The Winter Girl

Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten. (August Bebel)

Die folgende Geschichte ist eine Mischung aus Traumsequenzen und der Realität. Zum besseren Verständnis der Figuren, habe ich ihre Wikipedia-Einträge beigefügt.

Frostharter Boden, winterlich verzaubert ist das Land. Nachtschwarz bedeckt ein Mantel aus Träumen die Welt. Schneeflocken tanzen, Kälte streichelt mein Gesicht. Ich schlafe, aber ist das mein Traum? Jemand hat die Regie übernommen, was selten bis nie geschieht. Aus dem Nichts taucht eine junge Frau vor mir auf. Ihr Blick ist wild, das Katana in ihrer Hand trieft vor Blut.

Ihr Schrei gellt in meinen Ohren, als sie nach mir schlägt. Ich weiche aus und bemerke, dass auch ich ein Katana trage. Ihre Hiebe prasseln auf mich ein, Miamoto Musahis Schwertkunst rettet mich. Instinktiv weiß ich, wer hier vor mir steht. Es ist Tomoe Gozen, Japans berühmteste Kriegerin.

Ich hole tief Luft und konzentriere mich. Wie lange kann ich gegen sie bestehen? Meine Hände brennen, als ich zum Gegenangriff übergehe, der keine Wirkung zeigt. Nie zuvor habe ich das Katana im Ernstfall eingesetzt. Genau das macht letztlich den Unterschied aus, im Gegensatz zu ihr bin ich keine Kriegerin. Trotzdem halte ich sie auf Distanz, kann aber keinen eigenen Angriff mehr starten. Tomoe, da bin ich ehrlich, ist zu gut für mich.

Ich kämpfe um mein Leben, doch ihr Angriff entwaffnet mich. Wird der nächste Schlag mein Ende sein? Ich reagiere und als ich in den Nahkampf gehe lässt auch Tomoe ihr Katana zu Boden fallen. Egal was ich versuche, Tomoe neutralisiert meine Attacken. Umgekehrt ist das ebenso. Erst ein Drehkick schickt sie zu Boden. Nur eine Sekunde später ist sie wieder auf den Beinen. Trotzdem habe ich die Zeit mir Tomoe näher anzusehen.

Die Rüstung verbirgt ihre weiblichen Formen. Nur ihre Haare flattern offen im Wind. Augen, so dunkel wie Kohle, scheinen in die Tiefen meiner Seele zu blicken. Ihre Haut ist heller als meine, Blutspritzer zieren sie als tödliches Make-Up. Ja, diese Frau ist hübsch und einzigartig. Wird sie mein Schicksal sein? Als habe sie meine Gedanken gelesen schnellt sie nach vorn und will meine Beine attackieren. Diesen Fehler haben schon andere gemacht.

Mein Ellbogen landet krachend in ihrem Rücken, nur die Lederrüstung verhindert einen Rippenbruch. Ich packe ihren Arm und versuche einen Hebel. Wieder kontert mich Tomoe aus. Woher kennt sie meine Technik? Mir wird klar, dass Tomoe zumindest eine ähnliche Nahkampf Ausbildung hat. So kann ich sie nicht besiegen. Plötzlich weicht sie zurück, in ihrem Gesicht erscheint eine Mischung aus Überraschung und kalter Wut. „Wie kannst du gegen mich zu bestehen?“, steht dort geschrieben.

Nun ich kann und meine Tritte finden problemlos ihr Ziel. Tomoe bekommt die Prügel ihres Lebens. Jede andere wäre nun am Boden geblieben, aber die Kriegerin steht immer wieder auf. Sie ruft mir etwas zu, was unverständlich für mich bleibt. Zu ihrer Zeit sprach man das längst vergessene Mitteljapanisch. Ich begreife, dass ich ernst machen muss. Aber kann, ja soll ich eine Legende töten?

