Im Zeichen der Fünf

Die Autorin Enid Blyton hat einst über die „Fünf Freunde“ geschrieben. Die Bücher sind weltbekannt. Nun schreibe ich keine Bücher, aber mit „Fünf Freunden“ bin ich schon seit einigen Wochen in einer besonderen Mission unterwegs. Quasi als Agentin im „Zeichen der Fünf.“ Yuki ist wie immer meine Komplizin. Klar, ohne Elfe fehlt mir was. Aber Heimlichkeit ist niemals gut, unsere Mission ist hochoffiziell. Und natürlich Rot! Das ist nun mal meine Farbe. Wieso greift Yuki jetzt zum Lippenstift und spitzt den Mund?
Rote Lippen soll man küssen.

Kurze Pause, gleich geht’s weiter. Ich habe mal eben an meiner Elfe genascht.
Dabei fing alles mit einem Abschied an. Aufmerksame Leser werden sich vielleicht erinnern.Wenn nicht bitte HIER KLICKEN.
Aber jedem Abschied wohnt ein neuer Anfang inne. Und das hat nun nicht Hermann Hesse gesagt. Ein Mann ist trotzdem beteiligt. Sein Name: Wolf. Seine Funktion: Leitender Ingenieur. Ein Mensch, wie ich ihn mag.

Wolf hat ein Einsehen gehabt, wie ich bereits HIER erwähnte. Aber eigentlich war es auch an der Zeit, den Audi TT RS Roadster zu fahren.
Serie ist anders, unser Wagen hat über 400 PS. Und damit so viel, wie unser Q3. Nur fährt sich der Roadster anders.
Aber ist er mit seinen fünf Zylindern wirklich besser, als der Nissan 370Z mit deren sechs?
Diverse Tests bescheinigen dem Japaner ein behäbiges Fahrverhalten. Schwergängig soll die Schaltung sein und der Motor etwas schlapp.
Dumm nur, dass der Z damit noch immer die meisten (Sport)Wagen alt aussehen lässt.
Dumm auch, dass ein Z um viele tausend Euro preiswerter, als die Konkurrenz von Audi ist.
Von Porsche ganz zu schweigen.

Für den Mehrpreis eines Porsche kann man den Z zum Tuner bringen und spart dann noch immer richtig Geld. Mein Z hatte 410 PS. Kein Turbo mit Loch, hat ihm Leben eingehaucht. Es war das Heulen eines Drachen, auch liebevoll Kompressor genannt.
Der Vorteil liegt klar auf der Hand: Leistung sofort und über das ganze Drehzahlband.
Aber Turbobums ist anders. Leider auch die Haltbarkeit. Hohe Leistung fordert immer Tribut. Wieso hält Yuki nun das Bein in die Luft?
Ach so: schneller, höher, weiter!

Was nun macht den TT RS so schnell und angeblich besser?
Es ist eben jener Turbo, jener brutale Tritt ins Kreuz, der den Wagen brachial nach vorn marschieren lässt.
Ich mag Audi und das sage ich nun nicht, weil ich die Wagen teste. Aber der TT RS ist im Vergleich zum Nissan 370Z nur zweite Wahl für mich. Diverse Tester sehen das ganz anders. Da quetscht sich ein 1 Meter 95 Mann in den Japaner und spricht von wenig Platz.
Dümmlich nickend steht der wesentlich kleinere Kollege daneben. Wieder ein gefaketer Test. Yuki dagegen sitzt warm und weich auf meinem Schoß. Sie ist echt, das kann ich fühlen.

Der Audi-Roadster ist alles andere als Serie. Wolfs Leute haben ihn ziemlich umgebaut.
Zum direkten Vergleich bin ich auch einen Serien TT RS gefahren. Der hatte die gleichen Probleme. Und diese Probleme liegen beim Allrad verborgen, der mit dem Wagen nicht so recht harmonieren will. Im Klartext: der Wagen untersteuert stark. Und das kann problematisch werden. So, wie alle scharfen Kurven.
Nur Elfen kurven besser.

Mit untersteuernden Wagen kann ich und Yuki natürlich auch. Aber Frau und Herr Normalo nicht. Die schmeißen den Wagen vermutlich aus der Kurve. Der Nachteil eines umgebauten Frontantriebs. Der Nissan fährt sich besser. Knochentrocken, ehrlich, radikal.
Heckantrieb ist manchmal besser. Vor allem, wenn Frau ihn fahren kann.
Wieso zeigt Yuki mir nun ihr hübsches Hinterteil?
Frech zwicke ich sie in den Po. So komme ich nie zum bloggen. Es ist ein Kreuz mit dieser Frau!

Die 410 PS im getunten 370Z reichen locker aus, um dem Audi TT die Heckleuchten zu zeigen. Und von wegen abgeregelt bei 250 km/h, mein Wagen lief viel schneller. Der Kompressor-Umbau ist lediglich Stufe 1 des Tunings. Sozusagen die kleine Schwester davon. Stufe 2 ist Twinturbo-Power. Und damit sind es dann 535 PS.
Superlativen sind mein Ding. Kann mir noch jemand folgen?

Mein neuer Z wird genau diesen Umbau haben. Das ist auch der Grund warum ich so sehr leide. Lieferzeit und Tuning machen Frau zu schaffen. Und schon naht der Herbst, dieser windige Gesell! Regen, Sturm und fallende Blätter wollen mir den Tag vermiesen. Aber mich hält niemand auf! Und in Sachen Haltbarkeit wird auch der Motor des Nissans bestehen. Schlechte Autos bauen nur die anderen. Das sieht auch meine Elfe so und gibt mir einen Kuss. Alles nur wegen der Haltbarkeit lässt sie mich wissen.

Nun haben viele Tuner das Problem, zu hart und krass abgestimmte Wagen zu liefern. Wer bitte soll die fahren?
Ultraharte Fahrwerke lassen solche Sportler oft über die Piste hüpfen, oder bescheren dem Fahrer Probleme im Kreuz.Alltag nein danke heißt es in solchen Wagen! Lieber lasse ich meine Finger über Yukis Karosse gleiten.
Wir sind uns einig gewesen, dass Alltagstauglichkeit an erster Stelle steht.
Ja zum Turbo, aber Nein zu einem Rennsport-Tuning.
Wieso zieht Yuki nun die Augenbrauen nach?

Damit keine Fragen aufkommen und sich auch der Neid in Grenzen hält: der Z wird als Firmenwagen laufen.
Dreifach gesponsort, mehr muss niemand wissen. Alles legal und ich spare mir mein Geld.
Das investiere ich dann in unsere fünf noch ungeborenen Kinder. Damit es auch (über)morgen noch „Im Zeichen der Fünf“ heißen wird. Weniger geht nicht, aber immer mehr. Aber das habt ihr euch bestimmt alles schon gedacht.
Und meine Elfe ist auch ganz ohne jedes Tuning ein „ultraheißes Geschoss.“
Wieso wirft sie mir nun ein Kissen an den Kopf?

Zum Abschied sag ich leise tschüss

„Nichts ist für die Ewigkeit“, hat eine Band gesungen, „Ein jegliches hat seine Zeit“, die Bibel einst gesagt.
Und die Zeit des Abschieds ist gekommen. Es ist vorbei, wir brechen auf.
Monate der Freude liegen hinter mir. Monate voller Elfenglück.
Was bleibt ist die Erinnerung, was bleibt sind bunte Bilder.
Nichts ist für die Ewigkeit, nichts bleibt wie es war.

Es ist Donnerstag, der 28.August 2014. Ausnahmsweise lacht die Sonne. Ein Novum an diesem Tag.
Mein Blick ist verschleiert, öde wirkt die Welt.
Yuki kann mir kaum in die Augen schauen, zu emotional ist dieser Moment.
Wir steigen in den Wagen. Die Nachbarin grüßt, auch sie wirkt bedrückt.
Ahnt sie unsere Pein?

