Herbstliches Feuer

 

Herbstliches Feuer

Sanft streift mich der Elfe Blick

Mandelaugenglück

 

Bild: Pixabay

 

 

 

 

 

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Die Gesichter der Welt

Schon oft hat man mich nach den Unterscheidungsmerkmalen von Asiaten gefragt und ob es die überhaupt gibt. Für Europäer ist es schwer aisatische Gesichter zu erkennen. Dabei kann das so einfach sein! Als kleiner Tipp für Ratewillige sei noch gesagt, dass es den typischen Asiaten nicht gibt. Wie hilft das der Frage weiter?

Ich, als geborene Expertin für Japan und Japaner, bin zu einer umfassenden Aufklärung natürlich prädestiniert. Einmal mehr erklärt Frau Dr. Landar Japan und Japaner. Und China und Korea gleich mit. Nur Thais sehen dann doch etwas anders aus. Es sei denn, dass es dort lebende Chinesen sind. Alles klar?

Was unterscheidet nun den typischen Japaner vom Koreaner und was macht einen Chinesen aus? Ist die Hautfarbe anders, die Nasenform? Sind es noch schmalere Augen, noch höhere Wangenknochen? Von sogenannten Experten wird behauptet, dass Japaner am kleinsten sind. Unsere Hautfarbe sei heller und unsere Augen runder. Aber dieses Gerücht stammt vermutlich aus der Manga-Ecke. Da gibt es Kulleraugen zuhauf.

Koreaner sind angeblich alle dünn und groß. Und die Augen sind ganz schmal. Vermutlich weil sie stets übers Meer blicken, ob nicht Japans Flotte wieder kommt. Chinesen wird eine „gelbliche“ Hautfarbe angedichtet. Im Westen spricht man gern von der „gelben Gefahr.“ Dabei ist auch das nur Blödsinn pur.

Was ist nun Wahrheit und was Legende? Und essen alle Deutschen wirklich Sauerkraut? Tragen die Franzosen alle noch Schnauzer und sind Italiener alle 1 Meter 50 groß? All das ist so großer Quatsch, wie die Legenden über Asien. Aber das habt ihr bestimmt alles schon gewusst.

Speziell in China gibt es eine ganze Reihe verschiedener Völker, die sich durchaus unterscheiden. Und auch in Japan gibt es Unterschiede. So, wie in Deutschland auch. Und warum sollte es in Korea anders sein? Kleidung, Sprache und Frisuren können die Unterschiede viel deutlicher machen, als es Gesichter tun.

Ich für mein Teil kann Unterschiede durchaus erkennen. Aber auch völlig daneben liegen. Wie bei einer in Japan lebenden Koreanerin, die chinesische Wurzeln hat. Aber sie spricht die drei Sprachen fließend. Und das ist voll gemein! Die Gesichter der Welt unterscheiden sich durchaus. Aber letztlich sind alle Menschen Brüder. Oder Schwestern, weil mir die weibliche Form einfach besser gefällt. Aber auch das habt ihr schon gewusst.

Wenn zwei Mädels shoppen gehen

Wir haben uns schon einige Wochen auf diesen Tag vorbereitet und hart trainiert dafür. Lange Spaziergänge durch Parks und Felder, haben unsere Beine gestählt. Ebenso Kampfsport und ausgedehnte Joggingstunden. Auch unsere Geldbeutel sind gut trainiert, gefüllt mit allerlei buntem Papiergeld. So gerüstet stürzen wir uns nach einem ausgiebigen Frühstück in den Weihnachtswahn. Ohne Toyota. Dafür mit dem Bus. Kämpfen werden wir hoffentlich nicht müssen. Auch, wenn der Gang durch die Menge durchaus eine Art Kampf sein mag.

Weihnachten bedeutet mir schon immer sehr viel. Und Yuki auch. Trotz unserer japanischen Wurzeln sind wir auch typische Kinder des Westens. Und auch wenn wir (auf dem Papier) Buddhisten sind, so mögen wir diesen Brauch sehr. Ich tauche gern in diese magische Zeit der Besinnung ein. Nur mit dem Kommerz kann ich nicht. Und dem Winterblues der Menschen.

