Spione wie wir

Dass das Internet kein Rechtsfreier Raum ist, habe ich schon lange gewusst. Wie stark sich aber Geheimdienste für Online-Spieler interessieren, war mir neu. Laut SPON hat Edward Snowden diesbezügliche Dokumente kopieren können und diese nun der Presse zur Verfügung gestellt. Unter anderem sollen Klassiker wie World of Warcraft und die virtuelle Welt von Second Life überwacht worden sein. Letzteres macht mich besonders wütend. Zwar stammen die Berichte aus dem Jahr 2007, aber mir geht es ums Prinzip. Als (ehemalige) Nutzerin von Second Life fühle ich mich betroffen.

Zwar habe ich Cory Ondrejka alias Cory Linden bei Second Life nicht mehr erlebt, aber Snowdens Infos lassen seinen Weggang in einem anderen Licht erscheinen. Laut New York Times ist Cory Ondrejka 2007 bei der NSA vorstellig geworden und hat die Überwachung der virtuellen Welt angedient. Dass zumindest der Britische Geheimdienst Zugriff auf Nutzerdaten hatte ist mittlerweile bekannt. Und wem nun Cory Ondrejkas Name bekannt vorkommt liegt nicht verkehrt. Der Mann ist heute bei Facebook tätig. Die Vermutung liegt nun nahe, dass er nach seiner NSA-Aktion bei Second Life gefeuert worden ist. Das nach 6 Jahren noch zu beweisen dürfte eher schwierig sein.

Aber vielleicht bringen Snowdens Dokumente nun doch etwas mehr Licht ins Dunkel. Auch wenn ich dem Whistleblower schon lange nicht mehr glauben kann. Für mich ist er lediglich eine Marionette der Russen und ihres Geheimdienstes FSB. Stutzig macht mich, wie spärlich Informationen fließen und wie gezielt sie an die Öffentlichkeit kommen. So, als stecke ein System dahinter. Und das traue ich Edward Snowden nicht zu. Den Russen und ihrem Präsidenten schon.

Ich frage mich ernsthaft, wie Spione denken. Oder liegt der Fehler vielleicht bei mir? Ich weiß, dass sogenannte Hacker gern und oft Online Spiele attackieren. Aber nicht um sich gemeinsam zu verschwören. Es geht ihnen um Nutzerdaten und viel Geld. Der NSA um böse Buben. Terroristen vielleicht. Oder doch um den Atomwissenschaftler aus Absurdistan, der in seiner Freizeit gern Zauberer bei WoW spielt? Wird vielleicht auch mein Blog vom BND gelesen, mein Telefon gar abgehört?

Ich mag hier keine Verschwörungstheorien posten. Aber die Sammelwut von Behörden sollte uns stutzig machen. Dass wir auf dem Weg zum gläsernen Bürger sind ist sonnenklar und die Matrix schon lange keine Fiktion. Nur schade, dass wir keinen Neo haben. Ein Edward Snowden ist es nicht.

Warum Frauen Bücher schreiben und nicht mit Männern schlafen

Ich rege mich schon wieder auf! Über Mann! Der Grund ist der von Thomas Andre verfasste Artikel auf SPON über Zoë Jenny. Die Autorin hat nach mehr als 15 Jahren mit ihrem Buch „Spätestens morgen“ ein Comeback geschafft. Das ist toll und ich wünsche ihr viel Erfolg. Auf meiner „Noch zu lesen Liste“ ist es gelandet. Was mich stört ist der Titel des Artikels: „Ex-Fräuleinwunder Zoë Jenny: Alice, Alice, ein Comeback dank Alice!“ Gemeint ist damit Alice Munro, die den Literaturnobelpreis bekommen hat. Klar, dass der Verfasser sich bei ihr bedeckt hält. Alice Munro schriebe solche Typen auch mit nur einem Federstrich weg.

Lieber Verfasser des Artikels, lieber Thomas Andre. Ich weiß selbst, dass gute Titel den Leser neugierig machen sollen. Aber es ist nicht nur der Titel. Sie wollten offenbar komisch sein, vielleicht sogar ironisch. Aber genau das sind Sie nicht. Sie sind überheblich. Die im Märchenstil gehaltene Einleitung „Es war einmal eine junge Frau …“ zeigt zumindest mir, wie Sie über Frauen denken. Klar auch, dass Sie sich offenbar für den Nachfolger von Marcel Reich-Ranicki halten und nun Zoë Jennys neues Buch rezensieren. Woher Sie ihre Meinung nehmen wird nicht klar. Vermutlich haben Sie aber Germanistik oder Literaturwissenschaft studiert und sind daher gleich so viel besser, als der Rest der schreibenden Zunft.

