Im Zeichen der Fünf

Die Autorin Enid Blyton hat einst über die „Fünf Freunde“ geschrieben. Die Bücher sind weltbekannt. Nun schreibe ich keine Bücher, aber mit „Fünf Freunden“ bin ich schon seit einigen Wochen in einer besonderen Mission unterwegs. Quasi als Agentin im „Zeichen der Fünf.“ Yuki ist wie immer meine Komplizin. Klar, ohne Elfe fehlt mir was. Aber Heimlichkeit ist niemals gut, unsere Mission ist hochoffiziell. Und natürlich Rot! Das ist nun mal meine Farbe. Wieso greift Yuki jetzt zum Lippenstift und spitzt den Mund?
Rote Lippen soll man küssen.

Kurze Pause, gleich geht’s weiter. Ich habe mal eben an meiner Elfe genascht.
Dabei fing alles mit einem Abschied an. Aufmerksame Leser werden sich vielleicht erinnern.Wenn nicht bitte HIER KLICKEN.
Aber jedem Abschied wohnt ein neuer Anfang inne. Und das hat nun nicht Hermann Hesse gesagt. Ein Mann ist trotzdem beteiligt. Sein Name: Wolf. Seine Funktion: Leitender Ingenieur. Ein Mensch, wie ich ihn mag.

Wolf hat ein Einsehen gehabt, wie ich bereits HIER erwähnte. Aber eigentlich war es auch an der Zeit, den Audi TT RS Roadster zu fahren.
Serie ist anders, unser Wagen hat über 400 PS. Und damit so viel, wie unser Q3. Nur fährt sich der Roadster anders.
Aber ist er mit seinen fünf Zylindern wirklich besser, als der Nissan 370Z mit deren sechs?
Diverse Tests bescheinigen dem Japaner ein behäbiges Fahrverhalten. Schwergängig soll die Schaltung sein und der Motor etwas schlapp.
Dumm nur, dass der Z damit noch immer die meisten (Sport)Wagen alt aussehen lässt.
Dumm auch, dass ein Z um viele tausend Euro preiswerter, als die Konkurrenz von Audi ist.
Von Porsche ganz zu schweigen.

Für den Mehrpreis eines Porsche kann man den Z zum Tuner bringen und spart dann noch immer richtig Geld. Mein Z hatte 410 PS. Kein Turbo mit Loch, hat ihm Leben eingehaucht. Es war das Heulen eines Drachen, auch liebevoll Kompressor genannt.
Der Vorteil liegt klar auf der Hand: Leistung sofort und über das ganze Drehzahlband.
Aber Turbobums ist anders. Leider auch die Haltbarkeit. Hohe Leistung fordert immer Tribut. Wieso hält Yuki nun das Bein in die Luft?
Ach so: schneller, höher, weiter!

Was nun macht den TT RS so schnell und angeblich besser?
Es ist eben jener Turbo, jener brutale Tritt ins Kreuz, der den Wagen brachial nach vorn marschieren lässt.
Ich mag Audi und das sage ich nun nicht, weil ich die Wagen teste. Aber der TT RS ist im Vergleich zum Nissan 370Z nur zweite Wahl für mich. Diverse Tester sehen das ganz anders. Da quetscht sich ein 1 Meter 95 Mann in den Japaner und spricht von wenig Platz.
Dümmlich nickend steht der wesentlich kleinere Kollege daneben. Wieder ein gefaketer Test. Yuki dagegen sitzt warm und weich auf meinem Schoß. Sie ist echt, das kann ich fühlen.

Der Audi-Roadster ist alles andere als Serie. Wolfs Leute haben ihn ziemlich umgebaut.
Zum direkten Vergleich bin ich auch einen Serien TT RS gefahren. Der hatte die gleichen Probleme. Und diese Probleme liegen beim Allrad verborgen, der mit dem Wagen nicht so recht harmonieren will. Im Klartext: der Wagen untersteuert stark. Und das kann problematisch werden. So, wie alle scharfen Kurven.
Nur Elfen kurven besser.