Die Lichter der Großstadt stechen mir in die Augen. Weihnachtlich bunt, grell. Mit allerlei Tand überladene Tannen an jeder Ecke. Schnell sind wir im Weihnachtsstress.
Menschen hasten an uns vorbei. Einigen steht die Verzweiflung im Gesicht geschrieben.
„Die last minute Käufer“, murmele ich und Yuki nickt.
Wir haben unsere Geschenke schon lange gekauft.
„Hey, Karate-Chick!“, dröhnt eine burschikose Stimme an mein Ohr.
Eine Freundin im Tomboy-Look bahnt sich einen Weg durch die Menge und drückt uns die Luft aus den Rippen.
„Na ihr Süßen“, sagt sie. „Was treibt euch in den Wahnsinn?“
„Du, wenn du mich nicht gleich loslässt“, sage ich und kitzele sie frech.
Sie lacht und lässt uns gehen.
„Ich warte auf meine Frau“, verkündet sie. „Sie hatte heute Dienst und wir müssen für ihre Mutter noch ein Geschenk besorgen.“
Wir wünschen ihr viel Spaß und frohe Weihnachten.
„Bis bald im Training“, ruft sie uns nach.

Tapfer marschieren wir durch die Massen. Wie Königinnen fühlen wir uns nicht. Auch, wenn der Straßenname dies gern hätte.
Im Glaspalast der Galeria-Kaufhof lockt reduzierte Unterwäsche. Aber davon haben wir genug. Karierte Schlafanzüge und Söckchen wecken unser Interesse.
„Sexy Look“, haucht Yuki mir neckend ins Ohr. „Darin bist du bestimmt unwiderstehlich.“
Ich werfe mich in Pose. Das Mädel neben uns lacht.
„Mein Freund mag sowas nicht“, sagt sie und ihr Blick verdüstert sich kurz. „Ich kaufe ihn trotzdem. Umtauschen kann ich ihn immer noch.“
„Ja, das solltest du wirklich machen“, erwidere ich.
Sie hat verstanden und presst die Lippen zusammen. Glücklich ist sie nicht.
Die wenigsten Menschen scheinen das momentan zu sein. Ich kann es spüren. Warum das so ist, habe ich nie verstanden. Sollte Weihnachten nicht ein Fest der Freude sein?
Das Mädel hat sich entschieden und strebt zur Kasse. Sie zögert, kommt zurück.
„Danke“, sagt sie mit Tränen in den Augen.
Wieder draußen im Gewühl schaut mich Yuki fragend an.
„Was war das denn?“, will sie wissen. „Glaubst du wirklich, sie trennt sich?“
„Ja“, sage ich. „Sie hat eben eine Entscheidung getroffen.“

Wir bummeln weiter.
Yuki zieht mich in eine Douglas-Filiale.
Nur Minuten später taumeln wir halb betäubt nach draußen und ringen verzweifelt nach Luft.
„Das war keine gute Idee“, sagt Yuki. „Tut mir echt Leid.“
Wir gehen weiter.
„Schon okay, Elfchen“, sage ich. „Ich finde dich auch ohne Parfüm dufte.“
Der saure Duft nach Glühwein beißt in meine Nase.
Yuki würgt.
Mit angehaltenem Atem retten wir uns in ein Juweliergeschäft.
Sofort sind wir von süßen Weihnachtsklängen und dem nicht minder klebrigen Lächeln eines Anzugträgers umgeben. Um unsere Ruhe zu haben spielen wir das Touristenspiel und sprechen Japanisch.
Der Anzug ist verwirrt und fragt auf Deutsch nach unseren Wünschen.
Wir antworten mit absichtlich schlechtem Englisch.
Er versteht uns nicht und wir haben Zeit gewonnen.
In Ruhe schauen wir uns um. Die Preise in dem Laden sprengen unser Budget. Nach 5 Minuten verbeugen wir uns freundlich und gehen. Gekauft haben wir nichts.

