Mayumi Sensei

Manche Pläne sind die Gedanken nicht wert, die man daran verschwendet. Ich denke immer weiter, logisch und struk­tu­rie­rt. Emotionen, die haben doch nur die anderen. Mayumi Sensei aber nicht. Und mit diesen Worten komme ich zum Punkt und lehne die vermutlich lukrativste Offerte in meinem bisherigen Leben ab. – KLICK MICH –

Was ist geschehen, werden sich nun vielleicht meine LeserInnen fragen. Ist die olle Japanerin komplett verrückt? Ich kann euch beruhigen, nie ging es mir besser. Und daran ist auch wie immer meine Elfe schuld. Im positiven Sinn natürlich. Auch dafür liebe ich sie.

Ich bin immer meinen Weg gegangen. Unangepasst und als Kämpferin für die Rechte von Frau. Das ist mein Ding, da will ich hin. BWL war stets Sicherheit für mich. Nur ein Titel im Sam­mel­su­ri­um des Lebens. Aber soll das schon alles sein?

In meinem Kopf erscheinen die starken Frauen dieser Welt. Und auch ein Mann ist mit dabei. (Yoko) Okamoto Sensei und (Christian) Tissier Sensei möchte ich gern treffen. Die beiden lehren wahre Aikido-Kunst. Bewusst wähle ich die japanische Schreibweise von (Vor)Namen und Titel für diesen Blog. Traditionen sind ebenso wichtig, wie der Blick über den berühmten Tellerrand.

Graf Werner ist enttäuscht, als ich ihm die Absage gebe.
„Überlegen Sie es sich noch einmal“, bittet er.
Aber ich gehöre in kein Büro. Mein Büro, das wird (m)ein Dojo sein. Das ist fest beschlossen. Die nüchterne Frau Dr. Landar wird bald gehen. Mayumi Sensei aber bleibt. Ich werde Mädchen und Frauen meine Kunst vermitteln. Das wollte ich immer schon.

Mein Papa strahlt auf seine Art, als ich ihm davon berichte.
„Kleine Kriegerin“, sagt er leise und macht mich damit stolz.
Klein meint er nicht böse, es ist nur sein Kosewort.

Yuki und ich werden unser Leben leben. Anders und wenig angepasst. Mit unseren Kindern, die noch geboren werden. Beschlossen von uns und verkündet nun von mir. Im feinen Zwirn im Büro? Da sitzen nur die anderen. Mayumi Sensei lehrt.

 

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Wenn Frauen wie Männer denken

„Du denkst wie ein Mann!“, hat eine Freundin gesagt und dafür mein berühmtes Lächeln gesehen. Aber denke ich wirklich anders, als andere Frauen? Das muss ich genauer wissen und habe sofort meine persönliche Expertin befragt. Hier nun das Interview: Elfe antwortet Biest.

„Findest du, dass ich wie ein Mann denke?“, will ich von Yuki wissen.
Prompt ernte ich einen Finger am Kopf.
„Bist du doof? Woher soll ich wissen, wie Männer denken?“, erwidert sie frech.
Ich kitzle ihre Füße und sie lacht.
„Jetzt mal ernsthaft“, bitte ich. „Du kennst mich doch nun lange genug.“
Elfchen nickt und überlegt.
„Ja“, sagt sie dann. „Du denkst anders.“

„Magst du das näher erklären?“, frage ich. „Sonst muss ich das wieder tun.“
„Siehste!“, ruft Yuki. „Genau das meine ich. Du hast immer das letzte Wort.“
„Stimmt doch gar nicht!“, empöre ich mich. „Das überlasse ich stets dir.“
Wir albern herum, dann wird meine Süße ernst.
„Ich mag diese Mischung aus hochexplosiven Emotionen und eiskaltem Kalkül“, sagt sie. „Ich habe noch keine Frau getroffen, die Dinge so berechnen kann.“
Und das hat nichts mit BWL zu tun.