Wie der Unterschied einer schreibenden Frau aussieht kann man auf Welt online in einem Artikel von Kathrin Spoerr überdeutlich sehen. Unter dem Titel „Warum Frauen nicht mit ihren Männern schlafen“ erklärt sie den Lesern süffisant, warum Megasven und Traumfrau Annika keinen Sex mehr miteinander haben. Gut. der Artikel dient der Vorstellung von Kathrin Spoerrs Buch „Mein Leben mit mir ist die Hölle für mich.“ Aber lieber lese ich ein solches Buch, als herablassende Literaturkritik von Mann an Frau.

Für mich als lesbische Frau sind  die Gründe warum eine Frau nicht mehr mit ihrem Mann schläft interessant. Kathrin Spoerr gewährt den Lesern in ihrem Artikel einen recht guten Einblick. Und spontan möchte ich Annicka freundschaftlich in den Arm nehmen und ihr einige tröstende Worte sagen. Und auch den ein oder anderen Tipp geben. Dass dieses Paar die Jahrzehnte nicht überdauern wird ist mir dann sonnenklar. Ich überlege wie viele lesbische Paare ich kenne, die ähnliche Probleme haben. Mir fallen keine ein.

Angeblich haben ja lesbische Frauen keinen Sex mehr nach einer Weile und leben in ruhiger Freundschaft zusammen. Keine Ahnung wer dieses Klischee verbreitet hat. Von den Extremen abgesehen verlaufen Liebesbeziehungen unter Frauen einfach harmonischer. Und der reine Akt ist nicht immer das, was Frau wirklich will. Nähe, Verständnis, Zärtlichkeit, gemeinsam Dinge unternehmen, miteinander Reden ist zigfach wichtiger, als männliche Lust. Lust habe ich nun auch: Nämlich mir die Bücher von Zoë, Kathrin und Alice zu besorgen. Und vielleicht schreibe ich irgendwann auch ein eigenes Buch. Einen Mann der mit mir schlafen will habe ich zum Glück ja nicht.

 

 

 

Ein Blick in den Spiegel

Ich habe heute einen Blick in den Spiegel geworfen. Nein, nicht um ihn zu fragen ob ich nach wie vor die Schönste im Lande bin. Gemeint ist Spiegel online, bei dem ich mir auch ab und an eine Meinung bilde. Fraglich nur welche. Meine? Oder werde ich nicht auch vom Spiegel manipuliert?

Auffällig ist die „Nach der Wahl“ Berichterstattung. Schürt man so Angst? Ist Deutschland etwa in einer (Regierungs)Krise? Zumindest ist der Spiegel weniger reißerisch, als das vor Blut und Sex triefende Springer Blatt, das letzten Samstag unaufgefordert in jedem Briefkasten lag. Ich schätze den Spiegel für seine gut recherchierten Berichte. Er hat einfach eine andere Qualität, als irgendwelche Boulevardblätter. Aber ist der Spiegel nicht klar parteiisch? Eine Kommilitonin erklärte ihn mehr der Farbe Rot zugeordnet.

Nun bin ich nicht wirklich politisch, sondern lebe mehr in einer künstl(er)i(s)chen Welt. Dort gelten andere Regeln, dort sorge ich mit Federstrichen für Recht und Ordnung. Aber so ein wenig interessiere ich mich dann doch für Politik. Und meiner Meinung nach haben die „Großen Alten“ in Berlin schon lange ausgedient, sich selbst überlebt und dümpeln scheintot und ohne klaren Kurs durchs aufgewühlte Meer.

Nur wohin soll die Steuerfrau das Schiff nun führen? Ich mag Angela Merkel als Politikerin nicht sehr und kann mit ihrem Kurs wenig anfangen. Momentan dreht sich Deutschland auf der Stelle. Und ich muss nicht in einen Orakel Spiegel schauen um zu wissen, dass eine Große Koalition das absolute Horrorszenario bedeutet. Für Deutschland und für jede Partei, die sich darauf einlässt.

Es gibt Stimmen, die bereits nach Neuwahlen rufen. Sogar eine Petition wurde ins Leben gerufen:

https://www.openpetition.de/petition/online/wir-fordern-neuwahlen-fuer-bundestagswahlen-2013

Im Spiegel online haben die Zwerge Angst vor einer großen Koalition, da sie dann gleich höhere Steuern zahlen müssten. Natürlich nur nach zähem Ringkampf! Mama Angie lockt die Buben Sigmar und Peer, die sich aber natürlich noch zieren. Klar, nur mit Zucker wird das diesmal nichts. Da muss es wohl ein großes Menü sein. Und zahlen werden wir. Wie immer eigentlich.

Vielleicht sollten die Parteien auch in einen Spiegel schauen. Nicht den online, sondern an der eigenen Wand. Aber ich fürchte der ist nach all den Jahren der Lügen blind geworden. Ich zumindest bin es nicht.