Wir beschließen auch weiterhin japanische Touristen zu spielen. Nur die leckeren Zimtwaffeln bestellen wir auf Deutsch.
Ein älteres japanisches Ehepaar spricht uns an. Sie sind aus Tokio und hocherfreut heimische Worte zu hören.
Wir unterhalten uns eine Weile. Sie sind schon zum vierten Mal in Deutschland.
„Ein Vorteil, wenn man Rentner ist“, sagt der Mann.
Ich mustere ihn genauer.
„Ja, ich bin schon 69“, sagt er und lacht.
Die Frau bemerkt die Eheringe an unserer Hand.
Unsere Blicke treffen sich. Sie versteht.
„Meine Nichte lebt in Kalifornien sagt sie leise. „Mit ihrer Frau.“
Der Mann wirkt kurz überrascht und schaut uns abwechselnd an. Dann lächelt er wieder.
„Wir haben leider keine Kinder“, sagt er. „Aber ich wäre stolz darauf solch mutige Töchter zu haben.“
Seine Worte tun mir gut. Und Yuki auch.
Nach einem Abschiedsbild verschwindet das Paar im Weihnachtstrubel.
„Nette Leute“, sagt Yuki. „Schade, dass meine Großeltern nicht so aufgeschlossen sind.“

„Wohin jetzt?“, will ich wissen.
Meine Stimme klingt fremd. Gepresst. Ganz plötzlich ist meine Stimmung auf einem Tiefpunkt angelangt.
Yuki bemerkt es sofort.
„Weg hier“, sagt sie bestimmt. „Wir müssen raus aus diesem Irrsinn.“
Wir retten uns in ein Cafe. Am Fenster und bei heißer Schokolade prallt der Trubel von uns ab. Irgendwie hatten wir uns den Tag anders vorgestellt. Aber auch wir können uns dem allgemeinen Wahnsinn nicht entziehen. Leider.
Zwei angetrunkene Jugendliche taumeln ins Cafe. Älter als Vierzehn sind sie nicht. Sie gröhlen und verlangen nach Bier und Schnaps.
Die Bedienung weist sie ab und auf das Jugendschutzgesetz.
Ich ahne, was nun kommt und eile ihr zu Hilfe. Yuki ist neben mir.
Wir verfrachten die pöbelnden Teenager nach draußen. Dank Aikido kein großes Problem. Einen Tritt in den Hintern bekommen sie von mir noch mit. Das musste einfach sein.
Unter dem Beifall der anderen Gäste gehen wir zu unserem Tisch zurück.
Mein Tag ist gerettet. Yuki verdreht die Augen und lacht.
„Vielen, vielen Dank!“, sagt die Bedienung sichtlich erleichtert. „Wie … wie haben Sie das gemacht?“
„Wir machen Kampfsport“, antworte ich wahrheitsgemäß.
„Kann ich das auch lernen?“, will sie wissen. „Wir haben leider oft Probleme mit solchen Gästen.“
Ich erzähle ihr von Wen-Do und schreibe ihr Lindas Adresse auf.
Wir trinken aus und wollen zahlen. Aber die Bedienung winkt nur ab.
„Geht aufs Haus,“ sagt sie. „Frohe Weihnachten für sie Beide.“

„Wollen wir noch schnell in die Drogerie und dann vielleicht auf unserem Wanderweg spazieren gehen?“, fragt Yuki, als wir zurück im Trubel sind. „Und heute Abend ins Kino?“
„Gute Idee“, erwidere ich. „Und wer weiß, vielleicht treffen wir das Christkind unterwegs.“
Yuki schmiegt sich an mich.
„Da bin ich mir ganz sicher“, sagt sie leise. „Erzähl mir davon, ja?“
Ich überlege kurz.
„Es war einmal …“, fange ich an.

Und 2014 erzähle ich vielleicht in meinem Blog weiter. Fohe Weihnachten, Frieden und einen guten Rutsch ins Jahr 2014. Bis bald ihr da draußen, vergesst mich nicht.

