Die Vorbeterin

Selbst in Schwedens Norden, hat(te) mich die Politik eingeholt. Und eine Kanzlerin, die zur Vorbeterin der Nation geworden ist. Wie sonst soll man ihren Auftritt bei Anne Will erklären, der mehr einer protestantischen Predigt glich.

Christoph Schwennicke, der Chefredakteur des Magazins Cicero, hat interessante Fakten geliefert. Die Kanzlerin habe das Wort ich, inklusive der Spielarten mein, mir, mich, 257 Mal in ihrer Rede genutzt. Also alle 14 Sekunden.

Man muss keine Psychologin sein, um klar narzisstische Grundtendenzen bei Merkel zu bemerken. Diese Frau hat den Blick für die Realität schon längst verloren. Sie hat keinen Plan, den hatte sie nie. Nur einen eisernen Willen und ein Durchhaltevermögen, mit dem sie ihre GegnerInnen stets verblüffte.

Mir stellt sich seit einer Weile die Frage, wer Merkel leitet. Woher bezieht sie ihre wirren Ideen? Vor allem Merkels Kehrtwende in Sachen Migration und Flüchtlingspolitik gibt dabei Rätsel auf. „Der Ansatz für Multikulti ist gescheitert, absolut gescheitert!“, hat Angela Merkel 2010 gesagt. Kann jeder nachlesen, der es nicht glaubt.

Horst Seehofer stieß ins gleiche Horn. „Wir als Union treten für die deutsche Leitkultur und gegen Multikulti ein – Multikulti ist tot.“ Aber Seehofer ist nur ein Schmusetiger. Er springt hoch ab und landet weich als Bettvorleger.

Merkel rein menschliche Motive zu unterstellen, ist so falsch wie dumm. Die Bundesmutti weiß genau was Europa braucht. Etwa den Islam, der bekanntlich zu Deutschland gehört. Oder (billige) Arbeitskräfte, um den ungeliebten Mindestlohn wieder zu kippen.

Mit Entsetzen schauen Millionen schlecht bezahlter Menschen nach Berlin, wenn sie solche Vorschläge hören. Die, die man jahrelang allein gelassen hat, sehen sich nun plötzlich noch der Konkurrenz von Millionen Neuankömmlingen gegenüber. Plötzlich sprudeln Milliarden für Menschen, von denen deutsche Langzeitarbeitslose nur zu träumen wagten.

Die AfD frohlockt und sammelt weiter Punkte. Nun ist die AfD alles andere, als mein Favorit. Aber die Block-Parteien brauchen ihre Lektion. Wer noch immer für die Etablierten ist, wählt Merkels falschen Kurs. Er stimmt ihm zu und signalisiert einer starrsinnigen Frau, dass sie alles richtig macht.

Aber Merkels Experiment, Europa auf Kurs zu bringen, ist klar gescheitert. Im Bundestag träumt sie von 90 Prozent der Deutschen, die ihren Kurs unterstützen. Das ist wie immer schön gerechnet, die Wahrheit sieht anders aus.

Wie man Statistiken schönt, hat jeder BWL Student schon früh gelernt. Und das wird überall und ständig gemacht. Ich kann nur vermuten woher diese 90 Prozent stammen. Vielleicht sind es alle deutschen Dackel, die gern Muttis selbstgemachte Häppchen essen. Wie schwer die auf Jahre hinaus im Magen liegen, wird sich bald zeigen. Ich wünsche einen „Guten Appetit.“

Der neue Ostblock macht unterdessen die Grenzen zu und lässt sich von Deutschland nicht länger erpressen. Griechenland in Gestalt seines Ministerpräsidenten tobt. Wäre er ehrlich, er würde es Merkel-Doktrin nennen. Schon der durchsichtige Versuch beim letzten EU-Gipfel mit Blockade zu drohen, deutete auf Merkels Handschrift hin.

Gut, vielleicht irre ich. Aber die Kader-Prinzessin weiß, wie sie manipulieren kann. Das hat sie in der DDR gelernt. Und so wird sie unbeirrbar weiter ihre Thesen predigen und die Gläubigen an ihren Lippen kleben. Bis der letzte Vorhang fällt.

Köln und die Folgen – Teil 1: Die Nacht in der die Freiheit starb

Aus gegebenem Anlass, werde ich meine Berichte von der USA-Reise kurz unterbrechen. Ich will und werde nicht verschweigen, was ich zu Köln & Co. zu sagen habe. Hetzparolen und persönliche Angriffe, werde ich kommentarlos löschen. Mein Blog, meine Regeln. Wer nur provozieren will, der soll sich schleichen.

Köln hat betroffen gemacht. Und die Betroffenheit der Unbetroffenen ist (scheinbar) groß. Aber statt die Wahrheit zu sagen, wird die Bevölkerung von den Politikern weiter für dumm verkauft. Von „harten Maßnahmen“ wird gesprochen, das Wort Abschiebung plötzlich salonfähig gemacht. Die Willkommenskultur ist (schon lange) gekippt. Was zu erwarten war.

Die Wahrheit: in Deutschland wird so gut wie niemand abgeschoben! Und wenn sind es die Falschen. Mehrfach verurteilte Straftäter, mit Migrationshintergrund, leben nach wir vor in einem Land, dessen Gesetze sie regelmäßig mit Füßen treten. Sie lachen über lasche Gesetze und eine Justiz, die sie mit Samthandschuhen verfolgt.

Köln & Co. hat klar die Schwäche unseres Rechtsstaates gezeigt. Und das setzt sich in allen Bereichen fort. Eine personell unterbesetzte Polizei ohne Rechte, Politiker, die sich gern profilieren wollen, haben das Land in Bürgerkriegsähnliche Zustände gestürzt. Und Teile der Presse, die Multi-Kulti gern hofiert. Einzelne Polizisten, die offen ihre Besorgnis zeigen, dürfen mit disziplinarischen Maßnahmen rechnen. Offene Worte sind nicht gewollt. Ich sage es ganz offen und ohne den rosaroten Blick: Multi-Kulti hat man in Köln zu Grabe getragen. Ein Hoch auf die Parallelgesellschaften!

Der Journalist Reinhard Müller bringt es in der FAZ auf den Punkt. Der plötzliche Ruf nach Härte sei eine billige Ablenkung“, schreibt er. Um von fehlender Härte an der offenen deutschen Grenze abzulenken. Und ein Ausdruck von peinlicher Hilflosigkeit. An Regeln fehle es nicht. Und da hat der Mann völlig recht. Aber aus Angst vor der „Nazi-Keule“ des Auslands und weil eine Bundeskanzlerin auf dem Egotrip ist, strömen ungehindert meist junge Muslime in dieses Land, die mittelalterliche Vorstellungen von Frauen und Religion in ihren Gedanken tragen. Eine Katastrophe ist vorprogrammiert.