Schweigend und tief in Gedanken fahren wir zu unserem Termin.
Ja, die Welt hat sich gewandelt und Menschen erfinden sich jeden Tag neu.
Treu für immer, nur ein schönes Wort?
Rasant nach vorn im gleichen Schritt. Ganz ohne Pause. Kommt wer mit?
Gefühle auf der Überholspur. Sind sie uns davon gefahren?
Das Ende aller Zeiten naht.

„Was machen wir denn jetzt?“, will Yuki wissen. „So geht das doch nicht!“
Und aus der Tiefe des Herzens steigt die Qual ans Tageslicht.
Ein Kloß sitzt mir im Hals. Zum ersten Mal seit Jahren fehlen mir die Worte.
Dann macht es klick in meinem Hirn.
Ich schalte um auf Logik und Yuki greift nach meiner Hand.
Halt mich fest für immer!

„Dich hätte ich geliebt“ erklingt ihre Elfenstimme. „Dich so geliebt. Durch dich wär groß ich. Hätte meinen Namen man einst genannt, ich hätte deinen mehr dem Staub entrissen. In das Firmament ihn ehern brennend. Dem Titanen gleich, der Kraft sich an der Erde Brüsten holt, wär deinem Leibe immer ich genaht. Nun muß ich dich mit bittrem Schweigen nennen. Wie ist mir trocken um das Herz geworden. Gelöscht ist alles, und wenn ich dich sehe, fehln mir die Worte. Nur Alltäglichkeiten noch mag ich reden. Säh ich dich nicht mehr! Du hättest mich zu einem Kind gemacht um einen deiner Küsse. Ungeweint nun brennen mir die Tränen tief im Herzen, wie Salz in offnen Wunden beißt und brennt.“

Yuki macht eine kurze Pause und schaut mich an.
„Georg Heym?“, frage ich und sie nickt.
„Das war aus  – Die Zeiten schlagen ihre Bücher zu -, ein, wie ich finde, wunderbares Gedicht.“
„Auf jedes Ende folgt wieder ein Anfang, auf jedes Äußerste folgt eine Wiederkehr“, zitiere ich den chinesichen Philosophen Lü Buwei.
„Und wie soll das gehen?“, will Yuki wissen. „Ich fühle mich total schlecht! Muss denn immer alles so schnell enden?“
Wenn Elfen weinen, bleibt kein Auge trocken.
Hat wer ein Taschentuch für mich?

Mein Gasfuß zuckt, die Radar App schlägt Alarm. Notgedrungen muss ich langsam fahren.
Tausend Dinge gehen mir durch den Kopf. Bunte Fragmente aus besseren Tagen.
Wir reden, aber unsere Laune wird nicht besser. Emotional zerrüttet erreichen wir unser Ziel.
Düstere Mauern warten schon. Ein letzter Gang, ein letzter Blick.
Nun heißt es also Abschied nehmen.

Yukis Vater ist ebenfalls erschienen. Keine Miene regt sich in seinem Gesicht.
Wortlos blättert er in Papieren. Kalte Fakten, Beweise der besonderen Art.
„Die Schlüssel“, verlangt er knapp und legt sie auf den Tisch.
Ich hole tief Luft und nehme Yuki in den Arm.
Tschüss Z„, sage ich leise, die Zeit war schön mir dir.“
Nichts ist für die Ewigkeit, nichts bleibt wie es war. Nur Biest und Elfe bleiben für immer ein Paar.
Was bitte habt ihr denn nun gedacht?

In Wolfs Büro bekommen wir einen neuen Schlüssel, einen Wagen für den Übergang. Es ist ein alter Bekannter, der RS 6 und der hat nun knapp 800 PS.
„Auf jedes Ende folgt wieder ein Anfang, auf jedes Äußerste folgt eine Wiederkehr.“
Frech nimmt mir Yuki die Schlüssel ab.
„Ich fahre“, sagt sie bestimmt. „Du musst jetzt schreiben.“
Und genau das habe ich gemacht.

Die Geschichte geht noch weiter. Nur nicht an diesem Tag. Und in die Zukunft blicken kann ich nicht. Aber ohne „Z“ fehlt mir was.

Liebe mit Hindernissen

Fernbeziehungen haben ihre ganz eigene Qualität und erfordern das eine oder andere Opfer. Ich weiß wovon ich spreche, Yuki und ich haben genau das praktiziert. Zwei Jahre sind wir gependelt. Düsseldorf – Stuttgart fahre ich nun im Schlaf. An diese Zeit muss ich kurz denken, während der Rallye S1 um die Kurve schießt. Aber das ist kein Autotest Bericht.

„200 – Gerade – Fünf (Eine 200 Meter Gerade, die im 5. Gang gefahren wird)!“, liest Yuki vor und ich trete das Gaspedal voll durch.
Der Audi S1 (A1) stürmt brutal nach vorn, die Beschleunigung presst uns in den Sitz.
Die Autobahn hatte da weniger zu bieten, Und der brave Corolla raste nicht.
Oft saß ich auch entspannt im Zug und habe Musik gehört.
Die Sehnsucht verleiht nicht immer Flügel.

„Bremsen! – 50 – L – 2 (Bremspunkt – In 50 Meter – Linkskurve – 2. Gang)“, höre ich und handele sofort.
„Rechts – 50 – 2 – Gerade – 100 – Wald!“, kommt danach. Und das muss ich nicht übersetzen.
Im Gegensatz zur Autobahn kennt eine Rallyestrecke keinen Stau. Nur schlechte Straßen, oder matschiges Gelände. Und das ist Hindernis genug.
Wolfs Anruf letzte Woche kommt nicht überraschend, die Rallye war schon eine Weile geplant.
„Wir haben den S1 jetzt fertig“, sagt er stolz. „Und das ist ein richtiger Kracher.“
Ich hab‘ Spaß, ich geb‘ Gas.

Rallye Autos haben mit der Serie nicht mehr viel zu tun. Um die brutalen Anforderungen zu überstehen bedarf es so vieler Umbaumaßnahmen, dass ich sie nicht nennen werde. Sonst wird das hier ein Datenblatt. Und das mag keiner lesen.
Es ist heiß, als wir mit dem Z zur Strecke kommen. Baseballkappen schützen vor der prallen Sonne. Der Roadster erntet gierige Blicke. Dann werden wir gemustert.
„Jemand ein Autogramm?“, frage ich in die Runde. „Bilder kosten extra.“
Verlegenes Lachen folgt meinen Worten und Wolf verdreht die Augen.
„Sei friedlich“, sagt er leise. „Hier gibt es keine Gefahr.“
Trau, schau, wem.

Auch im Zug gab es immer wieder Baggerversuche. Witzigerweise auch von Frau. Nun ist auf keiner Stirn das Wort „Lesbe“ tätowiert. Aber ein Gaydar hilft.
Meist kam das Dummgeblubber von Mann. Das liegt in deren Genen. Und nicht immer waren sie jung.
Aber eine scharfe Zunge nimmt Mann meist den Schneid. Und meine schneidet richtig gut.
Yuki hatte zu der Zeit einen Verehrer, der einfach nicht locker lassen wollte. Er war Student und machte gern Bilder von Frauen. Und das nicht immer angezogen.
Nun ist Eifersucht ein Zustand, den ich niemals kannte. Aber was mein ist, ist mein. Und das habe ich dem Kerl gesagt.
„Du bist nicht immer hier“, kam die Antwort im tiefschwäbischen Akzent. „Wir werden ja sehen, wer gewinnt.“
Ich habe ihn ausgelacht.

„100 – R4 (Eine 100 Meter lange Rechtskurve, die im 4. Gang gefahren wird)“, höre ich Yukis Stimme.
Sie liest aus dem Gebetbuch vor und das ist nicht die Bibel. Im Fachjargon werden die Notizen der Fahrer „Gebetbuch“ genannt und vom Co-Pilot vorgelesen. Aufgezeichnet werden sie vorm Start. Wir durften die Strecke zwei mal fahren und ich habe Yuki diktiert. Den Streckenverlauf gab es von Wolf. Daher stammen auch die Meterzahlen.
Es ist schon eine Weile her, dass ich solche Wagen gefahren habe. Aber Hindernisse waren immer mein Ding. Und ich habe sie alle überwunden.
Trotz Allrad stelle ich den Wagen quer und Yuki quietscht vor Schreck. Oder waren es doch die Reifen?
Gib Gummi du As!