Ein kleiner Teil von mir bremst das ungestüme Ich. Dieser Teil nennt sich Erziehung, dieser Teil ist die japanische Seele. Sie lässt mich Dinge ruhiger angehen. Aber nie schüchtern, wie es sich scheinbar für die klassische Japanerin gehört. Mein Weg führt immer gerade nach vorn. Umwege machen nur die anderen.

Es ist Fakt, ich bin Ziel- und Erfolgsorientiert. Und ja, ich denke oft ähnlich wie Mann. Lange Erklärungen werden vermieden, ich bringe die Dinge auf den Punkt. Ich brauche keine DIN A4 Seite um etwas zu erläutern, das kann ich auch in wenigen Sätzen tun. Und damit schlage ich sogar Männer, die gern aus dem Vollen schöpfen. Mag wer ein Rededuell?

„Findest du mich auch wortkarg?“, will ich weiter wissen. „Oder rede ich etwa zuviel?“
„Du und wortkarg?“, prustet Elfchen. „Du redest doch viel mehr als ich!“
„Also das stimmt nun überhaupt so ganz und gar nicht“, erwidere ich.“
„Nee, ist klar, Frau Dr.“, bekomme ich zu hören. „Hast du dir schon mal zugehört?“
Die Anspielung bezieht sich auf meine Projekte, wenn ich Männer überzeugen muss. Dort wird durchaus wortreich vorgetragen. Aber stets sachlich und rational.

Ja, ich denke anders. Ja, ich denke auch quer. Aber dabei bleibe ich immer Frau. Und genau so ist es gut.

Mein geplantes Leben

Mein Leben wird von Freundinnen oft als geplant und langweilig angesehen. Sie machen das daran fest, dass ich nichts dem Zufall überlasse. Schule, Studium, Beruf, ich habe alles geplant. Und das gilt auch für die Familie. Ihr wisst doch, dass ich zwei Mädchen will?

Spaß beiseite und zurück zum Lebensplan, den andere so nicht kennen. Aber ist es wirklich langweilig mit schnellen Autos über Strecken zu fegen? Ist es öde statt dem Couch-Koma zu verfallen aktiv für die Rechte der LGBT-Gemeinde auf die Straße zu gehen? Ist es falsch, wenn ich eine Düsseldorf-Reise nach Norden ausdehne und weitere Geschäftskontakte knüpfe?

Mein Leben spielt sich außerhalb von Normen ab und wird doch davon bestimmt. Aber (meist) nach meinen Regeln, die habe ich so gemacht. Die meisten Menschen sind für immer fremdbestimmt. Tagein, tagaus fahren sie auf Schicht und gehen zur Maloche. Und egal ob Bergwerk, oder Stahlkocherei, sie bleiben Sklaven.

„Boah, Mayumi, wie kannst du ein solch böses Wort von dir geben?“, höre ich nun meine LeserInnen sagen. Das Wort soll und will niemand verletzen und ich habe es absichtlich gebraucht, um den Unterschied aufzuzeigen. Niemand ist wirklich frei und ungebunden, auch mein Leben hängt von anderen Menschen ab. Aber ich suche sie mir aus.

Ob es Zufall, oder Schicksal war, dass ich Graf Werner traf, was spielt das für eine Rolle? Entscheidend ist, was ich daraus noch machen werde. Der alte Herr möchte mir gern mehr Verantwortung übertragen. Und seine Enkelin und Erbin will das auch.

Das Angebot ist echt verlockend. Von null auf hundert zur (Top)Managerin. Aber will ich das wirklich und wo steht Yuki in diesem Fall? Finanziell war ich stets abgesichert, um Geld ging es mir also nie. Ausgenutzt hätten das die anderen. Ich fuhr stets Corolla und trank nicht mal Bier.