Pauschal zu sagen, dass alle diese Männer Vergewaltiger sind, ist falsch. Aber für einen Teil dieser Männer sind deutsche Frauen nur Huren, die sie unterdrücken und missbrauchen können. Und das haben sie gemacht. Und junge Frauen sind bekanntlich selbst schuld, wenn sie vergewaltigt werden, so die Meinung von Teilen der deutschen Bevölkerung. Was müssen die sich auch so aufreizend kleiden. Geht’s noch, meine Damen und Herren?

Als Japanerin bin ich starrende Männer gewohnt. Auch die Anmache, über die ich schon berichtet habe. Und doch ändert die momentane Lage alles. Ich kann mich wehren, aber plötzlich regt sich auch in mir ein ungutes Gefühl. Will ich mir, übertrieben ausgedrückt, den Weg zum Supermarkt in Zukunft täglich neu erkämpfen, durch pöbelnde Massen, die meine Frau und mich begrapschen wollen?

In Deutschland lebende Extremisten, haben Asylbewerber gezielt angeworben, um für Chaos zu sorgen. Das zu beweisen wird schwer. Die Polizei musste bisher schweigen, wenn es um straffällig gewordene Migranten geht. Solche Fälle hat man kaum verfolgt. Auf Anweisung der Politik, um Extremisten keine Munition zu liefern. Dumm nur, das Schweigen und die Vertuschungen, haben nun das genaue Gegenteil bewirkt.

Kommentare und Antwoten zu diesem Beitrag, werden erst mit der Veröffentlichung von Teil 2 freigeschaltet, der morgen erscheinen wird.

 

All about Anna

„All about Anna“, ist ein Film, den ich vor einigen Jahren sah. All about Anna, ist aber noch viel mehr. Dabei geht es weniger um den Film, als um eine Frau, deren Name Annalena ist. Ich habe Anna vor fast 15 Jahren auf einem Karate-Turnier getroffen, das sie in ihrer Gewichtsklasse locker gewann. Dabei kann sie überhaupt kein Karate. Aber Krav Maga und das richtig gut.

Anna ist lesbisch, das war sie immer schon. Geboren und aufgewachsen in Berlin, hat sie ihr Weg quer durch Deutschland geführt. Ein Weg, den wenige Frauen gehen. Ein Weg, den ich gut nachvollziehen kann. Anna ist Jüdin und kam schon als junges Mädchen zum Krav Maga. Wie ich lebt sie für ihren Sport, mit dem sie tief verwurzelt ist.

Anna hat meine Kämpfe damals ebenfalls gesehen und war tief beeindruckt.
„Du bist echt gut für so ne Kleene“, hat sie mich gelobt. Und ich habe nur gelacht.
Wir haben uns sofort als Schwestern erkannt, aber es gab niemals mehr als reines Interesse am anderen Mensch. Zu verschieden waren unsere Persönlichkeiten. Während Anna eher grüblerisch und in sich gekehrt durchs Leben geht bin ich Miss Extrovertiert.

Aus dieser kurzen Begegnung, ist eine Freundschaft entstanden, die die Jahre überdauert hat. Anna hat sogar eine Weile in Düsseldorf gelebt und dort als Security gearbeitet. Ich musste immer frech grinsen, wenn sie Männern den Einlass in Clubs verwehrte und uns Mädels nicht.

Vor 5 Jahren traf sie die Liebe ihres Lebens. Eine bisexuelle Frau aus Frankfurt, eine sehr hübsche Lehrerin. Corinna hat die rotesten Haare, die ich jemals gesehen habe auf dieser Welt. Eine Haut, so zart und weiß wie Alabaster. Und im Gegensatz zur burschikosen Anna, ist sie fast zu feminin. Eine Göttin unter Butches.

Corinna hat Anna wieder auf die Uni gebracht. Dort hat sie zu Ende studiert, was sie damals in Berlin begann. Aus der Wildkatze Anna, ist über die Jahre eine wundervolle Frau geworden, die ihre Corinna glühend liebt. Aber es gibt Menschen, die haben wenig Glück im Leben. Und irgendwie gehört Anna mit dazu. Corinna will Kinder, Anna ist noch nicht bereit. Die beiden streiten sich, es kommt zum Eklat. Eine Trennung scheint unvermeidlich. Corinna lernt Gerd kennen und verliebt sich Hals über Kopf. Zumindest wird sie das so Anna sagen. Zwei Monate später ist sie schwanger und Anna am Boden zerstört
Und das Schicksal geht eigene Wege.

Der Anruf erreicht mich gegen 23 Uhr. Ich bin schon im Bett und auch Yuki schläft. Eine leise Stimme flüstert mir Worte ins Ohr, die jede Müdigkeit vergessen machen.
„Ich … kann nicht mehr.“
Mein Gedächtnis für Stimmen war schon immer gut. Und auch Anna erkenne ich prompt.
„Anna, was ist los?“, will ich wissen. „Geht’s dir nicht gut?“
„Pillen“, lallt Anna. „30 Stück … schlafen …“ Dann bricht die Verbindung ab.
Ich rufe zurück, aber Anna meldet sich nicht. Sofort informiere ich die Polizei. Man verspricht mir in Frankfurt anzurufen und dort die Kollegen zu informieren.
„Machen Sie sich keine Sorgen, das kriegen wir schon hin“, höre ich nur.
Aber warum warten?

Ich wecke Yuki und erzähle ihr von Anna. Elfchen nickt und wir ziehen uns an.
Der Z erwacht zum Leben, brüllend, laut und ungestüm. Nach Frankfurt sind es 200 Kilometer und zum Glück ist Nachts wenig Verkehr. Aber wir brauchen trotzdem mehr als eine Stunde. Wie schnell ich war bleibt mein Geheimnis. Aber langsam ist anders. Noch auf der Autobahn informiere ich Corinna.
Eine geschockte Corinna mit Babybauch wartet in Anna Wohnung. Notarzt und Polizei sind ebenfalls vor Ort.
Anna kotzt sich die Seele aus dem Leib, aber es geht ihr schon wieder besser. Bleibende Schäden – Fehlanzeige. Glück im Unglück, alles wird gut.

„Das …, das wollte ich doch alles nicht!“, stammelt Corinna und schaut uns flehend an. „Ich habe sie doch immer noch lieb!“
„Vielleicht hättest du ihr das sagen sollen“, sage ich. „Aber es ist ja offensichtlich, auf wen du wirklich stehst.“
Yuki schüttelt fast unmerklich den Kopf, aber noch bin ich mit Corinna nicht fertig. Einmal in Rage stoppt mich niemand mehr.
„Du kennst sie doch besser und weißt, wie sensibel sie in Wirklichkeit ist. Hat sich der Suizid nicht angedeutet?“
„Sie hat immer wieder angerufen“, murmelt Corinna. „Aber ich habe mich so geschämt! Was soll ich denn machen? Ich wollte doch ein Kind! Und Gerd, der perfekte Spender.“ Tränen sagen oft mehr als Worte. Und davon hat Corinna viel.

