergröße, die sich in einen gewissen Neid, aber stets spaßig formuliert, auf größere Mädchen bei Ballsportspielen definierte.

Im Basketball und Volleyball war ich niemals gut, dafür habe ich umso besser Handball gespielt. Ich sah meine Körpergröße nie als Manko und habe sie durch Schnelligkeit kompensiert. Den Ball konnte ich gut durch die Beine der Torfrau werfen. Meist war die zu langsam für mich.

Neid kann sich im positiven Sinn, als Ehrgeiz definieren. „Die“ hat eine gute Note? Das kann „ich“ besser! Im Sportkarate lediglich neidisch auf die „Meisterin“ zu sein bringt wenig. Ich habe sie mir angeschaut, den Stil analysiert und sie beim nächsten Turnier geschlagen.

Das brachte nun mir das typische Verhalten von „Neidern“ ein, besonders von anderen Frauen. Auf meinen beruflichen Erfolg sind die weniger gut zu sprechen. Deren kleines Ego bekam scheinbar Oberwasser, wenn ich eine Weile „arbeitslos“ war.

„Hättest du mal den Job bei (…) angenommen“, hieß es dann süffisant, um später über den 370 Z, meinen Urlaub und was auch immer zu lästern. Ich habe immer nur gelacht und gesagt: „Mitleid bekommt man gratis, aber Neid muss man sich verdienen.“

„Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung.“ – Wilhelm Busch

Das Interview – Teil 2: Quo vadis, Mayumi?

Düsseldorf, im Juli 2015. Ein Interview erschüttert die Welt. KLICK MICH Meine beste Freundin hat es mit mir geführt. Unterstützung kam von (m)einer frechen Elfe. Heute nun der zweite Teil. Aus den Zeilen gehen kaum die Lacher hervor, die es dabei gab. Im Gegensatz zum letzten Interview, haben wir eine andere Form gewählt, um die einzelnen Personen hervorzuheben. Und nun viel Spaß beim lesen.

Düsseldorf, im Februar 2017. Ich (Karin) bin unterwegs zu Mayumis Elternhaus, aber leider ganz allein. Meine drei Süßen liegen stark erkältet im Bett, mir geht es schon viel besser. Aber warum kribbelt plötzlich mein Bauch?

Wie immer wenn ich an Yumi denke, erscheint ein Lächeln auf meinem Gesicht. Dabei war unsere erste Begegnung fast ein Schock für mich. Heute, viele Jahre später, ist sie die beste Freundin der Welt. Auch wenn das Wort „Biest“ bei ihr noch untertrieben ist. Lässt man sie, teilt sie nach allen Seiten aus.

Kritische Fragen zu stellen ist Yumis Weg, um eingefahrene Denkmuster aufzubrechen. Die wenigsten können damit und fühlen sich sofort provoziert. Selbst mich lockt sie damit noch aus der Reserve und ich sollte es eigentlich besser wissen.

Als ich ankomme steht der rote Flitzer vor der Tür. Sie war also schon in Stuttgart und hat ihn abgeholt. Ich schmunzele, sie kann es nicht lassen! Ihre Mutter öffnet und begrüßt mich lächelnd. Ich mag diese Frau, die wie eine ältere Ausgabe einer gemäßigten Mayumi wirkt. Die Ähnlichkeit ist offensichtlich.

„Karin“, sagt sie mit deutlichem Akzent, „wie schön dich zu sehen.“ Yuki flitzt aus der Küche und winkt mir mit mehlverstaubten Händen zu. „Wir sind am kochen!“, lässt sie mich wissen und Yumis Mutter nickt dazu. „Sie übt unten mit ihrem Vater“, sagt sie leise und schaut mich wissend an. Im Geist sehe ich einen zur Unkenntlichkeit verknoteten Mann, der hilflos auf der Matte liegt.

Ich habe die beiden schon trainieren sehen und war einfach fasziniert! Das sah so echt aus, mir wurde Angst und bange! Yumi kann ihren Vater mit reiner Kraft nicht schlagen. Aber ich habe nie zuvor jemand gesehen, der solche Reflexe hat und eine derartige Körperbeherrschung. Niemand kann ihren Kicks widerstehen.

Ich erschrecke, als eine Stimme „Buh!“ sagt und Yumi im Karate-Gi lachend neben mir steht. „Ich gehe schnell duschen“, sagt sie und ist schon wieder weg. Ihr Vater hat das Nachsehen, sie war immer schon zu schnell für ihn. Aber er lächelt und sagt ebenfalls „Hallo“ zu mir.

Yumis Mutter bringt Tee und setzt sich mit Yuki neben mich. Wir unterhalten uns, bis „das Biest“ wiederkommt. Statt Karate-Gi trägt sie ein ärmelloses T-Shirt und eine kurze Hose. Wieder fallen mir ihre fast schon muskulösen Oberschenkel auf. Sie sind der Grund warum Yuki immer „Dicke“ zu ihr sagt. Yumi ist gertenschlank!

Vielleicht werden sich nun LeserInnen wundern, warum ich „Yumi“ und nicht „Mayumi“ schreibe. Als einer der wenigen Menschen darf ich die Kose- bzw. Kurzform ihres Namens nutzen. Normalerweise sage ich „Miststück“ zu ihr. (Für diese Bemerkung habe ich den Mittelfinger gesehen.)

Ja, es gibt Menschen, die sofort der Mittelpunkt sind, wenn sie einen Raum betreten. Yumi ist ein solcher Mensch. Schon in der Schule war sie der Star. Das ist noch heute so. Sie bestimmt und alle machen mit. Nun gibt es Menschen, die das mit lauter Stimme machen. Yumi laut? Das habe ich selten erlebt.

Yumis Vater, ist ein liebenswerter und sehr gebildeter Mann, mit dem ich mich schon oft unterhalten habe. Wie Yumi ist er eine natürliche Respektsperson, aber sie hat ihn locker im Griff. Zwar hört sie ihm zu, aber vertritt auch vehement ihre Meinung. Und es ist keine Lüge wenn ich sage, er ist furchtbar stolz auf sie.

„Du riechst lecker“, sagt sie zu Yuki, die nur die Augen verdreht und leise „Baka“ murmelt. Aber so kenne ich die beiden. Unzertrennlich und doch mit eigenem Kopf. Wir tauschen Neuigkeiten aus bis Yumis Vater wiederkommt. Es folgt ein typisch japanisches Mittagessen, das unbeschreiblich köstlich ist.

„Wehe du steckst uns an!“, sagt Yumi, als ich mir nach dem Essen das Näschen putze und zieht uns lachend in ihr Jugendzimmer. Als wir es uns auf ihrem Bett gemütlich machen, muss ich fast automatisch an Natalie denken. Wie oft haben wir drei hier gesessen!

