Japaner und der liebe Dialekt

Nachdem ich bei den spöttischen Weltmeisterschaften in Witzelen, die Titel für feinen Humor und beißenden Spott gewonnen habe, steht mein Telefon kaum noch still. Selbst die Herren Hinz und Kunz wollen ein Selfie mit mir machen. Und die EMMA natürlich auch.

Als bekannteste Auslandsjapanerin der Welt, ist das kein Wunder. Auch DSDS hat schon angefragt. Klar, wenn man so hübsch und talentiert ist wie ich. Das weiß auch der Bohlen. Nur ist bei mir nix zu holen. Das deutsch-japanische Internetradio „Kirschblüte“, hat mich dann doch zu einem Interview verführt, was in nachfolgendem Artikel resultiert.

„Guten Tag, Frau Dr. Landar“, begrüßt mich der Reporter in mittelprächtigem Japanisch und verbeugt sich vor mir.
Skeptisch schaue ich ihn an. Das habe ich schon besser gesehen.
„Wir freuen uns Sie in unserer heutigen Sendung begrüßen zu dürfen“, fährt er leicht verlegen fort und rückt seine Nerd-Brille zurecht. „Wie Sie wissen machen wir eine Reportage über Japan und stellen auch die Frage, warum Japaner so wenig Englisch sprechen. Sie als Multilinguistische Expressionistin können uns bestimmt darüber Auskunft geben.“
Das schreit sofort nach meinem Widerspruch. Dem Typen werde ich was husten!

Ich stelle mich in Pose, wie es Jackie Chan kaum besser kann.
„You’ve gotta be fucking kidding me!“, erwidere ich in breitem US-Slang. „Are you fucking serious about that?“
„Ich meinte doch auch all die anderen Japaner“, beeilt sich der Reporter zu sagen. „Ihr Englisch ist wirklich toll. Und ohne jeden Dialekt!“
„Schleimer“, entfährt es mir prompt und seine Gesichtszüge entgleisen. Das hat er nun davon.
Und der deutsche Sendeleiter schwitzt.

„Japaner verlieren nicht gern ihr Gesicht“, erkläre ich. „Und sie vermeiden Fehler, wenn es nur irgendwie geht. Europäer sehen das als schüchtern an, aber es ist einfach Teil japanischer Tradition. Stellen Sie sich nur vor, dass sie Japanisch lernen und  es im Hörfunk der Welt präsentieren sollen. Würden Sie das tun?“
„Aber ich bin doch Japaner!“, sagt der Mann verlegen. „Nur leider nicht so berühmt wie Sie.“
Ich mustere den Kerl kritisch. Für mich sieht der wenig japanisch aus, er ist eindeutig aus Hawai.
Wie war das mit den Vorurteilen?

„Na wenn Sie schon alles wissen, was wollen Sie dann von mir?“, entrüste ich mich gekonnt. „Dann könnte ich auch Sie interviewen und nach ihrem Englisch fragen. Aber Sie sind ja in Amerika geboren, also zählt das wieder nicht.“
„Also eigentlich stammt meine Familie aus Osaka“, wirft der Reporter ein. „Nur mein Vater ist Amerikaner.“
Was man auch deutlich sieht.

„Manche Japaner können nicht mal richtig japanisch“, sinniere ich und wieder wird der Kerl ganz blass.
Ja, das war richtig böse von mir. Wobei ich gestehem muss, dass Japaner gern über andere Japaner lästern. Wir klassifizieren uns und haben sogar Vorurteile. Wenn sich Japaner treffen regiert meist die Förmlichkeit. Keiner der beiden mag einen Fehler machen. Es wird versucht sich ein Bild des Gegenüber zu machen, indem man auf Sprache, Herkunft und Alter achtet. Nur gelästert wird nie. Das darf nur ich.

Ganz witzig spielt auch die Blutgruppe in Japan eine große Rolle. Egal ob A, B, AB, oder 0, jeder Blutgruppe werden Eigenarten zugeschrieben. Das ist fast so wie bei den Sternzeichen, nur lange nicht so detailliert. Japaner unterscheiden auch, ob jemand in Japan geboren ist und dort lebt. Und auch ich bin abgestempelt, als Auslandsjapanerin. Was mich wenig stört und nur noch interessanter macht.

