Ein Leben lang auf Reise

Unser Leben ist zur Zeit eine große Reise. Waren wir letzte Woche noch in Fukuoka, ist nun Deutschland angesagt. Aber vorher haben wir Zeit in Los Angeles verbracht und einige wichtige Dinge geregelt.

Wie zum Beispiel die Zukunft unseres Apartments, das wir vorübergehend an ein Frauenpaar vermietet haben. Nicht ganz überraschend, haben sich Riko und Madison bei uns gemeldet, die beiden Mädels vom Dina Shore. Sie sind seid Juni in Los Angeles und haben Probleme mit ihrer Wohnung bekommen.

„Wir haben keine Nacht geschlafen, so laut war es dort“, erzählt Madison, als wir uns treffen. Der Vermieter macht Ärger und besteht auf dem Vertrag. Aber Riko ist Anwältin und weiß was sie machen muss. Sie sind schon auf der Suche nach einer neuen Bleibe und wohnen in einem günstigen Motel.

Mir kommt eine Idee, die ich mit Yuki per Augenkontakt abstimme. „Wir können euch unser Apartment überlassen“, biete ich den beiden an, wir werden einige Monate nicht in Los Angeles sein.“ „Vermutlich kommen wir erst im September wieder“, fügt Yuki hinzu, „aber das wissen wir noch nicht.“

Unsere beiden neuen Freundinnen sind total aus dem Häuschen vor Glück. Vor allem, als ich ihnen den Preis nenne und die Lage. Klar ist es teurer als ihr jetziges Motel, aber ich verlange keinen Wucherpreis. Und Sicherheiten haben beide.

Sicher im Flieger, hat uns unser Weg über Düsseldorf nach Stuttgart geführt. Wir waren auch in Hamburg, haben kurz Berlin unsicher gemacht und sind dann nach Frankfurt geeilt. Zur Zeit besuchen wir in Holland Freunde und fahren in Kürze wieder nach Düsseldorf. Und im August ruft wieder Japan.

Yuki nehmen die Reisen mehr mit, als sie eingestehen will. Ich bemerke es und spreche es an. „Alles gut“, sagt sie und strahlt mich an, „wenigstens ist mit dir das Leben nie öde. Die Mama deiner Kinder kann ich später noch spielen.“ Seht ihr nun das wahre Biest?

Eher milde gestimmt, rauscht das politische Leben scheinbar unbeachtet an mir vorbei. Ich verfolge die Neuigkeiten mit Interesse, aber nehme absichtlich Abstand davon. Habe ich aufgegeben?

Fast könnte man das glauben, haben wir doch immerhin unseren bisher größten Sieg errungen. „Wir“, das ist die deutsche LGBT-Community. Wahltaktisch klug von der SPD eingefädelt, wird sie kein Kapital aus der Eheöffnung für alle schlagen. Ohne Merkels Zustimmung, wäre die Sache geplatzt.

„Aber sie hat doch dagegen gestimmt!“, höre ich meine LeserInnen sagen. Ja, das hat sie. Aber sie hat die Abstimmung möglich gemacht. Und da sie das positive Endergebnis vorher kannte, hat sie dagegen gestimmt.

Dieser so einfach, wie geniale Schachzug, hätte auch von einer Japanerin kommen können. Auch wenn ich Merkel nicht mag, das hat sie klug gemacht. Reicht das schon zur erneuten Kanzlerschaft?

Ist das nun der endgültige Durchbruch für Homosexuelle oder doch nur ein weiterer Meilenstein? Ich rechne mit einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht und einer Grundgesetzänderung. Mich stört das wenig, Yuki war schon immer meine Frau.

Die Politik muss vorerst ohne meine Kommentare leben. Und auch  dieser Blog wird vorerst stiller werden. Momentan fehlen mir Zeit und Lust dafür.

Dabei gäbe es eine Menge zu erzählen. Etwa wie ich kurz im MMA unterwegs gewesen bin oder der unschöne Zwischenfall mit einer Koreanerin in Fukuoka.

Ich könnte auch von dem Waisenhaus berichten und wie uns dort die Kinderherzen zugeflogen sind. Aber wir haben entschieden in Zukunft weniger Privates zu zeigen. Auch davon wird der nächste Beitrag handeln. Bis dahin dürft ihr den Sommer genießen. Wir lesen uns. Bis bald!

 

 

 

 

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Lesbisch in Japan – (K)Ein Problem

Schon mehrfach habe ich über Homosexuelle in Japan geschrieben und wie sehr sie dort zu leiden haben. Weniger im wörtlichen Sinn, es gibt keine „Hexenprozesse.“ Vor allem in Tokio und Osaka gibt es eine ständig wachsende LGBT-Community.

Aber noch immer existiert kein Gesetz zur Eheöffnung, noch immer sind große Teile der Bevölkerung zumindest skeptisch. Auch Japan wird sich ändern. Nur wird es länger dauern, als anderswo. Homosexualität in Japan wird quasi ignoriert. Dafür gibt es keine Verfolgungen.

So wenig, wie die heterosexuelle Mehrheit, so wenig reden Homosexuelle über das Thema. Viele leben verborgen und gehen sogar Scheinehen untereinander ein. So ist es alles andere als ungewöhnlich, wenn Lesben und Schwule heiraten und sogar Kinder miteinander haben.

Wie das „technisch“ funktioniert, soll hier kein Thema sein. Aber echtes Glück sieht anders aus.  Es ist vor allem die angeblich so zahlenmäßig geringe jüngere Generation, die dem Thema viel offener gegenüber steht. Angeblich deshalb, da auch japanische Medien nicht immer die volle Wahrheit sagen.

Zum demografischen Problem wird es noch einen separaten Artikel geben. Heute sind „die Lesben“ dran, speziell Koyuki Higashi. Ich verfolge ihren Weg seit einer Weile und bin mächtig stolz auf sie. Sollte ich jemals Japan als Heimat wählen, werde ich sie auf jeden Fall treffen.

Ich will ohne viele Worte ihre Geschichte vorstellen, die im nachfolgenden Video zu finden ist. Verbunden mit der Hoffnung, dass der „kleine Schnee“, wie Koyuki übersetzt werden kann, die Weichen für Toleranz und Aufklärung stellt.

Launige Lesben und lustige Besucher

Nach einigen Monaten Pause gibt es heute eine neue Folge der lesbisch-lustigen Suchbegriffe und meiner launigen Antworten. Der Großteil der Suchanfragen betraf erneut „Sex mit Japanerin“, was vom Niveau der Besucher zeugt.