Sie gibt die Antwort selbst und macht einen Hechtsprung nach vorn, um nach dem im Schnee liegenden Katana zu greifen. Lasse ich das zu, habe ich ein Problem. Brutal landet mein Knie in ihrem Rücken, als mein Sprung sie hart auf den Boden drückt. Sie schreit vor Schmerz und kann sich doch befreien. Ihr Ellbogen trifft meine Magengrube. Nun ist es an mir nach Luft zu ringen. „Miststück“, presse ich hervor, „das wirst du bereuen.“

Natürlich versteht Tomoe kein modernes Japanisch. So wenig, wie ich sie verstehen kann. Ich vermute, dass sie mich wenig Ladylike ebenfalls verflucht. Schimpfen können Japaner wirklich gut. Auch wenn es nur ein Traum ist, muss ich Tomoe besiegen. Sie nutzt ihren Vorteil und hält nun doch das Katana in der Hand. Sie deutet auf meine Waffe. „Heb sie auf“, soll mir das sagen.

Ich habe keine Chance, aber genau die nutze ich. Fair zu sein wird mir kaum helfen. Als Tomoe angreift werfe ich Schnee in ihr Gesicht. Musashi, das weiß ich, hätte ohne zu zögern ein Messer benutzt. Diesmal sitzt mein Armhebel perfekt, stöhnend lässt Tomoe das Katana fallen. Noch ein Ruck und der Arm wird brechen. Aber es kommt anders, eisige Finger öffnen meinen Griff.

„Hört auf zu kämpfen!“, erklingt eine Frauenstimme. Tomoe duckt sich, dann entspannt sich ihr Körper. Die Kriegerin fällt auf die Knie, sie hat ihre Meisterin erkannt. Die tödliche Schönheit der Yuki-Onna zieht auch mich in ihren Bann. Ich tue es Tomoe gleich und sinke vor der Schneefrau auf den Boden. Niemals zuvor, habe ich solche Augen gesehen. Hier steht eine Yokai und kein Mensch vor mir. Was wird sie mit uns machen?

Ihre Aura ist eisig, das kalte Licht des Todes umgibt sie wie ein seidiger Schleier. Eine Handbewegung und wir sind nicht mehr. Mein Magen krampft sich zusammen, die Kälte scheint mich zu verschlingen. Plötzlich taucht eine zweite Frau aus der Dunkelheit auf. Wir sind gerettet, in einen weißen Pelz gehüllt steht nun die Inari vor mir. Die Yuki-Onna weicht zurück und lächelt. Jeder Mann wäre nun vor Schreck tot umgefallen.

„Ihr seid Schwestern und keine Feinde“, höre ich die Stimme der Inari. „So, wie die Yuki-Onna meine Schwester ist. Steht auf Tomoe und Mayumi.“ Wie in Trance gehorche ich. Die Inari greift nach unseren Händen. „Die Vergangenheit trifft auf die Zukunft“, sagt sie leise. „Erkennt euch und sprecht.“ Ihre Worte verhallen als Schneeflocken im kalten Winterwind. Sowohl die Inari wie auch die Yuki-Onna sind verschwunden. Habe ich sie wirklich gesehen?

Tomoe schaut mich an und ich schaue zurück. Ein kurzes Augenduell, dem unser beider Lächeln folgt. „Ich bin Tomoe“, glaube ich zu verstehen. Aber die Worte sind in meinem Kopf, Tomoes Mitteljapanisch bleibt unverständlich. Und doch können wir dank der Inari miteinander reden. „Ich bin Mayumi“, erwidere ich und male mit dem Finger das Kanji in den Schnee. „Bitte entschuldige Yumi-Chan“, sagt Tomoe. „Ich habe dich falsch eingeschätzt. Wir müssen schnell gehen oder meine Gegner töten dich.“

Tomoes Verhalten ist anders, als ich es von heutigen Japanerinnen kenne. Um in einer rauen Männerwelt zu bestehen, hat sie ihre weibliche Seite abgelegt. Und doch weiß ich, dass sie Kontakt zu Männern hatte. Ihr Yumi-Chan amüsiert mich. Hat sie wirklich Yumilein zu mir gesagt? Es zeugt von ihrem Selbstbewusstsein und dass sie mich als Freundin sieht.