Ich muss nicht Mayumi Holmes und Yuki nicht Frau Dr. Watson sein, wir haben Corinnas Botschaft klar verstanden. Aber für die Wahrheit ist es noch zu früh.
Eine bleiche, zitternde Anna liegt in unseren Armen. Auch sie fängt an zu weinen, als sie Corinna sieht.
Der Notarzt hat ihr eine Spritze gegeben. Mit ins Krankenhaus will Anna nicht. Aber sie muss. Wir fahren mit, die Nacht weicht bald dem Morgen.
Auch Corinna ist dabei, der es prompt übel wird. Wir kümmern uns um sie, bis eine Schwester kommt.
Aber hier sind wir vorerst fehl am Platz, die Pflicht ruft uns nach Stuttgart zurück. Diesemal fahre ich gemäßigt. Ich muss nicht immer Erste sein.

Das alles ist vor einigen Monaten geschehen und Anna geht es wieder gut. Wir haben sie vor einigen Tagen besucht. Noch immer ist sie bleich und jetzt ohne ihre langen Haare. Die sind einer Kurzhaarfrisur gewichen. Die Augen sind dunkel geschminkt und blicken kalt. Die Liebe scheint erloschen.
„Corinna hat mich gestern angerufen“, sagt sie leise. „Sie hat sich von diesem Gerd getrennt. Und …“, ihre Stimme bricht ab und sie schluckt. „Sie hat gesagt, dass sie Gerd nur benutzt hat. Aus Wut und als Samenspender. Glaubst du das stimmt?“
„Ja“, erwidere ich. „Das habe ich schon seit einer Weile vermutet. Aber okay war das nicht.“
Wer soll Frauen je verstehen. Gerd ist nämlich schwul.

„Und wie geht’s weiter?“, will ich wissen. „Kommt Corinna zu dir zurück? Und willst du sie überhaupt noch?“
Anna steht auf und tigert wie eine Raubkatze im Käfig durch die Wohnung.
„Damit sie mich wieder verlässt? Ich ertrage das kein zweites Mal!“
Anna bricht erneut in Tränen aus, als ich den Arm um sie lege. Mit ihren 1,76 Meter ist sie fast eine Riesin gegen mich.
Harte Schale, weicher Kern.

„Los, wir fahren hin!“, bestimme ich, als ich das ganze Elend sehe. „Du fährst selbst, im Z haben nicht alle Platz.“
Eine überraschte Corinna öffnet uns die Tür. Auf ihrem Arm kräht fröhlich ein Kind.
„Das ist Annalena“, murmelt sie und schaut Anna dabei fast flehend an. „Magst du sie mal halten?“
Und genau das hat die große Anna dann getan.

Ich weiß nicht, ob es ein Happy End geben wird. Anna ist noch immer tief und schwer verletzt. Aber die kleine Anna hat ihr Herz bereits im Sturm gewonnen.
Die Frauen wollen sich wiedersehen, soviel steht fest. Ob sie es schaffen wird die Zukunft zeigen und wie groß ihr beider Herz wirklich ist.
„Verlässt du mich auch wegen einer blonden Mieze wenn ich schwanger bin?“, will Yuki auf dem Weg nach Hause wissen.
„Nein“, erwidere ich. „Die halten wir uns nur zum putzen. Aber das hast du bestimmt gewusst.“
Der Spruch war „All about Mayumi.“ Mag noch wer was ergänzen, hat jemand Lust?

Die zweite Chance

Heike ging es nicht gut an diesem Tag. Sie litt und das lag weniger an der sommerlichen Hitze.
„Ich liebe dich nicht mehr“, hatte ihr Freund zu ihr gesagt. „Es gibt da eine andere Frau.“
Stefan war Pilot und viel im Ausland unterwegs. Und eine Stewardess hatte ihre Chance ergriffen. Heike war verzweifelt. Sie weinte und konnte es kaum fassen. Eine Trennung nach so vielen Jahren?

Natürlich gab sie sich die Schuld. Natürlich wollte sie sich ändern.
Aber daran lag es nicht.
„Unsere Liebe ist auf der Strecke geblieben“, hatte Stefan gesagt. Und das war wörtlich gemeint.
Als er ging brach ihre Welt zusammen und Heike musste nervlich zerrüttet ins Krankenhaus.
Nur mühsam ging ihr Leben danach weiter.
Sie fand einen neuen Freund. Sein Name war Alkohol. Er war ihr treu, ging niemals fremd.
Nach kurzer Zeit war Heike süchtig.

Berlin im Sommer kann mörderisch sein. Hitze pur und überschäumende Gefühle.
Heike suchte Sex. Stets wechselnde Männerbekanntschaften laugten sie zusätzlich aus. Aber an diesem Abend blieb sie nüchtern.
Es blieb bei Eistee. Auch, wenn die Sucht tief in ihr pochte.
Dann betrat eine Frau die Terasse des Cafes.
Eigentlich war sie noch ein Mädchen, stellte Heike fest. Blonde Wuschelfrisur und klare, blaue Augen.
Ihr Rucksack wies sie als Touristin aus. Und fast verlegen zählte sie ihr Geld.

Heike ahnte mehr als sie wusste, dass es nicht reichen würde.
Aber das Mädchen hatte Durst und Heike ein großes Herz.
Ihre Blicke trafen sich und Heike gab sich einen Ruck.
„Magst du dich zu mir setzen?“, fragte sie leise. „Der Eistee hier ist gut. Ich lade dich gern ein.“
Die strahlenden Augen strahlten noch mehr.
„Ich bin die Birte und komme aus Dänemark“, sagte sie mit lustigem Akzent. „Und ich bedanke mich sehr.“

Birte war das genaue Gegenteil von Heike. Weltoffen, heiter und ein wenig ausgeflippt. Stolze 20 Jahre war sie jung.
Und Heike fand sich alt mit ihren 34 Jahren.
Der Eistee erfrischte und Heike bestellte ein neues Glas. Geld war kein Problem für die Werbetexterin. Nur diese elende Einsamkeit. Und der falsche Freund.
„Ich habe mein Geld und alle Papiere verloren“, sagte Birte. „Mit 2 Euro komme ich nicht weit. Und die Botschaft hat schon zu.“
„Du kannst bei mir übernachten wenn du magst“, hörte sich Heike sagen.
Gesellschaft gegen den „Cold Turkey“, Gesellschaft als Chance.

Birte zeigte sich begeistert von Heikes Wohnung. Möbel im Designer-Stil. Alles exklusiv und teuer.
Aber auch Geld hilft nicht gegen Einsamkeit.
Birte duschte und sprang dann ausgelassen umher. Nackt zu sein war für sie normal.
Und ihr junger Körper war perfekt.
Heike hatte nie Interesse an Frauen gehabt. Aber dieses Mädchen fand sie attraktiv.
Plötzlich zeigte Birte auf ein Bild von Stefan.
„Ist das dein Freund?“, wollte sie wissen. „Wohnt der auch hier?“

Heike erzählte. Anfangs zögerlich dann immer schneller sprudelten die Worte aus ihr heraus. Und im Handumdrehen wusste Birte die ganze Geschichte.
Längst saß Heike mit ihr auf dem breiten Doppelbett. Sie noch immer angezogen, das Mädchen noch immer nackt.
„Wie lange ist das her?“, fragte Birte und nahm wie selbstverständlich Heikes Hand.
„Sieben Monate“, murmelte sie. „Aber es kommt mir wie gestern vor.“
„Und liebst du ihn immer noch?“
„Nein“, gestand Heike. „Aber die Erinnerung. Und damit werde ich nicht fertig.“
Gedanken können tödlich sein.