Wir haben die Rallye nicht gewonnen. Aber darum ging es nie. Es war ein Test unter extremen Bedingungen, den der Rallye S1 bestanden hat. Bestand(en) hat auch unsere Liebe. Trotz Hindernis und Gegenwind. Wobei ich auf unserer Fahrt durchs Leben nicht immer die Fahrerin bin. Wir fahren gemeinsam ins Glück.

Der Ölprinz

Bedient mit „Q3“ und „370Z“ wollte ich eigentlich keinen weiteren Autotest mehr machen. Aber manchmal kommen die Dinge anders. Und Tuning ist nun mein neuer Nebenjob. Dazu in Kürze mehr. Zwar habe ich keine Ausbildung auf diesem Gebiet, aber auch keine Hemmungen, um selbst Hand anzulegen. Und nach einigen Jahren Interesse auf dem Gebiet kann selbst ich schon an getunten Wagen schrauben. Aber ich soll ja nur fahren. Und das kann ich gut. Das Objekt der Begierde ist ein alter Bekannter. Oder besser gesagt, der jüngere Bruder. Warum müssen Autos immer männlich sein?

Audi A6 Avant 3.0 TDI quattro heißt der Wagen. Und er ist strahlend weiß. 313 Diesel-PS schieben den Wagen in knapp über 5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Und stolze 650 Newtonmeter pressen den Fahrer in den Sitz. Aber das ist Serie und voll langweilig, wie Wolf grinsend erzählt.
Gut gelaunt im Overall steht er neben mir und wedelt mit Papieren.
„Wir müssen der Konkurrenz zeigen, wo der Hammer hängt“, erklärt er mir. „Die hat den Avant schon auf 360 PS gebracht. Aber wir wollen mehr.“
Im Endeffekt ist der 3.0 TDI die Diesel-Variante des RS 6. Zwar mit weniger Technik ausgerüstet, aber das ist manchmal mehr.
„Das wird unser Ölprinz“, prägt Wolf den Titel meines Blogs. Und erklärt mir gleich noch woher der Name stammt.
Wo sind nur all die Indianer?

Wir unterhalten uns über die Tuning-Möglichkeiten und wie man es falsch, oder richtig macht.
Ich spreche Wolf auf die externen Steuergeräte an, die man bei diversen Firmen auch übers Internet erwerben kann.
„Das ist Chiptuning für Arme“, winkt er sofort ab. „Dem richtigen Steuergerät werden durch diese Zusatzboxen lediglich falsche Werte vorgegaukelt und so der Einspritzdruck erhöht. Seriöse Tuner geben sich damit nicht ab.“
„Was genau ist der Nachteil?“, will ich sofort wissen.
„Du veränderst damit die technischen Daten eines Wagens“, erwidert Wolf. „Mehr Leistung, höhere Geschwindigkeit, aber auch höhere Abgaswerte. Und wenn du das nicht eintragen lässt erlischt gleich noch die Betriebserlaubnis. Außerdem ist es Versicherungsbetrug. Von möglichen Schäden an Motor, Getriebe und Elektronik ganz zu schweigen.“
Weniger ist wirklich oft mehr.

„Aber was genau verursacht diese Schäden?“, hake ich nach.
„Die Hersteller von Motoren haben sich etwas dabei gedacht, wenn sie dem Wagen lediglich 300 PS und eine abgeregelte Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h geben“, erklärt Wolf weiter. Mit solchen Werten hat der Wagen eine hohe Lebensdauer und stirbt nicht den Hitzetod. Außerdem bleibt der Verbrauch im Rahmen. Und das ist wichtig in der heutigen Zeit. Ein Diesel soll bekanntlich sparen helfen. Du fährst dann vielleicht eine Luxuslimousine, aber mit viel weniger Verbrauch dem Benziner gegenüber.“
„Und höherem Preis“, werfe ich ein, was Wolf schmunzeln lässt.
„Ja, das ist leider so“, stimmt er mir zu. „Dabei gibt es dafür keinen Grund. Und früher waren Diesel auch billiger, als Benziner. Aber mit dem Einsatz der Turbos, der enormen Leistungssteigerung solcher Ölprinzen, hat man die Preisschraube kräftig angezogen.“
Er geht mit mir ins Büro und zeigt mir Tests von Diesel-Boliden, die ihren Benzingetriebenen Brüdern locker davon fahren.
„Selbst ein Porsche Carrera S hat gegen den Avant keine Chance. Die Automatik im Audi schaltet wesentlich schneller, als es das Schaltgetriebe im Porsche vermag. Aber nur auf den ersten Metern. Die Endgeschwindigkeit eines Benziners bleibt für den Diesel nur ein Traum.“
Viel Rauch um nichts.

„Wie genau passt ihr denn die getunten Wagen an?“, will ich wissen. „Bei dem RS 6 ist mir das einigermaßen klar. Aber kann man einen Diesel genau wie einen Benziner tunen?“
Wolf lacht und schüttelt den Kopf.
„Das wäre zu einfach,“ erwidert er. „Wir machen unser Tuning unter anderem über eine Kennfeldanpassung im Motorsteuergerät. Dort gibt es immer Spielraum nach oben, der Hersteller reizt den Motor nie ganz aus. Der Vorteil davon ist, dass wir alle Parameter ändern können, das Intervall zur Reinigung des Partikelfilters anpassen und nicht nur am Einspritzdruck pfuschen. Die Abgaswerte unserer Wagen bleiben also im Rahmen und es bilden sich keine schwarzen Rauchfahnen bei Volllast.“
„Und was ist mit dem Verbrauch?“, frage ich. „Der steigt doch bestimmt immens?“
„Nur bei Vollgas“, sagt Wolf. „Oder könnt ihr euch über den Q3 beschweren? Getunte Diesel verbrauchen im Normalbereich sogar bis zu einem Liter weniger, als die Serie. Rufst du die Leistung aber ab, so werden es locker 1 -2 Liter mehr.“
Hat jemand mal ’nen Euro?

„Was ist mit Turbolader und Getriebe?“, setze ich mein Interview fort, zu dem ich mich spontan entschlossen habe. „Halten die eine hohe Mehrleistung aus?“
„Das ist ein guter Punkt, Mayumi“, sagt Wolf. „Und der wird von vielen Tunern gern und bewusst übersehen. Die Mehrleistung wird auch über eine höhere Drehzahl der Turbolader abgerufen, was natürlich auf die Haltbarkeit geht. Halbwegs seriöse Tuner verkaufen Zusatzboxen, die lediglich 25 – 30 PS Mehrleistung und ca. 50 Newtonmeter Drehmoment bringen. Das liegt meist noch im Rahmen von Motor und Getriebe und verursacht in der Regel keine Schäden. Geht aber natürlich auch auf die Lebensdauer. Mehr Leistung heißt auch mehr Verschleiß. Trotzdem sind Schäden nicht die Regel und treten nur bei Billigboxen auf, die zu viel Leistung von dem Wagen fordern. Nur geht es bei guten Boxen meist um Eco-Tuning und einen geringeren Dieselverbrauch. Das klappt nicht immer perfekt. Einige Autohersteller verbauen Motorsteuergeräte, die ihre Zusatzbrüder mehr oder weniger ignorieren. Opel macht das bei einem seiner Eco-Diesel so. Da kommt dann trotz Box nur wenig Mehrleistung an.“
Potzblitz, so was aber auch!