Mit untersteuernden Wagen kann ich und Yuki natürlich auch. Aber Frau und Herr Normalo nicht. Die schmeißen den Wagen vermutlich aus der Kurve. Der Nachteil eines umgebauten Frontantriebs. Der Nissan fährt sich besser. Knochentrocken, ehrlich, radikal.
Heckantrieb ist manchmal besser. Vor allem, wenn Frau ihn fahren kann.
Wieso zeigt Yuki mir nun ihr hübsches Hinterteil?
Frech zwicke ich sie in den Po. So komme ich nie zum bloggen. Es ist ein Kreuz mit dieser Frau!

Die 410 PS im getunten 370Z reichen locker aus, um dem Audi TT die Heckleuchten zu zeigen. Und von wegen abgeregelt bei 250 km/h, mein Wagen lief viel schneller. Der Kompressor-Umbau ist lediglich Stufe 1 des Tunings. Sozusagen die kleine Schwester davon. Stufe 2 ist Twinturbo-Power. Und damit sind es dann 535 PS.
Superlativen sind mein Ding. Kann mir noch jemand folgen?

Mein neuer Z wird genau diesen Umbau haben. Das ist auch der Grund warum ich so sehr leide. Lieferzeit und Tuning machen Frau zu schaffen. Und schon naht der Herbst, dieser windige Gesell! Regen, Sturm und fallende Blätter wollen mir den Tag vermiesen. Aber mich hält niemand auf! Und in Sachen Haltbarkeit wird auch der Motor des Nissans bestehen. Schlechte Autos bauen nur die anderen. Das sieht auch meine Elfe so und gibt mir einen Kuss. Alles nur wegen der Haltbarkeit lässt sie mich wissen.

Nun haben viele Tuner das Problem, zu hart und krass abgestimmte Wagen zu liefern. Wer bitte soll die fahren?
Ultraharte Fahrwerke lassen solche Sportler oft über die Piste hüpfen, oder bescheren dem Fahrer Probleme im Kreuz.Alltag nein danke heißt es in solchen Wagen! Lieber lasse ich meine Finger über Yukis Karosse gleiten.
Wir sind uns einig gewesen, dass Alltagstauglichkeit an erster Stelle steht.
Ja zum Turbo, aber Nein zu einem Rennsport-Tuning.
Wieso zieht Yuki nun die Augenbrauen nach?

Damit keine Fragen aufkommen und sich auch der Neid in Grenzen hält: der Z wird als Firmenwagen laufen.
Dreifach gesponsort, mehr muss niemand wissen. Alles legal und ich spare mir mein Geld.
Das investiere ich dann in unsere fünf noch ungeborenen Kinder. Damit es auch (über)morgen noch „Im Zeichen der Fünf“ heißen wird. Weniger geht nicht, aber immer mehr. Aber das habt ihr euch bestimmt alles schon gedacht.
Und meine Elfe ist auch ganz ohne jedes Tuning ein „ultraheißes Geschoss.“
Wieso wirft sie mir nun ein Kissen an den Kopf?

Legenden sterben nie

Es gibt Legenden, die niemals sterben. Und Legenden, die erst noch geboren werden müssen. Und ich spreche nicht von meiner ungeborenen Tochter. Dass die großartig wird steht außer Frage. Mit mir als Mutter kein Problem. Ich spreche von einem Auto. Genauer einem SUV. Noch genauer dem neuen Porsche Macan, den wir nun schon eine Weile testen.

Bekanntlich ist der getunte RS Q3 vor einigen Wochen einen allzu frühen Tod gestorben. Wolf und das Team waren dem Fehler auf der Spur und haben ihn nun gefunden. Es lag nicht am Tuning, das war professionell. Ein simpler Materialfehler hat den Schaden ausgelöst. Und das kann immer passieren. C’est la vie.

Bisher durfte ich nicht über den Ersatzwagen schreiben. Das ist ab heute vorbei. Nur was genau Wolf damit angestellt hat, das wird ein Geheimnis bleiben. Ich sehe die Leser schon abwinken und das Gesicht verziehen. Ein Porsche SUV wird es heißen. Das ist doch auch nur ein Q5. Und genau da liegen die meisten Leute falsch.

Klar hat der Macan die Bodengruppe des Q5. Er stammt auch aus dem gleichen Großkonzern. Aber viele Feinheiten stammen von Porsche, das wird der geneigte Fahrer dann schon sehen. Baby-Cayenne wird er von Kritikern abschätzig genannt. Andere bezeichnen ihn liebevoll als Tiger. Yuki und ich mögen den Wagen. Auch, wenn er deutlich größer als der eher schnuckelige RS Q3 ist.