Liebesbrief an eine Frau

Verrücke Ideen waren schon immer meine Spezialität. Verrückt zu sein muss nicht bedeuten, im Sommer barfuß durch den Regen zu gehen. Das ist eher normal für mich. Aber an die eigene Frau einen Liebesbrief zu schreiben, das ist dann vielleicht doch etwas verrückt. Aber was soll ich machen, ich habe solche Ideen. Diesmal war der Auslöser von ganz besonderer Art. Und darüber möchte ich heute schreiben.

Vor einigen Jahren bin ich auf youtube unter einem Video über den vielleicht romantischsten Eintrag meines Lebens gestolpert. Ein (junger) Mann erklärt der Kontoinhaberin darin, wie sehr er sich Sorgen um sie mache.  Meine weibliche Neugier war sofort geweckt und ich googelte ihr Profil. Sie war eine junge Frau von 21. Eigentlich noch ein Mädchen. Tief verletzt und traurig. Ihre Liebe war zerbrochen und all ihr Leben ohne Sinn. Auf ihrer Webseite schrieb sie sogar von Suizid, was mich besonders traurig machte.

Ihr Name war Anne und sie hatte die vermutlich wundervollste Sammlung von mystischer Musik auf ihrer Seite, die ich jemals gesehen bzw. gehört hatte. In wirklich herzbewegenden Kommentaren offenbarte sich ihr der an Leukämie erkrankte junge Mann. Beide waren Amerikaner, wenn auch aus unterschiedlichen Bundesstaaten. Kennengelernt hatten sie sich offenbar schon vor einer Weile in einem Forum für Fantasy-Geschichten und er war ihr nun auch zu youtube gefolgt.

„Liebe Anne“, schrieb er ihr.

„Wir haben uns noch nie getroffen. Aber wir kennen uns doch schon eine Weile.
Ich habe dir diesen Brief geschrieben und ihn mit einen Umschlag aus Liebe verpackt.
Hab bitte keine Angst, ich will dir kein Leid zufügen. Ich weiß genau, was du durchmachst und wie verletzt du zur Zeit bist.
Du fragst dich, warum du noch weiterleben sollst. Für wen. Wer sich noch für dich interessiert.
Liebe Anne, auch wenn wir uns nicht persönlich kennen: ich interessiere mich für dich! Gib bitte nicht auf, hörst du?
Wirf dein kostbares Leben nicht weg. Halte durch! Für mich!
Ich kämpfe seit 5 Jahren um mein Leben und kenne alle Höhen und Tiefen dieser Welt. Ich bin zur Zeit im Krankenhaus und werde im Dezember entlassen.
Wie du weißt, habe ich Leukämie und kann nicht geheilt werden. Aber ich schaue nach vorn. Zu dir. Wirst du auf mich warten? Bitte!
Lass mich dich treffen, wenn die Zeit gekommen ist. Lass mich dir die Schönheit dieser Welt zeigen. Magst du sie nicht durch meine Augen sehen?

In Liebe

Jeff

Obwohl ich nicht so leicht in rührselige Stimmung zu versetzen bin, schossen mir die Tränen in die Augen. Dieser kleine Liebesbrief war vor zwei Jahren im September 2011 geschrieben worden. Anne hatte ihm einige Tage später geantworet.

„Lieber Jeff,

ich schaue immer wieder auf deinen Brief. Nie zuvor habe ich einen Umschlag wie diesen gesehen. Und doch ist er vertraut. Ich fürchte mich davor ihn zu öffnen. Etwas tief in mir warnt mich vor der Gefahr. Und dann ist da diese andere Stimme. Sie sagt mir ich müsse mich nicht fürchten. Ich schaue auf dein Bild und frage mich, ob in diesem Brief nicht Antworten liegen. Jene Antworten, die ich so sehr ersehne und brauche. Ich frage mich immer wieder, ob ich ihn öffnen soll.

Liebe Grüße

Anne

Ich musste tief Luft holen. Mach ihn auf, wollte ich rufen, aber die Vergangenheit ändern kann ich nicht.