Birtes Kuss war zart und süß. Blonde Unschuld pur. Und Heike fühlte ein nie gekanntes Kribbeln.
Aber dann kam die anerzogene Abwehr, die Keule der Moral.
„Nicht“, flüsterte sie und schob Birte weg. „Ich …, ich bin nicht so.“
„Wie denn?“, fragte Birte und strich ihr eine dunkle Strähne aus dem Gesicht. „Ich bin auch nicht lesbisch und mag Frau und Mann.“
„Ich kann das nicht“, erwiderte Heike. Und tief in ihr erwachte die Sucht. „Lass uns schlafen gehen, du kannst gern hier im Bett … Aber es wird nichts passieren. Okay?“
Birte nickte. Aber sie wirkte traurig.
Und Heike ergab sich ihrem Freund für einen großen Schluck.

Am nächsten Morgen weckte frischer Kaffeeduft eine verschlafene Heike.
Birte hatte sich nützlich gemacht und ein tolles Frühstück gezaubert.
„Es ist dir doch recht?“, fragte sie und nahm spontan Heikes kleine Hand. „Du bist mir doch nicht böse?“
Nein, Heike war nicht böse. Nur angenehm überrascht. Von der Unbekümmertheit des dänischen Mädchens und ihrer herzlichen Art.
„Heute ist Samstag“, sagte sie und biss in einen Toast mit Marmelade. „Ich fürchte deine Botschaft hat noch immer zu.“
„Das weiß ich schon“, erwiderte Birte. „Ich hatte angerufen. Die machen erst am Montag wieder auf. Und ein Notfall ist es ja nicht.“
Und in ihren Augen lag eine stumme Frage.

„Du kannst natürlich bis Montag bleiben“, sagte Heike schnell und fühlte, wie ihr Herz schneller schlug.
Birte sprang auf, umarmte sie und gab ihr einen Kuss.
„Hab vielen Dank“, rief sie ausgelassen. „Du bist meine Lebensretterin.“
„Und du eine verrückte Nudel“, sagte Heike und musste lachen. „Aber ich mag dich gern, du tust mir richtig gut.“
„Ich mag dich auch alte Frau“, neckte Birte und flüchtete auf ihren Platz, als Heike nach ihr greifen wollte.
„Na warte du Frechdachs“, erwiderte Heike. „Zur Strafe musst du mit mir durch Berlin.“
Sightseeing, wie ich es meine.

Ein Wochenende in Berlin kann unvergesslich werden. Selbst auf Einheimische trifft das manchmal zu.
Birte gelang es Heike aus ihrer Trauer zu reißen. Die Frauen hatten eine Menge Spaß.
Heike sah Berlin plötzlich mit anderen Augen. Das dänische Mädchen verhalf ihr dazu.
Und aus grauen Wolken wurde Liebe.
Zum ersten Mal seit langer Zeit nahm Heike sich und ihr Leben an. Sie mochte sich wieder, aber vor ihr lag noch ein langer, harter Weg.
Und ihr falscher Freund lockte und lachte.

Birte versuchte nicht mehr Heike zu küssen. Aber ihre Augen verrieten sie.
In Heike tobten die Gefühle. Ihr kleines Herz war Chaos pur.
Aber sie widerstand und bereute es nachher bitterlich.
Und Birte wusste es und widerstand auch.
Am Montag fuhr Heike eine sehr stille Birte zur Botschaft.
„Hab vielen Dank“, sagte sie und reichte Heike einen Zettel. „Das ist meine Telefonnummer. Und auch meine e-Mail. Vielleich magst du mir ja mal schreiben.“
Heike weinte dicke Tränen, als sie zur Arbeit fuhr.
Das Leben gibt dir keine zweite Chance.

Heike kämpfte den ganzen Sommer mit der Sucht. Dabei half die Erinnerung an Birte. An dieses unbeschwerte Lachen, an diesen ach so süßen Kuss.
Im September war Heike clean. Der Alkohol verbannt. Aber die Einsamkeit blieb. Und Männer halfen dabei nicht.
An einem der letzten Sonnentage saß Heike wieder auf der Terasse des Cafes. Diesmal trank sie Milchkaffee und wieder dachte sie an Birte.
„Was hast du nur mit mir gemacht?“, flüsterte sie.
Dann stand Stefan vor ihr.
„Hallo Heike“, hörte sie ihn sagen. „Kann ich mit dir reden?“
Seine Stewardess hatte ihn verlassen und er suchte Geborgenheit.
Aber Heike gab ihm keine zweite Chance. Auch Frauen können tapfer sein.

Noch völlig aufgewühlt kam sie zu Hause an. Und zum ersten Mal seit langer Zeit ging sie an den Computer.
„Manchmal musst du Dinge wagen“, hatte eine Freundin zu ihr gesagt. „Das Unerwartete zulassen. Was ist denn schon dabei?“
Heike tippte. Langsam aber stetig. Und es wurde eine lange Mail. Sie zögerte kurz dann drückte sie auf „Senden.“
„Ob Birte sich meldet? Was wenn sie mich vergessen hat?“, dachte sie.
Aber feige sein ist anders. Und Heike fühlte sich gut.
Birtes Antwort kam nach einer knappen Stunde.
„Kommst du mich besuchen?“, las Heike. „Ich warte auf dich.“
Manchmal gibt dir das Leben doch eine zweite Chance.

Heike nahm Urlaub und fuhr nach Dänemark. In Birtes Armen fand sie das Glück, das sie lange verloren glaubte.
Der Altersunterschied spielte keine Rolle. Im Gegenteil fand Birte den total gut.
Die beiden Frauen ergänzten sich auf eine Weise, wie es sonst nur in Romanen steht.
Heike zog nach Dänemark und fand dort schnell einen Job in ihrer Branche. Und Dänisch zu lernen war nicht wirklich schwer.
Birte und sie haben heute drei süße Kinder. Jede der Frauen hatte ihr Wunschkind selbst geboren, das dritte Kind ist adoptiert.
Das Leben kann so einfach sein, wenn sich die wahre Liebe findet. Und wenn man seine (zweite) Chance nutzt.

200: Rise of a Blog

Es gibt Dinge, die entwickeln ein Eigenleben. Aus einer Laune wird eine Passion. Und schnoddrig gekritzelte Blog-Einträge werden fast zu Literatur. Aber eben nur fast. Anders wird es niemals sein. Genau das ist mit meinem Blog geschehen, in dem ich nun Eintrag 200 schreibe. In Anlehnung an dem zweiten Film „300“ ist der Titel entstanden.