Aber wir sollen ihn nicht mögen sondern fahren. Und das haben wir täglich und ausiebig getan. Im Alltag und auf der Autobahn. Und die Messgeräte liefen mit. Das siebenstufige Porsche-Doppelkupplungsgetriebe ist eine Wucht! Selbst der Audi RS 6 kann das nicht wirklich besser. Nur, dass der in der „Wolf-Version“ schneller ist. Aber wer will schon rasen, wenn cruisen so viel besser ist?

Aber wir dürfen den Macan leider nicht länger behalten. Heute ist der Tag des Abschieds gekommem. Das liegt auch an dem reparierten RS Q3, den wir wieder unser eigen nennen dürfen. Zu Testzwecken versteht sich. Neidische Nachbarblicke inklusive. Aber jetzt muss ich gehen und an meiner Legende arbeiten. Schönes Wochenende ihr da draußen.

 

Die Rückkehr des (Erl)Königs – Teil 3

Wir sind zurück von den tollen Tagen. Und toll waren wir wirklich unterwegs. Nur nicht als Clowns, eher als Heldinnen.
Aber davon werde ich ein andermal berichten.

Es gilt Abschied zu nehmen vom Boliden. Diesmal wird es für immer sein.
Der Audi hat seinen Zweck erfüllt und kommt wieder in die Tuningschmiede. Andere Tester werden ihn jetzt fahren und neue Dinge ausprobieren.
Wir werden ihn nicht wiedersehen.
Aber der Nebenjob hat seine guten Seiten. Wir werden nie mehr ohne schnellen Wagen sein.
Der Toyota steht ab sofort bei meinen Schwiegereltern und ein Audi vor unserer Tür.

Yuki strahlt, als sie den Wagen sieht. Es ist ein roter SUV.
Audi RS Q3 steht auf dem Kühlergrill. Und das ist wieder mal gelogen.
Im Original hat der Wagen 310 PS. Dieser 150 mehr.
Wolf hat ihn uns gebracht.
„Unser neuestes Baby“, sagt er stolz. „Fünf Zylinder, Allrad, 7-Gang Automatik, modifizierter Motor. Und nicht abgeregelt!“
Er grinst bei diesen Worten.
„Aber keine Dummheiten machen, das müsst ihr mir versprechen! Der Wagen ist locker für 280 km/h gut. Eher mehr.“

Wir versprechen es und drehen eine spontane Runde.
Der Wagen hat Kraft satt! Weniger, als der Bolide, aber deutlich mehr, als der meist bidere Rest auf Deutschlands Straßen.
Yuki fährt sicher, aber nimmt einen falschen Weg, was wir ziemlich schnell bereuen.
Die Polizeikontrolle ist schon von Weitem zu sehen. Und das sind keine Dilettanten.
Yuki stöhnt leise auf. „Was muss ich auch über die Theo fahren!“
Mit Theo ist die Theodor-Heuß-Straße in Stuttgart gemeint. Und dort kontrolliert die Polizei gern getunte Wagen.
Wir haben kein Glück an diesem Abend, ein Beamter in Uniform und Warnweste winkt uns heraus.
„Schönes Auto begrüßt er uns. Aber ich glaube damit stimmt was nicht. Papiere bitten und einmal aussteigen, die Damen. Wir schauen uns das genauer an.“

Wir bleiben gelassen und stellen uns neben den Wagen, während sich gleich drei Beamte auf den Audi stürzen.
Neben uns schwitzt ein junger Mann, die Angst steht ihm im Gesicht.
Sein Golf weist erhebliche Mängel auf, er hat so gut wie nichts eingetragen.
Plötzlich röhrt ein Audi heran, der Bolide kommt angeflogen.
Wolf springt aus dem Wagen und geht auf die Beamten zu.
„Darf ich fragen, wo das Problem ist, meine Herren?“, fragt er höflich aber bestimmt. „Meine beiden Mitarbeiterinnen haben einen Termin im Werk. Und an dem SUV ist alle okay.“