„Bei der ersten Version des RS 6, den ich letzten Dezember fuhr, ist doch lediglich das Steuergerät umprogammiert worden?“, frage ich. „Stimmt das so?“
„Fast“, sagt Wolf, dem es Spaß macht meine Fragen zu beantworten. „Wir hatten das normale Steuergerät gegen ein frei probrammierbares Modell ersetzt. Das hat einiges einfacher gemacht. Aber erst die zweite Ausbaustufe hat den Wagen dann zum absoluten Überflieger gemacht. Aber das weißt du ja bereits.“
„Und das wird jetzt auch in dem Diesel so gemacht?“
Wolf nickt.
„Wir werden auch die beiden Turbolader durch andere Modelle ersetzen. Sonst kämen wir kaum höher als ca. 360 PS. 400 + sollen es aber auf jeden Fall werden. Und um die 750 Newtonmeter Drehmoment. Ob der Wagen das aushält darfst du dann testen.“
Den letzten Satz meint er nicht ernst. Das wird meist auf dem Leistungsprüfstand gemacht. Besteht er den Test schlägt meine Stunde. Dann werde ich den Ölprinz fliegen lassen. Und 250 km/h werden dann nicht das Limit sein.
Nur der Himmel ist meine Grenze.

Ein Zeitsprung. Es ist genau zwei Tage nach dem Gespräch.
Wolf steht vor den Resten des 3.0 TDI und ich direkt daneben.
Das klingt nun schlimmer, als es wirklich ist. Aber der Audi hat einen Getriebeschaden. Bei auf dem Prüfstand gemessenen 410 PS und 760 Newtonmetern, hat die Mechanik versagt.
„Nicht schlimm“, sagt Wolf, während seine Mechaniker sich auf den Wagen stürzen. „Ich hatte es mir fast gedacht. Der bekommt jetzt eine Rennkupplung und ein Renngetriebe. Dann hält er die PS.“
Leider erweist sich auch das als Fehleinschätzung. In diesem Audi ist der Wurm drin, wie ich einige Stunden später von einem betrübten Wolf per Handy erfahre.
„Der Kühler ist geplatzt“, erzählt er mir. „Wir bauen einen anderen ein. Aber das wird bis morgen dauern. Du kannst aber trotzdem vorbei kommen, wenn du willst. Ich habe eine alte Ausgabe des Ölprinzen gefunden. Den kannst du so lange lesen.“
Humor ist, wenn Wolf trotzdem lacht.

Gebt mir ein Z!

„Z“ ist nicht nur der letzte Buchstabe des Alphabets, es wird auch für andere Dinge gern genommen. Die Werbung hat das „Z“ schon längst für sich entdeckt und die japanische Automarke Nissan auch. Unser Ausritt im GT-R trägt Früchte. Zu allererst eine Entschuldigung. Die getunte Variante wies wirklich Fehler auf. Abstimmung und Fahrverhalten waren anders geplant. Die Tücken der Technik spielten leider einen Streich. Als Bonbon wird uns ein neuer Langzeittest in Aussicht gestellt. Aber nur, wenn wir das wirklich wollen. Und das kam so:

Wolf ruft an.
„Guten Morgen meine Süßen“, meldet er sich voll guter Laune. Er darf das zu uns sagen, seine Töchter sind fast so alt wie wir.
„Süßholz gibt’s im Feinkostladen“, lasse ich ihn wissen. „Und die passende Raspel gleich dazu. Also sag an, was Sache ist.“
Sein herzliches Lachen wirkt ansteckend. Der Mann beweist Humor.
„Die Daten für den GT-R kamen gut an“, sagt er und erzählt von dem Problem. „Sie hätten gern einen weiteren Test.“
„Wieder mit diesem Mörderteil?“, frage ich.
„Nein“, erwidert Wolf. „Der ist zur Zeit außen vor. Aber sie haben noch mehr auf Lager. Getestet werden soll ein 370Z.
„Solange man selbst redet, erfährt man nichts“, hat Marie von Ebner-Eschenbach einmal gesagt. Und mir verschlägt es glatt die Sprache.

Wolf interpretiert mein Schweigen falsch.
Yuki sieht mich fragend an. Mein Gesichtsausdruck muss höchste Verzückung gewesen sein.
„Wenn ihr nicht wollt sage ich ab“, meint Wolf.
Aber ich unterbreche ihn schnell.
„Was heißt hier nicht wollen?“, sage ich freudig erregt. „Immer her mit dem Teil!“
„Es soll ein Langzeit Test werden, Mayumi“, gibt Wolf prompt zu bedenken. „Das heißt ihr müsstet nun zwei Wagen fahren. Den Q3 und den Z.“
„Ist an dem Wagen irgendwas besonderes?“, will ich wissen. „Auch so ein Tuningteil, oder Serie?“
„Serie machen nur die anderen“, sagt Wolf und lacht dabei. „Er hat einige Besonderheiten und kommt mit knapp 400 PS. Ach ja und als Roadster. Also oben ohne bei Bedarf.“
Können Kerle nur das Eine denken?

„Und das lässt Männerherzen höher schlagen“, kontere ich ihn aus. „Chauvinist, Macho, Spanner!“
Yuki feixt und Wolf lacht noch mehr.
„Kann ich das als Ja werten?“, will er wissen.
Ich bitte ihn um eine Minute und erzähle Yuki von dem Angebot.
„Für wie lange wäre das?“, fragt sie. „Wir haben nicht unendlich Zeit.“
„Bis Ende August“, erklärt mir Wolf, als ich ihn frage. „So lange „oben ohne“ möglich ist.“
Prognose, Aussicht, Diagnose: Wir haben einen Deal!

Der 370Z ist quasi der kleine Bruder des GT-R. Auch er hat einen V-6 Motor, Hubraum 3,7 Liter. Serie sind 328 PS und 363 Newtonmeter. Unser Wagen hat mehr.
Dafür aber nur 2 Sitze und einen äußerst kleinen Kofferraum. Und das ist weniger, als im Q3. Aber Frau gönnt sich ja sonst nichts.
Das Wetter ist kühl. Zur Sicherheit haben wir warme Jacken und Baseballkappen dabei. Tomboy-Look mit langen Haaren.
Tiefschwarz steht der 370Z in der Morgensonne. Eine freundlich lächelnde Frau davor. Sie ist Model, wie sie uns erzählt und darf später für den Wagen werben.
Ein Fotograf schießt Bilder. Soll er. Von Yuki und mir aber nicht. Das mache ich nachhaltig klar, als er auch uns in Pose setzen will. Sofort ist er beleidigt und wird laut.
Wolf schlichtet und beendet den Disput autoritär. Er ist der Chef, der Fotograf nur Gast.
Manchmal darf auch Mann gern schimpfen. Vor allem, wenn er fast wie ein Vater ist.

Yuki fährt den Q3 nach Hause und ich ihr offen hinterher.
Wir sprechen uns kurz ab und sie packt in Windeseile eine Reisetasche.
Düsseldorf wir kommen! Und das hat einen Grund.
Aufgeregt nimmt Yuki neben mir Platz.
„Lass krachen, Dicke!“, fordert sie mich auf und ich starte schmunzelnd den Motor.
Getunte 400 PS und über 450 Newtownmeter schieben den Wagen brachial nach vorn.
Der Z grollt und faucht, wie sonst nur legendäre Drachen. Und ungehobelt ist er auch.
Leise sein ist anders.

Meine Eltern haben keine Ahnung, dass wir auf dem Weg zu ihnen sind. In letzer Zeit haben wir sie öfters überrascht.
Ursprünglich hatten sie ihr Haus verkaufen wollen, aber der Deal ist in letzter Sekunde geplatzt.
Nun bleiben sie an einem Ort, der seit fast 26 Jahren ihre Heimat ist. Und das hat auch mit dem homophoben Gehabe im Ländle zu tun.
Und auch wir machen uns darüber Gedanken. Davon in Zukunft mehr.
Aber heute leben wir in der Realität. Und genau darüber schreibe ich.
Vorwärts, vorwärts, vorwärts! Unzerstörbar zieh’n wir unsere Bahn!