Und worüber habe ich nicht alles geschrieben. Japan-Reisen, Gedichte, Lesben und auch Mann haben es in meinen Blog geschafft. Wenn auch nicht in dieser Reihenfolge. Ich habe bewusst provoziert und so einige Artikel in echter Rage verfasst. Einen, wenn auch kleinen, Einblick in mein Leben, habe ich ebenfalls gewährt.

Geplant war das ganz anders. Aber meine Seele war im Fluss. Getrieben von Worten, Ideen und Gedichten, ist ein ganz eigenes Kunstwerk entstanden. Yuki schaut oft nur fassungslos zu, wie ich meine Worte zaubere. Wie einfach sie aus meinen Fingern fließen. Meist schnörkellos und ohne den Pathos früherer Tage.

Aber das mag ich zur Zeit einfach nicht. Ebensowenig wie ein japanisches Gedicht. Vielleicht haben mich die Turbo-PS auf diese neue Reise geschickt. Mit 200 durchs Internet macht immer Spaß. Aber im Gegensatz zu den Spartanern werde ich nicht verlieren. Mein Weg ist hier noch nicht zu Ende. Er wird noch eine Weile weitergehen.

Auf meiner Reise habe ich viele Menschen getroffen und auch ihre Ideen. Verzweiflung und Liebe bin ich ebenso begegnet, wie der der grauen Melancholie. Die scheint gern und oft über Blogs zu schweben und hat die Menschen fest im Griff. Worte aus Leid geboren kommen immer sehr gut an. Nur nicht bei mir.

Womit ich zu einem Thema komme, das mir sehr am Herzen liegt. Ich bin erstaunt darüber, wie mich andere Blogger sehen. Worte scheinen also doch nicht immer so einfach zu sein, wie viele Menschen glauben. Sie erzeugen Bilder in den Köpfen, denen ich kaum entspreche. Vielen erscheine ich als prügelnde Lesbe, die Männer in Höhlen und auf Bäume jagt.

Das ist von alters her ein Problem von starken Frauen, die damit am männlichen Ego kratzen. Einigen Mädels bin ich ebenfalls zu tough. Sie fürchten meine Offenheit und dass ich sie in ihrer Traumwelt störe. Aber die Welt ist bunter, als ein rosa Luftballon. Das gilt es immer zu bedenken bevor man über andere schimpft.

Niemand ist mit Schweigen geholfen, oder einem allzu schönen Wort. Fein geredet wird schon viel zu lange. Vor allem am Berliner Ort. Politisch korrekt verpackt man dort Muttis Merk(el)-Wort in Geschenkpapier. Das freut die deutsche Seele sehr. Nur keinen Ärger machen. Was sonst die Nachbarn wieder denken!

Die denken bekanntlich viel und laut. Und Deutschland nickt dazu im Takt. Marschiert wird dann am Hindukusch, um unsere Grenzen zu beschützen. Japan macht es auch nicht wirklich besser. Dort richtet man noch immer Menschen hin. Habt ihr das gewusst? Gehängt wird dort, das versteht sich von selbst. Human ist anders. Vielleicht sollten in der Politik dort endlich Köpfe rollen.

200: Rise of a Blog. Wohin soll die Reise gehen? Vielleicht zurück auf die ultrakrasse Schiene. Alice 2. Ihr wisst schon. Aber nicht schwarz-weiß ins Wunderland. Sondern immer bunt, immer unter dem Regenbogen. Immer mit Yuki Hand in Hand.

Mein Japan – Teil 1

Heute möchte ich über Japan schreiben und habe einige Eigenheiten kurz auf den Punkt gebracht. Denn das Zeitalter der Aufklärung hat begonnen. Meine Damen und Herren, Frau Dr. Landar erklärt Japan und JapanerInnen. Und was man als Gaijin am Besten niemals macht.

Menschen in Amerika und Europa sind laut. Und sie haben kein Benehmen. Das zumindest ist die Meinung von Japanern, wenn sie Gaijin zum ersten Mal ereleben. Japaner sind anders. Japaner sind vor allem leise. In Öffentlichen Verkehrsmitteln wird eisern geschwiegen. Laute Gespräche und klingelnde Mobiltelefone sind verpönt. Man repspektiert die Privatsphäre anderer deutlich mehr, als in Europa und den USA.

Vermutlich wird der eine oder andere meiner Leser schon japanische Filme gesehen haben und das nun vehement verneinen. Aber Filme sind Show und haben mit der realen Welt nicht viel zu tun. Oder es lief eine Reportage über Tokio. Aber Tokio ist Tokio, dort gelten manchmal andere Gesetze. Das ist wie mit Berlin, Moskau, oder auch Paris. Alles ist dort irgendwie ein wenig lockerer und zum Teil auch weniger kompliziert.

Japans Jugend ist rebellisch. Sie ist schrill, bunt und oft laut. Witzig dabei, dass sie dann immer noch leiser, als in Europa ist. Männer in Japan sind auch anders. Und sie begrapschen gerne Frau. Das wird „Chikan“ genannt und ist ein echtes Problem. Vor allem in der oft übervollen U-Bahn geschieht das gern. Dicht an dicht gedrängt darf Frau dann Mannes Hand am Hintern spüren. In diesem Fall hilft oft den Grapscher zu outen und laut zu werden.

Der Betreffende wird meist vor Scham im Boden versinken wollen und sein Tun bereuen. Ganz mutige Frauen werden seine Hand ergreifen und ihn der Polizei, oder dem Zugpersonal übergeben. Zumindest in Tokio gibt es daher Abteile nur für Frauen. Ob das in anderen Städten auch so ist weiß ich leider nicht. Vermutlich aber schon. Um nicht fälschlicherweise beschuldigt zu werden, halten manche Männer sich daher mit beiden Händen und deutlich sichtbar an Haltegriffen in der U-Bahn fest.

Japaner küssen wenig. Zumindest außerhalb des Hauses. Erwachsene werden diese Art der Zuneigung selten in der Öffentlichkeit zeigen. Bei Jugendlichen ist das schon eher der Fall. Wer nach Japan reist und dort Japaner begrüßt, der gibt bitte nie die Hand zum Gruß. Hände schütteln hat in Japan keine Tradition. Nur, wenn der Japaner die Hand anbietet, darf man sie auch ergreifen. Wird er aber meistens nicht. Es wird sich stattdessen verbeugt. Und hier kommt für den Gaijin das nächste Problem.

Verbeugen ist nämlich nicht gleich verbeugen. Eine in der Hierarchie tiefer gestellte Person verbeugt sich tiefer und länger als die höher gestellte. Grundsätzlich stehen Ältere über Jüngeren, Männer über Frauen, Kunden über Verkäufern und Gäste über Gastgebern. Dabei legen Männer die Hände seitlich an die Schenkel, Frauen legen die Hände aufeinander und halten sie vor die Oberschenkel. Japaner sind Ausländern gegenüber aber durchaus nachsichtig, wenn es um die richtige Verbeugung angeht. Und falls der Gastgeber, oder Geschäftspartner dann doch eine Umarmung anbietet, ist man als Gaijin oft überrascht. Auch Japaner gehen mit der Zeit.

