Manchmal kommen sie wieder

„Manchmal kommen sie wieder“, ist ein Horrorfilm, der auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Stephen King basiert. Aber heute es geht weniger um einen Film, es geht um scheinbare Wiederholungen. Scheinbar deshalb, da weltweit viele glauben, der Frieden sei in Gefahr.

Schon bei diesem Satz müsste jeder die Luft anhalten, den Kopf schütteln und die Frage stellen: „Frieden, was ist das?“ Zwar ist es richtig, dass es seit 1945 keinen Weltkrieg mehr gegeben hat, aber das ist nur die politisch korrekte Sicht. In Wirklichkeit sterben täglich Menschen bei Konflikten, die man „Humanitärer Einsatz“ oder „Kampf gegen Terrorismus“ nennt.

Von Korea über Vietnam, zu Jugoslawien, der Ukraine und Syrien, zieht sich die Blutspur der Gewalt. Dazwischen lagen noch die beiden Irak-Kriege und natürlich Afghanistan. Und um die eigenen Interessen durchzusetzen, werden gern alte Feinde reaktiviert.

Die USA sind wahre Meister ihrer Zunft. Kein anderes Land hat seit 1945 so viele Kriege geführt. Und wie sieht es in Japan aus? Die deutsche Presse spuckt und geifert, da hat doch dieser Shinzo Abe die vorgezogenen Parlamentswahlen gewonnen. Ein Unding, das man bekämpfen muss! Wirklich?

Vielleicht sollten deutsche JournalistInnen vor der eigenen Haustür kehren und die Probleme im eigenen Land ansprechen. Von Japan haben die meisten keine Ahnung, das sage ich ganz selbstbewusst.

Folgt man den Pressemeldungen in Deutschland, so ist Shinzo Abe ein „böser Rechter“, der Japan auf einen nationalen Kurs einschwört. Aber was spricht dagegen, wenn Japan nicht dem europäischen Wahn offener Grenzen folgt und den eigenen Weg zu Ende geht.

Und dieser Weg heißt massive finanzielle Unterstützung. Schon 2015 hatte Shinzo Abe angekündigt, 810 Millionen Dollar für Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak zur Verfügung zu stellen, die Summe sei drei Mal so hoch wie 2014. Zudem wolle Tokio noch einmal 750 Millionen Dollar überweisen, um Infrastrukturprojekte im Nahen Osten zu unterstützen. Japan wolle helfen, „Frieden zu schaffen und zu sichern“.

Spricht so ein „Rechter“, der keine Ausländer mag, oder doch nur ein Realist, der anderen zwar helfen, aber die eigene Identität bewahren will. Schaut man sich den weltweit erstarkenden Islamismus an wird klar, warum Abe so und nicht anders handelt.

„Wir haben lieber ein demografisches Problem, als Japan in etwas zu verwandeln, was nie wieder Japan sein wird“, hat ein japanischer Politiker gesagt. Diesen Satz sollten sich auch Deutsche für Deutschland auf ihre Fahne schreiben. Aber, das wissen wir, Deutsche haben mit ihrer Fahne ein Problem.

Sie keifen lieber über Japans erstarkende Armee und befürchten einen Rückfall in die Vorkriegsepoche. Sie lassen sich lieber der Erbschuld bezichtigen, als ihre einzigartige Kultur zu sehen.

Ja, Premierminister Shinzo Abe hat die Parlamentswahl haushoch gewonnen. Damit setzt sich in Japan fort, was auch in Europa zu beobachten ist, der Vormarsch konservativer Kräfte. Nur Deutschland geht unter Merkel (noch!) einen Sonderweg.

FreundInnen in Deutschland und den USA haben mich gefragt, wie Japan zu Korea und der deutschen Sonderrolle bei der Flüchtlingskrise steht. Nur eine hatte den Mut mich direkt zu fragen, wie meine Meinung ist.