Wir laufen durch Nacht und Wind, grausame Stimmen umkreisen uns wie Schatten. Mehrfach werden wir attackiert, Tomoes Katana schlägt eine blutige Schneise, aber den Krieger mit der Teufelsmaske hat sie übersehen. Ich werfe mich in den Schlag, mein Katana zittert unter der Wucht des Hiebes. Blut spritzt, als der Kopf des Samurai zu Boden fällt. Tomoe nickt mir zu, gut gemacht soll mir das sagen. Aber sie hat den tödlichen Schlag geführt.

Die Zeit verrinnt. Sind es nur Minuten oder Stunden die vergehen? Ein neunschwänziger Fuchs erscheint und führt uns in eine Höhle, deren Eingang die Verfolger übersehen. Plötzlich gellen Todesschreie durch die Nacht, als die Männer auf die Yuki-Onna treffen. Das Lachen der Schneefrau lässt die Erde beben. „Was geschieht hier?“, flüstert Tomoe. „Was bedeutet das?“ Ich habe keine Antwort auf ihre Fragen. Die Inari selbst löst das Rätsel auf. Sie erscheint in der Höhle und hält zwei kleine Mädchen in den Armen, in denen ich Tomoe und mich selbst erkenne.

In dieser Nacht erfahre ich viel, was in keinem Buch geschrieben steht. So wie die Nebel von Iga die Geschichte der Shinobi (Ninja) verborgen halten, wird Tomoes Geheimnis für immer bei mir sicher sein. Dass sie eine ungewöhnliche Frau gewesen ist, steht außer Frage. Die Szene verschwimmt, ich sehe mich mit Yuki und der kleinen Aiko durchs winterliche Japan gehen. Das ist wieder mein Traum, den ich täglich lebe.

„Weißt du was, Tante Yumi?“, sagt Aiko, „in der Nacht hat mich eine Winterfee besucht! Die war so weiß wie der Schnee und hat mich holen wollen. Aber dann kam ein Fuchs und hat sie weggeschickt.“ „Du solltest damit aufhören ihr Geistergeschichten zu erzählen“, schimpft Yuki. „Jetzt sieh nur, was du wieder angerichtet hast!“ „Wieso denn, meine liebste Yuki-Onna“, empöre ich mich gespielt. „Immerhin haben wir beide von dir geträumt.“

Yukis Elfenlachen steckt an. Wir verbringen eine wunderbare Zeit im Schnee. Als wir wieder im Hotel sind und Aiko eingeschlafen ist, erzähle ich Yuki von meinem Traum. Sie hört aufmerksam zu und nickt dann wissend. Ihre Mundwinkel zucken verräterisch. „Du träumst also von anderen Frauen“, sagt sie. „Ich will die Scheidung hier und jetzt!“ „Kannste vergessen“, erwidere ich und nehme sie in den Arm. „Selbst im Traum wirst du immer mein einziges Wintermädchen sein.“

Wikipedia Einträge:

Tomoe Gozen

Yuki-Onna

Yokai

Inari

 

Photo by Mengliu Di from Pexels

22 Kommentare zu “The Winter Girl

    • Stichwort „luzider Traum“, lieber Arno. Normalerweise lenke ich meine Träume selbst. Mit Ängsten meinerseits, hatte der Traum wenig zu tun. Ich deute den Auftritt der japanischen Legenden anders. Bei uns herrscht noch immer eine gewisse Unentschlossenheit, wo wir in Zukunft leben. Japan hat wirtschaftliche Vorteile, in den USA fallen zwei lesbische Frauen nicht auf. Die Weltbürgerin in mir, hat gegen ihre japanische Herkunft „gekämpft.“ Fakt ist aber, um kurz abzuschweifen, dass ich Tomoe Gozen wirklich gern getroffen hätte. Einerseits, um mehr über die Kunst des alten Kenjutsu und Aikijujutsu zu erfahren, anderseits um eine außergewöhnlich starke Frau zu sehen. Als Frau der „Yuki-Onna“ zu begegnen, wäre bestimmt interessant. Da ich sie aber bereits seit Jahren kenne, ist das kein wirkliches Problem. 😀

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  1. Ein ganz schön blutiger Traum. 😉 Leider bin ich bei den Waffenformen noch nicht angelangt (Langstock und Doppelmesser). Inwieweit hat sich durch das Erlernen des Waffenkampfes dein Kämpfen ohne Waffen verändert/verbessert?