Wir reden über tausend Dinge, als mich eine plötzliche Idee anspringt. Was auch daran liegt, dass ich in Yumis Blog gestöbert habe und das alte Interview fand. „Du suchst doch immer nach Beiträgen“, beginne ich und schaue Yuki an. „Wollen wir einen zweiten Teil des Interviews machen?“

Als Yuki strahlt und nickt, weiß ich die Antwort schon. „Wenn ihr wollt“, gibt Yumi scheinbar gelangweilt zurück. Aber ich kenne sie, die Idee gefällt ihr gut. Handys werden gezückt und plötzlich heißt es „Vorsicht Kamera“ oder „Aufnahme läuft.“

Karin: „Schön, dass du wieder in Deutschland bist, du Reisetante. Bleibst du uns nun eine Weile erhalten?“

Mayumi: „Hast du mich vermisst?“

Karin: „Du bist …“

Mayumi: „Doof, ich weiß. Ich habe dich auch lieb.“

Karin: „Wie war Amerika, haben sich eure Erwartungen erfüllt?“

Mayumi: „Etwas zu erwarten bedeutet, dass man enttäuscht werden kann.“

Karin: (lachend) „Könntest du bitte konkreter werden? Sonst macht das Interview doch keinen Sinn!“

Mayumi: „Das Leben in den USA ist anders. Schneller, wenn du so willst. Hinzu kommt, dass in Los Angeles eine ganze eigene Art von Menschen leben. Ich spreche weniger von der LGBT-Community, sondern meine das allgemein. Düsseldorf oder Stuttgart sind tiefste Provinz, wenn man die Städte vergleicht.“

Karin: „Hast du dort berufliche Kontakte gefunden?“

Mayumi: „Ja und nein. Wir waren für die Tuning Firma in Detroit, aber neue Kontakte im Sinn neuer Aufträge gab es keine. Das würde aus mehreren Gründen nicht funktionieren. Was weniger an der Sprache, als an den amerikanischen Gesetzen liegt.“

Karin: „Wie war das Wetter dort? Angeblich scheint dort immer die Sonne.“

Mayumi: „Wer hat dir diesen Unsinn erzählt? Es war recht kühl, man könnte das herbstliche Temperaturen nennen. Nur mit dem Schnee war Fehlanzeige. Den hatten wir dann in Schweden.“

Karin: „Du machst mich total neidisch! Aber ich finde es toll, dass du um die halbe Welt geflogen bist, um der Firma zu helfen. Hat sich das ausgezahlt?“

Mayumi: „Wir haben dafür kein Geld bekommen. Nur Flug und Unterkunft waren umsonst. Ich bin schon dabei ein Konzept zu erstellen, das die Firma vor dem Konkurs retten wird.“

Karin: „So schlimm ist es?“

Yuki: „Sie übertreibt, aber die Sache ist schon ernst.“

Mayumi: „Der Kunstgriff wird sein auf Wachstum zu setzen, aber keine böse BWL zu nutzen. Gib mir noch eine Woche und alles ist wasserfest.“

Karin: „Darf ich das dann sehen? Bitte?“

Mayumi: (Feixend) „Um mich zu kopieren? Klar darfst du. Als Gegenleistung erwarte ich einen Nachmittag mit deinen Kindern. (Yuki strahlt und nickt)

Karin: „Abgemacht. Die beiden sind sowieso verrückt nach euch. Aber lass uns über deinen Blog sprechen, wenn du magst. Ich habe viele deiner Texte gelesen und eine Veränderung festgestellt. Du bist politischer geworden. Kann das sein?“

Mayumi: „Wie du am besten weißt, war ich früher mehr der unpolitische Typ. Zwar GRÜNE, aber sonst wenig an Politik interessiert.“

Karin: „Du glaubst doch überhaupt nicht an Politik!?“

Mayumi: „Wen fragst du, die rationale oder emotionale Komponente meines Seins?

Karin: „Na dich!“

Mayumi: „Komme ich authentisch rüber?“

Karin: „Ja und nein. Ich kann schon erkennen wer da schreibt, aber du wirkst oft so anders.“

Mayumi: „Wie wirke ich denn auf …(Yuki hält ihr den Mund zu. Dazu muss ich erklären, dass Yumi im Blog oft flapsig und dann wieder regelrecht eisig wirkt. Ich kenne sie besser. Ihr Humor ist echt, aber in Wirklichkeit ist sie wesentlich japanischer, als sich das in Worten liest. Kühle Logik gepaart mit fernöstlicher Freundlichkeit.)

Karin: „Danke! Also zur Politik, was hat sich für dich geändert und warum erst jetzt?“

Mayumi (kitzelt Yuki): „Man hat mich darauf angesprochen, dass dieses neue Interesse an Politik erst 2015 erwacht sei. Das ist falsch. Ich beschäftige mich lediglich viel intensiver damit. Vor allem, um bei einer Partei zu bleiben, mit dem seit Jahren vorhandenen Unwohlsein über die GRÜNEN.

Das lag mit am Parteiprogramm, aber maßgeblich an gewissen Personen, die ich weltfremde FundamentalistInnen nenne. Die Namen sind euch gut bekannt. Als unsere Kanzlerin ihre Grenzentscheidung traf, als ganz schnell klar geworden ist, dass primär junge Männer und keine Familien über die Grenze kommen, habe ich das kritisiert.“

Karin: „Hattest du Angst?“

Mayumi: „Warum sollte ich Angst haben? Ich kann lediglich besser rechnen und habe vor allem die kommenden Probleme gesehen. Es wird nicht mehr lange dauern und der letzte Fahnenschwenker wird begriffen haben, dass es auch an seine Ersparnisse geht. Dann werden wir das wahre Gesicht der Pseudolinken sehen!

Hilfe ist eine Sache, aber jedem ohne Kontrolle den Zugang in die Sozialsysteme zu gewähren, hat eine andere Qualität. Ein Großteil dieser Menschen wird den Staat auf Jahrzehnte belasten, einige sogar für immer.“

Karin: „Das klingt im ersten Moment sehr ablehnend, ja kalt.“

 Mayumi: „Dürfen sich Ökonomen von Gefühlen leiten lassen? Gezielte Entwicklungshilfe für afrikanische und arabische Staaten, hätte einen Teil des Problems abgefedert. Statt einem Menschen in Deutschland 1.000 Euro pro Monat zu geben und damit in der Summe die Sozialsysteme zu sprengen, hätte er in seiner Heimat mit viel weniger auskommen können. Diese 1.000 Euro können in Afrika zwischen zehn und zwanzig Leben retten, das weißt du sehr gut.“

Yuki: „Hast du Widerstand gespürt, also von anderen Bloggern?“

Mayumi: „Ja. Es gab immer wieder subtile Versuche, um meine Aussagen unglaubhaft zu machen. Auch Hasskommentare, die ich nie veröffentlicht habe. Ich kann mich an mehrere Leser erinnern, die eine Statistik als Beleg meiner Aussagen forderten. Solche Stimmen sind mittlerweile verstummt, die Zahlen stehen fest.“

Karin: „Worin siehst du den wahren Grund der Flüchtlingskrise?“

Mayumi: „Im Neoliberalismus, der grenzenlosen Gier der Eliten, die Afrika und die arabischen Länder ausbeuten. Aber auch ganz klar in der amerikanischen Geopolitik. Schau dir genau an was passiert ist, man hat die Staaten destabilisiert.

