China Nights

China Nights

Der Humor meines Vaters ist weitaus schräger, als ich ihn auf diesem Blog wiedergeben kann. Nach dem Nagasaki-Zwischenspiel, hat er einige Tage später noch weitere Oldies ausgegraben. Aikos Reaktion war sich die Ohren zuzuhalten oder laut zu lachen. Bei dem Titel „China Nights“ hat sie allerdings getanzt. Da vermutlich die wenigsten Japanisch sprechen, habe ich neben der Originalaufnahme auch eine Version mit Englischen Untertiteln herausgesucht.

Gemeinsamkeiten

Ohnehin haben China und Japan mehr gemeinsam, als man gegenseitig zugeben will. Zwar halte ich Taiwan für das bessere China, aber das liegt am politischen System. Über Skype rede ich am Abend oft mit meiner chinesischen Freundin Lia, die nun in Taiwan lebt. Ihr Tai Chi hat sich weiter verbessert, auch sie ist nun eine Lehrerin.

Ihre Tante hat ihr ein neues Jian-Schwert zum Geburtstag geschenkt, das sie mir stolz per Webcam zeigt. Dass Lia perfekt damit umgehen kann weiß ich. Wir philosophieren über chinesische und japanische Schwertkunst und machen uns über die Koreaner lustig. Die, da sind wir uns auf humorvolle Weise einig, können weder Karate noch Kung Fu.

Sieger

Was so abwertend klingt ist reiner Spaß. Ich habe lange und oft Taekwondo trainiert und weiß um die Fähigkeiten koreanischer Meister. Die vermutlich vielen auf der Zunge brennende Frage, welche Schwerttechnik nun besser ist, hat sich mir nie gestellt. Allein der Anblick Japanischer Samurai hat in China und Korea Angst und Schrecken verbreitet. Allerdings gehe ich davon aus, dass selbst ein durchschnittlicher Samurai einem chinesischen oder koreanischen Gegner überlegen war.

Koreaner und Chinesen sehen das vermutlich anders. Daher arbeiten sie seit vielen Jahren ihre Niederlagen mit Filmen auf. Dort siegen durch die Lüfte fliegende Helden. Die Wahrheit sieht ein wenig aus. Es ist schwer zu sagen, inwieweit der Hass zwischen den Nationen noch ein Thema ist. Mit Chinesen hatte ich noch nie Probleme. Dass ich vor einigen Jahren eine angetrunkene Koreanerin in die Schranken weisen musste, ist unerheblich. (Süd)Korea ist für mich kein feindliches Land.

China Nights

Ohne Corona, wäre ich schon letztes Jahr in Taiwan gewesen. Auch Lia möchte uns gern in Japan besuchen. Zur Zeit arbeiten wir daran, das ohne Probleme zu realisieren. (Fake)Meldungen diverser Nachrichtenagenturen, dass sich zwei asiatische Kampfkünstlerinnen duellierten, bitte ich in diesem Fall zu ignorieren.

Aiko, die gute Fortschritte bei Hiragana und Kanji macht, schaut mir beim bloggen gern über die Schulter. Sie will stets wissen was ich schreibe und wann sie diese „komischen Zeichen“ auch erlernen darf. In einem Anfall von Humor habe ich ihr das Wort „Frechdachs“ beigebracht. Yuki hat nur den Kopf geschüttelt. Keine Ahnung, was das nun wieder bedeuten soll.

Schmetterlinge in Nagasaki

Schmetterlinge in Nagasaki

Aikos Gesichtsausdruck, als mein Vater dieses uralte Lied abspielt, ist nur mit dem Wort „unbezahlbar“ zu beschreiben. Yuki kann sich vor Lachen kaum halten, meine Mutter hält sich schnell die Hand vor den Mund. Papa zwinkert mir zu, dann lacht er mit. „Bitte, ich verstehe nicht, worüber die Tante singt“, sagt Aiko, während ich mit letzter Selbstbeherrschung das Lachen vermeide.

„Weißt du noch letztes Jahr, als Yuki und du allein nach Japan geflogen seid und ich in Schweden geblieben bin?“, frage ich die Kleine. Sie nickt und schaut mich an. „Da war ich traurig“, sagt sie. „Ist die Tante auch traurig?“ „Ich denke schon,“ erwidere ich. „Sie wartet auf ihren Liebsten, der bald zurückkehren soll.“ „Was ist ein Liebster?“, will sie wissen. „Na ihr Ehemann“, sage ich. „Wieso geht der denn weg, wenn sie ihn so liebt?“, fragt Aiko. „Warum ist sie nicht mitgegangen?“ 

Hilfesuchend schaue ich Yuki und meine Mutter an, aber beide müssen ganz plötzlich in die Küche. Papa tut ebenfalls total beschäftigt, also darf ich mal wieder alles erklären. Kein Ding, ich bin sowieso die Beste!

