Von großen Worten und kleinen Wörtern

Ein Kommentar von Sandra, hat mich auf die Idee zu diesem Beitrag gebracht. Sie bat mich nicht mit dem Blog aufzuhören, meine Worte würden sonst fehlen.

„Für eine gelungene Rede gebrauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge“, hat Arthur Schopenhauer einst gesagt. Ich halte keine großen Reden. Auch, wenn das in meinem Blog so klingen mag. Aber es gibt Menschen, die haben nichts zu sagen. Zu dieser Kategorie gehöre ich nicht.

Als von Freunden so bezeichnete Oberlehrerin und stellvertretend für Frau Dr. Stefanini, muss Frau Dr. Landar natürlich sofort erklären, was der Unterschied zwischen Worten und Wörtern ist. Ein Doktortitel in Germanistik fehlt mir leider noch. Den macht aber meine Frau. Womit sie die Dritte im Bunde wäre. Aber ich versuche mein Glück.

Es gibt Menschen, die große Worte von sich gegeben haben. Philosophen, Schriftsteller und Politiker gehören dazu. Natürlich haben sie das meist in Sätzen getan, die der Nachwelt überliefert worden sind. Und Sätze bestehen aus Wörtern, das ist nun mal so. Bei heutigen PolitikerInnen aber meist nur noch aus heißer Luft, so völlig seicht und oft inhaltsleer.

Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass viele deutsche und englische Wörter Verwandte sind. Vermutlich Neffen und Nichten. Erklärt werden diese Worte aber in einem Wörterbuch. Ist das nicht allerliebst und reinste Haarspalterei?

Vielen Menschen fehlen aber die Worte, wenn sie nicht wissen, was sie sagen sollen. Und das ist schade. Im Gegensatz dazu spucken andere große Töne. Das sind dann keine wirklich großen Worte, sondern meist nur geistiger Müll.

„Frauen werden nicht frei sein, solange ihre Unterwerfung als sexy gilt“, hat die britische Politikwissenschafterin und Autorin Sheila Jeffreys geschrieben. Elf Wörter, die zu großen Worten geworden sind. Und die finde ich richtig gut.

Wörter bestehen aus Buchstaben, Worte bestehen aus Gedanken. Ich werde also auch weiterhin meine Gedanken zu Papier bringen, bzw. in den Blog. Wer sie lesen mag, ist stets willkommen. Große Worte mache ich nicht.

Von verborgenen Pfaden und einem langen Weg

Winterweg

Es ist Winter geworden in der Schweiz. Die Straßen sind verschneit. Hand in Hand wandern wir durch die Nacht, einem neuen Tag entgegen. Wir machen solche verrückten Dinge. Und oft ist es Yuki, die mich dazu motiviert. Wir sind vor einer Woche mit dem Test-Golf in in den Schnee gefahren. Ein Ausflug im Winter, Urlaub für einen kurzen und doch so langen Tag. Und wir haben geredet, wir haben uns entschieden. Wie versprochen erzähle ich davon.

Wir bleiben stehen und schauen zurück. Deutlich zeichnen Spuren unseren Weg. Und Spuren wollen wir auch auf unserem Lebensweg hinterlassen. Das war immer unser Ziel. Wir sprechen über die Zukunft, über Arbeit, Sport und Spiel. Sicherheit wird bei uns groß geschrieben, da sind wir sehr konservativ. Finanziell sind wir durch unsere Eltern abgesichert. Und das ist keine Selbstverständlichkeit. Aber sie sind stolz auf uns. Wir haben bereits Berufe, aber unsere Berufung waren sie nicht. Yuki sieht das wie ich. Zwei Herzen, eine Seele.

Vor einer Weile habe ich von meinem Weg ohne Zweifel geschrieben. Aber es ist eine Sache mit 300 km/h über die Autobahn zu brausen, mit Vollgas durch die Nacht. Auf der Autobahn des Lebens geht das nicht. Unebenheiten, Schlaglöcher und lange Staus sind Hindernisse, die unser Fortkommen oft erschweren. Manchmal müssen wir deshalb kleinere Schritte machen. Jeden Tag aufs Neue, jeden Tag ein Stück. Frühling, Sommer, Herbst und Winter. „Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde“, steht in der Bibel. Ja, auch darin habe ich gelesen. Dürfen Buddhisten das nicht?