Anne hat den Brief dann doch geöffnet. Symbolisch. Ihre und Jeffs Korrespondenz blieb auch weiter öffentlich. Und aus dem traurigen Mädchen wurde plötzlich eine wundervolle Frau. Auf ihrer Homepage war dann nachzulesen, wie sie Jeff getroffen hatte. Bilder, die Freunde gemacht hatten, zeigten zwei glückliche Menschen. Aus Unbekannten waren Freunde geworden. Annes youtube-Kanal und ihre Webseite gehörte 2 Jahre lang zu meinen regelmäßig besuchten Favoriten. Jeff hat es mit seinem Lebenswillen geschafft Anne das Leben zu retten. Selbst überlebt hat er leider nicht. Er ist vor einer Woche im Alter von 24 Jahren gestorben. Anne hat gestern ihren youtube-Kanal gelöscht. Auf ihrer mittlerweile ebenfalls gelöschten Webseite schrieb sie, was ihr Jeff bedeutet hatte. Und wie sehr er sie beinflusst hat. Und dass sie niemals wieder an Selbstmord denken wird.
„Wenn die Zeit gekommen ist, werde wir uns wiedersehen“, waren ihre letzten Worte. „Bis dahin lebe ich. Durch dich.“

Gestern Abend, als Yuki in der Küche war griff ich zu einem Blatt Papier und schrieb 愛してる。darauf. Ich steckte es in einen Umschlag und rief nach ihr.
„Ein Brief? Für mich?“
Ich nickte und strahlte sie an.
„Was steht drin?“ wollte Yuki wissen.
„Mach halt auf“, erwiderte ich.
„Du bist doof“, kam der übliche Kommentar.
Vorsichtig öffnete sie den Brief, man kann einen Umschlag ja mehrfach verwenden.
„Ich liebe dich auch“, sagte sie dann und fiel mir um den Hals.

Vielleicht sollte ich meiner Frau öfter solche Briefe schreiben. Denn ohne sie kann ich auch nicht leben.

Mein kurzes Leben als Mann

Einmal im Leben die Rollen tauschen! Das, haben sich schon viele Menschen gedacht. Die Gründe dafür sind verschieden. Männer möchten Frau verstehen, oder als Lesbe verführen. Das hat doch was. Warum sonst gäbe es lesbische Pornos? Für Frauen sind die nicht gemacht. Warum Frau Mann sein möchte weiß ich nicht. Am Penis kanns nicht liegen. Vielleicht am dickeren Oberarm, der lässig-elegant auch schwere Lasten wuchtet. Nur Babies nicht. Da wird Mann schnell müde. Ausdauer ist nicht sein Fall. Wie war das noch mit dem starken Geschlecht?

In den letzten Tagen haben mich verschiedene Teufel geritten. Und prompt kommt mir eine Idee. Ich will ein Mann werden! Zumindest in Second Life, dem virtuellen Zweiten Leben. Neue Accounts zu registrieren kostet nichts. Gute Kleider, Haare umd Schuhe schon. Aber ich bin lange genug in dieser Welt, um alle Tricks zu kennen. Verstärkt durch Yuki gehe ich ans Werk. Natürlich muss sie mit. Der Recke Takumi ist schnell erstellt. Noch sieht er etwas bider aus. Während Yuki ein Second Life Fashion Blog googelt stapfe ich durch den einen oder anderen Shop. Yuki dirigiert mich zu coolen Stiefeln und einer virtuellen Zigarette. Dampfend und nur halb angezogen geht es weiter. Schlimm ist das nicht. Takumi hat keinen Penis. Den müssen Männer dort für teures Geld kaufen. Ob das eine Option für die reale Welt wäre?

