Das ist Aikido!

Das Interesse an fernöstlichen Kampfkünsten ist ungebrochen. Leider liegt im Westen der Fokus zu stark auf dem körperlichen Aspekt. Hier gilt noch immer viel zu oft „Nur mit Kraft kommt man weiter.“ Und das ist nur selten richtig. Zum Glück gibt es In der Welt der Kampfkunst einen Stil, der die These der Kraft ad absurdum führt, das Aikidō.

Aikidō ist eine betont defensive moderne japanische Kampfkunst. Sie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von Ueshiba Morihei als Synthese unterschiedlicher Budō-Disziplinen entwickelt, insbesondere aus dem Daitō-Ryū Aiki-Jūjutsu. (Quelle Wikipedia)

Aikidō enthält neben waffenlosen Techniken auch den Umgang mit dem Langstock und dem japanischen Schwert, wodurch seine Wurzeln deutlich werden. Die zusammengenommene Bedeutung von Aikidō ist rückwärts gelesen „Der Weg durch Lebenskraft zur Harmonie.“ Und das passt wie ich finde wirklich gut.

Leider hat Aikidō keinen guten Ruf. Viele moderne Kampfsportler lehnen es als eine Art graziöser Gymnastik ab. Traditionelle Kampfkünstler wissen das besser. In den traditionellen Kampfkünsten schaltet man Gegner schnell und effektiv aus. Aber wie ist das im Aikidō?

„Funktioniert nicht“, höre ich oft. „Das ist jenseits aller Praxis!“ Und dann steht mir Mann dümmlich grinsend gegenüber und klopft nur Sekunden später ab, wenn ich seine Knochen verbiege. Na mein Junge, tut der Arm noch weh?

Amerikaner und Europäer vergessen gern die lange Entwicklung der alten Budoarten. Sie wollen klüger sein, als die Erfahrung aus vielen hundert Jahren. Vielleicht geht es auch ums schnelle Geld, wenn sie nun eine Art „Power Aikidō“ lehren und das als total effektiv anpreisen.

Aikidō kann auch den geschicktesten Gegner neutralisieren. Was natürlich auch und besonders für (mein) Daitō-Ryū Aiki-Jūjutsu gilt. Und das hat man durchaus bei echten Kämpfen benutzt. Aikidō im Unterschied bleibt stets defensiv und ist reine Selbstverteidigung.

Wo liegt nun der Fehler, woher stammt das Vorurteil vom untauglichen Aikidō? Aikidōka haben gleich zwei, aber essentielle Probleme. Im Training kämpft man einfach nicht. Es gibt lediglich Partnerübungen und der Partner wird immer als Freund gesehen.

Aber was wenn der nicht mitspielen will? Dann funktioniert die Technik nicht. Und schon höre ich das Lachen der BesserwisserInnen. „Das haben wir doch schon immer gewusst!“ Falsch, liebe LeserInnen. Der Fehler steckt im Detail.

Wenn ein trainierter Aikidōka einem anderen widersteht, so liegt das am eigenen Geschick. Beide blockieren sich also selbst mit ihrem Können. Der zweite Kritikpunkt „Du machst ja was ich will!“, richtet sich an die mühelosen Hebel und Würfe, durch die der Partner zu Boden geht.

Natürlich macht er das. Er will sich nicht verletzen und zeigt dabei doch, was im Aikidō möglich ist. Ein unvorbereiteter Angreifer wird natürlich auch vermeiden wollen, dass ihm Arm oder Finger gebrochen werden. Also fügt er sich und geht zu Boden. Widersteht er, wird es übelst knacken.

Daitō-Ryū Aiki-Jūjutsu, die Urform des Aikidō, geht aber noch einen Schritt weiter. Ein möglicher Gegner wird durchaus unsanft zu Boden gebracht und erhält dort noch den finalen Schlag. So haben Samurai gekämpft, wenn sie kein Schwert mehr hatten. Und die Shinobi (Ninja) sowieso.

Aikidō funktioniert. Andernfalls wären seine Techniken schon lange in Vergessenheit geraten. Aikidō funktioniert auch und besonders für Frauen, die körperlich schwächer als Männer sind. Das Hauptproblem dabei: Aikidōka haben nie gelernt Schmerzen zu ertragen.