Angeblich ist Deutschland „Weltmeister“ in Sachen Pornos online schauen. Ob ich mich auch „entblößen“ sollte? Pro Klick bekäme ich dann bestimmt 1.000 Euro! Ach, das wäre was! Einige der Suchbegriffe, hatte ich schon mehrfach behandelt. Andere waren so dämlich, dass sie keine Beachtung fanden.

1.-  lesbischsein erkennen / frau in frau verliebt anzeichen = Viele lesbische Frauen hatten vor ihrem Coming Out Beziehungen zu Männern. Wie weiß Frau also, dass sie einen Mann liebt? Ich kann diese Frage nicht beantworten. Aber ich weiß, dass Liebe kein Geschlecht kennt. Wenn es also im Bauch kribbelt, wenn Frau kaum noch an etwas anderes, als die „tolle Frau“ denken kann, so könnte das ein Anzeichen sein. Easy, isn‘t it.

2.-  beziehung mit einer japanerin = Kann DER Volltreffer, aber auch DER Albtraum für jeden Deutschen werden. Die kulturellen Unterschiede sind gewaltig und Japanerinnen auf keinen Fall die schüchternen Mäuschen, die Mann so gern sieht.

3. – wie dominiere ich als lesbe = Warum willst „du“ dominieren? Zwar gibt es auch bei lesbischen Paaren durchaus eine Rollenverteilung, aber nicht im klassischen Sinn. Es sei denn, dass „du“ eine devote, hörige Gespielin suchst. Die gibt es bestimmt. Ich kenne keine. Und wenn „du“ nicht dominant bist, im positiven Sinn, wirst „du“ es auch niemals werden.

4. – schnappatmer psyche = Der vermutlich beste Suchbegriff seit langer Zeit. Der „gemeine Schnappatmer“, ist eine vom Aussterben bedrohte Spezies, die durch eine abgehackte Sprache und ein rotes Köpfchen auffällt. Nicht zu verwechseln mit der ordinären Schnapsdrossel, die ist viel zu vergeistigt dafür.

5. – bi frau liebt hetero frau = Was vermutlich unglücklich endet. Heten können Freundin, aber nie Partnerin für queere Frauen sein. Sie umzudrehen funktioniert meist nur begrenzt und ist dann der Neugier von Frau geschuldet.

6. – scissoring mit hetero freundin – Ich könnte mich immer wieder wegwerfen vor Lachen, wenn ich das Wort „scissoring“ lese. Das sind reine Fantasien von Männern, die mit heterosexuellen Darstellerinnen Pornos für andere Männer drehen. Beide reiben sich dann vermutlich die feuchten Hände.

7. – lesbe sex mit mann = Klassiker Nr. 1! Meine klassische Antwort: Lesben haben keinen Sex mit Mann.

8. – www frauen befriedigen sich mit besenstiel.com = Klassiker 2! Klassisch ist auch die Seite www mann hat den besenstiel im Hintern. Unbedingt anschauen und ausprobieren. Vielleicht gibt es dann weniger dämliche Suchanfragen.

9. – frauen lieben lesben = Logisch. Alle Frauen lieben mich.

10. – wing chun dauer um es zu lernen = Mit einem guten und fairen Sifu (Meister), dem nicht nur am Geld gelegen ist, sehr viel Talent und genug Zeit, ist Wing Chun in 1 – 2 Jahren vollständig erlernbar. Ich spreche dabei von der reinen Technik. Ein wirklicher Sifu ist man dann noch nicht. Mit weniger Zeit, aber doch regelmäßigem Training gehe ich  von etwa 5  Jahren aus. Wer länger braucht ist vermutlich in der EWTO oder EVTF und wird dort finanziell abgezockt.

11. – was heißt auf japanisch wohin gehst du = Doko iku no / Doko ni iku no

12. – was mögen japanerinnen beim sex = Natürlich stehen sie auf Gewalt und Peitschenhiebe, die sie dem Mann ihrer Wahl angedeihen lassen.

13. – lesbische freundin mann = Das funktioniert vermutlich wenn Mann begreift, dass sie nicht in sein Beuteschema passt und Respekt für ihn kein Fremdwort ist. Mir ist bewusst, was die Frage auch bedeuten kann. Aber das wird in einem anderen Punkt behandelt.

14. – stehen lesben auf high heels? = Ja, aber ziemlich wackelig.

15. – erotik unter frauen erfüllender = Über auch. Ja.

16. – opfer spottdrossel = Ach „du“ warst das?

17. – deutsche lesben von mann bekehrt = Träumt weiter.

18. – wer steuert die antifa = Jeder, der diese Linksfaschisten bezahlt. Zur Zeit sind das überwiegend die „linken“ Parteien. Wer die Antifa als harmlos bezeichnet, hat noch immer nicht begriffen, was das Ziel dieser Chaoten ist. Aber Deutschland bleibt auf dem linken Auge blind.

19. – ich hete in lesbe verliebt = Ich höre dieses verschämte „Ich bin zwar heterosexuell, aber habe schon mit einer Frau geschlafen“, immer wieder. Wenn „du“ eine Frau liebst, bist „du“ entweder bisexuell oder selbst lesbisch. Steh dazu und hör damit auf dir etwas vorzumachen.

20. – frauen lieben frauen was passiert = Etwas tolles, sie werden ein Paar!

Girls, Girls, Girls! – The Dinah Shore Weekend

Mayumi: „It’s 106 miles to the Dinah, we got a full tank of gas, it’s not really dark … and we’re wearing sunglasses.“

Yuki, Ally and Heather: „Hit it!“  

(Sehr frei zitiert aus dem Film Blues Brothers)

Dieses Zitat ist recht passend, da es von Los Angeles nach Palm Springs wirklich diese berühmt gewordenen 106 Meilen sind. Also fast. Wir haben nicht nur die Bikinis eingepackt, auch unsere amerikanischen Freundinnen sind mit dabei. Sie haben lange gespart, das Leben in den USA kann teuer sein. Und auch beim Dinah Shore Event regiert der Kommerz.

Wer noch nie etwas von diesem einzigartigen Festival gehört hat, dem will ich kurz auf die Sprünge helfen: The Dinah Shore Weekend in Palm Springs, ist die größte lesbische Party der Welt. Punkt. Noch Fragen? Keine? Gut, dann will ich in Verbindung mit einigen Bildern meine Eindrücke schildern. Wer die nicht lesen möchte, der klickt an genau dieser Stelle weg.