„Du brauchst noch Haare“, sagt Yuki. „Ich habe auch schon einen Shop gefunden.“
Zufrieden betrachte ich unser Werk. Mein Held sieht richtig gut aus. Nun wird es Zeit sich ins Vergnügen zu stürzen.
Das Nachtwerk fällt mir ein. Dort ist Tag und Nacht Betrieb. Kaum angekommen wird mein Avatar freundlich begrüßt. Klar, der DJ will ein Trinkgeld haben. Er bettelt auch um eine Spende für den Club. Aber Takumi hat keine Linden Dollar. Und echtes Geld  geben wir für SL nicht mehr aus.
Ich tanze eine Weile und schaue mir die Avatare an. Einige sehen sehr stylish aus.
Ein Girl in Latexklamotten und riesigem Busen macht sich vor mir breit. Ihr Name ist Busenfee. Laut ihrem Profil ist sie 25 Jahre alt und aus Berlin. Sie mag Spaß und Sex und heiße Männer. Und ab und zu auch eine Frau. Bi sei sie, schreibt sie.

Ich weiß sofort, dass sich dahinter ein Mann verbirgt. Selbst in SL kann ich die meilenweit riechen.
„Hey Süßer“, flüstert sie mir zu. „Wollen wir Spaß haben?“
Yuki bekommt einen Schreikrampf vor Lachen und nickt mir zu.
Zum Schein gehe ich auf das offenherzige Angebot ein und bitte die Busenfee um einen Tanz.
Wir wiegen uns im Takt gut gemachter Animationen und lauschen harten Techno Klängen.
Meine angehende Eroberung flüstert mir einige plumpe Baggersprüche ins virtuelle Ohr. Keiner davon kann mich vom Hocker reißen.
Nach etwa 10 Minuten Warmlaufphase bringt sie mich zu ihrem Schloss.
„Habe ich selbt gebaut“, erzählt sie stolz. „Ich wollte immer schon in einem Schloss leben. Gefällts dir? Und jetzt zeige ich dir noch meinen Dungeon!“
Yuki füttert mich mit Schokolade.
„Als Stärkung“, sagt sie frech.

Ich kann mir vorstellen, was Lady Busen mir zeigen will und werde nicht enttäuscht. Im mittelalterlichen Stil gehaltende BDSM-Möbel springen mir ins Gesicht.
„Ich bin ja so heiß“, flüstert sie lüstern. „Du musst mich ganz hart ran nehmen, okay? Ich stehe total auf Fesselspiele. Du doch bestimmt auch.“
Worauf ich stehe geht die Busenfee nichts an. Ich tippe einige belanglose Sätze, die mein Interesse zeigen sollen. Yuki versorgt mich weiter mit Schokolade.
„Du bist ein toller Boi“, sagt sie gut gelaunt. „Meine Avatarin könnte dich glatt heiraten.“
„Hey, das gilt nicht“, protestiere ich scherzhaft und bekomme einen Kuss.

Vor mir wiegt sich die Busenfee in einem Bauchtanz.
„Gefalle ich dir?“, will sie wissen. „Soll ich mich ausziehen, damit du meinen heißen Körper sehen kannst?“
Sie wartet keine Antwort ab und macht die Drohung wahr. Gute 2 Meter virtueller Busen und Po prangen vor mir. Schön ist anders.
Ich kann nicht mehr und pruste los. Yuki liegt mir in den Armen. Wir schnappen nach Luft.
„Mach doch was!“, sagt Yuki mit Lachtränen in den Augen. „Oder lass mich an die Tastatur.“
„Nix da!“, erwidere ich. „Das ist mein Avatar, bastel dir doch selbst einen Mann.“
„Doofie“, kommt es prompt. „Mach jetzt!“