In Japan sagt man nicht Nein. Das Wort wird so gut es geht vermieden. Es gilt als unhöflich das Wort „iie“ zu sagen, das einem Nein am nächsten kommt. Iie wird meist im Zusammenhang mit „Nein, danke“, verwendet, um z. B. Komplimente abzuwehren. Nur Klein-Mayumi hat das anders gesehen. Laut meinen Eltern habe ich oft vehement verneint. Und wenn es im japanischen dafür keine Worte gab, soll ich auf Deutsch verneint haben. Als Gaijin mit kaum vorhandenen Sprachkenntnissen, sollte man auch auf Englisch ein schroffes „No“ vermeiden. Wer höflich und blumig etwas umschreiben kann, kommt auch zum Ziel.

Titel und Hirarchien sind in Japan wichtig. Immer noch und immer wieder. Daher sind Visitenkarten äußerst interessant. Und auch der Umgang damit. Wer mit Japanern Geschäfte machen möchte, sollte seine Visitenkarten immer bei sich tragen. Die des Japaners ist mit beiden Händen entgegenzunehmen, aufmerksam und interessiert zu lesen, um sie dann mit größtmöglicher Sorgfalt in der Brieftasche zu verstauen. Das kommt gut an und ist bei Geschäften schon die halbe Miete.

Wer japanische Filme sieht, wird sich über japanische Essgewohnheiten wundern. Der eben noch so vornehme Japaner schlürft und schmatzt, wenn er eine Nudelsuppe vor sich hat. Das ist nun alles, aber kein schlechtes Benehmen. Im Gegenteil ist es ein Teil der japanischen Esskultur. Wer schlürft und schmatzt zeigt deutlich, dass es ihm schmeckt. Rülpsen gehört in Japan nicht zum guten Ton. Wer das macht ist schnell geächtet. Auch öffentlich die Nase putzen kennen Japaner nicht. Das macht man ohne andere Menschen.

Und wenn wir schon beim Essen sind, so gehört das Trinken mit dazu. Auf keinen Fall darf man sich selbst sein Glas nachschenken. Das wird als Zeichen der Gier gewertet. In einer geselligen Runde wird immer der Tischnachbar für ein volles Glas bei dem ihm an mächsten Sitzenden sorgen. Gleiches wird aber auch erwartet. Wer einen Kater vermeiden möchte lässt besser einen Rest im Glas, oder trinkt einfach Flaschenbier. Prost!

Damit all diese Infos nicht zu sehr verwirren, sage ich für heute leise Tschüss. Morgen gibts dann mehr von mir und meinem aufgeklärten Japan.

Mein kurzes Leben als Mann

Einmal im Leben die Rollen tauschen! Das, haben sich schon viele Menschen gedacht. Die Gründe dafür sind verschieden. Männer möchten Frau verstehen, oder als Lesbe verführen. Das hat doch was. Warum sonst gäbe es lesbische Pornos? Für Frauen sind die nicht gemacht. Warum Frau Mann sein möchte weiß ich nicht. Am Penis kanns nicht liegen. Vielleicht am dickeren Oberarm, der lässig-elegant auch schwere Lasten wuchtet. Nur Babies nicht. Da wird Mann schnell müde. Ausdauer ist nicht sein Fall. Wie war das noch mit dem starken Geschlecht?

In den letzten Tagen haben mich verschiedene Teufel geritten. Und prompt kommt mir eine Idee. Ich will ein Mann werden! Zumindest in Second Life, dem virtuellen Zweiten Leben. Neue Accounts zu registrieren kostet nichts. Gute Kleider, Haare umd Schuhe schon. Aber ich bin lange genug in dieser Welt, um alle Tricks zu kennen. Verstärkt durch Yuki gehe ich ans Werk. Natürlich muss sie mit. Der Recke Takumi ist schnell erstellt. Noch sieht er etwas bider aus. Während Yuki ein Second Life Fashion Blog googelt stapfe ich durch den einen oder anderen Shop. Yuki dirigiert mich zu coolen Stiefeln und einer virtuellen Zigarette. Dampfend und nur halb angezogen geht es weiter. Schlimm ist das nicht. Takumi hat keinen Penis. Den müssen Männer dort für teures Geld kaufen. Ob das eine Option für die reale Welt wäre?

„Du brauchst noch Haare“, sagt Yuki. „Ich habe auch schon einen Shop gefunden.“
Zufrieden betrachte ich unser Werk. Mein Held sieht richtig gut aus. Nun wird es Zeit sich ins Vergnügen zu stürzen.
Das Nachtwerk fällt mir ein. Dort ist Tag und Nacht Betrieb. Kaum angekommen wird mein Avatar freundlich begrüßt. Klar, der DJ will ein Trinkgeld haben. Er bettelt auch um eine Spende für den Club. Aber Takumi hat keine Linden Dollar. Und echtes Geld  geben wir für SL nicht mehr aus.
Ich tanze eine Weile und schaue mir die Avatare an. Einige sehen sehr stylish aus.
Ein Girl in Latexklamotten und riesigem Busen macht sich vor mir breit. Ihr Name ist Busenfee. Laut ihrem Profil ist sie 25 Jahre alt und aus Berlin. Sie mag Spaß und Sex und heiße Männer. Und ab und zu auch eine Frau. Bi sei sie, schreibt sie.

Ich weiß sofort, dass sich dahinter ein Mann verbirgt. Selbst in SL kann ich die meilenweit riechen.
„Hey Süßer“, flüstert sie mir zu. „Wollen wir Spaß haben?“
Yuki bekommt einen Schreikrampf vor Lachen und nickt mir zu.
Zum Schein gehe ich auf das offenherzige Angebot ein und bitte die Busenfee um einen Tanz.
Wir wiegen uns im Takt gut gemachter Animationen und lauschen harten Techno Klängen.
Meine angehende Eroberung flüstert mir einige plumpe Baggersprüche ins virtuelle Ohr. Keiner davon kann mich vom Hocker reißen.
Nach etwa 10 Minuten Warmlaufphase bringt sie mich zu ihrem Schloss.
„Habe ich selbt gebaut“, erzählt sie stolz. „Ich wollte immer schon in einem Schloss leben. Gefällts dir? Und jetzt zeige ich dir noch meinen Dungeon!“
Yuki füttert mich mit Schokolade.
„Als Stärkung“, sagt sie frech.

Ich kann mir vorstellen, was Lady Busen mir zeigen will und werde nicht enttäuscht. Im mittelalterlichen Stil gehaltende BDSM-Möbel springen mir ins Gesicht.
„Ich bin ja so heiß“, flüstert sie lüstern. „Du musst mich ganz hart ran nehmen, okay? Ich stehe total auf Fesselspiele. Du doch bestimmt auch.“
Worauf ich stehe geht die Busenfee nichts an. Ich tippe einige belanglose Sätze, die mein Interesse zeigen sollen. Yuki versorgt mich weiter mit Schokolade.
„Du bist ein toller Boi“, sagt sie gut gelaunt. „Meine Avatarin könnte dich glatt heiraten.“
„Hey, das gilt nicht“, protestiere ich scherzhaft und bekomme einen Kuss.