Freundinnen von Ally waren bereits dort und haben uns vor einer gewissen Zügellosigkeit gewarnt. „Da laufen auch Jägerinnen durch die Gegend“, hat uns Keira gesagt, „die suchen gezielt nach Beute und schleppen sie in die Hotels ab.“ Sie schmunzelt und gibt zu, dass sie auch ein „Opfer“ war. „Na ja, nicht wirklich“, schränkt sie ein, „ich bin ja gern mit und hatte jede Menge Spaß.“

Hände am Po, anzügliche Kommentare, aber alles im Rahmen von ungezwungener Fröhlichkeit, sind beim Dinah Shore Weekend normal. „Wer hier empfindlich ist, hat keinen Spaß“, sagt Keira und zwinkert mir zu. „So?“, fragt Yuki und haut mir auf den Hintern. „Darauf stehst du doch“, sagt sie frech und bekommt prompt einen Kuss dafür.

Das Gepäck ist im Kofferraum, natürlich haben wir viel zu viel dabei. Vier Frauen auf der Reise, da kommt einfach Freude auf. Lippenstift, Deo und Slip-Einlagen, die Frau von Welt muss immer gut gerüstet sein. Und wo ist noch der Nagellack?

Der BMW schnurrt die Meilen ab, Palm Springs erwartet uns mit 30 Grad. Sonne pur und gute Laune, das Hotelzimmer ist auch für 4 Personen groß genug. Dinah Shore wir kommen!

Wir haben uns VIP-Tickets besorgt. Die sind nur scheinbar teuer, aber gewähren ungehinderten Zugang zu allen Events. Warum ist einfach erklärt, ich habe keine Lust ewig Schlange zu stehen.

Die Bilder vermitteln nur einen Teil jener Atmosphäre, die uns fast erschlagen hat. Ausgelassenheit, Lachen und ein unbeschreibliches Lebensgefühl. Das alles und noch mehr ist „The Dinah.“ Wir treffen Frauen, die fröhlich und total aus dem Häuschen sind. Nur wenige sehen wie Models aus. Aber die richtig!

Die Eröffnungsfeier findet am 29. März ab 21 Uhr in Zelda’s Nightclub statt. Ally und Heather trinken Alkohol in Maßen, bei noch immer 25 Grad und einer aufgeheizten Stimmung, wäre alles andere ein KO-Kriterium.  Wir treffen Anke aus Hamburg, die uns mit ihren 175 Zentimetern deutlich überragt. „Ich bin extra für das Event in die USA geflogen“, erzählt sie uns, „und ich bin hin und weg!“

Wir tauchen in eine Welt, die fremd und doch so vertraut für uns ist. Musik und gute Laune pur, Normalität war gestern. Prominente gehen vermutlich im Meer der Frauen unter. Ich habe niemand erkannt. Am Ende wird es in der Presse stehen.

Gefühlte 100 Unterhaltungen später sprechen uns zwei Mexikanerinnen an. Recht schnell wird klar, dass sie mehr als nur ein Lächeln wollen. Höflich lehnen wir ab und ernten enttäuschte Blicke. Auch das ist Dinah Shore. Noch mehr Gesichter und Namen ziehen vorbei, das Stimmengewirr raubt uns die Sinne.

Ally und Heather suchen meine Nähe. Sie sind überwältigt, aber weniger selbstbewusst. Stunden später taucht Anke wieder aus der Menge auf und strahlt über das ganze Gesicht. Ihre Kurzhaarfrisur ist zerzaust und sie wirkt ziemlich ausgelaugt. „Ich kann nicht mehr“, sagt sie lachend, „ich habe die ganze Zeit nur getanzt.“

Gegen 1 Uhr verlassen wir die Party und fahren zu unserem Hotel. Anke nehmen wir mit, ihr Quartier liegt auf dem Weg. „Eigentlich wollte ich mit meiner Freundin zum Dinah“, erzählt sie uns, „aber wir haben uns gestritten. Sie lebt noch im Schrank, wenn du verstehst?“ Ich verstehe gut. „Habt ihr euch getrennt?“, frage ich nach. „Ich mich“, sagt Anke. „Wir leben im 21. Jahrhundert, da muss keine Frau mehr Angst vor ihren Eltern haben.“

Wir schlafen gut und frühstücken noch besser. Danach erkunden wir Palm Springs. Noch von Los Angeles aus habe ich ein Dojo gefunden, das wir um 15 Uhr betreten. Der Sensei freut sich ehrlich uns zu sehen. Er ist aus Puerto Rico und seit mehr als 15 Jahren im „Geschäft.“

Wir absolvieren ein leichtes Training, ohne Sport fehlt mir einfach was. Ich zeige meine Kunst und wirbele einige Schüler über die Matte. Aikijujutsu hat hier noch keiner gesehen. Und meine Kicks lösen staunende Gesichter aus.

Nach dem Abendessen holen wir Anke wieder ab, die froh ist uns zu sehen. „Mir ist voll die Decke auf den Kopf gefallen“, gibt sie zu. „Dankeschön, dass ich mit euch kommen darf!“ Wir sehen sie nicht wieder, sie reist am nächsten Morgen überraschend ab. Ihre „Ex“ habe angerufen, lässt sie uns per SMS wissen.

Die Tage verschwimmen, Pink Pussy Party, Wet – Wild Pool Party, Dinah Comedy House, Hollywood Party, Sunday Funday Party ziehen wie im Rausch an uns vorbei. Die meisten Gespräche bleiben oberflächlich. „Hallo, wie geht es euch, wo kommt ihr her?“

Jegliches Zeitgefühl geht verloren. Tanzen, schlafen und alles geht von vorne los. Irgendwann sehen wir irgendwo Mariah Hanson, die Veranstalterin des Dinah Shore. Sie rauscht vorbei und ist auch schon wieder weg. Lass diese Party nie zu Ende gehen!

Die Comedy ist super, die Mädels machen richtig gute Witze. Plötzlich steht Keira mit ihrer neuen Freundin neben uns. „Wir können nur einen Tag bleiben“, sagt sie und begrüßt uns herzlich. „Ihr habt mich doch bestimmt vermisst!“

Später werfen wir sie in den Pool, was in einer allgemeinen Wasserschlacht endet. Sonntags erreicht uns eine SMS von Anke. „Meine Freundin hatte ihr Coming Out!“ Die Worte lassen mich lächeln. Vielleicht hat sich wieder gefunden, was zusammen gehört.

„The Dinah“ zu beschreiben, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Hier wird mit der Legende aufgeräumt, dass für Frauen Partys weniger wichtig seien. Angeblich suchen Lesben viel öfter den Aufenthalt in der Natur, als schwule Männer. Das mag zutreffend sein, auch wir sind keine absoluten Party Girls.

Mit dem Dinah Shore Weekend, haben wir uns einen Traum erfüllt. Eifersüchtig sind nur die anderen. Wir schauen interessiert und es gibt wirklich viel zu sehen. Hier tummelt sich alles, vom stylischen Tomboy mit Kurzhaarfrisur, bis hin zu grell geschminkten Lipstick Lesben. Dazwischen wir. Aber das habt ihr bestimmt gewusst.