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    • Wenn du wüsstest, wovon ich wirklich träume … 😀

      Spaß beiseite. Findest du es nicht seltsam, dass du nach all den Jahren Wing Chun noch immer nur Teile dieser Kunst kennst? Warum sprichst du deinen Trainer nicht darauf an und schaust, wie er reagiert, wenn du den Waffenkampf lernen möchtest. Mit dem Bo habe ich schon als Mädchen gekämpft. Allerdings ist der Wing Chun Stock wesentlich länger und hat für die heutige Selbstverteidigung keinerlei Nutzen mehr. Dagegen findest du z. B. einen Besen(stil) in jedem Haushalt.

      Nicht mein Kampf ohne Waffen hat sich durch Kenjutsu verbessert, mein Karate und Aikijujutsu dienten als Grundlage für dessen Beherrschung. Nach und nach, auch durch Hung Gar, Taekwond-Do, Wing Chun, Tai Chi etc. bin ich erst zu der „Kämpferin“ geworden, die ich heute bin. Ich mische quasi instinktiv Stile und Techniken.

      Die Samurai, auch die weiblichen Kriegerinnen, haben damals Kenjutsu und eine frühe Form von waffenloser Selbstverteidigung gelernt, nennen wir es auch Aikijujutsu. Haben sie das Katana verloren, konnten sie noch immer waffenlos kämpfen. Und das sehr effektiv! Beides war fürs Schlachtfeld gedacht, es ging immer nur um „Er“ oder „ich.“

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      • Das nervt mich auch total und ich bin da ganz realistisch. Bei Ip Chun (Sohn von Ip Man) können die Schüler recht schnell alle Formen lernen. Man kann ja auch nur in etwas besser werden, was man regelmäßig übt. Lok Yiu Wing Chun mache ich nun seit 6,5 Jahren. Ich bin noch nicht einmal wieder bei der dritten Form angelangt (Biu Tze). Mit der Holzpuppenform (4. Form) werde ich mich selbstständig zu Hause beschäftigen, da ich keine Lust mehr habe, zu warten.
        Meine Meister aus Hong Kong meinten halt, dass sich das Training mit dem Langstock positiv auf
        mein Gung auswirken würde sowie auch auf meine Balance (im Ma Bo/Pfedestand ausgeführt).

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      • Welche Fortschritte im Wing Chun hast du in den letzten 4 Jahren, seit wir miteinander schreiben gemacht? Sei bitte ehrlich. Wo steht du heute, wo warst du 2016?

        Nehmen wir an, dass du frisch ins Boxtraining kommst und der Trainer dir im ersten Jahr den Jab beibringt. Im nächsten Jahr oder gegen einen entsprechenden Obolus, wird er dir einen Haken – es gibt mehrere – oder eine Gerade beibringen. Nach sagen wir 10 Jahren und viel Geld für „nichts“, kannst du dann (noch immer nicht) boxen. Usw. Usw. Das ist in etwa die Situation der meisten Wing Chun Schüler in Deutschland. Es gibt sehr wenige Schulen / Sifu, die ehrliches Wing Chun unterrichten.

        Nach 6 Jahren Karate oder Taekwon-Do, hat man entweder den 1. Schwarzgurt oder ist zumindest kurz davor. Bewegungslegastheniker natürlich ausgenommen. Ich weiß, du hörst ungern wenn ich sage, dass es auch andere Kampfkünste / -sportarten gibt. Was wäre dabei, wenn du eine kleine Wing Chun Pause machst und vielleicht einige Monate etwas anderes versuchst? Du bist groß, hast lange Beine, eine durchaus gute Voraussetzung für z. B. Kickboxen. Kommt dir jemand zu nahe, wendest du Wing Chun an. Wobei du das z. B. im Gōjū-Ryū- oder Shōrin-Ryū-Karate nicht musst. Die Ähnlichkeiten mit „Kung Fu“ sind zum Teil verblüffend.