Dank anderem Fächerkrümmer, 400-Zellen-Sportkatalysatoren und Edelstahl-Abgasanlage ist die Stimme des Z noch tiefer geworden. Und er hält sich nicht zurück.
Die Serie ist bei 250 km/h abgeregelt. Unser Exemplar kann mehr. Nur mag niemand mit weit über 200 km/h offen fahren. Spaß ist anders.
Wir ernten neugierige Blicke von Mann. Ein anderer Z ist neben uns. Aber da steht ein „BMW“ auf der Front. Und der kann dem Nissan kaum das Wasser reichen.
Der Typ versucht zu flirten und mir wird schon wieder schlecht. Mein Fuß zuckt und schon sind wir vorbei.
„Unsere Körper sind der Motor, unser Wille das Benzin“, kommt mir ein Songtext in den Sinn. Dann sind wir auf und davon, der BMW kann uns nicht folgen. Japanpower pur!
Der Makel des 370Z sei, dass er nicht aus Deutschland käme, hat vor Jahr und Tag ein Journalist geschrieben. Aber darüber lache ich nur.
Langsam ist eben anders. Wir streben ungebremst voran.

Weder Audi, Porsche noch BMW können vergleichbares bieten. Vorsprung durch Technik? Eher durch den Preis. Und der ist bei deutschen Autos viel zu hoch.
Nissan kann es besser. Und das ohne ein Billigheimer zu sein.
Und ein Z für ist für uns wirklich anders. Nicht der letzte Buchstabe im Alphabet. Eher ein neuer Anfang, ein Ausflug in die freie Welt der Sportlichkeit.
„Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!“, hat Goethe einst geschrieben. Und das gilt auch für den 370Z, wenn man ihn mit einem Mensch vergleichen mag.
Porsche-Abfangjäger hat eine Autozeitschrift den 370Z einst genannt. Und das ist alles andere, als ein reiner Spruch.
Der Z ist Spaß und Ehrlichkeit in reinster Form. So und nicht anders muss ein Auto sein.
Folgt uns, wenn ihr könnt!

Das Lenkrad rüttelt und zerrt an meinen Armen, aber der Ritt auf der Kanonenkugel ist keine Gefahr. Ausgelassen folgen wir der Spur von 1000 anderen Wagen. Und wenn es zu langsam wird, so gleiten wir lässig vorbei. Immer im Fluß, immer zu einem Lachen bereit. Und immer der Sonne entgegen, immer auf der Straße des Glücks. Mit dem Blick nach vorn und nie zurück. Wir haben längst eine Entscheidung getroffen und auch die wird wieder richtig sein. Fehler machen nur die anderen. Also gebt Yuki das D und auch das (kleine) R. Lasst sie die Nächste im elitären Bunde sein. Aber mir gebt ein(en) Z! Damit die rasante Fahrt durchs Leben niemals endet. Das wünsche ich mir. Und noch so viel mehr. Aber meine Träume werden wahr, das habe ich schon immer gern bewiesen.

Der wilde Mann

Wenn ich sage ich sei noch nie intim mit Mann gewesen, so muss ich das nun korrigieren. Mit Zustimmung und im Beisein meiner Frau ist es geschehen. Ja, meine Elfe war dabei bei unserem flotten Dreier. Und der war wirklich gut! Der Typ war Wahnsinn pur, tiefschwarz und einfach toll gebaut. Austrainierte Sportlichkeit, Muskeln im Überluss. Welche Frau kann da schon wiederstehen? Und erst sein ach so männlicher Geruch, der brachte mein Näschen zum erbeben. Ich gab mich hin und habe es genossen. Und ich würde es immer wieder tun.

Der Mann ist übrigens Japaner. Sozusagen ein „Beast from the East.“ Wer sonst sollte auch mein neuer Lover sein? Er ist noch jung und steht da wie eine Eins. Noch nie zuvor hat mich etwas oder jemand so erregt. Es war einfach Liebe auf den ersten Blick. Auch Yuki ist begeistert von seiner Kraft. Selbst zwei Frauen sind für diesen Kerl kein wirkliches Problem. Als die Ältere darf ich mit dem Ritt beginnen und stöhne voller Lust, als er orgiastisch zum Leben erwacht. Lässig schwingt er sich auf Touren und lässt Zeit und Raum vergehen. Ich hole tief Luft und gestehe es: Gemeinsam sitzen wir im neuen Nissan GT-R Black Edition. Was bitte habt ihr denn nun gedacht?

Alles fing ganz harmlos an und mit einem Anruf von Yukis Vater. Dass der ein Schlitzohr ist, habe ich schon oft erwähnt. Yuki gleicht ihm in der Beziehung bis aufs Haar. Aber sie sieht viel besser aus.
„Tochter, hier ist dein geliebter Vater“, beginnt das Gespräch standesgemäß. Zumindest hat Yuki es mir so erzählt.
„Was soll ich für dich tun?“, fragt sie prompt und ich falle von der Couch vor Lachen. Nur ich bin zu meinem Papa frecher.
„Du darfst ein Auto testen“, hat Yukis Vater ihr gesagt. „Aber was sage ich, ich frage meine andere Tochter.“
Mit der anderen Tochter bin natürlich ich gemeint. Frechdachs Mayumi, die er ebenso liebt.
Männer sind komisch, ich glaube ich muss frecher sein.

„Ja, Väterchen?“, spreche ich zuckersüß in den Hörer. „Was kann ich gegen dich tun?“
Diesmal hält sich Yuki den Bauch vor Lachen.
Mit gespieltem Ernst, aber lachendem Unteron, erzählt mein Schwiegervater mir von einem Deal unter Männern.
„Wir haben euch verkauft“, sagt er und räuspert sich dabei auffällig oft. „Und gehorsame Töchter machen immer, was ihre Väter wollen.“
„Klar doch“, erwidere ich. „Vor allem da wir noch im Mittelalter leben.“
Yuki hört mit und drückt prompt die Freisprechtaste.
„Lieber Papa“, flötet sie, „sag sofort worum es geht.“

Der Deal unter Männern erweist sich als absoluter Übercoup. Die Firma meines Schwiegervaters hat einen Nissan GT-R zum Test bekommen.
„Das Problem war der Ausfall der beiden Werksfahrer“, eröffnet er uns. „Die Firma unserer Geschäftspartner hat keinen Ersatz, niemand dem sie wirklich vertrauen. Und da kommt ihr ins Spiel. Ihr habt doch noch Ferien. Und es wäre wirklich wichtig. Darf ich auf euch zählen?“
Es gibt wenige Dinge auf dieser Welt, die mir die Sprache verschlagen können. Aber der GT-R gehört dazu.
Satte 550 PS treiben den Wagen voran, er hat doppelte Turbokraft und 632 Newtonmeter Drehmoment. Der Motor ist ein V6 mit 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG). Spitze 315 km/h, von 0 auf 100 in unter 3 Sekunden. 97.500 Euro ist dieser Wagen wert. Der neue Porsche Turbo S kostet gleich doppelt so viel. Was ihn nur teurer, aber nicht viel schneller macht.

Überhaupt haben Audi und Porsche ein Problem mit ihren Preisen. Billig sollen nur die anderen sein. Bewusst hat man sich im exklusiveren Marktsegment postiert. Aber teurer muss nicht immer besser sein. Und der GT-R ist gut! Kein Wolf im Schafspelz, er ist in Stahl gepresste Leidenschaft. Und der Clou: Der Wagen wird in zwei Ausbaustufen kommen. Als Serienfahrzeug und Tuning-Bolide. Dann hat er weit über 700 PS. Und das ist alles andere als normal. Wenig normal sind auch die Tests, auf die Wolf verweist.
„Porsche ist stets der Sieger“, erklärt Wolf mit süßsaurem Gesicht.
Wer das glaubt, wird seelig.

Wolf mit Team hat natürlich auf uns gewartet. Direkt auf der Strecke. Fast ehrfürchtig schleichen die Männer um die beiden GT-R, die sich tiefschwarz in der milden Sonne präsentieren. In der Barracke ziehen wir die Overalls und Helme an. Sicherheit ist angesagt. Nur Vollidioten fahren ohne. Der erste Nissan ist bereits verkabelt, das Team hat Motor und Reifen vorgewärmt. Das ist sonst nur im Rennsport üblich und da sehe ich mich nicht. Im Unterschied zu einer Cyndie Allemann fehlen mir auf dem Rundkurs deutliche Sekunden. Die Cyndie bremst auch nie, die steht lieber in der Kurve quer. Und das ist hohe Kunst. Aber dafür sehe ich noch besser aus als sie. Und das ist nicht gelogen.

