Ein Engel für Deutschland

Es gibt Tage, an denen mich wirklich der Teufel reitet. Zumindest bildlich gesprochen. Als prominenteste Lesbe Deutschlands, habe ich bekanntlich kein Interesse an irgendwelchen Kerlen. Aber wie anders sähe mein Leben aus, wenn ich eine Blondine wäre.

Aber wie verwandelt sich eine dunkelhaarige Japanerin in eine unterkühlte Schönheit? Diese Antwort wissen nur diverse Götter. Und von denen kenne ich mehr als genug. Dumm nur, die himmlische Hotline ist besetzt. Klar, da rufen auch Millionen an. Aber Eva Gotts geheime Nummer rettet mir den Tag.

„Yumi“, das ist aber schön deine Stimme zu hören“, flötet mir Frau Gott ins japanische Ohr. „Eben noch haben wir von dir gesprochen.“ „Quatsch mal nicht rum“, unterbreche ich ihren Redefluss, „ich hätte da gern mal ein Problem!“

Hätte nun Captain Kirk „Scotty, beamen!“, gesagt, ich wäre kaum überraschter gewesen. So aber finde ich mich prompt im Bernsteinzimmer wieder. Umgeben von einer wahrhaft himmlischen Schar. Eva und Adam sitzen Hand in Hand, ihnen gegenüber die Zwillinge Gabriel und Michael, die mich finster mustern.

Was vielleicht an Teufelchen liegt, der ihnen Honig auf die Stühle klebte. „Sorry Mama“, murmelt er in Richtung Eva und winkt mir danach fröhlich zu. „Frau Landar!“, ruft er ausgelassen, „was bringt dich in diese Schlangengrube?“

„Mit dir habe ich noch ein Hühnchen zu rupfen“, sage ich, „Buddha ist immer noch total besoffen. Wie konntest du ihm auch nur ein ganzes Fass reinen Wein einschenken? Der verträgt doch höchstens 15 Liter. Jetzt flirtet er mit Shiva, die sich kaum noch vor ihm retten kann.“

„Was können wir für dich tun?“, will Adam wissen, der wirklich wie das fleischgewordene Bild von da Vinci aussieht. „Dem Leo habe ich Modell gestanden“, gibt er flüsternd zu.“ Ich schnaufe erbost, jetzt kann der Kerl auch noch Gedanken lesen!

„Na ich wäre gern mal eine Deutsche“, sage ich trotzdem keck. „Ihr wisst schon, so mit langen Beinen und Körbchengröße 80 C.“ „Du willst größer werden?“, vergewissert sich Adam. „Den deutschen Pass hast du doch schon.“ „Mann!“, empöre ich mich gekonnt. „Ich rede von blauen Augen und blondem Haar!“

„Wozu soll das gut sein?“, fragt Gabriel, der sich noch immer den Hintern mit grünen Papierservietten wischt. Klar, er hatte auch eine wahrhaft teuflische Niederlage. „Oder willst du für die CDU kandidieren?“

„Nein danke!“, erwidere ich und spüre eine Gänsehaut auf meinem Rücken. „Die haben doch schon ihre blonden Hoffnungen verheizt. Ich will einfach nur wissen, wie das so ist. Kann mir dabei denn keiner helfen?“

„Ich, hier ich!“, ruft Teufelchen und schnipst mit dem Finger. „Sag Mama darf ich? Das ist doch genau mein Ding!“ „Du willst Leute veralbern?“, will nun Eva wissen, „oder wie sonst darf ich deinen Wunsch verstehen?“ „Als pure Neugier“, erwidere ich. „Albern sind nur die anderen, das weißt du doch.“

„Einen Tag und keine Sekunde länger“, beschließt Eva und zieht sich mit Adam in den Garten Eden zurück. „Wehe ihr haltet euch nicht dran“, ruft sie noch. „Dann grüßt euch jeden Tag das Murmeltier für die nächsten Jahre.“

„Die gehen schon wieder Kinder machen“, verrät mir Teufelchen frech. „Komm mit, wir müssen in die Hölle. Hier oben fehlt mir die Luft zum zaubern.“ Gesagt, getan und eine Lichtsekunde später bestaune ich mein neues Spiegelbild. Claudia Schiffer wäre ein Mauerblümchen gegen mich.

„Boah siehst du krass aus!“, schwärmt Teufelchen und leckt sich lüstern seine Lippen. „Zu dumm, dass du nur auf Frauen stehst.“ Als ich die Nase rümpfe korrigiert er seinen Fehler schnell. „Aber ich könnte meine weibliche Seite zeigen“, bietet er mir an. „Der Teufel ist doch auch nur eine Entität.“

Mein ausgestreckter Mittelfinger lässt ihn schallend lachen. „So mag ich dich, Blondie. Und jetzt lass uns zu Vadder Abraham gehen!“ Ich überlege kurz und nicke. „Dann los du Schlumpf. Aber denk dran, da ist nix mit bücken!“

Weniger himmlische, als vielmehr teuflische Kontakte, haben mir eine Stunde später den Zugang zu einer Casting Show verschafft. „Ein Engel für Deutschland“, heißt die Chose, die von Diedär B. Nixzuholen geleitet wird. Und „The Diedär“, wie ihn Freunde auch gern nennen, steht total auf blonde Frauen.

Schlagfertig überstehe ich die erste Runde. Und plötzlich haben alle Mädels blaue Augen. Teufelchen fällt fast um vor Lachen. „Das war großes Karate!“, ruft er immer wieder und versucht mich zu imitieren. „Los, jetzt mischen wir den Diedär auf.“

Heels und seidige Strümpfe lassen meine Beine noch länger wirken. Diedär schwitzt, der alte Schwerenöter ist heute schon bei den anderen Mädels abgeblitzt. In mir sieht er seine letzte Chance. Aber als Teufelchen in Gestalt einer Rothaarigen die Szene betritt, bin ich fast vergessen.

Es ist Vadder Abraham, der mir den Abend rettet. Der Schussel vergibt alle Punkte an mich und geht dann Boxen kucken. Arthur, sein Ziehsohn hat gerufen. Und ich nehme den Titel „Engel für Deutschland“ mit. Im Rausch der Sinne will ich jubeln, als die Szene plötzlich wechselt und Teufelchen mich schnell zurück ins heimische Wohnzimmer schubst.

Gerade rechtzeitig! Schon läuft mir ein Schauer über den Rücken, als eine eiskalte Hand mein Gesicht berührt. Es ist Yuki, die ihrem Namen alle Ehre macht. „Kommst du zum Essen?“, fragt sie lieb. „Es gibt Bohnen. Die kannst auch du (B)Engelchen essen.“