        Klassisches Karate finde ich toll. Aber noch toller fand ich schon immer die Möglichkeit, es mit anderen Stilen zu kombinieren, zu ergänzen. Das ist kein „Stilbruch“ sondern Überlebensstrategie. Ohne meinen Blick über den Tellerrand, wäre ich „nur“ ein einfaches Karate Girl.

        Dein Trainer bringt dir offensichtlich immer nur so viel bei, um dich bei (finanzieller) Laune zu halten. Vielleicht kann er es auch nicht besser. Ein guter Trainer würde dir seine komplette Kunst auf dem Silbertablett präsentieren und wäre total stolz darauf, wenn du besser als er bist. Ich schließe aber gern eine Wette mit dir ab, dass du bei ihm auch in weiteren 6,5 Jahren, noch nicht viel weiter als 2020 bist.

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      • 2016 war ich noch mit der ersten Form beschäftigt (Siu Lim Tao). Nun mache ich immerhin wieder die ganze 2. Form Chum Kiu. Vor allem mein Chi Sao hat sich sehr verbessert, wie auch meine Fähigkeiten im Go Sao (freie Angriffe). Grundsätzlich bin ich mit meinen Fortschritten zufrieden. Mich nervt nur, dass sich mein Si-Fu mit den Formen beibringen so Zeit lässt. Das ist aber ehrliches Wing Chun (Lok Yiu Linie).
        Ganz ehrlich, ich würde natürlich gerne noch andere Kicks lernen, keine Frage. Meine langen Beine wären da ja ein Vorteil. Ein Kumpel von mir ist ja Thai Boxer. Seine Tritte brechen Knochen. Er hat regelmäßig in Thailand trainiert. Er spürt auch nichts mehr an den Schienenbeinen. Dort sind seine Nerven kaputt. 😅 Für mich persönlich wäre das Training wahrscheinlich zu hart. Er hat immer gegen Bäume getreten.
        Ich denke, dass ich in 6 Jahren zumindest die Biu Tze abgeschlossen und mit der Holzpuppenform begonnen habe.
        Ich bin schon da, wo ich gerne sein möchte. Mich nervt wie gesagt nur, dass er sich mit den Formen so Zeit lässt. Darum werde ich zu Hause schon mal die Holzpuppenform für mich lernen.

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      • Zitat: „2016 war ich noch mit der ersten Form beschäftigt …“

        Wing Chun ist eine ganz einfache Art der Selbstverteidigung, die jeder einigermaßen Begabte in sagen wir 1 – 2 Jahren vollständig lernen kann. Andere mögen etwas länger brauchen. Vergleichen wir die erste Form mit der 1. Kata im Karate, die Anfänger erlernen. Angenommen ich wäre deine Trainierin, bei Interesse bzw. (d)einer Frage auch andere Kata zu lernen, würde ich dir diese zeigen. Ob du sie dann perfekt ausführen kannst, ist nebensächlich. Du hast sie dann aber gesehen bzw. erlernt, was dir auf deinem weiteren Weg helfen kann.

        Zitat: „Mich nervt nur, dass sich mein Si-Fu mit den Formen beibringen so Zeit lässt. Das ist aber ehrliches Wing Chun (Lok Yiu Linie).“

        Merkst du eigentlich, dass du ihn für sein Verhalten entschuldigst? Wing Chun ist in erster Linie ein cleveres Geschäftsmodell. Man(n) hat nicht existierende Schüler- und Techniker-Grade erfunden, um an (viel!) Geld zu kommen. Es ist genau dieses „Zeit lassen“ und Aussagen wie „Du bist noch nicht soweit“, die Wing Chun Sifu benutzen, um ihr Wissen in Geld umzusetzen. Ernsthaft: Was wäre dabei, wenn er dir noch dieses Jahr ALLE Formen, den Langstock und die Messer zeigt? Warum fragst du ihn nicht? Auf seine Antwort bin ich gespannt. Schau, du hast schon wieder 6,5 Jahre vergeudet und bist doch nur eine Anfängerin geblieben. Es tut mir weh das zu sehen und es macht mir auch keinen Spaß, das nun zu schreiben.