Mit dem Kampf gegen den Terror hatte das nichts zu tun. Der ist sowieso frei erfunden. Der Gag dabei, diese Länder waren keine Gottesstaaten, sie waren säkular. Es geht um Macht, Einfluss und die schwindenden Ressourcen. Und wo liegt weltweit das meiste Öl?“

Karin: „Ich weiß was du meinst. Aber du kritisiert vor allem den Islam massiv. Hast du keine Angst dadurch in die rechte Ecke gedrückt zu werden?“ (Mayumi lacht, als ich sie das frage.)

Mayumi: „Ich bezeichne mich als liberal-konservativ mit linken Anleihen. Eigentlich war ich das immer schon. GRÜN passt mir nur besser wegen dem LGBT Ansatz. Und was ist rechts? Die CDU/CSU ist rechts. Und es ist in Deutschland noch immer ein gern gespieltes Foul, Kritiker zu diskreditieren und die Nazi-Keule auszupacken.

Zum Teil unbewusst, ein Großteil der deutschen Bevölkerung ist wenig politisch interessiert und hängt gläubig an den Lippen der Journalisten, die angeblich immer die Wahrheit sagen. Getreu dem Motto: Es war im Fernsehen, also muss es richtig sein. In einem Schnappatmer Reflex (sie imitiert einen nach Luft ringenden Fisch), wird dann blind um sich geschlagen, wenn irgendwer konträr zur politisch korrekten Meinung ist, die man den Menschen eingetrichtert hat.“

Karin: „Wirklich konservativ sieht aber anders aus. Du bist alles andere, als von gestern. Einerseits bist du weltoffen und dann verteidigst du vehement deutsche und japanische Traditionen. Wie passt das zusammen?“

Mayumi: „Sehr gut sogar. Ich finde Halt in Kultur und Sprache, in Traditionen und arbeite trotzdem an progressiv-innovativen Ideen mit.“

Karin: „Warum kritisierst du den Islam so heftig? Wir haben doch auch türkische Freundinnen.“

Mayumi: „Welche unserer Freundinnen sind radikale Islamistinnen? Der Islam ist keine Religion, er ist und bleibt eine Ideologie, die sich auf einen unbeweisbaren Schöpfergott beruft und den Anspruch auf absolute Herrschaft hat. Diese Herrschaft bezieht sich auch auf das Privatleben der Menschen. Die Scharia schreibt vor, wie sie zu leben, zu denken und zu handeln haben.

Diese steinzeitliche Denkweise, ist eine Gefahr für den aufgeklärten Westen und beschneidet freiheitlich denkende Menschen in ihren Grundrechten. Anders formuliert muss sich für den Muslim der Westen, also Deutschland derart ändern, dass er für ihn als neue Heimat passt. Er aber wird sich nicht ändern, das verbietet ihm sein Allah.

Von einer Freundin weiß ich, dass ein türkischer Vater vehement ein Verbot von Schweinefleisch für alle Kinder im Kindergarten forderte und das Kreuz im Büro der Leiterin nicht sehen wollte. Und das geht viel zu weit. Nicht „wir“ müssen uns an ihn, er hat sich an dieses Land anzupassen.

Muslime können ihren Islam gern privat leben. Öffentliche Forderungen, speziell von diesem sogenannten Zentralrat, sind politische Forderungen und der Versuch Einfluss auf deutsche oder europäische Politik und damit die westliche Lebensweise zu nehmen.“

Karin: „Gibt es Anfeindungen von Muslimen?“

Mayumi: „Warum sollte es die geben? Glaubst du wirklich, dass die so verbohrt sind und nun gleich das Messer zücken?“

Yuki: „Hasst du Muslime?“

Mayumi: „Warum sollte ich andere Menschen hassen? Ich wehre mich nur gegen Bevormundung und Übergriffe, die, nach meiner Erfahrung, überwiegend aus dieser Gruppe kommen. Schau dir an was 2016 alles geschehen ist und wer, neben der Politik, die Verantwortlichen sind. Für die meisten dieser Typen sind westliche Frauen nur Huren, die sie benutzen dürfen.“

Yuki: „Aber du bist Japanerin!“

Mayumi: „Wie du auch, mein Schatz. Es spielt für viele keine Rolle, woher wir kommen oder wie wir aussehen. Für sie sind alle Frauen benutzbar, die sich westlich, offen kleiden. Medien und Politik unterdrücken viel zu oft Meldungen, wenn es um Übergriffe gegen Frauen geht. Aber sie nehmen zu, wie du weißt.“

Karin: „Was wäre, wenn wir vielleicht mehr und intensivere Hilfe oder Aufklärung für diese Menschen leisten?“

Mayumi: „NLP-Technik als Frage getarnt? Netter Versuch. (Sie lacht.) Niemand versagt wirklich Hilfsbedürftigen die Hilfe. Aber viele Migranten verschwinden sofort in Parallelgesellschaften und leben dort für immer. Sie wollen Geld, aber keine deutschen Werte teilen. Das bestätigen auch immer mehr voll integrierte Muslime, die wenig mit den altvorderen Worten des Korans anfangen können.

Und wir sollten endlich damit aufhören, alle die nach Deutschland kommen als Flüchtlinge zu bezeichnen. Genau das sind sie nämlich nicht! Wer einen florierenden Handel im Libanon aufgibt, sich als Syrer tarnt, um hier von Sozialhilfe zu leben, der ist grundverkehrt in diesem Land.“

Karin: „Du hast schon mehrfach erwähnt, dass es einen Krieg der Religionen oder Ideologien gäbe und man Muslime gezielt gegen Christen aufhetze. Wer macht das? Magst du dazu noch etwas sagen?“

Mayumi: „Das ist ein sehr komplexes Thema. Jeder der sich damit beschäftigt, bewegt sich am Rand der Verschwörungstheorie. Meiner Meinung nach, die aber auf den Studien anderer Wissenschaftler basiert, wird die Auseinandersetzung gesteuert und alte Vorurteile neu belebt.

Pauschal zu sagen, die USA steckten dahinter, ist falsch. Es sind nicht die USA allein, es ist das Großkapital, das zusammen mit der Politik eine Art Kartell bildet, quasi eine unheilige Allianz. Hinzu kommen in Deutschland noch die durch die GEZ finanzierten Medien. Der Gag schlechthin, wir zahlen für staatliche Propaganda.“

Karin: „Das klingt sehr vage!?“

Mayumi: „Es ist vage. Warum? Weil es eben keine feste Gruppe gibt, die sich in Kapuzen gehüllt trifft und als Geheimzirkel die Welt regiert. Wenn, so ist es eine Kooperation verschiedener Großkonzerne, Lobbyisten, PolitikerInnen, allerdings primär aus den USA, die ihren Reichtum auf Kosten der Bevölkerung mehren.

Jeder vernünftige Mensch kann und wird die Anzeichen erkennen, wenn er sich damit beschäftigt. Problematisch sind die vielen Spinner, die schnelles Geld mit der Angst von Menschen machen und von Geheimbünden reden, die aus Außerirdischen bestehen. Du verstehst, was ich damit meine?

Was wir (er)leben, ist eine Art Scheindemokratie, die uns manipuliert. Das muss kein Nachteil sein, wenn alle genug zu essen haben. Leider ist das nicht der Fall, was an der Gier und dem Neid innerhalb der Eliten liegt.“

Karin: „Noch ein Worte zur Presse. Gibt es noch guten Journalismus in Deutschland?“

Mayumi: „Für JournalistInnen wird es zunehmend schwieriger sich gegen den Einfluss von Politik und Kapital, also Werbung, durchzusetzen. Wenn der Chefredakteur ein bestimmtes Parteibuch hat, ist das so gut wie unmöglich.

