Gedanken einer Ausländerin: Willkommen in Deutschland!?

Düsseldorf im Mai 2020. Alles ist anders und doch seltsam vertraut. Ist das wirklich noch die Stadt in der ich aufgewachsen bin? Normalerweise ist man als Japanerin quasi unsichtbar, aber schon bei der Einreise ernte ich böse Blicke. An meinem Outfit kann es kaum liegen und auch Yuki und Aiko sehen wie immer aus. Allerdings halten wir uns demonstrativ an den Händen und einen Mundschutz tragen wir auf der Straße nicht. Wie erwartet bleiben wir unbehelligt. AusländerInnen genießen in Deutschland Artenschutz.

Little China Girls

„Die halten uns vermutlich für Chinesinnen“, lästere ich, was Yuki zum schmunzeln bringt. „Was ist Chinesinnen?“, will Aiko wissen und schaut mich fragend an. „Chinesinnen sehen fast so aus wie wir, aber reden anders“, erwidere ich. Aiko schaut mich skeptisch an und deutet auf drei asiatische Mädchen, die sich auf Deutsch unterhalten. „Warum sprechen Doitsu?“, will sie in der für sie ungewohnten Sprache wissen und fährt dann auf japanisch fort. „Bitte, warum?“ Yuki schmunzelt und zwinkert mir dann zu. „Sieh zu wie du ihr das erklärst“, soll das heißen. Kein Problem für Mayumi Sensei, ich schaffe das (nicht)!

Angriff war noch immer die beste Verteidigung, also spreche ich die Mädchen einfach an. „Nimén hao (Hallo / Wie geht es euch)?“, will ich wissen. „Gut, danke“, antworten sie wie auf Kommando. „Wir sprechen aber kein Mandarin“, fügt eine leicht verlegen hinzu. „Das trifft sich gut“, erwidere ich“, mein Deutsch ist nämlich sehr viel besser.“ Wir müssen alle lachen und unterhalten uns kurz. Die drei Schwestern leben in Bonn und sind zu Besuch in Düsseldorf. „Wir haben uns irgendwie verlaufen“, höre ich. „Kein Ding, ich bin hier aufgewachsen“, sage ich und erkläre ihnen den Weg. Ich ahne mehr als ich weiß, dass die drei „Mädchen“ alle über Zwanzig sind, was sie mir auch bestätigen. Vorurteile gegen Japaner haben sie keine, an Aiko haben sie sofort einen Narren gefressen. Leider haben wir keine Zeit, um uns länger zu unterhalten.

Schwedenträume

Der Aufenthalt in Düsseldorf bleibt kurz. Stuttgart wartet, aber wir brauchen ein Auto für die Reise. Das hat uns Yukis Vater zur Verfügung gestellt. Bevor wir fahren rufe ich noch bei „Onkel Ahmed“ an. Er geht ihm gut, er freut sich meine Stimme zu hören. „Wir werden dich auf der Rückfahrt besuchen“, verspreche ich. „Hol schon mal die Philosophie aus dem Keller.“ Er lacht und antwortet „Frech wie immer, ich freue mich auf euch.“ Aiko schläft auf der Fahrt. Der SUV bringt uns komfortabel in südlichere Gefilde. Yuki liest mir Schlagzeilen aus der deutschen Presse vor. Fazit: Die Alternativen Medien berichten wie immer viel besser.

Meine Idee, die Tuning-Firma nach Schweden auszulagern, trifft auf wenig Gegenliebe bei den Frauen der Ingenieure. Nur drei sind spontan für einen Umzug bereit, der Rest zögert oder lehnt sofort ab. Die Alternative ist allerdings Arbeitslosigkeit. Alle Männer sind über Fünfzig, aber deutsche Firmen stellen lieber junge (billige) Arbeitskräfte ein. Yukis Vater unterstützt meinen Plan. Während ich in Stuttgart bin, ist er in Schweden. Als klassischer Tuner hätten wir Probleme uns dort anzusiedeln, aber die Firma arbeitet an der Entwicklung von Wasserstoff-Motoren mit.

Alternativen

Kurz überlege ich, ob pendeln zwischen Schweden und Deutschland eine Alternative für die Ingenieure wäre. Das Risiko explodierender Preise ist allerdings zu hoch, um wöchentlich nach Hause zu fliegen. Aus Schweden kommen positive Signale, die dortigen Behörden mögen unseren Plan. Was wir brauchen sind Familien-Unterkünfte und eine Halle. Schweden-Häuser sind nicht wirklich teuer. Sie aber neu zu bauen, wäre eine Millionen-Investition. Während mein Schwiegervater noch sucht, finde ich die passenden Worte. Drei Wochen Arbeit, eine Woche frei, mehrere Teams und einige neue Ingenieure, sind das alternativlose Ergebnis der Gespräche. Nun gilt es weitere Fachkräfte zu finden. Aber das wird nicht meine Aufgabe sein.