Vor mir wiegt sich die Busenfee in einem Bauchtanz.
„Gefalle ich dir?“, will sie wissen. „Soll ich mich ausziehen, damit du meinen heißen Körper sehen kannst?“
Sie wartet keine Antwort ab und macht die Drohung wahr. Gute 2 Meter virtueller Busen und Po prangen vor mir. Schön ist anders.
Ich kann nicht mehr und pruste los. Yuki liegt mir in den Armen. Wir schnappen nach Luft.
„Mach doch was!“, sagt Yuki mit Lachtränen in den Augen. „Oder lass mich an die Tastatur.“
„Nix da!“, erwidere ich. „Das ist mein Avatar, bastel dir doch selbst einen Mann.“
„Doofie“, kommt es prompt. „Mach jetzt!“

Die Busenfee wird ungeduldig.
„Was ist denn los?“, will sie wissen. „Hast du etwa keinen Bock auf mich?“
„Den hast du schon abgeschossen“, tippe ich. „Ich habe selten so gelacht. Weiß deine Frau eigentlich, was du in Second Life so treibst? Oder gehst du noch zur Schule?“
Treffer, versenkt! Die Busenfee lässt ihre Maske fallen und beschimpft mich übelst. Ich höre interessiert zu, vielleicht kann ich ein neues Schimpfwort lernen. Aber die virtuelle Dame ist kein Gegner für mich. Außerdem suche ich Spaß und keinen Streit. Daher gehe ich. Aber sie hört nicht auf und tippt immer weiter im Flüsterfenster. Zum Schluss blockiere ich sie. Ruhe kehrt ein.
Ich schaue Yuki an und sie mich.
„Hast du noch Schokolade?“, will ich wissen.
„Nein“, sagt sie sanft. „Nur mich.“
Ich logge mich aus Second Life aus. Der Held Takumi ist mir plötzlich egal geworden. Und wenn ich ehrlich sein soll möchte ich auch dort kein Mann sein. Auch, wenn ich als Buddhistin an die Wiedergeburt glaube, im echten Leben nicht. Vermutlich war ich früher Wildkatze. Und das möchte ich wieder sein. Miau!

Nandalya kocht!

Liebe Leserinnen und Leser, sehr geehrte Damen und Herren! Ich koche! Und das kann ich wirklich gut! Hauptgrund dieser Hausfrauhäuslichen Aktivität ist mein verdorbener Magen. Seit Tagen und Wochen bekommt der immer nur graue Griesgramsuppe. Und die wiegt schwer. Meine Eingeweide brennen. Egal wie oft ich versucht habe meine Bekocher mit Rezepten zu versorgen, es gelang mir nicht. Stattdessen gab es weiter saures Kraut, bittere Rüben und Wir(r)sing. Nachwürzen war also angesagt. Aber ein schaler Nachgeschmack bleibt. (Mund)Fauliger (Wort)Salat gehört nun mal nicht auf einen Teller. Vertragen ungenügend!

Als Japanerin bin ich abwechslungsreiches, frisches Essen gewohnt. (Junges) Gemüse, verschiedene Sorten von gebratenen, oder mit Liebe gekochten Nudeln, Reis, Fisch und Fleisch. Auch leckeres, süßes Obst steht oft auf dem Speiseplan. Nur keine Äpfel und Birnen. Stattdessen gab es für mich meist sauren Quark. Damit ist ab heute Schluß! Ab sofort koche ich. Aber auf Vorrat. Täglich mag ich nicht (mehr). Da lasse ich höchstens Dampf ab in den Gassen(hauern). Jemand Bedarf?

Was ich dazu brauche gibt’s bei Granny Smith im Kommödchen. Sie freut sich immer über einen Besuch. Die alte Dame ist Inhaberin der Lach- und Sch(l)ießgesellschaft um die Ecke. Dort in der Stachelschweinstraße gibt es ohnehin alles! Badewannen und Fliegenpilze ebenso, wie das Reisebüro „Ein Platz an der Sonne.“ Heute mag ich zwar nicht verreisen, aber Reis ist immer gut. Einen Reiskocher habe ich bereits. Der ist sparsam und Rot. Ich überlege ob ich (Hirn)Grütze kochen soll, entscheide mich aber dagegen. Zu viel Brei verdirbt den Koch.

Schallende La(u)chsuppe kommt mir in den Sinn. Als Hauptgericht wähle ich Spaßbraten. Der macht sich am Spießer gut. Dazu Hoch-zeit-(s)nudeln! Das Fleisch stammt von der glücklichen Kuh Elsa. Oder sollte ich lieber gackernde Hühner von Frau Bratbecker nehmen, vielleicht den ein oder anderen Schusterrappen? Ich nicke mit den Kopf, ich kanns mir leisten. Als Nachtisch denke ich an einen ganzen Teller Buntes. Überhaupt sind Süßspeisen die Wucht am Rhein.

Zufrieden schaue ich auf mein Werk. Dann merke ich, ich habe die Wortwürze vergessen. Zum Glück wohnt neben mir Frau Ilsebill mit ihrem Mann Heinz-Günter. Die kocht gern Butt und salzt dann nach. Natürlich hilft sie mir freudig aus. Kosten mag sie nicht. Sonst wer? Eine Prise Lachsalz, Kichererbsen und Guineapfeffer aus dem Paradies runden meine Mahlzeit ab. Ich hoffe meinen Bloggern schmeckt es. Frei nach dem Motto: „Sind S(i)e schon bedient?“ Ich bins. Aber so was von!

Stille Tage im Klischee

Der Ort: Das Kloster Klischee in der Gemeinde Absurdität.
Die Akteure: Engel Gabriel, die Scheinheilige Angela und Pater Vollhorst.

Es ist Runde 74 der Klausurtagung. Mindestens! So oft haben sich die drei Akteure nun im Kloster Klischee getroffen. Engel Gabriel, seines Zeichens Vorbläser der pausbäckigen Putten Fraktion, wirkt satt an diesem Tag. Er strahlt und wischt sich die rosigen Lippen. Offenbar hat er einen leckeren Happen verspeist. Auch der ergraute Vollhorst wirkt zufrieden. Sein weißblauer Anzug sitzt perfekt. Dressman made by Hans Wurst. Trefflich! Und die Frohnatur Mutter Angela hat sowieso immer ein Lächeln auf den Lippen. Für die Chefin der Schwarzen Rotte geht immer alles gut.

Die Gläubigen dieses Landes hatten den großen Drei vor einer Weile einen Auftrag erteilt. Es ging um die Um- und Neuverteilung. Von Sitzen! Nicht Sitzenbleibern. Die hat die Gemeinde mittlerweile entfernt. Aber das neu angeschaffte Gestühl brauchte neue Kehrseiten. Nicht zu verwechseln mit Ärschen! Die gibt es hier nicht. Nur schmalzgelockte Schönredner und den ein oder anderen Mitesser. Schön ausdrücken können sich die Meisten davon. Mehr nicht. Was übrig bleibt ist meist nicht einmal die Muße. Nur müffelnde Fettbacken.