Wird eine Frau am Kopf getroffen dreht sie sich oft um und weint. So geschehen bei der Deutschen Taekwon-Do Meisteschaft vor einigen Jahren. Das ist der Grund warum ich  meine SchülerInnen im Daitō-Ryū Aiki-Jūjutsu miteinander sparren lasse.

Aber selbst reine Aikidōka können Sieger bei einer Auseinandersetzung sein. Ihre Reflexe werden ihnen helfen, sie werden instinktiv richtig handeln. An jeweils zwei Beispielen möchte ich Aikidō und das von mir praktizierte Daitō-Ryū Aiki-Jūjutsu zeigen. Die Unterschiede mögen für Laien kaum erkennbar sein. Aber glaubt mir bitte, sie sind absolut vorhanden.

Noch ein letztes Wort zu Aikidō und Daitō-Ryū Aiki-Jūjutsu. Beide sind keine Gewalt- oder Kampfsportarten sondern klare Selbstverteidigung und im Notfall äußerst effektiv.

Hier ein Video vom Deutschen Aikido-Bund e.V.:

Video 2 ist mir sympathischer:

Daitō-Ryū Aiki-Jūjutsu Videos zu finden ist leicht. Leider sind einige davon sehr lang und oft auf japanisch. Daher zwei Beispiele, die selbsterklärend sind:

Die Effektivität von Daitō-Ryū Aiki-Jūjutsu wird in diesem Video besonders deutlich:

Die Bankrotterklärung der deutschen Diskussionskultur

„Den deutschen Debatten fehlt es generell an Toleranz“, hat der der Historiker Heinrich August Winkler gesagt. Statt sich auf intellektueller Ebene sachlich auszutauschen, wird der Deutsche oft persönlich, wie das folgende Beispiel zeigen soll.

Im Plenarsaal eines fiktiven Landtages, hält ein stark übergewichtiger Mann eine Rede. Er ist von der Opposition, die natürlich an die Regierung will. Die unvorteilhafte Kleidung des Mannes sticht sofort ins Auge. Er hat schüttere Haare, schwitzt sehr stark und die Hornbrille lässt ihn unsympathisch wirken.

Niemand mag ihn, aber gut reden kann er. Seine Thesen passen und er punktet bei den WählerInnen. Medien und Regierung stehen dem zunächst hilflos gegenüber, bis einer eine brillante Idee zu haben scheint. „Wir machen die fette Sau lächerlich!“

Und schon beginnt eine Hetzkampagne, die in offenen und verstecken Angriffen gipfelt. Journalisten machen sich lustig, zerpflücken Versprecher und werten diesen Politiker menschlich ganz bewusst ab. Wo immer er auftaucht gibt es Pfiffe und selbst ein faules Ei findet seinen Weg.

Soweit die Geschichte, die zum Teil auf wahren Begebenheiten beruht und kein gutes Licht auf das angeblich so debattierfreundliche Deutschland wirft. Dabei darf jeder in diesem Land (s)eine Meinung haben und diese auch frei äußern. Sachlich und ohne Polemik versteht sich, was auch für Kritiker gilt.

Und die finden sich immer, wenn zu einem Thema Stellung bezogen wird. So sind Feministinnen meist total entrüstet, wenn Mann ihrer Meinung nach sexistische Sprüche über Frauen macht. Leider reagieren sie oft emotional bei ihrer durchaus berechtigten Kritik, was diese abschwächt oder unglaubwürdig macht.

Die Meinung anderer und damit vielleicht eine Diskussion, ein Thema unglaubwürdig zu machen, ist ein beliebtes Stilmittel von Kritikern selbst. Durch absichtliche Provokationen, wird der Fokus auf Nebensächlichkeiten gesetzt oder (gezielt) am eigentlichen Thema vorbei diskutiert.