Hinzu kommt noch, dass viele junge JournalistInnen nur Zeitverträge haben. Sie werden also vorsichtiger mit ihren Artikeln sein, um eine Verlängerung ihres Vertrages nicht zu gefährden. Darüber spricht natürlich niemand. Leider ist es traurige Wahrheit.“

Karin: „Ein spannendes Thema, aber da bin ich ganz bei dir! Glaubt man dir, wenn du das schreibst?“

Mayumi: „Es geht weniger darum mir zu glauben, sondern darum, die Dinge kritischer zu sehen. Die Menschen müssen wieder lernen nicht gleich jedem Wort der Politdarsteller blind zu vertrauen. Anhören, analysieren, eine zweite oder dritte Meinung einholen und sich selbst ein Bild machen. So funktioniert das wesentlich besser. Aber dieser kritiklose, blinde Gehorsam in Deutschland, ist wirklich erschreckend.

Viele werden von der herrschenden Klasse automatisiert, ihres Verstandes beraubt und auf Kurs gebracht. Bei Beamten ist das ganz schlimm. Schon wieder höre ich oft, dass „man“ ja lediglich den Vorgaben der Regierung folge.

Das haben die Kriegsverbrecher auch gesagt, als man sie mit den Bildern der Konzentrationslager konfrontierte. Ohne Sinn und Verstand, nur auf den eigenen kleinen Vorteil bedacht, werden Dinge ausgeführt, die langfristig für noch mehr sozialen Sprengstoff sorgen.“

Karin: Deine Kritik an den USA, den Herrschenden, wirkt sehr linkslastig auf mich!?“

Mayumi: „Die Kritik an der Demokratie, hat wenig mit politischen Überzeugungen zu tun. Eine echte Demokratie lebt von der Kritik, der Auseinandersetzung zwischen  BürgerInnen und PolitikerInnen.

Aber wenn man es genau nimmt, so stimme ich zumindest in einigen Punkten mit Frau Wagenknecht überein, die ich für sehr sympathisch und durchaus ehrlich halte. Zumindest im vorgegeben Rahmen, den auch sie nicht verlassen kann.“

Yuki: „Apropos Kritik! Du hattest einige Auseinandersetzungen mit anderen Bloggern, die ziemlich heftig wirkten. Bereust du das?“

Mayumi: „Heftig für wen? Ich streite mich nie im Internet, das ist und bleibt verlorene Lebenszeit. Richtig ist, dass es einige Versuche gab, die aber gescheitert sind.

Ich lese das durch, analysiere die möglichen Motive der Person und antworte vielleicht. Im Grunde genommen tun mir diese Menschen leid. Einige sind nur verblendet, wieder andere haben psychische Probleme.“

Karin: „Kannst du das präzisieren?“

Mayumi: „Für psychisch Kranke ist das Internet oft die einzige Möglichkeit um Dampf abzulassen. Ich bin dann sozusagen das Ventil für sie. Warum also soll ich ihnen schaden? Ich lasse sie vielleicht auflaufen, beweise ihnen das Gegenteil oder lösche den Kommentar. Danach herrscht meist Funkstille. Unabhängig davon finde ich es mehr als schwierig mich mit Menschen zu streiten, die mehr Achselhaare als Bildung und politischen Sachverstand haben.“

Karin: (Muss schallend lachen) „Wie kommst du nur immer auf solche Vergleiche! Aber ich habe den Eindruck, dass einige LeserInnen weder deine Intention noch deine Antworten verstehen.“

Mayumi: (schmunzelnd) „Was war jetzt die Frage? Schau, ich freue mich, wenn ich LeserInnen vielleicht ein Lächeln auf die Lippen zaubern kann oder ihnen dabei helfe ein Problem zu lösen. Oft reicht eine gezielte Frage aus, um ihren Blickwinkel zu ändern. Und die stelle ich.“

Yuki: „Was oft für Unverständnis sorgt. Ist das Absicht?“

Mayumi: „Es geht darum anderen zu zeigen, wie sehr man sie manipuliert hat. Leider fällt ihnen das umdenken schwer. Es ist nicht so, dass ich keine andere Meinung gelten lasse, aber wenn ich Dinge besser weiß, hört man mir besser zu.“

Yuki: „Deine Texte wirken oft so, als ob nur du die absolute Wahrheit kennst.“

Mayumi: (lacht) „Ich bin keine ausgebildete Journalistin und schreibe Texte auf meine eigene Weise. Dass ich mich dabei einiger literarischer Stilmittel bediene, sollte jeder wissen. Und wenn ich gut ankomme, habe ich doch etwas richtig gemacht.

Ich bin nun mal von mir und meiner Meinung überzeugt und bringe das auch zum Ausdruck. Und manchmal will ich provozieren, um den Denkprozess in Gang zu setzen. Vernünftiger Kritik bin ich immer zugänglich! Persönliche Attacken kontere ich aus.“

Yuki: „Immer?

Mayumi: „Nein. Wie ich schon sagte, was bringt es, wenn ich Depressiven die Leviten lese? Das dringt kaum durch den Tablettennebel. Ich lösche sie und gut. Und linke Hetze besteht meist nur aus persönlichen Beleidigungen. Mehr als dumpfe Parolen können die kaum. Wer keine eigenen Fakten hat, für den ist jeder ein Feind.“

Karin: „Und doch wirkst du oft sehr radikal in deinen Texten. Ich kenne dich gut und weiß damit umzugehen. Aber warum schreibst du keine Gedichte oder Kurzgeschichten mehr?“

Mayumi: „Mein Tag hat nur 24 Stunden. In einem Gedicht kann ich nicht immer das ausdrücken, was ich mit einem längeren Beitrag kann. Um Zeit zu sparen, wäre ein Haiku besser. Aber ich mag einfach die Themenvielfalt.“

Yuki: „Du hast dich an Weihnachten 2016 von fast zwanzig Blogs getrennt. Warum? Macht dir das nichts aus?“

Mayumi: „Viele waren verwaist. Wer mehr als sechs Monate keine Artikel schreibt, hat andere Interessen. Bei einigen Blogs habe ich bemerkt, dass ich diejenige bin, die kein Interesse mehr an den Inhalten hat. Also warum den Reader damit weiter belasten?“

Karin: „Das klingt sehr rational.“

Mayumi: „Ist es und nie persönlich.“

Yuki: „Apropos persönlich! Belasten dich Anfeindungen? Ich finde es immer eklig, wenn man dich gezielt angreift.“

Mayumi: „Warum sollten die mich belasten? Ich diskutiere mit jedem, der halbwegs sachlich bleibt. Wer mir dumm kommt, wer nur provozieren will, ist keiner Antwort wert.“

Karin: „Ich kann mich da an einige Diskussionen auf der Uni erinnern, also da sind wirklich die Fetzen geflogen!“

