Zickenstreit und Motorpower

Streit liegt an diesem Wochenende in der Luft, die Blicke fliegen. Zwei Zicken starren sich an und nur eine wird gewinnen.
„Du hast sowas von keine Chance“, sage ich zu Yuki.
„おばはん“, wirft sie mir an den Kopf und strahlt mich dabei an.
Triumphierend hält sie mir den Autoschlüssel vor die Nase. Auch da steht Audi drauf.
Wolf hat ihn gebracht und Tests gefordert. Auf seine väterliche Weise. Er weiß, was sonst passiert.

Nun mag Yuki kleine Wagen. Dabei ist sie etwas größer als ich. Aber da ist sie typisch Frau.
Worte wie „süß“ und „schnuckelig“ kommen ihr leicht von den Lippen, wenn sie solche Autos sieht.
Der Audi A1 Quattro ist nicht wirklich klein. Aber groß ist anders. Und er hat richtig viel PS.
„400 plus“, hat Wolf gesagt und dabei nur gegrinst.
Und das liegt in der Klasse unseres Test RS Q3. Nur ist der kleine Audi leichter.

Natürlich ist der Wagen rot und hat einen ultracoolen Sound. Und eigentlich möchte ich ihn fahren, aber suche lieber Streit.
Spaßhalber versteht sich. Wir machen sowas gern.
„Wo haben Sie nur immer diese Autos her“, will die neugierige Nachbarin wissen und wünscht uns einen schönen Tag.
Manierlich langsam verlassen wir die Stadt.
Yuki drängelt und zieht auf der Autobahn an mir vorbei. Aber wir rasen nicht. Es ist nur Spaß.
Von den Leistungsdaten spricht alles für den getunten RS Q3. Fünf Zylinder gegen vier.
Und auch der Hubraum ist einen halben Liter größer. Leider auch die Hüften.

Wolfs Ingenieure haben wieder gezaubert. Und das haben sie gut gemacht.
Ein solcher Umbau kostet sehr viel Geld. Dafür kann man schon ein normales Auto kaufen.
Aber es wird auch Kunden für diesen Wagen geben. Schneller, höher, weiter. Understatement pur.
Auf einer abgesperrten Strecke geht es dann zur Sache.
Die Sonne lacht, als Yuki ihre Runden dreht. Und meine Elfe hat sichtlich Spaß.
Aber schnell ist anders, das kann sie einfach nicht.

Als Yuki Pause macht verlange ich den Schlüssel.
Im Normalfall fahren wir zusammen. Aber heute geht das Datentechnisch nicht.
Auf der Beifahrerseite prangen Testgeräte und der Sitz ist ausgebaut.
Der Motor des A1 steht wirklich gut im Futter. Schneller geht es kaum auf 100 km/h.
Aber die Elektronik hat auch ihre schlechten Seiten. Mir fehlt die letzte Ehrlichkeit.
In Schweden durfte ich damals Autos ohne Hilfssyteme fahren. Und das kam richtig gut.
Nur so lernst du fahren.

Meine Rundenzeiten sind leicht besser. Aber Yuki macht das nicht viel aus.
„Dafür bin ich im A1 trotzdem schneller, als du im RS Q3“, lässt sie mich wissen.
Top, die Wette gilt!
Wolf schnauft nur und gibt uns grünes Licht.
Was soll er auch gegen unser bezauberndes Lächeln sagen? Und zwei Töchter hat er selbst.
Lasset die Spiele beginnen.

Wie erwartet zieht mir der A1 beim Start davon.
Aber Gewicht ist nicht alles.
Die Stärke des Q3 ist der brutale Drehmoment. Und  seine fünf Zylinder.
Auch Yuki hat natürlich Fahrstunden genommen. Damals, als wir in Schweden waren.
Wir können driften und Autos um Kurven scheuchen, wo andere schon um Hilfe schreien.
Aber ich kann es etwas besser. Das ist nun mal so.

Yuki behält die Übersicht im Leben. Sie plant, ist fürsorglich und ein wahrer Schatz.
Und seit sie mich kennt, ist sie auch viel offener geworden. Aber noch immer weniger aggressiv.
Aggressiv im positiven Sinn und aufs normale Leben bezogen.
Aber ein „Frauchen“ ist sie nicht.
Und heute überrascht sie mich. Oder ist es doch der Wagen?
Meine Elfe fährt einen heißen Reifen. Und ich habe keine Chance.

Es trennen uns letztlich nur wenige Meter, aber Yuki kommt als Erste ins Ziel.
Sie strahlt, lacht und hüpft vor Freude. Und ich freue mich gleich mit.
Wolf schmunzelt, als wir uns in den Armen liegen.
„Du hast mich aber nicht etwa gewinnen lassen?“, will Yuki dann doch wissen.
Vehement schüttele ich den Kopf.
„Nein Elfchen“, erwidere ich ehrlich. „Du hast mich fair geschlagen. Aber verloren habe ich trotzdem nicht.“

„Ach?“, sagt Yuki schmunzelnd und ahnt offenbar schon was nun kommt.
„Ich habe dich“, sage ich leise. “ Und das ist schon der Hauptgewinn in diesem Leben. Da verliere ich ein Rennen gern. Von mir aus jeden Tag.“