Natürlich haben wir nicht permanent Party gemacht. Selbst meine Kondition hat Grenzen. Und auch der Speicher meines Handys. Ich habe so einige neckische Bilder gemacht. Aber die werde ich auf keinen Fall mit euch teilen, ihr bekommt nur die normalen zu sehen.

Es wäre bestimmt unanständig, eine klatschnasse Mayumi im Bikini zu zeigen! Was habt ihr denn nun gedacht? „Hey Laydeeeees!“, schallt es über das Gelände, die DJane sorgt für Stimmung pur. „Das ist Wahnsinn!“, lässt mich Yuki mehrfach wissen. „Wehe du gehst mir fremd!“

Sie lacht bei diesen Worten, auch das gehört zu unserem Ritual. Wir lieben uns, da besteht keine Gefahr. Plötzlich spricht uns eine Japanerin an. Riko ist in den USA geboren, aber ihr japanisch ist perfekt. „Ich freue mich euch zu treffen“, sagt sie. Vertraute Klänge, ist das Osaka Dialekt?

Riko und ihre Freundin Madison kommen aus Kentucky. „Wir wollen nach Kalifornien ziehen“, verraten sie uns. Die beiden sind ein schönes Paar. Riko ist eindeutig der „Boss“. Kaum größer als ich, mit langen Haaren, zieht sie die blonde Madison hinter sich her.

Die lacht nur. „So macht sie das immer“, ruft sie, „wir sind gleich wieder da!“ Wenig später stehen sie wieder neben uns. Madison ist Schriftstellerin. „Na ja, ich will es werden“, schränkt sie ein. „Aber ich habe schon für einige TV-Produktionen das Drehbuch korrigiert.“

Riko schaut verliebt und ist stolz auf sie. „Ich bin leider nur Anwältin“, sagt sie lächelnd. „Und was für eine!“, protestiert Madison sofort. „Sie gewinnt jeden Fall!“ Die Chemie zwischen uns stimmt, das bestätigen später auch Ally und Heather.

„Wir ziehen im Juni um“, sagt Riko und nennt uns die Adresse. „Ich habe schon einen Job in einer kleinen Kanzlei und Madi darf dann die Hausfrau machen.“ Die schnauft gespielt empört und grinst dann doch. So einfach kann Liebe sein.

Zum Abschied tauschen wir Handynummern aus. „Danke!“, sagen beide und meinen das auch. Ich tausche einen Blick mit Yuki. Wortlose Zustimmung, wir bleiben vorerst in den USA. Aber dass, so weiß ich, wird ein Kraftakt werden.

Trotzdem habe ich auf das Armdrücken mit den beiden Mädels auf den Foto verzichtet, die sind deutlich stärker als ich. Was das Bild nicht zeigt sind die Lacher der beiden. Und wir haben mitgelacht.

Als wir uns Montags von Palm Springs verabschieden, sind wir alle ziemlich geschafft. Jetzt steht wieder Normalität auf dem Programm. Wobei Kalifornien eigentlich immer eine Art von Urlaub ist.

Mayumi: „It’s 106 miles to Los Angeles, we got a full tank of gas, it’s not really dark … and we’re wearing sunglasses.“

Yuki, Ally and Heather: „Hit it!“  

Und das habe ich gemacht.

Die Lust am Lesbensex

Im Zeitalter des Internets, hat sich das Thema Sexualität verändert. War Aufklärung früher Eltern oder LehrerInnen vorbehalten, ist heute „Schulmeister Google“ der große Hit. Kein Dr. Sommer Team der BRAVO beantwortet Fragen, die harten Fakten liefert die Pornoindustrie.

Das große Interesse an Sex zeigt auch mein Blog. Immer wieder tauchen dort einschlägige Suchanfragen auf, die „Lesbensex mit Mann“ finden wollen. Und daran ist klar die Pornoindustrie schuld, die „lesbische Filme“ für heterosexuelle Männer dreht.

Mit Lesben? Fehlanzeige! In diesen Machwerken sind Schauspielerinnen zu sehen, die das für eine Hand voll Dollar machen. Ich kenne keine Frauen, die Seidenstrümpfe bei intimen Spielen tragen. Oder High Heels, die selbst Models auf dem Laufsteg wanken lassen.

Übertriebene Schminke, Reizwäsche, zu viel Gestöhne sind alles jene Klischees, die für Männer inszeniert worden sind. Und das angeblich von Lesben exklusiv betriebene Scissoring. Jede Frau kann sich ausmalen, was das Ergebnis solcher Exzesse wäre. Wann wird Mann je verstehen.

Aber vermutlich habe ich davon nur keine Ahnung und die Mädels tonnenweise Gleitgel benutzt. Wie sonst könnten sie das über Stunden tun. Wobei ich mich sowieso immer frage, ob diese Darstellerinnen noch schmerzfrei zur Toilette können. Deren Spiele sind oft Wegbereiter für Blasenentzündung pur.

Ganz abgesehen von einer verrenkten Wirbelsäule. Aber Frauen sollen in der Hinsicht wirklich gelenkig sein. Sagt Mann. Frauen mit Bandscheibenproblemen können darüber nur schmerzhaft lachen. Ha! Ha! Said the Clown.

Mein Blick richtet sich auch stets auf die langen Fingernägel solcher Frauen. Vermutlich haben die vor dem Sex Schmerzmittel geschluckt. Anders kann ich mir kaum erklären, wie das Liebesspiel damit funktionieren soll. Zur Info, liebe Pornodeppen, Lesben tragen ihre Nägel kurz.

Der pure Horror solcher Filme, ist dann der Auftritt von Mann. Jede Lesbe wird sofort Mordgedanken hegen, wenn ihr das jemals passiert. Was vermutlich auch für Heten gilt, wenn Mann (s)eine Geliebte zum Beischlaf einlädt. Mir wäre dabei eine(r) zu viel.

Nun gibt es das Argument von (angeblich) klugen Menschen, die Pornografie als Ventil für sexuelle Begierden sieht. Meiner Meinung nach ist das so dumm wie falsch. Mann wird damit ein verdrehtes Bild von Frau geliefert, das er für bare Münze nimmt und ausprobieren will.

Die Fantasie kennt dabei keine Grenzen. Meine sind an dieser Stelle erreicht. Lesben haben keinen Sex mit Männern. Das war schon immer so und Punkt.

Tod den Lesben!

Bewusst habe ich den Titel des Beitrags provokativ gewählt, aber weder werde ich zur Mörderin noch stoße ich mir selbst ein Messer in den Bauch. Ganz im Gegenteil stemme ich die Hände in die Hüften und rufe allen DrehbuchautorInnen und RegisseurInnen laut zu „Lasst die Lesben leben!“ Und ich erkläre auch wo und warum.