„An dem Wagen sind Veränderungen vorgenommen worden“, erklärt der leitende Beamte eisig. „Sie sind der Chef, der beiden Damen? Und was ist das, ist der RS 6 da auch getunt?“
„Das ist unser Job“, erwidert Wolf lächelnd. „Wir sorgen dafür, dass die Serie sicher wird. Und ja, ich bin der leitende Ingenieur des Teams. Gibts nun etwa ein Problem?“
Der Disput geht hin und her. Der Polizist ereifert sich und Wolf bleibt cool und absolut gelassen.
Neben uns bricht für den Schwitzenden die Welt zusammenm, als ein Abschleppwagen kommt und seinen Golf auflädt. So hat er den Abend kaum verplant.
„Viel Glück euch“, murmelt er und greift zum Handy, mit dem er sich ein Taxi ruft.
Lustig ist anders.

„Wir sind keine Hobbyschrauber“, höre ich Wolf mit lauter Stimme sagen. „Was wir machen hat Hand und Fuß und ist vor allem eingetragen. Und diese Reifen-Felgenkombi ist für den Audi zugelassen!“
„Ist sie nicht!“, widerspricht der Polizist.“ „Genau die fehlt in meiner Liste!“
„Ihre Liste ist mir Scheißegal“, erklärt ihm Wolf nun doch leicht ungehalten. „Der TÜV gab seinen Segen, also kein Problem. Und wenn eure Daten nicht stimmen, so ist das nicht mein Problem.“
„Das gibt Ärger“, sage ich auf japanisch und Yuki nickt. „Vielleicht rufst du besser deinen Vater an.“

Die Sache eskaliert, die Polizei ist kurz davor den SUV aus dem Verkehr zu ziehen.
Yukis Vater rettet.
Sehr höflich, aber sehr bestimmt, präsentiert er weitere Papiere.
Die Polizei kommt bei ihm nicht zu Wort, mein Schwiegerpapa kennt sein Metier.
Kleinlaut geben die Beamten nach und stoppen einen Ford.
„Die Rennsemmel!“, entfährt es Yuki.
Erinnert sich noch wer an Dennis?

Nicht ohne etwas Schadenfreude sehen wir zu, wie der nicht sehr große Fahrer noch mehr schrumpft.
Fast habe ich Mitleid mit ihm.
Wolf unterhält sich mit Yukis Vater. Beide wirken unaufgeregt.
„Meidet die Theo bitte“, sagt Wolf. „Ich hatte es euch noch sagen wollen, aber ich kam zu spät.“
„Woher wusstest du eigentlich wo wir sind?“, frage ich.
Wolf grinst und deutet auf sein Handy. „GPS-Ortung“, verkündet er nicht ohne Stolz. „Die Wagen müssen das haben. Gegen Diebstahl. Das ist Pflicht.“
„Wo wollt ihr hin?“, will mein Schwiegerpapa wissen. „Es gibt gleich Abendessen. Ihr kommt doch mit?“
Das ist keine Bitte, aber diesem Mann nehme ich nichts krumm.
Familie ist wichtig.

Ein allerletzter Blick auf den Boliden.
Wolf sieht es und kommt auf mich zu.
„Ich kann dich verstehen“, sagt er mir. „Der Wagen ist Wahnsinn pur. „Aber der RS 3 auch nicht von schlechten Eltern. Und immerhin dürft ihr den eine ganze Weile behalten.“
Wir fahren durch den Abend, die Stadt bleibt schnell zurück.
„Der König ist tot, es lebe der König“, sage ich. „Aus Sechs wird Drei, aber es bleibt bei den Vier.“
„Und du bist meine Nummer Eins“, meint Yuki und gibt mir einen Kuss.
Welche Frau braucht schon einen König, wenn sie eine Elfe hat!

Die Rückkehr des (Erl)Königs – Teil 1

Das Biest

Das Biest

Es ist Rosenmontag, Tag der Narren, freie Zeit. Für mich ist Arbeit angesagt und auch jede Menge Spaß. Ein neuer (Neben)Job, aber davon später mehr.
Yuki schläft noch, als ich in den Toyota steige. Eine Stunde später bin ich wieder da. Gut gelaunt und voller Tatendrang. Aber nicht allein.
Es gibt Frühstück, meine Elfe weiß Bescheid. Sie freut sich auf unser neues Abenteuer, auf einen schnellen Tag.