Dass wir Stuttgart verlassen steht allerdings fest. Die homophob-verlogene Haltung der Menschen brauchen wir einfach nicht. In NRW ticken die Uhren etwas anders. Und in Düsseldorf bin ich zu Haus. Yuki sieht das ebenso. Japanische Gemeinde, wir kommen!

Mangelnde Risikobereitschaft wird mir auch gern unterstellt. Mir, die ich Autos mit 300 km/h gefahren bin. Aber das ist kein Riskio für mich sondern auch ein Plan. Auch Urlaube plane ich und Yuki plant dann mit. Angst haben zwar immer nur die anderen, aber in gewisse Gegenden gehst du auch in Japan nicht.

Mein Leben wird von Freundinnen oft als geplant und langweilig angesehen. Sie machen das daran fest, dass ich nichts dem Zufall überlasse. Dabei bin ich völlig spontan und ständig unterwegs. Heute München, morgen vielleicht Leipzig und übermorgen ist Wiesbaden dran. Eintönig, das sind meist die anderen. Ich habe nur meinen Lebensplan im Blut.

Japanisch, lesbisch, Frau

Japanisch, lesbisch, Frau sind die drei Vorurteile, die mich mein Leben lang begleiten. Nun lamentiere ich darüber nicht, ich zeige lediglich die Fakten auf. Wobei ich bewusst die Frage stelle, warum die Welt zum Teil rassistisch ist.

Wenn du als kleines Kind nach Deutschland kommst, siehst du die Welt mit anderen Augen. Deutschland war spannend, neu und regnerisch kalt. Das sind meine ersten Erinnerungen an Düsseldorf im Winter. Und ja, ich liebe diese Stadt. Und dieses Land, das seit 28 Jahren meine Heimat ist.

Rassismus und Vorurteile habe ich erstmalig als kleines Mädchen erlebt. Am eigenen Leib, als mich ein Junge hart zu Boden stieß. Und am Boden liegen auch all die Flüchtlinge, die in den Augen vieler Deutscher „anders“ sind. Eine andere Hautfarbe, ein anderer Glaube macht sie zu Außenseitern.

„Nein, die wollen wir in Deutschland nicht!“ So der Tenor vieler Gruppen, die sich Rassismus auf die Fahnen schrieben. Dumm nur, dass auch diese Menschen Ausländer in jedem anderen Land der Erde sind. Und auf dem Mars sowieso. Da gehören sie hin. Weit weg von uns, von mir. Und das war nun auch schon fast rassistisch.

Hart, aber fair ist meine Devise im Leben. Und das ist untypisch für die Durchschnittsfrau. Aber weder bin ich Durchschnitt noch das Mäuschen von nebenan. In mir steckt eine Kämpferin, die auch an Schienbeine tritt. Oder blutige Nasen verteilt, wie bei dem schubsenden Jungen. Er hat es nie wieder getan.

Die meisten Menschen kennen Vorurteile nur aus Büchern. Ich erlebe Intoleranz fast täglich. Da stehe ich als kleine Japanerin mit Doktortitel und werde von Mann belächelt. Von Mann, der die Entscheidung trifft, ob ich den Job als Beraterin bekomme, um seine Firma zu retten. „Ach Sie können das …?“ Hätte er das mal studiert.

Noch mehr Gegenwind schlägt mir bei den aggressiven Jägern unter der Spezies Mann entgegen, die mich lüstern mustern. Mann träumt vom Dreier mit „zwei Lesben“ und dass nur (s)ein Penis alles dominiert. Dieser nicht vorhandene „Mehrwert“ taugt vielleicht für jene Frauen, die sich nach Begattung sehnen. Dumm nur, dass selbst nicht lesbische Frauen keine reinen Sexobjekte sind. Mannes Fantasie hat sie nur dazu gemacht.

Man(n) hat mich „Schlitzauge“ und „Japs“ genannt. Beliebt ist auch „Kleine.“ Und das sind nur die nicht vulgären Worte. Auf die anderen verzichte ich in diesem Blog. Als Kind zweier Welten kann ich immer beide Seiten sehen. Ich verstehe die Angst der Menschen ebenso, wie ihre Vorurteile. Ja, auch ich bin nicht frei davon.