Wenn ich lesbische Liebesfilme schaue, gehen mir immer viele Dinge durch den Kopf. Einerseits bade ich in den Emotionen, die eine gute Lovestory auslösen können. Ich mag die Geschichten, die Dramen, die oft wunderschönen Bilder. Aber primär ist es die Frage, ob manche RegisseurInnen auf einem heiligen Kreuzzug gegen Lesben sind.

Schon zu Beginn des lesbischen Films vor einigen Jahrzehnten konnte und durfte es viel zu oft kein Happy End für die Frauen geben. Klar, die Homophobie war damals noch weit verbreitet und RegisseurInnen begaben sich auf einen steinigen Weg. Aber heute im 21. Jahrhundert sollten die Uhren doch anders ticken.

Leider ist das ein Irrglaube, wie die klischeehaften Todesfälle von Lesben immer wieder zeigen. Zwar hat es Homosexualität durchaus in die normale Fernsehunterhaltung geschafft. Aber meist mit tödlichen Konsequenzen. Lesben, so offenbar die Meinung der Drehbuchautoren, verdienen kein allzu langes Glück.

Gut, es gibt positive Beispiele und wunderbare Liebesfilme, die ein Frauenpaar Hand in Hand am Ende sehen. Aber viel zu oft gibt es die Verbeugung von Drehbuch und Regie vor der heiligen Kuh Heterosexualität. Dann wird die Pistole ausgepackt, oder der Lesbe Krebs in den Bauch gedichtet. Und schon stirbt sie den einsamen Tod.

Von Freundinnen weiß ich, wie sie zu lesbischen Toden im Kino und TV-Programm stehen. Zusammengefasst ist es eine Mischung aus Wut und Trauer, wenn eine unserer Heldinnen stirbt. „Das ist wie ein tiefer Schnitt in die Haut“, hat meine Freundin Karin mir gesagt. „Kaum ist der verheilt, reißt die Wunde wieder auf, wenn ein neuer Lesbentod zu sehen ist.“

Liebe Autoren und Regisseure, Lesben schauen sich Liebesfilme an, um Abstand von einem zum Teil noch immer homophoben Alltag zu haben. Sie suchen nach Vorbildern, Heldinnen, mit denen sie sich identifizieren können. Aber die Todesbotschaft in solchen Filmen stößt sie regelmäßig vor den Kopf.

Das trifft vor allem auf junge und noch unsichere Frauen zu, die zaghaft ihre ersten Schritte als Lesbe machen. Sollen die nun etwa aus dem Fenster springen? Ist das die Intention hinter dem medialen Lesbentod?

Ich frage mich immer, ob es Absicht oder pure Dummheit ist, wenn wieder eine Lesbe sterben muss. Vielleicht liegt es an der beschränkten Sichtweise mancher AutorInnen, die nie über den Tellerrand reicht. Ich nenne es homophobe Kurzsichtigkeit. Und dagegen gibt es leider kein Rezept.

 

All about Anna – Teil 2

Als ich vor fast einem Jahr über Anna schrieb – KLICK MICH, ODER LASS ES  -, war das Mitgefühl groß. Wird Anna es schaffen, werden sie und Corinna wieder ein Paar? Es hat nicht sein sollen, die beiden sehen sich nicht mehr.

Was passiert ist, warum kein Funke mehr übersprang, wird nur Anna wissen. Sie war vermutlich viel zu tief verletzt. Aber manche Menschen bekommen ihre zweite Chance. Und das ganz ohne (Ver)Kupplerin.

Als das Telefon am Freitag klingelt, ist Anna total aufgeregt! „Yumi, Yumi, ich muss dir was erzählen!“ Wir reden mehr als eine halbe Stunde und ich erfahre Neuigkeiten, die ich kaum vermutet hätte. „Das war so“, erzählt Anna. „Also ich gehe zu diesem Konzert und neben mir steht das süßeste Lachen, das die ich je gesehen habe.“

„Anna!“, unterbreche ich, „du kannst doch ein Mädel nicht Lachen nennen.“ „Und ob ich kann!“, bekomme ich zu hören. „Warte, ich schicke dir ein Bild, du wirst schon sehen.“ Als das Bild auf dem Handy erscheint, höre ich neben mir einen Pfiff. „Heiße Braut“, lästert Yuki, als wir Meli sehen. Meli, das ist Melanie im richtigen Leben. Nun der Hammer, sie ist Lehrerin! Wie Corinna, Annas Ex.

„Eine Kopie von Corinna?“, kann ich mir nicht verkneifen und Anna schnauft empört. Yuki schüttelt den Kopf und nennt mich wieder Baka. Frechheit, dabei bin ich so nett! „Halt mal die Luft an“, sagt Anna. „Hör gefälligst zu!“ Auch Yuki lauscht gebannt, wie sich Anna und Meli trafen. Und dass Anna den ersten Schritt gemacht hat, was positiv ist.

Wer Annas Augen gesehen hat, die eisige Kälte, wird verstehen wovon ich schreibe. Anna war emotional tot, ihre Seele gefroren, das Herz erstarrt zu Eis. Wir haben öfter telefoniert, aber es gab nie Neuigkeiten. Noch nicht einmal den bei Trennungen oft üblichen One Night Stand.

„Es hat total gefunkt bei mir“, sprudeln Annas Worte. „Und ich glaube bei ihr auch.“ „Wie, du glaubst das nur?“, hake ich nach. „Hallo, das musst du doch wissen!“ „Ach du bist voll doof!“, sagt sie, was mich nur lachen lässt. Ich bin das Biest. Aber das habt ihr und Anna schon gewusst.

„Ja, also wir haben uns total gut unterhalten“, erzählt Anna weiter. „Und nach dem Konzert waren wir noch tanzen.“ Als Anna schweigt hole ich tief Luft und prompt hält Yuki mir die Hand vor den Mund. „Sei lieb!“, flüstert sie und ich beiße ihr spielerisch in die Finger. Prompt haut sie mir auf den Hintern. Gewalt in der Ehe, das schreit nach … Küssen!