Dazu muss man vorab sagen, dass es beim Thema Einwanderung für Japan keine Rolle spielt, wer die Regierung stellt. Keine Partei würde sich gegen japanische Eigeninteressen stellen. Die Mehrheit der Bevölkerung ist strikt gegen massive Einwanderung.

Japaner sind zu höflich, um andere zu brüskieren. Aber japanische Fernsehteams waren schon vor Ort in Deutschland und haben sich die Flüchtlingskrise und PEGIDA angesehen. Bei aller Höflichkeit wird klar, dass großes Unverständnis in Japan über Merkels Entscheidung herrscht.

Zurück zu Shinzo Abe, der den „alten Feind“ aus Nordkorea zum eigenen Wahlsieg ausgenutzt hat. Sein Ziel ist die Neugestaltung der überwiegend von Amerikanern diktierten japanischen Verfassung.

Aber für genau diese Änderung braucht Abe die Zustimmung der Bevölkerung. Und die steht diesem Wunsch skeptisch gegenüber, wirklich beliebt ist Shinzo Abe nicht.

Nachdem sich mit Yuriko Kioke, die aussichtsreichste Kandidatin für das Amt der Regierungschefin, mit einem Verzicht selbst ins Parlament einzuziehen, selbst ins Abseits manövrierte, haben die JapanerInnen Abe gewählt. Der gibt sich plötzlich bescheiden und ist von seinem Ziel, der Verfassungsänderung bis 2020, abgerückt.

Ich glaube nicht daran, dass es unter Abe diese Änderung noch geben wird. Aber vielleicht bei seinem möglichen Nachfolger, Shinjiro Koizumi, Sohn des ehemaligen Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi, der mit seinen erst 36 Jahren für eine Erneuerung von Abes LDP steht. Auch für eine Erneuerung des Landes und der Armee?

Japan nennt seine Armee Selbstverteidigungsstreitkräfte. Über deren wahre Schlagkraft sollte sich jeder Interessierte klar sein. Diese Armee ist hochmodern und wartet nur auf einen Fehler Nordkoreas. Gleiches gilt für Südkorea, das wenig Sympathie für den Bruder im Norden zeigt. Aber im Fall von Nordkorea wir sehen wieder nur, was wir sehen sollen, was uns die Presse diktiert.

Gleiches gilt für Deutschland und Europa. Auch hier wird kein „Viertes Reich“ entstehen und weder Neo-Faschisten noch Kommunisten werden die Welt mit Krieg und Terror überziehen. Die sind Schnee von gestern. Den Krieg erschafft der Westen, als Vasall der USA. Und Japan, das ist sicher, würde im Fall von Korea folgen.

Finde ich das gut? Nein! Krieg ist keine Lösung. Aber bei aller Kritik werde ich stets für Japan sein und seine Existenz gegen jede Bedrohung verteidigen. Das nennt man Patriotismus. Aber das habt ihr bestimmt gewusst.

„Manchmal kommen sie wieder“, ist ein Horrorfilm, der auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Stephen King basiert. Japan ist schon lange auf dem Weg zu alter Größe. Und das ganz ohne Krieg.

 

Der Held

Jack war aufgeregt, als er an diesem Morgen nach Braxton fuhr. Immerhin würde er den größten Helden des letzten Krieges treffen. Er, Jack, der kleine Reporter und nicht Paul oder John, die vor Neid fast platzten.