Als ich von meinem Frieden mit Mann schrieb, war das ehrlich gemeint. Männer sind nicht länger erklärte Feinde für mich. Aber um gleichberechtigte Partner zu werden bedarf es einiger Mühe, die von beiden Seiten kommen muss. Da hilft es wenig, wenn Machos über meinen Blog herfallen, oder dummdreiste Hooligans ein Küsschen wollen. Da erwacht dann sofort das Biest in mir. Mit oft harten Konsequenzen. Aber nicht für mich.

Japanisch, lesbisch, Frau sind  die drei Begriffe, die ich niemals ändern kann. Und warum sollte ich das wollen? Was ich aber möchte ist mehr Toleranz unter den Menschen. Egal ob sie von Deutschen kommt, oder mir, „der kleinen, lesbischen Japanerin.“ Ich gehe dann mal an mir arbeiten. Habt einen schönen Tag!

Wer mehr lesen möchte: Lass Mann mal ran – Gewalt gegen Frauen und Mein Frieden mit Mann

Adel verpflichtet

Dieser Beitrag ist einige Monate alt. Und eigentlich wollte ich ihn nicht bringen. Das Original hätte Graf Werner geoutet und ich mich um Kopf und Kragen geschrieben. Das galt es zu vermeiden. Auch eine weitere „Rote Karte“, die Yuki mir symbolisch zeigte. Also habe ich einge Passagen gestrichen und den kompletten zweiten Teil. Er war zu verräterisch. Hier also nun (m)eine kleine Geschichte, wie ich zu meinem Job als Unternehmensberaterin kam.

Ob es den Zufall wirklich gibt, haben schon viele Menschen bezweifelt. Viele nennen es Schicksal, wenn der Zufall ihr Leben verändert. Ich glaube weder an den Zufall noch an Schicksal. Nur an mich selbst. Aber die Begegnung mit einem außergewöhnlichen Menschen wird alles verändern. Sayonara Uni, willkommen Rest meines Lebens.

Graf Werner lässt bitten, schmunzelnd führt er uns in den Salon.
„Das freut mich jetzt wirklich Sie beide wiederzusehen“, sagt er.
Von Düsseldorf aus sind wir nach Norden gefahren. Gut motorisiert mit dem 370Z und wie immmer voller Tatendrang.
Hamburg präsentiert sich diesig und ich wähle Graf Werners Nummer.
Der Termin steht schon seit einigen Tagen. Aber unangemeldet mag ich nicht.
„Meine Frau spricht oft von dem Urlaub“, lässt er uns wissen. „Sie wird sich riesig freuen.“
Japan zu Gast bei Freunden.

Bei Tee und Gebäck vergeht die Zeit im Flug. Graf Werner will den Z gern sehen.
„Denk an deine Bandscheibe“, mahnt seine Frau.
Aber der alte Unternehmer lacht.
Yuki unterhält sich weiter mit ihr, während ich den Grafen zum Nissan führe.
„Der sieht chic aus“, lobt er das Design. „Nur komme ich kaum dort rein.“
Aber der Sitz passt wie angegossen.

Fauchend erwacht der Z zum Leben und Graf Werners Augen leuchten.
„Serie ist das nicht“, stellt er mit geschultem Ohr fest.
„Nein“, erwidere ich. „Dieses Schätzchen hat über 400 PS.“
Wir rollen die Einfahrt zu Graf Werners Villa entlang und er lotst mich zur Autobahn.
„Wunderbar!“, entfährt es ihm immer wieder. „Dieses Gefühl habe ich lange vermisst.“
Freiheit kann so einfach sein.