„Gibt es da noch etwas, was du mir erzählen möchtest meine Süße?“, flöte ich honigsüß ins Mikrofon. „Ja gibt es“, erwidert Anna. „Ich, also wir … ja wir waren danach noch im Bett.“ „Na geht doch“, sage ich trocken. „Ich vermute mal, dass es super war. Aber was bitte lässt dich nun schon wieder zweifeln? Oder war es nur die eine Nacht?“

„Nee Keule, dit waren schon mehr“, berlinert Anna frech, was mich schon wieder grinsen lässt. „Details!“, verlange ich aus Spaß. Aber nun ist es Anna die lacht. „Dit kannste knicken“, höre ich. „Habt ihr vielleicht Lust uns zu besuchen?“ „Uns?“, kommt die Frage aus Yukis und meinem Mund synchron. „Jetzt wird es aber wirklich interessant!“

Wir verabreden uns spontan fürs Wochenende und fahren gut gelaunt ins Training. Am nächsten Morgen faucht der Z. Frankfurt ist nur ein Katzensprung. Aber der Verkehr nervt und für manche Fahrer scheint Autofahren schwer. Eine strahlende Anna empfängt uns an der Tür. „Kommt rein ihr zwei Süßen“, begrüßt sie uns. „Meli ist auch schon da.“

Ich bezweifle, dass Meli je weg gewesen ist. Zumindest nicht besonders lange. Etwas verlegen und doch sichtlich aufgeregt tritt sie uns entgegen. „Ich bin die Meli“, sagt sie. „Anna hat mir schon viel von euch erzählt.“ „Nur Gutes hoffe ich“, und zwinkere Anna zu, die mir prompt den Mittelfinger zeigt. Das ist die alte Anna live!

Melis Herzlichkeit, ihr Lachen, die kurzen, braunen Wuschelhaare und ihr verliebter Blick, machen sie mir sofort sympathisch. Ich schaue Yuki an, die fast unmerklich nickt. Hier haben sich zwei Menschen gefunden. Und Meli wirkt authentisch auf mich.

Anna und Meli tragen fast identische Kleidung. Nur die Socken unterscheiden sie. Regenbogen bei Meli, Schwarz bei Anna. Aber die Cargohosen und T-Shirts sind fast gleich. „Wie lange kennt ihr euch jetzt?“, frage ich. „Fast 2 Monate“, erwidert Anna.“ „Genau 56 Tage“, präzisiert Meli und Anna nickt. „Sie weiß das einfach besser.“

„Anna hat mir erzählt, dass ihr Karate macht“, sagt Meli. „Ich finde das total spannend! Sie hat mich schon mit ins Training genommen. Wir wollen später noch hin, ihr kommt doch mit?“ Ich nicke, das war so abgemacht mit Anna. Krav Maga habe ich schon lange vermisst.

Anna als Trainerin zu sehen ist beeindruckend. Sie hat die Gruppe total im Griff. Wir fallen auf mit unseren bunten Karate Gi. Mein 3. Dan wird argwöhnisch betrachtet. „Das sind meine Freundinnen Mayumi und Yuki“, stellt sie uns vor. „Yumi hat Schwarze Gürtel in Aikijujutsu und Karate. Sie wird uns einige Sachen zeigen, die wir so nicht kennen.“

Meli ist die Schwächste in der Gruppe. Aber sie hat sichtlich Spaß und trainiert tapfer mit. Leider muss beim abschließenden Sparring, der einzige Mann der Gruppe den Macho spielen. Er will unbedingt mit mir kämpfen und Anna schaut mich warnend an.

„Ich habe mal Kung Fu gemacht“, erklärt er mir und geht in eine absurd tiefe Stellung. Die, so weiß ich, hat ihm kein Meister beigebracht. Mein eher harmloser Kick bringt ihn bereits aus dem Gleichgewicht. Als er nach mir schlagen will beende ich die Show mit einem Wurf.

„Weniger reden und mehr trainieren sage ich“, und schaue mitleidlos zu, wie er sich am Boden krümmt. Kreidebleich kommt er wieder auf die Beine. „Was … was war das?“, stammelt er. „Einfaches Aikido“, erwidere ich. „Aber wenn du es härter magst?“ Thema durch, will noch einer was?

Annas breites Grinsen belohnt mich für die Show. Und Yukis gespielt theatralischer Blick. Meli steht mit offenem Mund daneben. „Das habe ich noch nie gesehen!“, sagt sie. „Gewöhn dich dran“, sagt Anna leise und legt den Arm um sie. „Yumi haut sie alle um. Nur mich nicht … weil ich schneller laufen kann!“ All about Anna, wir haben herzlich gelacht.

Und Andreas ging zum Regenbogen

Die LGBT-Gemeinde in BaWü jubelt. Getreu dem Motto „Was lange währt, wird endlich gut“, hat der noch amtierende sozialdemokratische Kultusminister Andreas Stoch, den von der CDU heftig kritisierten Bildungsplan, Homo- und Transsexuelle im Schulunterricht als gleichwertige Menschen darzustellen, unterschrieben.

Aber war diese letzte Amsthandlung nun ein Sieg? Man muss nur an die homophob geprägten Demonstrationen denken, die vor zwei Jahren das Ländle erschütterten. Gegner und Befürworter des Plans, haben sich heftige Wortgefechte geliefert. Vermutlich hätten einige die „dreckigen Homos“ gern eingesperrt.

Auch ich war dabei und habe einmal mehr in die Fratze der Intoleranz geblickt. Und auf eine Front von Leibern, die Streit provozieren wollten. Es waren (bezahlte) Schläger mit Akzent. Dummköpfe, egal aus welchem politischen Lager sie stammten.

Die Landesregierung in BaWü ist danach leider eingeknickt und hat den Bildungsplan auf die lange Bank geschoben. Das ist auch Herrn Kretschmanns Schuld, das sage ich ganz offen. Und die nun abgewählte SPD, hat das mit verbockt.

Die Unterzeichnung des Gesetzes, so kurz vor der Grün-Schwarzen Koalitionsgesprächen, ist ein politischer Schachzug. Er soll die CDU  dort treffen, wo sie es ganz wenig mag. Das ist absolut durchschaubar. Aber zumindest haben wir nun das Gesetz.

Lesben und Schwule in BaWü stehen nun vor schweren Zeiten, das ist allen klar. Die CDU hat andere Ideen, wenn es um die Gleichstellung Homosexueller geht. Man kann davon ausgehen, dass die Uhren dort bald wieder anders ticken und man Änderungen am Bildungsplan vornehmen will.

Im Gegensatz dazu, wird in Holland gefeiert. Dort hat man vor 15 Jahren Schwule und Lesben im Ehe-Recht gleichgestellt. Und in den gesamten USA gilt das Adoptionsrecht nun uneingeschränkt auch für Homo-Paare. Ein Bundesrichter hat das entschieden.

Deutschland lebt in dieser Beziehung noch im Mittelalter. Es darf bezweifelt werden, dass die Berliner Loge daran viel ändert. Ich zumindest möchte mich an dieser Stelle bei Andreas Stoch bedanken. Seine Motive sind mir herzlich egal. Wichtig ist nur sein Gang zum Regenbogen. Dessen Schein war in BaWü schon leicht verblasst.