Was folgt ist ein Gedicht japanischer Motorenkunst. Mit dem GT-R hat sich Nissan mehr als einmal übertroffen. Nie zuvor hatte ich solche Lust auf einen Wagen. Und von mir aus darf der auch total männlich sein. Das schmälert weder Aussehen noch Top-Speed. Und beides ist der Überhammer. Der GT-R ist laut, wild und schüttelt sich. Ein echter Kerl halt. Zahm ist anders. Es röhrt und dröhnt, dann schießt der Wagen in einem Atemzug auf 100 km/h. Gut, es bleibt bei deutlich über 3 Sekunden. Daran ist laut Yuki mein (nicht vorhandener!) Hüftspeck schuld. Aber wer mag schon einer Elfe widersprechen?
2,7 Sekunden sollen es laut Werksangaben sein, aber diesen Beweis blieb der GT-R bisher schuldig. Auch allein im Wagen erreiche ich die nicht. Also kommt meine Elfe wieder mit und jauchzt vor Freude, wenn die brutale Beschleunigung eintritt.

Der Wagen fährt sich hart, direkt und ohne Kompromisse. Der Verbrauch ist hoch, 10 Liter SuperPlus auf 100 km nur eine Illusion. 20 plus kommt der Wahrheit näher. Und 30 Liter sind auch kein Problem. Aber wer will mit diesem Supercar vernünftig sein?
Das DSG schaltet gut und ohne Zeitverlust. Wir wechseln beim Fahrwerk zwischen Komfortmodus und Sport. Und die Rundenzeiten werden schneller.
Eine gute Stunde sind wir unterwegs. Auch Yuki darf natürlich und stellt sich quer. Mit dem Auto, wie auch sonst?
Sie schimpft auf japanisch über den Godzilla, der Spitzname dieses Supercars.
Aber auch Elfen können driften.

Nach einigen Runden hat sie den Bogen raus und zerstört prompt den ersten Reifensatz.
Wolf feixt und Yuki ist gespielt beleidigt, als der Abschlepper kommt.
„Macht gleich weiter mit dem anderen Wagen“, bittet er. „Aber ultravorsichtig, das Teil ist nicht normal.“
Der Ritt in diesem GT-R gleicht dem Ritt auf einer Highspeed-Kugel. Hat schon der normale Motor gebrüllt, so schreit dieser uns nur noch an. Aber egal was ich versuche, die Hinterräder drehen beim Start stets durch. Allrad falsch verteilt. Gefühlte 80 % Kraft an der Hinterachse kommen bei mehr als 700 PS nicht gut. Wie lange sollen diese Reifen halten?
Gute 850 Newtonmeter schieben uns vehement um die Kurven. Und selbst ich stehe öfter quer. Wir bekommen Tritte und Stöße auf unsere zarten Knochen, die jedem Allkämpfer zur Ehre gereichen sollten. Dieser Wagen überzeugt mich nicht. Schlecht abgestimmt ist das Fazit nach nur wenigen Runden. Den mag fahren wer will, beherrschbar ist anders. Die sollen doch die Cyndie rufen.

„Es soll noch eine 600 PS Variante von dem Wagen geben“, erzählt uns Wolf zum Schluss. „Dank Carbonteilen ist der GT-R dann auch 50 kg leichter. Zu schade, dass er noch nicht verfügbar ist.“
Ziemlich durchgeschwitzt nehmen wir eine schnelle Dusche. Yuki, die Fürsorgliche, hat Unterwäsche zum wechseln mitgebracht. Und einen Deostick hat die Frau von heute sowieso dabei.
Frech haut mir Yuki auf den Po, als ich in die bequeme Cargohose steige.
„Das war dann aber auch unser letzter Ritt mit diesem wilden Mann“, lässt sie den Spruch vom Stapel, der mich zu diesem Text verleitet hat.
Und auch da mag ich ihr nicht widersprechen. Aber den normalen GT-R-Godzilla würde ich immer wieder reiten. Dumm nur, dass ich keine 97.500 Euro habe.
Dafür eine Elfe. Und das ist ausreichend und gut.

Zickenstreit und Motorpower

Streit liegt an diesem Wochenende in der Luft, die Blicke fliegen. Zwei Zicken starren sich an und nur eine wird gewinnen.
„Du hast sowas von keine Chance“, sage ich zu Yuki.
„おばはん“, wirft sie mir an den Kopf und strahlt mich dabei an.
Triumphierend hält sie mir den Autoschlüssel vor die Nase. Auch da steht Audi drauf.
Wolf hat ihn gebracht und Tests gefordert. Auf seine väterliche Weise. Er weiß, was sonst passiert.

Nun mag Yuki kleine Wagen. Dabei ist sie etwas größer als ich. Aber da ist sie typisch Frau.
Worte wie „süß“ und „schnuckelig“ kommen ihr leicht von den Lippen, wenn sie solche Autos sieht.
Der Audi A1 Quattro ist nicht wirklich klein. Aber groß ist anders. Und er hat richtig viel PS.
„400 plus“, hat Wolf gesagt und dabei nur gegrinst.
Und das liegt in der Klasse unseres Test RS Q3. Nur ist der kleine Audi leichter.

Natürlich ist der Wagen rot und hat einen ultracoolen Sound. Und eigentlich möchte ich ihn fahren, aber suche lieber Streit.
Spaßhalber versteht sich. Wir machen sowas gern.
„Wo haben Sie nur immer diese Autos her“, will die neugierige Nachbarin wissen und wünscht uns einen schönen Tag.
Manierlich langsam verlassen wir die Stadt.
Yuki drängelt und zieht auf der Autobahn an mir vorbei. Aber wir rasen nicht. Es ist nur Spaß.
Von den Leistungsdaten spricht alles für den getunten RS Q3. Fünf Zylinder gegen vier.
Und auch der Hubraum ist einen halben Liter größer. Leider auch die Hüften.

Wolfs Ingenieure haben wieder gezaubert. Und das haben sie gut gemacht.
Ein solcher Umbau kostet sehr viel Geld. Dafür kann man schon ein normales Auto kaufen.
Aber es wird auch Kunden für diesen Wagen geben. Schneller, höher, weiter. Understatement pur.
Auf einer abgesperrten Strecke geht es dann zur Sache.
Die Sonne lacht, als Yuki ihre Runden dreht. Und meine Elfe hat sichtlich Spaß.
Aber schnell ist anders, das kann sie einfach nicht.

Als Yuki Pause macht verlange ich den Schlüssel.
Im Normalfall fahren wir zusammen. Aber heute geht das Datentechnisch nicht.
Auf der Beifahrerseite prangen Testgeräte und der Sitz ist ausgebaut.
Der Motor des A1 steht wirklich gut im Futter. Schneller geht es kaum auf 100 km/h.
Aber die Elektronik hat auch ihre schlechten Seiten. Mir fehlt die letzte Ehrlichkeit.
In Schweden durfte ich damals Autos ohne Hilfssyteme fahren. Und das kam richtig gut.
Nur so lernst du fahren.

Meine Rundenzeiten sind leicht besser. Aber Yuki macht das nicht viel aus.
„Dafür bin ich im A1 trotzdem schneller, als du im RS Q3“, lässt sie mich wissen.
Top, die Wette gilt!
Wolf schnauft nur und gibt uns grünes Licht.
Was soll er auch gegen unser bezauberndes Lächeln sagen? Und zwei Töchter hat er selbst.
Lasset die Spiele beginnen.

Wie erwartet zieht mir der A1 beim Start davon.
Aber Gewicht ist nicht alles.
Die Stärke des Q3 ist der brutale Drehmoment. Und  seine fünf Zylinder.
Auch Yuki hat natürlich Fahrstunden genommen. Damals, als wir in Schweden waren.
Wir können driften und Autos um Kurven scheuchen, wo andere schon um Hilfe schreien.
Aber ich kann es etwas besser. Das ist nun mal so.

