Die Wegschauer

Genaue Zuschauerzahlen sind beim Fernsehprogramm unverzichtbar. Wer welche Sendung gesehen hat, wird genau analysiert. Das Programm ändert sich, wenn Live Shows floppen. Dann wird „Das Dschungelcamp“ aus der Schublade geholt. Für die einfach gestrickte Masse, die nicht wegschauen kann.

Aber Menschen wollen unterhalten werden. Das haben schon die alten Römer gewusst und ihnen „Brot und Spiele“ gebracht. Mit durchaus taktischem Kalkül. Wer zufrieden ist, wer jubelt, der schaut bei anderen Dinger weg. In den USA funktioniert das perfekt. Dort ist Berichterstattung über Sport wichtiger, als Politik.

Deutschland schlägt in die gleiche Kerbe. Auch hier beherrschen andere Dinge das Tagesbild. Fußball, Wintersport, Leichtathletik sind der Deutschen liebstes Kind. Vielleicht noch Formel 1 und Tennis. Die Liste ist austauschbar. Politiker wissen das und nutzen die unmündig gewordenen Bürger gern für ihre Zwecke aus. Alle vier Jahre ein Kreuzchen. Vielen Dank und ab dafür.

Der Deutsche ist weitgehend unpolitisch. Das hat man ihm in vielen Jahren ausgetrieben. Bequem und mit Wohlstandsbauch, wird in die Glotze geschaut, oder am PC böse Monster weggeballert. Politik machen derweil die anderen, die dafür vorgesehen sind. Aber ob die es richtig machen? Ach egal, die sind schließlich gewählt.

Der Deutsche ist träge. Nur mit dem Mundwerk ist er der Held. Am Stammtisch, oder im Verein, wird gern über Sport und Politik gepöbelt. Jeder Deutsche ist dann Bundestrainer, oder will der bessere Bundeskanzler sein. Soll es das gewesen sein?

Noch ist es ein zaghafter Blick, ein leises Murren, aus dem schnell mehr entstehen kann. Pegida und AfD sind dabei nur zwei Begriffe, die momentan die Runde machen. Die Düsseldorfer Bürgerwehr hat noch keinen Namen. Und wie ich die Ausschreitungen im Osten bezeichnen soll, weiß auch ich noch nicht.

Aber nicht nur die Bürger haben zu lange weggeschaut. Das haben auch blauäugige PolitikerInnen gemacht. Die Frage ist nur, wie man einen Karren aus dem Dreck ziehen will, wenn sich darunter ein ganzer Sumpf verbirgt. Vielleicht ist „Das Dschungelcamp“ doch die bessere Wahl. Da kann ich wegschauen. In Deutschland kann ich das nicht.