Bill, der Chefredakteur hatte Jack am Vortag ins Büro gebeten und ihm die Offerte gemacht. „Ich will, dass du da hin fährst und dir alles, aber auch wirklich alles anhörst, was dieser Mann zu sagen hat“, gab er ihm mit auf den Weg. „Wir haben nur diese eine Chance. Es hat jetzt Monate gedauert, um diesen Termin zu bekommen.“

„Warum ich?“, fragte Jack und hätte sich selbst dafür ohrfeigen können. „Weil du, mein Junge, die Unschuld dafür hast. Diese abgewrackten Typen, die sich Reporter nennen und heimlich saufen oder Schmiergeld von der Mafia nehmen, die will ich auf keinen Fall bei Colonel Sharp sehen. Aber wenn du keine Lust hast kannst du gleich nach Hause gehen.“

Jack schluckte, als er begriff was Bill meinte. „Ich mache es ja! Keine Angst, ich bekomme das hin!“ „Das rate ich dir auch!“, knurrte Bill und schlug heimlich drei Kreuze. Endlich hatte wer zugestimmt. Colonel Ben Sharp war nämlich alles andere als einfach. Manche behaupteten, er sei ein Ekelpaket.

Egal was Paul und John nun sagten, sie hatten den Job vorher abgelehnt. Aus gutem Grund, der Colonel hatte Paul vor einem Jahr die Nase gebrochen, als er ihn am Flughafen interviewen wollte. Auch Jack wusste das und er hatte Angst. Aber nicht genug, um Nein zu sagen.

The Shootist

Ben Sharp war 42 Jahre alt und seit genau 22 Jahren Soldat. Er war bei der Infanterie gewesen und später bei einer Scharfschützenkompanie. Erst als normaler Soldat. Durch seine Leistungen kam schnell seine erste Beförderung. Leistung hieß in diesem Fall Feinde zu töten. Und Ben Sharp war darin richtig gut.

Niemand kannte die genaue Zahl der Toten, die auf sein Konto gingen. Aber es waren mehr als hundert. Entsprechend gefürchtet war dieser Mann, der angeblich kein Gewissen hatte. Jenes Wrack, das Jack an diesem Morgen die Tür öffnete, sah wenig gewissenlos aus. Einen Helden hatte Jack sich anders vorgestellt.

„Sie müssen Jack sein“, begrüßte ihn der Colonel. „Kommen Sie nur rein und erschrecken Sie nicht, wenn sie irgendwelche Stimmen hören. Das sind nur die Gespenster der Vergangenheit.“ Er lachte bitter und Jack bekam eine erste Idee, dass dies kein normales Interview war. Worauf hatte er sich eingelassen?

Colonel Sharps Haus war alt aber sauber und sehr spartanisch eingerichtet. Im Wohnzimmer gab es nur einen Sessel, der zwischen Tisch und Wandschrank stand. „Ich habe nie Gäste“, erklärte der Colonel, als er Jacks Blick bemerkte. „Also wozu Möbel kaufen? Die verstauben nur und werden von Motten zerfressen. Gehen wir in die Küche, dort gibt es zwei Stühle.“

Bei Tee und Gebäck stellte Jack die ersten Fragen, aber die Antworten fielen sehr einsilbig aus. Plötzlich stand Ben Sharp ruckartig auf und sein Stuhl fiel um. „So wird das nichts, junger Mann“, erklärte er. „Wir machen das anders. Ich erzähle Ihnen meine Geschichte und Sie schreiben einfach mit. Wenn Sie Fragen haben, dann fragen sie auch!“

Anfang

„Soldat zu werden war immer mein Traum“, begann Ben Sharp. „Ich bin mit Waffen augewachsen. Mein Vater und Großvater waren auch beim Militär.“ Er deutete auf zwei verblasste Bilder an der Wand. „Genereal Dwight B. Sharp, mein Großvater und General Trevor B. Sharp, mein Vater.

Das „B“ steht dabei immer für Benjamin. Ich habe mit der Tradition gebrochen. Mein erster Name lautet nämlich Hank. Aber ich wollte kein H. B. Sharp sein und Ben hat man mich immer schon gerufen. Auch wenn ich kaum wie Ben der Bär aussehe.