Yuki behält die Übersicht im Leben. Sie plant, ist fürsorglich und ein wahrer Schatz.
Und seit sie mich kennt, ist sie auch viel offener geworden. Aber noch immer weniger aggressiv.
Aggressiv im positiven Sinn und aufs normale Leben bezogen.
Aber ein „Frauchen“ ist sie nicht.
Und heute überrascht sie mich. Oder ist es doch der Wagen?
Meine Elfe fährt einen heißen Reifen. Und ich habe keine Chance.

Es trennen uns letztlich nur wenige Meter, aber Yuki kommt als Erste ins Ziel.
Sie strahlt, lacht und hüpft vor Freude. Und ich freue mich gleich mit.
Wolf schmunzelt, als wir uns in den Armen liegen.
„Du hast mich aber nicht etwa gewinnen lassen?“, will Yuki dann doch wissen.
Vehement schüttele ich den Kopf.
„Nein Elfchen“, erwidere ich ehrlich. „Du hast mich fair geschlagen. Aber verloren habe ich trotzdem nicht.“

„Ach?“, sagt Yuki schmunzelnd und ahnt offenbar schon was nun kommt.
„Ich habe dich“, sage ich leise. “ Und das ist schon der Hauptgewinn in diesem Leben. Da verliere ich ein Rennen gern. Von mir aus jeden Tag.“

Legenden sterben nie

Es gibt Legenden, die niemals sterben. Und Legenden, die erst noch geboren werden müssen. Und ich spreche nicht von meiner ungeborenen Tochter. Dass die großartig wird steht außer Frage. Mit mir als Mutter kein Problem. Ich spreche von einem Auto. Genauer einem SUV. Noch genauer dem neuen Porsche Macan, den wir nun schon eine Weile testen.

Bekanntlich ist der getunte RS Q3 vor einigen Wochen einen allzu frühen Tod gestorben. Wolf und das Team waren dem Fehler auf der Spur und haben ihn nun gefunden. Es lag nicht am Tuning, das war professionell. Ein simpler Materialfehler hat den Schaden ausgelöst. Und das kann immer passieren. C’est la vie.

Bisher durfte ich nicht über den Ersatzwagen schreiben. Das ist ab heute vorbei. Nur was genau Wolf damit angestellt hat, das wird ein Geheimnis bleiben. Ich sehe die Leser schon abwinken und das Gesicht verziehen. Ein Porsche SUV wird es heißen. Das ist doch auch nur ein Q5. Und genau da liegen die meisten Leute falsch.

Klar hat der Macan die Bodengruppe des Q5. Er stammt auch aus dem gleichen Großkonzern. Aber viele Feinheiten stammen von Porsche, das wird der geneigte Fahrer dann schon sehen. Baby-Cayenne wird er von Kritikern abschätzig genannt. Andere bezeichnen ihn liebevoll als Tiger. Yuki und ich mögen den Wagen. Auch, wenn er deutlich größer als der eher schnuckelige RS Q3 ist.

Aber wir sollen ihn nicht mögen sondern fahren. Und das haben wir täglich und ausiebig getan. Im Alltag und auf der Autobahn. Und die Messgeräte liefen mit. Das siebenstufige Porsche-Doppelkupplungsgetriebe ist eine Wucht! Selbst der Audi RS 6 kann das nicht wirklich besser. Nur, dass der in der „Wolf-Version“ schneller ist. Aber wer will schon rasen, wenn cruisen so viel besser ist?

Aber wir dürfen den Macan leider nicht länger behalten. Heute ist der Tag des Abschieds gekommem. Das liegt auch an dem reparierten RS Q3, den wir wieder unser eigen nennen dürfen. Zu Testzwecken versteht sich. Neidische Nachbarblicke inklusive. Aber jetzt muss ich gehen und an meiner Legende arbeiten. Schönes Wochenende ihr da draußen.

 

Die Rückkehr des (Erl)Königs – Teil 3

Wir sind zurück von den tollen Tagen. Und toll waren wir wirklich unterwegs. Nur nicht als Clowns, eher als Heldinnen.
Aber davon werde ich ein andermal berichten.

Es gilt Abschied zu nehmen vom Boliden. Diesmal wird es für immer sein.
Der Audi hat seinen Zweck erfüllt und kommt wieder in die Tuningschmiede. Andere Tester werden ihn jetzt fahren und neue Dinge ausprobieren.
Wir werden ihn nicht wiedersehen.
Aber der Nebenjob hat seine guten Seiten. Wir werden nie mehr ohne schnellen Wagen sein.
Der Toyota steht ab sofort bei meinen Schwiegereltern und ein Audi vor unserer Tür.

Yuki strahlt, als sie den Wagen sieht. Es ist ein roter SUV.
Audi RS Q3 steht auf dem Kühlergrill. Und das ist wieder mal gelogen.
Im Original hat der Wagen 310 PS. Dieser 150 mehr.
Wolf hat ihn uns gebracht.
„Unser neuestes Baby“, sagt er stolz. „Fünf Zylinder, Allrad, 7-Gang Automatik, modifizierter Motor. Und nicht abgeregelt!“
Er grinst bei diesen Worten.
„Aber keine Dummheiten machen, das müsst ihr mir versprechen! Der Wagen ist locker für 280 km/h gut. Eher mehr.“

Wir versprechen es und drehen eine spontane Runde.
Der Wagen hat Kraft satt! Weniger, als der Bolide, aber deutlich mehr, als der meist bidere Rest auf Deutschlands Straßen.
Yuki fährt sicher, aber nimmt einen falschen Weg, was wir ziemlich schnell bereuen.
Die Polizeikontrolle ist schon von Weitem zu sehen. Und das sind keine Dilettanten.
Yuki stöhnt leise auf. „Was muss ich auch über die Theo fahren!“
Mit Theo ist die Theodor-Heuß-Straße in Stuttgart gemeint. Und dort kontrolliert die Polizei gern getunte Wagen.
Wir haben kein Glück an diesem Abend, ein Beamter in Uniform und Warnweste winkt uns heraus.
„Schönes Auto begrüßt er uns. Aber ich glaube damit stimmt was nicht. Papiere bitten und einmal aussteigen, die Damen. Wir schauen uns das genauer an.“

Wir bleiben gelassen und stellen uns neben den Wagen, während sich gleich drei Beamte auf den Audi stürzen.
Neben uns schwitzt ein junger Mann, die Angst steht ihm im Gesicht.
Sein Golf weist erhebliche Mängel auf, er hat so gut wie nichts eingetragen.
Plötzlich röhrt ein Audi heran, der Bolide kommt angeflogen.
Wolf springt aus dem Wagen und geht auf die Beamten zu.
„Darf ich fragen, wo das Problem ist, meine Herren?“, fragt er höflich aber bestimmt. „Meine beiden Mitarbeiterinnen haben einen Termin im Werk. Und an dem SUV ist alle okay.“

„An dem Wagen sind Veränderungen vorgenommen worden“, erklärt der leitende Beamte eisig. „Sie sind der Chef, der beiden Damen? Und was ist das, ist der RS 6 da auch getunt?“
„Das ist unser Job“, erwidert Wolf lächelnd. „Wir sorgen dafür, dass die Serie sicher wird. Und ja, ich bin der leitende Ingenieur des Teams. Gibts nun etwa ein Problem?“
Der Disput geht hin und her. Der Polizist ereifert sich und Wolf bleibt cool und absolut gelassen.
Neben uns bricht für den Schwitzenden die Welt zusammenm, als ein Abschleppwagen kommt und seinen Golf auflädt. So hat er den Abend kaum verplant.
„Viel Glück euch“, murmelt er und greift zum Handy, mit dem er sich ein Taxi ruft.
Lustig ist anders.