Gestatten, Dr. Sommer! – Teil 3: Freundinnen

Nachdem wir Tee getrunken und Kekse genascht haben, ist Karin bereit weiter Rede und Antwort zu stehen. „Wie ist das Yumi plötzlich als Freundin zu haben?“, will ich wissen. „So, als ob dich ein Wirbelsturm durchgerüttelt hat“, erwidert Karin. „Aber du fällst nicht. Du fliegst und wenn du wieder landest, ist sie da und fängt dich auf.

Nach diesem Tag haben wir viel und oft geredet. Am Anfang war ich skeptisch, ob mich ihre Clique akzeptiert. Es war vor allem Nati (Natalie, Yumis verstorbene Freundin), die mir viel geholfen hat. Sie war ein besonderer Mensch. Ein Engel auf Erden.“

Wieder verspüre ich diesen Kloß im Hals, aber ich kenne keine Eifersucht. Natalie bin ich mehrfach begegnet und habe Yumis Liebe zu ihr gespürt. Die beiden waren wie Schwestern, was Karin mir schon mehrfach bestätigt hat.

„Drei sind normalerweise immer einer zuviel“, sagt sie. „Aber irgendwie hat sich das so ergeben. Ich war mit Yumi und Nati total befreundet und wir haben so gut wie alles zusammen gemacht. Das dynamische Trio“, sagt sie und alles lacht. „Aber deine Frau war der Turbo. Ihre Energie, hat uns nach vorn gebracht.“

„Batterie leer, klick“, murmelt meine Süße mit geschlossenen Augen. „Ich, klick, brauche, klick, Küsse! Mindestens 100, besser 1.000.“ „Wie wäre es mit kitzeln?“, meint Karin und greift nach Yumis Füßen. „Wehe!“, faucht sie und giftet Karin gespielt böse an. Aber das ist nur Show. Karin darf fast alles bei ihr machen. Nur ich natürlich mehr.

„Wir haben Nati damals oft mit in Szene Clubs genommen“, fährt Karin fort. „Sie stand zwar nur auf Männer, aber hatte immer Spaß in unserer Gruppe. Leider hat sie dann diesen Tom genommen. Ich hielt das nie für eine gute Idee.“

Tom, das war Natalies Ehemann. Die beiden haben noch auf der Uni geheiratet. Vielleicht zu jung, aber die Liebe hat eigene Gesetze. „Warst du in Nati verliebt?“, will ich von Karin wissen. Wieder schüttelt sie den Kopf. „Nicht so, wie in Doris, oder andere Freundinnen.

Die Leute glauben immer, dass Lesben jede Frau anmachen. Das zeigt, wie wenig sie von Homosexualität und Liebe wissen. Ich frage Frauen dann immer, ob sie sich in jeden Mann verlieben. Meist folgt dann betretenes Schweigen und sie verstehen. Nati war eine Freundin, mehr war da nie. Aber sie mit einem Mann zu sehen tat mir weh.

Sie hätte jedes Mädel aus der Szene haben können. Ihre ganze Erscheinung, ihre Zerbrechlichkeit, ihr Wesen, haben sie für viele Frauen interessant gemacht. Sie hat immer nur gelacht und dankend abgelehnt, wenn Mädels sie daten wollten.“

Beim Thema Tom, wird Yumi noch immer böse. Immerhin hat er wegen ihr Düsseldorf verlassen. Angeblich lebt er irgendwo im Ruhrgebiet. Mich hat das nie interessiert. Aber ich zumindest weiß genau, was ihn zu dieser Flucht veranlasst hat. Aber wenn, so wird meine Süße vielleicht darüber schreiben. Die Wahrheit kommt immer ans Licht.

Ich werfe einen Blick auf Yumi und wieder läuft mir eine Gänsehaut über den Rücken. Es kommt nur selten vor, aber ihr plötzlich eisiger Blick, diese totale Finsternis in ihren Augen, ängstigt mich immer wieder. Auch Karin sieht das und beißt sich auf die Unterlippe. Thema wechseln ist angesagt.

„Warum habt ihr BWL studiert?“, frage ich weiter. „Es gibt so viele Fächer und Themen, warum dieser trockene Stoff?“ „Nenn es Taktik, Faulheit, oder Cleverness. Du kannst BWL für alles brauchen. Und den Doktortitel sowieso.“

„Wirst du oft wegen deinem Namen gehänselt?“, will ich wissen und spiele auf das Dr. Sommer Team der BRAVO an. „Ständig“, gibt Karin zu und lächelt dabei verschmitzt. „Vor allem von deiner Ehefrau. Die macht sich sogar in ihrem Blog über mich lustig. Und du hältst ihr noch zu. Ihr seid beide Biester!“

„Freundinnen müsste man sein“, singt Yumi unvermittelt und wir halten uns die Ohren zu. Aber genau das sind wir. Nichts und niemand wird uns jemals trennen.

Freundinnen müsste man sein, dann könnte man über alles reden
Über jeden geheimen Traum

Freundinnen müsste man sein, dann könnte man über alles lachen
Viele Sachen zusammen tun

Man könnt sich neue Schuhe kaufen und auf Partys gehen
Man könnte durch die City laufen und auf gute Musik stehen

Und man könnte die Nacht durchtanzen ohne auszuruhen
Man wäre unbeschwert und den ganzen Tag gegen Einsamkeit immun

(Songtext von Queen Bee – Freundinnen müsste man sein)

Danke fürs lesen, sagt Yuki. Dieses Interview zu schreiben, hat Spaß gemacht.

Mayumi schreibt: Wie fast alle persönlichen Texte, ist auch dieser nicht völlig 1:1 übernommen und literarisch aufgearbeitet. Aber wir haben versucht, den Dialog so originalgetreu wie möglich zu bringen. Wer Natalie ist und auch über Karin gibt es eigene Artikel. Wer sie noch nicht kennt und lesen mag, der darf gern hier klicken:

Das Mädchen mit den blonden Haaren

Die Lesbe

Gestatten, Dr. Sommer! – Teil 2: Die Düsseldorfer Kickers

Die eigene Mutter als Lesbe zu sehen, ist oft ein Schock für Kinder. Nicht so für Karin. „Warst du überrascht?“, frage ich. „Und wie hast du die Neuigkeit aufgenommen?“ „Ich war total von den Socken“, gibt Karin zu. „Meine Mama eine Lesbe? Nie hätte ich das gedacht! Aber ich war auch total erleichtert.

Ihre Freundin, habe ich sofort ins Herz geschlossen. Das ist eine ganz Liebe, die auch eine Tochter hat. Total die Hete meine Schwester, aber kein bisschen homophob.“ Wir kennen Nina, die wenig Glück mit Männern hat. Ein Ausflug ins lesbische Leben blieb ohne Folgen. Sie steht nicht auf Frauen. Alles gut.