Der Bolide ist zurück!
Geduckt steht er vor unserer Tür. Rot und fast schon diabolisch lächelnd.
Ich darf endlich sagen, um welchen Wagen es sich handelt. Nur zu kaufen ist er nicht.
Vier Ringe der Macht zieren den Kühlergrill. Das „RS“ ist dabei Nebensache und gelogen ist es auch. Was vor mir steht ist ein Wolf im Schafspelz, ein schlafendes Ungetüm.

An diesem Audi RS 6 ist fast nichts mehr original.
Um Gewicht zu sparen, hat man Motorhaube, Kotflügel und Heckklappe aus Kunststoff verbaut. Im Dezember war er noch ein Prototyp. Ein erster Test. Nun ist der Wagen gereift, erwachsen geworden. Die Leistung des V8 ist nicht mehr nur durch einfache Manipulation des Steuergerätes verändert worden.
Unter der Haube werkeln nun auch verstärkte Kolben, ein neuer Bi-Turbo und andere Leckereien. Stichwort Downpipe mit Edelstahlkatalaysatoren. Aber wer kennt das schon.
Satte 750 PS bringt der Wagen auf die Straße. Und das ist schon ziemlich verrückt.
Und nein, es ist kein „Roter Abt.“

Straßenjet hat den Boliden ein deutsches Revolverblatt genannt. Und das ist nicht gelogen.
Schon der normale RS 6 ist der König der Kombis. Und auf Augenhöhe mit dem Porsche 911.
In unserer Version nichts weiter als ein aboluter Überflieger.
Tuning per Excellence, Feinschliff für eine mögliche (Klein)Serie.
Der Erlkönig ruft.

Erstmalig bekomme ich Geld fürs Fahren, ein familiärer Deal.
Wir können es gut gebrauchen, das Stdentenleben ist teuer.
Die Autobahn zu nutzen ist tabu. Ich darf sie lediglich zur Anreise auf eine stillgelegte Landebahn befahren. Und nur nicht auffallen, hat man mir eingeschärft. Keine auffälligen Überholmanöver, kein Wettrennen mehr.
In Sportschuhen, Cargohosen und Sweatshirts steigen wir in den Wagen. Elegant ist anders. Heute sind wir leger.
Yuki hat natürlich gepackt und vorgesorgt.
„Alles dabei“, sagt sie und stopft mir Schokolade in den Mund.
Wisst ihr jetzt warum sie mich „Dicke“ nennt?

Die Bestie erwacht und zaubert ein Lächeln auf mein Gesicht. Selbst der Golf R klang nicht so schön. Der V8 ist Musik in meinen Ohren, ich bin in meinem Element.
Der Postbote dreht sich nach dem Wagen um. Fassungslos starrt er uns an.
Der Audi zischt an ihm vorbei. Noch träge und unausgeschlafen. Wach sein ist anders.
Auf der Autobahn bin ich ungewohnt brav unterwegs. Mittel- und Oberklassewagen ziehen locker an uns vorbei.
„Schnecke“, hänselt mich Yuki.
Wie sie das wohl meint?

Ein tiefschwarzer Mercedes setzt sich hinter uns. Autobahnpolizei! Ich kann sie riechen.
Wie aufs Stichwort geht das Blaulicht des Wagens an. Ungewohnt im Innenraum, auf dem Amaturenbrett.
Der Wagen zieht vorbei und setzt sich vor uns. Der Beifahrer hält eine Kelle mit der Aufschrift „Polizei“ aus dem Fenster und lotst uns zum nächsten Rastplatz.

Yuki ist besorgt.
„Was wollen die von uns? Wir waren nicht zu schnell!“
„Keine Ahnung, Elfchen“, sage ich. „Aber wir werden es gleich sehen.“
Angst habe ich keine, was soll mir schon passieren?
Auf dem Rastplatz steigen die Beamten aus und kommen auf uns zu.
Einer ist schon älter, der väterliche Typ.
Sein Kollege ist deutlich jünger. Wache Augen mustern uns.
Ich stoppe den Motor und lasse die Scheibe nach unten gleiten. Meine Hände bleiben am Lenkrad und deutlich sichtbar.
Der Tatort lässt grüßen.
„Allgemeine Verkehrskontrolle“, sagt der ältere Beamte. „Ihre Papiere bitte.“

Ohne Hast reiche ich Führerschein und Fahrzeugschein aus dem Fenster und fühle die Blicke des jungen Beamten auf mir.
Unverhohlenes Interesse spricht aus diesen Augen, die Gier nach der exotischen Frau.
Das bin ich gewohnt. Neu ist anders.
Problemlos halte ich seinen Blicken stand und zwinge seine Augen nieder.
„Verloren, Herr Polizist“, denke ich und zeige ihm ein leichtes Lächeln.
Ich schätze ihn auf Ende Zwanzig. Generation Handy, gegeltes Haar.
Gefahr geht von ihm aus. Auf ihn muss ich besondes achten.