Wir fachsimpeln über Autos, Beruf und Sport.
„Ich habe auf der Uni mal geboxt“, lässt er mich wissen. „Und Sie wollen Ihre Kunst wirklich in Vollzeit lehren?“
„Davon werde ich kaum leben können“, erwidere ich. „Aber ich habe noch andere Ideen. Nur Angestellte mag ich keine mehr sein.“
„Mit Ihren Kenntnissen könnten Sie viel Geld verdienen“, meint der Graf. „Vor allem durch ihren Titel.“
Titel, Thesen, Temperamente.

Er zwinkert mir verschwörerisch zu.
„Sie glauben kaum, wie wichtig Titel sind“, fährt er fort. „Obwohl der Adel in Deutschland offiziell abgeschafft ist, interessiert das niemanden. Sie werden als Graf ganz anders behandelt. Mir hat es den Weg geebnet und vieles deutlich erleichtert. Und irgendwann verdient sich das Geld ganz von allein.“
Understatement pur, der Mann war schon immer Multimillionär.
Aber über Geld redet man/n in diesen Kreisen nicht.

„Ein Freund von mir hat eine marode Firma gekauft“, sagt er. „Dem Inhaber fehlte es an Kapital, aber sein Produkt ist Spitze. Nun sucht er Werbestrategen und Unternehmensberater. Hätten Sie Interesse?“
Eigentlich habe ich mit BWL abgeschlossen. Aber Unternehmensberater sind durchaus kreativ. Und das traue ich mir zu.
„Warum nicht“, sage ich. „Eine Herausforderung ist es auf jeden Fall.“
Selbstbewusstsein pur. Scheitern werden nur die anderen.

Graf Werner strahlt und nickt.
„Ich mag ihren frischen Geist“, sagt er und greift zum Handy. „Wir fahren jetzt bei Fritz vorbei.“
Fritz, das ist Dr. Friedrich Holm (Name geändert), der beste Freund des alten Grafen. Und zigmal so reich wie er.
„Lassen Sie sich bloß nicht übervorteilen von dem alten Knaben“, sagt der Graf. „Der liebt es nur zu feilschen. Geld ist ihm egal.“
Wissen ist oft unbezahlbar.

Ich informiere Yuki, dass es länger dauert und erzähle ihr von dem Angebot des Grafen.
„Ja, mach“, sagt sie sofort begeistert. „Ich trinke dann noch eine Tasse Tee und schaue mir die Villa an. So eine kaufen wir dann auch, wenn wir gemachte Leute sind.“
Yuki-Humor und ich muss lachen.
Koffein brauche ich keins, jetzt gilt es einen klaren Kopf zu haben.
Logik sei mein Gast.

Dr. Holm ist sympathisch, aber skeptisch. Ein Gentleman der alten Schule. Frauen gegenüber reserviert, zeigt er mir dann doch die Bilanzen.
Graf Werner schmunzelt, als meine Blicke über die Zahlen fliegen.
Hochkonzentriert erkenne ich sofort einige Posten, die nach Streichung schreien.
BWL ist so einfach, wieso sieht Mann das nicht?
Dr. Holm prüft nach und stimmt mir zu.
Ippon! Der Punkt geht klar an mich.

„Sie haben den Job“, sagt Dr. Holm spontan und nennt mir eine Summe, für die er mich engagieren will.
Fast unmerklich schüttelt Graf Werner den Kopf und bedeutet mir mit den Fingern eine andere Zahl.
Dr. Holm schluckt, als ich sie ihm nenne und greift sich theatralisch ans Herz.
„Sie wollen einen alten Mann ruinieren“, sagt er und kann sich ein Lachen kaum verkneifen. „Aber Ihr Auftreten gefällt mir, also abgemacht.“
Die Zeche zahlen immer die anderen. Und Adel verpflichtet … nur die Besten.
Und zu denen gehöre ich.