Meinen ersten Menschen habe ich mit 22 getötet“, fuhr der Colonel fort. „Das war bei diesem Terrorakt in New York. Ich war damals zur Nationalgarde abkommandiert. Wir sind rein, ich habe diesen Kerl mit Sturmgewehr gesehen und ohne zu zögern geschossen.“

Jack machte sich Notizen, das Gespräch selbst zeichnete er mit dem Handy auf. „Das war doch bestimmt ein einschneidendes Erlebnis, Sir“, sagte er. „Wie haben Sie sich danach gefühlt?“ Dunkle Augen musterten Jack. Augen, in denen der Wahnsinn brannte.

„Ich habe mir die Seele aus dem Leib gekotzt“, stellte der Colonel klar. „Danach war ich eine Woche krank. Sie haben mir Medikamente und einen Orden gegeben. Und plötzlich war ich Sergeant.“ Er holte tief Luft. „Danach war alles anders. Die Drogen haben gewirkt und mich ruhig gestellt. Ein Jahr später kam Buffalo.“

Der Vorfall in Buffalo galt lange als blutigster Tag des Landes. Zwei Dutzend Terroristen, hatten eine Schule gestürmt und mehrere Dutzend Kinder abgeschlachtet. Bei dem folgenden Feuergefecht, mit Spezialkräften der Polizei, kamen fünf der Täter um, aber auch acht Polizisten. Danach wurde Jacks Truppe angefordert und sein Stern ging auf.

A Star is born

„Ich habe mir von einem Polizisten ein Gewehr mit Zielfernrohr geliehen, das ich an diesem Tag meisterhaft benutzte“, fuhr der Colonel fort. „Nachdem ich die Hälfte von den Kerlen erledigt hatte, gaben die anderen auf. An diesem Tag wurde ich zum Held.“

Jack war verwirrt. Irgendetwas passte nicht zusammen. Wo war der strahlende Held seiner Kindheit, den die Medien immer wieder präsentierten? Dieser Mann war nur ein Gespenst, das den Menschen Sharp schon lange auf dem Gewissen hatte.

„So ging es weiter, Jahr für Jahr“, fuhr der Colonel fort. „Eines Tages war ich Lieutenant. Und als ich das entführte Schiff aus den Klauen der Piraten rettete, haben sie mich zum Captain gemacht. Dann kam der Krieg. Der hat mich umgebracht.“

„Aber Sir“, unterbrach ihn Jack, „Sie können doch stolz auf sich  und ihre Leistungen sein! Ohne Sie hätte dieses Land nicht überlebt!“ „Ist das so, glauben Sie das wirklich?“ Colonel Sharp verließ kurz die Küche und kam mit einer Armeepistole wieder, die er vor dem erschrockenen Jack auf dem Tisch platzierte.

„So sieht der Tod aus“, sagte er. „Schau ihn dir gut an! Mit dieser Waffe habe ich sieben Menschen erschossen. Mit dem Gewehr 110. All diese Gespenster hausen hier.“

Plötzlich packte er Jack am Kragen und schüttelte ihn durch. „Und jetzt sag noch einmal, dass ich stolz darauf sein könnte und ich blase dir den Schädel weg!“

Gespenster

Jack verstand keinen Ton, aber als der Colonel weiter erzählte, brach nach und nach seine Welt zusammen. „Ich bin seit mehr als zwanzig Jahren auf Beruhigungsmitteln“, stellte der Colonel klar. „Ohne die, hätte ich was ich tat niemals geschafft. Aber der Held ist Geschichte, sie brauchen ihn nicht mehr.“

Er hielt Jack die Hand vors Gesicht. „Schau genau hin, siehst du es? Sie zittert! Ich zittere! Ich kann nicht mehr. Und ohne Tabletten kommen wieder die Gespenster. Willst du sie sehen?“

„Sir, ich …“, stotterte Jack, dem es immer unbehaglicher wurde. Was hatte der Mann für ein Problem? Wieso war er nicht stolz auf sich? Da musste man doch irgendetwas machen! „Du kapierst es nicht“, murmelte der Colonel. „Keiner will oder kann mich verstehen. Weißt du überhaupt wie das da draußen ist? Hast du jemals Menschen sterben sehen?“

Als Jack den Kopf schüttelte nahm Colonel Sharp die Pistole und schoss ihm eine Kugel ins Bein. Danach versorgte er den vor Schmerzen stöhnenden Reporter und gab ihm ein Dosis Morphium. „Jetzt weißt du, wie sich der Tod anfühlt“, sagte der Colonel. „Das was du durchmachst, habe ich jeden Tag!

