Viel Rauch um Nichts

Sonntag, 19.Oktober 2014. Wir sind zu Gast bei Freunden. Die Glotze läuft, Polizeiruf 110 lädt nach Bayern ein. Und dass wir in Bayern sind wird schnell klar, die Leiche muss eine Lesbe sein. Soll hier eine Orientierung symbolisch zu Grabe getragen werden? Erste Kommentare der Mädels fallen und Yuki schüttelt nur den Kopf. Gewalt ist nicht ihr Ding.

Es gibt Filme, die niemals gedreht werden sollten und Regisseur Dominik Graf hat diesen Fehler gemacht. Zwar spritzt das Blut der Lesbe bis zur Decke, die Story dagegen bleibt blutleer und voller Klischees. Man(n), Drehbuchautor Günter Schütte, wollte zuviel. Und trotz 12 Minuten Kürzung, ist das nicht gelungen. Oder vielleicht deshalb?

Korrupte Politiker, dubiose Geschäfte und eine ermordete (Schein)Lesbe, die mit dem Politiker schläft. Dumm nur, Lesben schlafen nicht mit Männern. Nie und auf keinen Fall. Das machen sie nur in Bayern und um die Macht des Phallus zu ehren, die fleischgewordene, männliche Überlegenheit. Und damit alles seine Ordnung hat wird Frau erschlagen.

Dann gab es die mysteriöse lesbische Freundin, die natürlich auch noch ermordet wird. Bis dahin stiehlt sie dem Star des Films die Show und ist ihm immer einen Schritt voraus. Das ist allzu starker Tobak, wie so viele Dinge in diesem schrägen Werk.

Judith Bohle, als Freundin der Ermordeten, hat gut gespielt. Aber die Trauernde nehme ich ihr nicht ab. Kassiererin wollte sie sein? Sie wirkte wie die eigentliche Journalistin auf mich. Und genau das hätte wirklich Sinn gemacht. Nur kann nicht sein, was nicht sein darf. Lesben müssen nun mal sterben. Vor allem zur besten Sendezeit.

Nun mag ich durchaus Geschichten, die wenig alltäglich sind. Gern auch Verwicklungen und unverhoffte Wendungen. Aber in diesem Polizeiruf machte nichts Sinn. Die Superverschwörung in der bayrischen Provinz? Und welchen Ex-Politiker der Bösewicht als Vorbild hatte, war zumindest mir schnell klar. So viele Barone aus Bayern gibt es schließlich nicht.

Matthias Brandt, als Kommissar von Meuffels, kann nichts für den Mist, den Drehbuch und Regie verzapften. Er hauchte der klapprigen Story wenigstens etwas Leben ein. Und die war über alle Maßen dünn. Ob der Directors Cut das ändert wage ich noch zu bezweifeln. Vermutlich zeigen die 12 Minuten noch mehr Klischee-Sex und Gewalt gegen Frau.

Fazit: Wirre, surreal anmutende Story mit Klischees durchsetzt. Vielleicht hätten wir als Zuschauer den Notruf wählen und Regisseur und Drehbuchautor verhaften lassen sollen. Nur dann macht diese 110 noch Sinn. Alles andere bleibt Rauch um Nichts.