„Japan als Insel hat es doppelt schwer in Kontakt mit Ausländern zu kommen“, sage ich. „Die jahrhundertelange Abgeschiedenheit, die Shogun-Diktatur, sie haben die Öffnung Japans lange verhindert. Und selbst heute gibt es wenig Gelegenheit, die englische Sprache umfassend zu üben. Außerdem ist sie für den normalen Japaner sehr schwer.“
Der Reporter nickt, das kann er nachvollziehen. „Japanisch selbst ist auch nicht einfach“, gesteht er mir. „Ich habe es erst als Teenager richtig gelernt, da meine Eltern in Deutschland lebten und ich spät zurück nach Japan kam. Auch mein Englisch ist nicht so besonders gut.“
Milde gestimmt nicke ich. Nun wird so einiges klar.

„Ein großes Problem für Japaner sind auch die Buchstaben „R“ und „L“, fahre ich mit der Erklärung fort. „Angeblich können Japaner diese nicht sprechen, was totaler Humbug ist. Wie Sie wissen gibt es diese Laute in der japanischen Sprache nicht. Nur einen Mischlaut, der so ähnlich klingt. Woher also soll der Japaner nun wissen, wie er Christina Aguilera ausspechen soll?“
Der Reporter nickt, das hat er verstanden.
„Chlistina Aguirela“, versucht er sich und scheitert.
Selbst der Sendeleiter lacht. Kein Wunder, der ist aus Franken.

„In meinem neuen Buch „Gebt mir ein(e) R!“, gehe ich näher auf die Problematik ein“, erkläre ich und freue mich wie ein Schnitzel, als der Sendeleiter die Augen verdreht.
Weiß der etwa, dass die BWM S 1000 R ein Motorrad ist? Immerhin kennen sich Franken mit den rollenden R gut aus.
Zumindest der Reporter ist begeistert, als er durch die weiß-blauen Seiten blättert.
„Plivat fahle ich ja Cablioret“, gesteht er mir in „broken English“, wie einst Frau Faithfull krächzte. Und das bevor sie zum „L“ für Lucy Jordan kam.
Aber um (die) Rolling Stones geht es heute nicht. Die fallen nur dem Sendeleiter vom Herz, als ich endlich gehe.
Was der Typ nur immer hat?

Im roten Z gehts zurück nach Hause. Und dort habe ich (m)eine sprachlose Elfe geküsst. Liebe hat ihren eigenen Dialekt.

Japanerinnen und Gaijin – Wenn sich Frauen trauen

Bei westlichen Männern geht die Legende, dass Japanerinnen einfach zu haben sind. Gezielt kommen Sex-Touristen nach Japan, um dort die sanfte Frau fürs Bett zu treffen. Und fahren meist enttäuscht wieder ab. So einfach ist das nicht mit der willigen Japanerin.

Woher stammt nun die Legende? Sind daran wieder Pick-Up-Artists schuld? Junge Japanerinnen sind oft anders, als es noch ihre Mütter waren. Deutlich an Europa, oder den USA interessiert, öffnen sie den Horizont für neue Kontakte. Nicht die Schenkel meine Herren. Das machen wirklich nur die Schlampen. Und die gibt es in jedem Land.

Englisch als Sprache steht in Japan hoch im Kurs. Aber die Umsetzung ist oft schwierig. Das gilt auch für Deutsch, oder Spanisch. Alles Sprachen, die für JapanerInnen nicht ganz einfach sind. Und doch kann Frau sie lernen. Und macht es mehr als Mann.

Ja, es gibt in Japan die „Gaijin-Jägerinnen.“ (Junge) Frauen, die gezielt mit westlichen Männern schlafen. Darüber möchte ich kein Wort verlieren. Irrungen und Wirrungen gibt es auf der ganzen Welt. Ich möchte von der normalen Japanerin erzählen, die vielleicht etwas mehr an Bildung hat und schon im Ausland war.

Das japanische Wort Gaijin (Mensch von draußen) wird vorwiegend für westliche (weiße) Ausländer verwendet. Niemals für einen anderen Asiaten, oder im Ausland lebenden Japaner. Laut wikipedia ist das Wort am schwinden, was ich bezweifeln möchte. Es wird noch sehr häufig genutzt. Und eigentlich heißt es Gaikokujin, wird aber immer abgekürzt.

In der Regel wirken Japanerinnen schüchtern. Was in der Tradition begründet liegt. Aber manche bringen durchaus den Mut auf und sprechen westliche Männer an. Nicht um Sex zu haben, pure Neugier steht im Vordergrund. Oft ist es auch eine völlig falsche Vorstellung von der fremden Kultur, die Japanerinnen so handeln lässt.