Glaubst du es ist cool Menschen zu töten? Glaubst du, das sei irgend so ein Ballerspiel?“ Er leerte das Magazin, die Schüsse rissen Löcher in den Boden. Jack schrie vor Angst, aber langsam begann er zu begreifen. Durch den Morphiumnebel dämmerte in ihm die Erkenntnis, dass Krieg Scheiße war und nicht heldenhaft bunt.

„Schreie und Schmerzen, das hatte ich über Jahre“, sagte Colonel Sharp. Im Kino gibt es tolle Musik, wenn die Helden den Feind besiegen. Die einzige Musik für mich waren Schüsse und Granaten. Das, mein Junge, das ist die Realität!“

Der Preis

Jack erzählte niemand, woher die Verletzung wirklich kam. Als der Colonel den Notarzt rief, log Jack für ihn. Er habe den Colonel um die Waffe gebeten und sich selbst verletzt.

Bei dieser Aussage blieb er auch, als man den Colonel ein Jahr später in die geschlossene Psychiatrie einlieferte, wo er einige Monate später starb. Überdosis hieß es. Er habe sie sich illegal beschafft.

Jack schrieb nie diesen Artikel. Stattdessen aber ein Buch, das ein Zeugnis gegen Krieg und Terror war. Dafür bekam er einen Preis. Er hat ihn nie abgeholt.

Tatort Istambul – Der inszenierte Putsch

Freitag, 15.07.2016. Während das deutsche Staatsfernsehen eisern schweigt, fallen in der Türkei Schüsse. Ein (angeblicher) Putsch gegen Präsident Erdogan erschüttert das Land. Im KanzlerInnenamt schrillen die Telefone, die ARD und ZDF Oberen rufen an. „Sag Mutti, was sollen wir jetzt machen?“

Natürlich ist das gelogen. Die Medien sind doch (un)frei! Es gab Tote in der Türkei. Aber das erfahren Deutsche erst Stunden später. Die BBC und CNN konnten das wie immer besser. Vielleicht zahlt man denen auch mehr Geld. Ich meine was sind schon 8 Milliarden für die Öffentlich Rechtlichen pro Jahr?

Wieder waren es die sozialen Netzwerke, die berichtet haben. Live, während die deutschen Reporter in den Betten lagen. Oder erst am nächsten Morgen gegen 9 Uhr wie Phoenix aus der Nachrichtenasche kamen. Kann ja mal passieren.

Wer steckt hinter den Schüssen? Klar, es waren natürlich böse Soldaten, die unzufrieden mit dem guten Sultan Erdogan gewesen sind. Bestimmt waren sie verblendet und Hirngewaschen. Das kennt man doch aus Filmen, wie das vor sicht geht.

Statt die Regierung festzusetzen, hat man Fernsehsender gestürmt und ein Statement verlesen. Ob die Soldaten da wohl etwas verwechselt hatten? Aber vielleicht war das nur eine Übung. Oder doch die Show mit Telefonjoker, den der fast gestürzte Erdogan nun gab. Das (Wahl)Volk als zweite Chance. Der hat’s drauf der Mann!

Man muss kein Hellseher sein um zu begreifen, wie stümperhaft die (angeblichen) Putschisten vorgegangen sind. Und welche Chance sie dem Sultan vom Bosporus nun gaben. Vor allem wie schnell der handelte und gegen wen. Tschüss ihr Kritiker, die Gefängnisse warte(te)n schon.