Nach dieser Woche sind wir fast am Ende unserer Kräfte. Kaum Sport. wenig Schlaf, nur Aiko hält sich tapfer. Die Kleine ist bei meiner Freundin Linda in guten Händen. Es braucht oft wenig Worte, um sich richtig zu verstehen. In Lindas kleinem Dojo ist endlich wieder Training möglich. Zwar darf sie offiziell noch nicht öffnen, was uns aber wenig interessiert. Zum Spaß halten wir uns Masken vors Gesicht, was in einem mittleren Lachanfall der Mädels endet. Leider hat fast die Hälfte der kleinen Truppe aus Angst vor einer Infektion aufgegeben. Zum Teil seien heftige Worte gefallen, hat Linda mir gesagt. Die Enttäuschung darüber steht ihr im Gesicht geschrieben. „Ich bin am Ende“, sagt sie leise und Tränen laufen über ihr Gesicht.“

The Rich

Die Schlagzeile „American billionaires got $434 billion richer during the pandemic“, ist am 21. Mai auf der Webseite von CNBC zu lesen. „Billion“ ist das englische Wort für „Milliarde.“ Der Amazon-Chef Jeff Bezos hat schlappe 34,6 Milliarden Dollar gut gemacht und der Facebook-Chef Mark Zuckerberg immerhin noch 25 Milliarden. Schon eine Milliarde ist für die meisten Menschen unvorstellbar viel Geld. Vor allem in einer Zeit, die weltweit Firmen und Existenzen vernichtet. Während Menschen voller Verzweiflung den Freitod suchen, Q-Anon weiter von bevorstehenden Verhaftungen der Clintons und Obama orakelt, muss ich eine weitere Entscheidung treffen. Warum müssen Frauen weinen, wenn sie glücklich sind?

Freundinnen haben mich einst auch Miss Iceberg genannt und kalte Wut auf die Reichen dieser Welt füllt mich auch heute aus. Es ist kein Neid, kein Hass, aber mein Unverständnis über diese Menschen wächst. Facing Finance hat die Machenschaften der Bill und Melinda Gates Stiftung aufgedeckt. Ein angeblicher Menschenfreund, der unter anderem an Waffengeschäften beteiligt ist? Diese Doppelmoral ist abscheulich. Vermutlich weiß Bill Gates davon, aber es interessiert ihn nicht. Dem Mann geht es um Geld und Macht und Macht und Geld. Das ist sein Gott, dem er immer dienen wird.

Die Gewalt

Noch immer ermittelt die Polizei im Fall der Verletzten bei einer Stuttgarter Demonstration. Feige Schläger haben Teilnehmer krankenhausreif geprügelt. Der Staatsschutz ist eingeschaltet, was auf eine politische Tat hindeutet. Waren es erneut Antifa-Aktivisten? Bekanntlich ist Deutschland auf dem linken Auge blind. Gewalt ist niemals eine Lösung. Wer Gewalt einsetzt, sucht keinen Diskurs. Gleiches gilt für deutsche Behörden, die willkürlich Demonstranten verhaften lassen. Vor allem die Berliner Polizei steht in der Kritik. Freunde und Helfer sehen anders aus. Wiederholt sich in Deutschland 1933?

Gewalt gegen die eigene Bevölkerung, wird auch weiter von den Politikern ausgeübt. Das Virus war nur ein Vorwand, um alte Pläne zu forcieren. Die Bevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen, ist Mittel zum Zweck. Die politischen Lager zeigen sich weitgehend hilflos und überrascht. Nun versucht man sich neu zu positionieren, zum Ende der Krise wird wieder Wahlkampf gemacht. Als Japanerin habe ich kein Stimmrecht mehr, aber meine Stimme darf ich noch immer erheben. Allerdings kann ich auch schweigend in der Menge stehen. Das habe ich am Wochenende gemacht.