Mayumi: „Du meinst diese arroganten Brüder? Also da war ich wirklich zahm!“

Karin: „Ist klar! Warum waren die plötzlich so still?“

Mayumi: „Weil ich sie kognitiv suboptimiert nannte?“

Karin: (fällt fast vom Bett vor Lachen) „Jetzt erinnere ich mich wieder! Hast du weniger LeserInnen seit du politisierst?“

Mayumi: „Das Gegenteil ist der Fall. Allerdings werden politische Artikel von deutlich weniger Menschen kommentiert, als zum Beispiel meine Reiseberichte. Interessant dabei, die, die mir angeblich nicht mehr folgen, lesen noch immer heimlich mit. WordPress zeigt das sehr genau.“

Yuki: „Warum denkst du machen sie das, gibt es dafür einen Grund?“

Mayumi: „Neugier oder der Versuch Munition gegen mich zu finden. Besonders gern mag ich die Fraktion der „Statistiker“, die sich regelmäßig blamiert. Richtig armselig sind Anonyme, die zu feige sind um mit ihrem richtigen Account zu schreiben. Vielleicht sollte ich ein <<Best of>>, der Beleidigungen schreiben.“

Karin: „Warum äußern sich Menschen weniger zur Politik? Aus Unkenntnis oder haben sie Angst?“

Mayumi: „Beides. Viele wählen eine Partei nicht aus politischer Überzeugung, sondern machen eine Personenwahl. Wer ihnen sympathisch ist, der bekommt die Stimme. Klar spielt bei der schweigenden Mehrheit meiner LeserInnen der Faktor Angst eine Rolle.

Manche wollen sich auch nicht blamieren oder ihre wahre politische Überzeugung verbergen. Ein anderer Grund, ist eine befürchtete soziale Ächtung, wenn sie sich zum Beispiel als CDU WählerInnen outen.

Karin: „Bald sind Wahlen. Wie stehst du zur AfD? Siehst du sie auch als reine Populisten und Volksverhetzer, die zum Teil verkappte Nazis sind?“

Mayumi (schüttelt lachend den Kopf): „Das, meine Süße, ist eine Suggestivfrage. Aber gut. Der AfD stehe ich sehr kritisch gegenüber! Einzelnen Personen in dieser Partei noch mehr. Mit Frau Dr. Alice Weidel dagegen, würde ich mich gern länger und rein fachlich unterhalten. Auch mit Professor Jörg Meuthen. Vielleicht ergibt sich das noch.

Spannend daran, wir sind mehr oder weniger vom gleichen Fach. Eine Diskussion wäre also auf einem hohen Niveau zu Sachfragen möglich und jenseits von jeglichem Populismus. Bisherige Versuche einer Diskussion mit Leuten der AfD waren eher bescheiden.

Fairerweise muss ich dazu sagen, dass das auch bei GRÜNEN, SPD oder CDU-Anhängern kaum besser war. Die blubbern ihre leeren Parolen und bewegen sich dabei knapp über Stammtischniveau.“

Karin: „Treibt die AfD die CDU vor sich her?“

Mayumi: „Ja. Salopp ausgedrückt, wird sie den konservativen Flügel der CDU wieder auf Kurs bringen, davon gehe ich ganz stark aus. Nüchtern betrachtet, ist die AfD also eine Bereicherung der verkrusteten Parteienlandschaft.

Dabei sollte niemand vergessen, dass auch sie nur Teil des politischen Systems ist. Entweder gesteuert oder einfach nur mit anderen Ideen. Das wird die Zukunft zeigen.“

Karin: „Was genau meinst du mit gesteuert?“

Mayumi: „Ich habe es schon mehrfach zum Ausdruck gebracht, dass Deutschland fest in der Hand linker Kräfte ist. Die CDU/CSU hat sich diesem Zeitgeist angepasst, was wir Frau Merkel zu verdanken haben.

Aber es rumort tief in den Eingeweiden der Konservativen. Daher suchen sie händeringend nach dem geeigneten Mittel, um das Land wieder gerade zu rücken. Die AfD könnte dieses Mittel sein.

Man kann also hinterher sagen „Schaut nur, wir haben das Land vor den Rechten gerettet und jetzt bricht eine neue (konservative!) Zeit für Deutschland an. Die Linken sind dann auch nur noch Schnee von gestern, die werden mit der AfD entsorgt.“

Karin: „Man stigmatisiert die AfD also nur als Nazi-Partei, um eigene Fehler zu verschleiern? Und was meinst du mit hinterher?“

Mayumi: „So könnte man das durchaus sagen, ja. Wir erleben zur Zeit wieder einen Kampf der Eliten, die gegeneinander und gegen das Volk ins Feld ziehen. Mit hinterher meinte ich, dass ultrakonservative Kräfte innerhalb der Eliten versuchen werden, die Führung zu übernehmen.

Die Linken, die das Spiel entweder noch nicht begriffen haben oder einfach nur ideologisch verblendet sind, reagieren mit dem Schnappatmer-Reflex und sehen lediglich die AfD als Feindbild, die sie mundtot machen wollen. Aber noch leben wir in einer Gesellschaft, die andere Meinungen erlaubt, auch wenn es zunehmend schwieriger wird.

Karin: „Du hast die Meinungsfreiheit angesprochen. Siehst du die in Gefahr?“

Mayumi: „Ja! Schau dich nur um, rede mit anderen. Wo sind die großen Geister, die Philosophen? Wir leben in einer Generation, die kaum noch große Denker hat. Nimm Theodor W. Adorno, Max Horkheimer, von mir aus auch noch den umstrittenen Martin Heidegger. Wo sind solche Menschen heute?“

Yuki: „Basiert die Studentenrevolte und ihre Folgen denn nicht genau auf Adorno und Horkheimer?“

Mayumi: „Auch, ja. Aber vergiss Horkheimer, der eigentlich führende Kopf dieser Zeit war meiner Meinung nach Adorno. Auch wenn das ein Herbert Marcuse vermutlich anders sehen würde.“

Karin: „Bewunderst du Adorno?“

Mayumi: „Er war ein großer Denker, der andere zum denken anregen konnte. Selbst heute noch, viele Jahre nach seinem Tod. Wer denkt, der sei nicht wütend, hat er einmal gesagt. Diesen Spruch hat die Antifa nie verstanden.

Wenn ich jemanden in Teilbereichen bewundere, falls man das Wort in seiner ganzen Tiefe ausschöpfen möchte, so ist das, neben Doris Lessing, die großartige Hannah Arendt! Vermutlich haben die meisten Jugendlichen den Namen noch nie gehört. Und das finde ich erschreckend.

Unsere Philosophen heute heißen Daniela Katzenberger und Kollegah! Vollverblödete Automaten, die sich Menschen nennen, stieren in die Glotze oder vegetieren bis zu ihrem Tod dahin. Hinterfragt wird fast nichts mehr, selbst nachzudenken ist aus der Mode gekommen.“

Yuki: „Hat die Bildung in Deutschland gelitten? Wenn ja, warum?“

Mayumi: „Ja. Das hat auch viel mit den neuen Medien zu tun. Schau dir nur an, wie lange selbst wir oft vor den Rechnern sitzen. Jugendliche wachsen mittlerweile mit dem Handy auf, der Playstation und dem Internet. Spaß steht an erster Stelle. Sie werden zu einer Gesellschaft von Robotern gemacht, die nach dem Willen der Eliten funktionieren.