Für Interessierte, die nicht alle Hintergründe kennen, hier die Links zur Historie:

Wie ich Graf Werner traf: Teil 1Teil 2Teil 3

Meine Selbstständigkeit: Ich, mein Selbst und das ständig

Yukis Rote Karte an mich: Eine Frau sieht Rot

Lesbisch und Karriere – Ein Widerspruch?

Für Frauen ist es schwer genug Karriere zu machen. Und das besonders, wenn sie lesbisch sind. Wer das nicht glaubt, der stellt sich bitte einen Montag in der Firma vor. Hetero-Menschen berichten dort vom Wochenende und was sie erlebt haben. Alle Augen richten sich nun auf die noch nicht geoutete lesbische Frau. Und die hat nun genau zwei Möglichkeiten. 1. die Lüge und einen Freund zu erfinden. Aber Lügen sind keine Alternativen, die kommen immer raus. 2. Die Wahrheit. „Ich war mit meiner Frau auf einem Konzert.“

Während Mann nun vermutlich die Kinnlade nach unten fällt, reagiert die Kollegin vielleicht toleranter. Vieleicht aber auch nicht. Und schon ist „die Lesbe“ unten durch und das Mobbing beginnt.
„Ich wusste ja nicht, dass du auf Frauen stehst“, wird mit falschem Lächeln geflötet. „Aber ich habe damit ja kein Problem.“
Hat sie doch, die Worte zeigen das schon. Hinterrücks wird dann getuschelt und die Karriere ist versaut. Ende, aus, vorbei.
Und das ist noch immer viel zu oft deutsche Realität.

Als ich vor knapp vier Jahren in den Beruf einstieg, habe ich mir den genau ausgesucht. Und auch das Team, die Chefin. Auch habe ich vom ersten Tag an klargestellt, was und wer ich bin. 1,62 Meter Selbstbewusstsein pur. Es hat gewirkt. Aber den Beruf habe ich gekündigt. Er war kein Weg auf Dauer.
„Wenn ich mich oute, muss ich doppelt stark sein, als Frau und als Lesbe. Das will ich nicht“, sagt Frau sehr oft und schweigt.
Auch, wenn der Regenbogen immer heller leuchtet, ist das für manche die bessere Idee.
Ich könnte das nicht. Noch weniger angestellt arbeiten. Dazu in Kürze mehr.

Lesbisch zu sein, wird von der Gesellschaft zwar eher toleriert, als der schwule Mann. Dafür steht der aber mehr im Vordergrund. Lesbische Frauen werden oft als „süß“ und „niedlich“ belächelt. Besonders vom Voyeur Mann, der gern von einem Dreier träumt. Aber er selbst mit einem anderen Mann?
„No way, mein Hintern gehört mir!“
Genau das hat Mann gesagt und nichts verstanden.
Liebe beginnt nie am A … llerwertesten.

In der Welt der Patriarchen wird auch die öffentliche Diskussion vom schwulen Mann geprägt. Lesbische Frauen werden kaum wahrgenommen.
Gut, da gibt es eine Hella von Sinnen, Anne Will, oder Bettina Bottinger. Aber das sind „nur“ Künstlerinnen, die machen sowas gern. Sagt Mann. Und Frau.
Oder Ulrike Folkerts, die Schauspielerin. Auch nur eine Nebenrolle.
Guido Westerwelle war immerhin im Außenamt. Dort zwar außen vor und abgeschrieben, aber öfter im Gespräch.
Aber Mutti Merkel hat immerhin die Macht. Nur ist die nicht lesbisch sondern bei der CDU.

Es wird noch eine Weile dauern bis die Montagsgespräche anders ablaufen. Wenn Karl von seinem Date mit Frank erzählt und Inge von dem Kuss mit Melanie.
Bis dahin wird eisern geschwiegen. Offen lesbisch sind nur die anderen.
Und meine Elfe und ich. Aber das wusstet ihr schon.
Wir machen auch Karriere. Auf unsere Weise, auf unserem Weg. Zu stoppen sind wir nicht.