Welchen (schlechten) Einfluss Kritiken und Kommentare auf die Qualität eines durchaus sachlich verfassten, aber in der breiten Öffentlichkeit als kritisch angesehen Themas – in diesem Fall Marihuana – nehmen können, haben Kommunikationsforscher der Universität Hohenheim untersucht. [KLICK]

Das zweite Beispiel zeigt den Kommentar zu einem Autotest. Ein Leser argumentierte, dass Sportwagen völlig dekadent und wegen des hohen Benzinverbrauchs nicht mehr zeitgemäß seien. Schon gab es heiße Debatten über Ressourcen und Klimaschutz. Über das neue Auto sprach keiner mehr.

Gern wird auf ein Thema auch mit „Ja, aber …“, geantwortet. Scheinbare Zustimmung, um dann so richtig loszulegen. Worte prasseln wie Geschosse, es regnet buchstäbliche Kanonenkugeln, aber kein sachliches Argument.

Voltaires Aussage „Ich hasse, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür geben, dass du es sagen darfst“, ist in Deutschland schon lange in Vergessenheit geraten. Hier gilt: „Ich hasse, was du sagst, und ich werde Mittel und Wege finden, dich von künftigen Diskussionen auszuschließen!“

Dieser Satz zeigt dabei klar, die Bankrotterklärung der deutschen Diskussionskultur. Nüchtern betrachtet regiert bei diesem Satz kein Verstand. Oft hat blinde Wut die Kontrolle übernommen, was im Extremfall zu handfesten Auseinandersetzungen führen kann.

Nun sollte man annehmen, dass eine gute Diskussionskultur auch mit der Bildung steigt. Aber leider wird gutes diskutieren an keiner Universität gelehrt. Zwar darf und soll man dort miteinander reden, für Studenten ist es wichtig, (fast) alles zu hinterfragen, nur das „wie“ haben sie nie erlernt.

Wer Argumente benutzt, der sollte auch die Unterschiede kennen. Es gibt zwei Arten davon, die sich unterscheiden. Grundsätzlich können Argumente unterschiedliche Komponenten besitzen, die informationelle oder wertende Komponente.

Eine Information ist entweder richtig oder falsch und sollte stets klar bewiesen werden können. Fakten sprechen immer für sich. In beiden Fällen gilt es auf persönliche Angriffe zu verzichten. Kein Mensch ist weniger wert, wenn er eine andere Meinung vertritt.

Dem gegenüber stehen die wertenden Argumentaspekte, die moralischer, ethischer oder weltanschaulicher Art sein können. Diese Art von Argumenten stellen moralische Positionen oder persönliche Werte dar, die lediglich offen gelegt werden können. Zu beweisen oder widerlegen sind sie nicht.

Gute Diskussionen zeichnen sich durch ein hohes Maß an Sachlichkeit ab. Die Redner vermeiden übertriebene Emotionen. „Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, die Ringelsockenpartei hält die Besteuerung von Karosocken für falsch, da … an dieser Stelle sollten echte Argumente stehen“, kommt besser an, als der Satz „Das ist ja mal wieder typisch für diese abgehalfterte Regierung! Einmal mehr zeigen Sie fachliche Inkompetenz … etc.“

Wesentlich krasser und persönlicher, wird im Internet gestritten. Tiernamen haben dort Hochkonjunktur. Zum Teil hagelt es aber auch subtile Beleidigungen, die auf den ersten Blick kaum zu erkennen sind. Die Intention dahinter ist stets fraglich. Sie reicht von Persönlichkeitsstörungen bis hin zu nie gelernter Diskussionskultur. Dazwischen liegen noch (bezahlte) Kritiker, die kontroverse Themen im Auftrag zerschreiben.

Schaut man zurück in der Geschichte, war das Selbstzerfleischen schon ein germanisches Problem. Statt miteinander gegen gemeinsame Feinde Front zu machen, haben die alten Recken sich gegenseitig umgebracht. Die Römer fanden das gut, das Ergebnis ist bekannt.

Bei Diskussionen ist es wichtig niemals auf Provokationen einzugehen. Wer nur attackieren will, egal ob offen oder versteckt, stellt sich selbst ins Abseits. Und das gibt im Fußball einen Pfiff. Freistoß für die Gegenseite. Und dann fällt vielleicht ein (Eigen)Tor.