Die <<Erziehung zur Mündigkeit>> nach Adorno, wird von Spieleherstellern übernommen. Ziviler Ungehorsam war gestern. Schuld daran tragen aber auch die Linken, die andere Ideen und Meinungen mit faschistischen Methoden unterdrücken.“

Karin: (schmunzelnd) „Du bist eine Kämpferin und hast schon vielen Menschen geholfen, so kenne ich dich. Und du machst seit Ewigkeiten Karate. Ich bewundere dich dafür. Musstest du dich jemals wirklich verteidigen?“

Mayumi: „Du meinst, ob es um mein Leben ging. Ja, damals in Dortmund und auch schon in Düsseldorf. Ohne Karate wäre das übel ausgegangen.“

Karin: „Provozierst du nicht oft den Streit? Und einmal hast du mir Angst gemacht. Du erinnerst dich bestimmt.“ (Mayumi schaut mich mit ihren dunklen Augen an und auch als ihre beste Freundin, wird mir flau im Magen.)

Mayumi: „Buddha lehrt uns, dass uns niemand beleidigen kann und es daher auch keiner Vergebung bedarf. Ich habe einen ganz eigenen Sinn für Gerechtigkeit. In den meisten Fällen prallen die Worte an mir ab und verletzen den, der sie geworfen hat.

Aber wer meine Familie bedroht, wer die Hand gegen mich hebt, wer für den Tod eines mir nahestehenden Menschen mit verantwortlich ist, auch wenn es nur passiv war, der wird ein Problem mit mir bekommen.“

Karin: (Muss schlucken, als die Erinnerung an Natalies Tod wiederkommt.) „Vermisst du Nati sehr?“

Mayumi: „Ich habe keinen Zugang zu westlicher Trauerkultur. Ich erinnere mich und weiß, dass ich Nati irgendwann wiedersehen werde.“

Yuki: „Hasst du Tom immer noch?“ (Tom war Natalies Ehemann und trägt eine Mitschuld an ihrem Tod.)

Mayumi: „Ich hasse niemand. Aber er geht mir besser aus dem Weg.“ (Die letzten Worte klingen eisig.)

Karin: „Du bist Buddhistin. Könntest du trotzdem jemand umbringen, also nur so theoretisch, wenn dein Leben in Gefahr ist?“

Mayumi: „Du bist Christin. Könntest du trotzdem jemand umbringen, also nur so theoretisch, wenn dein Leben oder das deiner Familie in Gefahr ist?“

Karin: „…“

Yuki: „Was bedeutet Buddhismus für dich?“

Mayumi: „Primär eine andere Sicht der Dinge zu haben. Ich habe es mal so ausgedrückt, dass ich zwar auf den Papier Buddhistin bin, aber stets meinen eigenen Weg gehe. Durch meinen Vater kenne ich den Zen-Buddhismus sehr gut, aber ich bin keine vergeistigte Gläubige.“

Karin: „Du überrascht mich oft mit Aussagen, wenn ich das genaue Gegenteil von dir erwarte.  Oder du handelst einfach wenig buddhistisch. Warum?“

Mayumi: „Ich bin Feuer und Wasser, der See mit glatter Oberfläche, die den Vulkan verbirgt. Reicht dir das als Antwort?“

Yuki: „Wie stehst du zu Gewalt?“

Mayumi: „Gewalt von wem und gegen wen? Krieg ist die größte Sprachlosigkeit von Menschen. Auch wenn ich Karate lehre, bin ich keine sprachlose Kriegerin.“

Karin: „Aber du benutzt Gewalt doch selbst!“

Mayumi: „Wo habe ich jemals jemand ohne Grund angegriffen? Ich gehöre zu den Menschen, die sich zu wehren wissen und keine Hemmungen haben, das Erlernte einzusetzen. Aber Gutmenschen, mit rosa Brille, haben selbst damit ein Problem.“

Karin: „Warum benutzt du das Wort Gutmensch so oft? Du kennst doch bestimmt seine Herkunft.“

Mayumi: „Natürlich. Ich attackiere damit bewusst links-grüne Gesinnungsfanatiker, die in einer rosa Filterblase leben.“

Karin: „Du bist wirklich eine Samurai-Prinzessin!“

Mayumi: „Danke!“ (Sie lacht)

Yuki: „Themawechsel bitte. Könntest du dir vorstellen Deutschland für immer zu verlassen und in einem anderen Land zu leben?“

Mayumi: „Das liegt auch an dir. Ich kann mir alles, auch Japan vorstellen, wenn du bei mir bist.“

Yuki: „Japan und LGBT sind wie Feuer und Wasser. Es wird noch viele Jahre dauern bis Normalität einkehrt.“ (Mayumi lächelt und nickt.)

Mayumi: „Vielleich sollten wir die Szene dort aufmischen, was denkst du?“

Yuki: „Dass du Fieber hast!“ (Was folgt ist die typische Rauferei der beiden, bei der Yumi absichtlich verliert.)

Karin: (Fünf Minuten und unzählige Lacher später.) „Was sind deine Pläne bezüglich Kindern? Du … ihr wolltet doch welche adoptieren?“

Mayumi: „Das wollen wir immer noch. Aber unser Lebensstil gibt das zur Zeit nicht her.“

Karin: „Wer etwas will, der findet Wege. Wer etwas nicht will, der findet Gründe.“

Mayumi: „Korrekt. Aber wir können keine kleinen Mädchen mit in die USA, Schweden, zurück nach Deutschland und dann wieder Japan bringen.“

Karin: „Du und deine Mädchen!“

Mayumi: „Sagt die Mama, die selbst zwei Töchter hat.“

Karin (schnauft): „Lass uns noch mal über Politik sprechen. Wie siehst du die Chancen, dass die aktuelle Krise gelöst werden kann? Also Flüchtlinge, EU und Parteienkrise.“

Mayumi: „Die sogenannte Flüchtlingskrise ist hausgemacht und wird meiner Meinung nach gesteuert. Zum Teil zumindest. Die in Syrien geborene Österreicherin Laila Mirzo hat in einer Diskussion im österreichischen Fernsehen erzählt, dass ihr, bei ihrer Tätigkeit als Flüchtlingshelferin, immer wieder junge Männer aufgefallen seien, die schon nach wenigen Tagen zurück in ihre Heimat wollten. Gefragt warum, hätten sie die Aussage verweigert, bzw. das ginge sie nichts an gesagt.

Frau Mirzo hat dann irgendwann begriffen, dass sie Schleppern gegenüber stand, die mit den Flüchtlingen kamen und auf Staatskosten zurück wohin auch immer flogen. Und dort haben sie das Spiel erneut begonnen. Es gilt genau dem einen Riegel vorzuschieben, Schleppern vor Ort das Handwerk zu legen und sie drastisch zu bestrafen.