„Weißt du, Männer sind ziemlich komisch“, erwidere ich. „Die wollen immer alles allein machen und meinen, dass sie uns Frauen nicht brauchen. Daher sind die Frauen früher oft allein zu Hause geblieben und waren traurig.“ Aiko überlegt kurz. „Hast du deshalb keinen Mann?“ will sie wissen. „Wozu brauche ich einen Mann, wenn ich dich kleinen Schmetterling und eine Elfe habe“, erwidere ich. Aiko strahlt und der Tag ist gerettet.

 

Lieder für die Welt: Die Moorsoldaten

Lieder für die Welt: Die Moorsoldaten

Hannes Wader war mir bisher kein wirklicher Begriff. Das folgende Lied, das ich einem Blogeintrag von Arabella verdanke, stammt nicht von ihm. Aber seine Interpretation hat es in sich. Ich habe nachgelesen und mit dem Blick auf die Gegenwart beeindruckt genickt, als ich den Vergleich zu 1933 gezogen habe.

Das Lied ist 1933 im KZ-Börgermoor entstanden und hatte seine Uraufführung am 27. August 1933. Der Text stammt von dem Bergmann Johann Esser und dem Regisseur Wolfgang Langhoff, die Musik hat der kaufmännische Angestellte Rudi Goguel komponiert.

Es spielt keine Rolle, dass die Verfasser des Liedes Kommunisten waren. Der Text ist wichtig und das, was zwischen den Zeilen steht. Deutschland und andere Staaten stehen an der Grenze zu einem politischen System, das die Bürger auf allen Ebenen bevormunden und unterjochen will. Der Schritt zum Totalitarismus ist schnell gemacht. Wehrt euch, werdet endlich wach!

 

Starke Frauen: Alexandra

Starke Frauen: Alexandra

Mein Lied des Tages kommt von einer Sängerin, die schon lange vor meiner Geburt gestorben ist. Gehört habe ich Alexandra zum ersten Mal an einem grauen Herbsttag in Düsseldorf. Nach meiner Erinnerung saß ich mit meiner Mutter in der Küche. Im Radio liefen Oldies, die mich wenig interessierten. Meine Mutter hörte gern deutsche Sender. Sie halfen ihr die deutsche Sprache noch besser zu verstehen. Dann kam Alexandra.

War es der Text, war es ihre Stimme, ich war sofort fasziniert. Meine Mutter sagte mir später, ich hätte andächtig zugehört. Leider wusste sie nicht wer die Sängerin war, das Internet steckte damals noch in den Kinderschuhen. Jahre später lief im Fernsehen eine Dokumentation über Alexandra. Warum ich die Sendung fand, wie sie mich fand, habe ich leider vergessen. Aber da war sie wieder diese einzigartige Stimme und endlich auch ein Bild. Dass Alexandra in Wirklichkeit Doris hieß, hat mich wenig berührt. Ihr Leben schon.

Wenn berühmte Menschen früh sterben, werden sie oft zur Legende. Im Fall von Alexandra finde ich das angemessen, sie hat diesen Platz in der Hall of Fame verdient. „Mein Freund der Baum“, ist nur ein Lied von vielen, aber der Text hat es mir angetan. Vielleicht auch die Persönlichkeit der Sängerin, die sich in einem Interview als kompromisslos bezeichnet hat. Diesen Wesenszug kenne ich nur allzu gut.

Alexandras Leben erscheint mir fremdbestimmt. Ihr brennender Wunsch im Rampenlicht zu stehen, hat sie vermutlich falsche Entscheidungen treffen lassen. Das Leben eines Stars kann einsam sein. Alexandra war eine Getriebene. Von (ihren) Männern, ihren Gefühlen und vom Erfolg. Offenbar hat ihre Seele dabei Schaden genommen. Gelächelt hat sie trotzdem. Mir drängt sich die Frage auf, wer die Frau hinter der Maske gewesen sein mag. War sie stark oder einfach nur verletzlich?

Der Film über Alexandras Leben lässt viele Fragen offen und doch habe ich ihn gern gesehen. Alexandras Lebensfreude, aber auch ihre Melancholie, beides kann ich nachvollziehen. Die Erinnerung an die Sängerin lässt mich lächeln, die Tage meiner Kindheit tauchen wieder vor mir auf. Aber mein Blick geht stets nach vorn und nie zurück.

Während ich schreibe setzt sich Aiko neben mich und lauscht den für sie unbekannten Klängen. „Nicht tot!“, sagt sie plötzlich und schaut mich an. Hat sie verstanden, dass Alexandra durch ihre Lieder unsterblich geworden ist?