Alternativ vs Querdenken

Sind Demonstrationen der richtige Weg, um etwas zu erreichen? Der falsche Weg sind Äußerungen wie die von Gerhard Schröder, der in den Protesten eine „soziale Gefährdung der demokratischen Substanz“ sieht. „Idioten gab es immer“, wird der Altkanzler zitiert. Ich überlege kurz und denke an die Fehlleistungen des Mannes zurück. Ja, werter Herr Schröder. Idioten gab es immer. Einige davon habe ich in Stuttgart gesehen. Der Verfassungsschutz warnt vor einer „völkisch-nationalen Revolution.“ Angeblich seien die Demonstrationen von NPD-Anhängern unterwandert.

Bestimmt sind diese Wirrköpfe vor Ort, aber ebenso V-Männer des Verfassungsschutzes. In der Summe demonstrieren jedoch normale Bürger, die endlich wieder ohne Einschränkungen leben wollen. Dem politisch-medialen Komplex ist das egal. Merkels Machtwort, ist des Teufels Beitrag in der Krise. Die ewige Kanzlerin beherrscht dieses Land. Der Links-Staat marschiert. Aber auch dafür sind die meisten Deutschen blind.

Stuttgart im Mai 2020. Alles ist anders und doch seltsam vertraut. Ist das wirklich noch die Stadt in der ich einige Jahre lebte? Ist das noch mein Deutschland? Der Schock sitzt tief, als ich die brutale Realität erkenne. Hat man frei denkende Menschen gegen hirnlose Zombies ausgetauscht?

8 Kommentare zu “Gedanken einer Ausländerin: Willkommen in Deutschland!?

  1. Ich habe heute darüber nachgedacht, worin eigentlich der Unterschied zwischen der deutschen und der griechischen Reaktion auf Corona besteht. Die Maßnahmen sind hier sehr viel rabiater gewesen, aber es gab keine Proteste. Warum nicht? Inzwischen werden die Einschränkungen Stück um Stück zurückgenommen, aber immer noch gelten Mundschutz und Abstandsregeln, und das Leben vieler Griechen ist schwierig. Dennoch keine Rebellion.

    Was machen die Griechen? Sie befolgen Gesetze und Verordnungen nur, wenn sie ihnen einleuchten, weil sie finden, dass sie ihren Interessen entsprechen. Wenn sie ihnen nicht einleuchten, dann umgehen sie sie. Sie befolgen sie einfach nicht.

    Beispiel: das Tor zum Basketball-Spielfeld hier um die Ecke ist abgeschlossen. Ein Schild verkündet: Betreten verboten wegen der Covid-Maßnahmen. Dennoch ist das Spielfeld jeden Abend voll. Junge Menschen rennen da herum, sitzen auf den Bänken, unterhalten sich, spielen. Keine Abstandsregel wird eingehalten, und Mundschutz trägt auch niemand, natürlich. Sie kommen durch einen Hintereingang in einem angrenzenden halbverfallenen Gebäude rein.

    Als Deutsche würde ich entweder das Verbotsschild lesen und gehorsam weiterziehen (ist ja verboten, die Obrigkeit wird wissen, warum sie es anordnet) oder ich würde das Schild abreißen und das zugesperrte Tor gewaltsam öffnen (ich lasse mir nichts vorschreiben, ich protestiere, ich fordere die Staatsgewalt heraus). Diese jungen Leute tun weder das eine noch das andere, sie spielen. Jeder kann sie sehen. Niemand käme auf die Idee sie anzuzeigen. Natürlich kommt auch keine „Ordnungskraft“, um sie zu hindern. Und käme eine vorbei, dann würden sie sich wohl verdrücken und am nächsten Abend wieder da sein.

    Anweisungen sind schön und gut, man muss sie machen, Ordnung muss sein – aber das weitere regelt man als Mensch unter Menschen.

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    • Mensch unter Mensch zu sein, haben viele Deutsche ganz offensichtlich vergessen. Die Szene mit dem Spielfeld würde ich mir für ganz Deutschland wünschen. Eine Art friedliche Revolution, ein stiller Protest. Was, so frage ich mich, was würde geschehen, wenn täglich Tausende diesen zivilen Ungehorsam zeigen? Was würde geschehen, wenn sich alle Menschen vor / in einem Supermarkt, die Maske vom Gesicht nehmen?

      Bevor ich etwas mache wäge ich die möglichen Ergebnisse ab, was könnte geschehen, was möchte ich erreichen. In diesem Fall wäre „Normalität“ das Ziel. Das Hindernis liegt im Verhalten der Polizei, bzw. einzelner Beamter. Deren blinder Gehorsam ist zum Teil unangebracht. Es gibt auch für Beamte die Möglichkeit Befehle zu verweigern. Mir zeigt es den Charakter dieser Typen, die auf eine ältere Frau – Angelika Barbe – losgehen und sie über den Platz schleifen. Es gibt mehrere Beispiele, die alle dokumentiert sind. Egal was die Polizei verlauten lässt, die Aggression ging per Videobeweis von den Beamten aus. Eine verbale Attacke rechtfertigt keine körperliche Gewalt.