Auch wenn jede Show ein Ende hat, so geht die in der Türkei noch weiter. Nur die DarstellerInnen werden andere sein. Vielleicht (wieder) kurdische Frauen und Kinder, die vor Erdogans Panzern fliehen. Ihre Männer hat der Obertürke längst kalt gemacht.

Liebe, Krieg und Frieden

Mina lächelte, wie sie es immer tat. Eine weitere Lüge, es war ihr egal. Ein großes „Hallo, schön dich zu sehen“, begrüßte die Heimkehrerin.
Seltsam verloren stand sie zwischen all den Menschen. Fremd in der eigenen Heimat. Sie war so weit entfernt. Die Uniform stand Mina gut, sie war Frau Oberleutnant. Ausgebildet an der Waffe und auch als Technikerin. 2 lange Jahre lang war sie im Krieg gewesen und hatte ihr Land tapfer verteidigt. Ihre Ehe war zerbrochen und Einsamkeit Minas Begleiterin.
Scherben eines Lebens.

Posttraumatisches Stresssyndrom war die Diagnose, die ein Truppenarzt nach dem letzten Einsatz machte. Mina hatte als Einzige überlebt, als ihre Patrouille in einen Hinterhalt geriet. Berge von Leichen umgaben sie, als man sie fand. Ein dunkler Todesengel. Nie hatten die Retter solche Augen gesehen. Man brachte sie in die Heimat zurück. Krank geschrieben auf unbestimmte Zeit. Therapien und Gespräche folgten. Aber in ihrem Kopf war Krieg.
Splitter einer Seele.

„Hey Alte, du gibst uns jetzt sofort dein Geld sonst steche ich dich ab!“
Die Worte des blonden Mädchens klangen rau, Unsicherheit lag in ihrem Blick.
Mina sah auf, sie war von drei Frauen umringt. Punks, Junkies. Sie lachte bitter. Keine Gefahr.
„Geht weg“, sagte sie leise. „Geht, solange ihr noch gehen könnt.“
Worte sind oft nicht einfach zu verstehen.

Die Blonde hörte nicht zu und Mina explodierte. Nie hatte man solche Augen gesehen.
Schreie, als die Finger des Mädchens knackend brachen. Ihre Begleiterinnen flohen entsetzt.
Das wimmernde Mädchen rührte an Minas Herz. Auch Todesengel können barmherzig sein.
„Wie heißt du?“, wollte Mina wissen. „Warum machst du das?“
„Saskia“, erwiderte die Blonde leise. „Ich … ich habe Hunger gehabt.“
Die Leere in dir.

Mina brachte Saskia selbst ins Krankenhaus.
„Es hat einen Unfall gegeben“, sagte sie dem Arzt. „Ich übernehme alle Kosten.“
Nach einer Stunde war Saskia versorgt. Zwei glatt gebrochene Finger, die gut verheilen würden.
„Wieso helfen Sie mir?“, wollte Saskia wissen. „Und wer sind Sie überhaupt?“
Mina blieb die Antwort vorerst schuldig. Aber sie nahm Saskia mit zu sich nach Haus. Das Mädchen hatte keine Unterkunft.
Wann wird man Frauen je verstehen.

Saskia hatte Schmerzen, aber die Finger waren geschient. Einige Wochen Gips und alles war gut.
„Ich war wie du“, sagte Mina leise. „Wild, zornig. Das hat mich zur Armee gebracht. Geh nicht meinen Weg. Gewalt macht einsam. Und Krieg ist niemals gut.“
Mina ließ Saskia duschen und gab ihr frische Kleider anzuziehen.
„Die gehörten meiner Frau“, sagte sie, als Saskia fragte. „Aber die wohnt nicht mehr hier. Der Krieg hat uns getrennt.“
Minas Stimme zitterte bei diesen Worten.
Deine Wahrheit, meine Wahrheit.