Nach drei Jahren Vollzeit-Job sind Yuki und ich zurück auf die Universität gegangen. Wir haben ein „Leben in Luxus“ aufgegeben, um einen anderen Weg zu gehen. Den Weg der Kunst und Künstler. Nie brotlos und vor allem motorisiert. Möglich gemacht haben das unsere Eltern. Vielen Dank dafür! Noch ist unklar, wohin uns dieser Weg führen wird. Aber ist ankommen immer wichtig? Ist nicht das ganze Leben eine lange Reise?

Nach drei Jahren Uni-Pause ist alles neu. Angst habe ich keine. Lernen ist meine Passion. In den ersten Tagen schaue ich mich um. Neue Wege, neue Menschen, neue Gesichter. Wie jung sie doch noch sind. Yuki und ich fallen kaum auf. Kein Wunder, wir sehen wie Anfang Zwanzig aus. Ein Vorteil Japanerin zu sein. Und laut einem japanischen Online-Test ist das auch mein geistiges Alter. Yuki sagt sie habe immer schon gewusst, dass ich ein Kindskopf bin. Ist sie nicht eine tolle Frau?

Wir bleiben meist unter uns. Wenn wir keinen Kontakt haben müssen, meiden wir andere StudentInnen. Für uns ist die Uni lediglich Pflichtprogramm. Die Kür haben wir hinter uns gelassen. Vor drei Jahren in einer anderen Zeit. Neid kommt keiner auf, die Neugier von KommilitonInnen hält sich in Grenzen. Wir sind und bleiben Außenseiter. Nur Mann ist stärker an uns interessiert. Wir amüsieren uns über die Blicke und gehen bewusst meist Hand in Hand.

Die meisten Männer schreckt das so wenig, wie unsere Eheringe. Sie werden weiter baggern. Wir müssen den ein oder anderen Dämpfer verteilen. Danach herrscht Ruhe, ich kenne das schon. Der Weg unterm Regenbogen kann oft steinig sein. Aber ich weiche Ärger niemals aus. Meist lenke ich ihn um und ab. Mit purer Kraft gewinnt man keinen Kampf.

Unser neuer Studienweg ist etwas chaotisch. Anfangs bringen mir die beiden altem Semester Literaturwissenschaft nicht viel. Das ist Jahre her und wird nicht mehr anerkannt. Aber schon nach kurzer Zeit ist klar, dass ich das erste Semester locker in der Tasche habe. Ein Kinderspiel mit einer studierten Elfe als Frau. Ich werde 3 – 4 Semester pro Jahr machen. Alles andere wäre Zeitverschwendung. Zur Not höre ich auf zu bloggen. Wen interessiert mein Geschreibsel sch0n.

Auch Yuki hat Glück. Sie hat zwar damals abgebrochen, aber ihr werden die Scheine anerkannt. Mein Elfe wird also vor mir fertig sein, was ich ihr von ganzem Herzen gönne. Aber sie will nach dem Master auch ihren Doktor machen, wie sie mir an diesem Morgen in der Schweiz erzählt. Bachelor ist sie schon. Dann bleibt sie an der Uni. Wir werden sehen. Ich bin total stolz auf sie und werde sie unterstützen. Ich habe ja Erfahrung darin.

Es ist Winter geworden. Und nicht nur in der Schweiz. Die Straßen sind verschneit. Hand in Hand wandern wir weiter, den Blick nach vorn gerichtet. Unser Leben mag langweilig klingen, das ist mir schon klar. Wir scheinen vorgezeichnete Wege zu gehen. Aber das sind nur die Wege, die ich zeige. Die verborgenen Pfade gehören uns allein. Dorthin kann uns niemand folgen. Und das wollen wir auch nicht. Vor uns liegt ein langer Weg. Und es wird Zeit, dass wir ihn gehen. Sayonara!