Es gilt auch dafür zu sorgen, dass sich die Lebensbedingungen von Menschen in arabischen und afrikanischen Staaten verbessern. Deutschland, Europa, kann nicht die ganze Welt aufnehmen. Das funktioniert finanziell auf Dauer nicht. Menschen in Not sollte man weiter helfen. Aber nur im Ausnahmefall in Deutschland selbst. Wie ich schon sagte, die Hilfe muss vor Ort erfolgen.“

Yuki (schmunzelnd): „Du sprichst wie Thilo Sarrazin.“

Mayumi: „Viel mehr Menschen sollten den Mann lesen. Was er vor Jahren schrieb, wird momentan Realität. Wir haben in Deutschland schon jetzt eine seltsame Mischkultur, die deutsche Traditionen und Werte verachtet und eine Art Neusprech, also dieses typische „was guckst du“ Gefasel geschaffen hat. Die Frage ist, ob wir das wollen. Ich will das nicht.“

Karin: „Ich auch nicht. Die Veränderungen in Deutschland machen mir Sorgen. Glaubst du wir schaffen das, wie Frau Merkel es formuliert?“

Mayumi: „Merkels Durchhalteparolen sind fast schon mit den letzten Tagen des Hitler-Regimes vergleichbar. Die Frau hat einen großen Fehler gemacht, zu dem sie öffentlich nicht steht. In Wirklichkeit hat sie ihre Position, wie so oft zuvor, schon wieder völlig geändert und betreibt eine Art Anti-Flüchtlingspolitik. Die Medien verschweigen das geschickt oder liefern nur nebulöse Bilder, aus denen sich fast niemand die Wahrheit ziehen kann.

Noch ein Wort zur Parteienkrise, der Vertrauensverlust der BürgerInnen und zur EU. Deutschland hat keinen Euro gebraucht und Deutschland braucht auch keine übermächtige EU-Bürokratie. Brüssels Macht muss in der jetzigen Form weg. Die alte EWG reicht völlig aus.

Was nun die deutschen Parteien betrifft, die brauchen von Grund auf eine Reform. Wir brauchen keine ParteisoldatInnen, denen man auf dem Weg ins Parlament das Rückgrat bricht und die dann dort angekommen nur noch Marionetten ohne eigenen Willen sind.

Ich möchte gern ehrliche Menschen im Parlament sehen, die sich um die Interessen der BürgerInnen kümmern und sie auch stets zu Wort kommen lassen, Stichwort Volksbefragung. Mehr direkte Demokratie und vor allem weg vom Neoliberalismus, das muss ein erklärtes Ziel für eine kommende Generation von PolitikerInnen sein.“

Karin: „Wirst du weiterhin politische Beiträge schreiben? Und um das zu erweitern, glaubst du, dass dein Blog die richtige Plattform ist? Du erreichst doch damit nur wenige Menschen.“

Mayumi: „Den Blog hatte ich vor vier Jahren als Spaßprojekt gestartet, um mich mit anderen lesbischen Frauen auszutauschen, vielleicht den ein oder anderen Tipp zum Coming Out zu geben. Über Facebook hätte ich natürlich eine Masse an LeserInnen mehr, aber müsste auch die Zensurkeule fürchten.

Das ist eine Sache und hat nichts mit Angst zu tun. Die andere, der Faktor Zeit und Geld. Ich kann mir den Blog nur leisten, da ich mehr oder weniger auf einem guten Fundament stehe, also finanziell abgesichert bin. Jede Stunde, die ich für den Blog investiere, kostet Geld.

Nicht im wörtlichen Sinn! Aber wenn ich blogge, wenn ich für Artikel recherchiere, mir Videos anschaue oder Bücher lese, so ist das mit einem immensen Zeitaufwand verbunden, den ich gegenfinanzieren muss. Auf Dauer gesehen werde ich kürzer treten müssen, so leid mir das auch tut.“

Karin: „Glaubst du, dass du mit deinem Blog Dinge ändern kannst?“

Mayumi: „Was passiert mit einem Schneeball, der vom Abhang eines Berges nach unten rollt? Unten angekommen ist er entweder größer oder zu einer Lawine geworden.“

Yuki: „Ein Wort zu Martin Schulz?“

Mayumi: „Ein Blender.“

Karin: „Warum gehst du nicht selbst in die Politik? Ich würde dich sofort wählen!“

Mayumi: „Du bist meine beste Freundin, also voreingenommen. Und in welche Partei soll ich gehen?“

Yuki: „Hast du nicht in deinen Beiträgen davon gesprochen, dass Parteien nur von den Eliten geschaffen worden sind, um dem Volk eine scheinbare Wahl zu präsentieren?“

Mayumi: „Ja. Aber ich möchte mich nicht immer auf der Metaebene bewegen. Gegen die Finanzeliten kann ich als Einzelne kaum etwas unternehmen. Aber ich kann ihre Handlanger kritisieren, ausbremsen und „gute BWL“ verkaufen. Und dann hoffe ich auf den schon angesprochenen Schneeballeffekt.“

Karin: „Wen wählst du?“

Mayumi: „Schauen wir uns die Parteien genauer an, ohne auf die Metaebene abzugleiten. Die SPD ist völlig aus dem Ruder gelaufen. Schröder hat die Sozialdemokratie verkauft und kommt nun, da Merkels Ende naht, aus der Deckung, um ihr noch einen finalen Tritt zu geben. Gabriel ist gescheitert. Schon wieder.

Schulz ist ein Linkspopulist und Karrieresüchtiger, ein ambitiöser Macho, der nur an die Fleischtöpfe will. Mit ihm als Kanzler, ist Deutschland verloren. Der Mann ist ein Eurokrat mit neoliberaler Gesinnung. Der SPD fehlen echte Sozialdemokraten, die diesen Namen auch verdienen.“

FDP: Was soll man zu dieser mittlerweile profillosen Partei noch sagen? Seit Jahren stolpern sie als Wendehälse ohne Plan durch die Welt. Sie versuchen zur Zeit einen Spagat und besetzen auch AfD-Positionen. Aber ihnen fehlten immer schon die richtigen Ideen. Außer einigen wenigen guten PolitikerInnen, hatten sie nie viel zu bieten.

CSU: Seehofer ist ein Papiertiger. Die ganze Münchner Riege auch. Die CSU im Land ist anders. Konservativer, aber niemand hört auf sie. Ich kann Seehofers Taktik zwar verstehen, aber er ist und bleibt zu zögerlich. Irgendwann muss er sich klar bekennen. Der CSU als bundesweit auftretender Partei, wäre vermutlich ein größerer Erfolg beschieden, als sie sich das selbst vorstellen könnte.“

CDU: Ist zur Merkel Union geworden. Mutti befiehlt und alle folgen. Konservativ war gestern. Heute sind sie linker als die SPD. Klar ist das Absicht, aber mit Merkels dogmatischer Haltung, wird sie auf Dauer scheitern. Leider ziehen sie uns bis dahin mit in den Abgrund.

Die GRÜNEN: Die vermutlich größte Enttäuschung seit Jahren. Wenn dort die Realos übernehmen, wenn Künast, Roth, Peter, Göring-Eckhardt und einige andere verschwinden, wenn sie endlich wieder vernünftige Ideen haben, dann kann man die erneut auf Bundesebene wählen. Lokal geht das zum Teil noch.