Der Vatertyp ist mittlerweile am Funkgerät und wird dort vermutlich einen Abgleich der Daten machen.
Nach einigen Minuten ist er zurück.
„Sie sind nicht die Besitzerin des Wagens, Frau Landar“, stellt der Beamte fest. „Darf ich fragen wohin Sie damit wollen?“
„Ich bin Testfahrerin“, antworte ich wahrheitsgemäß. „Wir sind auf dem Weg, um Leistungsdaten auszuwerten.“
„Aber nicht auf der Autobahn!“, blafft mich der junge Beamte an.
Er will noch etwas sagen, aber sein Kollege hebt mahnend die Hand.
„Im Handschuhfach liegen entsprechende Papiere“, fahre ich fort. „Möchten Sie die sehen?“

Synchronnicken der Beamten. Olympisch gäbe das die Goldmedaille.
Yuki reicht mir die Papiere, die ich dem Beamten gebe.
„Wir müssen die Angaben im Fahrzeugschein überprüfen“, erklärt er mir. „Reifengröße, Felgen usw.“
„Nur zu“, sage ich und grinse innerlich.
Zum Glück hat der Wagen jetzt Winterreifen. Ohne wollte man ihn nicht mehr auf die Straße lassen.
Wie schnüffelnde Hunde schleichen die Beamten um den RS 6. Fehlt nur noch, dass sie das Beinchen heben.
„Öffnen Sie bitte noch die Motorhaube“, fordert mich der Vatertyp auf. „Wir müssen auch dort nachsehen. Und steigen Sie bitte aus und stellen sich neben den Wagen.“
Mein Widerwille ist längst erwacht, aber ich kann mich gut beherrschen. Streit mit der Polizei führt zu nichts.

Mehr als zehn Minuten vergleichen die Beamten Daten, die sie von einem Netbook ziehen.
„An dem Wagen ist ja nicht mehr viel Serie“, stellt der Gegelte fest. „Sie können von Glück sagen, dass da alles eingetragen ist.“
„Ich teste ihn nur“, erwidere ich. „Und bringe ihn von A nach B.“
„Wie schnell ist der Wagen?“, fragt der Vatertyp wie beiläufig. Ein Trick, den ich sofort durchschaue.
Mein japanisches Lächeln verwirrt ihn.
„Um das herauszufinden sind wir zu dem Testgelände unterwegs“, sage ich. „Dort wird der Wagen auf Spezialreifen umgerüstet und die Geschwindigkeit gemessen.“
Der Gegelte giert Yuki an.
„Und wer sind Sie“, will er von ihr wissen. „Sind Sie auch Testfahrerin?“
Yukis Blick spricht Bände.
„Nein“, sagt sie leise. „Ich bin Frau Landars Ehefrau.“
Yuki, meine Heldin!

Die Beamten sind verblüfft, Schweigen breitet sich aus.
Der Vatertyp räuspert sich, er ist deutlich verlegen.
„Na ja, alles in Ordnung soweit“, brummelt er. „Aber lassen Sie sich bitte nicht zum Rasen verleiten. Ich weiß, dass solche Wagen gern dafür genommen werden.“
Er zögert kurz, während der Gegelte uns mit verächtlichen Blicken straft.
Wieder zwinge ich seine Augen nieder.
„Mein Sohn fährt einen Audi TT“, erzählt mir der Vatertyp stolz. „Aber der ist mit diesem Teil nicht zu vergleichen. Gute Fahrt und frohen Karneval.“
„Vielen Dank“, sage ich. „Haben auch Sie einen angenehmen Tag.“

Die Fahrt geht weiter. Diesmal ohne Vollgas, dafür mit Bedacht. Aber davon beim nächsten Mal mehr.