Saskia war ein einfaches Mädchen, das einfache Bedürfnisse hatte. Kein Schulabschluss. Leben war heute, wen kümmert schon der nächste Tag.
Aber dumm ist anders, dumm war Saskia nicht. Nur einsam mit viel zu großem Hunger auf ein besseres Leben.
„Ich nehme was ich brauche!“, war ihr Motto.
Mina nickte, als sie es ihr gestand.
„Wenn du diesen Weg gehst musst du entweder besser als alle anderen sein, oder viel Glück haben“, sagte Mina. „Aber zum Glück hast du mich getroffen. Ich werde dir nichts tun.“
Wege entstehen, wenn man sie geht.

Vertrauen ist ein Wort, das manche Menschen niemals kennen. Aber von diesem Tag an wuchs es bei Saskia zögerlich.
Sie blieb und wusste selbst nicht warum. Eine Wildkatze im Tigerkäfig.
Die Krallen beider Frauen blieben ohne Folgen füreinander. Im Gegenteil taten sie sich einfach gut. Saskia erkannte Minas Stärke an und suchte ihre Nähe. Zuerst als große Schwester und voller Unschuld im gleichen Bett. Minas Seele heilte ebenso, wie Saskias Finger. Eine Freundschaft der besonderen Art entstand.
Männer hatten Saskia nie sehr viel gegeben. Drei, vier Stöße und sie war wieder allein.
Aber Minas Wärme blieb.

„Ich war mit einer wunderbaren Frau zusammen“, erzählte Mina eines Tages. „Sie hat sich getrennt, als sie die Einsamkeit befiel. Viele tausend Meilen haben die Liebe zerstört.“
„Du bist also eine Lesbe“, stellte Saskia fest. „Finde ich okay, ist doch nichts dabei.“
Mina lächelte umd strich Saskia einige Haare aus dem Gesicht.
„Bist du dir sicher?“, fragte sie. „Dein Leben ist so schon hart genug … Und wie du weißt bin ich halb verrückt.“
Für Saskia schien ihr altes Leben nun zu enden. Liebesglück im Sommer. Möge er niemals vergehen.

Mit dem Herbst kehrte die Trauer in Minas Seele zurück.
Saskia wich keine Minute von ihrer Seite. Sie kümmerte sich, wie nie ein Mensch zuvor.
Liebe geht oft seltsame Wege. Und manche führen auf die Schule zurück.
Mina brachte ihre Freundin selbst. Danach verschwand sie aus ihrem Leben.
Der Krieg fordert immer seinen Preis.

Mina kämpfte. Gegen sich und die Dämonen ihrer Seele. Und Saskia wieder mit Algebra und Geometrie. Zeit und Entfernung ließen die Liebe fast verblassen. Am Abschlusstag stand Saskia allein. Mit starrem Blick nahm sie die Urkunde in Empfang. Niemand sollte die Trauer ihrer Seele sehen. Ein Schatten, eine hochgewachsene Gestalt. Eine Frau in Uniform bahnte sich einen Weg durch die Menge.
„Oberleutnant Mina Stolte zur Stelle“, sagte sie leise. „Herzlichen Glückwunsch, meine Süße.“
Im Fluss der Tränen.

Mina lächelte, wie sie es immer tat. Und es war keine Lüge mehr. Ein großes „Hallo, schön Sie zu sehen“, begrüßte die Geheilte bei der Truppe.
Die Uniform stand ihr gut, sie war Frau Oberleutnant. Ausgebildet an der Waffe und auch Technikerin in Uniform. 1 Jahr lang war sie im Seelenkrieg gewesen und hatte sich tapfer gegen die Dämonen verteidigt.
„Das ist meine Frau“, stellte sie Saskia vor. „Wir haben gestern geheiratet. Und ich bin nicht mehr im Krieg. Nie wieder.“
„Das stimmt so aber nicht“, flüsterte ihr Saskia frech ins Ohr. „Ich lasse mich gern von dir gefangen nehmen.“
Und das hat Mina auch gemacht.