        Nehmen wir einen Schwarzgurt im Karate. „Er“, um bei der männlichen Form zu bleiben, kann alle Techniken und Kata bis zum 1. Dan. Perfekt? Jein. Zumindest besser als die anderen Schüler, ist aber auch noch weit davon entfernt perfekt zu sein. Verstehst du was ich sagen möchte? Ein Schwarzgurt bleibt ebenfalls Schüler, der von höheren Dan-Graden weiter unterrichtet und korrigiert wird. Aber er muss nicht um deren Wissen betteln, man zeigt ihm alles.

        Wing Chun heute ist und bleibt unrealistisch. In diesem Video wird das sehr gut erklärt. Bitte NICHT auf das Sparring achten! Ich bekomme Schreikrämpfe, wenn ich diesen Unsinn sehe.

        Was wäre, wenn du dich z. B. auf einem „offenen“ Kickbox-Turnier anmeldest um zu sehen, wo du „kämpferisch“ stehst? Was wären dabei, einen Abstecher ins Krav Maga zu machen? Oder ins Tai Chi, Hung Gar oder Karate? Wovor hast du Angst? Du kannst nur (an Wissen) gewinnen, selbst wenn du einen sportlichen Kampf verlierst. Es geht auch nicht darum zwei Stile zu vergleichen oder wer „den größeren“ hat, wenn du verstehst. Das machen Männer gern. Ein freundschaftlicher Wettkampf ist etwas anderes. Beide Seiten lernen voneinander.

        Das große Problem auch „ehrlicher“ Wing Chunler: Sie versuchen ihre Techniken / Formen so auszuführen, wie sie ein Ip Man oder wer auch immer vorgegeben hat. Da sie das nie hinbekommen, jeder Wing Chunler hat immer (s)einen eigenen Stil, treten sie auf der Stelle bzw. drehen sich im Kreis. Bei Wettkämpfen verlieren sie meist. Gewinnen sie, haben sie in Wirklichkeit Kickboxen angewandt oder es sind einige wenige außergewöhnliche Menschen. Mit reinem Wing Chun gewinnt man keinen sportlichen Wettkampf.

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      • Wie gesagt, dass mit den Formen sehe ich, wie du. Natürlich ist das auch sein Geschäftsmodell. Wie du weißt, ist jedoch Chi Sao das Herzstück des Trainings, was dir zeigt, ob sich dein Gefühl weiterentwickelt hat (genauso wie im Tai Chi). Mir ist auch klar, dass mich jeder gute Wettbewerbskämpfer umhauen würde, der es gewohnt ist Schläge und Tritte „eintzstecken“. Ich gucke mir jetzt mal das Video an.

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      • Zum Video: Ich bin absolut seiner Meinung. Darum habe ich auch schon mit Freunden, die andere Kampfsportarten betreiben, Sparring gemacht (Thai-Boxen, Boxen, Taekwondo). Beim Go-Sao-Training legt mein Si-Fu auch großen Wert darauf, dass wir frei angreifen, also auch Schwinger, hohe Tritte, Uppercuts etc. und eben nicht nur wingchunartig.

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      • Von „hohen Tritten“ rate ich ab, wenn man sie nicht perfekt beherrscht. Man öffnet damit einem schnellen Gegner Tür und Tor und läuft in dessen Konter. Ich erinnere mich daran, wie ich einer größeren Gegnerin das Standbein weg kickte, als sie meinen Kopf treffen wollte. Das gab eine riesige Aufregung, sie hat lamentiert und geheult, wie „unfair“ das gewesen sei und dann wegen „Verletzung“ aufgegeben. In Wirklichkeit war nur ihr Stolz verletzt. Sie hatte begriffen, dass sie chancenlos war.

        Ziel für im Sparring / Wettkampf wenig erfahrene SportlerInnen sollten die Beine (Oberschenkel) sein. Innen-, Außenseite, das ist egal. Aber bitte nicht voll durchziehen, das kann sonst übel enden. Warum? Attacken gegen die Beine bilden eher die Realität ab, als jede andere Form von Sparring. Auf der Straße hat Mann vielleicht zu enge Hosen und Frau einen zu engen Rock an, was jeden Highkick verhindert. Ein Schienbein, Knie etc. triffst du dagegen immer.

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