Gemeinsam schreiten die Drei zur Fresskonferenz. Aus einem versteckten Lautsprecher ertönt ein Lied. „Und der Haifisch, der hat Zähne und die trägt er im Gesicht …“
Fresser aller Größen sind versammelt. Sie erwarten das kalte Buffet. Gierige Blicke gleiten über Brust und Keule.
„Und der Mackie hat ein Messer, doch das Messer sieht man nicht …“, trällert der Sänger. Dann stoppt die Musik. Stille.
Gabeln blitzen. Überflüssiges im Überfluss wird in die kuhle Wampe geschaufelt. Die Kolonie ist satt, die Köpfe rauchen.

Der Vollhorst ergreift das Wort und Legionen von Gläubigen lauschen gebannt. Zufrieden sei er, beginnt der Pater. Habe er doch wesentliche Forderungen seiner Anhänger gegen die roten Putten durchsetzen können. Einen Wehmuststropfen für die Engel gäbe es aber. Ab sofort müssten sie einen Obulus für den Durchflug der Engelsrouten zahlen. Als ein Aufschrei aus tausend Bierkehlen ertönt wird der Pater blass. Natürlich müssten den auch fremde Engel zahlen, verkündet er schnell.

Engel Gabriel schwitzt. Dem beleibten Vorbläser der Putten geht es sichtlich schlecht. Er ringt sich ein Lächeln ab und spielt mit einem Abziehbild. Das Portrait vom himmlischen Willy ist darauf zu erkennen. Aber dessen Klasse erreicht er nicht. Sie liegt jenseits seiner Kunst. Aber vielleicht liegt ihm auch einfach noch der lange Gang über die Steinbrücke im Magen. Stammelnd verkündet er seine Position. Anwesende Putten nicken leicht im Meer der Biergesichter. Weingeistig-selig wird gelächelt, die Gesichter verschwimmen im Massenbrei. Irgendwie sind heute alle Rot.

Mutter Angela greift nach den Händen ihrer Partner. Sie strahlt schon wieder. „So nehmet auch mich zur Genossin an“, sagt sie und der Busen wogt.  „Ich sei, gewährt mir die Bitte, in eurem Bunde die Dritte!“
Wie aufs Stichwort erklingt die Musik.
„Denn die einen sind im Dunkeln und die andern sind im Licht. Und man siehet die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht.“
Dann geht das Licht aus.

Mein Kind – Dein Kind = Kein Kind?

Ich frage mich heute wieder einmal in welcher wir Welt wir leben. Eigentlich ist diese Welt schön. Aber nur für die Reichen, die Priviligierten und für heterosexuelle Menschen. Sobald von dieser Norm abgewichen wird, hat man gelitten. In den Köpfen vieler Menschen spukt noch immer das Gespenst der Homophobie. Vor allem konservative Politiker stemmen sich mit Macht und faden Argumenten gegen eine totale Gleichstellung Homosexueller. Mein Stichwort ist heute das gemeinsame Adoptionsrecht. Was Hetero-Paaren erlaubt ist, wird Homo-Paaren in Deutschland noch immer verwehrt.

Natürlich dürfen auch Lesben und Schwule Kinder adoptieren. Allein. Die Sukzessivadoption war bisher verboten. Dieses Verbot hat das Verfassungsgericht im Februar 2013 gekippt. Das Verbot für Schwule und Lesben, ein Adoptivkind des eingetragenen Lebenspartners zu adoptieren, sei verfassungswidrig, so die Richter. Der Gesetzgeber ist aufgefordert bis Ende Juli 2014 eine verfassungskonforme Regelung zu schaffen. Klingt toll! Aber die CDU/CSU hat leider die Bundestagswahl 2013 gewonnen. Und damit bewegt sich nun fast nichts. Zwar ist man bereit dem sukzessiven Adoptionsrecht zuzustimmen, mehr geht mit den Konservativen nicht. Das durfte die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig in der  Arbeitsgruppe Familie, Frauen und Gleichstellung erfahren. Schleswig bewies Zivilcourage und brach daraufhin die Verhandlungen ab. Sie könne den SPD-Mitgliedern unter diesen Umständen nicht empfehlen, einer Koalitionsvereinbarung zuzustimmen, sagte sie.

Sind das nun nur leere Worte? Ein taktisches Geplänkel um die Macht? Fakt ist, dass Lesben und Schwule keine schlechteren Eltern als heterosexuelle Paare sind. Leider hat die Öffentlichkeit meist ein falsches Bild von diesen Menschen. Und daran sind diese oft selber schuld. Schrillbunte Protesttage, halbnackte Männer und Frauen in Lack und Leder sind nicht mein Fall. So wenig wie der klischeehafte Kurzhaarschnitt von Frau. Abgrenzung durch Ausgrenzung, oder umgekehrt? Das ist es leider nicht. Integration, Akzeptanz durch Aufklärung und damit hin zur Normalität sollte unser Ziel sein.

Aber zurück zu den Kindern, um die es letztlich geht. Für meine Frau und mich bedeutet die momentane Situation, dass wir gemeinsam kein Kind adoptieren dürfen. Gut, das wollen wir auch nicht. Geplant war bisher eine Schwangerschaft meiner Frau. Der Samenspender: Mein schwuler Cousin Ken. Der Vorteil: Wir sind beide mit dem Kind verwandt. Ein Riesenvorteil gegenüber anderen Paaren. Mein Sorgerecht für einen hoffentlich nie eintretenden Extremfall auszuschließen dürfte äußerst schwierig für Behörden sein.

Absichtlich schreibe ich von der „bisherigen Planung.“ Momentan steht diese auf der Kippe. Yuki mag in dieser muffig-konservativen Welt keine Kinder haben. Und bei mir tickte niemals eine biologische Uhr. Hinzu kommt unser Alter. Mit 30 bin ich nicht mehr ganz jung, aber auch noch nicht alt. Yuki ist 27. Wenn wir in 2 – 3 Jahren mit dem (zweiten) Studium durch sind stehen wir vor einem weiteren Problem: Der Suche nach einem geeigneten Arbeitsplatz und finanzieller Stabilität. Es werden also weitere Jahre vergehen, bis wir an Kinder denken können. An unserer Liebe ändert ein möglicher Verzicht auf Kinder nichts. Aber wir sind zu sehr auf Sicherheit bedacht, um uns nun Hals über Kopf in ein familiäres Abenteuer zu stürzen. Damit stehen wir vor dem gleichen Problem, wie viele heterosexuelle Frauen / Paare. Eine Lösung ist momentan nicht in Sicht. Aber auch kein Druck. Den haben die Politiker vom Verfassungsgericht zu erwarten. Und vielleicht entscheidet die alte Dame Justitia eines Tages richtig bunt, wenn sie endlich bemerkt, dass die Binde um ihre Augen farbig ist. Wie der Regenbogen.