Wie teuer ist der Tod, was kostet ein Menschenleben?

Krieg, Gewalt ist immer eine denkbar schlechte Sache. Und wer Religion auf seine Fahne schreibt, ist mir suspekt. Kein Gott will den Tod von Menschen. Wer im Namen eines Gottes tötet lügt. Es geht um eigene Interessen. Religion dient dabei nur zum Zweck. Aber die Hintermänner solcher Kriege sind clever, sie benutzen Fanatiker für ihr Ziel.

„Wie teuer ist der Tod, was kostet ein Menschenleben?“ Diese Frage stellt sich zur Zeit der Welt, während die IS-Miliz im Irak und Syrien Massaker anrichtet. Clevere Menschen haben auch schon eine Antwort bereit. „Der Tod“, so heißt es, „habe bisher 876 Millionen Euro gekostet.“ Aber nur auf der Seite der Amerikaner, die ihr Waffenarsenal auf die Terroristen abgefeuert haben.

Was sie dabei getroffen haben weiß man nicht. Die (angeblichen) Radarbilder zeigen Einschläge von Raketen, die auch per Computer simuliert werden können. Bodentruppen einzusetzen schließen die USA und Europa bisher aus. Klar, die Verluste an Menschenleben wären unüberschaubar. Lieber lässt man Kurden sterben. Ein paar Bomben und die Welt schaut zu.

Nur zögerlich beteiligt sich die Arabische Liga am Kampf gegen die IS-Miliz. Klar, will man doch vermeintliche Brüder nicht von Ungläubigen töten lassen. Aber angesichts der Gräueltaten scheint man langsam umzudenken. Gewissenlose Mörder sind die meisten Araber nicht. Das ist den Terror-Milizen vorbehalten, die mit Öl-Geld und westlichem Know How ausgebildet worden sind.

Die neuen, alten „Kalten Krieger“ stehen sich lieber in der Ukraine gegenüber und führen dort einen Stellvertreterkrieg. Aber natürlich ist das nur eine Theorie. Wie kann es sein, dass eine kleine Japanerin Fakten nennt. Von Black Ops, Söldnern und russischen Soldaten. Alles gelogen, ist doch klar.

Präsident Obama steckt gewaltig in der Klemme. Die Hardliner, die Militaristen, vor allem aber der drohende Staatsbankrott der USA, zwingen ihn in einen neuen Krieg. Aber was heißt hier neu? „Wir haben einen neuen Krieg gestartet da wir den alten nicht zu Ende geführt haben“, hat ein Amerikaner gesagt. Auch kleine Japanerinnen haben ihre Quellen.

Der von einem Großreich Türkei träumende türkische Staatspräsident Erdogan blickt mit Sorge zu den von der IS-Miliz bedrohten Kurden. Nicht etwa weil er Angst um die Menschen hat. Für Erdogan gibt es keinen Unterschied zwischen der PKK und dem IS. „Beides sei das Gleiche“, hat er gesagt. Gut bewaffnete Kurden sind ihm suspekt.

Aber die IS-Miliz ist noch viel besser ausgerüstet. Mit Panzern und schweren Geschützen rückt sie auf die Stadt Kobane zu. Fällt die, stehen die Terroristen an der Grenze zur Türkei. Und ob die türkische Armee wirklich in der Lage wäre sie zu stoppen, das kann getrost bezweifelt werden. Dann droht der Region ein Flächenbrand.

„Wie teuer ist der Tod, was kostet ein Menschenleben?“ Vielleicht sollte man die Frage anders stellen: „Was ist ein Menschenleben wert?“ Nichts, wenn man sich die Reaktion der Welt anschaut. Man schaut zu, wie in Ex-Jugoslawien, oder Afrika. Auch dort waren und sind Menschenleben nicht viel wert, wenn es keine Rohstoffe (Erdöl!) gibt.