Karins Mutter hatte jahrelang heimlich Freundinnen. Sie wusste nach Karins Geburt, wie sie für Frauen empfand. Aber aus Rücksicht auf ihr Kind, hat sie es nie öffentlich gemacht. „Doof sei sie gewesen“, schmunzelt Karin, „das waren ihre Worte.“

Mit einer Mutter wie Birte, hast du keine Probleme im Leben. Die Frau hat scheinbar vor nichts und niemand Angst. Nur vor ihrer Tochter, wie ihr Geständnis zeigt. „Ich habe mich so für sie gefreut“, sagt Karin und lächelt dabei. „Meine beiden Moms sind selbst heute noch unzertrennlich. Und meine Schwester wird doppelt bemuttert. Selbst schuld, wenn sie noch bei den beiden Glucken lebt.“

„Das sind wir doch auch“, sagt ihre Frau und beide grinsen um die Wette. Aber ihren Töchtern ist das egal. Sie finden es obercool zwei Mütter zu haben. Was nun mir ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Und prompt bekomme ich von Yumi einen Kuss.

Meine nächste Frage zielt auf ein Thema ab, das Homophobe gern benutzen, wenn es um die Kinder von Homosexuellen geht. Angeblich, so die falsche Meinung, werden die ebenfalls homosexuell.

„Völliger Blödsinn!“, schnauft Karin und Doris fasst sich an die Stirn. „Oder siehst du bei unseren beiden Süßen einen Hinweis darauf? Bei meiner Mama und mir ist das eher Zufall. Die Chancen, dass Kinder von Lesben auch lesbisch werden, sind total gering.

Ihr ist total der Stein vom Herzen gefallen. Endlich kein Versteckspiel mehr! Und ich hatte endlich jemand, mit dem ich über alles, aber auch wirklich alles reden konnte. Das hat mich in meiner Entwicklung ein großes Stück nach vorn gebracht.“

„Gab es mal Probleme mit Männern, oder sonst in deinem Leben?“, frage ich. Karin nickt und knetet ihre Finger. „Mehr als einmal. Jungs im Teenageralter sind oft ziemlich aggressiv. Und später wird es kaum besser. Damals konnte ich noch keinen Kampfsport. Yumi hat mir dann einiges beigebracht. Aber ein hohes Knie hilft immer.“

Noch heute macht Karin samt Familie tapfer Karate, wenn es ihre Zeit erlaubt. Vor allem die Töchter sind begeistert und kaum zu stoppen, wenn sie im Training sind. Für Karin und Doris ist der Sport notwendiger Ausgleich zu Mutterrolle und Beruf.

„So ein Jahr nachdem ich deine Frau kennenlernte, hatte ich einen Zusammenstoß mit einer Gruppe Jungs. Der Anführer wollte sich vermutlich vor seinen Kumpels beweisen und hat mich dämlich angemacht. Er meinte „Hey Schätzchen, du brauchst doch auch nur einen richtigen Mann!“ Dann hat er mich angefasst.“

„Das war eine üble Sache damals“, höre ich Yumis Stimme. „Die wollten ihr echt an die Wäsche. Die Aktion war filmreif. Ich bin dann dazwischen. Niemand greift eine Frau an, wenn ich in der Nähe bin!“ Was Yumi so locker erzählt, hat einen ernsten Hintergrund. Gleich mehrere Jungs stürmten damals auf Karin zu.

„Du hättest deine Frau sehen sollen!“, sagt Karin mit bebender Stimme. „Wer das einmal erlebt hat, versucht es kein zweites Mal.“ Was ich bestätige. Meine Süße ist herzensgut, aber kann wie eine Bombe explodieren.

„Wie war das, als Yumi dich anprach?“, wechsele ich das Thema und die Zeit. „Hattest du keine anderen Freunde?“ Karin schüttelt langsam den Kopf, als sie sich erinnert. „Im Kindergarten und später in der Grundschule gab es welche. Aber irgendwann habe ich den Kontakt verloren. Oder das Interesse. Ich war die totale Einzelgängerin.“

„Sie war die einsame Wölfin unter lauter Schafen“, stichelt Yumi und lacht sich schlapp, als Karin und Doris ihr die Zunge zeigen. „Ich Doofie“, korrigiert sie sich „Natürlich war sie das Schaf …“ Ich halte ihr den Mund zu und spüre prompt ihre Zähne. Unser Spiel, bei dem wir beide stets gewinnen.

„Ich hatte wirklich Schiss vor Yumi“, gesteht mir Karin. „Mit ihr hast du keinen Streit. Die es versuchten, haben es bitter bereut. Meine Güte, kann die böse werden! Aber ich habe sie auch dafür bewundert. Diese Stärke haben nur wenige Frauen.“

„Hast du jemals geahnt, dass Yumi auch lesbisch ist?“, will ich wissen. Karin schüttelt den Kopf. „Wie denn? Ich habe ein mieses Gaydar! Meist haben mich Mädels aufgerissen.“ Prompt schenkt ihr Doris einen empörten Blick. „Du hast mich angesprochen!“, sagt sie. „Schon“, erwidert Karin. „Du hast mir gefallen, aber ich habe nicht genau gewusst, dass du auf Frauen stehst. Meist habe ich falsch gelegen.“

Sie macht eine kurze Pause und schaut ihre Frau an. Die nickt und Karin strahlt. „Mein Talent Heten anzusprechen, ist wirklich legendär“, erzählt sie weiter. „Aber im Gegensatz zu vielen anderen Mädels, habe ich es wenigstens gemacht.“ „Ist doch total einfach“, nuschelt meine Süße und schmiegt sich in meinen Arm. „Anschauen, Augenkontakt und Peng!“

„Als Yumi damals zu mir kam und mich über Lesben ausfragte, hat mein kleines Herz ganz laut gepocht“, fährt Karin fort. „Ich dachte für einen Moment wirklich, sie suche Streit. Dabei haben wir kaum jemals ein Wort geredet. Aber ich fand sie schon immer toll. Die meisten in der Klasse. Sie war unser Star.“

„War sie streitsüchtig?“, will ich sofort wissen. Wieder schüttelt Karin den Kopf. „Sie hat sich nie etwas gefallen lassen. Aber sie hat schon ab und an Jungs provoziert. Die meisten wussten zum Glück wer sie ist. Aber mit ihr als Freundin lebt es sich leichter.“ Und da hat sie wirklich recht.

Und damit ihr auch weiterhin kraftvoll zuhören könnt, wird es einen dritten Teil geben. (Den Satz hat mir Mayumi diktiert.)