So gelten Italiener als romantisch, Spanier als leidenschaftlich und Deutsche werden als zuverlässig klassifiziert. In Bars, Clubs, oder Vereinen, gibt es regelmäßige Sprachabende für Lernwillige, die gern andere Menschen treffen. Alles ganz harmlos und ohne Zwang. Aber durchaus mit Konsequenzen. Liebe kennt keine Grenzen, das ist auch in Japan so.

Aber die japanische Höflichkeit verwirrt oft Männer und lässt sie die Dinge anders sehen. Ein zartes Lächeln, ein scheuer Blick, wird sofort als Versprechen für mehr genommen. Ein möglicher Kontakt zwischen Gaijin und Japanerin muss langsam wachsen. Wählt Mann sie nur wegen der Mandelaugen aus, so wird sie das schnell bemerken und jedes Interesse verlieren.

Die kulturrellen Unterschiede sind oft riesig. Und es bedarf einer Menge Toleranz, Verständnis und Respekt, um dem jeweils anderen Partner dauerhaft ins fremde Land zu folgen. Einfacher, aber nie ganz einfach, ist es im Ausland lebende Japanerinnen zu treffen und vor den Traualtar zu führen. Nur mich und Yuki nicht. Wir haben uns bereits gefunden und sind ein Ehepaar.

Fazit: Wer ein zartes, scheues Sex-Püppchen sucht, der ist in Japan falsch. Eigentlich in ganz Asien und auf der ganzen Welt. Aber das habt ihr bestimmt alles schon gewusst.

Weihnachten zu Hause

Wir, die wir im Wohlstand leben, werden an Weihnachten zu Hause sein. Aber wo ist „zu Hause“ überhaupt? Viele Menschen haben auch dieses Jahr ihr Heim, ihr Land verloren. Hilflos irren sie durch fremde Länder und werden kaum anerkannt. Ohnmächtig, ohne Geld und Sprache, schauen sie auf die für sie Reichen dieser Welt.

Wieder einmal, wie schon seit Jahrhunderten, wird Religion für Krieg benutzt. Machthungrige Patriarchen überziehen die Welt mit Feuer und Schwert. Und das ist falsch. Alte Männer opfern einmal mehr die Jugend der Welt. Und der Teufel lacht, um es mit christlicher Symbolik zu sagen.

„Kriege entstehen aus dem Scheitern, das Menschsein der Anderen zu verstehen“, hat der Dalai Lama gesagt. Ich sage, dass es billigste Machtgier ist, um dem eigenen Ego zu schmeicheln. Um Geld und Ressourcen anzuhäufen.

Die Mächtigen der Welt spielen ein böses Spiel. Es ist Schach mit dem Glauben der Menschen. Bauernopfer inklusive. Die Leidtragenden sind die Menschen, die hilflos vor dem Terror fliehen. Sie haben ihr Zuhause verloren, sie sind an Weihnachten allein. Rechte Hohlköpfe stehen nun in Deutschland auf, um Front gegen „Ausländer“ zu machen. Gegen den Islam, gegen Menschen die anders sind.

Anders als wer, frage ich? Wir alle, die wir satt und sicher in unseren Heimen sitzen, sind AusländerInnen in einem anderen Teil der Welt. Das sollten wir nie vergessen, wenn wir rührselig in weihnachtliche Stimmung verfallen und dicke Geschenke unser eigen nennen.

Auch ich werde Weihnachten im Kreis der Familie verbringen. Meine Eltern sind bereits hier. Wir sind in Deutschland zu Hause. Wir, dir wir aus Japan sind. Aber wir geben immer ein Stück von unserem Glück weiter. Und zur Not kämpfen wir auch dafür. Auch für die, die anders sind. Macht ihr das auch?

Wir, die wir im Wohlstand leben, sollten aufhören zu jammern. Wen interessiert es angesichts des Elends auf der Welt, ob der Zweitwagen von Familie Neureichoberprotz, einen Reifenschaden hat. Reicht denen die Hand, die alles verloren haben. Das wünsche ich mir für dieses Weihnachten, für das kommende Jahr. Und weniger Jammerblogs, auf allerhöchstem Niveau.

Schließen möchte ich diesen Beitrag mit den Worten von Charles Dickens: „Und ich werde an Weihnachten nach Hause kommen. Wir alle tun das oder sollten es tun. Wir alle kommen heim oder sollten heimkommen. Für eine kurze Rast, je länger desto besser, um Ruhe aufzunehmen und zu geben.“  

In diesem Sinn wünsche ich allen meinen LeserInnen friedliche und frohe Weihnachten. Wir lesen uns bald wieder. Nie angepasst und immer kämpferisch.