      Allerdings frage ich mich, ob die Beamten wirklich aus freien Stücken handeln. Machen sie das nicht, wächst mein Unverständnis noch mehr. Wissen sie bereits mehr? Wissen sie, dass es keine „Normalität“ mehr geben wird und Deutschland zu einem „Polizeistaat“ wird? Sind sie einfach nur „dumm“, sprich der Obrigkeit hörig und haben vergessen, was Remonstration bedeutet? Werden sie möglicherweise erpresst? In den USA haben Cops ihren Job verloren, als sie für die Bürger waren und sich gegen die Bestimmungen ihrer Vorgesetzten stellten. Ein Officer wies Demonstranten vor einem Fitness-Studio freundlich darauf hin, dass sie alle gegen die Corona-Verordnungen verstießen, wünschte allen noch einen schönen Tag und ist dann lächelnd gegangen.

      Japaner sind anders. Die Behörden haben an die Vernunft der Menschen appelliert, es wird sich weitgehend daran gehalten. Was mich zum Kern meines Beitrags und dieser Antwort bringt: Sind die Proteste in Deutschland gesteuert? Dr. Schiffmann halte ich für ehrlich, aber beeinflussbar. Professor Bhakdi lässt sich noch weniger instrumentalisieren. Von irgendwelchen „Rechten“ geht in Deutschland keine Gefahr aus. Dieser Schnappatmer-Reflex ist allerdings a. anerzogen und wird b. zur Rechtfertigung der eigenen Existenz gewisser Behörden genutzt. Die eigentliche Gefahr geht von Linksextremisten aus. So sie echt sind! Auch hier bin ich zum Teil skeptisch. Die jüngere deutsche Geschichte zeigt ein unrühmliches Bild des Verfassungsschutzes. Der spielt auf „beiden Seiten“ mit.

      Skeptisch bin ich auch, was Professor Drosten betrifft. Erleben wir in seinem Verhalten die Revanche an Dr. Wodarg, der ihm vor einigen Jahren seinen Irrtum bei der Schweinegrippe nachgewiesen hat? Ist Drosten ein Getriebener von Politik und vor allem der Medien? Oder einfach nur ein Lobbyist der Pharmaindustrie und von Bill Gates.

      Wenn es meine Zeit erlaubt werde ich versuchen an einer oder mehreren Demonstrationen als passive Beobachterin teilzunehmen. Vielleicht erlebe ich ein kleines Wunder. Verhaftet werde ich als Ausländerin mit Sicherheit nicht.

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  2. Zu Linda: Auch mein Sifu darf erst nächste Woche Mittwoch seine Kung Fu Schule unter Auflagen wieder öffnen. Das hat natürlich leider auch für einige Kündigungen gesorgt (ca. 3 Monate kein Training vor Ort). Um nicht noch mehr Schüler zu verlieren, hat er uns über drei Zoom-Meetings per Woche bei der Stange gehalten (gemeinsame „Trockenübungen“).
    Wenn alles gut läuft werden Yi Man und ich in 1,5 Jahren ins EG meines Familienhauses einziehen. Dann kann ich mir auch endlich ein eigenes Traimingszimmer einrichten. Ich hatte auch schon an eine eigene Kung Fu Schule gedacht, mal sehen. 🙂

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      • Das Wesen der Kommata, ein Buch mit vielen Siegeln. Drei, vier Sprachen später und ich habe auch viele Regeln vergessen. Also alles gut. 🙂

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    • Denk weiter! Du bist auf einem guten Weg. Selbstverteidigung (für Frauen und Kinder) wird weiter im Aufwind sein. Männer wollen sich meist nur „kloppen.“ Hilfreich für eine eigene Schule wäre ein „Titel“, also ein Techniker Grad oder eben ein Kuro-Obi. Diese Schule muss nicht jeden Tag offen sein, du könntest zu Beginn monatliche Seminare geben und deinen eigentlichen Beruf weiter ausüben. Aber das ist lediglich eine private Meinung und kein Business-Vorschlag.

      Linda hat(te) ein kleine Security-Firma und im Keller ihr eigenes Dojo. Dort verhaut sie mich nun täglich … nicht. 😉 Schau mer mal, wie es bei ihr weitergeht. Ein Mäuschen hat mir geflüstert, dass ihre Firma gerettet worden ist.

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