Die LINKE: Hat mit Frau Wagenknecht und Herrn Gysi genau zwei Leute, die Dinge klar beim Namen nennen. Ansonsten ist die Partei irgendwie seltsam und wird den SED-Geruch in diesem Leben nicht mehr los. Bewusst habe ich Herrn Lafontaine ausgeklammert. Der gehört eigentlich in die SPD. Da hätte er bleiben sollen und Schröder stürzen.

AfD: Zu neu, zu unerfahren, mit teilweise den falschen Leuten im Kader. Auf dem Papier gute Ansätze, aber auch realitätsfern. Wie ich schon sagte, ich stehe der Partei sehr kritisch gegenüber. Aber ich verteufele sie nicht, wie das pseudolinke Schnappatmer gern tun. Es ist wichtig auch mit dieser Partei zu reden. Das ist Demokratie.“

Als Fazit kann ich nur sagen, dass ich als Selbstständige mit wirklich Liberalen mehr anfangen könnte, als mit allen heutigen Parteien. Als LGBT-Aktivistin und Feministin wären mir die GRÜNEN lieber, aber leider in der Summe nicht mehr.

Sogar mit rein marxistischen Ideen kann ich mich zum Teil anfreunden. Weniger mit diesem Staatsterror, auch Kommunismus genannt. Wen ich wähle, wird sich noch zeigen. Vielleicht vermeide ich das und geben meinen deutschen Pass zurück.“

Karin: (Fassungslos, als Mayumi diese Worte sagt.) „Das meinst du jetzt wirklich? Du willst die deutsche Staatsbürgerschaft ablegen?“

Mayumi: „Ja. Wir haben darüber nachgedacht. Seit 2015 haben wir wieder gültige japanische Pässe. Damit können wir nach Japan, aber auch in die USA.“

Karin: (kommen die Tränen) …

Yuki: „Du bist mal wieder unmöglich, jetzt heult Karin wegen dir! Wir wollten ihr das doch schonend sagen.“

Mayumi: „Was nichts am Ergebnis geändert hätte.“

Karin: (Beruhigt sich wieder und holt tief Luft.) „Du wirkst immer so kalt und kontrolliert. Warum bist du so?“

Mayumi: „Glaubst du das wirklich? Schau, jeder Mensch hat Gefühle. Ich habe meine nur besser im Griff.“

Yuki: „Ich bewundere dich dafür. Gegen dich bin ich die reinste Heulsuse!“

Karin: (Schüttelt vehement den Kopf.) „Ihr habt beide eine Selbstdisziplin, die mir immer fremd bleiben wird.“

Mayumi: „Sollen wir dich mit nach Japan nehmen?“

Mitgenommen habe ich (Karin) etwas von Yumis Ausstrahlung und Energie. Wer sie als Freundin hat, braucht keine Feinde mehr. Den Satz habe ich mir lachend erkämpft. Vielen Dank fürs lesen und bis zum nächsten Mal, sagen Karin, Yuki und das Biest.


Elfe und Biest machen einige Tage Pause und besuchen das Dinah Shore Event. Kommentare kann und werde ich erst wieder nächste Woche freischalten.

Los Angeles reloaded

Urpsrünglich sollte an dieser Stelle (m)ein Reisebericht nach Los Angeles stehen. Dort sind wir nach mehr als 14 Stunden Flugzeit angekommen. Aber worüber soll ich schreiben, wenn der Flug normal bis langweilig ist? Alles schon gesehen. Wirklich?

In Gedanken bin ich noch in Düsseldorf und Herne. Deutschland 2017, die Morde werden mehr am Horizont. Da schlachtet ein 19 Jahre alter Deutscher ein Kind und (s)einen Kumpel und wird nun genüsslich von der Presse fertig gemacht.

„Der Staatsanwalt kündigte bereits an, Marcel Heße psychiatrisch begutachten zu lassen“, schreibt SPON. Komisch, von dem Düsseldorfer Axttäter wusste die Polizei sofort, dass er gestört ist. Vermutlich hat man dort hellseherische Qualitäten.

Endlich, ja endlich war es ein Deutscher, der eine böse Tat begangen hat. Es jubelt der SPIEGEL, die linke Presse geifert im Chor. Wie lange der junge Mann das überleben wird steht in den Sternen. Die Bandidos haben bereits Front gemacht.

Kaum ein Wort in der Presse über Düsseldorf. Klar, der Täter war Asylbewerber. Das entschuldigt die Tat und auch das Maß der Berichterstattung. Hat jeder den Sarkasmus bemerkt?

Ein verblödeter Facebook User stellt ein Video vom blutverschmierten Bahnsteig ein und bezeichnet sich als „Augenzeugen.“ Vielleicht sollte er in die Türkei ausreisen, dort sind „Schlachtfeste“ die Normalität.

Kurz Aufregung im Flugzeug, als über die Festnahme in Essen geredet wird. Ein deutscher IS-Kämpfer soll der Drahtzieher sein. Aber ein Pass ist noch kein Garant für die friedliche Gesinnung. Ein alter Mann schüttelt immer nur den Kopf. „Das ist doch nicht mehr Deutschland“, höre ich ihn sagen, „wohin soll das alles noch führen?“

Vorgeführt wird Europa zur Zeit aus der Türkei. Der Sultan schimpft und wettert, wenn seine MinisterInnen nicht mehr für ihn werben dürfen. Deutschland sucht den diplomatischen Weg, hat sich Frau Merkel doch erpressbar gemacht.

Wovor hat man in Berlin Angst hat, ist Thema einer kleinen Runde. „Die haben doch alle keine Eier in der Hose“, sagt ein junger Mann. „Was soll passieren, will der uns etwa den Krieg erklären?“ Die Worte gefallen mir, aber Diplomaten denken anders.

„Hoffentlich lassen die uns einreisen“, sagt Yuki zum wiederholten Mal. Sie macht sich Sorgen, dass Trumps Präsidentschaft unsere Pläne durchkreuzt. „Mach dir keinen Kopf“, beruhige ich sie. „Zur Not rufe ich Onkel Jiro an.“

Der Blick meiner Mutter hängt mir nach. Für einen kurzen Augenblick habe ich Traurigkeit bemerkt. Und auch Papa Sensei hätte mich gern länger gesehen. Zumindest habe ich versprochen fleißig Karate zu üben, damit der 4. Dan kein Reinfall wird.

Aber bis dahin werden noch einige Monate vergehen und wir die USA unsicher machen. Ally und Heather freuen sich auf uns und ich werde den armen Feng erneut zum Spaß „verprügeln.“ Deutschland werde ich weiterhin im Fokus haben und mich zu Wort melden, wenn mir danach ist.

In Los Angeles angekommen, ist die Einreise kein Problem. Uns erwarten zwei sonnige Gemüter und wunderbare 27 Grad! Sommer, wir kommen! Müde, aber glücklich, tauschen wir Neuigkeiten aus. Die nächsten Tage werden wir in unserem Apartment verbringen.

Los Angeles reloaded trifft es gut. Wir sind wieder im Land der nahezu unbegrenzten Möglichkeiten. Frau Merkel ist auch fast auf dem Weg. Es sei denn, dass auch ihr die Einreise verweigert wird und Präsident Trump nun Deutschland zu keinem sicheren Herkunftsland erklärt. Hat man alles schon gesehen. Wirklich.