Dagegen gibt es im Kampfsport immer mehrere Möglichkeiten einer Reaktion. Den Gegner immer wieder sanft ins Leere laufen zu lassen, ist nur eine davon. Sehr schnell gibt der dann auf. Punkt, Satz und Sieg, wer braucht schon einen Krieg.

„Das ist doch völlig absurd und lächerlich!“, ist der vermutlich meist benutzte, erste Satz bei emotional geführten Debatten, gefolgt von  „Sie haben doch überhaupt keine Ahnung wovon Sie reden!“ Beide Sätze sind stark wertend und lassen die nötige Sachlichkeit vermissen.

Ein Kernphysiker, der bei einer Debatte einen Laien mit den brüsken Worten abstrafte „Halten Sie doch Ihren Mund! Sie haben keine Ahnung davon!“, sollte sein Verhalten zwingend überdenken. Auch ein Laie ist vielleicht Vater von Kindern und macht sich Sorgen um mögliche Strahlenbelastung.

Vielleicht hatte der Mann eine gute Note in Physik oder einfach nur eine blendende Idee, die dem Fachmann entgangen ist. Merke: Persönlich werden, andere mundtot machen ist daneben. Reden wir fair miteinander, das ist wahres Leben.

Danke ist (k)ein großes Wort

Als Kinder lernen wir das Leben kennen. Die Eltern sind unsere Helden, die Vorbilder, Lebensbegleiter. Sie unterrichten uns mit Geduld, Liebe und Verstand. Als Kind lernen wir uns zu benehmen und auch die Worte „bitte“ und „danke“ zu sagen. Und Höflichkeit ist gut.

Erwachsene haben aber häufig ein Problem damit diese Worte sinnvoll zu nutzen. Vielleicht wollen sie nicht betteln, oder sehen Dank als selbstverständlich an. Kinder sind auf ihre Eltern, auf Erwachsene angewiesen. Und bedanken sich meist lieb. Erwachsene können viele Dinge selbst erledigen und ihr Ego wächst. Bei so manchem Menschen wird es so groß, dass er das einfache bedanken vergisst.

Wenn ich Blogs lese fallen mir häufig Kommentare auf, die vom Blogersteller gemacht worden sind. Selbst ein Lob wird oft abgetan und dem Kommentierenden die eigene Meinung aufgepresst. Bewusst oder unbewusst, das mag ich nicht bewerten. Daneben ist es schon.

Klar, wenn ich als ThemenerstellerIn etwas besser weiß, so werde ich das kommunizieren. Aber ich für mein Teil bedanke mich auch gern, wenn ich nette Worte lese. In meinem Bekanntenkreis gelte ich oft als oberlehrerhaft, wenn ich Dinge umfassend erkläre. Das ist nur eine liebenswerte Stichelei unter Freundinnen. Wirklich bevormunden mag ich nicht.

Blogger fühlen sich oft von Worten angegriffen, wenn sie die Intention nicht verstehen. Und Worte sind nie einfach, das habe ich schon vor vielen Jahren erkannt. Aber im Gegensatz zu anderen nehme ich ein Lob gern an. Warum sollte ich alles als Angriff werten, oder den Sinn von Worten korrigieren.

Vermutlich haben viele Menschen heute verlent, wie einfach das Wort „Danke“ auszusprechen ist. Vielleicht sind sie einfach zu abgehoben und strotzen vor Arroganz. Selbstgefällig wird auf „die anderen“ geschaut, die den Blog sowieso kaum verstehen. Und eigentlich sind sie auch zu gut für diese Welt und warten auf die Entdeckung als …

Diese Spezies tummelt sich oft in (Literatur)Foren und gibt altkluge Kommentare ab. Kaum dem Anfängerkus „Kreatives Schreiben für Selbstgefällige“ entwachsen, mutieren sie zu LektorInnen. Sofort wird nun alles mit Kritikerauge gelesen und entsprechend diffamiert. Aber Schweigen wäre manchmal die bessere Wahl.

Bei Bloggern mag auch eine gewisse Gedankenlosigkeit eine Rolle spielen. Die Anonymität des Netzes macht es möglich. Sie vergessen, dass sie mit einem einfachen „Danke“, einen anderen Menschen glücklich machen. Danke fürs lesen.