„Wir sind keine Hobbyschrauber“, höre ich Wolf mit lauter Stimme sagen. „Was wir machen hat Hand und Fuß und ist vor allem eingetragen. Und diese Reifen-Felgenkombi ist für den Audi zugelassen!“
„Ist sie nicht!“, widerspricht der Polizist.“ „Genau die fehlt in meiner Liste!“
„Ihre Liste ist mir Scheißegal“, erklärt ihm Wolf nun doch leicht ungehalten. „Der TÜV gab seinen Segen, also kein Problem. Und wenn eure Daten nicht stimmen, so ist das nicht mein Problem.“
„Das gibt Ärger“, sage ich auf japanisch und Yuki nickt. „Vielleicht rufst du besser deinen Vater an.“

Die Sache eskaliert, die Polizei ist kurz davor den SUV aus dem Verkehr zu ziehen.
Yukis Vater rettet.
Sehr höflich, aber sehr bestimmt, präsentiert er weitere Papiere.
Die Polizei kommt bei ihm nicht zu Wort, mein Schwiegerpapa kennt sein Metier.
Kleinlaut geben die Beamten nach und stoppen einen Ford.
„Die Rennsemmel!“, entfährt es Yuki.
Erinnert sich noch wer an Dennis?

Nicht ohne etwas Schadenfreude sehen wir zu, wie der nicht sehr große Fahrer noch mehr schrumpft.
Fast habe ich Mitleid mit ihm.
Wolf unterhält sich mit Yukis Vater. Beide wirken unaufgeregt.
„Meidet die Theo bitte“, sagt Wolf. „Ich hatte es euch noch sagen wollen, aber ich kam zu spät.“
„Woher wusstest du eigentlich wo wir sind?“, frage ich.
Wolf grinst und deutet auf sein Handy. „GPS-Ortung“, verkündet er nicht ohne Stolz. „Die Wagen müssen das haben. Gegen Diebstahl. Das ist Pflicht.“
„Wo wollt ihr hin?“, will mein Schwiegerpapa wissen. „Es gibt gleich Abendessen. Ihr kommt doch mit?“
Das ist keine Bitte, aber diesem Mann nehme ich nichts krumm.
Familie ist wichtig.

Ein allerletzter Blick auf den Boliden.
Wolf sieht es und kommt auf mich zu.
„Ich kann dich verstehen“, sagt er mir. „Der Wagen ist Wahnsinn pur. „Aber der RS 3 auch nicht von schlechten Eltern. Und immerhin dürft ihr den eine ganze Weile behalten.“
Wir fahren durch den Abend, die Stadt bleibt schnell zurück.
„Der König ist tot, es lebe der König“, sage ich. „Aus Sechs wird Drei, aber es bleibt bei den Vier.“
„Und du bist meine Nummer Eins“, meint Yuki und gibt mir einen Kuss.
Welche Frau braucht schon einen König, wenn sie eine Elfe hat!

Die Rückkehr des (Erl)Königs – Teil 2

Das Biest

Das Biest

Der ehemalige Flugplatz liegt im milden Sonnenschein.
Sonnenbebrillt gehen wir auf eine Baracke zu.
Techniker und andere Boliden stehen dort. Wir werden schon erwartet.
„Hattet ihr Ärger mit der Polizei?“, will der Chef wissen.
Sein Name ist Wolfgang, kurz Wolf genannt.
Ich kenne ihn, er ist ein Mitarbeiter von Yukis Vater und im gleichen Alter.
„Routinekontrolle“, sage ich. „Haben Sie angefragt?“
Wolf nickt und sein Gesicht verfinstert sich.
„Die suchen nach Ärger“, sagt er. „Jemand hat sie auf uns angesetzt. Wir dürfen vorerst keine Autobahn mehr nutzen zum Test.“

Der Audi ist schnell umgerüstet.
Yuki bewundert einen BMW.
„Was ist das für einer?“, will sie wissen. „Den mag ich, der sieht klein und handlich aus.“
Wolf lacht und will sich kaum beruhigen.
„Das ist der M 235i“, sagt er. „Willst du ihn mal fahren?“
Yuki strahlt.
„Darf ich wirklich?“, will sie wissen.
„Na immerhin bis du du doch auch dafür hier“, scherzt Wolf.
Auch Yuki bekommt jetzt Geld fürs testen. Nur fahren will sie meistens nicht.

„Darf Mayumi mit?“, fragt sie und schaut Wolf bittend an.
Er schmilzt. Niemand kann (m)einer Elfe widerstehen.
Wir drehen eine Runde.
Yuki ist ausgelassen. Sie strahlt und jauchzt und mir wird schlecht.
Besorgt bringt mich Yuki zur Toilette.
Mein Kopf dreht sich und mein Bauch spielt verrückt.
„Mistige Tage“, stöhne ich. „Es ist wieder mal soweit.“
Obwohl ich kaum noch Regelschmerzen habe, hat es mich wieder erwischt. Übelste Krämpfe verderben mir den Tag.
Der Grund ist klar, der Stress der letzten Wochen. Ich habe mich übernommen.

Eine Schmerztablette und Tee wirken Wunder. Eine knappe Stunde später bin ich wieder fit.
„Wir können dann“, sage ich zu Wolf. „Mir geht es wieder gut.“
„Bist du dir sicher?“, fragt er. „Ich lasse dich nicht fahren, wenn du nicht auf der Höhe bist.“
Als Antwort setze ich einen Kick direkt vor sein Gesicht und halte den Fuß dort bewegungslos.
„Oha!“, entfährt es ihm. „Die Karate-Queen schlägt wieder zu.“
Wolf weiß von meinem Sport.
Ich lache und setze den Fuß wieder ab.
„Ach was“, wehre ich ab. „Ich wollte nur zeigen, wie gut es mir geht. Und Regelschmerzen kennt so ziemlich jede Frau. Die bringen uns nicht um.“

Der Audi lauert schon und heißt uns knurrend willkommen.
In kaum mehr als drei Sekunden sind wir auf 100 km/h.
Das Gedicht vom Erlkönig fällt mir ein, während der Wagen vehement nach vorne stürmt. Aber ich benutze eigene Worte, was Yuki zum Lachen bringt.

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist Mayumi mit dem Elfenkind;
Der Audi hat die Beiden wohl im Arm,
Er faßt sie sicher, er hält sie warm.

Ach Elfchen, was birgst du so bang dein Gesicht? –
Spürst Mayumi, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit den vier machtvollen Ringen? –
Oh, Yuki-onna, werden uns die 350 gelingen?. –

„Ihr lieben Kinder, kommt, geht mit mir!
Gar schöne Spiele spiel ich hier;
Manch bunte Blumen sind am Wegesrand,
Meine Mutter gab mir mein rotes Gewand.“

Mayumi, meine Mayumi, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig uns leise verspricht? –
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Elfenkind;
In dürren Blättern säuselt der Wind. –

„Wollt, feine Mädels, ihr mit mir gehn?
Meine VW-Töchter sollen euch warten schön;
Meine VW-Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen euch ein.“

Mayumi, meine Mayumi, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Tochter am düstern Ort? –
Mein Elfchen, mein Elfchen, ich seh es genau:
Es scheint der alte Porsche so grau. –

„Ich liebe euch, mich reizt eure schöne Gestalt“;
säuselt es aus dem Zuffenhausener Fnsterwald.
Mayumi, meine Mayumi, der Porsche fasst sich ein Herz!
Erlkönigs Motor dröhnt mit hundert Hertz!

Mayumi grauset’s, sie raset geschwind,
Der Audi fährt schneller als jeder Wind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
Hinter ihm der Porsche und der ist tot.

Das Problem bei solchen Wagen sind die Reifen. Daher ist bei vielen Modellen schon bei 250 km/h Schluss. Beim Audi sind auch die Reifen nicht von der Stange. Ihr Preis ist utopisch und wird hier nicht genannt. 347 km/h stehen am Ende für uns zu Buche, ein absoluter Bolidenrekord. Wahnsinn pur, Leidenschaft in Stahl gepresst. Der Wagen kann noch schneller, aber das halten die Reifen nicht mehr aus.

Das Team ist ausgelassen und mir gehts wieder richtig gut.
Die Rückkehr des Königs ist gelungen. Machtvoll glänzen seine Ringe. Und das nicht nur unter Erlen. Noch auf dem Flugplatz schreibe ich diese Zeilen, um dann mit meiner Elfe nach Hause zu eilen. Gehabt euch wohl ihr holden Narren und fahrt langsam mit eurem eigenen Karren. Nach Karneval bin ich zurück. Bis dahin genieße ich mein Eheglück.