Die Busenfee wird ungeduldig.
„Was ist denn los?“, will sie wissen. „Hast du etwa keinen Bock auf mich?“
„Den hast du schon abgeschossen“, tippe ich. „Ich habe selten so gelacht. Weiß deine Frau eigentlich, was du in Second Life so treibst? Oder gehst du noch zur Schule?“
Treffer, versenkt! Die Busenfee lässt ihre Maske fallen und beschimpft mich übelst. Ich höre interessiert zu, vielleicht kann ich ein neues Schimpfwort lernen. Aber die virtuelle Dame ist kein Gegner für mich. Außerdem suche ich Spaß und keinen Streit. Daher gehe ich. Aber sie hört nicht auf und tippt immer weiter im Flüsterfenster. Zum Schluss blockiere ich sie. Ruhe kehrt ein.
Ich schaue Yuki an und sie mich.
„Hast du noch Schokolade?“, will ich wissen.
„Nein“, sagt sie sanft. „Nur mich.“
Ich logge mich aus Second Life aus. Der Held Takumi ist mir plötzlich egal geworden. Und wenn ich ehrlich sein soll möchte ich auch dort kein Mann sein. Auch, wenn ich als Buddhistin an die Wiedergeburt glaube, im echten Leben nicht. Vermutlich war ich früher Wildkatze. Und das möchte ich wieder sein. Miau!

Meine Frau, das (un)bekannte Wesen

Ingar Bergmans Film „Szenen einer Ehe“ ist ein Klassiker. Für mich sind solche Filme stets interessant, gewähren sie mir doch zumindest filmisch Einblick in eine Welt, die ich nicht kenne und nur schwer verstehe. Auf der Fahrt zur Uni fiel mir der Titel ein, als wir ein heftig streitendes Paar am Straßenrand bemerkten. Spontan habe ich mit meiner Frau ein Interview geführt. Da sie heute den Toyota fährt, hatte sie keine Chance und ich konnte in Ruhe tippen.

„Sag, bist du eigentlich glücklich?“
Yukis sanfter Blick ließ mein Herz schneller schlagen.
„Du bist doof,“ sagte sie und schaltete in den nächsten Gang.
„Ich weiß,“ erwiderte ich mit breitem Grinsen. „Jetzt sag halt, bist du glücklich? Und warum? Ich will meinen Lesern doch …“
„Morgen erstelle ich meinen eigenen Blog,“ kündigte Yuki an, ohne auf meine Frage einzugehen.
„Wieso das denn jetzt?“
„Na da blamiere ich dich dann und verrate allen, dass du nicht kochen kannst.“
„Hey, wohl kann ich kochen!“
„Ach ja? Und warum muss ich dir dann immer helfen?“
„Weil du das gern machst?“
Yuki schwieg, konnte aber ihr elfenhaftes Lachen nicht verbergen.
„Ich wollte dich doch interviewen,“ begann ich erneut.
Yuki verdrehte die Augen.
„Schreib doch einfach die Wahrheit,“ sagte sie. „Du weißt doch wie ich denke und fühle.“
„Ja, aber das macht keinen Spaß! Ich mag deine Worte hören. Bitte!“
„Ich liebe dich,“ sagte Yuki. „Schreib das doch.“
„Du bist doof,“ sagt ich und klappte den Laptop zu. „Ich rede jetzt nicht mehr mit dir.“
„Wie lange willst du das aushalten?“
„Mindestens … ach menno!“
Yuki warf mir einen Kuss zu. „Was kochen wir heute?“
„Du meinst was ich koche!“
„Seit wann kannst du kochen?“
„Ich koche gleich vor Wut!“

In diesem Stil ging es die ganze Fahrt weiter. Außenstehende wittern nun vielleicht die erste Ehekrise. Für uns ist das lediglich ein Spiel. Es gibt kein Thema über das wir nicht reden können. Und manchmal schweigen wir auch und schauen uns nur an. Diese kleinen Wortgefechte mögen für Viele nun befremdlich wirken. Aber sie sind ein wichtiger Teil unseres Lebens. Ebenso wie das gemeinsame Kochen, Sport, oder ein Spaziergang in der Natur. Aber bei aller Nähe haben wir doch jede ihren eigenen Kopf. Und gegen Yukis sanfte Argumente gewinne ich längst nicht immer. Und das ist auch gut so.

An der Uni angekommen standen uns die Tränen in den Augen vor Lachen. Ich schnappte nach Luft und griff nach Yukis Hand.
„Ich bin glücklich,“ sagte ich bevor wir zur Vorlesung gingen. „Was würde ich nur ohne dich machen?“
„Verhungern!“

Ist dieses (un)bekannte Wesen nicht allerliebst? 😀